Kafka, Franz - Die Verwandlung


Referat / Aufsatz (Schule), 2001

6 Seiten, Note: sehr gut


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Franz Kafka- Die Verwandlung

Der Autor

Franz Kafka wurde am 3.Juli 1883 als Sohn des Kaufmanns Hermann Kafka und seiner Frau Julie in Prag geboren. Kafkas literarisches Wirken war immer fort von seinem problematischen Verhältnis zu seinem Vater geprägt. Er litt sehr unter der autoritären Erziehung, die ihn auch psychisch sehr belastete. Wie sehr Kafka unter seinem Vater gelitten haben muss, zeigt sich auch im „Brief an den Vater von 1919".

Kafka besuchte ab 1893 das Altstädter Deutsche Gymnasium, wo er 1901 auch seinen Abschluss erreichte. Sofort im Anschluss studierte er an der Deutschen Universität in Prag. Er begann mit Germanistik und fing letztendlich im 2.Semester Jura an. 1902 machte er die erst Bekanntschaft mit Max Brod, während dieser in Prag einen Vortrag über Schopenhauer und Nietzsche hielt. Von 1904-1905 verfasste er eines seiner ersten Werke „Beschreibung eines Kampfes“. In dieser Zeit fanden auch die ersten regelmäßigen Zusammenkünfte mit Oskar Baum, Max Brod und Felix Welsch statt. 1906 promovierte Kafka zum Dr. iur. Advokatur, woraufhin sie ein Jahr Rechtspraxis anschloss.

Im Jahr 1908 fängt er als Hilfsarbeiter in der Arbeiter-Unfall-Versicherungs-Anstalt in Prag an.1910 erfolgt seine Festanstellung. Kafka setzt aber auch während seiner Berufstätigkeit seine literarische Arbeit fort. Er schreibt Zeit seines Lebens vorwiegend abends und in der Nacht. Er betrachtet sein nächtliches „Gekritzel“ als sein „einziges Verlangen“(KKW). Und sieht es fast schon als eine Art Krankheit!

Anfang des Jahres 1912 beginnt er mit ersten Entwürfen zu „Verschollenen“(Amerika).Im August des selben Jahres stellt ersein erstes Buch „Betrachtungen“ zusammen, welches im Dezember des selben Jahres erscheint. Generell war 1912 ein sehr entscheidendes Jahr in Kafkas Leben. In diesem Jahr fand ebenfalls sein erstes Zusammentreffen mit Felice Baue r statt. Felice Bauer war eine der großen Lieben in Kafkas Leben, wenn nicht sogar die größte Liebe. Im September schreibt Kafka „Das Urteil“.

Im Oktober fängt ein sehr langer und intensiver Briefwechsel mit Felice Bauer an. „Die Verwandlung“, die er im November bzw. im Dezember schrieb, wurde sehr von diesem Briefwechsel mit Felice Bauer und der Qual der unerfüllten Liebe Kafkas beeinflusst. Im Jahr 1913 wird Kafka nur drei Jahre nach seiner Festanstellung zum Vizesekretär ernannt. Im selben Jahr besucht Kafka zum ersten Mal Felice Bauer in Berlin.

Kafka verließ nur selten seine Heimatstadt ( und wenn auch nur für kurze Zeit) und wurde dort nach einem kurzen Leben von einundvierzig Jahren auch auf dem Straschnitzer Friedhof begraben.

Im Jahre 1917 erkrankte Kafka an Tuberkulose. Beruflich bleibt Kafka zunächst weiterhin erfolgreich. Er wird 1920 zum Anstaltssekretär befördert. Und zwei Jahre später zum Obersekretär. Doch im selben Jahr erfolgt dann auch seine Frühpensionierung aus gesundheitlichen Gründen.

Anfang Juni 1924 stirbt Kafka im Sanatorium in Kierling bei Wien.

