Die Templer & andere Ritterorden


Referat / Aufsatz (Schule), 2000

37 Seiten, Note: 15


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INHALTSVERZEICHNIS

A EINLEITUNG

B DIE ANFÄNGE

C DIE INNERE STRUKTUR DES ORDENS

D EIN HEER IM FELD - AUFSTIEG UND BLÜTE ALS MILITIA CHRISTI IM HEILIGEN LAND

E DIE TEMPLER IM OKZIDENT - DIE HEILIGKEIT WEICHT DEN WIRTSCHAFTLICHEN AKTIVITÄTEN

F DER UNTERGANG - DIE TEMPLER AUF DEM SCHEITERHAUFEN

G BLIEBEN DIE TEMPLER LEBENDIG?

H LEGENDEN, MYTHEN, HALBWAHRHEITEN

I DIE ANDEREN RITTERORDEN

J ANHANG
- QUELLEN
- KARTEN
- BILDER
- ZEITTAFEL

A) Einleitung

I templari c ´ entrano sempre

Die Templer haben ihre Finger immer im Spiel

(Umberto Eco, Das Foucaultsche Pendel)

Die Templer haben ihre Finger immer im Spiel, das ist das Fazit, das Umberto Eco im Foucaultschen Pendel zieht. Er scheint Recht zu haben, denn auch knapp 700 Jahre nach seinem tragischen Ende liefert der Templerorden Stoff für Legenden, Mythen und Pseudogeschichte, er hat in den Köpfen der Menschen überlebt.

Er ist aber auch Studienobjekt für viele seriöse Wissenschaftler, über kaum einen Aspekt der Kreuzzugsgeschichte und vielleicht sogar des Mittelalters ist soviel Literatur erschienen wie über den von Hugo von Payns (wohl) 1119 gegründeten Templerorden.

Schon zu seiner Zeit war der Orden ein Faszinosum für die Menschen: Die Heldentaten, der Reichtum und vor allem die Unnahbarkeit der Ritter zogen sie magisch in ihren Bann. Der Orden profitierte von seinem Image, er konnte sich vor Gönnern kaum retten, doch die Arroganz sollte ihm auch zum Verhängnis werden, denn die völlig falschen Anklagepunkte Philipps des Schönen stießen in Frankreich auf fruchtbaren Boden, eben weil man sich so über die Geheimhaltung und das Elitedenken ärgerte, dass man die Verfolgung des Ordens guthieß. Nüchtern betrachtet wurde eine kirchliche Organisation im Kampf der weltlichen und geistlichen Mächte geopfert, und trotzdem bleiben etliche Rätsel. Diese Fragezeichen und das verklärte Bild der Märtyrer sind Gründe für das große öffentliche Interesse heutzutage.

Zugegebenermaßen kann ich mich davon nicht ausschließen, auch mir spukten beim Stöbern in der Bibliothek Gedanken von geheimen düsteren Gewölben, durch die Ketzer vor Inquisitoren flüchten, durch den Kopf. Diese bunten Phantasien machen die Faszination des Mittelalters aus, aber da über die „wahren“ Ketzer, also Albigenser und Katharer, wenig Literatur vorhanden war und außerdem dieses Thema schon anderweitig vergeben war, konnte mich auch der Templerorden, als „geheimer Verband“ ein ebensolches Mysterium wie die Ketzer, zufriedenstellen.

Bei einem schriftlich ausformulierten Schülerreferat stellt sich natürlich immer - ob mit oder ohne Internet - die Frage, wieviel eigene Ideen darin verarbeitet werden und inwiefern Quellen einfach nur kopiert werden. Die Gliederung der Autoren, die sich praktisch mit der gleichen Aufgabe wie ich beschäftigt haben, kann ja so falsch nicht sein, weshalb ich ihre Grundzüge übernommen habe, natürlich nicht ohne eigene Schwerpunkte zu setzen. Besonders die Bücher von Bauer und Demurger waren mir eine große Hilfe, was jedoch nicht heißt, das ich ihre Inhalte übernommen habe. Kopierte Passagen sind kursiv markiert und mit Quellenangabe versehen, der Rest stammt aus meiner eigenen Feder. Ich denke, dies wird erst recht bei der mündlichen Wiedergabe deutlich werden.

B) Die Anfänge

Die Kreuzzugsbewegung

Im Jahre 1095 rief Papst Urban II. zum ersten Kreuzzug auf. Seine Rede auf dem Konzil von Clermont gipfelte in dem Ausruf „Deus vult“ (Gott will es) und fand eine breite Resonanz unter den Rittern des Abendlandes, denen für die Beteiligung am Kreuzzug die Vergebung ihrer Sünden versprochen worden war. Sie sollten ihre privaten Fehden, die aus Sicht der Kirche eine Verletzung des Gottesfriedens darstellten, aufgeben, und sich vereinigen, um gemeinsam gegen die „Heiden“, also die Moslems, die Jerusalem beherrschten, kämpfen. Dem Bischof von Puy wurde die Leitung des Kreuzzugs übertragen, doch auch er konnte nicht verhindern, dass fehlgeleitete religiöse Fanatiker Juden ermordeten und ganze Landstriche geplündert wurden. Die Kreuzfahrer wurden über den Bosporus gesetzt und verschonten dafür Konstantinopel. Nach einem ersten Sieg über die Seldschuken bei Doryläon und der Einnahme Antiochias wurde am 13. Juli 1099 Jerusalem eingenommen. Dabei gingen die Kreuzfahrer mit unerbittlicher Härte vor, mitgereisten Chronisten zufolge wateten die Christen bis zu den Knien im Blut.

Für viele Christen war damit das Ziel erreicht: am Grabe Christi zu beten und sich Gott ganz nah fühlen zu können. Sie hatten die heiligste und angesehenste Pilgerfahrt vollbracht und die „Ungläubigen“ aus der Heiligen Stadt vertrieben. Ihre Mission war erfüllt und sie kehrten nach Hause zu ihren Familien zurück - allerdings nicht alle.

Diejenigen, die ohne Rückkehrwunsch auf den Kreuzzug gegangen waren, bildeten eine Minderheit. Unter ihnen war z. B. Bohemund von Tarent, der Fürst von Antiochia wurde. Doch schon bald wurde deutlich, dass die Einnahme Jerusalems eine Sache war, das Halten der Stadt eine andere. Die Christen waren einfach nicht zahlreich genug, um die eroberten Gebie te langfristig zu halten; anfangs stellte das allerdings noch kein großes Problem dar, da der Erfolg des Kreuzzugs ungeheure Auswirkungen in Westeuropa hatte und Jahr für Jahr Scharen bewaffneter Pilger ins Heilige Land zogen und mit der Unterstützung der Flotten von Pisa, Genua und Venedig sogar noch weitere Küstenstädte (Akkon 1104, Tripolis 1108) erobern konnten.

Es bildeten sich vier Kreuzfahrerstaaten: im Norden die halb armenische, halb fränkische Grafschaft Edessa, gegründet von Balduin von Boulogne, dem Bruder des ersten Königs von Jerusalem, Gottfried von Bouillon, weiter südlich das Fürstentum von Antiochia (heutiges Syrien), die kleinere Grafschaft Tripolis und das Königreich Jerusalem.

Trotzdem blieben einige islamistische Enklaven eine ständige Bedrohung für die Christenheit, so brachen von Tyrus und Askalon immer wieder Gruppen auf, um Pilger zu überfallen. Die Ebene von Ramleh und die Pässe von Judäa galten zu diesen Tagen als ständiges Schlachtfeld, und genau hierdurch führte die einzige Pilgerstraße vom Okzident zum Orient. So trauten sich dann immer weniger Pilger, ins Heilige Land zu reisen. Die Tatsache, dass es keinen sicheren Reiseweg mehr gab, war Teil eines Teufelskreises: Ohne die Sicherheit der Wege blieben langfristig die Pilger aus, die zur Besiedlung der eroberten Gebiete benötigt wurden, doch erst eine größere Christengemeinde wäre aus eigener Kraft in der Lage gewesen, ein Aufgebot von bewaffneten Männern zu stellen, das wiederum die Pilger vor Angriffen geschützt hätte. Es gab bereits eine Einrichtung, die sich der Hilfe der Pilger widmete: das Spital der Johanniter, deren Ursprung ebenso unklar ist wie der des Templerordens. Zwei Klöster nahmen Reisende auf, ein Hospiz ermöglichte den Pilgern Zuflucht im Heiligen Land und in den wichtigsten Kreuzfahrerhäfen (Pisa, Bari, Tarent) hatte der Orden Spitäler eröffnet.1113 machte eine Bulle des Papst Paschalis diesen Zweig der Benediktiner zum eigenständigen Orden. Er operierte international und widmete sich vor allem der Armen- und Krankenpflege und konnte trotz gelegentlicher militärischer Unterstützung nicht für die Sicherheit der Pilger sorgen. Hugo von Payns erkannte das Problem und beschloss im Jahr 1119, einen militärischen Verband zu gründen, der die Pilgerwege sichern sollte.

Hugo von Payns und seine Brüder

Hugo von Payns, der Gründer des Ordens stammte aus der Champagne, einer Region Frankreichs, knapp 150 km südöstlich von Paris. Sein Heimatort Payns liegt knapp 10 km entfernt von Troyes, am linken Ufer der Seine. Hugo wurde zum Ritter geschlagen, war Herr von Montigny-Lagesse und hatte noch weitere Besitzungen bei Tonnerre. Er war verheiratet und hatte einen Sohn, Theobald. Da er zu einer Seitenlinie der Grafenfamilie der Champagne gehörte, waren seine Beziehungen zum Grafen Hugo sehr eng. Über mehrere Ecken war Hugo von Payns auch mit Bernhard von Clairvaux verwandt.

Im Jahre 1104 begab sich Hugo auf seine erste Pilgerfahrt nach Jerusalem, kehrte jedoch schon bald nach Hause zurück. 1114 zog er erneut los - diesmal in Begleitung des Grafen der Champagne - und blieb diesmal dort.

Von diesem Zeitpunkt an nahm die Idee einer militia christi greifbare Gestalt an, doch das genaue Gründungsdatum des Templerordens ist nicht zu rekonstruieren. Verschiedene Forscher haben sich mit die ser Frage beschäftigt und sind zu unterschiedlichen Ergebnissen gekommen: 1118, 1119 oder auch 1120.

Im Grunde genommen ist das aber auch nicht von entscheidender Bedeutung. Sicher ist jedoch, dass es nur einige wenige Ritter waren (wahrscheinlich nur neun), die vor Garimond, dem Patriarchen von Jerusalem, einen Eid ablegten, nach den Regeln des heiligen Benedikt zu leben (Armut, Keuschheit und Gehorsam) und die Straßen zu sichern, um Pilger gegen Raubüberfälle zu schützen. Wichtig ist hierbei, dass das Armutsgelübde nur für die einzelnen Ritter, nicht jedoch für den gesamten Orden galt. Neu eintretende Mitglieder überschrieben dem Orden ihren Besitz (wie z.B. Graf Hugo der Champagne 1126), und bereits kurz nach der Gründung begannen die Schenkungen zu fließen. Balduin II., König von Jerusalem, schenkte dem neuen Orden seinen eigenen Palast, der genau auf dem früheren Standort des Tempels Salomons gebaut worden war, so dass die Ritter bald als Brüder des Tempels, Ritter des Tempels bzw. Tempelritter oder einfach als Templer bezeichnet wurden. Offiziell hießen sie Arme Soldaten Christis.

Hugo von Payns gründete den Orden explizit zum Schutz der Pilger, wovon Balduin II. begeistert war, weil die Templer eine wichtige Aufgabe im Reich übernahmen (praktisch polizeiähnliche Funktion) und außerdem ein Gegengewicht zum nach Unabhängigkeit und gegen den König strebenden Kreuzfahreradel bilden sollten.

Mit dem Eintritt des Grafen der Champagne im Jahre 1126 begann der Orden bekannt zu werden: Neue Mitglieder traten ihm bei , und die Schenkungen flossen. 1127 begab sich Hugo von Payns, zum ersten Großmeister des Ordens ernannt, zurück nach Frankreich. In Begleitung von fünf Templern wollte er die Ordensregel von den kirchlichen Autoritäten des Okzidents absegnen lassen, den Orden bekannt machen und neue Mitglieder werben.

