Benachteiligung von Migrantenkindern im deutschen Bildungssystem. Ursachen der Bildungsbenachteiligung


Hausarbeit, 2021

14 Seiten, Note: 14,00


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Migration
2.1 Migranten*innen und Migrantenkinder
2.2 Chancengleichheit

3 Benachteiligung von Migrantenkindern im deutschen Bildungssystem
3.1 PISA-Studien
3.2 Bildungssystem in Deutschland

4 Ursachen der Bildungsbenachteiligung
4.1 Außerschulische Faktoren
4.2 Innerschulische Faktoren

5 Fazit

Literatur- und Quellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Kinder und Jugendliche mit Mihi wachsen gleichzeitig in zwei unterschiedlichen Kulturen heran, sie versuchen das Leben in Deutschland und die Tradition ihres Herkunftslandes zu vereinen. Dies kann sich schwierig gestalten, vor allem im Bezug auf die Bildung. Die Bildung eines Menschen stellt einen wichtigen Aspekt für die Lebenschancen und die Zukunftsperspektiven dar. Für Kinder und Jugendliche mit Mihi erhält die zentrale Rolle der Bildung einen weiteren wichtigen Aspekt, durch diese erfahren sie einen sozialen Integrationsprozess. Ergebnisse von internationalen Schulleistungsstudien ergaben, dass deutsche Schüler im internationalen Vergleich sehr schlecht abgeschnitten haben. Dies führte zur öffentlichen Debatte des deutschen Bildungswesens. Die Ursache für das schlechte Abschneiden sahen Politik und Öffentlichkeit in der Schulleistung der Schülerinnen und Schüler mit Mihi. In dieser Arbeit möchte ich herausarbeiten, ob Kinder und Jugendliche mit Mihi einer Bildungsbenachteiligung ausgesetzt sind und welche Ursachen diese Benachteiligung haben könnte.

2 Migration

Deutschland entwickelt sich in den vergangenen Jahren zu einem beliebten Einwanderungsland. Heute leben in Deutschland 21,2 Millionen Menschen mit Mihi, davon sind 11,1 Millionen Deutsche und 10,1 Millionen Ausländer.1

Das Wort „Migration“ stammt vom lateinischen migratio und bedeutet (Aus-)Wanderung bzw. Umzug. Migration ist die Wanderung von Menschen, Gruppen, Völkern oder ganzen Volksgruppen. Das klassische Verständnis von „Migration“2 umfasst die Emigration (Auswanderung) aus einem Herkunftsland und Immigration (Einwanderung) in ein Zielland. Die Migration innerhalb eines Landes wird hier nicht berücksichtigt. In dieser Arbeit wird der Begriff „Migration“ im Sinne von internationaler Migration nach Deutschland verstanden. „Von Migration spricht man, wenn eine Person ihren Lebensmittelpunkt räumlich verlegt.“3. Es gibt verschieden Gründe dafür, seine Heimat zu verlassen und sich dauerhaft in einem fremden Land niederzulassen sei es aufgrund besserer Lebensumstände, Krieg oder auch der Suche nach Arbeit. Laut Ceri4 kann man in der Bundesrepublik Deutschland vier Migrationsgruppen qualitativ voneinander unterscheiden:

- Arbeitsmigranten aus ehemaligen Anwerbeländern
- Aussiedler mit deutscher Herkunft
- Kriegsflüchtlinge/ Asylbewerber
- Zuwanderer aus EU-Ländern und sonstige Personen, die nach Deutschland kommen

2.1 Migranten*innen und Migrantenkinder

Das Wort „Migrant“ in Deutschland, bezeichnet einen Menschen, der nach Deutschland eingewandert ist. Durch eine Einbürgerung in Deutschland können Migrant*innen die deutsche Staatsbürgerschaft annehmen oder weiterhin eine ausländische Staatsbürgerschaft beibehalten, dann bezeichnet man diese Personen als „Ausländer*in“. Laut dem Statistischen Bundesamt gehören zur Bevölkerung mit Mihi alle Personen, die die deutsche Staatsangehörigkeit nicht durch Geburt besitzen oder die mindestens ein Elternteil haben, auf das dies zutrifft. Demzufolge haben folgende Gruppen einen Mihi:

- Ausländerinnen und Ausländer
- Eingebürgerte
- (Spät-)Aussiedlerinnen und (Spät-)Aussiedler
- Personen, die durch Adoption deutscher Eltern die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten
- Kinder, dieser Personengruppen5

Migranten der 1. Generation (Zugewanderte) haben ihre Bildung bereits in ihrem Heimatland erworben, wobei Migranten der 2./3.Generation (hier Migrantenkinder) deutsche Bildungseinrichtungen besuchen und anstreben einen Abschluss zu erwerben.6

2.2 Chancengleichheit

Das Prinzip der Chancengleichheit in Bezug auf die Bildung besagt, dass jeder unabhängig von seiner sozialen Herkunft, seiner Abstammung oder seinem Geschlecht die gleichen Chancen bekommen soll.7 Der Begriff der „Chancengleichheit“ lässt sich aus dem Artikel 3 des Grundgesetztes ableiten.

3 Benachteiligung von Migrantenkindern im deutschen Bildungssystem

Durch den Bildungserwerb ist es Kindern und Jugendlichen mit Mihi möglich eine anerkannte Position in der Einwanderungsgesellschaft zu finden. Der Erwerb der Bildung wirkt sich auf das ganze spätere Leben aus, da die schulische und berufliche Ausbildung eine zentrale Rolle für zukünftige Chancen auf dem Arbeitsmarkt darstellt. Die Bildung in unserer Gesellschaft nimmt eine zentrale Schlüsselrolle ein, da sie die wohl wichtigste Schaltstelle für den zukünftigen sozialen Status eines Menschen darstellt und den langfristigen Erfolg der gesellschaftlichen Integration von Migrantenkindern ermöglicht. Angesichts des Demografischen Wandels in Deutschland sollten Förderung und Bildung der Migrantenkinder eine besonders wichtige Rolle für die Produktivität und den gesellschaftlichen Wohlstand spielen.

3.1 PISA-Studien

Seit dem Jahre 2000 finden kontinuierlich PISA8 - Studien statt, die die Leistung der 15-jährigen Schülerinnen und Schüler in Bereichen Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften innerhalb der OECD9 -Staaten vergleichen. Den PISA-Studien zufolge, erzielten Jugendliche aus zugewanderten Familien, auch wenn sie in Deutschland geboren sind und ihre gesamte Schullaufbahn in Deutschland absolvierten, deutlich geringere Bildungserfolge als Schülerinnen und Schüler ohne Mihi. Den Studienbefunden zufolge hängen die erreichten Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler mit Mihi stark mit dem sozioökonomischen Status und Bildungshintergrund ihrer Eltern, dem Zeitpunkt der Migration sowie dem Herkunftsland zusammen. Ebenfalls könnte es mit der zuhause gesprochenen Sprache zusammenhängen. Das Bildungsniveau der Eltern und die eher einfachen wirtschaftlichen und sozialen Verhältnissen, in denen Kinder mit Mihi aufwachsen, erklärt zum Teil, den hohen Anteil an leistungsschwachen Schülerinnen und Schülern unter Migrantenkindern.10 Die PISA- Testergebnisse unterstützen diese Aussage, denn dieser zufolge trifft man auf Realschulen und Gymnasien überwiegend auf Kinder ohne Mihi und auf den Real-und Hauptschulen mehrheitlich auf Kinder mit Mihi.

