Übersicht über den 1. Kreuzzug - Besondere Betrachtung der Entstehung der Kreuzzüge


Facharbeit (Schule), 2001

13 Seiten


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Übersicht über den 1. Kreuzzug

1. Einleitung

Der 1. Kreuzzug ist ein hervorragendes Beispiel, um die Weltanschauungen der Menschen des Mittelalters zu verdeutlichen. Dieser Kreuzzug, der so starke Veränderungen in der Ansicht des Christentums mit sich zieht, ist ein entscheidender Einschnitt in der europäischen Geschichte. In diesem Kreuzzug wird die Kirche das erste Mal zum aktiven Hetzer, der im Fanatismus seinen Absolutheitsanspruch auch mit Gewalt durchsetzen will.

Ich werde mit einer Darstellung der drei Hauptbeteiligten Parteien beginnen, Araber, Byzantiner und westliche Christen, und dann an Hand der Chronologie des 1.Kreuzzugs die Geschichte weiter verfolgen.

Der Hauptblick dieser Facharbeit liegt auf der Darstellung des Auslösers der Kreuzzüge, und der Propagandierung des Kreuzzugs, weshalb die Schilderung der Ereignisse direkt während des Kreuzzugs etwas in den Hintergrund rücken.

2. Situation am Vorabend der Kreuzzüge

2.1 Das Arabische Kalifat

Im Jahre 1095 umfasste das Arabische Kalifat eine riesige Fläche. Es zog sich vom heutigen Südspanien über ganz Nordafrika, Ägypten, die arabische Halbinsel, Palästina, Syrien, Persien und das Indusgebiet. Diese Staatsfläche wurde im Laufe des 7. und 8. Jahrhunderts geschaffen, unter der Führung der Kalifen aus den Geschlechtern der Omaijaden (661 - 750) und der Abbasiden (750 - 1258). Fast alle der westlichen Eroberungen gingen auf Kosten von Byzanz. Im 9. Jahrhundert hatte das islamische Reich jedoch den Höhepunkt seiner Macht überschritten, und es setzte ein langsamer Rückgang ein. Es entstanden schließlich viele Teilreiche, die politisch unabhängig waren und die nur noch unter einem Kalifen als geistiges Oberhaupt vereint waren.

So kann man vom Ende des 11. Jahrhunderts sagen, dass das Kalifat an vielen Orten Einbußen hinnehmen musste, so wie bei der „Reconquista“ in Spanien, jedoch auch weiterhin an anderen Grenzen Expansion betrieben wurde.

Eine Solche stellte die Grenze zum byzantinischen Reich dar. Die türkischen Reitervölker, die freiwillig zum Islam übergetreten waren, und die auch immer stärkeren Einfluss im Arabischen Kalifat gewannen, attackierten die byzantinischen Heere, und eroberten so auch Teile des byzantinischen Kernlandes in Kleinasien. Das Hauptziel der Angreifer war jedoch Konstantinopel, die blühende Metropole. Mehrere Belagerungsversuche seitens der Eroberer waren jedoch in vorangehenden Jahrhunderten gescheitert, und das byzantinische Kernland war jeweils wieder befreit worden.

Doch gegen Ende des 11. Jahrhunderts konnte sich der Türkenstamm der Seldschuken in Kleinasien festsetzen, und bedrohte mit militärischen Schlägen die Existenz des byzantinischen Reiches.

Außerdem hatten die arabischen Truppen Jerusalem erobert, das Pilgerziel, und die heilige Stadt für die Christen.