Biographische Angaben zu der „Verwandlung“

Die Entstehung der „Verwandlung“ wird vor allem durch die Erwähnung in den Briefen an Felice Bauer dokumentiert. Kafka begann mit der Arbeit an dem Text wohl in einer Nacht Mitte November 1912. In einem Brief an Felice Bauer vom 23.11.12 heißt es über den Fortgang seiner Arbeit:

„Ich habe meine kleine Geschichte weggelegt, an der ich allerdings schon zwei Abende gar nichts mehr gearbeitet habe und die sich in der Stille zu einer größeren Geschichte auszuwachsen beginnt( ).Sie heißt„Verwandlung“( )(F116).Doch nur eine Nacht später ist sie dann „schon ein Stücküber ihre Hälfte fortgeschritten“(F117).Leider musste Kafka seine Arbeiten dann aufgrund einer Dienstreise, die ihn von Prag wegführte, ein bis zwei Tage ruhen lassen.

Am 01.Dezember berichtet Kafka Felice dann in einem Brief, dass„ein dritter Teil, aber nunganz bestimmt (...) der letzte, hat begonnen sich anzusetzen“.(F145) Nur vier Tage später in der Nacht vom 05.12 auf den 06.12 kommentiert Kafka den Abschluss seines Werkes in einem Brief an Felice:

„Weine Liebste, weine, jetzt ist die Zeit des Weinens da! Der Held meiner kleinen Geschichte ist vor einer Weile gestorben.“

Der Erstdruck der „Verwandlung“ erfolgte in „Die weißen Blätter“, einer Monatsschrift im Oktober 1915.

Inhaltsangabe

In der „ Verwandlung“ geht es um einen jungen Mann, der eines Tages zu einem Käfer mutiert erwacht. Eben diese „Verwandlung“ verändert nicht nur sein eigenes Leben, sondern auch das Leben seiner ganzen Familie. Nach mehreren Monaten geht dieser mutierte, ehemals erfolgreiche, junge Mann an Isolation, Feindseligkeit und Einsamkeit zu Grunde.

Gregor Samsa erwacht eines Morgens und ist zuerst äußerst irritiert über die Veränderungen seines Körpers. Er findet „sich in seinem Bett zu einem ungeheuren Ungeziefer verwandelt“. (S.1, Z.2)

Sein Körper gleicht dem eines über dimensionalen Käfers. Er liegt auf „seinem panzerartig harten Rücken“(S1,Z.4) und kann nur mit Mühe „seinen gewölbten, braunen, von bogenförmigen Versteifungen geteilten Bauch“ sehen. Anstatt seiner normalen Gliedmaßen findet er nur „viele, im Vergleich zu seinem sonstigen Umfang kläglich dünne(n)Beine vor (...)“.(S1,Z.8 f),die vor seinen Augen flimmern.

Zunächst glaubt Gregor Samsa an eine Sinnestäuschung. „Dieses frühzeitige Aufstehen, dachte er, macht einen ganz blödsinnig.“(S.3,Z.1)Durch den neuen Zustand seines Körpers behindert, fällt Gregor Samsa zunächst in einen inneren Monolog. Aufgeschreckt wird Gregor erst durch „Die sanfte Stimme“(S.5,Z.4) seiner Mutter , die irritiert ist, dass Gregor noch nicht das Haus verlassen hat. Auch alle anderen Familienmitglieder werden nun auf Gregor aufmerksam. Der Vater klopft „schwach, aber mit der Faust“(S.5,Z.21) an die Tür und „die Schwester klagte leise“(Vgl.,S.5,Z.25).Da Gregors Stimme allerdings ebenfalls der Metamorphose unterworfen ist, gelingt es ihm nicht mit seiner Familie in Kontakt zu treten. Er versucht sich mit viel Mühe aus dem Bett zu wälzen. Mittlerweile sucht der Prokurist der Firma, für die Gregor arbeitet, die Familie Samsa auf.Auch er ist überrascht, dass Gregor heute nicht zur Arbeit erschienen ist. Gemeinsam wollen sie Gregor überreden die Zimmertür zu öffnen. „Ich (die Mutter, Anm. NR.) bin übrigens glücklich, dass sie da sind, Herr Prokurist; wir alleine hätten Gregor nicht dazu gebracht, die Tür zu öffnen;( ).“ (S.12,Z15f)

