Da die Darstellung der Athene zuvor für mehr als 150 Jahre unverändert geblieben ist, stellt sich die Frage nach den Gründen der Veränderungen anlässlich der panathenäischen Spiele. Die panathenäischen Spiele in der Stadt Athen waren von den Jahren 566 v. Chr. bis ca 200 v. Chr. ein gesellschaftliches Großereignis, welches in einem 4-jährigen Zyklus stattfand. Im Rahmen dieser Spiele wurden sportliche Wettkämpfe abgehalten, über die die Stadt sich selbst repräsentierte und ihrer politischen und ökonomischen Stellung in der griechischen Poliswelt Nachdruck verlieh.
Nicht-Athenern aus dem griechischen Raum war die Teilnahme an diesen Spielen ebenfalls gestattet. Hauptanreiz für diese Teilnehmer an den Spielen teilzunehmen, waren die, mit wertvollem athenischen Olivenöl befüllten, Preisamphoren, welche in großer Menge an die Sieger ausgegeben wurden. Die Darstellung der Athene mit attischem Helm, Lanze und Rundschild zwischen zwei mit Hähnen besetzten, dorischen Säulen auf der Vorderseite dieser Amphoren und der Preisinschrift "von den Preisen aus Athen", veränderte sich von 566 v. Chr. bis zum 4. Jhd. v. Chr. so gut wie gar nicht und entwickelte sich zu einem eingängigen Symbol für die panathenäischen Spiele . Ab dem 4. Jhd. v. Chr. wurde diese Darstellung jedoch mehrfach verändert.
Inhaltsverzeichnis
I. Zur Darstellung der Athene auf panathenäischen Preisamphoren von 566 v.Chr. bis zum 4. Jhd. v. Chr.
a) Zur Darstellung der Athene
b) Zur Bedeutung der, mit Hähnen besetzten, Säulen
II. Zu den Gründen der einzelnen Veränderungen in der Darstellung
a) Veränderungen in der Darstellung der Athene
b) Wechselnde Säulenfiguren
aa) Niken
bb) andere Säulenfiguren
c) Zusätzliche Inschriften
III. Gesamtergebnis
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die symbolischen Veränderungen in der Darstellung der Athene auf panathenäischen Preisamphoren ab dem 4. Jahrhundert v. Chr. und analysiert, inwiefern diese Wandlungen das sich verändernde Selbstverständnis Athens und seiner Bürgerschaft in einer politisch prekären Phase der griechischen Antike widerspiegeln.
- Symbolik und Ikonographie der Athene auf Preisamphoren
- Entwicklung und Bedeutung der Säulen und Säulenfiguren
- Politischer Kontext und Selbstverständnis Athens in der Spätklassik
- Einfluss staatlicher Vorgaben auf die Vasenmalerei
- Funktion der Preisamphoren als identitätsstiftende Medien
Auszug aus dem Buch
a) Zur Darstellung der Athene
Insbesondere in der Zeit von 566-530 v. Chr., also kurz nach Einführung der panathenäischen Spiele lassen sich verstärkte Unregelmäßigkeiten in der Darstellung der Athene beobachten, bis sie sich ab 530 v. Chr. zu einem gewissen Grad vereinheitlichen.
Vor der Mitte des 6. Jhd. v.Chr., also vor Einführung der Panathenäen, gab es keine bewaffneten Darstellungen der Athene aus Athen. Dieser Aspekt der Athene erscheint lediglich in anderen Darstellungen, wie etwa auf einer Darstellung aus Korinth. Mit der Einführung der Panathenäen sollte der kämpferische Aspekt Athenes jedoch zusätzliche Bedeutung erlangen. Gemäß mythologischer, athenischer Überlieferungen führte ein gewisser Erichtonios, ein Königswesen, das aus der Erde auf der Athener Akropolis geboren wurde die Panathenäen ein, um Athenes bedeutende Rolle bei dem Sieg der olympischen Götter über die Giganten hervorzuheben. Auch gibt es Hinweise, dass die Panathenäen als Mittel zur Schaffung eines Einheitsgefühls der frühen Bewohner Attikas verwendet wurden.
Da die Panathenäen, also einem, nach innen einigenden und nach außen Stärke demonstrierenden Repräsentationszweck dienen sollten, wurde die Darstellung der bewaffneten Athene mit den Panathenäen eingeführt. Sie sollte in symbolischer Weise die militärische, künstlerische, wirtschaftliche und athletische Überlegenheit Athens repräsentieren.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Zur Darstellung der Athene auf panathenäischen Preisamphoren von 566 v.Chr. bis zum 4. Jhd. v. Chr.: Dieses Kapitel behandelt die frühen Darstellungsmerkmale der Athene sowie die symbolische Bedeutung der begleitenden Elemente wie der mit Hähnen besetzten Säulen.
II. Zu den Gründen der einzelnen Veränderungen in der Darstellung: Hier werden die ab dem 4. Jhd. v. Chr. auftretenden Variationen in der Gestaltung der Athene, der Säulenfiguren und der Inschriften vor dem Hintergrund politischer Veränderungen analysiert.
III. Gesamtergebnis: Das Fazit stellt fest, dass die ikonographischen Umbrüche das Ende einer expansiven Phase Athens und die Notwendigkeit zur Findung einer neuen, eher kulturell und politisch betonten Identität nach den Niederlagen gegen Sparta reflektieren.
Schlüsselwörter
Athene, Panathenäen, Preisamphoren, griechische Mythologie, Vasenmalerei, Identität, attisch, Ikonographie, Säulenfiguren, Nike, Archonteninschrift, Spätklassik, Symbolik, politische Repräsentation, Demokratie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der ikonographischen Entwicklung athenischer Preisamphoren, die als Siegespreise bei den panathenäischen Spielen vergeben wurden.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Zentrum stehen die symbolische Darstellung der Göttin Athene, die Bedeutung von Säulenfiguren und der Einfluss von Inschriften auf die Selbstwahrnehmung der Stadt Athen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Gründe für die signifikanten Veränderungen in der Ikonographie ab dem 4. Jahrhundert v. Chr. zu ergründen und mit dem politischen Wandel Athens zu verknüpfen.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewandt?
Die Autorin bzw. der Autor nutzt eine kulturhistorische und ikonographische Analyse, gestützt durch den Vergleich von Vasenbildern und zeitgenössischen schriftlichen Quellen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der kanonischen Darstellungsform, die Analyse der späteren Veränderungen sowie die Bedeutung einzelner Bildelemente wie Nike oder der Archonteninschrift.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich primär über Begriffe wie Athene, Panathenäen, Ikonographie, politische Identität und Vasenmalerei definieren.
Warum spielt die Rechtswendung der Athene ab 362 v. Chr. eine Rolle?
Die Rechtswendung markiert einen deutlichen Bruch in der Tradition; sie wird als Versuch gedeutet, die Göttin stärker in einem positiven, glücksbringenden Aspekt darzustellen, anstatt in einem, der mit negativen Konnotationen behaftet sein könnte.
Welche Funktion hatten die Hähne auf den Säulen?
Die Hähne fungierten als Symbole für den sportlichen Wettstreit und die damit verbundene Kraft und den Mut, die für die athenischen Spiele zentral waren.
- Quote paper
- Gunnar Maier (Author), 2009, Die Athenedarstellung auf panathenäischen Preisamphoren ab dem 4. Jhd. v. Chr. Gründe für die wandelnde Darstellung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1012793