2.2. Byzanz

Das byzantinische Reich, mit der Hauptstadt Byzanz, auch Konstantinopel genannt, sah sich als direkten Nachfolger des antiken römischen Reiches, und erhob deswegen besonderen Anspruch auf Respekt gegenüber anderen Völkern, weil diese nicht die Traditionen des hochkultivierten römischen Reiches achteten und aufrecht erhielten. Zu Beginn seiner Existenz, nach dem Untergang des weströmischen Reiches (476), umfasste es Ägypten, Kleinasien und fast den gesamten Mittelmeerraum, mit Ausnahme von Ostspanien und Südfrankreich. Im Laufe der weiteren Jahrhunderte verlor Byzanz jedoch große Teile seines Reiches. Die Gebiete in Spanien, Nordafrika, Ägypten, Syrien und Palästina wurden allesamt ab dem 6. Jahrhundert von den Moslems des Arabischen Kalifats erobert. Oberitalien verlor Byzanz schon früher an die Ostgoten, und die Normannen nahmen etwas später auch Unteritalien ein. Das Reich war um das Jahr 1095 herum also nur noch auf die byzantinischen Kernlande beschränkt, nämlich den Balkan und Kleinasien. Und auch dieses Gebiet wurde den Byzantinern streitig gemacht, nämlich durch das Kalifat, welches die östlichen Regionen Kleinasiens bekriegte.

Zu dieser Zeit hatte der Kaiser in Konstantinopel, „Alexios I. Komnenos“ ein Amt von großer Macht: Er war der weltliche Herrscher seines Reiches, und ebenso das Oberhaupt der griechisch-orthodoxen Kirche. Für ihn stellte sich nun das Problem, dass sein Reich durch die langen Kämpfe mit den Seldschuken militärisch stark geschwächt war, und er sich um den Fortbestand seines Reiches sorgen musste. Zumal die türkische Hauptstadt Nikäa nicht einmal 100 km von Byzanz entfernt war.

2.3. Westeuropa

Das Europa, das nach der Aufteilung des Frankenreichs entstanden war, zeichnete sich dadurch aus, dass die untereinander zerstrittenen Staaten Europas, nur eine Gemeinsamkeit hatten, nämlich den strengen römisch-katholischen Glauben.

2.3.1. Die katholische Kirche

Der europäische Adel war zum Teil stark verfeindet, was vieler Orts zu Kriegen innerhalb Westeuropas führte. Man kann also behaupten, dass große Uneinstimmigkeit herrschte, bis auf den Aspekt der Religion, der in jeder Schicht der Bevölkerung einen hohen Einfluss hatte.

Die katholische Kirche war sich dieser Macht durchaus bewusst, und verstand auch, sie effektiv zu nutzen. Im Jahre 1046 kam Papst Klemens II. an die Macht, als erster der sogenannten Reformpäpste. Unter Reformpapsttum versteht man den Zeitraum der Päpste, die von 1046 bis 1075 regierten, und ihre Arbeit unter die Leitidee der Kirchenreform stellten, wie sie kurz zuvor im Cluniazenser Orden aufkam. Die Forderung nach einer Reform der Gesamtkirche beinhaltete als Kernpunkte die Abschaffung der Simonie, die Einhaltung des Zölibats, und das Wirken eines „Gottesfriedens“. Simonie war die Käuflichkeit von Kirchenämtern. Durch die Abschaffung der Simonie sollte die Kirchenstruktur entkorrumpiert werden. Das Zölibat sollte durchgesetzt werden, damit die Priester ihr ganzes Leben auf den Glauben konzentrieren konnten, und sie zusätzlich in der Nachfolge Christi, - also ledig - leben sollten.

Die Praktizierung des Gottesfriedens („Pax Dei“) sollte die christlichen Länder vereinen. Die Christen sollten sich als Glaubensbrüder sehen, und somit in Frieden miteinander leben. Diese Maßnahme ist von der Kirche getätigt worden, um die ständigen Unruhen in Westeuropa, die durch Kriege verursacht wurden, zu beenden, da die betroffene Bevölkerung immer arg unter diesen litt, und oft sogar den Tod durch die fand. Dies offenbart den christlichen Gedanken der „Nächstenliebe“, der hier versucht wird in die Tat umzusetzen.

