Die nachfolgende Ausarbeitung wird sich mit dem bisherigen wissenschaftlichen Kenntnisstand auseinandersetzen. Zunächst wird ein kurzer Abriss über die geschichtliche Entwicklung der Pornografie erfolgen. Anschließend werden relevante sozial- und medienwissenschaftliche Theorien und aktuelle empirische Befunde zusammengefasst. Hierbei wird bewusst ein doppelter Blick verwendet, der sowohl Daten als auch Diskurse miteinbezieht. Die Forschungsfrage ist also, ob sich, kausalen Wirkungstheorien folgend, eine Wirkung von Pornografie auf Jugendliche beobachten lässt. Anschließend werden die Ergebnisse diskutiert und ein Fazit gezogen.
Da das Internet zu den größten sozialen Räumen gehört, in dem sich Jugendliche heute bewegen, und laut BZgA 96 Prozent der befragten Teenager Zugang zum World Wide Web haben und sich hier täglich bis zu drei Stunden aufhalten, ist diese Entwicklung vor allem für diese Gruppe von zentraler Bedeutung. Medien wie das World Wide Web werden bedeutsamer, weil sie Inhalte zur Sexualität liefern und daher als wichtige Informationsquelle dienen. Dass sich die Entwicklungsphase, in der sich Jugendlichen befinden, durch ein hohes Interesse an sexualitätsbezogenem Wissen auszeichnet, belegt die JIM-Studie von 2007, in der 88 Prozent der befragten Jugendlichen Liebe und Freundschaft als wichtigstes Thema angaben. Dies liegt daran, dass Heranwachsende sich besonders in der Phase der mittleren Adoleszenz sexuell positionieren und daher aufmerksame Beobachter von Körperlichkeiten und Sexualität in Filmen und anderen Internetangeboten werden. Daraus ergibt sich, dass rund 40 Prozent der deutschen Minderjährigen im Internet nach pornografischen Inhalten suchen. Hierbei ist der Zugang meist völlig frei, da nur drei Prozent der Websites das Alter der Nutzer erfragen, wobei der Besucher diese Frage ohne Erbringung eines Altersnachweises beantworten kann. Unzulänglicher Jugendschutz und abweichende gesellschaftliche Werte, Ziele und Normen führen dazu, dass Jugendliche und ihre sexuellen Verhaltensstandards wiederkehrend in das Zentrum des öffentlichen Diskurses geraten. Hierbei geht es meist um die diskursive Dimension der Gefahrenwahrnehmung, wobei oft von einer sexuellen Verwahrlosung der Jugend durch Pornografie gesprochen wird. Somit dominiert in öffentlichen Debatten die Perspektive des schädlichen Einflusses, wodurch die Panik durch Begriffe wie „Generation Porno“ und „sexuelle Verwahrlosung“ weiterhin verstärkt wird.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Geschichte der Pornografie
3. Sozialwissenschaftliche und Medienpädagogische Theorien
4. Wissenschaftliche Befunde
4.1 Umgang und Einstellungen
4.2 Realitätskonzeption
4.3 Lustempfinden
4.4 Einstellung zum Partner und dem anderen Geschlecht
4.5 Sexualverhalten
4.6 Persönliches Empfinden
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Einfluss von Pornografie auf Jugendliche im digitalen Zeitalter. Ziel ist es, unter Einbeziehung sowohl quantitativer Daten als auch gesellschaftlicher Diskurse zu klären, ob sich kausale Wirkungszusammenhänge zwischen dem Pornografiekonsum und der sexuellen Entwicklung oder dem Verhalten Heranwachsender nachweisen lassen.
- Historische Entwicklung der Pornografie vom 19. Jahrhundert bis zum Internetzeitalter
- Theoretische Grundlagen der Medienwirkungsforschung und Mediensozialisation
- Empirische Befunde zu Nutzungsverhalten und Realitätskonzeption bei Jugendlichen
- Einfluss von Pornografie auf Körperbild, Selbstwertgefühl und Partnerschaftsverständnis
Auszug aus dem Buch
Realitätskonzeption
Die Frage ob Pornografierezeption den Blick auf das Sexuelle schärft oder trügt ist ein kontrovers diskutierter Sachverhalt. Prof. Dr. Petra Grimm stellt in ihrer Studie „Porno im Web 2.0“ fest, dass sich die Einschätzung, ob Pornos der Realität entsprechen, für sexuell wenig erfahrene Jugendliche schwierig gestaltet, zumindest ein Teil halte die gezeigten Inhalte für realistisch. Ältere und beziehungserfahrenere Jugendliche empfinden die Darstellungen als unrealistisch (Grimm, 2011). Dies wird durch die Studie von Hoffmann unterstützt, in welcher 60 Prozent der befragten Jugendlichen angaben, dass sich Sexualität im wahren Leben nicht mit solcher, die im Porno gezeigt wird, vergleichen ließe. Dies zeigt, dass Jugendliche, die bereits über eigene sexuelle Erfahrungen verfügen, zwischen inszenierter und real erlebter Sexualität unterscheiden können (Hoffmann, 2009). Bei den befragten Mädchen in der Studie von Matthiesen und Schmidt, von denen 56 Prozent der Mädchen eine Aussage zum Thema „Realismus im Porno“ getroffen haben, beschreiben 50 Prozent die Darstellungen als unrealistisch. Gleichzeitig beschreiben die Mehrheit der Studienteilnehmerinnen Pornos als aufklärend und schreiben diesen einen Lerneffekt zu (Matthiesen & Schmidt, 2013).
