Edvard Munch und seine Bedeutung als Grafiker


Referat / Aufsatz (Schule), 2001

4 Seiten, Note: 1


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Das Leben Edvard Munchs

„ Edvard Munch ist es, der als erster unternommen hat, die feinsten und subtilsten Seelenvorgänge darzustellen “

STANISLAW PRZYBYSZEW SKI

Edvard Munch wird am 12. Dezember 1863 in L?ten, Norwegen, als zweites von 5 Kindern geboren. Sein Vater Christian Munch ist Militärarzt. Er ist sehr schwermütig, was den kleinen Edvard stark beeinflusst. Seine Mutter Laura Catherine stirbt bereits 1868 an Tuberkulose. Ihren Tod überwindet Munch nie ganz. Schon 1877 trifft ihn der nächste schwere Schicksals- schlag: seine 15-jährige Schwester Sophie stirbt, wie die Mutter, an Tuberkulose. Über seine Kindheit sagt Munch später:

„ Krankheit, Wahnsinn und Tod hielten wie schwarze Engel Wacht an meiner Wiege. Sie haben mich durch mein ganzes Leben begleitet. “

Munch beschließt auf Drängen seines Vaters Architekt zu werden. 1879 beginnt er ein Studi- um an der Technischen Hochschule in Christiania, dem heutigen Oslo. Doch schon 1880 ver- lässt er die Schule wieder um Maler zu werden.1881 wird er Schüler des spätklassizistischen Bildhauers Julius Middelthun an der Zeichenschule Christiania. Schon bald entsteht das erste seiner unzähligen Selbstbildnisse, die er nutzt um Personen genau zu studieren. Anregungen erhält er in dieser Zeit von dem norwegischen Naturalisten Christian Krogh. Durch ihn kommt Munch auch bald mit den radikalen Naturalisten der Künstlergruppe „Christiania- Boheme in Kontakt. Durch sie wird er zu einigen Bildern in ihrem Stil inspiriert. 1885 hält er sich erstmals kurzzeitig in Paris auf und gerät so für kurze Zeit unter impressionistischen Ein- fluss.1885/86 zeigt sich zum ersten Mal Munchs eigene künstlerischen Form. Er beginnt mit den Entwürfen zu „Das kranke Kind“, dessen letzte Veränderungen er 1927 vornimmt. Oft arbeitet er jahrelang an einem Bild, nie ist es beendet. Munch verarbeitet in dem kranken Mädchen, wie sooft später noch, den frühen Tod seiner Schwester. Als das Bild zum ersten Mal der Öffentlichkeit gezeigt wird, wird es mit negativen Kritiken überschüttet. Die bedrü- ckende Stimmung, die das Bild vermittelt, empört die Menschen. In dieser Zeit distanziert sich Munch von seinen Künstlerfreunden der „Christiania-Boheme“, die ihm zu radikal wer- den und seinen Weg nicht akzeptieren wollen. Gleichzeitig nimmt er Abschied vom Natura- lismus. Etwa zu dieser Zeit prägt Munch einen Ausspruch, der für alle seine nächsten Werke zutrifft:

„ Man sollte keine Interieurs mehr malen, keine Leute, die lesen, keine Frauen, die stricken. Es sollten lebendige Menschen sein, die atmen und fühlen, leiden und lieben. Ich fühle, dass ich das machen würde. “

1889 wird ein bedeutendes Jahr in Munchs Leben: In diesem Jahr hat er die Idee zum „Fries des Lebens“. Bei der 22-teiligen Bilderserie, über die er sagt:

„ Er ist als Reihe zusammengehörender Bilder gedacht, die gesamthaft ein Bild des Lebens geben sollen... das vielfältige Leben mit seinen Sorgen und Freuden. “, verarbeitet er Themen wie Angst, Melancholie und Eifersucht. Bekannte Bilder sind zum Bei- spiel: „Der Schrei“, „Der Kuss“, „Die Madonna“ und „Der Tanz des Lebens“. Außerdem hat er seine erste Einzelausstellung in einem norwegischen Studentenverein, bei der 110 seiner Bilder gezeigt werden. Daraufhin bekommt er ein Stipendium, wodurch er wieder nach Paris kommt. Er besucht einen Aktzeichenkurs bei Leon Bonnat und beschäftigt sich intensiv mit dem Impressionismus und den Alten Meistern. In der Folgezeit malt er Bilder in impressionis- tischer, fast pointilistischer Manier. Die kühne Perspektive und die heitere strahlende Farbig- keit beeindrucken ihn. So entsteht 1891 „Frühlingstag auf der Karl-Johan-Straße“. Er malt die Boulevardstraße Oslos wie die französischen Impressionisten die Prachtstraßen von Paris. Wenig später wendet er sich wieder vom Impressionismus ab und kehrt zu seinen Wurzeln zurück.1890 zeigt sich die Tiefgründigkeit seiner späteren Bilder: so malt er: „Die Nacht in St-Cloud“. Mit diesem Bild lässt er auch die letzten Verbindungen zum Naturalismus hinter sich, weil die Darstellung von emotionalen, seelischen Vorgängen damit nicht möglich ist. Er verarbeit in dem Gemälde den Tod seines Vaters, der ihn schwer erschüttert hat. 1892 lädt ihn der „Verein der Berliner Künstler“ ein, um seine Bilder in Berlin auszustellen. Die Ausstel- lung wird am 05. November eröffnet. Schon kurz nach der Vernissage bricht ein Sturm der Entrüstung los. Der Maler Anton von Werner sieht die Ausstellung als Hohn für die Kunst, als Schweinerei und Gemeinheit. Er fordert die Schließung. Es kommt zu einem Krawall, der in einer Schlägerei gipfelt. Eine Woche später werden Munchs Bilder abgehängt. Jahre später führt der Eklat zur Gründung der „Berliner Sezession“. Für Munch wird der Skandal dennoch zum Erfolg: er wird berühmt, man spricht über ihn und seine Kunst. Außerdem findet er Freunde, die ihn verstehen und die auch ihn verstehen. Mit Walter Leislikow, der über ihn sagt:

„ das ist gesehen, das ist empfunden. Wer solches sprechen kann, oder malen, oder singen, wie soll ich ’ s sagen in dem lebt eines Dichters Gemüt, mit des Dichters Augen schaut er in die Welt, die er liebt “, verbindet ihn bald eine gute Freundschaft. In der Weinstube „Zum schwarzen Ferkel“ findet er u.a. Kontakt zu August Strindberg und Stanislaw Przybyszewski, mit denen ihn bald eine tiefe Freundschaft verbindet. Es folgen viele verschiedene Ausstellungen in den verschiedens- ten Städten. Anfang des 20. Jahrhunderts wird er zum gefragten Portraitmaler. Er malt Freun- de, wie zum Beispiel Strindberg und Przybyszewski, befreundete Familien, aber auch politi- sche Personen, wie Rathenau. 1906/07 beschäftigt er sich mit dem sogenannten „Reinhardt- Fries“, der Theaterdekoration zu verschiedenen Dramen von Ibsen. 1908 erleidet Munch ei- nen lebensbedrohenden psychischen Zusammenbruch. Er selbst sieht eine Situation, die sechs Jahre zurückliegt als Auslöser. Damals eskalierte ein Streit mit seiner damaligen Freundin Tulla Larsen, wobei sich ein Schuss löst. Munch verlor ein Fingerglied an der linken Hand. Vielleicht war diese Situation wirklich ein Grund für die spätere Krise, doch sein schnelllebi- ges Leben und der übermäßige Alkoholgenuss hatten sicherlich mehr Einfluss. Er verbringt einige Zeit in einer Nervenklinik und kehrt anschließend nach Norwegen zurück. Als Zeichen internationaler Anerkennung erhält er 1912 als einziger lebender Künstler neben Picasso ei- nen Ehrensaal in der Sonderbund-Ausstellung in Köln. 1914 wird er beauftragt, die Osloer Universitäts-Aula auszugestalten. In drei Hauptbildern stellt er die drei ewigen Kräfte - „Die Sonne“, „Die Forscher“ und „Die Geschichte“ - dar. Diese Arbeit dauert bis 1916. Anschlie- ßend zieht er sich auf seinen Alterssitz Hof Ekely zurück. Dort überarbeitet er sein Frühwerk und studiert sich intensiv in Selbstbildnissen. Da er großes Interesse an der Ausgestaltung ganzer Säle hat, gestaltet er 1922 den Speisesaal einer Schokoladenfabrik aus. 1930 erkrankt er an einer Augenkrankheit, die ihn teilweise erblinden lässt.1937 beschlagnahmen die Nationalsozialisten mehrere seiner Werke als entartete Kunst.