Andererseits war der Gottesfrieden auch eine gute Möglichkeit für den Papst seine Macht zu vergrößern. Wenn die Christen unter seiner Führung friedlich untereinander lebten, dann hatte er mehr Macht über sie, und konnte die Kapazitäten der christlichen Länder besser nach seinen Wünschen lenken.

Weitere Ziele, die die Reformpäpste anstrebten, waren die Vereinigung der gesamten Christenheit unter einer Kirche, und die Erhebung des Papsttums über alle weltlichen Ämter.

Der letzter Punkt schuf den Investiturstreit, der sich darum drehte, dass der Kaiser keine Macht mehr über kirchliche Ämter und Besitztümer ausüben durfte. Vorher konnten beispielsweise Adlige über ein Kloster bestimmen, dass in ihrem Land lag, oder der König konnte Bischöfe und Äbte einsetzen, die gleichzeitig die Funktion eines Fürsten inne hatten. Der Papst wollte eine strikte Trennung von weltlichen und geistigen Ämtern.

Das Ziel der Reformpäpste, eine einheitliche christliche Kirche zu schaffen, war aufgekommen, um der Kirche mehr Macht zu geben, und den christlichen Ländern einen gewissen Zusammenhalt zu verleihen. Der Papst wollte auch die griechischorthodoxe Kirche unter seinen Einfluss bekommen, da sich diese zweite christliche Kirche schon 1054 von der gemeinsamen Kirche gelöst hatte („Großes Schisma“). Zusammenfassend kann man zur katholischen Kirche am Ende des 11. Jahrhunderts sagen, dass die Päpste dieser Zeit den politischen Einfluss der Kirche enorm vergrößern, und ein erhebliches Machtstreben an den Tag legen, jedoch ohne ihre eigentlichen christlichen Aufgaben zu vernachlässigen.

2.3.2. Die Pilger

Der starke Glaube der Christen im Mittelalter hatte die Konsequenz, dass die Menschen sich in ihrem ganzen Leben auf ihn stützten, und ihre zum Teil einzige Hoffnung das Leben nach dem Tod war.

Durch die schlechten Lebensverhältnisse dieser Zeit (Armut, Seuchen, härteste Arbeiten,...) setzten vor allem die unteren Schichten alles daran, nach dem Tod wenigstens in den Himmel zu kommen. Dies war natürlich nur möglich, wenn man schuldenfrei und gottgefällig gelebt hatte. Oder aber man konnte Buße tun, um sich von Schulden rein zu waschen.

Eine der geläufigsten Buße-Methoden war eine Pilgerreise. Heilige Orte, wie Jerusalem oder Santiago di Compostella waren Ziele dieser Reisen. Die Pilgerreisen waren extrem gefährliche und anstrengende Reisen, denn den Pilgern drohten viele Gefahren, so beispielsweise die Ausraubung - nichts Unübliches an Pilgerstrassen - oder Krankheiten, bedingt durch die schweren Reisebedingungen. Die Pilgerstrassen führten durch ganz Europa, und waren gespickt mit Herbergen und vielen berühmten Kirchen, so dass die Pilger meist ihr gesamtes Vermögen während einer Pilgerreise ausgeben mussten.

Der Pilgerstrom ins Heilige Land nahm im Laufe des 11. Jahrhunderts zu, trotz der erschwerten Bedingungen der Reise, da das Heilige Land von den Arabern besetzt war, und diese die christlichen Wanderer nur äußerst ungern in ihrem Land sahen. Diese Situation spitzte sich dermaßen zu, dass die christlichen Pilger nicht mehr ins Land gelassen, oder sogar verfolgt wurden.

2.3.3. Die Reconquista

Seit Beginn des 11. Jahrhunderts fand in Spanien die Reconquista statt. Dies kann man als eine Art „Vor-Kreuzzug“ bezeichnen, denn die westeuropäischen Adligen, speziell die Süd- und Westfranzosen, ihrer geographischen Lage wegen, kämpften hier gegen die Araber, auch mit der Begründung des „Heiligen Krieges“. Es existierte natürlich auch das Interesse der Landnahme, und deshalb war das Motiv des religiösen Krieges für die Meisten eine willkommene Rechtfertigung.

