In dieser Arbeit soll im Rahmen des übergeordneten Themenbereichs Gewalt und Mobbing an Schulen das Problem der sexuellen Gewalt im schulischen Kontext dargestellt werden.
Hierfür erfolgt zunächst eine Definition des Begriffs der sexuellen Gewalt sowie dessen Einbettung in den schulischen Kontext. Daran anschließend sollen Erklärungsansätze zur Entstehung sexueller Gewalt dargelegt und bewertet werden. Die sich aus diesen Erklärungsansätzen ergebenen strukturellen Risikofaktoren werden im darauffolgenden Teil näher erläutert.
Die 2017 veröffentlichte Studie Speak! soll als Anlass genutzt werden, um das in der Forschung bisher weniger beachtete Phänomen der Peer Violence kurz zu umreißen und in den schulischen Kontext einzubetten. Im Anschluss daran wird das Prinzip der Schutzkonzepte erläutert. Nachfolgend werden mögliche Präventionsstrategien, die auf den schulischen Kontext übertragen werden können, näher beschrieben.
Inhaltsverzeichnis
1 Sexuelle Gewalt im schulischen Kontext
1.1 Erklärungsansätze zur Entstehung sexueller Gewalt
1.2 Strukturelle Risikofaktoren
1.3 Peer Violence
2 Schutzkonzepte & Präventionsstrategien
3 Fazit
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit setzt sich kritisch mit dem Problem der sexuellen Gewalt im schulischen Umfeld auseinander. Ziel ist es, das Phänomen theoretisch einzuordnen, strukturelle Risikofaktoren in Bildungseinrichtungen zu identifizieren und aktuelle Präventionsansätze sowie Schutzkonzepte zu diskutieren, wobei insbesondere der Aspekt der Peer Violence beleuchtet wird.
- Definition und Einbettung sexueller Gewalt in den Bildungskontext
- Analyse multikausaler Erklärungsansätze zur Entstehung von Gewalt
- Identifikation struktureller Risikofaktoren im Schulalltag
- Untersuchung von Peer Violence unter Einbeziehung aktueller Studienergebnisse
- Vorstellung von Schutzkonzepten und Präventionsprogrammen wie SEPP
Auszug aus dem Buch
1.1 Erklärungsansätze zur Entstehung sexueller Gewalt
Utz (2012) nennt drei Gründe, warum es zu sexuellen Gewalthandlungen ausgehend von Lehrkräften kommen kann. Zum einen besitzen diese aufgrund ihrer beruflichen Position eine als legitim angesehene institutionelle Macht über Schülerinnen und Schüler, die dazu führen kann, dass fehlerhaftes Verhalten aufseiten der Lehrpersonen nicht hinterfragt wird (Hofherr, 2018, S. 189). Zum anderen geht mit Berufen im Bildungssystem, anders als in anderen Professionen, der enge Kontakt zu Kindern und Jugendlichen zwangsläufig einher (Hofherr, 2018). Weiterhin können strukturelle Merkmale von Institutionen einen Machtmissbrauch ermöglichen (Hofherr, 2018). Kindler (2014) verweist auf eine Arbeit von Sullivan und Beech (2004) aus der hervorgeht, dass 41% der untersuchten Täter und Täterinnen angaben, der vereinfachte Zugang zu Kindern und Jugendlichen hätte bei ihrer Berufs- und Arbeitsplatzwahl zumindest eine Rolle gespielt (Kindler, 2014, S. 84, zit. nach Sullivan & Beech, 2004).
Über diese Erkenntnisse hinaus existieren mehrere multikausale Erklärungsansätze zur Entstehung sexueller Gewalt. Das “4-Faktoren Modell“ von David Finkelhor aus dem Jahr 1984 benennt vier Vorbedingungen damit sexuelle Gewalt entstehen kann (Hofherr, 2018) und betont darüber hinaus die Rolle soziokultureller Faktoren (Kolshorn, 2018).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Sexuelle Gewalt im schulischen Kontext: Dieses Kapitel definiert sexuelle Gewalt als Form von Machtmissbrauch innerhalb des Bildungssystems und analysiert verschiedene wissenschaftliche Erklärungsansätze für deren Entstehung.