Als Edvard Munch am 23. Januar 1944 in Ekely stirbt, vermacht er 1008 Gemälde, 15391 Drucke und 4443 Grafiken der Stadt Oslo Der Nachwelt bleibt er als bedeutender Jugendstilmaler, tiefgründiger Symbolist und einer der ersten Expressionisten in Erinnerung.

Munchs Malerei und seine Zeit

Die Zeit, in der Edvard Munch lebte, war von entscheidenden Neuerungen geprägt: die indus- trielle Revolution breitet sich aus, Einstein entwickelt die Relativitätstheorie, Menschen ler- nen fliegen, die telegrafische Nachrichtenübertragung wird entwickelt. Während man die neu- en Errungenschaften erst noch begrüßte, erkannte man bald die Kehrseiten: es kommt zu einer immer stärkeren Individualisierung und Vereinsamung der Menschen.

Munchs frühe Kindheitserlebnisse, besonders der Tod seiner Schwester, haben einen großen Einfluss auf seine spätern Werke. Neben der Verarbeitung dieser Erfahrungen, sind Melan- cholie, unerfüllbare Liebe, der Geschlechterkampf, de Lebensangst und die Einsamkeit weite- re Themen seiner Werke. In seinen frühen Bildern neigt er zu einer stark pessimistischen Grundhaltung.

Das ändert sich schlagartig, nachdem er 1908 in einer Kopenhagener Klinik von seinen pani- schen Ängsten befreit wurde. Malte er vorher fast ausschließlich kranke Kinder, Sterbende oder Tote, so dominieren von nun an die einfachen Menschen, Fischer, Bauern, Arbeiter, die er nun schätzt und deren aufkommende Macht er ahnt. Die Szenen geschehen von nun an in einer friedlichen Landschaft. Das hintergründig-symbolische tritt in den Hintergrund, ver- schwindet aber nie völlig.

Munch lässt sich in seinem Leben von den verschiedensten Stilrichtungen beeinflussen. Ist es zuerst der Naturalismus, wird ihm der bald zu ausdruckslos. Da er die nächste Zeit in Paris verbringt, beeindruckt ihn dort der Impressionismus. Doch auch hier wendet er sich bald wie- der ab. Von nun an laufen Symbolismus, Expressionismus und auch der Jugendstil nebenein- ander ab. Mit dem Jugendstil verbinden ihn die Wellenlinien, die man besonders gut im „Schrei“ sehen kann. Weitere Gemeinsamkeiten sind der Hang zur Symbolik und die Faszina- tion durch sexuelle Angelegenheiten, was man an seiner „Madonna“ sieht. Verbindungen zu Symbolismus findet man in all den Bildern, an denen die dargestellten Sze- nen am Strand stattfinden. Dort stellt er den Menschen als Vergängliches dem Meer als ewig Bleibendes gegenüber. Besonders gut sieht man den Symbolismus in seinem Bild „Die Drei- gestalt der Frau“.

