Atta Troll. Heines Werk zwischen Polit-Kritik und Romantik


Hausarbeit, 2021

17 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhalt

1. Vorwort

2. Der Polit-kritische Heinrich Heine
2.1 Politisches Deutschland und Entstehungsgeschichte Atta Trolls
2.2 Polit-kritische Anspielungen und Motive im Atta Troll

3. Der romantische Heinrich Heine
3.1 Die (Spät)romantik - allgemeine Definition
3.2 Romantische Motive im Atta Troll

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Vorwort

Als Harry Heine am 13. Dezember 1797 das Licht der Welt erblickte, war seinen Eltern Samson und Betty Heine wohl noch nicht klar, welch großer Poet in ihrem Sohn steckte (vgl. Kruse, 1991: 22). Denn zunächst sollte er 1816 in Frankfurt am Main eine Ausbildung zum Kaufmann machen, um so das Geschäft seines Vaters übernehmen zu können (vgl. Kruse, 1991: 27). Doch nicht nur sein Name1, sondern auch seine Profession sollte sich bald ändern. Mit seinem Studium, welches er 3 Jahre später begann (vgl. Kruse, 1991: 28), war auch der Anfangsstein seiner schriftstellerischen Karriere gelegt und Heinrich Heine konnte sich zu dem großartigen Schriftsteller, wie wir ihn heute kennen, entwickeln. Während meiner Recherchen zu dem Dichter wurde mir allerdings schnell bewusst, dass man ihn nicht so einfach nur in eine Schublade stecken kann. Da wäre zum einen der berühmte romantische Poet, welcher es mit seinem Buch der Lieder zu großer Bekanntheit schaffte. Er selbst ordnet sich am Ende seines Lebens in die Sparte der Romantik ein und behauptet er habe ´in der Geschichte der deutschen Romantik eine große Erwähnung gefunden` (Kerschbaumer, 2000: 9). Aber so einfach ist es nicht. Denn mit der romantischen Lyrik ist es noch lange nicht getan. Auch seine kritische Stimme erhob Heine sehr oft, wofür er im Gegenzug mit viel Gegenwind und einigen Problemen zu kämpfen hatte. Häufig wurde ihm die Rolle eines Außenseiters zugeschrieben, denn er eckte oft an. In dieser Arbeit möchte ich auf, meiner Meinung nach, eines seiner interessantesten Werke eingehen. Denn im Atta Troll verbindet er gekonnt seine beiden Spezialbereiche Romantik und kritische Lyrik. Wie genau er das anstellte und was dieses Werk so brisant machte, werde ich im Folgenden erörtern. Das Gesamtwerk lässt sich in zwei logistische Teile trennen. Im ersten Teil des Atta Troll kann man die polit-kritischen Absichten besonders gut herausdeuten, weshalb ich auch mit ihm beginnen werde. Ab Caput 11 beginnt schließlich die Bärenjagd mit Uraka und Laskaro – der Teil der Geschichte, an dem sich die romantischen Motive überschlagen und am besten erörtern lassen.

2. Der Polit-kritische Heinrich Heine

Der revolutionäre Geist, den Heine während seines Lebens entwickelt hatte, wurde ihm quasi in die Wiege gelegt. Seine Mutter Betty Heine war eine starke Frau, welche sich „gegen den Willen der jüdischen Gemeinde in Düsseldorf“ (Kruse, 1991: 22) durchgesetzt hatte, um ihren Gatten Samson zu ehelichen. Ihr Sohn führte diesen „Emanzipationsproze[ss] […] für viele Gebiete der damaligen Gesellschaft und mit Auswirkungen bis heute voran[]“ (Kruse, 1991: 22). Der richtige Startschuss für den politisch ambitionierten und kritisierenden Heine fiel allerdings mit dem Beginn seines Studiums. Die politische Lage Deutschlands machte es dem Studenten nicht leicht, sich unbeschwert dem unverhohlenen Intellekt der Wissenschaften zu widmen.2 Für den jungen Heine war dies natürlich Anlass genug, um sich gegen die Zustände zur Wehr zu setzten. Und so ist es kein Wunder, dass er bereits an seiner ersten Universität in Bonn als Mitglied der Burschenschaft Allgemeinheit an einem Fackelzug und geheimen Zusammenkünften teilnahm. Kurze Zeit später entfernte er sich allerdings von den damals konservativen Anhängern und schlug sich auf die Seite der Unterdrückten, Demokraten und auch Linken. Während seiner insgesamt sechsjährigen Studienlaufbahn lernte er verschiedenste Persönlichkeiten mit Rang und Namen unterschiedlicher Gruppierungen und Anschauungen kennen. Dazu zählten beispielsweise der liberale Hoffmann von Fallersleben, welcher im Vormärz eine wichtige Rolle einnahm oder auch der Kulturphilosoph August Wilhelm Schlegel, auf den ich aber später noch genauer zu sprechen kommen werde. Die meisten von ihnen fanden allerdings mit fortschreitender Zeit Erwähnung in Heines berühmt-berüchtigten Satiren und wurden von ihm polemisch angeprangert und zerrissen (vgl. Trilse-Finkelstein, 1997: 32ff). Heine hatte also schon lange vor der Entstehung seines Werkes Atta Troll den freiheitsliebenden Gedanken verinnerlicht, welcher ihn später zu dem Revoluzzer mit der unverkennbar scharfen Zunge werden ließ. Im Laufe seines dichterischen Daseins entwickelte er seinen politischen Charakter immer weiter. Ihn einer bestimmten Sparte oder Partei zuzuordnen ist somit schier unmöglich. Heym beschreibt ihn zur Entstehungszeit des Atta Troll als „soziale[n] Revolutionär“ (Heym, 1983: 69). Und Kerschbaumer schreibt zu seiner politischen Seite:

Festzustellen aber bleibt, da[ss] neben seiner anthropologischen Beschaffenheit die Freiheiten und Entwicklungsmöglichkeiten des Individuums für Heine Maßstab der Beurteilung historischer und zeitgenössischer Zustände sind. Dieser Maßstab führt Heine zu einigen Grundsätzen hinsichtlich der Beurteilung politischer Zustände und tiefer hinein in die politischen Tagesauseinandersetzungen, als er es […] für gut befindet.3

Heine selbst konzentrierte sich also präferiert auf ethische Glaubenssätze, wurde dadurch aber gleichzeitig auch in politische Gefilde gedrängt. Was natürlich nicht heißt, dass er keine politischen Interessen vertreten hätte. So leitete er seine Leitideen und Wertvorstellungen vor Allem von den Grundrechten des Menschen ab. Er setzte sich für die Einhaltung der Pressefreiheit und die bürgerliche Freiheit ein. Auch war ihm die Entwicklung des Individuums wichtig, ebenso wie die soziale und wirtschaftliche Gleichheit eines Jeden (vgl. Kerschbaumer, 2000: 112f). Gleichzeitig fürchtete er aber auch die „Egalisierung und Nivellierung menschlicher Fähigkeiten“ (Ebd., 2000: 114). Für den Künstler in ihm barg eine Gleichsetzung die Gefahr eines Verlusts der Individualität. Aber nicht nur diese ästhetischen Ängste plagten ihn, sondern auch der Republikanismus des Volkes besorgten ihn sehr. Noch mehr als das fürchtete er allerdings den im Volk aufkommenden Extremismus (vgl. Ebd. 2000: 114f). Er erkannte die Gefahren, die eine solche Einstellung mit sich brachte, schnell. Und so stand er vor dem Problem, die Gefahren der Gegenwart erkannt zu haben, aber keine Partei zu haben, um ihm bei seinem Kampf gegen diese Zustände den Rücken frei zu halten. Im Gegenteil - aufgrund seiner Einstellungen eckte er an, wo er nur konnte und erhielt Anfeindungen von allen Seiten. Als einzige Lösung blieb Heine das Schreiben eines Werkes, in dem er auf all die Konflikte und Uneinigkeiten reagieren konnte. Und so entstand Atta Troll (vgl. Heym, 1983: 70f).