Gregor, der mit seinem verwandelten Körper noch nicht umgehen kann,öffnet schließlich die Tür. Beim Anblick des Käfers flüchtet der entsetzte Prokurist und die Familie, die zunächst völlig geschockt war, gerät in Panik. Die Mutter hatte „trotz des kühlen Wetters ein Fenster aufgerissen, und hinausgelehnt drückte sie ihr Gesicht weit außerhalb des Fensters in ihre Hände.“ (S.25,Z.9f)

Gregors Vater drängt ihn immer völlig entgeistert unter Anwendung äußerster Gewalt zurück in sein Zimmer. „(...)- da gab ihm der Vater von hinten einen jetzt wahrhaftig erlösenden starken Stoß, und er flog, heftig blutend, weit in das Zimmer hinein.“(S.27,Z.3ff) Gregor gewöhnt sich im Laufe der Zeit an seinen neuen Körper und die damit verbundenen Veränderungen z.B. seines Geschmacksinnes, allerdings plagen ihn Schuldgefühle. Er war bisher der alleinige Versorger seiner Familie. Für Gregor steht außer Frage, dass seine Familie völlig abhängig von seinem bisherigen Einkommen ist.

Dieser gelingt es jedoch die Probleme, die sich aus den neuen Verhältnissen ergeben, zumeistern .Dienstboten werden entlassen, ein weiteres Zimmer der Wohnung wird vermietet, der Vater und die Tochter finden Arbeit ,sogar die Mutter verdient ebenfalls Geld durch Näharbeiten ,die sie zu Hause verrichten kann .

Je selbständiger die Familie wird ,desto größer wird Gregors Isolation. „Wer hatte in dieser abgearbeiteten und übermüdeten Familie Zeit, sich um Gregor mehr zu kümmern, als unbedingt nötig war?“ (S.56,Z19ff)Jeder Versuch Gregors , Kontakt mit seiner Familie aufzunehmen, scheitert. Sein Leben als Parasit wird trotz seiner früheren Verdienste um das Wohlergehen der Familie als Belastung empfunden.

Nur seine Schwester Grete kümmert sich noch ein wenig um Ihren Bruder, doch selbst dieses Verhältnis leidet sehr unter der veränderten Situation.

Den Höhepunkt hat der Konflikt mit seiner Familie erreicht , als sich Gregor den drei Herren zeigt, die mit in der Wohnung der Familie als Untermieter wohnen. Kaum haben diese drei Herren Gregor erblickt , kündigen sie das Zimmer. Nun ist es Gregors Schwester die zornig die Beseitigung des Ungeziefers fordert, das die Familie quält.

„Ich will vor diesem Untier nicht den Namen meines Bruders aussprechen, und sage daher bloß: wir müssen versuchen, es loszuwerden.“(S.70,Z19ff) Gregor flüchtet voller Gewissensbisse in sein Zimmer und stirbt völlig ausgemergelt kurz darauf.

Die Familie empfindet sein Ableben als große Erleichterung, jetzt ist man endlich bereit wieder Pläne für die Zukunft zu fassen.

