In der Hausarbeit wird untersucht, in welcher weise sich Kanada und Deutschland hinsichtlich der Zuwanderungssteuerung unterscheiden und welche gesellschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen für die Gestaltung eines eigenen Zuwanderungskonzeptes in Deutschland übernommen werden könnten. Hierfür werden zunächst die historischen Entwicklungsprozesse der Migrationspolitik in Deutschland beschrieben. In diesem Zusammenhang wird ein Vergleich mit der vom Multikulturalismus geprägten kanadischen Immigrationspolitik vorgenommen und das Punktesystem in Kanada näher untersucht.
Die Debatten um die Idee des Multikulturalismus in Deutschland werden vonseiten der Politik aus diesem Grunde größtenteils kritisch geführt. In Kanada hingegen besteht ein anderes Verständnis gegenüber dem Multikulturalismus. Kanada genießt im Gegensatz zu Deutschland große Anerkennung als attraktives Land mit einem modernen Einwanderungsrecht und gilt in vielfacher Hinsicht als Vorbild einer erfolgreichen Immigrationspolitik. So fordern und diskutieren Vertreter*innen aus unterschiedlichen Parteien in Deutschland die Gestaltung eines Einwanderungsgesetzes nach dem kanadischen Modell. Hierbei empfinden deutsche Politiker*innen insbesondere das Punktesystem, auf dessen Grundlage ein Großteil der Einwanderer*innen ausgewählt wird, sehr reizvoll. Mit diesem Steuerungselement so die Befürworter*innen, ist die Gestaltung der Immigration nach den wirtschaftlichen und sozialen Bedürfnissen des Landes möglich. Darüber hinaus wird hervorgehoben, dass das gesellschaftliche Leben in Kanada durch die Grundsätze der Chancengleichheit und Toleranz gegenüber kultureller Differenz geprägt ist. Dem gegenüber bestehen aber auch kritische Haltungen, die das kanadische Punktesystem als wenig flexibel und dem Arbeitsmarkt hinterherhinkend betrachten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Migration in Deutschland
2.1 Eine geschichtliche Betrachtung
2.2 Öffnung zur Einwanderungsgesellschaft
2.3 Das aktuelle deutsche Zuwanderungsrecht- eine kritische Betrachtung
2.3.1 Unübersichtlichkeit des deutschen Aufenthaltsrechts
2.3.2 Restriktionen des Zuwanderungsrechtes
3. Darstellung des Einwanderungslandes Kanada
3.1 Die Kanadische Einwanderungspolitik aus historischer Perspektive
3.2 Entstehung des Multikulturalismus in Kanada
3.3 Kanadas Migrationspolitik heute- das Punktesystem
4. Deutsche und kanadische Arbeitsmigrationspolitik im Vergleich
5. Abschlussbetrachtung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Unterschiede in der Zuwanderungssteuerung zwischen Deutschland und Kanada, um zu analysieren, welche gesellschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen für ein zukünftiges deutsches Zuwanderungskonzept adaptiert werden könnten.
- Historische Entwicklung der Migrationspolitik in Deutschland und Kanada.
- Analyse des kanadischen Punktesystems und seiner Reformen (z. B. Express Entry).
- Kritische Betrachtung des deutschen Aufenthaltsrechts und bestehender Migrationshürden.
- Die Rolle des Multikulturalismus als gesellschaftliches Integrationsmodell.
- Diskussion der Übertragbarkeit kanadischer Steuerungsansätze auf das deutsche System.
Auszug aus dem Buch
3.3 Kanadas Migrationspolitik heute- das Punktesystem
Hinsichtlich der Migrationssteuerung bestehen in Kanada unterschiedliche Systeme und Programme, die die Einwanderung von Migrant*innen regulieren, von denen einige unter föderaler Verwaltung und andere unter Verwaltung der Provinzen stehen. Kanadas Regierung sieht vor, dass die Einwanderung von Immigrant*innen auf eine Gesamtzahl begrenzt wird, zurzeit sind es etwa 230.000 bis 250.000 Einwander*innen pro Jahr. So wird in Kanada mit dem Familiennachzug (etwa 25%), der ökonomischen Einwanderung (etwa 65 %) sowie der humanitären Aufnahme (etwa 10%) zwischen drei wesentlichen Einwanderungsformen differenziert. Zusätzlich bestehen noch zeitlich begrenzte Aufenthaltsrechte für Student*innen und temporär begrenzt angeworbene Arbeitnehmer.
