Kann und sollte Musiktherapie eine zentrale Rolle in der Behandlung von Demenzerkrankten spielen? Im Zuge dieser Arbeit soll das Thema der Musiktherapie und ihr Einsatz beziehungsweise ihre Wirkung auf Patienten mit einer Demenzerkrankung untersucht werden.
Laut der Deutschen Alzheimer Gesellschaft e.V. lebten in Deutschland im Jahr 2016 ca. 1,6 Millionen Menschen mit einer Demenzerkrankung. Dieser Wert stellt ca. 1,3 % der deutschen Bevölkerung dar. Vor allem betroffen sind ältere Menschen. Vaskuläre Demenzen nach einem Schlaganfall oder anderen Durchblutungsstörungen im Gehirn, sekundäre Demenzen bedingt durch Vorerkrankungen oder die wohl bekannteste Form der Demenz, die Alzheimer-Demenz, stellen eine große Beeinträchtigung im Leben der Erkrankten dar und bedeuten für Betroffene und Angehörige meist einen großen Einschnitt im Leben.
Ihr gegenübergestellt werden soll in dieser Arbeit die Behandlung mit Musik in der sogenannten Musiktherapie. Aus vielen unterschiedlichen historischen Quellen in Form von schriftlichen Dokumenten, Malereien, Gesundheitsführern und Ähnlichem ist überliefert, dass Musik schon seit vielen Tausenden Jahren in allen Kulturen der Welt als Heilmittel verwendet wird.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Geschichtlicher Hintergrund
3 Musiktherapie in der Gegenwart
4 Musiktherapie in der Praxis
4.1. Arbeitsfelder der Musiktherapie
4.2. Aktive Musiktherapie
4.3. Rezeptive Musiktherapie
5 Zielsetzung in der musiktherapeutischen Behandlung
6 Demenz
6.1. Formen und Phasen der Demenz
6.2. Symptomatiken bei Demenzerkrankungen
6.3. Therapien bei Demenzerkrankungen
7 Musikalische Entwicklung und Sozialisation
7.1. Musikalische Entwicklung über das gesamte Leben
7.2. Stadien der musikalischen Sozialisation
7.3. Bedeutung der musikalischen Sozialisation für die Arbeit mit Demenzpatienten
8 Neuropsychologische Perspektive
8.1. Gedächtnis und Emotionen
8.2. Musikverarbeitung und Emotionen
9 Forschung und Therapie im Zusammenhang mit Demenz - Die Einflüsse von aktiver und rezeptiver Musiktherapie
10 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Potenzial der Musiktherapie als ergänzende Behandlungsmethode für Menschen mit Demenzerkrankungen. Dabei steht die zentrale Forschungsfrage im Mittelpunkt, ob und in welcher Weise Musiktherapie eine wesentliche Rolle in der Versorgung dieser Patienten einnehmen kann, um deren Lebensqualität durch die Aktivierung emotionaler Ressourcen zu verbessern.
- Historische Entwicklung und theoretische Grundlagen der Musiktherapie
- Krankheitsbild Demenz: Symptomatiken, Formen und konventionelle Therapieansätze
- Bedeutung der musikalischen Biografie und Sozialisation für die therapeutische Arbeit
- Neuropsychologische Zusammenhänge zwischen Musik, Emotion und Gedächtnis
- Empirische Einblicke in die Wirksamkeit aktiver und rezeptiver musiktherapeutischer Interventionen
Auszug aus dem Buch
6.2. Symptomatiken bei Demenzerkrankungen
Je nachdem wo in unserem Gehirn die Erkrankung auftritt zeigen wir unterschiedliche Symptome. So unterscheiden wir die diversen Formen der Demenz. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert ein demenzielles Syndrom durch kognitive Beeinträchtigungen zum Beispiel in den Bereichen Gedächtnis, Denken, Orientierung, Auffassung, Rechnen, Lernfähigkeit, Sprache und Urteilsvermögen.70 Für einzelne Formen der Demenz sind bestimmte symptomatische Verläufe charakteristisch. So zeichnet sich etwa die Alzheimer-Demenz durch Vergesslichkeit aus, die bereits im frühen Stadium eintritt. Hinzu kommen Wortfindungsstörungen und Probleme Sätze korrekt zu formulieren. Auch die räumliche Orientierung kann betroffen sein. All diese Symptome sind auf eine Degeneration des Hippocampus zurückzuführen. Diese Region des Gehirns ist für unser Erinnerungsvermögen und die Weiterleitung von Informationen verantwortlich. Im weiteren Verlauf der Erkrankung kommt es bei Patienten zu Bewegungsproblemen sowie zu Problemen des Schlaf-wach-Rhythmus, was Depressionen und Ängste verursachen kann.71
Der Autor Bill Bryson, der sich im Besonderen mit der Alzheimer-Demenz auseinandergesetzt hat, beschreibt die Krankheit mit den Worten: „Menschen mit Alzheimer, so könnte man sagen, sterben zweimal: zuerst im Geist, dann im Körper.“72 Auf ähnliche Symptome stößt man auch bei der Lewy-Körper-Demenz. Diese ist auch eine Form der degenerativen Demenzen. Im Unterschied zur Alzheimer-Demenz ist der Bewegungsapparat bei der Lewy-Körper-Demenz stärker betroffen, was sich durch unwillkürliches Zittern der Hände, Steifigkeit der Gelenke oder einen unsicheren Gang bemerkbar macht. Andere Formen von Demenz, wie etwa die frontotemporalen Demenzen gehen zudem mit starken sozialen und Verhaltensauffälligkeiten bereits in frühen Stadien einher. Hier tritt der Abbau der Nervenzellen im Bereich der Stirn und der Schläfe auf. Diese Bereiche sind die Kontrolle über die Gefühle sowie für das Sozialverhalten verantwortlich. Betroffene reagieren teils unberechenbar mit Aggressionen und enthemmtem Verhalten. Auch ein emotionsloses, apathisches und antriebsloses Verhalten, sowie frühe Störungen der Sprache ist charakteristisch für diese Form der Demenz. Die Beeinträchtigungen bei vaskulären Demenzen im Vergleich zu degenerativen Demenzen sind ähnlich und werden an dieser Stelle nicht erneut genannt.73
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Relevanz der Musiktherapie bei Demenzerkrankungen ein und formuliert die zentrale Forschungsfrage der Arbeit.
