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Das neue asiatische Selbstbewusstsein als Machtideologie und Entwicklungsdiktatur

Title: Das neue asiatische Selbstbewusstsein als Machtideologie und Entwicklungsdiktatur

Term Paper (Advanced seminar) , 2001 , 26 Pages , Grade: 1

Autor:in: Jens Kayser (Author)

Politics - Region: Far East
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1. Einleitung

In den letzten Jahrzehnten hat sich die geopolitische Weltlage in vielfacher Hinsicht stark verändert. Besonders durch das Ende des Gegensatzes der beiden Supermächte UdSSR und USA, der alle anderen Konflikte mehr oder weniger überlagerte und verdeckte, ergeben sich völlig neue Implikationen für die internationale Politik. Unter den vielen neuen potentiellen Spannungsebenen, die nun hervorbrechen, wird eine in der westlichen Öffentlichkeit vergleichsweise wenig beachtet: Seit einigen Jahrzehnten gewinnen zahlreiche Staaten in Ost- und Südostasien schnell an wirtschaftlicher Stärke. Begonnen hatte dieser Prozess mit der raschen Erholung der japanischen Wirtschaft nach dem Zweiten Weltkrieg und dem Aufstieg Japans zur zweitgrößten Industriemacht der Erde während der 80er Jahre. Seit zwei Jahrzehnten machen sich andere Staaten Asiens auf den gleichen Weg. Der ersten Generation der sogenannten „Tigerstaaten“ (Hongkong, Singapur, Südkorea, Taiwan) folgt mit den großen Flächenstaaten Thailand, Malaysia und Indonesien die zweite. Ähnliches trifft – wenn auch auf einzelne Regionen beschränkt – auf die Volksrepublik China zu. Es wurde bereits ein beachtlicher Lebensstandard erreicht, so dass einige dieser Staaten auf dem Weg sind, zu den NIC (Newly Industrializing Countries) zu zählen. Sie „scheinen einen erfolgreichen Prozess nachholender industrieller Entwicklung zu durchlaufen, also an der Schwelle zum Industrieland zu stehen.“(1)
[...]
_____
1 Dirk Messner: Schwellenländer, in: Dieter Nohlen (Hrsg.): Lexikon Dritte Welt, Reinbek bei Hamburg 2000

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Kultur oder Zivilisation – Versuch einer Begriffsklärung

3. Das Zivilisationsparadigma und Asien

4. Die fernöstlichen „Herausforderer des Westens“ – vier verschiedene Motive

4.1. Malaysia – Machterhalt im Vielvölkerstaat

4.2. Singapur – Die Ideologie der Entwicklungsdiktatur

4.3. Japan – Der gekränkte Wirtschaftsriese

4.4. China – Nationalismus als Machtsicherung

5. Das neue asiatische Selbstbewußtsein – Gefahr eines Clash of Civilizations?

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die Arbeit untersucht, ob und in welcher Form politische Eliten in ost- und südostasiatischen Ländern den Begriff kultureller oder quasi-religiöser „asiatischer Werte“ instrumentalisieren, um sich gegen westliche Einflüsse und demokratische Reformen abzugrenzen und den eigenen Machterhalt zu sichern.

  • Analyse der Rolle von Kultur und Zivilisation in politischen Machtkonstellationen.
  • Untersuchung des Zivilisationsparadigmas nach Huntington im asiatischen Kontext.
  • Fallstudien zu den unterschiedlichen Motiven in Malaysia, Singapur, Japan und China.
  • Kritische Auseinandersetzung mit der These eines drohenden „Clash of Civilizations“.

Auszug aus dem Buch

4.2. Singapur – Die Entwicklungsdiktatur

Das Konstrukt eines „pan-asiatischen Wertesystems“, das in Malaysia als Schutz der Malaien besonders vor der chinesischen Minderheit eingesetzt wird, steht in Singapur ausgerechnet im Dienste einer chinesischen Regierung. Neben Mahathir ist Lee Kwan Yew, dreißig Jahre lang Premierminister und seit 1990 „Senior Minister“ des Stadtstaates, der lauteste Verkünder dieser Werte. „Die Werte, die die ostasiatische Kultur hochhält, wie zum Beispiel der Primat von Gruppeninteressen vor Einzelinteressen, unterstützen die totale Gruppenanstrengung, die für eine rapide Entwicklung notwendig ist.“45 Für Lee resultiert der Erfolg Singapurs, das inzwischen nach Japan den zweithöchsten Lebensstandard in Asien vorweisen kann, aus der Priorität des Kollektiven gegenüber dem Individuellen in der ostasiatischen Kultur. „Die mehr gemeinschaftsorientierten Werte und Praktiken der Ostasiaten ... haben sich als klare Trümpfe im Aufholprozess erwiesen.“46