3.2 Bildungssystem in Deutschland

Im deutschen Schulsystem wird durch die Verteilung der Schulkinder auf die unterschiedlichen weiterführenden Schulformen sehr früh selektiert.11 In der Sekundarstufe findet die Aufteilung auf Gymnasien, Realschulen und Hauptschulen statt. Durch diese Aufteilung werden leistungsstarke Schüler*innen auf einem höheren Niveau und leistungsschwache Schüler*innen auf einem niedrigerem Niveau entsprechend unterrichtet.12 „Wer bereits privilegiert ist, wird noch mehr privilegiert, und wer das Bildungssystem am meisten benötigt, profitiert am wenigsten.“13 Die besuchten Schulformen stehen in einem starken Zusammenhang mit dem erreichten Schulabschluss: Kinder mit Mihi besuchen mehrheitlich nach der Grundschule eher eine Hauptschule und weniger Gymnasien, somit erreichen sie auch mehrheitlich eher einen Hauptschulabschluss als das Abitur.14 Kinder mit Mihi können auch nach ihren Herkunftsländer unterteilt werden, jedoch werde ich auf die Unterteilung nach den Herkunftsländern nicht weiter eingehen.

Durch die PISA-Testergebnisse kann man schlussfolgern, dass Kinder mit Mihi eher von ungleichen Bildungschancen betroffen sind als Kinder ohne einen solchen Migrationshintergrund.15 Schon beim Übergang auf die weiterführenden Schulen werden Kinder mit Mihi auch bei gleicher Leistung benachteiligt. Wie bereits erwähnt, werden die vergleichsweise schlechten PISA Ergebnisse von Politik und Öffentlichkeit oft auf die Schülerinnen und Schüler mit Mihi geschoben. Diese These ist jedoch nicht haltbar, da die Untersuchung zeigte, dass Deutschland unter Ausschluss der Kinder mit Mihi, nur minimal besser abschneiden würde.16

4 Ursachen der Bildungsbenachteiligung

Die Ursachen der Ungleichheiten im Bildungssystem von Kindern mit Mihi und Kindern ohne Mihi wurden in den letzten Jahren häufig erforscht. Die aufgeführten Aspekte sind als plausibel zu erachten und können deshalb mit der Benachteiligung verknüpft werden. Die Bildungsbenachteiligungen und die Chancengleichheit von Kindern mit Mihi wurden in der Vergangenheit oft versucht zu ergründen. Für die Bildungsbenachteiligung gibt esmehrere Gründe.17 Der Verlauf der Migration, die soziale Herkunft oder auch die Bildung der Eltern von Migrantenkindern können Einfluss auf die schulischen Leistungen der Kinder nehmen. Von der Bildungspolitik und dam Schulsystem selbst kann eine Benachteiligung jedoch auch ausgehen. Demnach kann die Benachteiligung durch außerschulische und innerschulische Faktoren begründet werden. Familie und Schulsystem bilden zwei Sozialisationsinstanzen von Kindern und Jugendlichen, wenn diese beiden nicht im Einklang miteinander sind, kann dies zu Problemen führen. Dieser These zufolge ist das Schulversagen der Kinder und Jugendlichen mit Mihi ein Resultat der unzureichenden Passung von Familie und Schulsystem.18

4.1 Außerschulische Faktoren

Der Einfluss des Elternhauses scheint einen großen Einfluss auf die schulische Entwicklung von Kindern zu haben. Nach humankapitaltheoretischen Ansätzen sind die schulischen Misserfolge und somit die Benachteiligung von Kindern mit Mihi auf ihre Defizite und der ihrer Familien zurückzuführen. Kindern mit Mihi fehlt es häufig an Humankapital, welches für eine erfolgreiche schulische Ausbildung in Deutschland erforderlich ist.19 Die Bildungsabschlüsse der Eltern gehören zum Humankapital. Humankapital bezeichnet die Summe der wirtschaftlich nutzbaren Fähigkeiten und Kenntnisse.20

