Die Schweigespirale


Seminararbeit, 2000

14 Seiten


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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Hypothese der Schweigespirale
2.1 Begriffsbestimmung „Meinung“
2.2 Ursprung der Schweige-Hypothese
2.3 Die Bundestagswahl von 1965
2.4 Erklärung

3. Möglichkeiten, die Hypothese der Schweigespirale zu überprüfen

4. Prüfung mit demoskopischen Instrumenten

5. Der Eisenbahntest
5.1 Ziel
5.2 Problem und Technik

6. Laborexperiment von Salmon Asch
6.1 Versuchsaufbau
6.2 Ergebnis

7. Bedingungen für die Schweigespirale

8. Kritik an der Schweigespirale von Noelle-Neumann

9. Die Schweigespirale an aktuellen Beispielen

10. Schlußwort

11. Bibliografie

12.Anhang

1. Einleitung

Elisabeth Noelle-Neumann wurde 1916 in Berlin geboren, studierte Philosophie, Geschichte, Zeitungswissenschaften und Amerikanistik in Berlin, Königsberg und München. 1940 promovierte sie über amerikanische Meinungsforschung. Sie arbeitete zwei Jahre bei der Wochenzeitung „Das Reich“, wo sie nach Weisung von Goebbel fristlos gekündigt wurde.

Nach dem Krieg heiratete sie ihren Kollegen Erich Peter Neumann. Am 8. Mai gründeten sie zusammen das erste deutsche Meinungsforschungsinstitut, das „Institut für Demoskopie“ in Allensbach.12

Ihr Buch „Die Schweigespirale. Öffentliche Meinung - unsere soziale Haut“ erschien erstmals 1980, erreichte inzwischen mehrere aktualisierte Auflagen und wurde in neun Sprachen übersetzt, darunter unter anderem in englisch, spanisch, chinesisch, japanisch, koreanisch und russisch. Die Schweigespirale ist mit Sicherheit die bedeutendste Entdeckung von Elisabeth Noelle-Neumann und ist in der internationalen Kommunikationsforschung nicht mehr wegzudenken.

Interessant dabei ist, dass sich die Hypothese der Schweigespirale durch sämtliche Themenbereiche - von Wahlen über Abtreibung bis hin zu Erziehungsfragen - zieht und sich jeden Tag aufs Neue Beispiele dafür finden lassen.

Als schwierig erwies es sich jedoch, den Wirklichkeitsgehalt dieser Hypothese empirisch zu untersuchen. Im folgenden Text wird die Hypothese der Schweigespirale sowie der Beweis ihrer Existenz mit Hilfe von demoskopischen Instrumenten näher erläutert und auf Beispiele in der aktuellen Berichterstattung eingegangen.

2. Die Hypothese der Schweigespirale

„Schweigespirale heißt: Menschen wollen sich nicht isolieren, beobachten pausenlos ihre Umwelt, können aufs feinste registrieren, was zu-, was abnimmt.“3 „Diese Fähigkeit beschränkt sich nicht auf die Wahrnehmung von Meinungen in der Bezugsgruppe der Individuen, sondern schließt auch die anonyme Öffentlichkeit ein. NOELLE-NEUMANN nennt diese Fähigkeit das „quasi-statistische Wahrnehmungsorgan“ der Menschen.“4

„Wer feststellt, daß sich seine Meinung ausbreitet, fühlt sich dadurch gestärkt und äußert seine Meinung sorglos, redet, ohne Isolation zu fürchten. Wer feststellt, daß seine Meinung Boden verliert, wird verunsichert und verfällt in Schweigen. Durch diese Reaktionsweisen wirken die Meinungen der ersteren, da sie laut und selbstbewußt in der Öffentlichkeit geäußert werden, stärker, als sie wirklich sind, und ziehen weitere Befürworter an; die Meinungen des anderen Lagers wirken durch das Schweigen ihrer Anhänger noch schwächer, als sie tatsächlich sind. Dadurch werden andere wiederum zum Schweigen oder Meinungswechsel bewogen, bis in einem Prozeß der „Schweigespirale“ die eine Meinung die ganze Öffentlichkeit beherrscht und die Gegenmeinung so gut wie verschwunden ist.“5

2.1 Begriffsbestimmung „Meinung“

Im Zusammenhang mit der Schweigespirale, ist es wichtig zu erklären, was Elisabeth Noelle- Neumann unter "Meinung" versteht. Für sie ist Meinung alles, was man in der Öffentlichkeit äußern und zeigen kann, ohne sich zu isolieren. So zeigt man seine Meinung beispielsweise auch durch einen Aufkleber auf dem Auto, einen Aufdruck auf dem T-Shirt oder ein Abzeichen am Jackenaufschlag. „Der Begriffsbestandteil „Meinung“ bezieht sich nicht nur auf „Meinungen“ im engeren Sinn, sondern auch auf den öffentlich sichtbaren Ausdruck von Meinungen im Handeln wie in Symbolen (Abzeichen, Kleidung, Haartracht).“6

