Theorie der Finanzintermediäre


Hausarbeit (Hauptseminar), 2002

33 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Symbolverzeichnis

1 Einführung
1.1 Abgrenzung des Themas
1.2 Ziel und Aufbau der Arbeit

2 Das Modell von Diamond und Rajan (2001)
2.1 Rahmen
2.2 Annahmen
2.2.1 Projekte und Finanzierung
2.2.2 Relationship-Lending
2.2.3 Begrenzte Möglichkeit zur Verpflichtung (Limited Commitment)
2.2.4 Liquiditätsschock und Konsequenzen der Illiquidität
2.3 Funktionsweise
2.3.1 Optimale Verträge
2.3.2 Finanzintermediation
2.3.2.1 Disziplinierung der Bank durch eine anfällige Kapitalstruktur
2.3.2.2 Der Depositenvertrag
2.3.2.3 Verhandlungen mit der Bank und mögliche Ergebnisse
2.3.2.4 Bedingungen zur Lösung des Problems der Illiquidität sowie Schaffung von Liquidität über zwei Perioden
2.4 Zusammenfassung der Ergebnisse

3 Kritische Auseinandersetzung mit dem Modell und seinen Ergebnissen
3.1 Implikationen des Modells
3.1.1 Unterscheidung von Finanz-Institutionen
3.1.2 Narrow-Banking, Eigenkapitalanforderungen und Einlagenversicherung
3.2 Bezug zur Literatur und Vergleich mit Modellen anderer Autoren
3.3 Hinterfragen der Annahmen und Überprüfung auf Realitätsnähe

4 Fazit und Ausblick

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Verhandlung zwischen Unternehmer und Relationship Lender zum Zeitpunkt

Abb. 2: Ergebnis der Verhandlung zwischen Sparern und Bank zum Zeitpunkt 2 sowie Folgen des Bankruns

Abb. 3: Modellvergleich

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Symbolverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einführung

1.1 Abgrenzung des Themas

Wie Diamond und Dybvig (1983) in ihrem Modell gezeigt haben, besteht grundsätzlich jederzeit die Gefahr eines Bankruns, da Banken langfristig illiquide Kredite über kurzfristig abrufbare Depositen finanzieren. Diamond und Rajan (2001) zeigen nun, dass eine solch anfällige Kapitalstruktur für eine Bank trotzdem sinnvoll ist, weil dadurch Liquidität auf beiden Seiten der Bankbilanz geschaffen wird.[1] Banken verfügen als Finanzintermediäre über spezielle Fähigkeiten beim Einzug von Kreditrückzahlungen[2] und können illiquide Vermögensgegenstände wie Kredite in liquidere Vermögensgegenstände wie Sichteinlagen transformieren.[3]

1.2 Ziel und Aufbau der Arbeit

Ziel der Arbeit ist es, zunächst das Modell von Diamond und Rajan (2001) mit den zugrundeliegenden Annahmen, seiner Funktionsweise und den wichtigsten Ergebnissen darzustellen. Es folgt eine kritische Auseinandersetzung. Diese umfasst die Implikationen des Modells, den Vergleich ausgewählter Aspekte mit den Ergebnissen anderer Autoren sowie die Überprüfung einiger Annahmen auf Realitätsnähe. Den Abschluss bildet ein Fazit.

2 Das Modell von Diamond und Rajan (2001)

2.1 Rahmen

Zu den Aktivitäten der Banken gehören sowohl die Kreditvergabe (Aktivseite ihrer Bilanz) als auch die Bereitstellung von Liquidität im Bedarfsfall für die Sparer, die ihre Einlage zurückfordern (Passivseite). Wenn der Liquiditätsbedarf der Sparer zu einem ungünstigen Zeitpunkt entsteht, könnte die Bank gezwungen sein, relativ illiquide Vermögensgegenstände kurzfristig veräußern zu müssen.[4] Die Aussicht hierauf, in Verbindung mit der sequentiellen Bedienung der Sparer kann zu einem Bankrun führen und die Bankaktivitäten weiter durcheinander bringen. Diamond und Rajan sind der Ansicht, dass dennoch hinter der anfälligen Kapitalstruktur von Banken durchaus eine Logik steckt, die im Folgenden erläutert wird.[5]

