Ethik der Beratung. Modebegriff oder essenzielle Erfordernis?


Akademische Arbeit, 2021

21 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhalt

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Relevanz der Thematik
1.2 Ziel und Aufbau der Arbeit

2 Konzeptionelle Grundlagen
2.1 Ethik und ethischer Grundgedanken
2.2 Zusammenspiel von Ethik, Moral und Recht
2.3 Merkmale und Anforderungen an Berater
2.4 Ethische Richtlinien

3 Ethik in der Beratung
3.1 Ethische Beratungskonflikte
3.2 Ethische Leitlinie für Beratungsdienstleistungen
3.3 Relevanz von Ethik in der Beratung

4 Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Eigene Darstellung, Zusammenspiel von Ethik, Moral und Recht in Anlehnung an Rasche, Michael „Das Dreieck von Ethik, Moral und Recht“ michaelrasche.eu. 02 27, 2019. https://michaelrasche.eu/ethik-moral-und- recht/?cookie-state-change=1616445259154 (accessed März,22, 2021).

Abkürzungsverzeichnis

Abb. Abbildung

DBVC Bundesverband für Coaching

DGSF Deutsche Gesellschaft für Systemische Therapie, Beratung und Familientherapie e. V.

EMCC European Mentoring & Coaching Council

e.V. eingetragener Verein

IVSBB Internationale Vereinigung für Bildung- und Berufsberatung

KI Künstliche Intelligenz

nfb Nationales Forum Beratung

u.v.w. und viele weitere

z.B. zum Beispiel

Tabellenverzeichnis

Nippa, Michael. Leitfragen zur ethischen Entscheidung („Daumenregel für den Alltag“) in Erfolgsmechanismen der Top-Management-Beratung, by Pantaleon Fassbender, S.238 Heidelberg: Springer Verlag, 2004.

1 Einleitung

1.1 Relevanz der Thematik

Die Tätigkeit der Beratung wird immer öfter durch die Medien in ein negatives Licht gerückt. Titel wie „Von der Leyen hat die Bundeswehr einem Heer von Beratern ausgeliefert“1 und andere Titel schädigen diesen Berufsstand wirtschaftlich und bringen ihn in Verruf. Die Politik gibt zudem Millionen Euro jährlich für Beratung aus. In der Kritik steht häufig, dass mehr ein Produkt gekauft wird als eine individuelle Beratung. Diese Art der Beratung hat eine feste Linie und bereits fertige gedachte Vorstellungen der Problemlösung. Entweder Sie passt oder sie passt am Ende nicht. Gehörte eine von Neugier und Interesse geprägte Arbeitsweise einst zur systemischen Haltung, stellt diese heute im Rahmen von Marketingstrategien und Sparbeschlüssen einen immer schwierigeren Balanceakt zwischen systemischer Grundhaltung und der Erfüllung von Erwartungen der Auftraggeber und somit manches Mal nur noch ein bloßes Versprechen dar.

Ein Grundziel der guten Beratung ist es Probleme hinterher selbst lösen zu können. Hierfür muss jedoch individuell auf den Klienten eingegangen werden. Es wird sich selten eine gleiche Problemstellung in unterschiedlichen Unternehmen finden. Eine einmalige Beratung bedeutet für den Berater zudem auch nur eine einmalige Einnahmequelle. Eine wiederkehrende Beratung ist für diesen gewinnbringender. Auch stehen Berater aus der freien Wirtschaft immer wieder in Kritik eigene Interessen zu vertreten und den Klienten zu beeinflussen. Die Branche lebt von Ihrem guten Ruf und ihr Produkt „Beratung“ wird gerade durch ein gutes Image und eine hohe Reputation zu verkaufen versucht. Vor diesem Hintergrund untersucht diese Arbeit, welche ethischen Konfliktpotentiale sich auf dem Gebiet der Unternehmensberatung ergeben und zeigt Möglichkeiten auf, um ethische Aspekte im Beratungsgeschäft zu verankern. Es ist daher äußerst wichtig das Vertrauen in die Beraterbranche sowie in einzelne Beratungsunternehmen zu fördern durch die Definition von Ethik in der Beratung.