Der Konzil von Troyes

Zwischen 1127 und 1129 reiste Hugo quer durch Europa, und überall fand seine Idee regen Anklang. Doch ihm wurde nicht nur bloße Zustimmung entgegengebracht, sondern es fanden sich auch neue Mitglieder und Gönner des Ordens. Den Höhepunkt seiner Europareise bildet eindeutig der Konzil von Troyes, auf dem eine Ordensregel ausgearbeitet wurde. Dort anwesend war ein Legat des Papstes Honorius II., dem Hugo von Payns zuvor einen Besuch abgestattet hatte, zwei Erzbischöfe, mehrere Äbte und der Adel der Region. Außerdem nahmen mit Stefan Harding, Abt von Citeaux, Hugo von Mâcon, Abt von Pontigny, und Bernhard von Clairvaux die wichtigsten Würdenträger des Zisterzienserordens teil. Bernhard verkörperte wie kein zweiter die Ideale der Zisterzienser, die Machtstreben und Reichtum ablehnten und ein weltabgewandtes Leben führten, um ihr Seelenheil zu erringen. Er avancierte zum einflußreichen Berater der geistlichen und weltlichen Führer des 12. Jahrhunderts; zwei Päpste standen praktisch direkt unter seinem moralischen Diktat. Bernhard wurde zum bedeutendsten Fürsprecher des Temple rordens und überarbeitete auf diesem Konzil ihre Ordensregel und verfasste ein Vorwort dazu, in dem aber durchaus seine anfangs noch vorhandene Skepsis durchklingt, weil er ein reines Mönchsleben als heiliger als das Mönchsrittertum ansah.

Die eigentliche Regel ist aber nicht - wie später behauptet - von Bernhard verfasst, sondern vom Großmeister des Ordens, Hugo von Payns. Sie legt in insgesamt 72 Artikeln das Zusammenleben des Ordens fest und ist in lateinischer Sprache gehalten. Die Templer verpflichten sich zu Armut, Gehorsam und Keuschheit; das Motto „ora et labora“ bestimmt ihren Alltag, sofern sie nicht in militärische Aktionen verwickelt sind. Sie tragen fortan einen weißen Habit und darüber einen weißen Mantel, da Weiß die Reinheit der Seele symbolisiert. Das markante rote Kreuz wurde erst 1147 hinzugefügt.

Die Anzahl der Paragraphen ist ein Spiel mit der Zahlenmystik. 72 ist das Produkt von acht mal neun, wobei die acht für Erneuerung und Wiedergeburt, die neun für Vollkommenheit steht, was eindeutig den hohen Anspruch der Templer an sich selbst demonstriert.

Die Regel besteht aus zwei Teilen, die für sich allein ziemlich unspektakulär sind: Das mönchische Zusammenleben funktioniert wie bei den Zisterziensern, der Waffendienst basiert auf einem ritterlichen Ehrenkodex. Das Revolutionäre liegt in der Kombination der beiden Elemente, da Mönchtum und Rittertum zwei völlig konträre Ideologien waren. Jeder freie Mann, der sich unterordnete, konnte Mitglied der Templer werden, so dass der Templerorden in gewisser Weise die Fremdenlegion des Mittelalters war. Durch den Konzil entwickelte sich der Templerorden von einer kleinen elitären Bruderschaft zu einem Massenverein, dem auch Exkommunizierte beitreten konnten. In erster Linie war es wichtig, neue Mitglieder zu werben, um endlich die Polizeifunktion im Heiligen Land ausüben zu können, so dass die moralische Integrität der Mitglieder in den Hintergrund rückte. Das Ziel, die Pilgerwege zu schützen, wurde nicht explizit in den Statuten verankert, weil die Templer von vornherein ihre Aufgabe auch in militärischen Großaktionen zum Schutz der Christenheit sahen.

Die Begünstigung der Templer nach dem Konzil

Bernhard von Clairvaux verfasste 1130 das Lob der neuen Miliz, in dem er den bewaffneten Kampf für die Kirche als ebenso heilig wie das mönchische Leben pries. Bei Bernhard hatte mit dem Konzil von Troyes ein Denkprozeß eingesetzt, er hatte nun seine Vorurteile abgelegt und legte mit seinem Lob eine Euphorie an den Tag, die die Erwartungen der Templer bei weitem übertraf, die bei Bernhard um eine Legitimation ihrer Arbeit gebeten hatten. Das Lob der neuen Miliz war der Anfang einer unverbrüchlichen Allianz zwischen den Templern, Bernhard von Clairvaux und dem Papsttum. Bernhard warf seinen ganzen Einfluss in die Waagschale, um den Papst und den Rest der Welt von der Sache der Templer zu überzeugen. Dank der Fürsprache Bernhards entwickelte sich eine symbiotische Beziehung zischen dem Papsttum und dem Templerorden: Die Ritter dienten dem Heiligen Stuhl quasi als Privatarmee und erhie lten dafür einzigartige Privilegien von den verschiedenen Päpsten, so z.B. die völlige Autonomie von weltlicher und geistlicher Gerichtsbarkeit.

C) Die innere Struktur des Ordens

Die Organisation der Schenkungen

Das Abendland begrüßte die Gründung des Templerordens, der, nachdem seine Existenz in den ersten zehn Jahren kaum registriert wurde, mit dem Lob der neuen Miliz von Bernhard von Clairvaux mit einem Schlag berühmt geworden war, beinahe euphorisch, und die Schenkungen begannen zu fließen. Auf seiner Werbereise von 1127 bis 1129 erhielt Hugo von Payns Landund Geldgeschenke, und immer mehr Ritter schlossen sich ihm an. Weitere Templer warben in ihren Heimatregionen, ebenfalls mit beträchtlichem Erfolg.

Zur Zeit des Konzils war der Orden ein bunter Haufen von Kriegern aus aller Herren Länder, der verstreuten Kleingrundbesitz in ganz Europa hatte. Hier ein Bauernhof, dort eine Brache - ein organisatorischer Alptraum. Bis zu seiner geplanten Rückkehr ins Heilige Land musste Hugo von Payns die Verwaltung des Ordensbesitzes im Abendland einigermaßen regeln. Als er 1129 wieder aufbrach, weil er einen Trupp Templer bei einen Angriff auf Damaskus führen musste, hatte er eine Lösung gefunden. Pagan von Montdidier verwaltete als Meister von Frankreich und England die recht ansehnlichen Besitzungen in Großbritannien und Nordfrankreich, während Hugo Ribaud und Raimund Bernard sich gemeinsam um die Güter im Languedoc und auf der Iberischen Halbinsel kümmerten. In diesen Regionen waren die Johanniter jedoch - ebenso wie in Italien - wesentlich populärer als die Templer, so dass anfangs die Schenkungen etwas zäh flossen; es setzte sich jedoch bald die Überzeugung durch, dass durchaus Platz für eine Koexistenz der zwei Orden vorhanden war. Da Bauernhöfe um so wirtschaftlicher arbeiten, je größer die zusammenhängenden Landstücke sind, mussten die Verwalter der Templer versuchen, durch Landtausch große landwirtschaftliche Betriebe, Komtureien, zu gründen. Schon 1128 begannen die Tauschhandel mit dem Zisterzienserorden.

Die Schenkungen schafften also nicht nur Reichtum und Freude, sondern vor allem Arbeit, manchmal sogar Ärger, da sich manche milde Gaben als wahre Danaergeschenke herausstellten, die dem Spender mehr nützten als dem Empfänger. So überließ die Gräfin Theresa in Portugal dem Orden die Burg Soure wohl in der Hoffnung, die Templer würden sich in die Verteidigung der Iberischen Halbinsel gegen die Moslime einspannen lassen, denn die Ländereien , die zu der Burg gehörten, waren von den Sarazenen besetzt. Nachdem die Templer sie zurückerobert hatten, standen sie plötzlich in offener Konfrontation mit den Moslems im Abendland, was sie eigentlich vermeiden wollten. Ein Krieg konnte aber vermieden werden. Die Templer nahmen die Geschenke stets an, obwohl sie das dahinter steckende politische Kalkül durchaus durchschauten.

Nur einen Köder schluckten sie nicht: Das Königreich Aragon. Im Jahre 1131 hatte der König Alfons I. von Aragon und Navarra, einem Reich in Nordspanien, das knapp eineinhalb mal so groß war wie die heutige Niederlande, in seinem Testament festgelegt, dass die drei großen Ritterorden, Johanniter, Templer und der Orden vom Heiligen Grab das Königreich nach seinem Tode übernehmen sollten. Wahrscheinlich wollte er die Verteidigung dieses wichtigen christlichen Gebietes in die Hände von kompromisslosen Streitern legen. Die drei Orden schlugen das großzügige Angebot jedoch aus, als der König 1134 starb. Sie wären wohl mit der Verwaltung und Verteidigung des von den Mauren bedrohten Königreiches überfordert gewesen, die noch jungen Orden waren einfach numerisch zu schwach. Außerdem gab es innenpolitische Querelen, da Verwandte von Alfons ebenfalls den Thron beanspruchten. Obgleich die drei Orden niemals ernsthaft daran dachten, das Erbe anzutreten, feilschten sie doch lange um den Preis für ihren Verzicht auf den Thron. 1143 einigte man sich: Für den Verzic ht auf den Thron und ihre Beteiligung an der Reconquista, der Rückeroberung ehemals christlicher Gebiete in Spanien und Portugal, erhielten die Orden ein Fünftel des eroberten Territoriums. Insbesondere der Templerorden hatte sich so sprunghaft vergrößert, dass er militärisch stark genug war für einen Krieg gegen die Moslems an zwei Fronten: Im Heiligen Land und auf der Iberischen Halbinsel.

Verschiedene Mitglieder der Templerfamilie

Aus der Besitzlosigkeit der Brüder ließe sich leicht schließen, dass der Orden ein Kollektiv gleichberechtigter Mitglieder gewesen sei. Das ist jedoch völlig falsch, der Orden war vielmehr streng durchorganisiert, das Templervolk war in Ränge eingeteilt, zwischen denen es keine Mobilität gab. Das entsprach der mittelalterlichen Theorie einer Sozialordnung, in der jeder eine bestimmte Funktion ein Leben lang erfüllte. Auch die Dreiteilung der Gesellschaft fand man bei den Templern: Betende, Arbeitende und Kämpfende. Das ist insofern bemerkenswert, da gerade die Erfindung des Mönchsrittertum durch Hugo von Payns diese Ordnung ziemlich durcheinandergebracht hatte.

Der kämpfende Stand war nochmals in zwei Gruppen unterteilt: Die Ritter und die dienenden Brüder, die praktisch Ritter zweiter Klasse waren, weniger gut ausgebildet, ausgerüstet und gepanzert und im zweiten Glied kämpfend. Nur die Herkunft entschied über die Zugehörigkeit des neuen Templers. War er vermögend genug, um drei Pferde mitzubringen, durfte er den weißen Umhang eines Ritters tragen, sonst trug er eine braune Kutte als Dienender. Auf einen Ritter kamen ungefähr zehn Dienende. Im Heiligen Land waren stets etwa 3000 bis 6000 Mann stationiert, also ungefähr 350 bis 600 echte Ritter. Diese Wenigen fühlten sich als Elite und entwickelten einen ausgeprägten Standesdünkel. Diese Arroganz war schuld daran, dass sich in der Öffentlichkeit der Stolz und die Bewunderung über die Heldentaten der Templer bald mit gewaltigem Ärger über deren Hochmut mischten.

Viele abenteuerlustige Männer fühlten sich von den militärischen Aktionen der Templer magisch angezogen, schreckten aber davor zurück, das Mönchsgelübde abzulegen. Sie konnten sich als Brüder auf Zeit verpflichten, sie unterwarfen sich für eine vertraglich vereinbarte Zeit den militärischen und religiösen Pflichten. Die Turkopolen hingegen waren Söldner, die nicht am religiösen Leben der Templer teilnahmen. Sie kämpften nach türkischer Art mit Pfeil und Bogen.

