Der Hundertjährige Krieg. Ursachen und Auslöser


Hausarbeit, 2021

18 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Ursachen und Auslöser für den Hundertjährigen Krieg
2.1 Beginn und Entwicklung des anglo- französischen Konfliktes
2.2 Der Vertrag von Paris
2.3 Die dynastische Krise
2.4 Der Vorabend des Hundertjährigen Krieges

3. Fazit

4. Quellen- und Literaturverzeichnis
4.1 Quellenverzeichnis
4.2 Literaturverzeichnis
4.3 Internetquellen

1. Einleitung

„Dagegen sitzt der anti-französische Reflex viel tieferer und reicht mindestens bis ins 14. Jahrhundert zurück. Die Schlacht von Azincourt im Hundertjährigen Krieg ist nicht zuletzt dank Shakespeare bis heute ein Begriff^..)."1 Dieses Zitat ist in einem Artikel zu finden, der die heutigen Beziehungen zwischen Frankreich und England anhand ihrer gemeinsamen Vergangenheit erklärt. Die Geschichte dieser Länder ist eng miteinander verbunden. Es werden deutliche Brüche der Beziehungen mit weitreichender Vergangenheit bis in das 14. Jahrhundert beschrieben. Heute sind Frankreich und England zweifelsohne zwei Staaten, die im europäischen Staatengebilde verschiedene Wege gehen.1 2 Im Mittelalter entstanden wesentliche Spannungen zwischen den beiden Ländern. Diese gipfelten in einem Krieg, der ihre Beziehung bis über die Neuzeit hinaus prägte.3 Der Hundertjährige Krieg ist ein bekannter und prägender Konflikt des Spätmittelalters in Europa. Dieser Krieg fand in den Jahren von 1337 bis 1453 im Schwerpunkt zwischen den englischen und französischen Königshäusern statt.4 Berühmte Schlachten wie die von Crécy und Azincourt gehen aus seinen Geschichtsschreibungen hervor. Die Geschichten und Mythen um die französischen Nationalheldin Jeanne d'Arc sind weitere bekannte Themen dieser Zeit. Der Krieg brachte neben Verwüstung und Zerstörung auch eine Reihe an Modernisierungsprozessen und Fortschritten auf politischer, militärischer sowie kultureller Ebene hervor. Während Frankreich gestärkt aus der Krise ging folgte in England eine Phase der Destabilisierung, die von den Rosenkriegen gezeichnet war.5 Die Kriegshandlungen und Schlachten des Hundertjährigen Krieges, sowie ihre Folgen sind Gegenstand vieler wissenschaftlicher Untersuchungen. In dieser Hausarbeit möchte ich den Blick von dem klassischen Kriegsgeschehen und den Folgen des Krieges abwenden. Stattdessen untersuche ich die Frage nach den Ursachen für den Krieg. Als direkte Ursachen für den Kriegsausbruch gelten in der Forschung vor allem zwei ausschlaggebende Faktoren. Zum einen die Konfiszierung des Herzogtums Guyenne durch König Phillip VI. 1337.6 Zum anderen erhob König Eduard III. von England seit 1328 Anspruch auf die französische Krone und versuchte diesen stets zu erneuern.7 Ich werde in meiner Untersuchung diesen Forschungsstand aufgreifen. Es gilt zu erforschen welche Voraussetzungen die Hintergründe für die genannten Faktoren bildeten. Zunächst gilt es zu ergründen welche entscheidenden Lehnsrechtlichen Entwicklungen den anlgo- französischen Beziehungen zugrunde liegen. Des Weiteren werde ich die Hintergründe der Auseinandersetzungen um die französische Krone beleuchten. Für eine Beantwortung der Fragestellung werde ich ausgewählte historische Entwicklungen und ihre Bedeutung auf dem Weg zum Kriegsausbruch systematisch analysieren. Dabei beschränken sich meine Untersuchungen zu diesen Ereignissen auf den Zeitraum von 1066- bis 1337 n. Chr. und sind geographisch weitgehend auf den anglo-französischen Raum einzugrenzen. Ziel der Hausarbeit ist, die Hintergründe der genannten Auslöser für den Ausbruch des Hundertjährigen Krieges differenziert zu untersuchen. Diese gilt es argumentativ in ihrer Gewichtigkeit zu bewerten. Der wissenschaftliche Forschungsstand zu den Ursachen ist breit und umfänglich bearbeitet. Das Thema, mit geographischem Schwerpunkt im Westen Europas, hat ein großes Portfolio an fremdsprachlicher Literatur vorzuweisen. Ich werde im Rahmen dieser Hausarbeit mit englischsprachiger Fachliteratur von Christopher Allmand und Jonathan Sumption arbeiten. Die Autoren geben die historischen Ereignisse detailliert und aufschlussreich wieder. Eine weitere wissenschaftliche Grundlage der Hausarbeit bilden die Werke von Anne Curry und Joachim Ehlers. Zusätzlich verwende ich spezifische Literatur, die einen Gesamtüberblick für die Geschichte von England und Frankreich im Mittelalter darreichen.