Die Eroberungen liefen sehr erfolgreich, da im arabischen Teil der iberischen Halbinsel für längere Zeit ein Bürgerkrieg geherrscht hatte. So konnten schon bald die ersten Eroberer ein eigenes Königreich ihr eigen nennen.

3. Der Aufruf

Bereits im Jahre 1074 plante der Reformpapst Gregor VII. einen bewaffneten Zug in das Heilige Land, um die türkischen Invasoren dort zu vertreiben, die Pilgerstrassen zu sichern, und als Dank für die Hilfe vom byzantinischen Kaiser die Unterwerfung unter den Papst zu empfangen. Ein weiterer Grund für einen solchen Krieg sah Gregor VII. in seiner Idealvorstellung einer christianisierten Welt, in der es keine Heiden mehr gäbe. Doch bis zu seinem Tode war er war nie in der Lage, diesen Plan umzusetzen.

Gleichwohl war sein Nachfolger, Papst Urban II. später in der Lage ihn Wirklichkeit werden zu lassen.

Zu Beginn des Jahres 1095 reiste Urban durch Norditalien, als ihn während des Konzils von Piacenza Abgesandte des byzantinischen Kaiser Alexios Komnenos erreichten. Sie überbrachten Alexios Bitte an Papst Urban, ihm einige Söldnertruppen im Kampf gegen die Ungläubigen zu schicken. Byzanz bot ihm kein Gegenangebot, denn sie appellierten an die Christenpflicht, ihren Glaubensbrüdern zu helfen. Urban war nicht abgeneigt, und willigte ein, doch in seinen Augen sollte es mehr werden, als nur ein paar Hilfstruppen, er sah eine Möglichkeit, den unvollendeten Plan seines Vorgängers Gregor VII. in die Tat umzusetzen.

Er begab sich an die Vorbereitungen für das Konzil in Clermont, bei dem er sein Vorhaben propagandieren wollte. Es tagte vom 18. bis zum 28. November 1095, und für den 27. November plante er seine Rede vor den versammelten Massen. Auf einem Feld vor der Stadt verkündete er dann in Auszügen:

„ Eine verfluchte Rasse, eine von Gott ganz und gar abgefallene Rasse hat die Lande jener Christen erobert! [...] Eure Blutsbrüder sind in ihren eigenen Häusern nur noch Diener fremder Herren, sofern sie nicht sogar aus ihnen vertrieben wurden; oder man peitscht und verkauft sie noch auf ihrem eigenen Grund und Boden als Sklaven ins

Exil. “ (Zitat: BBC Film - Die Kreuzzüge Teil 1)

Urban schwärzte die Araber als blutrünstige Eroberer an, die scheinbar nur existierten, um das Christentum zu versklaven. Dies war jedoch ein stark übertriebenes Vorurteil, das hier sogar in extreme Hetze ausartete.

In Wirklichkeit hatten die arabischen Eroberer die christliche Bevölkerung nicht derartig versklavt oder misshandelt. Dies geschah nur mit den gegnerischen Armeen, und das war in dieser Epoche nichts ungewöhnliches.

Weiter sagte er:

„ Ihr seidüberheblich und hochmutig, ihr wütet gegen Eure Brüder und hackt Euch gegenseitig in Stücke! Schaudert davor zurück, Brüder, schaudert davor, im Zorn Eure Hand gegen einen Christenmenschen zu heben. Gottgefällig jedoch ist es, Eure Schwerter gegen die Sarazenen zu schwingen! Das ist der einzige Krieg der gerecht

ist. “ (Zitat: BBC Film - Die Kreuzzüge Teil 1)

Er rief öffentlich zum Krieg gegen die Araber auf. Hierbei ließer nicht aus, den Gottesfrieden soweit zu modifizieren, dass nur der Krieg zwischen Christen sündig war, und der gegen Ungläubige einen gerechter Krieg darstellte.