2.2 Annahmen

2.2.1 Projekte und Finanzierung

Betrachtet wird ein Zeitraum von zwei Perioden mit den drei Zeitpunkten 0,1,2.[6] Es gibt vermögenslose Unternehmer mit einem Projekt, welches 2 Perioden dauert, eine Anfangsinvestition in Höhe von 1 Geldeinheit erfordert und einen risikolosen Cashflow von Ct zum Zeitpunkt t generiert, sofern der Unternehmer an dem Projekt arbeitet.[7] Der Unternehmer hat spezielle Fähigkeiten, die erforderlich sind, um aus dem Projekt einen Cashflow zu generieren.[8]

Weiterhin gibt es potentielle Investoren mit einem Anfangsvermögen von 1 GE.[9] Jeder Investor hat zusätzlich zum Projekt Zugang zur Investition in eine Alternativtechnologie mit einer sicheren Rückzahlung von 1.[10] Für alle Agenten wird eine lineare Konsumnutzenfunktion unterstellt.[11] Die Investition in das Projekt ist beobachtbar, und es können Verträge abgeschlossen werden. Im Rahmen dieser Verträge werden Rückzahlungen Pt zum Zeitpunkt t, zu denen sich der Unternehmer als Kreditnehmer gegenüber dem Kreditgeber verpflichtet, vereinbart. Weiterhin wird festgelegt, dass der Kreditgeber die Kontrollrechte über das Projekt erhält, sofern der Unternehmer ausfällt.[12]

2.2.2 Relationship-Lending

Im Rahmen der Arbeit ist der Begriff des Relationsship Lenders zentral. Damit wird der Kreditgeber zum Zeitpunkt 0 bezeichnet, der ein Projekt des Unternehmers finanziert. Der Relationship Lender steht seit einem sehr frühen Stadium mit dem Unternehmer in Beziehung und weiß daher, wie das Geschäft aufgebaut wurde und welche alternativen Strategien in Betracht gezogen wurden. Aufgrund dessen hat er besondere beziehungsspezifische Fähigkeiten entwickelt.[13] Leistet der Unternehmer die vereinbarten Zahlungen nicht, kann der Relationship Lender das Projekt zum Gegenwartswert Xt liquidieren, indem er es dem Unternehmer entzieht und die Vermögensgegenstände ihrer zweitbesten Verwendung zuführt.[14] Andere Kreditgeber haben diese spezifischen Fähigkeiten nicht und können daher nur den geringeren Betrag bXt generieren, wobei gilt 0 £ b < 1.[15] Bezüglich der Cashflows und der Liquidationswerte liegt symmetrische Information vor.[16]

Die Bereitschaft des Kreditgebers, den Unternehmer zu finanzieren wird durch zwei Aspekte begrenzt: Zum einen kann sich der Unternehmer nur eingeschränkt verpflichten und zum anderen könnte der Relationship Lender einen Liquiditätsschock[17] erleiden.[18]

2.2.3 Begrenzte Möglichkeit zur Verpflichtung (Limited Commitment)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der Unternehmer bietet dem Relationship Lender die alternative laufende Zahlung P1’ an, wobei gilt: P1’< P1. Weiterhin offeriert er die nicht mehr nachzuverhandelnde Zahlung P2’ für den Zeitpunkt 2. Dafür steckt er seine Arbeitskraft in das Projekt und leistet die neu versprochenen Zahlungen aus dem Cashflow des Projekts. Dies macht er aber nur, wenn eine Vereinbarung bzw. Einigung mit Relationship Lender erzielt werden kann.

Es wird angenommen, dass sich der Unternehmer immer nur für einen bestimmten Zeitpunkt verpflichten kann, an einem spezifischen Projekt zu arbeiten.[19] Das impliziert, dass der Unternehmer drohen kann, nicht mehr weiter zu arbeiten, bevor der Cashflow zum Zeitpunkt 1 entstanden ist, wenn nicht die Bedingungen der Finanzierung neuverhandelt werden.[20] Dabei bietet der Unternehmer dem Relationship Lender im Rahmen eines „Annehmen-oder-Ablehnen“-Angebots eine niedrigere Zahlung P1’ als die vorher verhandelte Zahlung P1 an. Ebenso kann er vor Zeitpunkt 2 handeln. Ferner wird unterstellt, dass der Unternehmer die Verhandlungsmacht hat.[21] Es ergibt sich folgendes Szenario:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Verhandlung zwischen Unternehmer und Relationship Lender zum Zeitpunkt 1 [22]

Dadurch, dass sich der Unternehmer nicht zur Zahlung der versprochenen Zahlungen verpflichten kann, sind Neuverhandlungen bezüglich des Kredites möglich und dadurch wird der Vermögensgegenstand illiquide.[23]

