Andersch, Alfred - Sansibar oder der letzte Grund - Helanders Träume


Referat / Aufsatz (Schule), 2001
2 Seiten

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Sarah Pischke Helanders Träume

(S.147-149)

-Aufgabe:

Helander wird immer von den gleichen schrecklichen Alpträumen heimgesucht. Auf der Suche nach einer Erklärung dafür beschäftigt er sich mit den Schriften Freuds. Inwieweit ist die Auseinandersetzung mit Freuds Theorien hilfreich?

Der Pfarrer Helander wird immer von zwei wiederkehrenden Träumen heimgesucht:

Der erste Traum spielt sich in einem Hotel in Lille ab, wo Helander nach dem Krieg Station machte. Dort wird er Zeuge eines Selbstmordversuches einer Frau, die sich eine Etage unter ihm wohnend, vom Balkongeländer stürzen will. Das Schlimmste an Helanders Träumen ist für ihn die absolute Trostlo- sigkeit der Räume, wo sich das Geschehen jeweils abspielt (S.147). Das heißt sowohl das Hotelzimmer als auch die Straßen der Stadt bleiben Helander so extrem trostlos in Erinnerung, dass er den Ort als das Totenreich empfindet. In diesem Fall ist der Traum eine Erinnerung an den Krieg und die grauen- haften Geschehnisse die in Helander ein Gefühl der Leere und Trostlosigkeit hervorrufen.

Der zweite Traum hingegen spielt sich rein in seinen Gedanken ab, da sein Ursprung nicht von einer real erlebten Situation herrührt. Vielmehr entpuppt dieser sich als eine Art unerfüllbaren Wunschtraum Helanders, den er sich, dessen er sich auch bewußt ist, nie erfüllen kann:

In diesem Traum schwebt er mit einer überdimensionalen Schaukel über den Fjorden in Norwegen und betrachtet die Landschaften aus Gebirgen und Meer (S.148). Da er nie die Möglichkeit hatte Norwegen zu besuchen und auch weiß, es nie zu schaffen, sieht er sich zu diesem Wunschtraum gerade- zu als verurteilt. Beide Träume verbindet die Trostlosigkeit und das Gefühl Helanders im To- tenreich zu sein, doch zugleich schöpft der Pfarrer Mut aus den wiederkeh- renden Träumen, indem er sie als seine stärksten Gottesbeweise deklariert, mit dem Gefühl in einer Welt zu leben, die erlöst werden muss. In dieser Si- tuation könnte das Erlösen vom Nationalsozialismus bedeuten, wodurch die Welt in einer erneuten Sünde verfallen ist (vgl.98 „(...) weil sie das Reich der Anderen ohne jeden Kompromiß zum Reich des Bösen erklärten (...)“/ ande- re Stelle: „Sünde“).

Als Helander seine Träume mit den Theorien Sigmund Freuds vergleicht, kommt er zu dem Entschluß, seine Träume sind Symbole unterdrückter Triebe, Bilder von Liebe und Tod. Gleichzeitig weiß er, dass die diesseitige Welt die Hölle ist, die absolute Leere, wo Gott nicht anwesend ist.

Helanders Träume und sein gesamtes Lebensgefühl lässt sich aber auch auf Freuds „Depression - Krankheit zum Tode“ beziehen, denn dort werden De- pressionen mit den Erscheinungen von Einsamkeit, Mutlosigkeit, Leere und Hoffnungslosigkeit, sowie Angst beschrieben, die vollends auf Helander zu- treffen. Grund dieser Krankheit ist die psychische Verarbeitung des eigenen Lebens, die

- durch den Tod eines nahestehenden Menschen und dem Gefühl der eigenen Schuld an diesem Geschehen, s sowie einer Behinderung

- und dem Gefühl des Nicht-mehr-gebraucht-werdens,

- aber auch durch die Jahreszeit, z.B. Winterdepressionen verursacht werden.

All diese Ursachen treffen auf Helander zu:

- er verlor seine einzige Liebe und das Kind seiner Frau

- die Schmerzen seines im Krieg verlorenen Beines bereitet ihm Angst vor dem Tod

- seine Kirche wird nicht mehr so oft besucht, wie zuvor

- und nicht nur die farbigen Ziegeln der Kirche, sondern auch die Farben der Jahreszeit rufen in ihm Depressionen hervor.

Hinzu kommt auch die von Helander eingebildete Abwesenheit Gottes, auf dessen Zeichen er ein Leben lang gewartet hat, und den politischen Sieg der Anderen, dem Gott aus einer Laune heraus zugestimmt hat.

Die Auseinandersetzung mit Freuds Theorien sind nur in sofern hilfreich, als das sie die Handlung des Traumes deuten, aber nicht ihre Stimmung. Denn ausschlaggebend in Helanders Träumen ist weniger die Handlung der Selbstmörderin, sondern eher die Trostlosigkeit des Ortes und das Befinden in einem Totenreich zu sein.

Somit wird für den Pfarrer nicht ersichtlich, dass die Depressionen auf seine Biographie und den daraus entstandenen negativen Erfahrungen basieren. Vielmehr verstärkt sich seine Behauptung Gott allein träge die Schuld an diesem Totenreich, da Gott abwesend ist und ihm kein Zeichen eines Wider- standes gegen die Anderen gibt. Denn dann hätte sein Leben wieder einen neuen Sinn, wenn er mit Gottes Beistand gegen die Anderen agieren könnte. Letztendlich kommt Helander jedoch trotzdem zu der Erkenntnis, Gott sei nicht abwesend und das Töten sei keine Aktion der Züchtigung, sonder er ist ein Werkzeug Gottes.

Allerdings beruht diese Erkenntnis meiner Meinung nach eher auf ein individuelles Selbsterkennen, als auf Berufung irgendwelcher Theorien.

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Details

Titel
Andersch, Alfred - Sansibar oder der letzte Grund - Helanders Träume
Autor
Jahr
2001
Seiten
2
Katalognummer
V101256
Dateigröße
378 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Andersch, Alfred, Sansibar, Grund, Helanders, Träume
Arbeit zitieren
Sarah Pischke (Autor), 2001, Andersch, Alfred - Sansibar oder der letzte Grund - Helanders Träume, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/101256

Kommentare

  • Gast am 6.12.2002

    Helanders Träume.

    Ein Lob an Sarah!
    Dies ist eine sehr gute, umfassende Zusammenfassung der Träume Helanders.
    manchmal zu professionel. Ich weiss zwar nicht auf welche schule sie geht und in welche klasse aber für den 10.-12. Jahrgang unseres Gymnasiums wäre diese HA 13-15 Punkte!

    Respekt und Lob!

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