Laut einer anderen Quelle sagte er ebenfalls:

„ Reich und arm solle sich gleicherweise auf den Weg machen. “ (Zitat: Runciman, Geschichte der Kreuzzüge, S. 106)

„ Jenen, die in der Schlacht ihr Leben ließen, werde Absolution und Vergebung ihrer Sünden gewährt. “

(Zitat: Runciman, Geschichte der Kreuzzüge, S. 106)

Urban sprach mit seiner Rede wirklich alle Bevölkerungsschichten an. Vom Bauern bis zum Fürsten sollte jeder „das Kreuz nehmen“, und gen Jerusalem ziehen. Urbans Rede wurde - laut Quellen - mit überschwänglicher Euphorie aufgenommen. Die Zuhörer sollen angeblich ständig unterbrechend den Ruf „Deus le volt!“ -„Gott will es!“ geschrien haben, und anschließend in ein Massengebet mit eingefallen sein. Urban musste nun weitere Propaganda machen, damit der Kreuzzug überhaupt zu Stande kam. Zu diesem Zweck ließer Briefe mit seiner Rede an jeden Bischof schicken, damit sich die Botschaft rasch in Europa verbreiten konnte.

Geplant war, dass sich alle Kreuzzügler im darauffolgenden Jahr (1096) vor Konstantinopel sammeln sollten, um den Heereszug zu beginnen.

Jeder musste einen Eid ablegen, wirklich bis zum Ende am Kreuzzug teilzunehmen, und auch bis zum Tode zu kämpfen. Sollte das nicht der Fall sein, würde ein Kirchenbann über den Betroffenen ausgesprochen werden. Als Symbol dieses Eides wurde jedem Vereidigten ein Stoffkreuz auf die Kleidung genäht, daher auch der Begriff „das Kreuz nehmen“.

Die Kirchen in ganz Europa, und auch Wanderprediger machten große Werbung für den Kreuzzug, so dass wirklich jeder der nur irgendwie konnte, mitziehen wollte. Selbst Frauen, Kinder und Greise wollten gen Jerusalem ziehen.

Es ist erstaunlich, mit welchem Eifer die Bevölkerung in den Krieg gezogen war. Dies zeigt deutlich das blinde Gottvertrauen, das die Menschheit damals hatten. Die Kirche schuf den Gläubigen damals ein sehr naives Bild der Welt: Jerusalem wurde als diamantene Stadt, in einem Land, in dem Milch und Honig fließen dargestellt. Die ungebildete Bevölkerung glaubte das natürlich, und so verwundert es auch nicht, dass sie sich lieber einem Kriegszug ins Paradies anschlossen, als in ihrem harten Lebensalltag zu verharren. Zumal dieses Wagnis ja auch noch den Himmel nach dem Tod durch die Absolution garantierte.

Für die Ritter dieser Zeit war der Kreuzzugsgedanke ebenfalls eine Art Erlösung. Natürlich hatten auch sie teilweise naive Glaubensvorstellungen und taten auch alles, um die Absolution zu erhalten. Doch durch die Modifikation des Gottesfriedens durch Urban, laut dem der Krieg gegen Ungläubige gerecht wäre, hatte ihr Leben eigentlich wieder einen klaren Sinn bekommen. Der vorherige Gottesfriede stellte die Ritter vor den Konflikt zwischen christlicher Nächstenliebe und ihrer Berufung als Ritter. Nun konnten sie guten Gewissens nach Jerusalem ziehen, um dort für ihre Religion zu kämpfen.