Diese Entwicklungsideologie ist jedoch seit der Unabhängigkeit Singapurs immer mehr zu einer Entwicklungsdiktatur geworden, die nahezu alle Bereiche des Lebens seiner Bürger überwacht und selbst viele private Angelegenheiten regeln will. 1987 sagte der Premierminister: „Man wirft mir oft vor, ich mischte mich in das Privatleben der Bürger ein. Ja, wenn ich das nicht täte, ... stünden wir heute nicht hier. Und ich sage ohne Reue, ... dass wir keine wirtschaftlichen Fortschritte gemacht hätten, wenn wir uns nicht um sehr persönliche Angelegenheiten gekümmert hätten – wer Ihr Nachbar ist, wie Sie leben, ob Sie Lärm machen, wie Sie ausspucken oder welche Sprache Sie benutzen. Wir entscheiden, was richtig ist. Es ist egal, was die Leute denken.“47

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung skizziert die Veränderung der geopolitischen Weltlage nach 1989 und führt in die Debatte um asiatische Werte und das Zivilisationsparadigma ein.

2. Kultur oder Zivilisation – Versuch einer Begriffsklärung: Dieses Kapitel erläutert die terminologischen Schwierigkeiten bei der Definition von Kultur und Zivilisation im Kontext der Huntington-Debatte.

3. Das Zivilisationsparadigma und Asien: Der Abschnitt diskutiert die politische Instrumentalisierung asiatischer Traditionen zur Abgrenzung gegenüber dem Westen.

4. Die fernöstlichen „Herausforderer des Westens“ – vier verschiedene Motive: Anhand von Fallbeispielen werden die spezifischen nationalistischen oder autoritären Motive in Malaysia, Singapur, Japan und China analysiert.

5. Das neue asiatische Selbstbewußtsein – Gefahr eines Clash of Civilizations?: Das Fazit stellt die These auf, dass die Gefahr eines kulturellen Zusammenpralls aufgrund der Heterogenität der asiatischen Staaten gering ist und Kultur primär als politisches Instrument dient.

Schlüsselwörter

Asiatische Werte, Zivilisationsparadigma, Huntington, Entwicklungsdiktatur, Nationalismus, Ostasien, Internationale Politik, Kulturimperialismus, Machtideologie, Politische Instrumentalisierung, Autokratie, Demokratisierung, Westlicher Einfluss.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert, wie politische Eliten in asiatischen Ländern kulturelle Narrative zur Legitimierung ihrer Herrschaft und zur Abgrenzung gegenüber westlichen Werten einsetzen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Fokus stehen das Zivilisationsparadigma nach Samuel Huntington, die Ideologie der „asiatischen Werte“ und der Zusammenhang zwischen ökonomischem Aufstieg und politischem Autoritarismus.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es zu zeigen, dass es keine homogene „asiatische Herausforderung“ gibt und die Berufung auf kulturelle Werte oft ein Instrument politischer Zweckmäßigkeit ist.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer politikwissenschaftlichen Analyse von Fachliteratur sowie der Untersuchung konkreter politischer Reden und Diskurse in asiatischen Staaten.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil widmet sich der Begriffsklärung von Kultur, der theoretischen Einordnung nach Huntington sowie einer detaillierten Analyse der Situation in Malaysia, Singapur, Japan und China.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind asiatische Werte, Zivilisationsparadigma, Entwicklungsdiktatur und politische Instrumentalisierung von Kultur.

Wie bewertet der Autor die Rolle des Konfuzianismus?

Der Autor argumentiert, dass der Konfuzianismus von den herrschenden Eliten gezielt als Ideologie umgedeutet wurde, um Gehorsam und Unterordnung als soziale Pflicht zu legitimieren.

Warum lehnen die untersuchten Regime westliche Menschenrechte ab?

Die Regime sehen in universellen Menschenrechten ein Werkzeug westlicher Einmischung, das ihr Machtmonopol gefährdet, und propagieren stattdessen eine kontextabhängige Auslegung der Rechte.

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Details

Title
Das neue asiatische Selbstbewusstsein als Machtideologie und Entwicklungsdiktatur
College
Otto-von-Guericke-University Magdeburg  (Institut für Politikwissenschaft)
Course
Hauptseminar Veränderungen in der internationalen Politik nach 1989
Grade
1
Author
Jens Kayser (Author)
Publication Year
2001
Pages
26
Catalog Number
V1014
ISBN (eBook)
9783638106252
Language
German
Tags
asiatische Werte Zivilisationsparadigma Huntington Ostasien
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Jens Kayser (Author), 2001, Das neue asiatische Selbstbewusstsein als Machtideologie und Entwicklungsdiktatur, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1014
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