2 Geschichtlicher Hintergrund: Dieses Kapitel beleuchtet die historische Entwicklung der Musik als Heilmittel von der Antike bis zur frühen Neuzeit.
3 Musiktherapie in der Gegenwart: Hier wird der moderne Begriff der Musiktherapie definiert und als interdisziplinäre Wissenschaftsdisziplin eingeordnet.
4 Musiktherapie in der Praxis: Dieser Abschnitt beschreibt verschiedene klinische Arbeitsfelder und die spezifischen Ansätze der aktiven sowie rezeptiven Musiktherapie.
5 Zielsetzung in der musiktherapeutischen Behandlung: Das Kapitel erläutert, wie Musik als „Universalsprache“ genutzt wird, um psychologische und körperliche Ressourcen bei Patienten zu aktivieren.
6 Demenz: Diese Sektion bietet einen Überblick über das Krankheitsbild, seine verschiedenen Formen sowie die konventionellen medizinischen Therapiemöglichkeiten.
7 Musikalische Entwicklung und Sozialisation: Hier wird die Bedeutung der musikalischen Biografie über die gesamte Lebensspanne und deren Relevanz für die Therapie von Demenzpatienten analysiert.
8 Neuropsychologische Perspektive: Das Kapitel erklärt die neurobiologischen Zusammenhänge zwischen Musik, Emotion und Gedächtnis, die eine therapeutische Wirkung ermöglichen.
9 Forschung und Therapie im Zusammenhang mit Demenz - Die Einflüsse von aktiver und rezeptiver Musiktherapie: Hier wird anhand einer Pilotstudie die empirische Wirksamkeit musiktherapeutischer Interventionen auf Kognition und Verhalten dargelegt.
10 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bekräftigt die Forderung, Musiktherapie als zentralen Bestandteil der Behandlung von Demenzpatienten zu etablieren.
Schlüsselwörter
Musiktherapie, Demenz, Alzheimer, musikalische Sozialisation, Neuropsychologie, Gedächtnis, Emotionen, aktive Musiktherapie, rezeptive Musiktherapie, Lebensqualität, Ressourcenaktivierung, Gerontopsychiatrie, klinische Medizin, Biografiearbeit, Symptomlinderung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Wirkung und den Einsatz von Musiktherapie als unterstützende Behandlungsform für Menschen mit Demenzerkrankungen, um deren Lebensqualität zu fördern.
Welches sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind die historische und moderne Einordnung der Musiktherapie, die neurobiologischen Grundlagen des emotionalen Musikgedächtnisses sowie die praktische Anwendung bei verschiedenen Demenzformen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, zu beantworten, ob und inwiefern Musiktherapie eine zentrale Rolle in der Behandlung von demenziell erkrankten Menschen einnehmen sollte.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse bestehender musiktherapeutischer Konzepte und bezieht ergänzend Ergebnisse aus klinischen Pilotstudien zur Wirksamkeit musiktherapeutischer Interventionen ein.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil behandelt die theoretischen Grundlagen der musikalischen Sozialisation, neuropsychologische Erklärungsmodelle zur Musikverarbeitung im Gehirn sowie die praktische Umsetzung musiktherapeutischer Methoden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Musiktherapie, Demenz, musikalische Sozialisation, Neuropsychologie und Ressourcenaktivierung charakterisiert.
Warum bleibt der Zugang zu Musik bei Demenzpatienten oft so lange erhalten?
Die Arbeit zeigt, dass die Verarbeitung emotionaler Reize und akustischer Reize in tieferen Gehirnregionen wie dem limbischen System erfolgt, die bei vielen Demenzformen länger intakt bleiben als sprachliche oder deklarative Gedächtnisareale.
Wie unterscheidet sich die aktive von der rezeptiven Musiktherapie in der Anwendung?
Die aktive Musiktherapie beinhaltet das selbstständige Musizieren oder Improvisieren des Patienten, während die rezeptive Form auf das bewusste Hören und Erleben von Musik ausgerichtet ist.
- Quote paper
- Tobias Postel (Author), 2021, Musik und Gesundheit. Musiktherapie und ihr Einsatz bei Demenzerkrankungen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1014130