Gerade diese aufklärende Funktion des Pornos wird von Wettstein und Pastötter kritisiert. Sie hinterfragen den Lerneffekt, da im Porno eine grundlegend falsche Darstellung von Sexualität geboten wird. Männliche Ejakulationen werden mit dem Orgasmusreflex gleichgesetzt und der Analverkehr wird ohne jedwede Körperflüssigkeiten gezeigt. Des Weiteren würden auch weibliche Körperflüssigkeiten wie Menstruationsblut und Zervialschleim fehlen. Dieses Tabu spiegelt sich auch in dem Verbot von Youporn, Menstruationsblut in den Videos auf der Website darzustellen, wider Jugendliche würden dadurch ein irreales Bild der Sexualität verinnerlichen, welches nicht der Wirklichkeit entspreche (Wettstein & Pastötter, 2016).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Relevanz des Themas ein, beleuchtet die Verbreitung von Pornografie im Internet und umreißt die mediale sowie jugendpsychologische Debatte.
2. Geschichte der Pornografie: Das Kapitel beschreibt die Entwicklung pornografischer Darstellungen vom antiken Kontext über das viktorianische Zeitalter bis hin zur heutigen Omnipräsenz im Internet.
3. Sozialwissenschaftliche und Medienpädagogische Theorien: Es werden zentrale Ansätze wie das Stimulus-Response-Modell des Behaviorismus und der Uses-and-gratifications-Approach sowie neuere Konzepte der Mediensozialisation gegenübergestellt.
4. Wissenschaftliche Befunde: Dieses Kapitel analysiert empirische Studien zu den Auswirkungen von Pornografie auf das Verhalten, die Wahrnehmung und das Selbstbild von Jugendlichen.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, betont die Ambivalenz der Befunde und identifiziert den Bedarf für zukünftige Langzeitstudien.
Schlüsselwörter
Pornografie, Jugendliche, Mediensozialisation, Internet, Wirkungsforschung, Sexualität, Mediennutzung, Identitätsentwicklung, Körperbild, Mainstream-Pornografie, digitale Medien, Jugendsexualität, Sozialwissenschaften, Konsumverhalten, Medienwirkung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Verbreitung und den Auswirkungen von Pornografie auf Jugendliche im Kontext der modernen Internetnutzung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die medienpädagogische Wirkungsforschung, die geschichtliche Entwicklung pornografischer Medien und die Auswirkungen auf die Identitätsbildung Heranwachsender.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, auf Basis vorliegender wissenschaftlicher Studien zu prüfen, ob ein kausaler Einfluss von Pornografiekonsum auf das Verhalten und die Wahrnehmung von Jugendlichen existiert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und einer Zusammenfassung aktueller empirischer Befunde, wobei ein "doppelter Blick" auf Daten und Diskurse angewandt wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert theoretische Ansätze der Medienwirkung sowie empirische Studien zu Themen wie Realitätskonzeption, Lustempfinden, Sexualverhalten und dem persönlichen Körperbild.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Pornografie, Jugendliche, Mediensozialisation, Wirkungsforschung, Internet und Identitätsentwicklung.
Welche Bedeutung hat das Internet für das heutige Konsumverhalten?
Das Internet fungiert als zentraler Raum, der den Zugang zu Pornografie nahezu unbegrenzt, kostenlos und zeitunabhängig ermöglicht, was Pornografie zu einem Massenphänomen im Alltag Jugendlicher macht.
Wie verändert Pornografie die Realitätskonzeption von Jugendlichen?
Die Arbeit zeigt, dass Jugendliche zwar oft zwischen Fiktion und Realität unterscheiden können, aber dennoch durch mediale Idealbilder unter Leistungsdruck gesetzt werden können, was ihr Selbstbild beeinflusst.
Warum wird der Begriff "Generation Porno" kritisch hinterfragt?
Der Begriff wird als mediales Schlagwort betrachtet, dem zwar aufgrund der hohen Verfügbarkeit zugestimmt werden kann, dem aber entgegengesetzt werden muss, dass reale interpersonelle Kontakte für die Identitätsbildung nach wie vor wichtiger sind.
Welche Rolle spielt die kritische Sicht der Psychologin Iris Nikulka?
Nikulka warnt vor den Folgen der frühen Konfrontation mit Pornografie, insbesondere im Hinblick auf verzerrte Körperbilder und eine mögliche Zerstückelung des menschlichen Körpers in der Wahrnehmung Jugendlicher.
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- Anonym (Autor), 2019, Einfluss von Pornografie auf Jugendliche, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1014128