Folgende Arbeit wird sich mit der Hauptfigur Effi beschäftigen und herausarbeiten, inwiefern sich Effi Briest in das typische Frauenbild des 19. Jahrhundert einordnen lässt.
Betrachtet man die Entwicklung des Menschen über die Jahre hinweg, so fällt schnell auf, dass die Geschlechterrollen von jeher genauestens festgelegt sind. Somit gibt es bereits in der Steinzeit eine typische Rollenverteilung: Die Männer gehen auf die Jagd, während die Frauen Beeren sammeln und sich um die Kinder kümmern. Im Imperium Romanum ist die Rolle der Frau auf den Haushalt und die Kindererziehung beschränkt. Zudem wird das weibliche Geschlecht hier als rechtsunfähig erklärt. Während im Mittelalter die Dichter des Minnesangs die weibliche Gestalt zwar besingen, erhält die Frau trotzdem eine untergeordnete Rolle und muss ihrem Mann Gehorsam leisten. Im 17. Jahrhundert sind die Frauen mitverantwortlich für den Arbeitsablauf im Betrieb des Mannes, was sich im 18. Jahrhundert jedoch ändert. Fortwährend soll sich die Frau drei wichtigen Aufgaben widmen: Zum einen ist sie verantwortlich für die Erziehung der Kinder. Sie ist außerdem Hausfrau und muss sich um das Wohlbefinden ihres Ehemanns kümmern. Die Frauen sind somit auf die häusliche Sphäre begrenzt und in das öffentlichen Leben nicht mit eingebunden. Im 19. Jahrhundert wird in Deutschland von Louise Otto-Peters die Frauenbewegung angeführt. Frauen sollen Rechte erhalten und in politische Entscheidungen mit einbezogen werden. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ist es den Frauen gestattet Universitäten zu besuchen. Dies ist zudem die Zeit, in der sich die bürgerliche Welt etabliert und langsam ein gleichberechtigtes Nebeneinander in Ehen möglich wird. Die Bestimmung der Frau im 19. Jahrhundert bleibt nichtsdestotrotz die Heirat und die Kindererziehung. „Das Private wird zunehmend zu einer problematisch empfundenen ‚gesellschaftlichen Öffentlichkeit’, zur Projektionsfläche für Werte und Normen, die wenig Anwendungsspielraum lassen.“
Einer der wichtigsten Autoren dieser Zeit ist Theodor Fontane (1819 – 1898), der seinen Gesellschaftsroman Effi Briest erstmals in sechs Teilen, von 1894 bis 1895, in einer literarischen und wissenschaftlichen Zeitung veröffentlichte. 1896 erschien das Werk, das als Höhepunkt des poetischen Realismus gilt, erstmals als Buch. Die Handlung des Romans erstreckt sich über zwölf Jahre und beschreibt das Schicksal von Effi, nach der Fontane sein Werk benannt hat.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Rolle der Frau in der bürgerlichen Gesellschaft des 19. Jahrhunderts
3. Bovarysme und Ehebruchsroman
4. Effis Rolle in der Gesellschaft
5. Effis Untergang – Ihr Scheitern in der Gesellschaft
6. Fontanes Frauenwandel in Effi Briest
7. Conclusio
8. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Frauenbild im 19. Jahrhundert anhand von Theodor Fontanes Gesellschaftsroman "Effi Briest" und analysiert, inwiefern die Protagonistin als typische Vertreterin ihres Geschlechts in dieser Epoche gelten kann.
- Rollenbilder der Frau im 19. Jahrhundert
- Der Einfluss gesellschaftlicher Konventionen auf die Ehe
- Die literarische Kategorie des Bovarysme im Ehebruchsroman
- Effi Briest im Spannungsfeld zwischen Individuum und Gesellschaft
- Der Zusammenhang von gesellschaftlichem Tabubruch und persönlichem Scheitern
Auszug aus dem Buch
3. Bovarysme und Ehebruchsroman
Der Term Bovarysme ist in der französischen Literatur zum Synonym geworden für den Zustand der Unzufriedenheit, der unglücklich verheiratete Frauen ergreift, die durch Flucht in Traumwelten der niederdrückenden banalen Realität ihres Alltags zu entfliehen versuchen.20
Der Begriff Bovarysme entstand, durch die, von Flaubert in seinem gleichnamigen Roman erschaffene, Frauenfigur, Emma Bovary, die unter ihrer Ehe und ihrem langweiligen Leben leidet. Dieser ennui unter dem Frau Bovary leidet, empfindet auch Fontanes Figur Effi Briest. Sowohl Emma, als auch Effi träumen in ihrem Leben von Leidenschaft und Aufregung und werden in der Realität dadurch enttäuscht, dass sie ein langweiliges Leben vor sich hinleben. Die Frauen leiden an ihrem unerfüllten Leben und der Sehnsucht nach Glück oder „[...] sie geben sich der Resignation und einer stillen unerfüllten Sehnsucht hin.“21 Sie leiden an der utopischen Wunschvorstellung und entscheiden sich schließlich häufig für den Weg der Selbstzerstörung.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung gibt einen historischen Abriss über die Entwicklung der Geschlechterrollen vom Altertum bis zum 19. Jahrhundert und führt in die Thematik des Romans sowie dessen literarische Bedeutung ein.