Zum betenden Stand zählten nur die Kapläne. Sie waren die Priester des Ordens und griffen niemals zu den Waffen. Sie hielten die Gottesdienste und nahmen die Beichte ab. Sie waren direkt dem Papst unterstellt und wurden von den Großmeistern bestimmt. Der arbeitende Stand hatte nur ein Leben voll Plackerei, wohingegen die beiden anderen Stände größtes Ansehen genossen. Lohnarbeiter, Leibeigene und fronpflichtige Bauern verrichteten die Arbeit, die in den Komtureien anfiel. Ihre rechtliche Stellung hing von den Gebräuchen der jeweiligen Provinz ab. Während die Menschen in den Komtureien der Normandie frei waren, waren es im Languedoc Leibeigene. Die Lohnarbeiter - Bauern, Handwerker, Notare, Knechte standen für die Zeit der Beschäftigung im Sold des Ordens und legten kein Gelübde ab, ebensowenig wie die Leibeigenen. Während der Ernte oder bei baulichen Maßnahmen wurden die Bauern der Umgebung zu Frondiensten in der Komturei herangezogen. Die Templer hielten sich sogar Sklaven: Gefangene Sarazenen verrichteten den Großteil der Arbeiten im Heiligen Land.

Man konnte sich auch dem Orden anschließen, ohne aber einzutreten, sozusagen passives Fördermitglied werden. Dafür gab es zwei Möglichkeiten: Die Donats verschenkten sich selbst samt einem Geldbetrag an den Orden, wurden jedoch nicht automatisch Mitglieder, sondern erwarben das Recht, irgendwann das Gelübde abzulegen. Als Frau konnte man Confrater (Mitbruder) werden, sie wollten aber niemals eintreten, sondern einfach nur eine Art Freundeskreis zur Unterstützung der Templer bilden.

Die Kriterien für die Aufnahme und die Zeremonie

Das grundsätzliche Dilemma des Ordens wurde ja bereits angesprochen: Eigentlich wollte man natürlich neue Mitglieder, die dem außerordentlich hohen moralischen Anspruch der Brüderschaft gerecht wurden, andererseits brauchte man unbedingt neue Templer und konnte deshalb nicht wählerisch sein. Dieses Problem wurde gelöst, indem die Aufnahme relativ einfach gehalten wurde, danach aber eine lange Probezeit für den Rekruten begann, in der er sich tadellos verhalten musste. Erst dann erfolgte die endgültige Aufnahme. Die strenge Disziplin des Ordens sorgte dafür, dass niemand aus der Reihe tanzte; für Verstöße gegen die Ordensregel drohte sogar der Ausschluss.

Der Orden stand allen Rittern von freier Geburt offen, die nicht verlobt, verheiratet, verschuldet oder exkommuniziert (anfangs konnte man auch unter Kirchenbann eintreten, sofern man die Absolution eines Bischofs erhielt) oder Mitglied eines anderen Ordens waren. Ferner mussten sie der Katholischen Kirche angehören und beteuern, keine Ketzer zu sein. Auch die körperliche Tüchtigkeit spielte eine Rolle. Ausdrücklich verboten war die Aufnahme von Kindern, das Mindestalter lag bei 18 Jahren, obwohl man damals in Frankreich schon mit 14 Jahren als volljährig galt. Über die Aufnahme musste stets das Kapitel, die Versammlung der Geistlichen des Ordens, entscheiden.

Im Prozess gegen die Templer spielte das Aufnahmeritual eine wichtige Rolle. Aus der Aussage von Gerhard von Caux (1311) weiß man ungefähr darüber Bescheid.

Nach der Morgenmesse führte man uns, mich und zwei weitere Kandidaten, in eine kleine Kapelle des Ordenshauses. Dort traten zwei Gebetsbrüder auf uns zu und fragten: „ Begehrt ihr die Gemeinschaft des Templerordens und wollt ihr an seinen geistlichen und weltlichen Werken teilnehmen? “ Ich bejahte dies. Einer der Brüder fuhr fort: „ Ihr seht nur den schönen Glanz des Ordens (...), ihr denkt, ihr hättet ein gemütliches Leben bei uns (...), doch es ist ein großer Schritt: Ihr macht euch zum Diener eines anderen (...).Nach den Formalitäten hatten wir eine kurze Bedenkzeit und wurden dann vor den Meister geführt. Wir knieten nieder und sprachen die Formel: „ Herr, wir sind vor Euch und vor die Brüder getreten, die mit Euch sind, um unsere Aufnahme in die Gemeinschaft des Ordens zu erbitten. “ Dann ließder Meister uns auf ein „ gewisses Buch “ schwören: „ Ich gelobe bei Gott und der Heiligen Jungfrau Maria, dass ich dem Meister stets gehorchen werde, dass ich die Keuschheit, die Gebräuche und die guten Sitten des Ordens einhalten werde, dass ich besitzlos leben werde und nur das behalte, was mir mein Oberer gibt, dass ich alles Mögliche tun werde, das zu bewahren, was im Königreich Jerusalem erworben wurde, dass ich mich niemals dort aufhalte, wo man Christen tötet, ausraubt oder um ihr Erbe bringt. Wenn mir Güter des Tempels anvertraut werden, so wache ich gutüber sie. Und ich gelobe, den Orden niemals ohne den Segen meiner Vorgesetzten zu verlassen. “ Damit war die Aufnahme vollzogen. Wir neuen Brüder wurden aufgerichtet und vom Meister und dem Kaplan auf den Mund geküsst. Schließlich schärfte der Meister uns noch die wichtigsten Verhaltensregeln ein.

Bis auf die Formulierung „auf ein gewisses Buch“ erscheint an der Prozedur nichts geheimnisvoll, und es stellt sich die frage, warum solche Spekulationen über dieses Ritual im Umlauf waren [siehe F: Der Untergang]. Nur der Kuss auf den Mund erscheint uns etwas befremdlich, doch er ist der Lehnseidzeremonie entnommen und ist ein Symbol des Friedens. Merkwürdig an der vorliegenden Aussage ist hingegen, dass nur der Meister, jedoch nicht das Kapitel befragt wurde - ein klarer Verstoß gegen die Statuten des Ordens.

Das Leben als Mönch

Da beide Fassungen der Templerregel sowie die ergänzenden Retrais und das Livre d ´ Egards, ein Kommentar zu den Gesetzestexten mit Präzedenzfällen, erhalten sind, lässt sich ein buntes Bild des Alltagslebens zeichnen.

Der Alltag war durch die kanonischen Stunden gegliedert. Er begann mit der Morgenmesse (Matutin), im Sommer um zwei, im Winter um vier Uhr nachts, und endete nach Vesper und Non mit dem Complet. Nach der Morgenmesse sahen die Templer in den Stallungen nach dem Rechten, schliefen dann wieder, bis zur Prim, dem zweiten Gottesdienst, geläutet wurde. In der Regel wird ewig wiederholt, dass die Religion absoluten Vorrang im Leben der Templer haben solle, der religiöse Eifer dürfe aber nicht übertrieben werden, um die Kampfkraft nicht zu schwächen.

An einem normalen Tag kam ein normaler Templer ungefähr auf 80 Vaterunser, je 13 bis 18 pro Gebet, und hinzu kamen noch viele weitere Gebete an die Jungfrau Maria usw. Bei den Mahlzeiten sollte man soviel verlangen, wie zur Erhaltung der Kampfkraft nötig war, und statt Askese ist die Trinkfestigkeit der Brüder im Französischen spric hwörtlich geworden: Trinken wie ein Templer. Der Wein spielte eine wichtige Rolle während der Mahlzeiten. Gegessen wurde gemeinsam, aber nur innerhalb der Stände. Der Kommandeur hatte einen erhöhten Platz an der Tafel und war für Anfang und Ende des Essens zuständig. Nach einem Vaterunser herrschte Schweigen, nur ein Bruder las aus der Bibel vor. Diener brachten Speis und Trank an die Tafel. Dreimal pro Woche gab es Fleisch. Die Tafel durfte nur aus zwei Gründen vorzeitig verlassen werden: Bei einem gegnerischen Angriff und bei Nasenbluten (!) eines Templers, wie es die Regel ausdrücklich vorschreibt. Die Hauptmahlzeit war mittags, und das Essen war entgegen mönchischen Idealen sehr üppig: Es standen stets mindestens drei Gerichte zur Wahl, und es musste ja auch genug für die Bettler übrigbleiben. Die Kleiderordnung war militärisch strikt. Alle Templer sollten gleich angezogen sein und als Einheit auftreten - natürlich nur innerhalb der Ränge. Die Ritter trugen weiße Umhänge, die dienenden Brüder braune oder schwarze. Doch alle trugen darunter das weiße Habit. Die Kleidung durfte weder Hochmut noch Luxus ausdrücken. Jeder Bruder besaß zwei Hemden, zwei Paar Schuhe, zwei Hosen und zwei Mäntel, einen dünnen für den Sommer, einen Schafspelz für den Winter. Jeder modische Schnickschnack war verboten. Auch die militärische wurde von der Regel akribisch vorgeschrieben. In der Schlacht trugen die Templer einen Waffenrock, ein Kettenhemd und einen Ledergürtel. Auch die restliche Ausstattung, von Panzerung über Pferdedecke zur Hängematte, ist genau geregelt, sogar das aussehen de Bettes, es besteht aus Strohsack, Leintuch, Decke und Überdecke, bei der man die Wahl zwischen weiß, schwarz und gestreift hatte.

Da man beim Eintritt in den Orden seinen eigenen Willen aufgegeben hatte, musste man sich der strengen Disziplin des Klosterlebens beugen. Es war praktisch alles verboten, was nicht ausdrücklich erlaubt war.

Diese Disziplin wurde auf zwei Arten aufrechterhalten. In den Niederlassungen ahndete das wöchentlich tagende Kapitel, also die Versammlung aller Brüder, etwaige Vergehen, auf Reisen kontrollierten die Templer sich gegenseitig, da sie nie allein reisen durften. Das Kapitel war ein mächtiges basisdemokratisches Organ und spielte im Leben der Templer eine wichtige Rolle. Die Mitglieder diskutierten in Abwesenheit des Schuldigen über eine Bestrafung, die diesem dann vom Kommandeur mitgeteilt wurde. Die Vorschläge der einzelnen Mitglieder blieben aber streng geheim. Alle im Kapitel behandelten Verfehlungen beziehen sich aber nur auf die Ordensregel, nicht auf die Zehn Gebote. Die Strafen reichten von der leichten Rüge bis zum Ausschluss aus dem Orden. In den Komtureien des Abendlandes reichte es meistens aus, mit der Versetzung ins Heilige Land zu drohen, um sofortigen Gehorsam zu erreichen.

Der Alltag der Ritter

Das Pferd war die wichtigste Waffe des Mittelalters, und nur wenn Ritter, Pferd und Ausrüstung in perfektem Zustand waren und zu einer Einheit verschmolzen, konnte ein Kampf erfolgreich beendet werden.

So war es nur logisch, dass es morgens (nach der Matutin) die erste Aufgabe eines Templers war, nach seinen Pferden zu sehen. Eine beliebte und harte Strafe unter den Templern war es daher, einige Tage lang seine Ausrüstung (Sattel, Waffen, Zaumzeug, Pferde etc.) nicht pflegen zu dürfen.

Ab 1080 setzte sich in Europa eine Angriffstechnik durch: die Attacke mit der Lanze, die das Ziel hatte, den Gegner zu Boden zu werfen, wo er in seiner schweren Rüstung leichtes Opfer der wendigen Fußsoldaten wurde. Doch dazu musste man sein Handwerk beherrschen - also üben, üben, üben. Für normale Ritter bestand die Möglichkeiten sich in Turnieren und auf der Jagd unter Wettkampfbedingungen zu beweisen und weiterzuentwickeln, doch die Ordensregel verbot das den Templern. Sie schafften Abhilfe, indem sie ständig von einer Niederlassung im Heiligen Land zur nächsten zogen. Während dieser Patrouillen stießen sie häufig auf Räuber oder Tiere. So wurden zwei Fliegen mit einer Klatsche geschlagen: Die Templer blieben fit für den Ernstfall und die Sicherheit der Pilgerwege wurde gewährleistet.