Mit dem Expressionismus - als dessen Vorläufer Munch gilt - ist er schon sehr früh, noch vor der Jahrhundertwende verbunden. In seinem „Der Kuss am Strand“ verzichtet er völlig auf Details: die Landschaft, Hände, Köpfe, ist nur schemenhaft zu erkennen. Oft stellt Munch die Beziehung zwischen Mann und Frau dar, wobei er persönlich die Liebe als Kampf und tödliches Verhängnis sieht. Die Frau, die er - wahrscheinlich seit Tulla Larsen - hasst, zeigt er als blutsaugender Vampir.

Munchs Bedeutung als Grafiker

Erst 1894 wendet sich Munch der Grafik zu. Er beginnt mit Radierungen. Mit der neuen Technik geht er sehr unverkrampft um. Sein Freund Gustav Schiefer sagt über Munchs Technik, dass der

„ ...oftmals eine Platte in der Tasche hat und kratzt, wie es ihm in den Sinn kommt, eine Landschaft, die Kellnerin in einer Weinkneipe, ein paar Männer beim Kartenspiel oder ein ernstes Männerportrait aus Kupfer. „

So zum Beispiel die Radierung „Tete-a-tete (Plauderstunde)„ aus dem Jahr 1895.

Noch Ende 1894 beginnt Munch sich mit einer zweiten Technik - der Lithografie - zu be- schäftigen. Seine erste Lithografie ist an sein Gemälde „Pubertät„ angelehnt. Es hat denselben Titel und dasselbe Thema, ist aber in einigen Details abgewandelt. Auf diese Weise bearbeitet er viele seiner Werke in Malerei und Grafik. Schon 1895 gibt er eine Mappe mit 8 Lithogra- fien heraus.

Munch ist auf dem Gebiet der Grafik Autodidakt. Unsicherheiten kann man in seinen Werken aber nicht erkennen. Er lehnt sich auch nicht an bestimmte andere Künstler oder alte Traditionen, sondern geht seinen eigenen Weg.

1896 entstehen erste Farblithografien und Holzschnitte. Im Holzschnitt begründet er einen neuen Weg. Munch lässt die Spuren des Hohleisens sichtbar und bezieht die Holzmaserung mit in die Wirkung mit ein. Der spätere expressive Holzschnittstil der „Brücke-Maler wird bei ihm bereits sichtbar. Ab 1897 wendet er sich dem Farbholzschnitt zu.

In dieser Zeit kombiniert er Lithografie und Holzschnitt miteinander. Er bleibt aber nicht lan- ge dabei und greift diese Technik auch später nie wieder auf. Er plant eine Mappe als grafi- schen Fries, realisiert dieses Projekt aber nie. In der Folgezeit entstehen nur wenige Lithogra- fien, da Norwegen keine geeigneten Druckereien hat. Danach beschäftigt sich Munch immer mehr mit dem Holzschnitt. Die Anzahl seiner grafischen Arbeiten geht auf zirka 20 im Jahr zurück, steigt aber, nachdem er nach Berlin zieht, wieder sprunghaft auf 59 im Jahr 1902 an.

Nach seiner Nervenkrise entstehen wieder vermehrt Grafiken. U.a. entsteht jetzt die Lithogra- fienserie „Alpha und Omega„. In dieser Zeit wird der Holzschnitt zum ausdrucksstärksten Medium.

1916 gibt er die Radierung auf, 1930 endet Munchs gesamte Grafik.

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Details

Titel
Edvard Munch und seine Bedeutung als Grafiker
Note
1
Autor
Jahr
2001
Seiten
4
Katalognummer
V101430
Dateigröße
332 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Edvard, Munch
Arbeit zitieren
Franzi Drews (Autor), 2001, Edvard Munch und seine Bedeutung als Grafiker, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/101430

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