Für die Einwanderung von Hochqualifizierten hingegen führte Kanada - wie bereits angesprochen - 1967 ein Punktesystem ein, welches die Regulierung von Einwander*innen mit hohen Qualifikationen ermöglichte. Hierbei orientierte sich die ursprüngliche Ausrichtung des kanadischen Punktesystems, insbesondere seit einer Reformierung im Jahre 2002, an den Qualifikationen der Bewerber*innen. Hinsichtlich dieser personenorientierten Arbeitsmigrationssteuerung sind in den letzten Jahren einige Änderungen zu verzeichnen. Standen vormals ausschließlich die Fähigkeiten und Qualifikationen der Bewerber*innen im Vordergrund, wurden zuletzt schrittweise Regulationsinstrumente in das kanadische Einwanderungsmodell implementiert, die zunehmend auch nachfrageorientierten Grundsätzen folgen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den historischen Wandel Deutschlands vom Land mit Einwanderungsskepsis hin zur faktischen Einwanderungsgesellschaft und führt in die Fragestellung zur Steuerbarkeit der Migration ein.
2. Migration in Deutschland: Dieses Kapitel arbeitet die völkische Ideologie als historisches Erbe auf und analysiert die aktuelle deutsche Gesetzgebung kritisch hinsichtlich ihrer Komplexität und Restriktionen.
3. Darstellung des Einwanderungslandes Kanada: Hier werden die historische Entwicklung, das Modell des Multikulturalismus sowie die Funktionsweise des Punktesystems in Kanada als Vergleichsgegenstand detailliert beschrieben.
4. Deutsche und kanadische Arbeitsmigrationspolitik im Vergleich: Dieses Kapitel führt die Analyse zusammen und diskutiert die Übertragbarkeit von Elementen des kanadischen Punktesystems auf die deutsche Migrationssteuerung.
5. Abschlussbetrachtung: Die Abschlussbetrachtung fasst die Ergebnisse zusammen und betont, dass eine bloße Kopie kanadischer Methoden aufgrund unterschiedlicher historischer Identitäten und EU-rechtlicher Bindungen nicht zielführend ist.
Schlüsselwörter
Arbeitsmigration, Einwanderungsland, Punktesystem, Deutschland, Kanada, Multikulturalismus, Migrationssteuerung, Fachkräfte, Aufenthaltsrecht, Integration, Qualifikation, Express Entry, Drittstaaten, Arbeitsmarkt, Zuwanderung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Unterschiede der Migrationssteuerung in Deutschland und Kanada, um Potenziale für die deutsche Einwanderungspolitik aufzuzeigen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen sind die historische Identitätsbildung, aktuelle Steuerungsinstrumente wie Punktesysteme und das Konzept des Multikulturalismus.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu untersuchen, welche Rahmenbedingungen des kanadischen Modells für ein eigenständiges deutsches Zuwanderungskonzept genutzt werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine komparative Analyse, in der das deutsche und kanadische System gegenübergestellt und kritisch bewertet werden.
Was steht im Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil behandelt die historische Herleitung der deutschen Migrationsskepsis, die kanadische Einwanderungspolitik und den direkten Vergleich der Steuerungselemente.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch die Begriffe Arbeitsmigrationssteuerung, Multikulturalismus und Punktesystem geprägt.
Warum wird das kanadische Punktesystem kritisch betrachtet?
Kritikpunkte sind unter anderem die Gefahr der Fehlallokation am Arbeitsmarkt und der hohe Verwaltungsaufwand, der in Kanada zu einem Rückstau an Bewerbungen führte.
Welche Rolle spielt die völkische Ideologie im Kontext der deutschen Migrationspolitik?
Die Arbeit argumentiert, dass die völkische Ideologie als historisches Erbe bis heute Einfluss auf die politische und gesellschaftliche Einstellung gegenüber Einwanderung und dem Verständnis der nationalen Identität hat.
- Arbeit zitieren
- Helge Schumacher (Autor:in), 2017, Arbeitsmigrationssteuerung in Deutschland und Kanada. Ein Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1012454