Leider wollten die Ordensritter - in der Gewissheit, mit der Lanzenattacke siegreich zu sein - nicht nur effektiv sein, sondern ihre Kämpfe mit Stil und Würde gewinnen, getreu dem Grundsatz au plus beau (so elegant wie möglich). Hier spielte wieder der Hochmut mit hinein, die Templer sahen zum Teil die Schlacht nicht als Herausforderung oder Kampf, sondern als eine Kür, mit der andere beeindruckt werden sollten. Doch trotzdem hielt man sich an die vom Kommandanten festgelegte Schlachtordnung, denn Disziplin war alles. So wurden auch die Truppenbewegungen in strengen Kolonnen vollzogen.

Neben den Johannitern waren die Templer das einzige christliche Heer, das das volle Potential des Lanzenangriffs ausnutzten. Ferner schafften sie es, dass Bogenschützen, Fußvolk und Reiter auf dem Schlachtfeld eine Einheit bildeten.

Die Würde nträger des Ordens

Die Gesellschaft innerhalb des Ordens ist ein Abbild der Feudalgesellschaft. Überall kann man eine strenge Hierarchie der verschiedenen Ränge erkennen, trotzdem übt niemand eine totale Macht aus. An der Spitze steht natürlich der Meister, häufig auch Großmeister genannt. Dieser Titel wurde vom Templerorden erfunden, andere Ritter- und Bettelorden übernahmen diese Bezeichnung. Der Meister wird auf Lebenszeit gewählt und kann nicht abgesetzt werden, der Orden hängt also auf Gedeih und Verderb vom Meister ab. Dieser soll einen gesunden Mittelweg zwischen Milde und Härte finden. Er hat das Recht, jeglichen Satz der Templerregel auszulegen, wie es ihm gefällt, und die Brüder sind ihm zu absolutem Gehorsam verpflichtet. Nun anzunehmen, dass der Meister diktatorische Macht hatte, ist jedoch falsch, denn die Retrais, die Ergänzungen zur Templerregel, legen die Mitbestimmungsrechte der Brüder genau fest. Bei wichtigeren Fragen musste der Meister den Rat von Prudhommes (weisen Männern) einholen, und an Entscheidungen, die den ganzen Orden betrafen (z.B. Belagerung einer Burg, Beginn eines Krieges, Besetzung von wichtigen Posten, Waffenstillstand, Verschenken von Land), wirkte die ganze Kapitelversammlung mit. Auch für das Verleihen von Geld musste der Meister die Prudhommes fragen, bei größeren Summen auch eine größere Anzahl von Brüdern. Unklar bleibt jedoch, ob die Kapitel nur beraten oder aber auch entscheiden konnten und wer die Prudhommes wählte. Diese Widersprüche innerhalb der Ordensregel („Alle Brüder sind dem Meister zu Gehorsam verpflichtet, ebenso wie der Meister allen Brüdern zu Gehorsam verpflichtet ist“) wurde wohl ausgelöst durch das Aufeinandertreffen einer strengen militärischen Hierarchie und den demokratischen Elementen des Feudalsystems. In der Praxis hing die Machtverteilung stark von der Persönlichkeit des Meisters ab, der sich seinen Kompetenzbereich selbst gestalten konnte.

Nur auf einem Gebiet ließ man dem Meister keine freie Hand: beim Geld. Alle Spenden mussten ihm zwar vorgelegt, wanderten jedoch gleich weiter an den Komtur des Königreichs Jerusalem, der zugleich als Schatzmeister des Ordens fungierte. Der Meister konnte zwar Zahlungen verfügen, doch hatte der Komtur ein Vetorecht. Der Meister durfte aber im Tresor des Ordens in Jerusalem ein Schließfach haben. Eigentlich hatte der Meister ja das Armutsgelübde abgelegt und dürfte keinen Privatbesitz haben, doch legten die Oberen des Orden wohl stets ein paar Groschen zur Seite.

Das Gefolge des Meisters bestand aus vier Pferden, zwei Rittern (seine Leibwache, die auf Reisen auch als Prudhommes arbeiteten), einem Turkopolen, einem Fußsoldaten, einem Pagen, der Schwert und Lanze trug, einem Kaplan, zwei Dienern, einem Schmied und einem Sekretär. Zu seiner Entlastung ernennt der Meister mit Zustimmung des Kapitels die Würdenträger des Ordens. Der Stellvertreter des Meisters ist der Seneschall, der während seiner Abwesenheit die Amtsgeschäfte übernimmt, in der Praxis hat der Marschall jedoch ein wesentlich wichtigeres Amt inne. Ihm sind alle militärischen Aufgaben übertragen, sowohl für die Pflege der vorhandenen als auch für den Einkauf neuer Waffen ist er verantwortlich. Zu Kriegszeiten befiehlt er über alle Temple rtruppen.

Sollte der Meister sterben, übernimmt auch der Marschall sein Amt, nicht der eigentliche Stellvertreter, der Seneschall. Der Marschall organisiert das Begräbnis und benachrichtigt alle Oberen des Ordens, die dann ins Heilige Land reisen, erst einen Großkomtur wählen, der die Amtsgeschäfte des Meisters übernimmt, dann einen Wahlkomtur bestimmen, der den Vorsitz im Wahlgremium für den neuen Meister hat. Darin sitzen noch zehn weitere Ritter und ein Kaplan, sie bestimmen den neuen Meister völlig frei, ohne Einfluss des Papstes. Meistens wurden Leute aus dem Orient gewählt, da eh nur Würdenträger aus dem Heiligen Land zur Wahl anreisten, die am liebsten einen der ihren wählten.

Der Komtur des Königreichs Jerusalem verwaltet, wie schon erwähnt, die Tresore des Ordens, er allein ist verantwortlich für die Verwendung der Gelder. Seine Aufgabe ist es auch, die Verbindung der abendländischen Besitzungen zu den Templern im Heiligen Land aufrechtzuerhalten. Außerdem entscheidet er, welcher Templer zu welcher Festung reisen muss. Er ist der Vorgesetzte des Drapier, der den Nachschub von Kleidung und Material regelt. Nicht verwechseln darf man den Komtur des Königreichs Jerusalem mit dem Komtur der Stadt Jerusalem, der für den Schutz der Pilger im Heiligen Land verantwortlich war und einen wesentlich niedrigeren Rang in der Hierarchie innehatte, woran man den geringen Stellenwert sieht, den die Templer dieser Aufgabe einräumten.

Bei den anderen Ämtern herrscht Unklarheit über die Bezeichnungen. Schon der Chef einer Komturei nennt sich Meister (bzw. Komtur oder Kommandeur), auch der Verantwortliche einer Präzeptorie oder einer Provinz nennt sich so. Der Meister einer Komturei hat ungefähr genauso viel Macht wie ein Abt eines Benediktinerklosters. Er untersteht dem Meister der Präzeptorie, der wiederum Befehle vom Leiter der Ordensprovinz erhält.

Der Orden teilte sein Wirkungsgebiet in sechs Provinzen: Frankreich und England, Tripolis und Antiochia, Poitou, Apulien und Ungarn, Aragon und Portugal. Später wurden diese noch weiter geteilt. Die spätere Ordensprovinz Frankreich bestand wiederum aus den Präzeptorien Normandie, Île de France, Picardie, Lothringen-Champagne und Burgund. Möglichst sollten einheitliche Sprachräume in Provinzen geteilt wurden, da die Templer kein Latein beherrschten; dies erleichterte die Verwaltung enorm.

Noch eine Anmerkung zu den Kapiteln: In den Komtureien trat diese Versammlung einmal die Woche zusammen, in den Provinzen nur einmal jährlich. Außerdem gab es das Generalkapitel, zu dem alle Würdenträger des Ordens zusammengerufen wurden, aber faktisch nur die aus dem Orient teilnahmen, weil für die Oberen des Okzidents die Reise ins Heilige Land viel zu weit gewesen wäre.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es eine organisatorische Glanzleistung war, in den Gebieten von Palästina bis Portugal eine effiziente Verwaltung aufzubauen, allen räumlichen und sprachlichen Barrieren zum Trotz.

D) Ein Heer im Feld - Aufstieg und Blüte als Militia Christi im Heiligen Land

Die ersten militärischen Einsätze

Die erste Militäraktion, an der der Orden beteiligt war, war die Belagerung von Damaskus im Jahre 1129. Hugo von Payns führte einen Trupp an, der jedoch hauptsächlich aus normalen Soldaten bestand. Die Templer waren einfach noch zu wenige, um eigene Truppen zu stellen. Doch die Truppe zeigte jenen unbändigen Einsatz, der später auch die Templer auszeichnete. Er wurde ihnen jedoch zum Verhängnis, da in dieser Schlacht die meisten starben.

Seine erste wichtige Festung im Heiligen Land bekam der Orden kurz darauf geschenkt: die Burg Baghras. Sie lag aber an der Grenze zum byzantinischen Armenien, so dass die Templer nicht gegen die Moslems kämpften, sondern die Grenzen gegen einen christlichen Nachbarn bewachten. Vor allem in den nördlichen Fürstentümern verschenkten die christlichen Herren ihre Burgen bevorzugt an den Templerorden. Einerseits könnten die Fürsten erkannt haben, dass nur die Templer militärisch stark genug waren, um diese Festungen zu halten, andererseits könnten sie die Schenkungen auch als einfachen Weg gesehen haben, sich der kostspieligen und mühsamen Verteidigung der Grenzen zu entziehen.

Im Jahre 1138 begannen die Templer gegen türkische Räuber zu ziehen, die die Pilgerwege zwischen Jaffa und Hebron praktisch unpassierbar machten. Außerdem wurde unter der Führung des neuen Großmeisters Robert von Craon - Hugo von Payns war 1136 verstorben - die von den Sarazenen überfallene Stadt Tekua zurückerobert. Die fliehenden Türken wurden jedoch nicht verfolgt, sammelten sich und gingen zum erneuten Gegenangriff über. Sie siegten und richteten dabei ein wahres Blutbad an, Templerleichen wurden angeblich um ganz Tekua herum verstreut. Bis zum Beginn des zweiten Kreuzzugs (1147) kümmerten sich die Templer jedoch vorrangig um den Pilgerschutz. Sie beherbergten Pilger und sicherten die Wege, indem sie gegen Räuber und wilde Tiere (Löwen) kämpften. In Jerusalem standen stets etwa 100 Bewaffnete bereit, um Christen zu helfen oder sie zu eskortieren.

In erster Linie brauchte der Orden jedoch diese Anfangsjahre um sich im Heiligen Land zu etablieren und die Residenz in Jerusalem seinen Wünschen anzupassen. Die ehemalige El-Aqsa-Moschee wurde umgebaut, und die darunter liegenden riesigen Gewölbe dienten als Stallungen für die 2000 Pferde der Templer.

Die Jahre vor dem zweiten Kreuzzug

Die ersten Einsätze der Templer fielen in eine Zeit relativen Friedens zwischen Christen und Sarazenen, die nur gelegentlich durch Raubüberfälle gestört wurden. 1099 war Jerusalem erobert worden, 1124 Tyrus, so dass nun alle Küstenstädte im Heiligen Land in christlicher Hand waren, ausgenommen Askalon. Auch der Zugang zur Wüste im Hinterland wurde kontrolliert, und die wichtigsten muslimischen Städte Aleppo, Hama und Damaskus wurden in Schach gehalten. Als die Templer nun zu kämpfen begannen, hatte der Kreuzfahrerstaat gerade die größte Ausdehnung seiner Geschichte, doch die Lage war nicht so rosig, wie es oberflächlich scheint.

Die Entwicklung nach der Eroberung Jerusalems wurde stark begünstigt durch die Zerrissenheit der Moslems, da sich die Fatimiden und die Seldschuken bekriegten, während die Christenheit sich einig war und König Balduin I. und seine Nachfolger (Balduin II. und Fulko) die privaten Interessen der einzelnen Fürsten so bändigten, dass die eigentlich autonomen Grafschaften auch gemeinsam handelten. 1099 waren jedoch nur 300 Ritter und 2000 Fußsoldaten in Jerusalem zurückgeblieben, ein Gegenangriff der Moslems wäre also wohl erfolgreich gewesen. 1143 starb dann König Fulko von Jerusalem bei einem Jagdunfall, ebenso wie der Kaiser von Byzanz. Die beiden wichtigsten Männer des christlichen Orients waren tot.