Häufig wird die Kultur als das Hauptmerkmal angesehen, welche Kinder und Jugendliche mit Mihi von denen ohne Mihi unterscheidet. Dies wird auch als Grund für den Misserfolg der Kinder mit Mihi angesehen. Da diese von einer anderen Kultur umgeben sind, haben sie Schwierigkeiten sich dem deutschen Schulsystem erfolgreich anzupassen.21 Sie weisen aufgrund ihres kulturellen Erbes Defizite hinsichtlich dessen auf, was als normal vorausgesetzt wird.22 Ein Faktor, welcher sich negativ auf den schulischen Erfolg auswirkt, sind die unterschiedlichen Norm- und Wertvorstellungen der Migrantenfamilien, da diese dazu neigen noch strenger an diesen Norm- und Wertvorstellungen festzuhalten, weil sie befürchten, dass sich die Kinder ihrer Kultur entfremden.23 Der geringe Bildungserfolg von Migrantenkindern könnte außerdem auf das Bildungsniveau der Eltern zurückgeführt werden, da Migranteneltern im Vergleich zu deutschen Eltern ein niedrigeres Bildungsniveau aufweisen. Eltern, welche ein höheres Bildungsniveau haben und sich mit dem deutschen Bildungssystem auskennen, können ihren Kindern eine deutliche Hilfe in Bezug auf ihre Bildung sein.24 Des Weiteren können sich die Ressourcen einer Familie zu einem gewissen Grad auf den Bildungserfolg auswirken, denn je mehr Ressourcen zur Verfügung stehen, desto mehr kann in die Bildung der Kinder investiert werden. Folglich sind Kinder mit Mihi den Kindern ohne Mihi gegenüber benachteiligt, da Migrantenfamilien häufig im Vergleich zu deutschen Familien über weniger Ressourcen verfügen.25 Die ökonomische Situation einer Familie wirkt sich auch auf die Wohnverhältnisse aus, denn auch die Wohnverhältnisse können die Schulkarriere von Kindern beeinflussen.26 In Migrantenfamilien ist die Anzahl der im Haushalt lebenden Kinder ein Faktor, welcher sich auf die Bildungsabschlüsse auswirken kann im Gegensatz zu deutschen Familien, hier ist dies nicht der Fall.27

[...]


1 Vgl. Statistisches Bundesamt (Hrsg.) 2020, online.

2 Vgl. Treibel 2008a, online.

3 Bundeszentrale für politische Bildung (Hrsg.) 2009, online.

4 Vgl. Ceri 2008, S.13.

5 Vgl. Statistisches Bundesamt (Hrsg.) 2020, online.

6 Vgl. Konsortium Bildungsberichterstattung (Hrsg.) 2006, S.145.

7 Vgl. Bundeszentrale für politische Bildung (Hrsg.) 2018, online.

8 Programm zur internationalen Schülerbewertung.

9 Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.

10 Vgl. Deutscher Bundestag (Hrsg.) 2018, S.11.

11 Vgl. Deutsches PISA-Konsortium/Baumert (Hrsg.) 2003, S.261.

12 Vgl. Ceri 2008, S.20.

13 Schor 2002, S.38.

14 Vgl. Diefenbach 2005, S.46.

15 Vgl. Ceri 2008, S.21.

16 Vgl. Stanat u.a. 2003, 246.

17 Vgl. Leiprecht/Kerber (Hrsg.) 2005, S.67.

18 Vgl. Ceri 2008, S.45.

19 Vgl. Diefenbach 2007, S.101.

20 Vgl. Bundeszentrale für politische Bildung (Hrsg.) 2016, Online.

21 Vgl. Ceri 2008, S.42.

22 Vgl. Diefenbach 2007, S. 89.

23 Vgl. Ceri 2008, S.44.

24 Vgl. Ceri 2008, S.51.

25 Vgl. Diefenbach 2002, S.47.

26 Vgl. Ceri 2008, S.53.

27 Vgl. Nauck/Diefenbach/ Petri 1998, S.713.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Benachteiligung von Migrantenkindern im deutschen Bildungssystem. Ursachen der Bildungsbenachteiligung
Hochschule
Hessische Hochschule für Polizei und Verwaltung; ehem. VFH Wiesbaden
Note
14,00
Autor
Jahr
2021
Seiten
14
Katalognummer
V1014947
ISBN (eBook)
9783346410993
ISBN (Buch)
9783346411006
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Migration, Kinder, Benachteiligung, Migrantenkinder; Bildungssystem
Arbeit zitieren
Al-Medina Alik (Autor), 2021, Benachteiligung von Migrantenkindern im deutschen Bildungssystem. Ursachen der Bildungsbenachteiligung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1014947

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