Aspekte der Sprachanalyse bei Kafka in der „Verwandlung“ In der sprachlichen Geste verwendet Kafka auch in der „Verwandlung“ Hypotaxen. Durch die Aneinanderreihung mehrerer, häufig ineinander verschachtelter Nebensätze stellt er auch sprachlich den Abbau der Wirklichkeit da. Diese langen, Unwirklichkeit suggerierenden, Hypotaxen lässt Kafka immer wieder mit kurzen präzisen Hauptsätzen abwechseln. Durch die Gegenüberstellung von Parataxen und Hypotaxen wird der Unterschied zwischen den zwei Ebenen seiner Erzählung, der Realität und des Traumhaften, noch deutlicher. Darüber hinaus verwendet Kafka auf der sinntragenden Ebene eine Art lexischen Wandel, um auch die Verwandlung seines Helden sichtbar zu machen. Kafka setzt dazu einen Begriff wie z.B. „Mut“ und schwächt ihn im weiteren Lauf seiner Erzählung immer weiter ab, bis hin zu seinem völligen Gegenteil.

Weiterhin verwendet Kafka auffallend viele modale Partikel, die den Sachverhalt abgestuft einschränken. Z.B. noch, schon, doch, nun, gewiss, vielleicht, nämlich, eigentlich, aber, wahrscheinlich, zumindest, möglich. Den Grenzpunkt bei dieser Abstufung stellt „nicht“ dar, weil es in der Kraft der Verneinung nicht steigerbar ist. Ein Beispiel dafür: „ (...)glaubte manschondaran, dass es mit ihmnicht ganzin Ordnung war (...)“ Ebenfalls für Kafka typisch sind die inneren Monologe Gregors, in welchen er häufig eine objektiv falsche Einschätzung der Situation gibt und somit die subjektive Wahrnehmung fragwürdig erscheinen lässt.

„Wiewärees, wenn ich noch ein wenigweiterschliefe und alle Narrheitenvergäße´, dachte er(..)“ (S.2,Z.2)

In dieser erlebten Rede verwendet Kafka oft den Konjunktiv, um den Wunsch des Denkenden auszudrücken und die Irrealität des Gedachten zu betonen, wie auch hier. Auch das Partizip Präsens verwendet er oft als Zustand der Unsicherheit.

Generell verwendet Kafka in der „Verwandlung“ verschiedene Tempi. Die Erzählung beginnt im Imperfekt. „Als Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigen Träumenerwachte,fander sich in seinem Bett zu seinem ungeheuren Ungeziefer verwandelt.“ Das Imperfekt stellt noch den sichersten Zustand in der Erzählung dar, weil es schon abgeschlossen ist. Während das Plusquamperfekt einen Bereich vor der Vergangenheit bezeichnet, der nicht ganz stabil ist und das Perfekt auf der Schwelle zwischen Gegenwart und Vergangenheit im Fluss ist.

Das Präsens wie es im obigen Auszug aus einer inneren Reden Gregors verwendet wird, kommt bei Kafka immer nur modal eingeschränkt vor. Er verwendet es als Tempus der mehr oder weniger konkreten Handlung.

Die Dialoge,die das Scheitern einer jeglichen Verständigung signalisieren und Kommunikationsprozesse nicht in Gang zu bringen vermögen, sind betont einsilbig und monoton. Sie dienen eher dazu Sprachlosigkeit deutlich zu machen, als diese zu beseitigen. „ Um Gottes willen, rief die Mutter schon unter Weinen, er ist vielleicht schwer krank, und wir quälen ihn. Grete! Grete! schrie sie dann.

Mutter? rief die Schwester von der anderen Seite.(...)

Du musst augenblicklich zum Arzt. Gregor ist krank. Rasch zum Arzt. Hast du Gregor jetzt reden hören?(...) Anna! Anna ! rief der Vater durch das Vorzimmer in die Küche und klatschte in die Hände, sofort einen Schlosser holen!“(S.16,Z.15 ff) Alles in allem drückt Kafka auch auf sprachlicher Ebene das Traum-Alptraumhafte seiner Erzählung aus. Er verwendet die aufgeführten Stilmittel darüber hinaus, um den Verfall der Wirklichkeit darzustellen, dieses führt direkt auf eine Kernaussage seines künstlerischen Schaffens.

Interpretation

Was will Kafka mit der Verwandlung seines Protagonisten zu einem „ungeheuren Ungeziefer“(S.1,Z1) aussagen?