Zengi, der Gouverneur von Aleppo und Mossul, nutzte dieses Machtvakuum, denn die christlichen Fürsten begannen untereinander zu streiten. Zengi hatte zuvor den Norden Syriens in seiner Hand vereint und hatte weiter nach Süden gestrebt, war jedoch gescheitert, weil Fulko eine clevere Bündnispolitik betrieben hatte und dem bedrohten Damaskus zu Hilfe gekommen war. Nun kam Zengi eher zufällig auf dem Rückweg von einem Feldzug an der Festung Edessa vorbei und konnte diese einnehmen, weil dem bedrohten Grafen Joscelin II. keine Nachbarn zu Hilfe kamen. Danach eroberte Zengi mühelos die gesamte Grafschaft, die bis zum oberen Euphrat reichte.

Nur aufgrund interner Grabenkämpfe verhinderte keiner der christlichen Fürsten den ersten Gebietsverlust des Kreuzfahrerstaates, der einen Wendepunkt im Kampf im Heiligen Land darstellte. Die muslimischen Staaten einigten sich langsam gegen die Christen, denen zunehmend die Initiative entglitt.

Die Templer profitierten jedoch enorm vom Fall Edessas. Die adeligen Grundbesitzer im Heiligen Land verkauften panikartig ihre Ländereien an die Templer - natürlich entsprechend günstig. Im Abendland meldeten sich die Beitrittswilligen in Scharen und die Schenkungen flossen wie nie zuvor.

Die Nachricht vom Verlust Edessas alarmierte den Okzident, der darin zu Recht nur den Auftakt zu einem muslimischen Generalangriff auf die christlichen Gebiete sah. Papst Eugen III. verschickte daher 1145 mehrere Kreuzzugsbullen, u. a. rief er den französischen König Ludwig VII. auf, sich unverzüglich ins Heilige Land zu begeben. Die Resonanz hielt sich jedoch stark in Grenzen. Erst Bernhard von Clairvaux führte einen Meinungsumschwung herbei. In seiner Predigt auf dem Hoftag von Vézélay riss er den gesamten französischen Adel mit, an diesem Tag Ostern 1146 wurde die Idee zum zweiten Kreuzzug geboren. Auf einer Predigttournee durch Frankreich und Deutschland entfachte er eine grenzenlose Kreuzzugseuphorie beim Adel und beim niederen Volk. Der deutsche König Ludwig III. nahm widerstrebend und nach innenpolitischen Querelen das Kreuz. So wurde der zweite Kreuzzug zu einer europäischen Angelegenheit, nicht mehr eine vorwiegend französische Operation wie der erste. Auch die iberische Halbinsel hatte nun Anteil an der Kreuzzugsbewegung, da der Papst die Reconquista ebenfalls zu einem Kreuzzug erklärt hatte.

Schon beim ersten Kreuzzug hatte die Kirche jedem Teilnehmer einen vollständigen Ablass, die Vergebung aller angesammelten Sünden, versprochen, diesmal wurde das Angebot erweitert: Wer nicht selbst aufbrach, konnte ersatzweise auch die Reise einer anderen Person finanzieren oder einer Gemeinschaft spenden, die sich dem Kampf gegen die Heiden widmete. Die Templer waren (genauso wie die Johanniter) der Inbegriff einer solchen Gemeinschaft; das Geschäft mit den Spenden blühte.

So bereiteten sich die Templer in Frankreich darauf vor, ein Kontingent ins Heilige Land zu schicken. Im April 1147 kamen 130 Ritter zusammen, um den Kreuzzug zu planen. Anwesend war auch der Papst, der den Templern bei dieser Gelegenheit ein weiteres Privileg einräumte: Sie durften das sogenannte Tatzenkreuz (ein rotes Kreuz mit vier gleich langen Balken, die Mitte ist kompakt, die Balken außen gerade, es war nur für die Templer vorgesehen) ständig tragen, als Zeichen, dass sie sich im ständigen Kreuzzug gegen die Heiden befanden. Manche Historiker bezeichnen sie sogar als „Treuhänder der Kreuzzugsidee“. Die Templer trugen dieses Symbol voller Stolz auf Brust, Rücken, Schild.

Der zweite Kreuzzug (1147-1149)

Der zweite Kreuzzug wurde zum Desaster; er war von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Die deutschen und französischen Truppen wählten wieder den Landweg über Konstantinopel und verloren in den Bergen Kleinasiens einen Großteil der aufgebrochenen 240 000 Mann. Die gesamte Küstenlinie des Heiligen Landes war zu diesem Zeitpunkt in christlicher Hand, so dass eine Landung per Schiff ungefährlich gewesen wäre, doch waren die Kosten für einen Transport ab Genua oder Venedig einfach zu hoch.

Während sich viele der Zivilisten und Ritter undiszipliniert verhielten, die Nahrung aufgebraucht war und der Zug von den Türken bedrängt wurde, behielten die Templer kühlen Kopf und organisierten die Verteidigung. Der französische König war beeindruckt und übertrug ihnen das Oberkommando über das gesamte Heer. Die Templer schützten nun das Heer bis zu der Ankunft in Antalya; die Ritter und Zivilisten hatten sich ihnen unterworfen, weil sie die tiefe Religiosität und der Einsatzwille der Templer beeindruckte.

Die verbliebenen Teile des Heeres sammelten sich in Antiochia, auch der deutsche König ließ sich dorthin einschiffen, wohingegen seine komplette Truppe bei der Schlacht von Doryläon aufgerieben worden war. Man plante einen Angriff auf Aleppo, das vom Sohn Zengis, Nuredin regiert wurde, doch der frz. König Ludwig VII. beging einen schweren taktischen Fehler: Er begab sich zum Beten nach Jerusalem und wollte danach nicht mehr die „unbedeutende“ Grafschaft Edessa angreifen, sondern lieber Damaskus. Konrad III. war gleicher Ansicht, so dass die Truppen ausgerechnet den einzigen muslimischen Verbündeten der Christen angriffen. Nuredin war hocherfreut darüber und kam dem belagerten Damaskus zu Hilfe, was gar nicht nötig gewesen wäre, denn das christliche Heer war inzwischen so zerstritten, dass die Belagerung abgebrochen werden musste.

Nach diesem Scheitern auf der ganzen Linie begann im Abendland die Suche nach einem Sündenbock. Das deutsche Reich suchte die Schuld beim Templerorden, der angeblich mit den Moslems paktiert und den Angriff auf Damaskus sabotiert hätte. Dies entspricht aber nicht den Tatsachen, da allein die Könige von Deutschland, Frankreich und Jerusalem die törichte Entscheidung getroffen hatten, Damaskus zu attackieren. Die beiden wichtigsten Ritterorden, die Johanniter und die Templer, waren von Anfang an gegen diesen Feldzug, doch sie fügten sich der Meinung der Monarchen, anstatt ihren Protest zu verstärken.

Im restlichen Europa profitierte der Orden allerdings vom gescheiterten Kreuzzug, obwohl ihr wichtigster Fürsprecher Bernhard von Clairvaux einen enormen Imageverlust verkraften musste. Das Ansehen der Templer stieg, weil sie als einzige Mut und Disziplin gezeigt hatten. Die Freude darüber blieb getrübt, denn die militärische Lage im Orient war schlecht und ein familieninterner Streit zwischen Balduin III., König von Jerusalem, und seiner Mutter Melisende drohte, die Christen in zwei Lager zu spalten.

Angriff auf Askalon

1153 startete Balduin III. die Belagerung Askalons, er brauchte einen militärischen Erfolg, um endlich aus dem Schatten seiner Mutter zu treten. Die Templer waren ganz vorne dabei, vierzig von ihnen brachen durch die Stadtmauer, doch die Lücke konnte nicht offengehalten werden, und sie waren auf sich allein gestellt. Gegen die muslimische Übermacht waren sie chancenlos, alle Templer kamen um - darunter auch der Großmeister Bernhard von Trémelay - und wurden über die Stadtmauer gehängt. Sechs Tage später eroberten die Christen die Stadt doch noch. Viele Historiker sahen in dem Alleingang der Templer den Versuch, die Stadt allein zu plündern; sie hätten aus Egoismus und Habgier den möglichen Sieg gefährdet. Diese Version ist höchst unglaubwürdig, ein schlechtes Beispiel für einen an sich völlig berechtigten Vorwurf. Besonders im Abendland übten die Templer sanften Druck, manchmal auch rohe Gewalt, aus, um Schenkungen, Erbschaften oder Verkäufe zugunsten des Ordens zu erwirken. Sie waren nicht zimperlich, ihr Reichtum diente ja schließlich einem heiligen Zweck, der Finanzierung des Kampfes gegen die Moslems. Der Templerorden finanzierte seine hohen Kriegsausgaben aus den immensen Reichtümern, er war damit völlig unabhängig von weltlichen Fürsten und Königen, was diesen gar nicht so behagte. Auch der Nachschub an Rekruten klappte gut, obwohl die Jahre nach dem zweiten Kreuzzug zu den verlustreichsten gehörten, viele starben in Schlachten oder gerieten in Gefangenschaft, was nicht besser war, da die Templer kein Lösegeld zahlten und ihre Ritter in muslimischen Festungen verhungern ließen. Die Neuankömmlinge in den Komtureien waren noch nicht akklimatisiert und waren oft zu fanatisch im Kampf.

Der wachsende Einfluss des Ordens

Die etwa 150 000 Christen im Heiligen Land waren nach dem verlorenen Kreuzzug erst einmal auf sich allein gestellt, und die beiden einzigen kampfbereiten Truppen in Palästina waren die Johanniter und die Templer. Sie bildeten das militärische Rückgrat des Kreuzfahrerstaates und die Würdenträger des Landes berieten alle wichtigen Entscheidungen mit ihnen. Bis zu seinem Tode 1163 hielt der geschickte König Balduin III., der die Auseinandersetzung mit seiner Mutter gewonnen hatte, die zerbrechliche Machtbalance zwischen Byzanz, dem muslimischen Syrien und dem Kreuzfahrerstaat.

Sein Bruder folgte ihm dann auf den Thron, und Amalrich zerstörte schnell das zerbrechliche Gleichgewicht, das Stabilität und Frieden garantiert hatte. Er entschied sich dazu, Ägypten anzugreifen, das gerade aufgrund eines innenpolitischen Streites um das Amt des Großwesirs geschwächt war. Dumm ist diese Entscheidung gewesen, weil mit Nuredin im Norden und Osten ein mächtiger Feind stand und man sich besser darauf konzentriert hätte, die Grenzen gegen ihn zu sichern, anstatt im eigentlich sicheren Süden eine neue Front zu eröffnen.

Die Ägypter riefen Nuredin zu Hilfe, fühlten sich jedoch bald von den syrischen Truppen im Lande bedroht und riefen die Christen um Beistand an. Diese wurden nun in den innenpolitischen Streit mit hineingezogen, weil sie den Moslems Ägypten nicht kampflos überlassen wollten. Beide Seiten einigten sich auf einen Waffenstillstand. Der ägyptische Großwesir verpflichtete sich zu Tributzahlungen an die Kreuzfahrer, die Truppen im Land behielten. Ägypten war quasi fränkisches Protektorat geworden. Die Johanniter und König Amalric h wollten sich damit aber nicht zufrieden geben und griffen, gegen den heftigen Widerstand der Templer, Ägypten an, unter dem Vorwand, der Wesir würde nicht zahlen. Der Feldzug scheiterte auf der ganzen Linie, die Christen wurden aus Ägypten vertrieben, die Syrer eroberten Kairo. Nach Nuredins Tod konnte dessen Neffe Saladin die gesamte islamische Welt gegen die Christen vereinigen; das Königreich Jerusalem war umringt von einem starken muslimischen Reich.

