Soziale Aspekte im Sport


Hausarbeit, 2000
11 Seiten

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1. Einleitung

Die Sportsoziologie ist eine relativ junge wissenschaftliche Disziplin. In den 1960er Jahren trat sie das erste Mal in Nordamerika als Teildisziplin der Sportwissenschaft und der Soziologie auf. 1967 wurde das „International Committee for Sociology of Sport“ , das seit 1995 „International Sociology of Sport Association“ (ISSA, 1999 etwa 200 Mitglieder) heißt, und 1978 die „North American Society of Sociology of Sport“ (NASS, 1999 etwa 400 Mitglieder) gegründet. Die ISSA veröffentlicht seitdem ihre jährlichen Symposien in ihrer Zeitschrift „International Review for the Sociology of Sport“. Die NASS gründete 1984 ihr Organ, das „Sociology of Sport Journal“. Diese Zeitschriften behandeln seit jeher sportsoziologische Fragestellungen und den präsenten Wissenschaftsstand. In den 1970er und den 1980er Jahren begann in Deutschland die Institutionalisierung der Sportsoziologie erst recht schleppend. So wurden in dem Zeitraum von 1971 bis 1986 sportwissenschaftliche Teildisziplinen, wie die Sportmedizin mit 15.140.023 DM oder die Sportpädagogik mit 2.900.547 DM weitaus besser finanziell von dem Bundesinstitut für Sportwissenschaften gefördert, als die Sportsoziologie (644.563 DM). Jedoch gab es allein 1987 70 Forschungsprojekte auf dem Gebiet der Sportsoziologie (Sportpädagogik: 66). Diese Forschungsaktivitäten und –erfolge machten die Sportsoziologie für die Wissenschaft attraktiv und die Praxisnähe der Sportsoziologie in vielen Bereichen des Lebens, zum Beispiel Gesundheit, Beruf oder Kultur brachte neue gesellschaftliche Erkenntnisse brachte die Sportsoziologie an die interessierte Öffentlichkeit.

2. Inhalte der Sportsoziologie

2.1. Begriffsdefinition

Der Namengeber und Begründer der Soziologie war Auguste Comte (1798-1857). Der Begriff setzt sich aus dem lateinischen Wort „socio“ (Gemeinschaft, Gesellschaft) und dem griechischen „logos“ (Lehre, Wissenschaft, Theorie) zusammen.

Die Wissenschaftsdisziplin der Soziologie hat das Ziel das Verhalten von Menschen in der Gesellschaft und deren soziale Interaktion zu untersuchen. „Unter Gesellschaft wird allgemein ein Gefüge von Individuen, von menschlichen Handlungen bzw. sozialen Beziehungen zur Befriedigung individueller und gemeinschaftlicher Bedürfnisse verstanden.“1Die Gesellschaft besitzt also ein abgegrenztes Territorium, eine eigene Kultur und bestimmte Organisationsformen, zugleich beinhaltet sie beide Geschlechter und alle Altersgruppen. Außerdem beschreibt der Gesellschaftsbegriff jede mögliche Gesellschaftsform. Darunter fallen demokratische, pluralistische, traditionelle, kapitalistische, sozialistische, primitive, moderne, industrielle, postindustrielle, geschlossene, offene, totalitäre, bürgerliche, ständische oder postmoderne Gesellschaftsformen.

Der Kernbegriff der Soziologie heißt sozial. In der Alltagspraxis hat dieser Begriff eine eher moralische Bedeutung: man ist zum Beispiel sozial, wenn man jemandem materiell oder immateriell hilft, zum Beispiel. Außerdem hat der Begriff sozial noch eine wirtschaftlich- politische Bedeutung: Begriffe, wie Sozialpolitik oder Sozialabgaben beschreiben das öffentliche Helfen und Fördern von Armen oder Schwachen einer Gesellschaft. In der Wissenschaft beschreibt sozial jedes Verhalten oder Handeln von Menschen, das eine Reaktion der Mitmenschen hervorruft.

Sport gilt auf der Ebene der körperlichen Bewegung (gehen, stehen) als zweckhaft, da der Mensch den Instinkt zur körperlichen Selbsterhaltung nachgeht. Jedoch sind spezielle Arten der körperlichen Bewegung, nämlich Sport, nicht zweckhaft und werden so zu Kultur, welche die Basis für soziologische Untersuchungen ist.

Auch in der Sportsoziologie sind alle Verhaltensweisen des Sporttreibenden kathegorisiert. Da auch der Sport eine gesellschaftliche Institution ist, wird durch das Medium der Kommunikation eine Beziehung zu jedem Mitspieler, Gegenspieler, Schiedsrichter, Trainer oder Zuschauer hergestellt. Wissenschaftlich gesehen ist die Sportsoziologie noch im Stadium der Begriffsdeutung bzw. –definition. Dadurch kann nur eine empirische 2 Untersuchung der sportspezifischen Merkmale erfolgen. Das bedeutet, dass nur die von Wissenschaftlern formulierte Theorien auf Richtigkeit oder Fälsche überprüft werden können, da keine ausreichenden Grundlagen der Sportsoziologie vorhanden sind, um auf ihnen aufzubauen.