Das ist wohl eine der Hauptfragen , die bei dem Versuch einer Interpretation der „Verwandlung“ auf kommen:

Kafka benutzt als Mittel der Beobachtung seiner eigenen Identität. Als Elemente dieser Beobachtung sind auf der einen Seite die Spaltung der Identität und auf der anderen Seite die gelogenen bzw. erfundene Identität.

Im Fall Gregor Samsas liegt zunächst einmal offensichtlich die erfundene neue Identität leicht erkennbar vor .Kafka lässt seinen Helden zu einem Käfer mutieren und lässt ihn somit in eine neue Hülle, eine andere Identität schlüpfen, die allerdings nicht seiner eigentlichen Natur entspricht.

Durch diese Metamorphose spaltet Kafka also auf seine ursprüngliche Identität . Der fürsorgliche Sohn steht nun dem parasitären Ungeziefer gegenüber. Der eigentliche Geist Gregor Samsas äußert sich nur mehr durch die inneren Monologe, während Kafka den Käfer als Tiermetapher gewählt haben mag als nach außen sichtbares Zeichen einer umfassenden Selbstentfremdung.

Kafka legitimiert den Widerspruch zwischen diesen beiden Persönlichkeitsstrukturen in seiner Erzählung als normales Denkprinzip.

Die Entfremdung, die Gregor in seinem Beruf erfährt, führt zu Entfremdung seines eigenen Ichs. Die Berufliche Situation, die Gregor auf den ersten Seiten beschreibt ist gekennzeichnet durch, die harten Arbeitsbedingungen mit sehr langen Arbeitszeiten. Außerdem fühlt Gregor sich immer mehr belastet durch Unterdrückungs- und Kontrollmechanismen. Er leidet unter ständiger Angst vor Misserfolgen und Kündigung. Es gibt in der „Verwandlung“ keinerlei reale menschliche Bindung, es werden keine positiven Emotionen geschildert:

Zwischen Gregor und seinem Arbeitsgeber herrscht ständiges Misstrauen, das bis hin zum Verdacht der Unterschlagung geht. Ebenfalls wird Gregor von schlechter verdienenden Kollegen beneidet. Gregor wird als Angestellter gezwungen sich vollkommen seinem Chef zu unterwerfen. Er fühlt sich gar zu einer „ Kreatur des Chefs“ mutiert.

Darüber hinaus sind sogar die Beziehungen in seinem sozialen Nahbereich belastet. Gregors „Verwandlung“ zum unnützen und parasitären Insekt kann man auch als Gegenreaktion auf das ausbeuterische Verhalten seiner Familie betrachten, denn trotz Gregors aufopferungsvollen Dienstes bleibt bei Gregor immer ein Gefühl der Minderwertigkeit und der Fremdheit.

Kafka führt also dem Rezipienten die Perversion aller menschlicher Werte vor. Der Beruf bedeutet nicht Bestätigung, sondern Fron und die Familie bildet keine wärmende liebende Einheit, sondern stellt eine Bedrohung für die Identität des Helden dar. Kafka drückt in seiner Erzählung also eines der Hauptthemen des 20. Jahrhunderts aus. Er beschreibt, dass die „Lüge zur Weltordnung gemacht wird“( Kafka, „Der Prozess“). Wäre da nicht seine Einzigartigkeit des Ausdrucks könnte man sein Werk dem Expressionismus zuordnen. Der Expressionismus beschäftigt ebenso mit der Zerstörung der menschlichen Beziehung, dem Scheitern der Kommunikation, mit Gefühlen der Schwäche, Ohnmacht und der Minderwertigkeit, einer entfremdeten Berufswelt und den autoritären Strukturen.

Dieses Weltbild steht im Gegensatz zu dem des 19. Jahrhunderts bzw. der Klassik. Die Klassik entwickelte sich, nachdem der Theoretiker Winkelmann - in Anlehnung an die griechischen Ideale der Antike- sein Postulat nach „edler Einfalt“ und „Stiller Größe“ formulierte.