Die Templer bauten ihre Position im Norden aus und verfügten dort über riesige Ländereien, die sie souverän regierten. Dies war Amalrich ein Dorn im Auge, er sah seine Stellung durch den inzwischen sehr starken Orden gefährdet. Deshalb zwang er die Templer in einen offenen Konflikt und ließ 1165 zwölf Templer hängen und stürmte 1173 das Templerhaus in Sidon. Auch wenn diese Aktionen völlig rechtswidrig waren, verzichteten die Templer auf Gegenschläge. Amalrich wollte den Templern zeigen, dass sie nicht nur dem Papst unterstanden, sondern auch dem König von Jerusalem. Diese konnten durchaus mal wieder eine Lektion in Demut vertragen, denn der Ruhm war ihnen doch zu Kopf gestiegen, die Chronisten bezeichnen sie fast einhellig als stolz, arrogant und hochmütig. Der Großmeister Odo von Saint-Armand galt als großer Prahlhans.

Die Templer auf dem Höhepunkt ihrer Macht und die erste Krise Den größten Einfluss seiner Geschichte erreichte der Templerorden unter dem Großmeister Gerhard von Ridefort (1185-1191). Dieser hatte durch eine geschickte Intrige seinem Wunschkandidaten zum Thron von Jerusalem verholfen; Guido von Lusignan dankte es nach Kräften. Eigentlich bestimmte Gerhard die politische und militärische Entwicklung im Heiligen Land, doch war ein tollkühner, beinahe wahnsinniger Kämpfer und nutzte seine Macht nur dazu, Unheil über das Land zu bringen.

Gerhard war 1170 als fahrender Ritter nach Palästina gekommen, wurde Marschall von Jerusalem, erkrankte dann jedoch schwer und kurierte dieses Leiden in einem Templerhaus aus. Manche Historiker vermuten, dass er an der damals noch nicht heilbaren Syphilis erkrankte, die im Endstadium zum Wahnsinn führt. Zu Beginn seiner Amtszeit herrschte Frieden im Heiligen Land, bis die Christen eine Karawane von Moslems überfielen. Saladin sann auf Rache und rief die gesamte islamische Welt zum Heiligen Krieg gegen die Christen auf. Dieser Aufruf fand breite Resonanz, die muslimischen Staaten sammelten das größte Heer ihrer Geschichte und belagerten die Stadt Tiberias.

Die Christen reagierten und schickten schnell eine beachtliche Anzahl an Männern, die in der wasserreichen Ebene von Saffuriya abwarteten und darauf hofften, dass die Moslime bald Auflösungserscheinungen zeigten. Diese Idee von Fürst Raimund von Tripolis schien weise, doch Gerhard von Ridefort, der Raimund aus persönlichen Gründen abgrundtief hasste, überzeugte den unerfahrenen König Guido von Lusignan, Raimunds Rat auszuschlagen und sofort nach Tiberias zu ziehen. Das war eine reichlich dumme

Entscheidung; die Truppen waren geschwächt -durch Wassermangel und die Hitze der Wüste, es war den Moslems ein leichtes, alle 30000 Christen zu töten oder gefangenzunehmen (alle 230 Templer wurden sofort hingerichtet - nur Gerhard von Ridefort wurde verschont). Das nun schutzlose Königreich Jerusalem wurde von den Moslems mühelos erobert.

Der Großmeister der Templer war in Gefangenschaft geraten, doch sein Befehl galt weiter. Aus Feigheit oder Egoismus ging Gerhard einen Handel mit Saladin ein. Die Templer gaben einige Burgen widerstandslos auf, dafür wurde ihr Großmeister freigelassen. Die Brüder in den Burgen hatten keine andere Wahl, als sich dem Befehl zur Räumung zu fügen.

Als König Guido und Gerhard 1187 freikamen, spaltete das die Christenheit erneut, denn nun waren ihre erwiesenermaßen unfähigen Führer wieder da, und die Suche nach einem Sündenbock für den Verlust des Kreuzfahrerstaates konnte beginnen. Der Templerorden verschwand erst einmal völlig in der Versenkung. Der Großteil der Ritter war tot, Jerusalem verloren, und die wenigen Überlebenden verschanzten sich in den noch gebliebenen Burgen. Außerdem hatten sie ihren Stolz verloren: Sie hatten erstmals Lösegeld bezahlt und Burgen kampflos überlassen. Gerhard von Ridefort starb dann 1190 bei einem selbstmörderischen Angriff auf Akkon, der Templerorden war vom bösen Geist befreit und begann einen Neuanfang.

Der dritte Kreuzzug und die Folgejahre

Vom Kreuzfahrerstaat waren nur die Städte Antiochia, Tripolis und Tyrus übriggeblieben, dazu die lächerliche Anzahl von vier Burgen. Im Jahre 1191 eroberten die Christen jedoch Akkon zurück und fanden dort eine neue Hauptstadt. Auch die Tempelritter legten ihr Hauptquartier dorthin und wagten einen Neuanfang, zuerst musste ein neuer Großmeister gefunden wurden.

Saladin machte einen taktischen Fehler: Er machte dem am Boden liegenden Christenreich nicht den endgültigen Garaus. Zur selben Zeit entfachte die Nachricht vom Verlust Jerusalems eine erneute riesige Kreuzzugseuphorie im Abendland; es meldeten sich wieder viele Freiwillige in den Komtureien, und auch die Spenden flossen wieder gut. Der Kampf konnte erneut beginnen.

Im Gegensatz zum deutschen Heer, das unter Friedrich Barbarossa wieder den Landweg wählte und in Kleinasien nicht nur den Kaiser, sondern auch 40 000 Mann ließ, war der dritte Kreuzzug eine von den französischen und englischen Truppen minutiös geplante militärische Aktion. Sie reisten per Schiff und brachten schweres Gerät mit, so dass nicht nur Akkon erobert werden konnte, sondern auch die Möglichkeit bestand, Jerusalem zurückzugewinnen. Hier bewiesen die Ritterorden der Templer und der Johanniter, die sich ausnahmsweise mal einig waren, ihr taktisches Geschick: Obwohl auch sie nur zu gerne die Stadt erobern wollten, rieten sie den Fürsten davon ab, da die Christen nach dem Kreuzzug zu schwach gewesen wären, Jerusalem zu halten. Am Ende des erfolgreichen Kreuzzugs hielten die Christen einen Küstenstreifen von knapp 150 Kilometern Länge, zwischen Akkon und Jaffa.

Heinrich von der Champagne folgte Guido auf den Thron. Da er die Zügel schleifen ließ, waren die Ritterorden gefordert. Die Templer hatten sich gut erholt, doch konnten sie auch nicht viel ausrichten: Die Christen hatten einfach die Initiative verloren, die endgültige Niederlage war absehbar. Doch dann starb Saladin, und sein Reich zerbrach an den internen Konflikten der Erben. Hungersnöte und Erdbeben taten ihr übriges; die Christen wurden in Ruhe gelassen. Der Templerorden nutzte diese Kampfpause, um die Festungen auszubauen. Ihre neue Taktik war, sich einzuigeln, abzuwarten und günstige Verträge mit den Moslems auszuhandeln.

Beinahe wären die Templer am Rande des dritten Kreuzzugs sogar zu einem eigenen Staat gekommen. Der englische König Richard Löwenherz hatte Zypern erobert und diese Insel an die Templer verkauft. Die dort eingerichtete Garnison von 100 Mann erwies sich jedoch als zu schwach, um die rebellischen Einheimischen in Schach zu halten, so dass sich der Großmeister Robert von Sablé in einer Zwickmühle befand. Es hätte den Orden überfordert, gleichzeitig Zypern zu sichern und den Kampf im Heiligen Land fortzuführen. Schweren Herzens gaben die Templer die Insel an Guido von Lusignan ab, der seinen Thron räumte und zum Ausgleich Zypern erhielt. Zum zweiten Mal hatten die Templer hier die Chance, einen eigenen Staat zu gründen (nach dem verlorenen Erbe von Aragon), und es sollte die letzte gewesen sein. Die anderen Ritterorden hatten hier mehr Glück, sowohl Deutschritter (in Preußen und Livland) als auch Johanniter (auf Rhodos) sicherten sich ihre eigenen Staatsgebiete. Doch hier zeigte sich, dass die Templer doch nicht so stolz, maßlos und reich war, wie Chronisten behaupten. Sonst hätten sie den Kreuzzug um Akkon erst einmal vernachlässigt und auf Zypern ein neues Machtzentrum aufgebaut. Mit dem Verzicht auf Zypern zeigten die Templer, dass ihnen ihre Mission in Palästina wichtiger war als alles andere.

Die Templer schlossen nun aufgrund ihrer schwachen Position zunehmend Friedensverträge mit den Moslems ein, was dem Papst Innozenz III. (1198-1216) sehr missfiel. Er gewährte seiner „geliebten Miliz vom Tempel“ (nach Demurger) alle Privilegien und entfachte eine riesige Kreuzzugsbegeisterung, doch erklärte er nicht nur die Reconquista, sondern auch den Kampf gegen die Katharer zum Heiligen Krieg, so dass die Kräfte der Christenheit gespalten wurden, anstatt sich, wie es sich die Templer gewünscht hatten, im Heiligen Land zu konzentrieren.

Die undifferenzierten Kreuzzugsaufrufe richteten einen immensen Schaden an. Der Kinderkreuzzug von 1212 endete für viele französische Jugendliche in der nordafrikanischen Sklaverei, und beim vierten Kreuzzug, dessen Ziel eigentlich Ägypten lautete, lenkte Venedig, das die Schiffe für das Heer stellte, die Kreuzfahrer erst zum Angriff der christlichen Stadt Zara, dann sogar auf das ebenfalls christliche Byzanz, das völlig verwüstet wurde. Danach wurde der Kreuzzug als erfolgreich abgeschlossen erklärt.

Die Kreuzzugsidee hatte schwer gelitten, trotzdem schien der Kreuzzug von Damiette, der professionell geplant war, ein Erfolg zu werden. Doch fehlendes Verhandlungsgeschick und die schlechte Führung des Kardinallegaten verhinderten einen möglichen Erfolg. Als einzige Erinnerung an den Kreuzzug blieb des Templern die Pilgerburg. Auf drei Seiten schützte sie das Meer und auf der vierten eine mächtige Mauer. Praktisch uneinnehmbar, stand diese Festung symbolisch für die geistige Haltung der Templer im 13. Jahrhundert: Sie befanden sich in der Defensive, die Initiative lag bei den Moslems, aber sie wollten sich so teuer wie möglich verkaufen. Die Christen konnten sich nur einmauern und abwarten. Diese Untätigkeit lag den Rittern jedoch überhaupt nicht. Sie fingen an, sich zu langweilen und beschäftigten sich zunehmend damit, Streitigkeiten mit anderen Christen vom Zaun zu brechen und Intrigen zu spinnen.

Am fünften Kreuzzug durften Templer und Johanniter nicht teilnehmen, weil ihnen der Papst Gregor IX. das verboten hatte, weil er mit dem Feldherrn, dem deutschen Kaiser Friedrich II. zerstritten war. Dennoch gelang diesem die Rückeroberung Jerusalems - und das sogar beinahe unblutig. Nur das Stammhaus der Templer blieb im muslimischen Besitz, weil sich an diesem Platz die heilige El-Aqsa-Moschee befindet. Seitdem 1143 der Koran ins Lateinische übersetzt wurde, breitete sich allmählich unverfälschtes Wissen über den Islam aus. Die Moslime standen den Kreuzrittern in der abendländischen Literatur inzwischen moralisch völlig gleichwertig gegenüber. Nur die Templer kannten nur die Konfrontation, nicht jedoch die Kooperation. Das war das traurige Erbe ihres geistigen Gründungsvaters Bernhard von Clairvaux. In einer sich ändernden Welt hatte der Orden in den nunmehr 100 Jahren seiner Existenz nichts dazu gelernt. Er befand sich auf dem bestem Wege zum Fossil zu werden. Doch noch war er sehr lebendig. Die geistlichen Ritterorden spielten zu dieser Zeit eine zentrale Rolle im christlichen Orient, doch war ja vom Kreuzfahrerstaat nicht viel übrig geblieben. Die Templer stellten also zusammen mit dem Johannitern die stärkste Kraft in einem völlig ausgebluteten Land dar. Bezeichnenderweise tauchen die Templer Palästinas nach dem 5. Kreuzzug (1229) kaum noch in Chronistenberichten auf. Auch die Burgen gingen ab 1266 nacheinander verloren. Es blieben nur noch die stark bewehrten Städte sowie die Pilgerburg und die Festung von Tortosa übrig. Die Moral der Templer war spätestens nach 1229 am Ende, sowohl in Europa als auch in Palästina. Aus dem Abendland flossen kaum noch Spenden, und der Nachschub an Rekruten aus dem Okzident reichte nicht aus, um die Burgen zu halten.

