Umfassende klinische Darstellung des Krankheitsbildes der Aufmerksamkeits - Defizits - Hyperaktivitätsstörung und Diskussion der Diagnose im gesellschaftlichen Kontext.
Entsprechend dem Diagnostischen und Statistischen Manual Psychischer Störungen (DSM-V) herausgegeben von der American Psychological Associaton (APA) 2013 ist ADHS „Eine Entwicklungsstörung, die durch ein beeinträchtigendes Ausmaß an Unaufmerksamkeit, Desorganisation und/oder Hyperaktivität – Impulsivität definiert ist. […] Diese Symptome liegen in einem Ausmaß vor, das für das Alter oder die Entwicklungsstufe übermäßig stark ausgeprägt ist. In der Kindheit geht ADHS häufig mit anderen Störungsbildern einher, […] wie beispielsweise mit der Störung mit Oppositionellem Trotzverhalten und mit der Störung des Sozialverhaltens. ADHS dauert oft bis ins Erwachsenenalter an und zieht Beeinträchtigungen im sozialen, schulischen und beruflichen Funktionsniveau nach sich.“ Die Ursache für die Störung ist in vier verschiedenen Bereichen zu finden: der Genetik, der Neurophysiologie, der Neuropsychologie und in psychosozialen Faktoren. Die Diagnostik findet über Fragebogenverfahren, Verhaltensbeobachtung, Leistungs- und Aufmerksamkeitsdiagnostik und neurologische Untersuchungen statt. Die Therapie beruht auf den verschiedenen Säulen der Medikation mit Metylphenidat, Psychoedukation und verhaltenstherapeutischen Maßnahmen (Jacobs & Petermann, 2010). Es gibt sowohl Kritik am Krankheitsbild, als auch an den Diagnoseverfahren und der Therapie, wobei als alternativer Vorschlag eine entwicklungspsychologische Störung hervorgerufen durch die Gesellschaft vorgeschlagen wird. In der Diskussion können nur einige der Kritikpunkte entkräftet werden, nicht aber alle. Vermittelnd wird hier noch das integrative Erklärungsmodell nach Gerald Hüther dargestellt.
Inhaltsverzeichnis
1. Zusammenfassung
2. Einleitung
3. Aufmerksamkeitsdefizit – Hyperaktivitätsstörung
3.1 Definition
3.2 Symptomatik
3.3 Ursachen
3.4 Diagnostik und Therapie
3.5 Kritik am Krankheitsbild und der Medikation
4. Diskussion: Gendefekt oder Modediagnose?
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das komplexe Krankheitsbild der Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) im Spannungsfeld zwischen neurobiologischer Diagnose und gesellschaftskritischer Hinterfragung. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert dabei auf die Kontroverse, ob ADHS als genetisch bedingte Störung oder als Resultat gesellschaftlicher Entwicklungen zu verstehen ist.
- Definition, Symptomatik und Ursachen von ADHS
- Methoden der Diagnostik und gängige Therapieansätze
- Kritische Analyse des Krankheitsbildes und der medikamentösen Behandlung
- Diskussion gesellschaftlicher Einflüsse (Reizüberflutung, Leistungsdruck)
- Integrative Erklärungsmodelle (z. B. nach Gerald Hüther)
Auszug aus dem Buch
3.5 Kritik am Krankheitsbild und der Medikation
Den Anfang soll die Kritik am Krankheitsbild selbst machen. Der universitäre psychiatrische Dienst Berns nahm die steigenden Diagnosezahlen von ADHS im adulten Bereich zum Anlass zu untersuchen, ob die Neuropsychologie von ADHS Patienten tatsächlich einen Unterschied zu der von Patienten mit anderen psychischen Störungen oder einer Kontrollgruppe aufwies. Die Antwort darauf geben Tschacher und Feuz (2011, S.72 – 73) zusammenfassend wieder: „Gemäß den Daten der Berner Studie lässt sich die ADHS – Symptomatik statistisch denn auch wesentlich besser als >> Persönlichkeitsstil<< erklären denn als neuropsychologische Störung. […] Um die 30% der Symptomatik [können] auf Persönlichkeitszüge zurückgeführt werden [..]. Charakteristisch für ADHS – Betroffene sind insbesondere hoher Neurotizismus, gering ausgeprägte Veträglichkeit sowie niedrige Gewissenhaftigkeit. […] Wir fanden allgemein, dass die ADHS – Symptomatik in allen Fällen mit deutlicher Psychopathologie assoziiert war, das heißt mit persönlichem und sozialem Leistungsdruck.“
Besonders der letzte Aspekt, der die gesellschaftlichen Einflüsse für das vermehrte Auftreten der ADHS – Symptomatik anspricht, ist ein viel diskutierter Kritikpunkt. Gibt es die Krankheit vielleicht gar nicht? Sind die Symptome Ausdruck einer krankmachenden Gesellschaft? DeGrandpre und Nohl (2005, S.16) gehen sogar soweit sie als „kulturell induzierte Hirnfunktionsstörung, die aus unserer Sucht nach Geschwindigkeit resultiert“ zu bezeichnen. Er führt dies weiter aus, indem er erklärt, dass unsere Gesellschaft uns vollkommen mit Reizen jeder Qualität (visuell, audtitiv, olfaktorisch) überflutet (S.25).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Zusammenfassung: Dieses Kapitel gibt einen kurzen Überblick über die Definition, Ursachen, Diagnostik und Therapiemöglichkeiten von ADHS sowie die bestehende Kontroverse.
