1. Prusiners Prionentheorie
1.1 historische Vorgeschichte
Viele Wissenschaftler haben sich in den letzten drei bis vier Jahrzehnten mit TSE und dessen Erreger beschäftigt. Besondere Aufmerksamkeit widmete man der sogenannten Scrapie- oder Traberkrankheit, welche bei Schafen und Ziegen auftritt. 1966 bestrahlte die englische Strahlenbiologin Tikvah Alper den Scrapie-Erreger mit ionisierendem, ultraviolettem Licht, doch der Erreger ließ sich nicht zerstören. Was aber hatte dieses Ergebnis zu bedeuten? Zuerst einmal muß der Erreger sehr widerstandsfähig sein und zweitens kann er keine Nukleinsäure, also kein Erbmaterial wie DNS und RNS, enthalten, da diese sonst durch die ultraviolette Strahlung zerstört oder zumindest beschädigt worden wäre. 1982 setzte Stanley Prusiner diese Versuchsreihe fort, ging aber noch einen Schritt weiter. Er behandelte die Erreger einmal mit Nukleinsäure-zerstörenden und einmal mit Protein-zerstörenden Stoffen. Das Ergebnis war verblüffend, denn wie schon seine Vorgängerin herausfand, reagierte der Erreger nicht auf die Nukleinsäure-zerstörenden Stoffe, aber er veränderte sich durch die Protein-zerstörenden Stoffe so, dass er an Infektiösität verlor. Daraus schloß Prusiner, dass es sich um eine infektiöse Proteinart ohne Nukleinsäure handeln muß, welche er Prion nannte. Aus diesen Thesen entwickelte er schließlich sein Prion-Modell, wofür er 1997 den Nobelpreis für Medizin und Physiologie erhielt.
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Gliederung
1 Prusiners Prionentheorie
1.1 historische Vorgeschichte
1.2 Die Theorie
1.3 Prusiners Versuch seine Theorie zu beweisen
1.4 Kritiker des Prusiner-Modells
2 Das Prion und dessen mögliche Aufgaben
2.1 Das Prion und seine Abart
2.2 Aufgaben der zwei Prionentypen
3 Übertragungswege von BSE
3.1 Übertragung von Prionen
3.2 weitere Theorien
4 Risikomaterial
4.1 Definition von Risikomaterialien
4.2 Verwertung von Risikomaterial
4.3 Risikomaterial immer noch in Lebensmitteln?
5 Politische Maßnahmen
5.1 Chronologischer Verlauf der Krankheit
5.2 Bekämpfungsmaßnahmen durch die Wissenschaft
5.3 Vertuschung der Risiken
5.4 Maßnahmen zur Bekämpfung
5.5 Fazit und Stellungnahme
6 Umfrage in der Stadt Wolfenbüttel
6.1 Auswertung der Ergebnisse
6.2 Das Ergebnis in Bezug auf die Fakten der Krankheit
10 Umfrage über BSE
11 Auswertung der Ergebnisse in Diagramm-Form
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die wissenschaftlichen Hintergründe der Bovinen Spongiformen Enzephalopathie (BSE), analysiert die verschiedenen Übertragungswege sowie die politischen Reaktionen auf die Krise und beleuchtet zudem mittels einer empirischen Umfrage die öffentliche Wahrnehmung und das Konsumverhalten der Bevölkerung in Bezug auf diese Krankheit.
- Wissenschaftliche Grundlagen der Prionentheorie von Stanley Prusiner.
- Analyse potenzieller Übertragungswege von Prionen auf Mensch und Tier.
- Kritische Aufarbeitung der politischen Krisenbewältigung und Maßnahmen.
- Empirische Erhebung des Verbrauchervertrauens und der Informationslage in der Bevölkerung.
Auszug aus dem Buch
1.2 Die Theorie
Prusiner behauptet in seiner Theorie, dass der Erreger von TSE ein nur aus Eiweiß bestehendes Agen ist. Das bedeutet, dass der Erreger keine Nukleinsäure und damit kein Erbmaterial enthalten würde, was allerdings gegen die bisherigen Theorien spricht, nach denen eine Infektion immer eine Übertragung von Erbgut voraussetzt. Außerdem konnte man sich nicht vorstellen, wie sich diese Eiweiße ganz ohne genetisches Material überhaupt fortpflanzen sollten. Dieses infektiöse Protein nannte er Prion.