2.2.4 Liquiditätsschock und Konsequenzen der Illiquidität

Jeder Investor erleidet mit der Wahrscheinlichkeit q zum Zeitpunkt 1 einen Liquiditätsschock, der durch eine hoch bewertete Konsum- oder Investitionsgelegenheit ausgelöst wird, und den Investor ungeduldig macht.[24] Der Liquiditätsschock, der eine private Information[25] darstellt, steigert die persönliche Zeitpräferenz. Das führt dazu, dass ein Gut zum Zeitpunkt 1 R Einheiten des Gutes zum Zeitpunkt 2 wert ist.[26] Sofern kein Liquiditätsschock erlitten wird, ist die Diskontrate 1, d.h. zukünftiger Konsum wird nicht diskontiert.[27] Weiterhin wird eine aggregierte Knappheit an Liquidität ausgeschlossen, da die anfängliche Kapitalausstattung der Investoren ausreichend ist, um die Projekte zu finanzieren.[28] Der Anspruch auf eine Einheit Konsum zum Zeitpunkt t + 1 kann jederzeit am Markt für eine Einheit Konsum zum Zeitpunkt t verkauft werden.[29]

Der Liquiditätsschock führt zu einem Mittelbedarf. Der Kreditgeber kann entweder den Kredit, d.h. seine Forderung an den Unternehmer, an einen Dritten verkaufen (loan sale) oder sich refinanzieren und dabei den Kredit als Sicherheit verwenden (borrow against the collateral of the loan).

In beiden Fällen wird er jedoch aufgrund seiner eingeschränkten Möglichkeit, sich zu verpflichten (Limited Commitment), weniger als den Nennwert erzielen.[30]

Daher wird der Kreditgeber, der mit der Wahrscheinlichkeit q einen Liquiditätsschock erleidet, wenn er antizipiert, dass der Kredit an den Unternehmer illiquide ist, den Kredit nicht gewähren oder eine Illiquiditätsprämie fordern, die ihn für den niedrigeren Wert im Falle eines Liquiditätsbedarfs entschädigt.[31]

[...]


[1] „Liquidity can be defined as a bank´s ability to provide for the legitimate credit needs of its clients, to meet possible deposit withdrawals, to avoid a fire sale of assets and to maintain its financial staying power.“ Chorafas, 1998, S.126. Diese Definition von Liquidität spiegelt sich bei Diamond/Rajan wider und wird auch im Rahmen dieser Arbeit zugrunde gelegt.

[2] Hierbei handelt es sich um sog. „relationship specific skills“, die im Abschnitt 2.2.2 „Relationship-Lending“ noch genauer erklärt werden.

[3] Diamond/Dybvig (1983) zeigen, dass durch einen Depositenvertrag eine überlegene Allokation erreicht werden kann. Sie weisen nach, dass es bei traditionellen Depositenverträgen, die Liquidität bieten, mehrere Nash-Gleichgewichte gibt, wovon eines der Bankrun ist. Vgl. Diamond/Dybvig, 1983, S.401 ff. sowie Hartmann-Wendels/Pfingsten/Weber, 200, S. 258. Kernliteratur dieser Arbeit ist jedoch der Aufsatz “Liquidity Risk, Liquidity Creation, and Financial Fragility: A Theory of Banking” von Diamond/Rajan. Dieser erklärt, inwiefern eine anfällige Kapitalstruktur die Schaffung von Liquidität erlaubt. Vgl. Diamond/Rajan, 2001a.

[4] Der Zwang zu einer schnellen Liquidation ist i.d.R. mit Preisabschlägen bzw. Verlusten für die Bank verbunden. In Deutschland schreibt § 11 des Kreditwesengesetzes vor, dass Kreditinstitute ihre Mittel so anlegen müssen, dass jederzeit eine ausreichende Zahlungsbereitschaft gewährleistet ist. Der Liquiditätsgrundsatz II schreibt vor, wie diese Anforderung zu erfüllen ist.

[5] Vgl. Diamond/Rajan, 2001b, S. 1.

[6] Vgl. Diamond/Rajan, 2001a, S. 290.

[7] Vgl. Diamond/Rajan, 2001a, S. 290.

[8] Vgl. Diamond/Rajan, 2001b, S. 1.

[9] Vgl. Diamond/Rajan, 2001a, S. 290. Daneben existieren beliebig viele andere Investoren mit kleinerem Anfangsvermögen zu unterschiedlichen Zeitpunkten, deren exakte Verteilung jedoch nicht entscheidend ist.