2.2 Ursprung der Schweige-Hypothese

Noelle-Neumann sagt, dass sie die Hypothese in erster Linie den Studentenunruhen Ende der 60er Jahre verdankt. Sie traf eines Tages in dem Vorraum eines Hörsaals eine Studentin, die an ihrem Jackenaufschlag ein CDU-Abzeichen trug und sagte zu ihr, dass sie gar nicht gewusst habe, dass die Studentin CDU-Anhänger sei, worauf diese erklärte, dass sie das auch nicht wäre, sondern nur einmal sehen wolle, wie das so sei. Als Noelle-Neumann die Studentin am Nachmittag wieder traf, trug diese das Abzeichen nicht mehr. Als sich die Demoskopin nach der Ursache dafür erkundigte, bekam sie zur Antwort: „ich habe es abgemacht, es war zu furchtbar.“78 Hintergrund dieser Aussage ist, dass die Anhänger von SPD und CDU der Anzahl nach zwar gleich sein können, sie ihre Überzeugung aber unterschiedlich zeigten. Öffentlich sah man damals nur SPD-Abzeichen und so gut wie keine CDU-Abzeichen. Das führte dazu, „daß das Kräfteverhältnis von der Bevölkerung falsch eingeschätzt wurde“.9

Wer von der SPD überzeugt war, spürte, wie das, was er dachte von allen gebilligt wurde und war dadurch bereit, seine Meinung öffentlich zu zeigen. Diejenigen, die ihre SPD-Zugehörigkeit nicht bekundeten, fühlten sich allein gelassen, zogen sich zurück und verfielen in schweigen.

Dieser Prozess verstärkt sich selbst, weshalb hierfür auch der Begriff der Schweigespirale10 gewählt wurde.

2.3 Die Bundestagswahl von 1965

Die Bundestagswahlen von 1965 stellten die Demoskopen vor ein Rätsel. Die beiden großen Parteien CDU/CSU und SPD lagen von Dezember 1964 an bis fast zum Wahltag am 19.

September 1965 in ihren Anhängerzahlen Kopf an Kopf. Eine andere Zahlenreihe bewegte sich dagegen völlig anders. Leute wurden gefragt: „Wissen kann das natürlich niemand, aber was glauben sie, wer die Wahl gewinnt?“ Im Dezember 1964 waren es ungefähr gleich viele, die einen Sieg von CDU/CSU oder einen Sieg der SPD erwarteten, die SPD hatte einen leichten Vorsprung“.11 Dann stieg die Siegeserwartung für die CDU/CSU und fiel für die SPD, bis die CDU/CSU im August 1965 einen Vorsprung von fast 50 Prozent hatte. Das Wahlergebnis lautete dann 49,5% für die CDU/CSU und 38,5% für die SPD.

Elisabeth Noelle-Neumann schreibt darüber in ihrem Buch: „Es war, als ob die beiden Messungen, die Messung der Wahlabsicht und die Messung der Siegeserwartung, auf verschiedenen Planeten vorgenommen worden seien. Und dann ganz am Ende erst kam der Mitläufereffekt. Wie von einer Strömung wurden drei bis vier Prozent der Wähler in der Richtung der allgemeinen Siegeserwartungen getragen“.12

2.4 Erklärung

Paul F. Lazarsfeld hatte diesen Effekt schon bei seiner „The Peoples Choice“-Studie bei der amerikanischen Präsidentschaftswahl 1940 festgestellt und „bandwaggon effect“ genannt. Bandwaggon effect deshalb, weil es daran erinnern soll, dass bei einem Umzug die Leute dem Wagen mit der Kapelle an der Spitze des Zuges nachlaufen. Seine Begründung war, dass jeder auf der Siegerseite sein will.13

[...]


1 Nach URL: http://www.welt.de/daten/1996/12/18/1218s3109/99.htx

2 Nach URL: http://www.medienrezeption.de/forum97/referenten/noelle-neumann.html

3 Noelle-Neumann, Elisabeth (1982): Die Schweigespirale. Öffentliche Meinung - unsrer soziale Haut, 1. Auflage, S. 13

4 Schenk, Michael (1987): Medienwirkungsforschung, 1. Auflage, S. 325

5 Neidhardt, Friedhelm / Lepsius, Rainer M. / Esser, Hartmut: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie. In: Massenkommunikation - Theorien, Methoden, Befunde, 30, Jg. 1989, S. 419f.

6 Neidhardt, Friedhelm / Lepsius, Rainer M. / Esser, Hartmut: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie. In: Massenkommunikation - Theorien, Methoden, Befunde, 30, Jg. 1989, S. 419

7 nach Noelle-Neumann, Elisabeth (1991): Die Schweigespirale. Öffentliche Meinung - unsrer soziale Haut, 3. Auflage, S. 17

8 Noelle-Neumann, Elisabeth (1991): Die Schweigespirale. Öffentliche Meinung - unsrer soziale Haut, 3. Auflage, S. 17

9 Noelle-Neumann, Elisabeth (1991): Die Schweigespirale. Öffentliche Meinung - unsrer soziale Haut, 3. Auflage, S. 18

10 wird auch Spiralmodell, Spiralprozeß oder Schweigehypothese genannt

11 Noelle-Neumann, Elisabeth (1991): Die Schweigespirale. Öffentliche Meinung - unsrer soziale Haut, 3. Auflage, S. 15

12 Noelle-Neumann, Elisabeth (1991): Die Schweigespirale. Öffentliche Meinung - unsrer soziale Haut, 3. Auflage, S. 16

13 nach Noelle-Neumann, Elisabeth (1991): Die Schweigespirale. Öffentliche Meinung - unsrer soziale Haut, 3. Auflage, S. 19

14 von 14 Seiten

Details

Titel
Die Schweigespirale
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Autor
Jahr
2000
Seiten
14
Katalognummer
V101425
Dateigröße
364 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Schweigespirale
Arbeit zitieren
Ina Alabowitz (Autor), 2000, Die Schweigespirale, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/101425

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