2.1 Politisches Deutschland und Entstehungsgeschichte Atta Trolls

Wie im Vorkapitel bereits erklärt, entstand Atta Troll also unter Anderem als Reaktion auf all die Angriffe, die Heine von politischer Seite entgegenschwappten. Um zu verstehen, wie es so weit kommen konnte, ist es unabdingbar, sich ein Bild über die allgemein vorherrschende politische Situation in Deutschland zu machen.Wie im restlichen Europa auch, herrschte in Deutschland die Ordnung, die durch den Wiener Kongress festgelegt wurde (vgl. Tonelli, 1975: 94). Die heilige Allianz, die zwischen Preußen, Österreich und Russland geschlossen wurde (vgl. Tonelli, 1975: 94), diente Österreichs Staatskanzler Metternich vor allem zur Repression und Kontrolle des Volkes (vgl. Mettermann), welche er durch freiheitsraubende Maßnahmen durchsetzte. Heym erklärt die damals vorherrschende preußische Monarchie als „aristokratisch, großagrarisch, und in der Tendenz antiindustriell, antibourgeois“ (Heym, 1983: 66). Dass dies auf Dauer natürlich nicht gut gehen konnte und das Volk sich zur Wehr setzte, war vorhersehbar. Vor allem junge Studenten und revolutionär denkende Bürger aus der liberalen, idealistischen, linken und rechten Doktrin radikalisierten ihre Ansichten und wurden aufständisch. Zu ihnen mischten sich außerdem Sozialreformer, Kompromissler und andere frei denkende Köpfe (vgl. Ebd., 1983: 66). Im Gegenzug zu den stetig lauter werdenden Stimmen erließ Metternich immer mehr Gesetze zur Unterdrückung, die Zensuren und die Polizeigewalt wurden verschärft (vgl. Ebd., 1983: 67). Im Mai 1831 schließlich emigrierte Heine von Deutschland nach Paris, was nicht nur einen Umbruch für sein Leben, sondern auch für seine Werke bedeutete (vgl. Schneider, 1995: 74). Mit dem neu gewonnenen räumlichen Abstand war es dem Dichter nun möglich, sich voll und ganz auf das Schreiben zu konzentrieren. Hinzu kam die Reise ins Pyrenäenbad Cauterets, in dem er sich am 26.6.1841 niederließ. Die detaillierten Beschreibungen der Pyrenäen im Atta Troll lassen vermuten, dass er bereits während seines Urlaubs zu schreiben oder zumindest mit der Recherche für sein neuestes Gedicht begonnen hatte. Als Vorbild dürfte ihm wohl die Geschichte Scènes de la vie privée et publique des animaux von L. Baude gedient haben, welche im Juni 1841 erschienen war. Sie handelt von eben einem Bären, dessen Höhle sich in den Pyrenäen befindet, wo er verträumt über das Leben sinniert. Auch musste es Heine die allseits bekannte Tanzbärfabel wohl sehr angetan haben, denn bereits in seinen Reisebilder[n] hatte er besagtes Motiv geschickt integriert. Laut eigenen Aussagen wurde Atta Troll im Herbst 1841 angefertigt. Kritische Stimmen allerdings widerlegen Heines Behauptung, so dass sich 1842 als das Jahr der Fertigstellung vermuten lässt. Dafür spricht vor Allem, dass sich Heines gesundheitliches Wohlbefinden im Februar eben dieses Jahres deutlich verbessert hatte und er somit offensichtlich bessere Voraussetzungen zum Schreiben des Werkes gehabt haben musste (vgl. Woesler, 1978: 17). Wichtig ist außerdem zu erwähnen, dass das Werk in zwei verschiedenen Versionen gedruckt wurde. Zum einen wurde es 1843 in der Zeitung für die Elegante Welt in mehreren Ausgaben schrittweise veröffentlicht. Allerdings musste Heine sich an die „elegante“ Leserschaft anpassen, weshalb es einige Änderungen vorzunehmen galt, auf welche er in der Vorrede der später veröffentlichten Buchausgabe hinweist (vgl. Heym, 1983: 11). Zum anderen wurde das um einige Stellen erweiterte und überarbeitete Buch 1847 abgedruckt. Doch trotz der insgesamt vier Jahre, die zwischen den beiden Veröffentlichungen liegen, wurde sein Werk nie, wie von ihm ursprünglich geplant und angekündigt, mit 200 Strophen vollendet (vgl. Ebd., 1983: 15f.).

2.2 Polit-kritische Anspielungen und Motive im Atta Troll

Wie sich nun bereits vermuten lässt, ist Heines Interpretation dieser Tanzbärfabel alles andere als nur eine romantische Geschichte. Obwohl er selbst sein Werk zwar als „Darlegung der eigenen Kunstauffassung“ (Woesler, 1978: 357) beschreibt, findet man bei genauerer Betrachtung dennoch ein Epos vor, das nur so gespickt ist mit politischer Satire und ethischer Kritik. Wobei die Satire stets eine Milderung der Scharfzüngigkeit Heines bewirkt, die Atta Troll dadurch nicht so hart und stets amüsant zu lesen macht. Die wichtigsten dieser Kritiken sollen nun im Folgenden erörtert werden.

