Burschenschaften


Referat / Aufsatz (Schule), 2000
2 Seiten, Note: 15 punkte

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Sehr geehrte Anwesende!

Wir sind heute hier zusammengekommen, um eine Antwort auf die Frage zu finden, was aus dem Deutschen Bund werden soll, diesem zusammen- gewürfelten Gebilde, welches ein Volk, daß dieselbe Sprache spricht, auf die gleichen kulturellen Schätze zurückblicken kann und welches eigentlich ohne störende Grenzen frei und gleich zusammenleben sollte, immer weiter voneinander abschottet.

Mit der franz. Revolution wurde der erste Schritt in Richtung Freiheit des Volkes und Beseitigung der mittelalterlichen Mißstände getan. Wir haben diese Entwicklung mit großem Interesse verfolgt und erwartet, daß die Ideale und Perspektiven der Revolutzer auch in Fleisch und Blut unseres Volkes übergehen und vielleicht Anlaß zum Aufbegehren gegen die herrschende Schicht geben würden. Eingeschränkt in unserer Freiheit und unserem Denken hofften wir, daß zumindest der Wiener Kongreß zu einem Meilenstein auf dem Weg zu einem einheitlichen deutschen Lande werden könnte. Doch es kann keine Rede von Fortschritt sein, nein, im Gegenteil!!! Die alten, längst überholten Strukturen wie z. B. die Kleinstaaterei blieben erhalten. Erneut wurde festgelegt, daß einer über andere herrschen sollte. Jeder der Fürsten strebt in seinem unstillbaren Machthunger nach mehr Land und einer Vormachtstellung gegenüber den anderen deutschen Staaten...Die daraus resultierenden Kämpfe zwischen den einzelnen Fürstentümern sind für mich und meine Verbündeten wie ein Stich ins Herz. Männer einer Nation kämpfen gegeneinander, Brüder kämpfen gegen Brüder, angestachelt durch die hohlen Phrasen, die ihnen von ihren Machthabern eingetrichtert wurden, oft als ein Überbleibsel der franz. Fremdherrschaft. Wir versuchen uns davon zu lösen und nicht weiterhin in getrennten Schienen zu denken, sondern Deutschland als EINEN Staat zu sehen. Um diesen aufkeimenden Nationalismus durchzusetzen formierten sich viele Studenten und Gelehrte in Burschenschaften, unabhängig davon, welchem Kleinstaat sie angehörten. In diesen Vereinigungen waren alle gleich und alle hatten das eine Ziel: die Durchsetzung eines einheitlichen Deutschlandes!!!! Unser 1817 ausgetragenes Wartburgfest zeigte, daß wir dafür bestimmt sind zusammen zu leben und zu wirken. Wir erinnerten uns an vorangegangene große Feiertage des deutschen Volkes, die zu einem gemeinschaftlichen Denken beitrugen, wie z. B. die Reformation Luthers oder unser Sieg bei der Völkerschlacht von Leipzig. Unsere Forderungen nach Presse - u. Redefreiheit, oder unsere Losung „Nieder mit allem Undeutschen“ wurde zwar von einem Teil des Bürgertums wohlwollend aufgenommen, der preußische König jedoch wurde von der nackten Angst vor einem Aufstand oder gar einer Revolution nach franz. Vorbild gepackt!!! Der Mord an Kotzebue war für die Fürsten, allen voran Fürst von Metternich, ein gefundenes Fressen und die so lange ersehnte Möglichkeit gegen uns vorzugehen...Aufgrund der Karlsbader Beschlüssen werden unsere Burschenschaften als politisch gefährlich eingestuft und verboten, alle Universitäten strengster Überwachung unterzogen und Hunderte meiner Mitbrüder gefangen genommen. Wir sahen unsere Chancen schwinden, da sich ein Aufbegehren gegen dieses Überwachungs- und Zensursystem als sehr schwierig erwies. Erst die Julirevolution in unserem Nachbarland Frankreich bot uns erneut Ansatzmöglichkeiten, gab uns Mut