Nun brachen auch offene Streitigkeiten zwischen Templern und Johannitern aus. Zwischen 1201 und 1216 tobte eine Feldschlacht zwischen den beiden Orden, die sich jeweils für einen Bewerber um den Fürstenthron von Antiochia einsetzten. Im Jahre 1250 brach in Akkon ein offener Streit aus, der Johanniterorden stand auf seiten der Genueser, die Templer kämpften für die venezianischen Kaufleute in dieser Stadt. Was war nur aus den Idealen der Rittermönche geworden? Anstatt das Heilige Land zu verteidigen, vertrieben sie sich die Zeit damit, andere Christen umzubringen. In diesem Klima gegenseitiger Feindseligkeit blühten die Gerüchte und Verdächtigungen - was den Gegnern der Christen zugute kam: Die Templerburg Safed und der Stolz der Johanniter, die Festung Krak des Chevaliers, fielen durch Verrat.

Die zwielichtige Rolle der Templer bei den verschiedenen Intrigen schädigte ihr Ansehen im Abendland enorm.

1291 fiel die letzte Kreuzfahrerbastion, die Stadt Akkon. Dabei kam ein letztes Mal das Motto der Templer „Die ersten beim Angriff, die letzten beim Rückzug“ zum Tragen. Das Stadtschloß der Templer war das letzte Gebäude, das die Christen hielten. Doch nach dem Fall Akkons gaben sie ihre Burgen kampflos auf. Am 14. August 1291 räumten sie die Pilgerburg; das christliche Palästina existierte nicht mehr.

E. Die Templer im Okzident - Die Heiligkeit weicht den wirtschaftlichen Aktivitäten

Der Templerorden betrieb eine Kolonialpolitik im umgekehrten Sinne: Nicht die Besitzungen in Übersee wurden ausgebeutet, sondern die Komtureien auf dem europäischen Kontinent mussten auf Teufel komm raus Gewinne erwirtschaften, um den Krieg im Heiligen Land zu finanzieren. Dank innovativer Methoden wie dem jährlichen Fruchtwechsel und hervorragender Anpassung an die örtlichen Begebenheiten waren die Komtureien der Templer für damalige Verhältnisse extrem produktiv. Diese Komtureien waren jedoch nicht nur Bauernhöfe, sie dienten auch als Burgen, Festungskirchen, Herbergen für Pilger, Anlaufstellen für Ritter, die ins Heilige Land ziehen wollten und sich deshalb dem Templerorden anschließen wollten, in einigen Fällen fanden auch verfolgte Ketzer (vor allem Katharer) hier Zuflucht. Die Ritter, die den Krieg im Kreuzfahrerstaat überlebt hatten, reisten auch zurück nach Europa, um in den Komtureien ihren Lebensabend zu genießen.

Die von den Templern errichteten Kirchen waren meistens einfach und viereckig gehalten, im Laufe der Zeit entstanden jedoch auch immer mehr Sakralbauten nach dem Vorbild der Grabeskirche in Jerusalem.

Die wichtigsten Templerhäuser befanden sich in Paris, London, La Rochelle und Tomar (heutiges Portugal). Dort befanden sich die größten Tresore der Templer, in denen die von den Komtureien erwirtschafteten Überschüsse aufbewahrt wurden, bis sie in den Orient verschifft wurden.

Diese sogenannten Templerbezirke (besonders der in Paris, der das inoffizielle Hauptquartier des Ordens darstellte, war bemerkenswert groß, er erstreckte sich von der Rue de la Verrerie im Süden bis zur Place de la R é publique im Norden, also praktische das gesamte 4e Arrondissement - heute erinnert nur noch der Name einer Métro-Station an seine Existenz) galten als uneinnehmbare Festungen, und auch die Mitglieder des Ordens genossen höchstes Vertrauen in der Bevölkerung, so dass viele Privatleute von der Möglichkeit Gebrauch machten, in den Tresoren der Templer ein Schließfach zu haben, worin sie ihr persönliches Hab und Gut aufbewahrten. So wurde sowohl der englische als auch der französische Staatsschatz von den Templern verwahrt.

Kurze Zeit später begannen die Templer dann auch Leihgeschäfte anzubieten, was viele Kreuzfahrer zur Finanzierung ihrer Pilgerfahrt in Anspruch nahmen. Die Mönchsritter sicherten sich durch Pfändung der Ländereien ihrer Kreditnehmer, durch Zins und Geldbußen bei nicht erfolgten Zahlungen ab. Die Aktivitäten und die Buchhaltung der Bezirke entsprach schon in etwa dem, was wir heutzutage von Banken erwarten, in Paris waren die Schalter z. B. neun Stunden pro Tag geöffnet. Als es dann auch noch möglich wurde, in irgendeiner Komturei einzuzahlen und sich die Summe in einer anderen wieder auszahlen zu lassen, war das erste ganz Westeuropa umspannende Bankensystem geschaffen.

Anfangs wurde das Geld der Templer noch von italienischen Schiffen ins Heilige Land gebracht, doch ungefähr ab 1250 begannen die Ritterorden, Truppen und Material von Marseille aus auf eigenen Schiffen zu verschicken.

Durch den ständigen Schiffsverkehr zwischen Orient und Okzident stellten die Ritterorden praktisch das Bindeglied zwischen Osten und Westen dar, ihre Berichte waren für den Nachrichtenstand in Europa notwendig, die Kuriere, die zwischen den Komtureien umherreisten, sorgten für die Verbreitung der Neuigkeiten.

Die Templer im Dienste der Staaten

Obwohl es häufige Konflikte zwischen den weltlichen Herrschern und den Ritterorden gab, waren Templer und Johanniter für die staatliche Verwaltung unerläßlich. Die Ritterorden waren in den Augen der weltlichen Herrscher zu reich und mächtig, sie bildeten einen eigenen „Staat im Staat“. Wäre es zu einer militärischen Auseinandersetzung gekommen, hätten die Mönchsritter sicherlich die Oberhand behalten.

Auf der Iberischen Halbinsel kämpften die Templer im Auftrag der Könige bei der Reconquista gegen die Moslems, was 1169 zu einer Abspaltung der dortigen Templer vom Restorden führte, weil sich dieser mit einem Krieg an zwei Fronten überfordert fühlte. Ansonsten war die einzige militärische Idee in Europa das Halten der Burgen, das Kämpfen wurde lieber den Haudegen im Heiligen Land überla ssen.

Die Templer waren sowohl in die päpstliche Verwaltung als auch als Beamte in die der weltlichen Monarchien eingebunden, im Pariser Finanzministerium hatten z.B. nur Templer das Sagen, und es war den Templern zu verdanken, dass Paris damals zur Finanzmetropole des Okzidents aufstieg.

1306, nach dem Verlust aller Besitzungen im Nahen Osten, wollten die Templer ihren Großmeistersitz nach Paris verlegen, doch scheiterten sie am Widerstand des französischen Königs, der befürchtete, seine ganze Macht bei einem Putsch der Templer zu verlieren.

F. Der Untergang - Die Templer auf dem Scheiterhaufen

Schon lange bestanden in den Köpfen der Menschen Vorurteile gegen den Templerorden, die wohl vor allem durch die Geheimniskrämerei der Templer neue Nahrung erhielten. Diese Vorwürfe lauteten u.a. Habgier und Geiz, es rankten aber auch viele Gerüchte um angebliche obszöne homosexuelle Praktiken zwischen einzelnen Ordensbrüdern.

Im Jahre 1302 verloren die Templer ihre letzte Besitzung im Heiligen Land, die strategisch günstig gelegene Insel Ruad, von der aus sie die nächsten Kreuzzüge geplant hatten. Der Kreuzzugsgedanke war tot, in den Köpfen und Herzen der Templer herrschte Leere. Andererseits mußten die Komtureien keinen Krieg mehr finanzieren, sie häuften nun immense Gewinn an, die Tresore in den Bezirken füllten sich zunehmend.

Im schwelenden Streit um Macht und Kompetenzen zwischen dem französischen König Philipp IV. der Schöne und dem Papst Bonifaz VIII. ergriffen die Templer Partei für den König, da sich im beginnenden 14. Jahrhundert langsam ein Nationalbewußtsein entwickelte. Trotzdem wollte Philipp den Orden unbedingt vernichten, um den Papst zu schwächen, denn formal war der Templerorden immer noch eine Armee des Papstes, um die Konkurrenz im eigenen Staate zu beseitigen, und nicht zuletzt um die reichen Besitztümer des Ordens zu konfiszieren und damit die Löcher im Staatshaushalt zu stopfen.

1305 bot sich dann die Gelegenheit, als ein aus dem Orden Ausgestoßener versuchte, an den westeuropäischen Höfen Gehör für seine Anschuldigungen zu finden. Esquieu de Floyran hatte am Hof von Aràgon kein Glück, doch Philipp nahm ihm alle Geschichten ab und nutzte sie für eine Anklage.

Am 13. Oktober 1307 wurden dann 546 Templer in den Komtureien verhaftet, die knapp 1000 Bauernhöfe und das Enclos beschlagnahmt.

Diese Aktion war höchst illegal, weil der Orden nur der Gerichtsbarkeit des Papstes unterstand und der französische König, mal ganz abgesehen vom zweifelhaften Wahrheitsgehalt der Anschuldigungen, die Brüder nicht hätte verhaften dürfen.

Der Papst weigerte sich, die Aktion im Nachhinein zu autorisieren, bis der Großmeister Jacques de Molay die Flucht nach vorne antrat und den Papst bat, ein Untersuchungsverfahren einzuleiten, weil er hoffte, dass in einem fairen Verfahren die Unschuld der Brüder bewiesen werden konnte.

Die von Philipp daraufhin festgelegten Anklagepunkte lauteten:

- Ketzerei
- Habgier
- Absolution durch Laien
- Obszöne Praktiken (wie z. B. Urinieren auf das Kreuz, Sodomie, Verehrung von Götzenbildern)
- Homosexualität

Als nächstes verschickte Philipp der Schöne Briefe an alle Königshäuser, es ihm gleichzutun und die dortigen Templer verhaften zu lassen. Damit hatte er nicht allzu viel Erfolg: Auf der Iberischen Halbinsel wurden die Mönchsritter noch gebraucht, und auch in anderen Ländern begannen die Verhaftungswellen nur stockend. Meistens wurden die Brüder auch vorher gewarnt und konnten sich selbst und ihre Reichtümer retten. Außer in Portugal, wo der Orden nie verfolgt wurde, kam bald mehr Zug in die Verfolgungen, als der Nachfolger von Bonifaz, Papst Clemens V. in einer Bulle zur Ausweitung des Verfahrens auf ganz Europa aussprach.

Auch der neue Papst war zu schwach, um das Verfahren selbst in die Hand zu nehmen. Die Gefolgsleute Philipps übernahmen die Untersuchungen und erpressten die Geständnisse der Templer unter Folter.

Im Sommer 1308 war dann die Beweisaufnahme abgeschlossen und die Templer waren in fast ganz Europa eingekerkert und ihr Besitz beschlagnahmt. Alle Templer, die Geständnisse verweigerten, und die Leute, die sich gemeldet hatten, um als Zeugen der Verteidigung auszusagen, wurden auf dem Scheiterhaufen verbrannt, so dass es gar keine Verteidigung gab. Am 22. März 1312 beschloss der Papst die endgültige Auflösung des Ordens, da Philipp schon gedroht hatte, bei weiterem Zögern des Papstes dessen Burg zu stürmen.