Berücksichtigt man die in den vorherigen Kapiteln beschriebene politische Einstellung Heines, ist es keine große Überraschung, dass er in seinem Werk vor Allem gegen die Extremisten Deutschlands eintritt. Atta Troll, der Tanzbär des gleichnamigen Werkes, und seine Frau Mumma befinden sich am Anfang in den Fängen des Bärenführers, für den sie auf dem Marktplatz tanzen müssen. Der Bärenführer hat die Gewalt über die beiden, so wie es auch Metternich über die deutschen Bürger hatte (vgl. Windfuhr, 1967: 225). Der Bär und seine Gemahlin zeigen somit die deutsche Bevölkerung auf. Wobei nochmals zwischen Mumma und Atta zu unterscheiden ist. Die Gefährtin der Hauptfigur lässt all das Leid über sich ergehen und tanzt im täglichen Trott vor dem Publikum des Marktplatzes. Der aufständische Atta dagegen reißt sich eines Tages los und kann fliehen. Er macht also nicht nur, wie seine Frau, die allgemeine Bevölkerung Deutschlands anschaulich, welche täglich unter Metternichs Herrschaft leidet. Hier hebt er sich klar von ihnen ab und spiegelt somit die vorher erwähnten aufständischen Radikalen des Landes wider. Auch Tonelli beschreibt Atta in seiner Arbeit als den „Prototyp[en] des republikanisch und nationalistisch gesinnten deutschen Radikalen […]“ (Tonelli, 1975: 133). Wichtig ist, dass Atta nicht nur als eine Figur gesehen werden kann. Er diente Heine sowohl als „Sprachrohr für sich selbst und als Sprachrohr für seine Tendenz-Gegner, und auch als Objekt seines Spottes“ (Heym, 1983: 43). Um ihn zum Leben zu erwecken, ließ er verschiedene Persönlichkeiten und Anschauungen gleichzeitig in den Bären einfließen, was es oft nicht leicht macht, das Gedicht zu verstehen. Deshalb werde ich zunächst noch auf die wichtigsten Ideale und Charakterzüge des Bären eingehen, bevor ich mich den weiteren Hauptthemen des Gedichts widme. Betrachten wir zunächst einmal das Motiv des Bären: Wie Woesler es so schön beschreibt „verkörpert der Bär […] besonders den Typ[us] des Starken, Plumpen, Unkultivierten und Dummen“ (Woesler, 1978: 228). Vor Allem östlich lebende Menschen wie Deutsche, Polen oder Russen wurden früher als Bären bezeichnet (vgl. Ebd. 1978: 228). Deshalb überrascht es nicht, dass auch der in Paris lebende Heine häufig vom Bärendeutschen spricht. Er hat seiner Hauptfigur ganz bewusst das Motiv des Bären zugeschrieben, um eben die genannten Charaktereigenschaften der Liberalisten seines Herkunftslandes zu unterstreichen. Nachdem Atta die Flucht gelingt, flieht er zurück zu seiner Höhle in den Pyrenäen, wo er auf seine Kinder trifft. In Caput 5 beginnt er, den Bärenjungen von seinen revolutionären Gedanken zu predigen. Er schimpft über die privilegierte Menschheit, die „sich Herrn der Schöpfung dünkelt“ (Briegleb, 1971: 506) und sich durch ihre Menschenrechte über alle anderen stelle (vgl. Ebd., 1971: 507). Die Empörung Attas erinnert ganz stark an die Beschwerden der Republikaner über die Ungleichheit der Menschen (vgl. Höhn, 2004: 86). Im darauffolgenden Caput 6 ruft Atta seine Kinder auf, ihm zu folgen und gemeinsam in den Kampf gegen die Ungerechtigkeit zu ziehen:

„Kinder“ grommelt Atta Troll,
Und er wälzt sich hin und her
Auf dem teppichlosen Lager -
„Kinder“, uns gehört die Zukunft!
Dächte jeder Bär, und dächten
Alle Tiere so wie ich,
Mit vereinten Kräften würden
Wir bekämpfen die Tyrannen.4