Goethe und Schiller übernahmen diese Forderung in ihre Werke. Goethe in einer natürlichen und organischen Form des Schreibens und Schiller in einem ästhetisch- moralisierenden Grundgedanken. Schiller und Goethe wurden beide von dem absoluten Wahrheitsgebot Kants geleitet.

Stifter vervollkommnete den klassischen Gedanken „edler Einfalt“ und „stiller Größe“ mit seinem naturphilosophischen Ansatz vom „sanften Gesetz“ Dieser Gedanke Stifters hatte Geltung bis zum 20. Jahrhundert als Nietzsche an die „dionysische“ Seite der Kunst die „apollynische“ stellt.

Die Klassik war optimistisch geprägt. Johann Peter Hebel formulierte: „ Der erhaltenden und rettenden Kräfte immer die zerstörenden“ („Der Sparziergang am See“). Dem Gegenüber zu stellen ist der Anspruch Dürrenmatts. „eine Geschichte ist erst zu Ende gedacht, wenn sie ihre schlechtest mögliche Wendung genommen hat.“(„Die Physiker“)Dieser Anspruch ist charakteristisch für das pessimistische Weltbild des 20. Jahrhunderts. Aus dem Auseinanderfall von Wort und Sache resultiert zwangsläufig ein Werteverfall.

Nietzsche formulierte „ Gott ist tot, wir haben ihn getötet“. An die Stelle der rettenden Schutzmacht Gottes bzw. der Natur , tritt mit der Industrialisierung eine anonyme Macht. An die Stelle des absoluten Wahrheitsgebots von Kant , tritt die Lüge ,die zum allgemeingültigen Gesetz wird. Die Künstler dieses Jahrhunderts setzen sich hauptsächlich mit Themen wie Krieg , Not, Tod etc. auseinander. Der einzelne Mensch zählt kaum noch in der Kunst, vor allem nicht bei den Expressionisten. Kafka dagegen bringt dagegen vor allem das Gefühl der Isolation des Einzelnen zum Ausdruck. Er betrachtet das Scheitern der Identität seiner Helden als Spiegel seines eigenen Scheiterns.

Quellenangabe

Kafka, Klaus Wagenbach, veröffentlicht im Rowohlt Taschenbuch Verlag GmbH, Reinbek bei Hamburg, Oktober 1964

Franz Kafka, Das Urteil, Fischer Bücherei KG, Frankfurt a.M. und Hamburg , Juli 1963

Franz Kafka , Briefe an Felice und andere Korrespondenz aus der Verlobungszeit, Hrsg. Von Hartmut Binder und Klaus Wagenbach. Frankfurt am Main 1974

6 von 6 Seiten

Details

Titel
Kafka, Franz - Die Verwandlung
Note
sehr gut
Autor
Jahr
2001
Seiten
6
Katalognummer
V101355
Dateigröße
340 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kafka, Franz, Verwandlung
Arbeit zitieren
Nora-Maria Rethmeier (Autor), 2001, Kafka, Franz - Die Verwandlung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/101355

Kommentare

  • Gast am 10.12.2001

    DAAANKEEE!!.

    Vielen Dank, hat mir sehr geholfen!!

  • Gast am 18.2.2002

    Kommentar.

    Die Firma dankt

  • Gast am 19.8.2002

    Kurz und Bündig.

    Hab ne weile gesucht, bis ich deine Arbeit gefunden habe, danke, war sehr aufschlussreich....

  • Gast am 2.12.2002

    Sehr informativ, jedoch teilw. komplizierte Formulierung.

    Sehr informativ, jedoch teilweise etwas komplizierte Formulierung.
    Das beste Referat, das ich bisher über "Die Verwandlung" gelesen habe.
    *****

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Titel: Kafka, Franz - Die Verwandlung



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