2.2. Sport, Kultur und biologisches Handeln

Ein wichtiger Faktor, der das menschliche Handeln im Sport beeinflusst, ist die Kultur. Jede Kultur definiert für sich eine eigene Normen- und Wertestruktur. „ Normen sind die Regeln des Handelns bzw. Verhaltensforderungen der jeweiligen sozialen Umwelt an die Inhaber sozialer Rollen und Positionen. Werte sind soziale bzw. kulturell vorgeschriebene Kriterien (innere Führungsgrößen), auf deren Grundlage Handlungsziele als wünschenswert erkannt werden (Helle 1969, S. 64). Sie bilden die Basis für Entscheidungen und motivieren menschliches Handeln.“3Dadurch wird Sport in verschiedenen Kulturen in deren gemeinsamen Wert- und Verhaltensmustern ausgeübt. Ein Beispiel dafür ist das Phänomen der Nationalsportarten, wie Baseball oder Football in den USA oder Fußball in Brasilien, wo durch Sport ein Gemeinschaftsgefühl entsteht. Die hiesigen Kultureinflüsse steuern auch die Interpretation einzelner Sportarten: So wird ein der Nordamerikanischen Profibasketball Liga (NBA) eine Partie in vier Vierteln ausgetragen, um so in den drei Viertelpausen der Subkultur Fernsehen und den Cheerleadern mehr Zeit zur Präsentation ihres Programmes zu geben. In den USA steht der Aspekt der Unterhaltung und des Konsumes immer noch stärker im Vordergrund , als etwa in Deutschland, wo eine Basketballpartie nur eine Pause hat. Gleichermaßen gibt eine Sportart einige Aufschlüsse über die soziale Struktur einer Gesellschaft, da die einzelnen Charakteristika einer Sportart durch die persönlichen und kulturell beeinflussten Sichtweisen anders gewichtet werden. So spielen in der Nordamerikanischen Profibaseball Liga (MLB) ca. 75 % Menschen mit hispanisch-amerikanischen Vorfahren. Dieses ethnische Phänomen begründet sich durch die Bildung einer sozialen Gruppe 4 , sowie der langen Tradition des alten aztekischen Schlägerspieles „Lackrosse“, dass die hispanischen Amerikaner in ihrer neuen Heimat ein Zusammengehörigkeits- und Heimatgefühl vermittelt.

Der emotionale Ehrenkodex, beeinflusst durch kulturelle und menschliche Grundprinzipien, ist der Grund für das Erfinden von Regeln und Gesetzen im Sport. Kein Bürger möchte zum Beispiel steuerlich oder aufgrund seiner Hautfarbe benachteiligt werden und diese Grundrechte wurden so auch auf den Sport übertragen. Diese Grundrechte können natürlich nur in einem demokratischen Staat funktionieren und so durften zum Beispiel in der Zeit des Nationalsozialismus keine Frauen, Behinderte oder andere sozial nicht tolerierte Gruppen legal Leistungssport treiben. Gleichermaßen werden andere Verhaltensweisen, die kulturell ergründet sind, im Sport übernommen. Ein Beispiel hierfür ist die Schaffung und / oder Erhaltung von öffentlichen Räumen (Sportplätzen zum Beispiel), in denen Gespräche stattfinden können (Auszeiten im Basketball zum Beispiel). Ebenso wichtig in diesem Zusammenhang sind Objektregeln (Fußball wird vor dem Spiel auf seine Unversehrtheit überprüft) oder Zeitregeln (ein Eishockeyspiel in Deutschland dauert effektiv sechzig Minuten). All diese Regeln werden durch das kulturell beeinflusste Denken von Menschen erschaffen.

Ein wichtiger Gegenpart zu dem kulturellen Einfluss des sportspezifischen Sozialhandelns ist der biologische öder körperliche Einfluss auf das Handeln eines Sportlers. Das biologisch- beeinflusste Handeln wird unterteilt in drei Unterpunkte:

1. Organismus ( Biotypus) : Der Mensch wird beeinflusst durch sein Geschlecht, Alter und Gestalt.
2. Individuum(Psychotypus) : Das Fühlen, Wahrnehmen und Denken beeinflussen den Sportler in seinen Fähigkeiten.
3. Person (Soziotypus) : Bin ich ein Gruppenmitglied, wenn ja welches ? Welche Rolle bekleide ich in der Gruppe ?

„Beobachtungen in verschiedenen sportliche Praxisfeldern lassen deutlich werden, dass soziales Handeln im Sport, und zwar in Situationen des Sporttreibens, sich für den teilnehmenden Beobachter primär nicht über Sprechakte, sondern über Haltungs- und Bewegungsakte darstellt und vermittelt.“5Der Autor spricht davon, dass auch der menschliche Körper mit seinen Haltungen und Bewegungen, sowie die Art und Weise des Bewegungsraumes (Körperfülle und körperliche Fertigkeiten) für das soziale Handeln wichtig sind.

So beruht also die menschliche Verhaltensweise auf kulturellen und biologischen Grundsätzen.

[...]


1 WEIß, OTMAR: EINFÜHRUNG IN DIE SPORTSOZIOLOGIE, MÜNCHEN 1999

2 EMPIRISCH (GRIECH.): „AUF ERFAHRUNG BERUHEND“. EMPIRISCHE SOZIALFORSCHUNG IM SPORT KANN NUR DEN THEORETISCHEN BEREICH UMFASSEN, DER DURCH REALE AUSSAGEN ÜBERPRÜFBAR IST.

3WEIß, OTMAR: EINFÜHRUNG IN DIE SPORTSOZIOLOGIE, MÜNCHEN 1999

4 SOZIALE GRUPPE: SIEHE 2.3.

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Details

Titel
Soziale Aspekte im Sport
Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen
Veranstaltung
Orientierungsphase für Sportwissenschaftsstudenten
Autor
Jahr
2000
Seiten
11
Katalognummer
V101261
Dateigröße
364 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Soziale, Aspekte, Sport, Orientierungsphase, Sportwissenschaftsstudenten
Arbeit zitieren
Manuel Groß (Autor), 2000, Soziale Aspekte im Sport, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/101261

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