1.1 Erklärungsansätze zur Entstehung sexueller Gewalt: Hier werden spezifische Faktoren wie institutionelle Machtstrukturen und das "4-Faktoren Modell" von Finkelhor diskutiert, die das Zustandekommen sexueller Gewalt begünstigen.
1.2 Strukturelle Risikofaktoren: Das Kapitel beleuchtet institutionelle Mängel, wie fehlende Beschwerdemanagements oder unklare Vorgaben zu Nähe und Distanz, als begünstigende Rahmenbedingungen für Übergriffe.
1.3 Peer Violence: Dieser Abschnitt thematisiert sexuelle Gewalt unter Gleichaltrigen (Peers) und arbeitet deren Auswirkungen auf das Sicherheitsgefühl und Schulklima heraus.
2 Schutzkonzepte & Präventionsstrategien: Es werden systematische Ansätze zur Prävention vorgestellt, wobei ein besonderer Fokus auf dem Programm SEPP sowie der Notwendigkeit einer ganzheitlichen Schulkultur liegt.
3 Fazit: Das Kapitel fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen und unterstreicht den hohen Forschungsbedarf sowie die Notwendigkeit, das Thema in der universitären Ausbildung zu verankern.
Schlüsselwörter
Sexuelle Gewalt, Schule, Prävention, Schutzkonzepte, Machtmissbrauch, Peer Violence, Kinderschutz, Pädagogik, Machtverhältnisse, Risikoanalyse, Studienergebnis, Schulkultur, Interventionsstrategien, Partizipation, sexuelle Bildung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Problem sexueller Gewalt innerhalb des deutschen Bildungssystems, wobei sowohl Übergriffe durch Lehrkräfte als auch unter Schülern (Peer Violence) thematisiert werden.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zentrale Themen sind die theoretische Herleitung von Gewaltursachen, die Analyse struktureller Risikofaktoren an Schulen sowie die Darstellung moderner Präventions- und Schutzkonzepte.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Ziel ist eine fundierte Darstellung des Phänomens zur Sensibilisierung und die Aufzeichnung von Wegen, wie Schulen durch Schutzkonzepte und Präventionsarbeit sichere Orte schaffen können.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Es handelt sich um eine theoretische Hausarbeit, die auf einer umfassenden Literaturanalyse aktueller Studien (u.a. "Speak!") und fachwissenschaftlicher Konzepte basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung sexueller Gewalt, die Analyse struktureller Risiken, die Untersuchung der Peer Violence sowie eine detaillierte Erläuterung von Präventionsstrategien.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Sexuelle Gewalt, Schule, Prävention, Schutzkonzepte und Machtmissbrauch charakterisieren.
Was besagt das "4-Faktoren Modell" in diesem Kontext?
Es ist ein Erklärungsmodell nach David Finkelhor, das vier spezifische Vorbedingungen (Motivation, Überwindung innerer Hemmnisse, Überwindung äußerer Hemmnisse, Überwindung des Opferwiderstands) für die Entstehung sexueller Gewalt benennt.
Was ist unter dem "SEPP"-Programm zu verstehen?
SEPP steht für "Sensibilisierende Prävention durch Partizipation" und ist ein von Maschke und Stecher entwickelter Ansatz, um Jugendliche langfristig vor Viktimisierung zu schützen und ihre Handlungskompetenz zu stärken.
Warum wird Peer Violence in der Arbeit gesondert betrachtet?
Da aktuelle Studien zeigen, dass Schüler zunehmend selbst zu Täterinnen und Tätern werden, ist diese spezifische Gewaltform ein bisher wenig erforschtes, aber hochrelevantes Phänomen für das Schulklima.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2020, Sexuelle Gewalt im schulischen Kontext, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1014387