Er plädiert für einen „Kampf für Freiheit, Brüderlichkeit und nationale Einheit“ (Ebd., 2004: 86), so wie es auch die liberalistischen Bewegungen in Deutschland taten. Ebenso übt Heine auf die religiösen Ansichten der Radikalen satirisch Kritik aus. In Caput 8 warnt der Bärenvater seine Kinder davor, „nur kein Atheist [zu werden]“5 und erzählt ihnen vom „kolossale[n] Eisbär[en]“6, welcher „auf dem goldenen Herrscherstuhle […] sitzt“7. Der Dichter lässt seine Hauptfigur die Ansichten des Deismus vertreten. Er ist der festen Überzeugung, ein (Bären)Gott habe die Welt erschaffen. In Caput 10 dagegen macht Heine auf „sozialrevolutionäre[] Sichten“ (Höhn, 2004: 86) aufmerksam. Atta Troll beschwert sich in seiner hetzerischen Rede darüber, dass die Menschen sich über den Grundsatz der Natur hinweggesetzt hätten, indem sie den allgemeingültigen Besitz für sich selbst beansprucht und ihn zu Privateigentum gemacht hätten (vgl. Briegleb, 1971: 518f). All diese Fakten, über die sich der Bär so ausführlich über mehrere Capita hinweg auslässt, zeigen in satirischer Weise die „heterogenen, weil liberalen, christlichen und frühsozialistischen Ideen“ (Höhn, 2004: 86) der radikalen Bürgerschaft. Und so ist es kein Wunder, dass Heine seine Hauptfigur schlussendlich sterben lässt. Er will all den Extremisten und Radikalen des Landes zeigen, wohin deren Wahnsinn am Ende führen wird: zum Tod. Doch betrachtet man den Bären genauer, so kann man nicht nur versteckte Kritiken gegen politische Strömungen finden, sondern auch einige zeitliterarisch relevante Charaktere. Heine hatte sich im Laufe seines Lebens kontinuierlich einen Feindeskreis aufgebaut, gegen den er regelmäßig und mit Freude verbal austeilte. Und auch diesmal ging er nicht zimperlich mit seinen Kontrahenten um. Dabei agierte er geschickt, indem er den Figuren seines Epos durch einzelne wahrhaftige Charaktere Leben einhauchte. Der wohl offensichtlichste Seitenhieb richtete sich gegen Freiligrath8. Ihn ließ Heine als einen Teil des Atta tanzen. Darauf deutet bereits das Vorwort hin, in dem der Dichter den Bären mit Freiligraths Mohrenfürsten gleichstellt (vgl. Tonelli, 1975: 133). Zusätzlich widmete er ihm ein ganzes Caput. Im letzten Teil seines Gedichtes lässt er den Mohrenfürsten sogar persönlich auftreten, indem der Sprecher des Gedichts mit ihm in ein Gespräch verwickelt wird. Benannter Mohrenfürst erzählt ihm, dass er sich nun ebenfalls in Frankreich „mit einer blonden Köchin aus dem Elsaß“ (Briegleb, 1971: 568) niedergelassen hätte. Durch die Erwähnungen des Mohrenfürsten sowohl im Vorwort als auch am Ende, schließt sich das Gedicht Heines in sich und wirkt perfekt abgerundet. Außerdem macht sich Heine nochmals über Freiligraths Motiv des schwarzen Fürsten lustig. Während seines Gesprächs mit dem Dichter im Werk erwähnt er, dass seine Frau ihn mit bestem Essen versorgt:

[...]


1 Harry Heine ließ sich am 28.06.1825 zu Heinrich taufen und trat dem protestantisch-evangelischen Christentum bei (Trilse-Finkelstein, 1997: 51f.).

2 Sein Beginn der Studienzeit 1819 fiel genau in die Restaurationszeit, sowie die Umsetzung der Karlsbader Beschlüsse durch Österreichs Staatskanzler Fürst von Metternich . Diese bekräftigten die Behinderung freier Meinungsäußerung durch die sogenannte Demagogenverfolgungen, welche sowohl Liberale, Nationalliberale, Demokraten, als auch Monarchiegegner an sich implizierte (vgl. Trilse-Finkelstein, 1997: 32).

3 Kerschbaumer Sandra, Heines moderne Romantik, Schönigh, S.112

4 Briegleb, 1971: 510

5 Ebd., 1971: 514

6 Ebd., 1971: 515

7 Ebd., 1971: 515

8 Ferdinand Freiligrath hatte sich in Heines Augen lächerlich gemacht, weil er sich wie ein Fähnchen im Wind verhielt. Für eine vom Staat gesponsorte Pension vergaß er seine anfangs so revolutionären Gedanken und Taten. Nachdem er allerdings eben dafür starke Kritik einstecken musste, kündigte er wiederum der preußischen Regierung die Treue und trug mit seinem Gedicht Aus Spanien, das 1841 erschien, seinen radikalen Glaubenssatz erneut in die Welt (vgl. Tonelli, 1975: 132).

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Atta Troll. Heines Werk zwischen Polit-Kritik und Romantik
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Note
1,3
Autor
Jahr
2021
Seiten
17
Katalognummer
V1014208
ISBN (eBook)
9783346409768
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Heinrich Heine, Atta Troll, Polit-Kritik, Romantik, Politik, 18.Jahrhundert, 19.Jahrhundert
Arbeit zitieren
Melinda Neumaier (Autor), 2021, Atta Troll. Heines Werk zwischen Polit-Kritik und Romantik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1014208

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