Trakl, Georg - Grodek


Referat / Aufsatz (Schule), 2001

3 Seiten, Note: 2


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Georg Trakl: Grodek

Am Abend tönen die herbstlichen Wälder Von tödlichen Waffen, die goldenen Ebenen Und blauen Seen, darüber die Sonne Düstrer hinrollt; umfängt die Nacht Sterbende Krieger, die wilde Klage Ihrer zerbrochenen Münder.

Doch stille sammelt im Weidengrund

Rotes Gewölk, darin ein zürnender Gott wohnt Das vergoßne Blut sich, mondne Kühle; Alle Straßen münden in schwarze Verwesung. Unter goldnem Gezweig der Nacht und Sternen

Es schwankt der Schwester Schatten durch den schweigenden Hain, Zu grüßen die Geister und Helden, die blutenden Häupter; Und leise tönen im Rohr die dunklen Flöten des Herbstes. O stolzere Trauer! ihr ehernen Altäre

Die heiße Flamme des Geistes nährt heute ein gewaltiger Schmerz, Die ungebornen Enkel.

Georg Trakl

Georg Trakl, geboren am 3.2.1887 in Salzburg, gelernter Apotheker, expressionistischer Dichter, erlebte vom 8.-11. September 1914 seinen ersten Einsatz im Ersten Weltkrieg. In der Schlacht nahe dem galizischen Grodek erlitten das königlich-kaiserlichen Heer eine herbe Niederlage, ganz Ost-Galizien fiel an Rußland. Für die neben vielen Toten zahlreichen Verwundeten der Kämpfe wurde in einer Grodeker Scheune ein Notlazarett eingerichtet. Dort sollten sie versorgt werden. Das medizinische Personal bestand aus null Ärzten und einem Medikaments-Akzessisten: Georg Trakl. Zudem standen keinerlei Medikamente zur Verfügung. Trakl war überfordert; einer seiner Patienten schoß sich vor seinen Augen eine Kugel in den Kopf.

Trakl versuchte kurze Zeit später, sich ebenfalls umzubringen, wurde aber davon abgehalten und in die Armeepsychatrie in Krakau eingeliefert.

Dort besuchte ihn am 24./25. Oktober sein Freund Ludwig v. Ficker. Trakl las ihm einige dort geschriebene Gedichte vor, darunter auch die Erstfassung von "Grodek". Nach der Abreise v. Fickers überarbeitete Trakl das Gedicht und schickte es ihm per Post am 27. Oktober. Es war sein letztes Gedicht.

Am 2. November vergiftete er sich mit einer Überdosis Kokain - süchtig war er schon vor Kriegsbeginn - und starb tags darauf.

Dieses biographische Hintergrundwissen gibt, denke ich, einige Hilfestellungen bei der Interpretation. Trakl schrieb "Grodek" im Angesicht des Todes. Das gespenstische, unterstrichen durch den Klangeindruck - zahlreiche Alliterationen betonen einzelne Laute wie im Rausch - erhellt eine logische Begründung.

Auch das möglicherweise noch verwunderliche Bild der Schwester läßt sich biographisch deuten: Trakl hatte eine enge Beziehung (möglicherweise enger als erlaubt) zu seiner Schwester "Gretl", was Wunder, wenn er sich kurz vor seinem Tode nochmals an sie erinnerte.

Interpretation

"Grodek" ist ein Gedicht im Kontext des 1. Weltkrieges, eines von vielen expressionistischen Kriegsgedichten.

Die ersten neun Verse beschreiben Kriegseindrü>Kontrast zwischen dem Geschehnis und der Naturlandschaft in der sich das Ganze ereignet. Selbst die Sonne, sonst positivst besetzt, wirkt bedrohlich: das Oxymoron (Rhet. Zusammenstellung zweier sich widersprechender Begriffe als rhet. Figur, z.ÿB. »bittersüß«)1 der "düsteren Sonne" (V. 3) wirkt um so eindrucksvoller, als ein Enjambement (Verslehre Übergreifen eines Satzes auf den nächsten Vers)1 die Rollbewegung der Sonne unterstützt mit der sie alles niederwalzt.

Der 10. Vers bildet eine Art Mittelachse und gibt die Hauptthese wieder: es gibt keinen Ausweg aus dem Untergang, "Alle Straßen münden in schwarzer Verwesung."

Die Verse 11-13 bringen neue Elemente: Vom sehr realen Kriegseindruck hin zum geisterhaften. Selbst der Bezug zu den Verwandten in der Heimat, der Schwester in Vers 12, wird durch relativiert: es ist nur ihr "Schatten" - und der grüßt die "Helden". Der Begriff wird umrahmt durch gleichgesetzte "Geister" und die "blutenden Häupter" - somit wird das Wort "Held" eher ironisch-makaber aufgefasst.

Entgegen dem tönenden Beginn des Gedichts endet es in den letzten vier Versen in der unheimlichen Stille: Wie aus der Perspektive der Sterbenden wird der Kriegslärm nicht mehr voll wahrgenommen, sondern nur als leises, dumpfe Hintergrundgeräusch irgendwo "im Rohr" (V. 14) wahrgenommen. Verzweiflung (die Emphase (Nachdruck [im Reden])1 "O" in V. 15, das Ausrufezeichen mitten im Satz) und Hoffnungslosigkeit lassen sogar die ferne Zukunft düster erscheinen. Die "ungebornen Enkel" (V. 17) als Vertreter der kommenden (oder auch nicht mehr kommenden) Generationen beenden das Gedicht.

Doch damit endet nicht nur das Gedicht - es endet auch das dichterische Werk des Autors. Und kurze Zeit darauf endet auch sein Leben.

Verwendete Hilfsmittel

http://www.geocities.com/stneumann65/index.htm

http://www.think-of-me.de/Biography/Georg_Trakl.htm

http://www.ni.schule.de/~pohl/unterricht/de/methoden/gedicht.htm http://www.hausarbeiten.de/rd/archiv/deutsch/deutsch-o-trakl.shtml

Lesezeichen 4

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1 Laut „DUDEN die Deutsche Rechtschreibung 2000“

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3 von 3 Seiten

Details

Titel
Trakl, Georg - Grodek
Note
2
Autor
Jahr
2001
Seiten
3
Katalognummer
V101251
Dateigröße
332 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Grodek
Arbeit zitieren
Hannes T. (Autor), 2001, Trakl, Georg - Grodek, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/101251

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