1.2 Ziel und Aufbau der Arbeit

Diese Arbeit soll eine Einführung in das Thema Ethik in der Beratung geben. Ziel ist es die Frage nach der Relevanz dieser Thematik in diesem Dienstleistungsbereich zu klären. Hierzu werden in Kapitel 2 zunächst der Begriff „Ethik“ und dessen allgemeines Verständnis in der Gesellschaft erläutert. Das Zusammenspiel von Ethik, Moral und Recht soll erläutert und mit Hilfe von Beispielen veranschaulicht werden. Weiter werden die Merkmale und besonderen Anforderungen an Berater aufgeführt. Hier wird explizit auf die Anforderungen zum Thema Ethik und ethischer Verantwortung eingegangen. Als letzter Punkt dieses Kapitels werden eine Reihe von ethischen Leit- und Richtlinien erarbeitet, jedoch ohne weiter auf diese einzugehen. Sie sollen als Überblick und einfache Recherchehilfe dienen für zukünftige Arbeiten. In Kapitel 3 wird näher auf das Thema Ethik in der Beratung eingegangen. Die ethischen Konflikte, welche Berater gegenübergestellt sind, werden erläutert und es wird exemplarisch näher auf eine, im zu vorigen Kapitel erwähnte, ethische Richtlinie für Berater eingegangen. Am Ende wird noch die Relevanz von Ethik in der Beratung diskutiert und bildet somit eine Zusammenfassung der des Themas dieser Arbeit. Im abschließend Kapitel 4, findet eine Schlussbetrachtung dieser Arbeit statt. Diese umfasst auch eine kritische Reflektion und die Haupterkenntnissen dieser Arbeit.

2 Konzeptionelle Grundlagen

2.1 Ethik und ethischer Grundgedanken

Die Bezeichnung Ethik stammt von dem altgriechischen ethos her und besitzt zwei Bedeutungen: Einerseits bedeutet es Sitte, Gewohnheit, sowie Brauch und bezog sich auf die kollektiven Gepflogenheiten, die in einem Gemeinwesen herrschen. Die zweite Definition, Charakter, Denkweise und Sinnesart gelten der individuellen Haltung, die bei Einzelpersonen auftritt. Der Wort ethos beinhaltet jedoch keine Wertung der beschriebenen Eigenschaften. Sitten, Gewohnheiten oder Denkweisen, können sowohl gut als auch schlecht sein. Das Adjektiv ethikos, was für uns das „ethische“ bedeutet, wurde jedoch mit einer positiven Wertung verbunden.2 So verbinden wir heute z.B. das ethische Handeln, als etwas positives.

Ethik ist dabei so vielschichtig, dass sich in der Literatur eine Vielzahl von Betrachtungsfelder findet. Es gibt Theorien der kognitivistischen, nichtkognitivistischen, naturalistischen, subjektivistischen, objektivistischen, theologischen u.v.w. Ansichten.3 M. Werner beschreibt Ethik, als die wichtigste Wissenschaft. Sie ist allübergreifend und hat Einfluss auf alle anderen Wissenschaften. Sie soll uns zum Überlegen anhalten was, warum und mit welcher Absicht wir etwas tun.4

Dabei stellen sich fünf Werte des ethischen Grundgedankens5:

