Nach zwei Semestern Online-Lehre und mit der Aussicht auf mindestens ein weiteres Semester unter Pandemiebedingungen könnte man meinen, dass sich Studierende und Dozierende mittlerweile auf die neuen Bedingungen eingestellt haben. Tatsächlich gibt es aber teils gravierende Probleme, die nach wie vor vorherrschen und die digitale Lehre vor große Herausforderungen stellt. In dieser Arbeit werden die kommunikativen und vor allem rhetorischen Herausforderungen, die die neue Situation mit sich bringt, behandelt.
Dafür werden zunächst vom Verfasser dieser Ausarbeitung beobachtete Probleme und Herausforderungen aufgezeigt, um dann ein besonderes Augenmerk auf die Körpersprache zu legen. Grundlegende rhetorische Regeln werden in dieser Hausarbeit nicht wiederholt, stattdessen wird der Fokus auf die Herausforderungen und die Umsetzung in Online-Konferenzen gelegt. In den anschließenden Schlussbemerkungen soll zusammengefasst werden, wie man trotz der widrigen Bedingungen rhetorisch in der digitalen Lehre überzeugen kann.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Herausforderungen der digitalen Lehre
2.1 Das Versprechen digitaler Lehre
2.2 Beobachtete Probleme und Herausforderungen
3 Fokus Körpersprache und nonverbale Kommunikation
3.1 Die Mimik
3.2 Die Gestik und Körpersprache
4 Schlussbemerkungen – Wie gelingt erfolgreiche Rhetorik in der Online-Lehre?
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die spezifischen rhetorischen und kommunikativen Herausforderungen, die sich durch die Verlagerung der universitären Lehre in den digitalen Raum infolge der Covid-19-Pandemie ergeben haben, und erarbeitet Strategien für eine erfolgreiche rhetorische Gestaltung von Online-Lehrveranstaltungen.
- Analyse der kommunikativen Probleme in digitalen Lernumgebungen
- Bedeutung von Körpersprache, Mimik und Gestik im virtuellen Kontext
- Herausforderungen der nonverbalen Kommunikation in Videokonferenzen
- Einfluss technischer Rahmenbedingungen auf die rhetorische Ausdruckskraft
- Methoden für ein überzeugendes Auftreten in Online-Seminaren
Auszug aus dem Buch
3.1 Die Mimik
Durch die ausgesprochen hohe Ausdruckskraft macht die Mimik den wichtigsten Teil der nonverbalen Kommunikation aus. (Argyle 2005, S. 201) Der Blick, sprich die Kommunikation mit den Augen, zusammen mit den 25 Muskelsträngen, über die das Gesicht verfügt, erleichtern, einen Einblick in die Emotionen des Gegenübers. Man kann aus der Mimik gewissermaßen lesen, was der Gegenüber denkt oder fühlt. Neben den Emotionen spielen auch die Interaktionssignale des Gesichts eine entscheidende Rolle. (Argyle 2005, S. 202–203) Die Mimik unterstützt zum einen die redende Person beim Unterstreichen bestimmter Punkte in der Argumentation oder hilft dabei sie zu ergänzen. Zum anderen ist sie ein wichtiges Kommunikationswerkzeug, wenn es um Reaktionen geht. Mal beabsichtigt, mal unabsichtlich, zeigen zum Beispiel die Augenbrauen Ausdrücke von Verwunderung oder Erstaunen bis hin zu Wut oder Abscheu. (Argyle 2005, S. 204) Dies hilft, eigene Standpunkte zu verdeutlichen, aber auch diejenigen von anderen zu verstehen. Um die Mimik richtig einzusetzen, ist es hilfreich zu wissen, an wen sich die Kommunikation richtet. (ebd., S. 202)
Gezieltes Hin- oder Wegschauen ist in einer in Präsenz geführten Unterhaltung oder Diskussion essenziell. Das wird dadurch erschwert, das in der Online Lehre in eine Kamera oder auf einen Bildschirm geguckt wird und nicht direkt einer Person in die Augen. Für den Gegenüber ist es zum einen schwierig, die Signale zu empfangen, weil sie vielleicht nicht alle Seminarteilnehmer sehen kann und dadurch das Signal verpasst, oder weil aufgrund von Verbindungsproblem das Signal nicht deutlich wird. Wenn die Kameras ausgeschaltet sind, kann man die Reaktionen überhaupt nicht entziffern, weil man sie gar nicht erst sieht. Vor allem bei interaktiven Elementen oder Vorträgen ist das ein Schlüsselproblem.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie auf die universitäre Lehre und definiert den Fokus der Arbeit auf die rhetorischen Herausforderungen im digitalen Format.
2 Herausforderungen der digitalen Lehre: Dieses Kapitel vergleicht das Versprechen digitaler Lehre mit der praktischen Realität und identifiziert technische sowie kommunikative Hindernisse.
3 Fokus Körpersprache und nonverbale Kommunikation: Das Kapitel erläutert die zentrale Bedeutung von Mimik und Gestik für die Rhetorik und analysiert deren Erschwerung durch digitale Rahmenbedingungen.
4 Schlussbemerkungen – Wie gelingt erfolgreiche Rhetorik in der Online-Lehre?: Das abschließende Kapitel fasst zusammen, wie trotz technischer Limitierungen ein überzeugendes rhetorisches Auftreten in Online-Konferenzen möglich ist.
Schlüsselwörter
Online-Lehre, Rhetorik, Körpersprache, Mimik, Gestik, Nonverbale Kommunikation, Videokonferenz, Covid-19-Pandemie, Digitale Kommunikation, Redeangst, Präsenzlehre, Universitäre Lehre, Distanzunterricht, Rhetorische Herausforderungen, Kommunikationsstrategien.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den rhetorischen und kommunikativen Schwierigkeiten, die durch die Umstellung von Präsenzlehre auf digitale Formate während der Pandemie entstanden sind.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind der Einsatz nonverbaler Signale wie Mimik und Gestik, die technischen Hürden bei Videokonferenzen und die psychologische Komponente der studentischen Redeangst.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, Strategien aufzuzeigen, wie Studierende und Dozierende trotz der Einschränkungen durch digitale Tools rhetorisch überzeugend kommunizieren können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt eine Kombination aus eigenen Beobachtungen als Tutor sowie die Einbeziehung wissenschaftlicher Studien und Fachliteratur zur Kommunikationstheorie.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die technischen und strukturellen Probleme der Online-Lehre analysiert, gefolgt von einer detaillierten Betrachtung der Rolle der nonverbalen Kommunikation im digitalen Raum.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Online-Lehre, Rhetorik, Körpersprache, Mimik, Gestik, digitale Kommunikation und nonverbale Signale.
Warum spielt die Kameraeinstellung eine so große Rolle für die Rhetorik?
Die Kameraeinstellung begrenzt den Bildausschnitt oft auf Kopf und Schulter, wodurch der für die Rhetorik wichtige Einsatz der Körpersprache und weitreichender Gestik stark eingeschränkt wird.
Wie wirkt sich die „studentische Redeangst“ auf die digitale Lehre aus?
Die Redeangst wird durch die digitale Umgebung oft verschärft, da die Studierenden vor einer „Wand aus grauen Kästchen“ sprechen müssen, ohne das für die Kommunikation essenzielle Feedback in Form von Mimik oder Kopfnicken ihrer Kommilitonen zu erhalten.
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- Gian D. Gantenbein (Author), 2021, Herausforderungen in der Online-Lehre, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1014802