2. Ursachen und Auslöser für den Hundertjährigen Krieg

2.1 Beginn und Entwicklung des anglo- französischen Konfliktes

Die Lehensrechtliche Ausgangslage am Vorabend des Hundertjährigen Krieges hat ihre Wurzeln in den vorherigen Jahrhunderten. Die Umstände gilt es im folgenden Abschnitt der Hausarbeit zu beleuchten. Das Jahr 1066 als Ausgangslage zu beurteilen, um Ursachen für ein Konflikt zu finden der sich von 1337 bis 1453 abspielte, scheint bei erster Betrachtung sehr weit hergeholt. Ich werde fundamentieren aus welchen Gründen das Jahr 1066 mit der Eroberung Englands eine entscheidende Rolle spielte. 1066 starb Eduard der Bekenner als keuscher angelsächsischer König von England.8 Er hinterließ eine unklare Thronfolge. Eduard führte enge Beziehungen mit den Normannen.9 Die setze er in führenden Positionen ein, indem er Verwaltungs- und Kirchenämter an sie vergab.10 Herzog Wilhelm von der Normandie nutze diese Voraussetzungen. Er wurde nach erfolgreicher Eroberung 1066 zu König Wilhelm I. von England gekrönt. Aus der Herrschaft über das anglonormannische Reich ging ein lehnsrechtlicher Konflikt hervor. Der Sachverhalt lässt sich mit einem Blick auf die Herrschaftsansprüche belegen. Wilhelm I. blieb weiterhin Herzog der Normandie und somit ein Vasall des französischen Königs.11 Als Problem ist hier ausschlaggebend, dass zwei Könige ab dem Zeitpunkt in einem Lehnsverhältnis standen. Durch den Vasallenstatus war Wilhelm als Herzog der Normandie dem französischen König zu Treue verpflichtet. Beide trugen allerdings den Königstitel und waren sich folglich so gegenüber gleichgestellt. „Die Sonderstellung des Königs besteht - politisch - allenfalls darin, dass er niemandes Vasall ist.“12 Es lässt sich somit begründen, dass die Sonderstellung in dem Verhältnis eingeschränkt wurde. Ein Blick auf die Heerschildordnung verdeutlicht die Bedeutung des entstandenen Konfliktes. Die Heerschildordnung legte ein Gefälle in der sozialen Rangordnung fest. Die Struktur dient als Basis für die auf einen Herrscher ausgerichtete Ordnung eines Lehnsverbandes.13 Das Gefälle fehlte in dem Verhältnis zwischen beiden Trägern der Königswürde. Die Funktion des Lehenswesen war ein relevantes Element sozialer und herrschaftlicher Strukturen im Mittelalter.14 Die lehensrechtlichen Spannungen lassen sich folglich der Störung der Ordnungen zuschreiben. Der starke Machtgewinn von einem Vasallen Phillips I. wirkte sich folglich auf weitere Elemente der Beziehungen aus. Es lässt sich erschließen, dass hier ebenso langfristige politische Spannungen im Machtverhältnis zwischen den beiden Positionen entstanden. Den Grund für die Betrachtungsweise lässt sich in der Beurteilung der Relevanz des Herrschaftsgebietes erschließen. Die Normandie war ein Herzogtum mit hoher Wirtschaftskraft.15 Finanz- und Verwaltungsstrukturen wurden hier gewinnbringend zentralisiert.16 Eine weitere Verschärfung der Beziehungen war Wilhelms Interesse an der Expansion seines Einflusses auf französischem Boden. Einen Beleg dafür lieferten seine militärischen Aktionen in Maine 1073.17 Sein Ziel war es, das Gebiet zu unterwerfen und seinen Sohn Robert dort für den Machterhalt einzusetzen.18 Aus den Gründen führte „der englische Souverän“ für den französischen König auch machtpolitisch zu einer Gefährlichkeit.19 König Phillips II. Intention die Position des englischen Königs zu schwächen ließ sich deutlich erkennen. Als