1. Handeln: im Gegensatz zum Tier kann der Mensch frei handeln und ist nicht durch seine Instinkte geprägt. Er kann daher auch für sei Handeln verantwortlich gemacht werden. Ob eine bestimmte Handlung gut oder schlecht ist, hängt von unterschiedlichen Voraussetzungen ab: den Handlungsumständen, der Absicht, die mit ihr verfolgt wird, den Mitteln ihrer Umsetzung oder den Folgen, die sich aus ihr ergeben.
2. Moral und Ethik: Moral stammt aus der lateinischen Übersetzung des altgriechischen ethos. Es wird verwendet für die Beschreibung von Gesinnungen, Grundsätze und Haltungen, die das Handeln der Menschen in einer Gemeinschaft bestimmen. Umgangssprachlich werden beide Begriffe oft als Synonyme verwendet, jedoch besitzen sie auch wichtige Unterschiede. Die Moral zeigt sich in ihren Grundsätzen und Haltungen, beschreibt aber nicht, ob diese nach unserem ethischen Verständnis gut sind. Die Ethik ist notwendig, um die Moralprinzipien zu bewerten.
3. Sitten und Bräuche: Sitten und Bräuchen sind gesellschaftlich übliche Verhaltensweisen in Bereichen, die für das menschliche Leben von Wichtigkeit sind. Sitten bestimmen dabei unser alltäglicher Umgang mit den Dingen und Menschen und haben höhere Verbindlichkeit als Bräuche. Sie regeln, wie wir in einer Kultur miteinander umgehen. Bräuche hingegen unterbrechen zumeist den Alltag. Sie können historische, religiöse, kulturelle oder persönliche Hintergründe haben.
4. Sollen und Pflicht: Es gibt Dinge, die wir tun, aber nicht tun sollten, und umgekehrt Dinge, die wir nicht tun, aber tun sollten. Die Ethik will aufzeigen, worin gutes Handeln besteht, was wir tun sollten und wozu wir verpflichtet sind. Die Pflicht kann als moralisches Müssen gesehen werden. Es ist eine Notwendigkeit, die getan werden muss, um ethisch zu handeln.
5. Werte und Normen: Normen geben an wie getan werden muss. Darunter befinden sich ISO Normen, Grundsätze, Pflichten u.a. Werte geben eine Gewichtung des Handelns. Werte können je nach Betrachter unterschiedlich ausfallen. Bei politischen Normen finden sich Grundwerte, welche immer gleich zu bewerten sind, egal welcher Meinung man ist. Hierzu gehören z.B. die Menschen- und Freiheitsrechte.

2.2 Zusammenspiel von Ethik, Moral und Recht

Wie bereits zuvor erläutert, versteht man unter Moral Sitten und Gebräuche, die gelebt werden. Ethik hingegen steht eine Ebene darüber und reflektiert bzw. wertet diese Sitten und Gebräuche.6 Jedoch spielt auch das Recht, welches eingehalten werden muss, eine zentrale Rolle. Gesetze müssen definiert und Verstöße mit Strafen belegt werden. Dabei greifen Ethik, Moral und Recht ineinander ein (s.u. Abb. 1).

So bildet die Ethik eine umfassende Ebene, um Recht und Moral. Sie gibt dem Handeln eine Wertung und dient der Gesetzfindung als Richtwert. Das Recht besitzt wiederum Einfluss auf die Moral, indem diese Schlechte Praktiken mit Sanktionen belegt oder verhindert. Da die Moral das Gelebte und die Gesellschaft repräsentiert ist sie natürlich von essenzieller Bedeutung. Ohne das Leben sind Ethik und ein Rechtssystem ohne Bedeutung.7

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung1Zusammenspiel von Ethik, Moral und Recht (eigene Darstellung nach Rasche 2019)

Betrachtet man die Zusammenhänge von der gegenüberliegenden Seite, so wird die Konsequenz sichtbar, wenn ein Faktor fehlt. Ohne Ethik, gäbe es zwar Gesetze und moralische Bräuche, jedoch ohne geltende Werte. Ein Beispiel wäre die Mafia, welche über Gebräuche und Sitten verfügt und ihr eigenes Rechtsystem besitz, welche aber frei von dem ethischen Verständnis sind wie wir es kennen. Entfernt man das Recht, so hätte man eine Gesellschaft, die eine ethisch gelebte Moral besitzt, jedoch niemanden der diese kontrolliert bzw. sanktioniert. Als Beispiele sind Regierungen zu nennen, welche unter anderem nach Korruption und den eigenen Vorteil handeln und dabei die eigentlichen Gesetze umgehen bzw. missachten. Ohne Moral, fehlt der Ethik und dem Rechtsystem der Bezug zur Wirklichkeit. Es hat dann womöglich einen Bezug auf die falschen gelebten Sitten und Gebräuche und kann so nicht glaubwürdig durchgesetzt werden.

Bezieht man die drei genannten Faktoren auf ein Unternehmen, so lassen sich diese mit den Punkten: Unternehmensethik, Unternehmenskultur und Unternehmensrichtlinien definieren. Auch hier ist das gute Zusammenspiel von höchster Bedeutung. Sie müssen gegenseitig Harmonisieren. Da sich Standards, in den einzelnen Bereichen, über die Zeiten ändern können, müssen auch immer die anderen Faktoren neu betrachtet werden und ggf. nachgebessert werden, um ein einheitliches Bild zu schaffen.8

2.3 Merkmale und Anforderungen an Berater

In Beratungsprojekten werden in erster Linie Experten mit ingenieurwissenschaftlicher oder wirtschaftlicher Ausbildung hinzugezogen.9 Bei den von Ihnen angebotenen Dienstleistungen handelt es sich um sogenannte Vertrauensgüter, bei denen der Käufer auf die Leistungszusicherung des Anbieters vertrauen muss.10 Um dieses Vertrauen dem Kunden vermitteln zu können, muss der Berater einen guten Erfahrungsschatz im Bereich des Problems besitzen, weiterhin sollte die Qualität seiner Referenzen überzeugen.