2. Einleitung: Die Einleitung führt mittels eines Gedankenexperiments in die Problematik ein und beleuchtet die gegensätzlichen Positionen von medizinischer Notwendigkeit und gesellschaftlicher Kritik.
3. Aufmerksamkeitsdefizit – Hyperaktivitätsstörung: Dieser Hauptteil erläutert fundiert die medizinischen Grundlagen, Symptome, Ursachen, diagnostischen Verfahren und Interventionsmöglichkeiten.
3.1 Definition: Hier wird ADHS als Entwicklungsstörung auf Basis des DSM-V definiert.
3.2 Symptomatik: Detaillierte Auflistung der Kernsymptome Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität sowie deren Verlauf über verschiedene Lebensphasen.
3.3 Ursachen: Untersuchung genetischer, neurophysiologischer, neuropsychologischer und psychosozialer Faktoren.
3.4 Diagnostik und Therapie: Darstellung der klinischen Diagnoseverfahren sowie der medikamentösen und therapeutischen Behandlungsansätze.
3.5 Kritik am Krankheitsbild und der Medikation: Kritische Auseinandersetzung mit der Existenz des Krankheitsbildes und den Gefahren der vorschnellen Medikation.
4. Diskussion: Gendefekt oder Modediagnose?: Eine abwägende Diskussion, die biologische Erklärungen und gesellschaftskritische Ansätze integriert und auf die Komplexität der neuronalen Plastizität eingeht.
5. Fazit: Das abschließende Urteil plädiert für einen differenzierten Ansatz, der ADHS nicht als Modediagnose diskreditiert, aber die Bedeutung gesellschaftlicher Kontexte und integrativer Erklärungsmodelle hervorhebt.
Schlüsselwörter
ADHS, Aufmerksamkeitsdefizit, Hyperaktivitätsstörung, Medikation, Ritalin, Neurobiologie, Entwicklungsstörung, Symptomatik, Diagnostik, Gesellschaftskritik, Reizüberflutung, Pädagogik, integrative Erklärungsmodelle, neuronale Plastizität, Psychologie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert das Krankheitsbild ADHS kritisch und untersucht, inwiefern es sich um eine medizinisch eindeutige Diagnose oder eine Reaktion auf gesellschaftliche Anforderungen handelt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die medizinischen Definitionen von ADHS, die Diagnostik, die medikamentöse Therapie und die soziologische Kritik an der "Ritalin-Gesellschaft".
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit geht der Frage nach: "ADHS – Gendefekt oder Modediagnose?" und sucht nach einer Synthese dieser gegensätzlichen Sichtweisen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die verschiedene klinische Studien, theoretische Ansätze und Fachliteratur zusammenträgt und diskutiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden neben den medizinischen Grundlagen (Symptome, Ursachen) die diagnostischen Standards und die verschiedenen therapeutischen Interventionen detailliert ausgeführt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören ADHS, neuronale Plastizität, medikamentöse Therapie, gesellschaftliche Reizüberflutung und integratives Erklärungsmodell.
Wie bewertet der Autor die medikamentöse Behandlung mit Ritalin?
Der Autor sieht Ritalin kritisch als Mittel, das Symptome kurzfristig abmildern kann, aber bei leichtfertigem Einsatz und mangelnder verhaltenstherapeutischer Ergänzung zu problematischen Langzeitfolgen führen kann.
Was besagt das integrative Erklärungsmodell nach Gerald Hüther?
Dieses Modell verbindet neurowissenschaftliche Erkenntnisse mit entwicklungspsychologischen Aspekten und betont, dass individuelle Erfahrungen die neuronale Entwicklung maßgeblich prägen.
Ist ADHS laut der Arbeit eine "Erfindung"?
Nein, der Autor kommt zu dem Schluss, dass ADHS keine reine Modediagnose ist, da die Beeinträchtigungen der Betroffenen real sind, mahnt jedoch zur Vorsicht bei der Kategorisierung.
- Arbeit zitieren
- Master of Science Christien Budde (Autor:in), 2016, ADHS - Gendefekt oder Modediagnose?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1012512