2. Die Rolle der Frau in der bürgerlichen Gesellschaft des 19. Jahrhunderts: Dieses Kapitel beleuchtet die zeitgenössischen philosophischen und gesellschaftlichen Ansichten zur Frau, insbesondere die geistige Unterwerfung und die Bedeutung der Ehe als Pakt.
3. Bovarysme und Ehebruchsroman: Hier wird der literarische Begriff des Bovarysme erläutert und auf die Leidensgeschichte der Protagonistin Effi Briest übertragen.
4. Effis Rolle in der Gesellschaft: Der Fokus liegt auf Effis Werdegang, ihrer arrangierten Ehe und den damit verbundenen gesellschaftlichen Erwartungen sowie dem Unterdrückungsmechanismus durch den Ehemann.
5. Effis Untergang – Ihr Scheitern in der Gesellschaft: Dieses Kapitel analysiert Effis Affäre, den daraus resultierenden gesellschaftlichen Verstoß und das schließlich daraus folgende Scheitern.
6. Fontanes Frauenwandel in Effi Briest: Die Analyse konzentriert sich auf Fontanes individuelles Frauenkonzept und die symbolische Darstellung der Protagonistin innerhalb der Epoche.
7. Conclusio: Die Conclusio fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt Effi Briest trotz ihres Tabubruchs als typische Frauenfigur ihrer Zeit, die am starren Gesellschaftssystem zerbricht.
8. Literaturverzeichnis: Auflistung der für die Untersuchung herangezogenen Primär- und Sekundärquellen.
Schlüsselwörter
Effi Briest, Theodor Fontane, 19. Jahrhundert, Frauenbild, Ehebruchsroman, Bovarysme, Gesellschaftskritik, Geschlechterrollen, Ehe, Patriarchat, Sozialisation, Literaturwissenschaft, Realismus, Emanzipation, Identität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht das Frauenbild des 19. Jahrhunderts und wie dieses in Theodor Fontanes Roman "Effi Briest" dargestellt und kritisiert wird.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Zentrum stehen die gesellschaftlichen Erwartungen an die bürgerliche Frau, das Konzept der Ehe, der Ehebruch als Tabubruch sowie das Scheitern des Individuums an sozialen Konventionen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es herauszuarbeiten, ob und inwiefern Effi Briest als typisches Beispiel für das Frauenbild ihrer Zeit angesehen werden kann.
Welche methodische Vorgehensweise wurde gewählt?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den Roman in den historischen und philosophischen Diskurs des 19. Jahrhunderts einbettet.
Welche inhaltlichen Schwerpunkte bilden den Hauptteil?
Der Hauptteil analysiert die gesellschaftliche Rolle der Frau, den Begriff des Bovarysme, Effis persönliche Entwicklung sowie ihren sozialen Untergang nach dem Ehebruch.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Bovarysme, bürgerliche Gesellschaft, Konvention, Ehebruchsroman, Patriarchat und Emanzipation.
Inwieweit spielt die Figur der Elisabeth von Plotoh eine Rolle für die Argumentation?
Die Autorin zieht einen Vergleich zwischen Elisabeth von Plotoh (der historischen Vorlage) und Effi Briest, um aufzuzeigen, wie unterschiedliche Lebenswege emanzipierte von typischen Frauenbildern unterscheiden.
Wie bewertet die Arbeit die Rolle von Innstetten im Kontext der bürgerlichen Moral?
Innstetten wird als Repräsentant gesellschaftlicher Normen gesehen, der zwar seine Frau liebt, jedoch aufgrund seines starren Ehrbegriffs und der gesellschaftlichen Zwänge zur Rache bzw. zum Duell gezwungen ist.
- Citation du texte
- Magalie Desorbay (Auteur), 2019, Effi Briest. Eine typische Frau des 19. Jahrhunderts?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1012556