Diese Bachelorarbeit beschäftigt sich mit der Frage, warum Ecuador und Bolivien den vorherrschenden Grünen Kapitalismus als Entwicklungsmodell ablehnen, und erläutert außerdem die Beweggründe für die ablehnende Haltung gegenüber der Green Economy.
Mit der Kolonialisierung begann auch das Zeitalter der Ausbeutung. Die damaligen Imperialmächte fingen an, vor allem in den Ländern des Globalen Südens, natürliche Ressourcen abzubauen, indigene Völker zu vernichten und das kapitalistische System weltweit zu etablieren. Die steigende Nachfrage der Industrienationen nach Rohstoffen führte dazu, dass bis heute der Export von Primärgütern aus den Ländern Lateinamerikas stetig ansteigt.
Im Laufe der Jahre verschärften sich demnach Umweltprobleme und soziale Konflikte, nicht nur in den vom Raubbau betroffenen Ländern. Die Endlichkeit fossiler Energiereserven, die veränderte landwirtschaftliche Nutzung von Flächen und die sich häufenden Phänomene, wie Nahrungsmittelknappheit, Dürren und Überschwemmungen äußern sich als Negativfolgen des unermüdlichen Ressourcenabbaus.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Fragestellung und Erkenntnisinteresse
1.2 Eingrenzung des Forschungsstandes
1.3 Methode und Aufbau der Arbeit
2 Theorieverständnis
2.1 Neoliberalismus
2.2 Grüner Kapitalismus
2.3 Buen Vivir
3 Der neue ökologische Weg?
3.1 Die Herausbildung des Grünen Kapitalismus
3.2 Von Rio 1992 zu Rio+20
3.3 Inhalte und Aufgaben des Grünen Kapitalismus
3.4 Kritik und Grenzen der Grünen Ökonomie
4 Der Wandel politischer Strukturen in Ecuador und Bolivien
4.1 Das Ende des Neoliberalismus
4.2 Der Aufschwung der progressiven Regierungen
4.3 Die Rolle des Neo-Extraktivismus
5 Das Gemeinschaftskonzept „Buen Vivir“
5.1 Entstehung
5.2 Die Umsetzung des „Guten Lebens“
5.3 „Buen Vivir“ als Gegenkonzept zum Grünen Kapitalismus
6 Die zwei neuen progressiven Regierungen im Vergleich
6.1 Ecuador
6.2 Bolivien
6.3 Vergleich der Wirtschafts- und Sozialpolitik
7 Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Beweggründe, warum Ecuador und Bolivien den Grünen Kapitalismus als Entwicklungsmodell ablehnen, und analysiert inwiefern das Gemeinschaftskonzept „Buen Vivir“ als ein alternatives Gegenkonzept fungiert, das auf sozialen Bewegungen beruht.
- Historische Analyse des Neoliberalismus und der daraus resultierenden Protestbewegungen.
- Kritische Auseinandersetzung mit dem Konzept des Grünen Kapitalismus und der Green Economy.
- Darstellung des „Buen Vivir“ als alternative Lebensphilosophie indigener Völker.
- Vergleich der Wirtschafts- und Sozialpolitik in Ecuador und Bolivien.
- Untersuchung der Rolle des Neo-Extraktivismus im Kontext politischer Transformation.
Auszug aus dem Buch
3.1 Die Herausbildung des Grünen Kapitalismus
Mit der im Jahr 1987 eingeführten Definition: „Sustainable development is development that meets the needs of the present without compromising the ability of future generations to meet their own needs“ (Brundtland 1989: 43), haben sich die Debatten rund um das Thema Entwicklung und Umwelt verstärkt. Nach der Klimakonferenz in Rio 1992 wurden Begriffe wie Nachhaltigkeit und nachhaltige Entwicklung zu den neuen Leit- und Trendbegriffen. Mit der Unterzeichnung der Agenda 2021 haben sich alle Teilnehmerstaaten ganz offiziell zu mehr Umweltschutz und klimafreundlicherem Wirtschaften bekannt. Unternehmen und vor allem die Industrie konnten sich nun mit den genannten Begriffen „schmücken“, da es trotz aufgeschriebener Definition keine genauen und eindeutigen Angaben zur Umsetzung von Nachhaltigkeit gab. Viele verschiedene Interpretationen, Bezeichnungen und Meinungen zu dem Konzept führten eher zu Verwirrung, was die gesamte Thematik zu einer: „contested area“ (Sachs 1999: 77) macht. Dennoch etablierte sich das „Drei-Säulen-Modell“ zur Konzeptionierung des Begriffes „Nachhaltigkeit“. Dieses umfasst die drei Bereiche Ökologie, Ökonomie und Soziales, die das Grundgerüst bilden und legt somit fest, auf welchen Prinzipien Nachhaltigkeit und nachhaltige Entwicklung aufbauen sollen. Es geht hierbei um soziales, wirtschaftliches und ökologisches Handeln (vgl. Becker und Jahn 2006: 240f.). Trotz der genannten Leitlinien und der Agenda 2021, deren Umsetzung sich vorrangig die Länder des Nordens zum Ziel gesetzt haben, wurden keine sichtbaren Ergebnisse erzielt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in die Thematik der globalen Krisen und die kritische Distanz Lateinamerikas gegenüber dem Grünen Kapitalismus.