An Berater werden zudem bestimmte Grundanforderungen gestellt, welche für seine Tätigkeit notwendig sind. Hierbei bildet die systemische Grundhaltung die wichtigste Anforderung. Der Berater muss sich in der Lage fühlen zu beraten. Seine innere Haltung und Auftreten müssen das Wiederspiegeln. Gleichzeitig muss der Berater seiner Rolle klar bewusst sein. Der Klient muss den Berater vertrauen können. Hierfür muss der Berater sich in das Gegenüber hineinempfinden. Ein gewisses Maß an Demut vor bestehenden Systemen ist angebracht. Der Berater muss sich selbst komplett zurücknehmen können, um ausschließlich beim Klienten zu sein und diesen zu beobachten und ihm zuzuhören.11

Das Nationale Forum Beratung in Bildung, Beruf und Beschäftigung e.V. (nfb), zeigt in ihrer Broschüre zum Koordinierungsprozess Qualitätsentwicklung in der Beratung für Bildung, Beruf und Beschäftigung, eine Vielzahl an Qualitätsmerkmalen der Beratung auf.12 In den übergreifenden Qualitätsmerkmalen verbergen sich die Aspekte, dass sich das Handeln der Berater, sowohl bei der Beratung selbst als auch bei der organisationalen Arbeit, stehts an den Bedürfnissen des Klienten orientiert. Zugleich ist die Transparenz gegenüber dem Ratsuchenden abzusichern. Dabei sind Rahmenbedingungen zu definieren, wie Erreichbarkeit des Beraters, Kosten und Leistungen. Diese müssen klar formuliert sein und vertraglich festgehalten sein. Klienten gelten als Hilfesuchende. Daher ist auch der ethische Aspekt ein übergreifendes Qualitätsmerkmal. Dazu gehören unter anderem ein vertrauensvoller Umgang mit dem Klienten. Die Bedürfnisse des Kunden stehen dabei im Vordergrund. Die Beratung und die Kommunikation sollten offen, ehrlich und wertschätzend erfolgen. Im Zeitalter der immer wachsenden Vernetzung und Digitalisierung ist auch das Thema Datenschutz von ethischen Gesichtspunkten zu sehen. Vertrauliche Daten müssen entsprechend verwahrt werden und dürfen nur nach geltendem Recht weitergegeben werden. Berater sollten sich auf einen definierten Beratungskodex verpflichten. Das nfb führt hier den Ethikstandard der IVBBB als Beispiel auf.

[...]


1 (Szymanski 2020)

2 Vgl.(Fuchs, et al. 2010)S.1

3 Vgl.(Kutschera 1982)S.11

4 Vgl.(Werner 2021)S.3

5 Vgl.(Kriesel, Rolf und Wiesen 2008)S. 7-18, 69, 105-108

6 Vgl.(Kriesel, Rolf und Wiesen 2008)S. 7-18

7 Vgl.(Rasche 2019)

8 Vgl. (Rasche 2019)

9 Vgl.(Weiershäuser 2013)S.17-18

10 Vgl. (Reik 2016)S.17

11 Vgl(Kutz 2020)S.41 - 43

12 Vgl. (nfb 2012)

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Ethik der Beratung. Modebegriff oder essenzielle Erfordernis?
Hochschule
AKAD University, ehem. AKAD Fachhochschule Stuttgart
Veranstaltung
Innovations- und Technologieberatung 2
Note
2,3
Autor
Jahr
2021
Seiten
21
Katalognummer
V1014506
ISBN (eBook)
9783346409140
ISBN (Buch)
9783346409157
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ethik, Berating, Ethics, Merkmale von Beratern, Ethische Leitlinien, Ethische Beratungskonflikte, Moral, Recht
Arbeit zitieren
B.Eng Michel Martin (Autor), 2021, Ethik der Beratung. Modebegriff oder essenzielle Erfordernis?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1014506

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