und half uns unser Selbstvertrauen und unsere Risikobereitschaft wieder zu beleben. Wir konnten in dieser Zeit großartige Erfolge auf dem Gebiet der Verfassungsgebung erzielen. Die Fürsten mehrerer Staaten verabschiedeten mehr oder weniger freiwillig eine von uns vorgeschlagene Verfassung. Durch den Geruch von Gleichheit und Freiheit der überall in der Luft lag, bekamen auch andere Bevölkerungsschichten Appetit auf ein Stück des Kuchens, welcher aus lauter guten Zutaten, wie nationaler Einheit, Pressefreiheit und sogar einer Prise Demokratie zubereitet wurde, und wir, das Volk, haben das Messer in der Hand und besitzen die Möglichkeit ihn gemeinsam mit vereinten Kräften aufzuschneiden! Mit dieser Aussicht im Auge begaben sich, ähnlich dem vorangegangen Wartburgfest, im Mai 1832 viele Bürger zum Hambacher Fest. Nur mit dem einen Unterschied, daß sich die damals noch in den Kinderschuhen steckende Bewegung mit 500 Studenten zu einer Masse von 30000 Menschen aller Schichten gemausert hat. Natürlich war die Begeisterung des Deutschen Bundes über diese Zusammenkunft sehr gedämpft und es wurden erneut Maßnahmen, wie z. B. Aufhebung der Presse- u. Versammlungsfreiheit ergriffen, die unsere Bestrebungen im Keim ersticken lassen sollten. Es folgten eine Reihe weiterer Aktionen, die jedoch nur selten von Erfolg gekrönt waren, wie z. B. der Versuch die Hauptwache in Frankfurt am Main zu stürmen oder verschiedene Aufrufe von Schriftstellern, sich gegen Adel und Landesherren zur Wehr zu setzen. Sie hatten meist leider nur eine Verschärfung der Maßnahmen Metternichs zur Folge. Doch auch wenn die Bemühungen einiger Menschen zunächst aussichtslos erschienen, so sind sie doch in unseren Herzen und auch den Herzen des ganzen freiheitlich gesinnten Volkes zu Helden aufgestiegen, allen voran die Göttinger Sieben, sieben Professoren, die gegen die unrechtmäßige Aufhebung der hannoverschen Verfassung demonstrierten und als Opfer fürstlicher Willkür zum Teil des Landes verwiesen wurden. 1841 wurde unsere Sehnsucht nach einem Staat in einem Lied von August Heinrich Hoffman von Fallersleben festgehalten, welches den Rang der Nationalhymne verdient hätte, das „Lied der Deutschen“. Hier werden unsere tiefsten Wünsche erfaßt und verarbeitet. „Einigkeit und Recht und Freiheit“, die Eindämmung des Massenphänomens Armut, welches gesamte Bevölkerungsschichten ergreift, gleiches Wahlrecht und natürlich, wie heute schon so oft erwähnt, die Schaffung eines einheitlichen Deutschlands, mit gleichen Rechten und Pflichten für alle. Denn wir sind der Meinung: ALLE DEUTSCHEN SIND BRÜDER UND SOLLEN FREUNDE SEIN!!

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Details

Titel
Burschenschaften
Note
15 punkte
Autor
Jahr
2000
Seiten
2
Katalognummer
V101322
Dateigröße
320 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Sollten uns vorstellen, wir befänden uns auf eine Art Versammlung kurz vor der Revolution 1848/49 in Deutschland
Schlagworte
Burschenschaften
Arbeit zitieren
Anne Abendroth (Autor), 2000, Burschenschaften, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/101322

Kommentare

  • Gast am 25.11.2001

    sehr gut.

    deine hausarbeit ist unglaublich gut und verständlich geschrieben. der standpunkt aus dem du berichtest ist sehr gut gewählt und verdeutlicht die ganze thematik noch besser. danke danke danke!!!

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Titel: Burschenschaften


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