Die Besitzungen des Templerordens erbte offiziell der Johanniterorden, jedoch sicherte sich Philipp die Ländereien in Frankreich und die nicht sehr hohen Summen, die im Pariser Tempel gefunden wurden.

Die Anklagepunkte wären insgesamt in einem fairen Verfahren nicht haltbar gewesen, sie nutzten aber geschickt die in der Bevölkerung verbreiteten Halbwahrheiten, so dass es zu einem Vorurteil innerhalb des Volkes kam. Sicherlich waren die Aufnahmeriten nach heutigen Gesichtspunkten etwas seltsam, insbesondere der Kuß auf den nackten Hintern des Meisters, doch waren sie mehr eine Mutprobe als eine sexuelle Handlung. Für das Urinieren auf das Kreuz oder das Verleugnen christlicher Symbole gab es absolut keine Beweise. Es gab sicherlich Fälle von Homosexualität zwischen einzelnen Mitgliedern des Ordens, aber der Vorwurf des kollektiven Schwulseins entsprach wohl nicht der Realität.

Das Verfahren der Templer wird von Historikern als „größter Justizmord des Mittelalters“ bezeichnet.

Ein verhafteter Mönchsritter sagte 1307, dass das Ziel des Prozeß „nicht die Wahrheit, sondern aus Verdächtigen Schuldige machen“ war.

G. Blieben die Templer lebendig?

Fakt ist, dass sich einige Templer nach Portugal gerettet haben und dort nicht verfolgt wurden. Sie gründeten 1317 den Christusritterorden, eine Nachfolgeorganisation des Templerordens, die sogar das Templerkreuz fast 1:1 übernahm und die in den folgenden Jahrhunderten vor allem wichtige Seefahrer wie Vasco da Gama stellte.

Die Theorie einiger Wissenschaftler ist es hingegen, dass sich der Templerorden selbst auflöste, weil Großmeister Jacques de Molay das als die einzige Möglichkeit ansah, den geistigen und moralischen Verfallen, ausgelöst durch das Scheitern der Kreuzzugsidee, zu stoppen. Er verzögerte das Verfahren durch das Widerrufen seines Geständnisses so lange, bis die Templer in Schottland Fuß gefaßt hatten und einen neuen Großmeister gewählt hatten. Als Jacques de Molay dann 1314 auf dem Scheiterhaufen sterben mußte, konnte der Orden unter neuer Führung weiterexistieren.

Angeblich nahmen die Templer dann an einer Schlacht zwischen Schotten und Engländern im Jahre 1314 teil, ebenso wie bei einer Schlacht 1689 gegen die Oranier Templerkreuze in den schottischen Reihen gesehen wurden.

In Frankreich gab es besonders im Süden einige Regionen, in denen die Templer weiterhin unbehelligt leben konnten, meistens waren dies Komtureien in den Pyrenäen, wohin sich kein königlicher Beamter verirrte.

Die neueren Ordensgründungen von Exzentrikern in allen Teilen der Welt, die sich für die wahren Erben der Templer fühlen, sind allesamt Fälschungen.

H. Legenden, Mythen, Halbwahrheiten

Besonders um den Schatz der Templer ranken sich viele Legenden. Angeblich soll er in einer Nacht und Nebel - Aktion ins nördlich von Paris gelegene Gisors geschafft worden sein. Die Legende erzählt von drei mit Gold beladenen Heuwagen, die den Schatz aus dem Enclos in die Komturei schafften. Dieser Legende glaubte auch der in Gisors geborene Roger Lhomoy, der 1944 mit den Grabungen nahe der heute noch als Ruine erhaltenen Burgfeste begann. Schon nach wenigen Monaten stieß er in 16 Meter Tiefe auf eine romanische Kapelle in der er 30 Truhen aus Metall und 19 Sarkophage fand. Er meldete den Fund sofort dem frz. Innenministerium, das erst einmal einen Stopp der Grabungsarbeiten veranlaßte. Das Loch wurde wieder zugeschüttet, erst 1962 erhielt Lhomoy die erneute Genehmigung, dort zu graben. Er fand die Kapelle recht schnell wieder - doch sie war leer, die kostbaren Metalltruhen waren fortgebracht. Kurze Zeit später wurde die Burg zu militärischem Sperrbezirk erklärt.

Auch in Rennes-le-Château gibt es einige Legenden um den Schatz, der dort in einer der sieben Komtureien liegen oder gelegen haben soll. Für diese These finden sich aber wesentlich weniger Beweise als für den Standort Gisors. Merkwürdigerweise hatten die Templer dort aber ein Bergwerk, in dem sie deutsche Kriminelle arbeiten ließen. Manche Wissenschaftler vermuten, dass sie dort Uran abgebaut haben, doch wäre dies auch heute noch nachweisbar. In Rennes-le- Château, das in unmittelbarer Nähe zur Katharerfestung Montségur liegt, konnten auch einige Katharer sich nach ihrer Verfolgung und der Zerstörung von Montségur retten, sie brachten angeblich den Beweis, dass Jesus Christus nie gekreuzigt wurde, mit in die Komturei. Der Legende nach soll der Papst nun ein immenses Schweigegeld an die Templer gezahlt haben, damit dieser Beweis nie an die Öffentlichkeit kommt, denn er hätte die gesamte christliche Glaubenslehre zerstört.

Eine weitere Legende sieht die portugiesische Burg Tomar als Versteck für den Schatz der Templer an, aber zusammenfassend muß man sagen, dass es keinerlei stichhaltige Beweise für eine reale Existenz des Templerschatzes gibt.

Eine noch abenteuerlichere Theorie sieht die Templer als Baumeister der Gotik an. Diese Bautechnik tauchte praktisch aus dem Nichts auf, dem Wissenschaftler Sippel nach stellen die Templer das entscheidende Bindeglied zwischen den arabischen Architekturkollegien und dem Abendland an.

Da die Templer erstklassige Seefahrer waren, sollen sie nach ihrer Rettung nach Schottland weiter nach Westen gesegelt sein und dabei mehr als 100 Jahre vor Kolumbus den Amerikanischen Kontinent entdeckt haben. Da sie aber ja ein Keuschheitsgelübde abgelegt hatten, konnten sich die Ritter nicht mit der einheimischen Bevölkerung vermischen und für Nachwuchs und somit für einen Erhalt der Population sorgen. In New England wurde auf einem Monolithen das Abbild eines Tempelritters gefunden, das angeblich über 600 Jahre alt sein soll, doch erscheint auch diese Theorie als nicht wirklich haltbar.

Andere Wissenschaftler glauben entdeckt zu haben, dass die Templer schon 1269 Handel mit Südamerika begonnen hatten und aus den dortigen Silbervorkommen ihren immensen Reichtum erhielten. Dabei wurde das Edelmetall mit dem Schiff von Yucatan nach La Rochelle gebracht und dann über die Komtureien des Landes verteilt, um die Münzen unauffällig in Umlauf zu bringen. Da die Templer natürlich dieses Geheimnis nicht lüften wollten, gibt es auch heutzutage noch keine Beweise dafür.

Umfangreiche Grabungen der Templer im Tempel des Salomo, ihrem Hauptquartier von 1121 an, geben Anlaß zu der Spekulation, dass die Brüder dort das Rezept fanden, Silber zu Gold zu machen.

Als letzte, unwahrscheinlichste Spekulation sollte die Theorie genannt werden, dass der französische Prophet Nostradamus (1500-1566) ein Mitglied des Templerordens war, der ja in einigen unerreichbaren Regionen Frankreichs überlebt hatte und seine Weisheiten aus Dokumenten aus dem 13. Jahrhundert ableitete.

I. Die anderen Ritterorden

Johanniter: Der älteste Ritterorden, der 1099 in Jerusalem gegründet wurde, widmete sich anfangs nur der Krankenpflege und der Betreuung von Pilgern. Ihr Stammhaus, das Hospital in Jerusalem brachte ihnen den anfänglichen Namen Hospitalier ein. Er wurde 1113 offiziell von Papst Paschalis II. anerkannt. Ab 1155 wandelten sich die Johanniter zu bewaffneten Verteidigern des Heiligen Landes, jedoch ohne die karitativen Ziele zu vernachlässigen. Stolz und Hochmut (wie bei den Templern) war den Johannitern völlig fremd. Templer und Johanniter gerieten sich oft in die Quere und lieferten sich teilweise heftige Schlachten, anstatt gemeinsam gegen Moslems zu kämpfen. Ab 1309 hatten die Johanniter ihren eigenen Staat auf der Insel Rhodos, von 1530 bis 1798 herrschten sie über Malta. Die brandenburgischen Johanniter wurden 1540 evangelisch, der Orden teilte sich darauf hin in Johanniter (evang.) und Malteser (kath.), deren Hauptsitz heute im Vatikan liegt. Beide Organisation sind auch heute noch karitativ tätig (Unfallhilfe). Bestrebungen, Tempel und Johanniter zu vereinigen scheiterten (13. Jh.). Die Johanniter erbten die Templerbesitzungen (offiziell).

Deutschritter: Der deutsche Orden wurde 1190 in Akkon zur Krankenpflege gegründet und 1199 offiziell anerkannt. Er orientierte sich am Templerorden und übernahm auch dessen Kreuz, jedoch in schwarz. Er erhielt vom Papst die gleichen Privilegien wie Templer und Johanniter. Im Machtbereich der Hanse (Baltikum, Pole n) gedeiht der Orden gut. Nach der Fusion mit dem Schwertbrüderorden, der vom Bremer Domherr Albert von Appeldern 1201 in Riga gegründet wurde, entsteht ein einheitliches Staatsgebiet. Die Staaten Preußen, das dem Hochmeister Hermann von Salza 1226 von Friedrich II. geschenkt wurde, und Livland wurden von den Deutschrittern regiert. Der Großmeister des Ordens saß ab 1309 in der polnischen Marie nburg, nachdem er vorher in Akkon und Venedig residiert hatte. Heute widmet sich der Orden der Krankenpflege.

Das Engagement des Ordens stellte in Verbindung mit den Aktivitäten der Hanse den Beginn der deutschen Ostorientierung dar. Bald wurde der Orden evangelisch und es gab immer mehr Probleme zwischen den deutschen Siedlern und der katholischen, einheimischen Bevölkerung. Die deutschen Minderheiten in den Ostgebieten wurden als Begründung genommen für das Streben, diese Gebiete auch zu einem Teil Deutschlands zu machen. Erst nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und der Vertreibung Deutschstämmiger aus den Ostgebieten endete diese Situation.

Lazarusorden: Dieser Orden pflegte nur Aussätzige (Leprakranke), die auch den militärischen Arm bildeten. Die fürchterlich aussehenden und todesmutigen Ritter waren auf allen Schlachtfeldern gefürchtet, jedoch auch von ihren christlichen Mitstreitern. Templer, die an Lepra erkrankten, mussten sich dem Lazarusorden anschließen.

Christusritter: 1317 gegründete Nachfolgeorganisation des Templerordens auf der Iberischen Halbinsel, der die meisten Besitzungen und Strukturen übernahm, ähnlich dem im gleichen Jahr in Aragon gegründeten Montesa-Orden. Beide widmeten sich ausschließlich der Reconquista.

J) Anhang

Quellen

(1) Beck, Andreas: Der Untergang der Templer - Größter Justizmord des Mittelalters?, Herder Verlag, Freiburg 1997

(2) Demurger, Alain: Die Templer. Aufstieg und Untergang 1118 - 1314, C.H. Beck Verlag, München 1991

(3) Bauer, Martin: Die Tempelritter. Mythos und Wahrheit, Heyne Sachbuch, München 1997

(4) Sippel, Hartwig: Die Templer. Geschichte und Geheimnis, Amalthea im Herbig Verlag, Wien 1996

(5) Morrell, David: Schwur des Feuers. Roman. Heyne Verlag, München 1992

(6) Microsoft Encarta 97

Zeittafel

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

37 von 37 Seiten

Details

Titel
Die Templer & andere Ritterorden
Note
15
Autor
Jahr
2000
Seiten
37
Katalognummer
V101459
Dateigröße
489 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Templer, Ritterorden
Arbeit zitieren
Alexander Brülls (Autor), 2000, Die Templer & andere Ritterorden, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/101459

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