4. Der 1. Kreuzzug

4.1. Der Zug des Volks

Der erfolgreichste und bekannteste Wanderprediger war Peter der Einsiedler. Er zog durch Nordwesteuropa, an der Rheingegend entlang und tief ins deutsche Reich hinein. Seine Predigten hatten die Fähigkeit die Menschen mitzureißen, und so konnte er in kürzester Zeit eine riesige Menschenmenge mobilisieren. Er predigte den Kreuzzug schon gegen Ende 1095, und wanderte so durch Europa, einen immer größer werdenden Menschenhaufen hinter sich herziehend.

Sein Entschluss war es, selbst in Richtung Jerusalem zu ziehen, an der Spitze „seines“ Heers. Er wollte nicht auf die anderen Heereszüge warten, und setzte sich ein halbes Jahr eher in Bewegung, als die anderen Feldherren.

Unterwegs hatte Peter viele logistische Probleme zu klären. Die riesige Menschenmenge von mehreren 20.000, die sich vor allem aus der unteren Bevölkerungsschicht zusammensetzte, musste auf der Reise mit Proviant versorgt werden.

Anfangs konnte das Versorgungsproblem noch friedlich gelöst werden, doch als das Heer in Belgrad eintraf, mussten sie die Umgegend plündern, um sich zu ernähren. Zu dieser Zeit erfuhr Kaiser Alexios von Byzanz das erste Mal von dem Herannahen des Heeres. In den Monaten zuvor hatte er bereits gerüchteweise vernommen, dass seine Bitte nach ein paar Aushilfssöldnern für den Papst nicht so gefruchtet war, wie er es erhofft hatte. Er wollte lediglich ein paar kleinere Truppen, die unter seiner Kontrolle hätten stehen sollen, statt dessen bekam er nun einen riesigen Kriegszug, den er nicht kontrollieren konnte.

Er befürchtete die Verwüstung seines Landes, und ganz besondere Sorgen machte er sich um die Sicherheit Konstantinopels, da diese Stadt das erste Reiseziel der Kreuzzügler war.

Also schickte er ihnen zur Vorsorge einige Milizeinheiten entgegen, die das Heer sicher durch sein Land begleiten sollten. Der Bauernzug zog nun sicher durch Byzanz, und hielt sich nicht mit Warten auf, sondern marschierte gleich weiter Richtung Jerusalem, ohne auf die anderen Ritterheere zu warten. Peter konnte seine Meute nicht mehr richtig kontrollieren, so dass sich teilweise einige Hundert vom Hauptheer trennten, und auf eigene Faust raubend und plündernd durch das Land zogen. So kam es auch, dass die Türken sie durch Tricks in einen Hinterhalt locken konnten, bei dem das gesamte Heer vernichtend geschlagen wurde.

Dies war das Ende des Kreuzzugs des Volkes. Sein Ende hatte gezeigt, dass „ der Glaube allein, ohne Klugheit und Selbstbeherrschung, die Straße nach Jerusalem nicht zu ö ffnen vermochte. “ (Zitat: Runciman, Geschichte der Kreuzzüge, S. 129)

4.2. Der Zug der Ritter

In den Jahren 1096 - 1099 vollzieht sich das, was wir als den eigentlichen 1. Kreuzzug kennen. Die westeuropäischen Ritterscharen ziehen Richtung Jerusalem, und können es unter größten Mühen im Jahre 1099 erstürmen.

Getrennt von Peter dem Einsiedler gab es 1096 noch den Adel, der einen Kreuzzug organisierte. Vor Allem die französischen, sowie die flandrischen Ritter und Adligen beteiligten sich daran.

Der Bischof von Le Puy, Adhemar de Monteil wurde zum Oberhaupt des Kreuzzugs ernannt. Die Feldherren der Kreuzzüge sollten Graf Raimund von Toulouse, Robert von Flandern, Robert von der Normandie, Stefan von Blois, und der Normanne Bohemund von Vodena sein.