Wilhelm I. 1076 in die Bretagne einfiel, subventionierte Phillip II. durch seine militärische Unterstützung.20 Die Bedeutung des Jahres 1066 und die Entstehung der anglo-französischen Spannungen wird mit einem Blick auf die nachfolgenden Entwicklungen deutlich. Das gestörte anglo-französische Machtverhältnis verschob sich auch nach Wilhelms Tod 1087 weiter. Eine historische Persönlichkeit, anhand derer sich diese These belegen lässt, ist Eleonore von Aquitanien. Eleonore, die Tochter von Herzog Wilhelm X. von Aquitanien, wurde 1137 mit König Ludwig VII. von Frankreich vermählt.21 Nach ihrer Scheidung 1152, heiratete sie Graf Heinrich von Anjou.22 1154 wurde Heinrich II. zum König von England gekrönt.23 Mit Blick auf die dadurch entstandenen Herrschaftsgebiete des englischen Königs, lässt sich eine weitere Verschiebung der Machtverhältnisse verdeutlichen. Obendrein herrschte Heinrich II. durch Eleonores Besitzungen neben England und den Fürstentümern Anjou, Normandie, das Lehen der Bretagne, die Gebiete Maine, Tourraine, auch über die Gebiete Poitou, Gascogne und die Guyenne.24 Zusammenfassend schuf Heinrich ein Reich in Europa, dass in seinen Ausmaßen zu den Größten seiner Zeit gehörte.25 Diese Entwicklungen fanden zum Missfallen des französischen Königs statt.26 Ludwig verlor somit nicht zuletzt durch die Scheidung von Eleonore Herrschaftsansprüche auf französischem Boden. Aus den geschilderten Ereignissen lässt sich folgern, dass sie als Konfliktherd zwischen den Könighäusern gewirkt hatten. Infolgedessen lässt sich Eleonore eine besondere Schlüsselposition zuschreiben. Als Erbin großer Gebiete auf dem französischen Festland, trug sie entscheidend dazu bei, dass sich das Herrschaftsgebiet des Hauses Anjou- Plantagenet ausgeweitet hatte.27 Der Kapetinger Ludwig verlor durch den englischen Herrschaftsantritt von Eleonore große Herrschaftsansprüche. Er sah sich einem englischen Königshaus mit gewaltigen Besitztümern gegenüber. Die entstandenen Machtverhältnisse lassen sich relationieren. Heinrich II. huldigte Ludwig VII. für seine französischen Besitztümer.28 Dadurch bestätigte er seine Treue, sowie die Lehnsherrschaft des französischen Königs. Allerdings schrumpfte Heinrichs Macht dadurch kaum.29 In der Gesamtbetrachtung stellten diese Entwicklungen eine wichtige Rolle auf dem Weg zum Hundertjährigen Krieg da. Die Hauptakteure aus der Mitte des 12. Jahrhunderts standen wie beschrieben vor anderen Voraussetzungen als ihre Vorgänger. Dennoch lassen sich klare Folgerungen aus den beschriebenen Entwicklungen schließen. Die Territorialgewinne der englischen Könige zum späten 12. Jahrhundert bildeten eine Verschärfung der ohnehin gestörten Machtverhältnisse.30 Ein Auslöser für den Hundertjährigen Krieg war der Streit um das Herzogtum Guyenne 1337.31 Es lässt sich somit feststellen, dass die lehensrechtlichen Konflikte als frühe Ursache und Kriegsauslöser zugleich betrachtet werden können. Hier gilt es die Frage zu beantworten, welche Gründen dafür verantwortlich waren, dass der Beginn des Hundertjährigen Krieges erst auf das Jahr 1337 datiert wurde. Daher gilt es die weiteren Entwicklungen der Beziehungen im Folgenden zu prüfen. Im Schwerpunkt steht dabei die Bewertung weiterer lehensrechtlicher Zerwürfnisse, welche das Verhältnis entscheidend schädigten. Weiteren Untersuchungen und Beurteilungen dieser Hintergründe liegt dabei der Vertrag von Paris zu Grunde.