2 Theorieverständnis: Definition und Erläuterung der zentralen Begriffe Neoliberalismus, Grüner Kapitalismus und Buen Vivir.
3 Der neue ökologische Weg?: Analyse der historischen Entstehung und der inhaltlichen Grenzen des Grünen Kapitalismus.
4 Der Wandel politischer Strukturen in Ecuador und Bolivien: Untersuchung des Übergangs vom Neoliberalismus hin zu progressiven Regierungen und der Etablierung des Neo-Extraktivismus.
5 Das Gemeinschaftskonzept „Buen Vivir“: Detaillierte Betrachtung der Entstehung und Umsetzung des „Guten Lebens“ als alternatives Gesellschaftsmodell.
6 Die zwei neuen progressiven Regierungen im Vergleich: Vergleichende Analyse der politischen Ansätze und der wirtschaftlichen Praxis in Ecuador und Bolivien.
7 Schlussbetrachtung: Zusammenfassende Antwort auf die Forschungsfrage und Einordnung des „Buen Vivir“ als Gegenkonzept.
Schlüsselwörter
Buen Vivir, Grüner Kapitalismus, Neoliberalismus, Lateinamerika, Ecuador, Bolivien, Neo-Extraktivismus, soziale Bewegungen, Nachhaltigkeit, Klimawandel, indigene Rechte, Umweltschutz, Wirtschaftsreformen, Ressourcenmanagement, alternative Entwicklung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die kritische Haltung von Ecuador und Bolivien gegenüber dem Modell des Grünen Kapitalismus und analysiert, wie das indigene Konzept „Buen Vivir“ als Alternative positioniert wird.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Dekonstruktion des neoliberalen Wirtschaftsmodells, der Analyse grüner Wachstumsstrategien und der Untersuchung indigener Widerstandskultur.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Beweggründe für die Ablehnung der Green Economy zu erläutern und zu belegen, dass „Buen Vivir“ ein auf sozialen Bewegungen basierendes Gegenkonzept darstellt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse, die den aktuellen Forschungsstand zu sozioökonomischen und ökologischen Diskursen in Lateinamerika zusammenführt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der historischen Entwicklung des Neoliberalismus, der Entstehung des Grünen Kapitalismus sowie den länderspezifischen politischen Transformationsprozessen in Ecuador und Bolivien.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind unter anderem Neo-Extraktivismus, soziale Gerechtigkeit, indigene Kosmovision, Ressourcenpolitik und der Konflikt zwischen Wirtschaftswachstum und ökologischen Grenzen.
Wie unterscheidet sich „Buen Vivir“ konkret vom Grünen Kapitalismus?
Während der Grüne Kapitalismus auf technologischem Fortschritt und grenzenlosem Wachstum basiert, zielt das „Buen Vivir“ auf ein Leben im Einklang mit der Natur und der Überwindung rein ökonomisch getriebener Entwicklungslogiken ab.
Welche Rolle spielt der Neo-Extraktivismus für die untersuchten Regierungen?
Obwohl sich Ecuador und Bolivien ideologisch gegen den Neoliberalismus stellen, setzen sie zur Finanzierung ihrer Sozialprogramme weiterhin auf den exportorientierten Abbau von Primärgütern, was als „Neo-Extraktivismus“ bezeichnet wird.
- Arbeit zitieren
- Paula Krüger (Autor:in), 2020, Lateinamerika und die Widersprüche des Grünen Kapitalismus. Der Übergang vom Neoliberalismus zum Konzept des "Buen Vivir"?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1014687