[10] Vgl. Diamond/Rajan, 2001b, S. 1 und Hartmann-Wendels, 2000, S. 120. Diese Alternativtechnologie ist nicht näher spezifiziert; Diamond/Rajan nennen sie „Storage“.

[11] Vgl. Diamond/Rajan, 2001a, S. 290. In diesem Zusammenhang ist wichtig, dass bei einer linearen Konsumnutzenfunktion jede zusätzliche Geldeinheit den gleichen Nutzen stiftet. Gleichzeitig impliziert diese Annahme Risikoneutralität. Zum Zusammenhang zwischen Krümmung der Nutzenfunktion und Risikoeinstellung Vgl. Eisenführ, 1999, S. 223.

[12] Der Unternehmer fällt z.B. dadurch aus, dass er die vertraglich vereinbarte Zahlung verweigert. Vgl. Diamond/Rajan, 2001a, S. 290.

[13] Da es Zeit und Aufwand bedeutet, eine Beziehung aufzubauen, wird angenommen, dass der Unternehmer zu Beginn nur von einem Kreditgeber leihen kann.

[14] Vgl. Diamond/Rajan, 2001a, S. 290f. und Diamond/Rajan, 2001b, S. 1f.

[15] Vgl. Diamond/Rajan, 2001a, S. 291.

[16] Vgl. Diamond/Rajan, 2001a, S. 291.

[17] Zum Liquiditätsschock vgl. Abschnitt 2.2.4: Liquiditätsschock und Konsequenzen der Illiquidität.

[18] Vgl. Diamond/Rajan, 2001a, S. 291f.

[19] Vgl. Diamond/Rajan, 2001a, S. 291. Zur Verpflichtung des Humankapitals siehe vertiefend Hart/Moore, 1994, S. 841 f.

[20] Vgl. Diamond/Rajan, 2001b, S. 2 .Hier wird unterstellt, dass zum Zeitpunkt 0 geliehen und investiert wurde.

[21] Vgl. Diamond/Rajan, 2001b, S. 2.

[22] Eigene Darstellung in Anlehnung an Diamond/Rajan, 2001a, S. 293.

[23] Vgl. Diamond/Rajan, 2001b, S. 2.

[24] Vgl. Diamond/Rajan, 2001a, S. 292. Die Investoren, die mit der Wahrscheinlichkeit (1-q) keinen Liquiditätsschock erleiden sind geduldig. Im folgenden gilt: 0 £ q < 1, d.h. die Wahrscheinlichkeit für einen Liquiditätsschock ist positiv, aber kleiner als 1.

[25] Dass der Liquiditätsschock eine private Information ist, bedeutet, dass nur derjenige, der ihn erleidet davon weiß. Die anderen Agenten haben davon keine Kenntnis und können daher diese Information nicht in ihre Planung einbeziehen.

[26] Vgl. Diamond/Rajan, 2001a, S. 292. Das bedeutet, dass die Diskontrate für jeden, der einen Liquiditätsschock erleidet, R beträgt. Gegenwärtiger Konsum stiftet einen höheren Nutzen als zukünftiger Konsum.

[27] Wenn die Diskontrate 1 beträgt und zukünftiger Konsum nicht diskontiert wird, beträgt der Diskontierungszinssatz 0 %.

[28] Der Fall der aggregierten Liquiditätsknappheit ( “aggregate liquidity shortage“) wird in Diamond (1997) behandelt. Diamond/Rajan untersuchen an anderer Stelle, wie aggregierte Liquiditätsknappheit zur Insolvenz einer Bank führen kann und inwiefern beide Faktoren zusammenhängen. Vgl. Diamond/Rajan, 2001c.

[29] Vgl. Diamond/Rajan, 2001a, S. 292.

[30] Vgl. Diamond/Rajan, 2001b, S. 3.

[31] Vgl. Diamond/Rajan, 2001b, S. 3.

Ende der Leseprobe aus 33 Seiten

Details

Titel
Theorie der Finanzintermediäre
Hochschule
Universität zu Köln  (Seminar für Allgemeine BWL und Bankbetriebslehre)
Veranstaltung
Hauptseminar Optimale Gestaltung von Finanzierungsbeziehungen
Note
1,0
Autor
Jahr
2002
Seiten
33
Katalognummer
V10151
ISBN (eBook)
9783638166683
ISBN (Buch)
9783638679589
Dateigröße
656 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Finanzintermediär, Diamond, Rajan, Kapitalstruktur
Arbeit zitieren
Sandra Steinbüchel (Autor), 2002, Theorie der Finanzintermediäre, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/10151

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