2.2 Der Vertrag von Paris

Der Vertrag von Paris wurde 1259 zwischen Heinrich III. und Ludwig XI. geschlossen. Der Vertrag regelte die Lehensverhältnisse zwischen den beiden Königen. Die französische Krone hatte in den vorherigen Jahrzehnten weite Teile der angevinischen Festlandsbesitze zurückerobert.32 Zunächst gilt es zu untersuchen, welche Funktion der Vertrag von Paris in dem anglo-französi- schen Verhältnis einnahm. Ein Teil vom Inhalt des Vertrages sah eine Festlegung der Gebietsansprüche vor. England nahm das Herzogtum Guyenne, sowie Aquitanien zum Lehen. Der englische König verzichtete dafür auf die Normandie, Poitou, Maine und Anjou.33 Wie beschrieben, entwickelte sich das anglo- französische Verhältnis auf Grund der lehensrechtlichen Sonderlage.

Die weiteren Beziehungen verschärfte sich durch die angevinischen Territorialgewinne. Durch die konkrete Regelung der Lehensverhältnisse lässt sich vermuten, dass der Vertrag als langfristiges Friedensabkommen geschlossen wurde. Ein Auszug aus dem Vertrag in deutscher Übersetzung lässt sich in dem Werk von Anne Curry finden:

„Und das was er Uns und Unseren Erben geben wird, wollen Wir und Unsere Erben ihm und seinen Erben, den Königen von Frankreich, als Vasallen huldigen, für Bordeaux und die Gascogne, und für alle Lande, die Wir jenseits des Kanals halten (...) und Wir wollen sie von ihm zu Lehen nehmen (.. ,).“34

[...]


1 Hoff, Henning: Trüber Blick über den Kanal, ZEIT ONLINE 2006, abgerufen unter: https://www.zeit.de/on- line/2006/41/Frankreich-England-IQ2, abgerufen am: 05.01.2021.

2 o.A.: Zeitleiste: Großbritannien und Europa, BPB 2016, S. 15, abgerufen unter: https://www.bpb.de/internati- onales/europa/brexit/229985/zeitleiste, abgerufen am: 05.01.2021.

3 Curry, Anne: Der Hundertjährige Krieg, Oxford 2002, S. 126.

4 Ebd. S.7.

5 Ehlers, Joachim: Der Hundertjährige Krieg, München 2009, S.105.

6 Allmand, Christopher: The Hundred Years War, Cambridge 1989, S. 10 f.

7 Ehlers: Der Hundertjährige, S.14-18.

8 Trevelyan, George, M.: Geschichte Englands, 4. Auflage, München 1949, S. 126 f.

9 Ebd. S. 122 f.

10 Ebd.

11 Ehlers: Der Hundertjährige, S.8.

12 Treffer, Gerd: Geschichte Englands, Regensburg 1998, S.60

13 Müller, Harald: Mittelalter, Berlin 2008, S. 79.

14 Ebd. S. 69.

15 Treffer: Geschichte Frankreichs, S. 62.

16 Ebd. S. 63.

17 Sarnowsky, Jürgen: England im Mittelalter, Darmstadt 2002, S. 84.

18 Ebd. S. 84.

19 Treffer: Geschichte Frankreichs, S.63

20 Sarnowsky: England, S. 84

21 Vones-Liebenstein, Ursula: Eleonore von Aquitanien, Göttingen 2000, S. 18.

22 Ehlers: Der Hundertjährige, S. 8.

23 Ebd.

24 Ebd.

25 Treffer: Geschichte Frankreichs, S. 70

26 Vones-Liebenstein: Eleonore, S. 41.

27 Sarnowksy: England, S. 95.

28 Ehlers, Der Hundertjährige, S. 8.

29 Ebd.

30 Curry: Hundertjähriger, S. 14.

31 Ebd. S. 39.

32 Ehlers: Der Hundertjährige, S. 8 f.

33 Treffer: Geschichte Frankreichs, S. 77.

34 Curry: Hundertjähriger, S. 14.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Der Hundertjährige Krieg. Ursachen und Auslöser
Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg
Veranstaltung
Proseminar Mittelalter
Note
2,0
Autor
Jahr
2021
Seiten
18
Katalognummer
V1012868
ISBN (eBook)
9783346405012
ISBN (Buch)
9783346405029
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Geschichte Mittelalter England Frankreich Hundertjähriger Krieg Ursachen Auslöser Hintergründe, Hausarbeit Proseminar
Arbeit zitieren
Carl Osterhold (Autor), 2021, Der Hundertjährige Krieg. Ursachen und Auslöser, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1012868

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