Jedoch gibt es nicht nur diese „böse“ Form von Prionen, denn sie kommen auch ganz natürlich in den Nervenzellen und den Zellen des Immunsystems jedes einzelnen Säugetieres vor. Das natürliche oder zelluläre Prion, bezeichnet man kurz als PrPc, das pathogene als PrPsc. Diese beiden Prionentypen unterscheiden sich lediglich in ihrer räumlichen Struktur oder auch Konformation genannt. Nach Prusiner ist die Änderung dieser Sekundärstruktur der Grund für den Ausbruch der Krankheit. Denn trifft ein PrPsc auf ein zelluläres Prion, so ändert das infektiöse Prion die Konformation des „guten“ Prions, welches dann selbst zu einem pathogenen wird und „gute“ in „böse“ Prionen umfalten kann. Diese Kettenreaktion wird auch als Schneeballprinzip bezeichnet. Trifft diese Theorie zu, so würde das heißen, dass manche neurologischen Krankheiten allein durch Prionen ausgelöst werden können.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Prusiners Prionentheorie: Erläutert die wissenschaftliche Historie und das von Stanley Prusiner entwickelte Modell infektiöser Proteine ohne Nukleinsäuren.
2 Das Prion und dessen mögliche Aufgaben: Analysiert die biochemischen Unterschiede zwischen gesunden und pathogenen Prionen sowie deren unbekannte physiologische Funktion.
3 Übertragungswege von BSE: Diskutiert gesicherte orale Ansteckungswege sowie umstrittene Theorien zur Ausbreitung der Krankheit.
4 Risikomaterial: Definiert Risikogruppen für Gewebeteile von Wiederkäuern und hinterfragt die Sicherheit von Lebensmitteln wie Rindfleisch, Milch oder Gelatine.
5 Politische Maßnahmen: Dokumentiert den Verlauf der BSE-Krise, das anfängliche Versagen der Politik bei der Informationsweitergabe und spätere regulatorische Bekämpfungsschritte.
6 Umfrage in der Stadt Wolfenbüttel: Präsentiert die empirische Auswertung einer Bürgerbefragung zum Umgang mit BSE und dem damit verbundenen Vertrauensverlust.
10 Umfrage über BSE: Beinhaltet die methodische Grundlage der durchgeführten Bürgerbefragung.
11 Auswertung der Ergebnisse in Diagramm-Form: Fasst die Ergebnisse der Umfrage visuell in statistischen Diagrammen zusammen.
Schlüsselwörter
BSE, Prionen, PrPc, PrPsc, TSE, Scrapie, Risikomaterial, Rindfleisch, Lebensmittelsicherheit, Politische Maßnahmen, Verbraucherverhalten, Infektionswege, Ernährung, Creutzfeldt-Jakob-Krankheit, Aufklärung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem Krankheitsbild BSE, den zugrunde liegenden Prionentheorien und den Auswirkungen der Krise auf Politik und Gesellschaft.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die molekularbiologische Prionentheorie, Übertragungsmechanismen, Risikobewertung von Schlachtnebenprodukten und das öffentliche Meinungsbild.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist eine wissenschaftliche Einordnung der BSE-Theorien sowie eine kritische Beleuchtung des politischen Krisenmanagements im Kontrast zur Meinung der betroffenen Bevölkerung.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Neben einer theoretischen Aufarbeitung der medizinischen und politischen Faktenlage wurde eine empirische Umfrage zur Datenerhebung in der Stadt Wolfenbüttel durchgeführt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Entstehung der Krankheit, die Einstufung von Risikomaterialien, die historische Entwicklung politischer Maßnahmen und die Ergebnisse der Bürgerbefragung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird primär durch Begriffe wie Prionen, BSE, politische Maßnahmen, Risikomaterial und Verbraucherverhalten charakterisiert.
Warum ist die Unterscheidung zwischen PrPc und PrPsc für die Krankheitsentstehung entscheidend?
Die Konformationsänderung des physiologischen PrPc zum pathogenen PrPsc löst laut Prusiners Theorie eine Kettenreaktion aus, die zum Zellabsterben führt.
Inwiefern hat die politische Aufarbeitung die BSE-Krise beeinflusst?
Die anfängliche Vertuschung von Risiken durch die britische Regierung verzögerte notwendige Gegenmaßnahmen und schädigte das öffentliche Vertrauen nachhaltig.
Welche Rolle spielt die Umfrage bei der Bewertung der Gesamtsituation?
Die Umfrage verdeutlicht den massiven Vertrauensverlust der Bevölkerung gegenüber Politik und Lebensmittelsicherheit sowie die daraus resultierende Verunsicherung beim Konsum von Rindfleisch.
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- Andreas Fricke (Author), 2001, BSE: Theorien und Fakten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1013