Sie alle scharten im Laufe des Jahres nach dem Aufruf gewaltige Heerscharen um sich. Die genaue Zahl der Soldaten kann man nur schätzen, man geht aber von 60.000 -

100.000 Rekruten aus. Allesamt waren diese zumindest in geringem Maße kampferfahren, im Gegensatz zum Bauernheer Peters.

Der Zug setzte sich wie von Urban geplant in Bewegung, und machte auf verschiedenen Strecken die Reise nach Konstantinopel, wo man sich treffen wollte. Auch diese Heere hatten Versorgungsprobleme, und so zogen auch sie plündernd durch halb Europa, bis sie schließlich eines nach dem anderen in Byzanz ankamen. Alexios befürchtete, dass die Ritter, sollten sie türkische Gebiete erobert haben, sie diese für sich behalten würden. Deshalb forderte er von jedem Feldherren einen Treueschwur, dass das Land ihm als Lehnsherrn gehören müsse. Alle Kreuzzügler legten diesen Eid, teilweise nach reichlichen Zögerungen, ab, und konnten nun über den Bosporus nach Asien verschifft werden.

Hier begann für die Ritter der wirklich beschwerliche Teil der Reise. Sie mussten nun 2000 km durch anatolische und syrische Wüste marschieren. Unterwegs starben ein gutes Drittel von ihnen an Verdurstung, Krankheiten, oder wurden Opfer der gelegentlichen türkischen Überfälle.

Der erste Erfolg der Kreuzzügler war die Eroberung Nikäas am 19. Juni 1097. Die türkische Hauptstadt war für sie leicht zu nehmen, da die Türken die Heere unterschätzt hatten. Sie hatten erwartet, sich gegen einige weitere Bauernheere verteidigen zu müssen. Statt dessen mussten sie sich gegen die geballte Macht und Erfahrung der westlichen Ritterschaft wehren. Durch diesen Sieg hatten die Franken sich den Rücken für weitere Eroberungen frei gehalten. Es war der Beginn einer Schneise von Konstantinopel bis nach Jerusalem, die unter Kreuzfahrerherrschaft stand, und somit die Versorgung der Truppen garantierte.

Der türkische Sultan war zu diesem Zeitpunkt nicht in seiner Hauptstadt zugegen, wurde aber am 30. Juni 1097 in der „Schlacht von Doryläon“ gestellt.

Das nächste größere Angriffsziel war Antiochia. Die Stadt konnte nach siebenmonatiger Belagerung am 3. Juni 1098 erstürmt werden. Es folgte ein blutiges Massaker, bei dem kein Türke in der Stadt am Leben gelassen wurde.

Während eines Kampfmanövers gegen ein türkisches Entsatzheer wurde die Heilige Lanze gefunden, eine Reliquie die den Rittern wieder neue Hoffnung schenkte, nach diesem entbehrungsreichen Zug durch feindliches Land.

Im Juni 1099 erreichten die Kreuzzügler dann Jerusalem, das eigentliche Ziel ihrer Reise. Es beginnt eine fünfwöchige Belagerung, an deren Ende am 15.7.1099 die Stadt eingenommen wird. Das blutige Massaker, das die christlichen Kämpfer anrichteten, übertraf jenes in Antiochia in Grausamkeit und Blutdurst um einiges.

Man spricht davon, dass die Angreifer nicht zwischen Christen, Moslems oder Juden unterschieden, sondern sofort jeden umbrachten, der ihnen in die Arme lief. Sie verbrannten Hunderte von Juden zusammen in der Synagoge, in die sie sich geflüchtete hatten, nur aus dem Verdacht heraus, sie könnten den Mohammedanern geholfen haben.

„ Als Raimund sich [...] zum Tempelviertel begab, musste er sich seinen Weg durch Leichen und Blutstr ö me suchen, die ihm bis zu den Knien reichten. “ (Zitat: Runciman, Geschichte der Kreuzzüge, S. 275)

Diese Bluttat veranlasste die Araber den Angreifern blutige Rache zu schwören, was noch viele cristlich-islamische Kriege nach sich zog, und noch Jahrhunderte später die Beziehungen zwischen den Anhängern beider Religionen nachteilig bestimmte.

5. Ende des 1. Kreuzzugs

Der 1. Kreuzzug war mit der Eroberung Jerusalems beendet, und die Europäer gründeten nun das Königreich von Jerusalem, das allerdings nicht sehr lange Bestand hatte, da die Araber die Stadt zurückeroberten.

Aus europäischer und kirchlicher Sicht der damaligen Zeit war der 1. Kreuzzug ein wahrer Erfolg gewesen. Trotz der enormen Verluste waren die gesteckten Ziele erreicht: Der Pilgerweg war wieder frei, das Heilige Land unter christlicher Herrschaft, und die Byzantiner waren vor den Türken sicher.

Doch die Verluste waren auf allen Seiten enorm: Durch den 1. Kreuzzug verloren schätzungsweise 50.000 Christen ihr Leben, und noch sehr viel mehr Mohammedaner und Juden wurden von den Christen niedergemacht.

Der 1. Kreuzzug bildete nur einen Auftakt, zu einer Reihe weiterer Kreuzzüge, die vom christlichen Fanatismus der Europäer getragen wurden, und auch ein Gegenstück bei den Mohammedanern fanden, die es auch als ihre heilige Pflicht ansahen, sich für all die Gräueltaten jener Christen an ihnen zu rächen. So schaukelte sich der Konflikt im Laufe der Zeit immer wieder auf, und ist trotzdem auch nur einer der unzähligen Glaubenskriege, die auch heute noch in unserer Welt betrieben werden.

6. Quellenangaben:

Literatur:

RUNCIMAN, Steven, „Geschichte der Kreuzzüge“, München 1989, Beck’sche Sonderausgabe MAYER, Hans Eberhard, „Geschichte der Kreuzzüge“, Stuttgart 2000, Kohlhammer, 9. Auflage

BARTH, Reinhard, „Taschenlexikon: Kreuzzüge“, München 1999, Piper, 2. Auflage

KINDER, Hermann / HILGEMANN, Werner, „dtv-Atlas Weltgeschichte Band 1“, München 2000, dtv, 34. Auflage

Filme:

„Die Kreuzzüge : Teil 1 : Pilger in Waffen“ aus der Reihe „Wissen auf Video“ ; Komplett- Verlag

„Die Kreuzzüge : Teil 2 : Jerusalem“ aus der Reihe „Wissen auf Video“ ; Komplett-Verlag

7. Erklärung

Ich erkläre, dass ich die Facharbeit ohne fremde Hilfe angefertigt und nur die in den Quellenangaben angeführten Quellen und Hilfsmittel benutzt habe.

Herdecke, den Unterschrift:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

12 von 13 Seiten

Details

Titel
Übersicht über den 1. Kreuzzug - Besondere Betrachtung der Entstehung der Kreuzzüge
Autor
Jahr
2001
Seiten
13
Katalognummer
V101317
Dateigröße
354 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Diese Arbeit hätte meiner Meinung nach noch etwas ausführlicher ausfallen können, jedoch war ich auf ungefähr 10 Seiten eingeschränkt. Deshalb erfolgte während des Schreibens auch noch mal die Spezialisierung auf den Beginn des Kreuzzugs. Der eigentliche Kreuzzug wird nicht mehr so ausführlich behandelt. Trotzdem bin ich zufrieden mit dieser Arbeit.
Schlagworte
Kreuzzug Kreuzzüge Mittelalter Ritter Urban Papst Kirche Islam
Arbeit zitieren
Tim Düllmann (Autor), 2001, Übersicht über den 1. Kreuzzug - Besondere Betrachtung der Entstehung der Kreuzzüge, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/101317

Kommentare

  • Gast am 5.5.2001

    Kommentar.

    Ausfühlicher Bericht. Klasse Arbeit!!!

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