Ursachen jugendlicher Gewalt gegen Fremde

Sozialer und psychologischer Erklärungsansatz sowie pädagogische Handlungsmöglichkeiten


Hausarbeit, 2000

23 Seiten


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Inhaltsverzeichnis

1. Vorwort

2. Zum „individualisierungstheoretischen“ Erklärungsansatz von Wilhelm Heitmeyer
2.1 Das Heitmeyersche Erklärungsmodell im Spiegel der Kritik

3. Eine psychologische Interpretation fremdenfeindlicher Tendenzen bei Jugendlichen
3.1 Zur Relativierung der Mängel am Erklärungskonzept von Wilhelm Heitmeyer mit Hilfe psychoanalytischer Begründungsfaktoren

4. Plädoyer für ein mehrdimensionales respektive integrierendes Erklärungsmodell

5. Möglichkeiten und Grenzen der Pädagogik bei der Bekämpfung jugendlicher Fremdenfeindlichkeit
5.1 Das jugendpädagogische Konzept der akzeptierenden Jugendarbeit
5.2 Zur Kritik an der akzeptierenden Jugendarbeit

6. Ausblick

7. Literaturangaben

1. Vorwort

Gewalt und Fremdenfeindlichkeit sind derzeit wieder ein bestimmendes Thema der öffentlichen Diskussion innerhalb der Bundesrepublik Deutschland. Dies scheint gerade vor dem Hintergrund der in jüngster Zeit registrierten deutlichen Zunahme rechtsextremistischer und antisemitischer Straftaten verständlich.1 In der aktuellen Debatte um die Vermeidung fremdenfeindlicher Übergriffe werden von seiten der Politik hauptsächlich schärfere Gesetze sowie Parteiverbote angeführt. Wissenschaftler indes, die sich der Rechtsextremismus- und Migrationsforschung widmen, warnen vor einer solchen verkürzten und einseitigen Herangehensweise an diese brisante und vielschichtige Problematik.2

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit den Ursachen jugendlicher Gewalt gegen Fremde. Dabei ist anzumerken, daß Gewalt und Fremdenfeindlichkeit nicht ausschließlich als Jugendphänomen festzumachen sind, wie leider in der gegenwärtigen Diskussion häufig geschehen. Auch bezüglich der Ursachen existiert nicht eine Erklärung für fremdenfeindliche Gewalt schlechthin. Vielmehr gibt es verschiedene, respektive in unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen erarbeitete theoretische Erklärungsansätze, welche alle ihren Beitrag, besser gesagt ein Mosaik, zur Deutung dieses komplexen, somit multifaktoriellen Phänomens liefern. Damit wird offensichtlich, daß jedes Theoriemodell für sich betrachtet, also jede monokausale Erklärung für die Entstehung fremdenfeindlicher Gewalt zu kurz greift. Ferner macht es wenig Sinn, die verschiedenen Ansätze auf unterschiedlichen Ebenen gegeneinander zu stellen und beispielsweise Erklärungen in makrosozialer, mikrosozialer oder in persönlichkeitstheoretischer Hinsicht zu präferieren. Demgegenüber müssen die unterschiedlichen Konzepte miteinander verbunden, beziehungsweise soweit möglich integriert werden, um auf diese Weise die auf differenten Ebenen wirksamen Einflüsse und Zusammenhänge zu berücksichtigen, gleichzeitig die vorhandenen Grenzen der einzelnen Ansätze aufzuheben. In diesem Zusammenhang dürfen die heterogenen Bedingungen in Ost- und Westdeutschland nicht unbeachtet bleiben. Für eine treffendere Erklärung des komplexen Phänomens fremdenfeindlicher Gewalt kommt es letztlich nicht auf ein Ausschließungs-, sondern eher auf ein Ergänzungsverhältnis der einzelnen Ansätze zueinander an.3 Mit anderen Worten, wissenschaftlich betrachtet müssen transdisziplinäre Gesichtspunkte im Vordergrund stehen.

Jene Ausarbeitung verfolgt nun einen solchen Schritt, setzt dabei aber einen Schwerpunkt. Im folgenden werden zwei Erklärungsansätze für die Entstehung jugendlicher Gewalt gegen Fremde näher beleuchtet, mithin zu verknüpfen versucht. Diese Verbindung dient dem Ziel, die Schwachstellen des jeweiligen Konzeptes unter Einbeziehung des anderen aufzulösen, gleichsam um die Aussagekraft eines praktisch integrierten Theoriekonzeptes zu untermauern. Im Zentrum nachfolgender Ausführungen steht der hauptsächlich auf Wilhelm Heitmeyer zurückgehende individualisierungs- bzw. desintegrationstheoretische Erklärungsansatz, auch weithin bekannt als sozialer Begründungsfaktor für die Entstehung fremdenfeindlicher Gewalt.4 Die durchaus berechtigte Kritik und die vorhandenen Mängel an diesem Modell lassen sich mit Hilfe eines psychologischen respektive psychoanalytischen Ansatzes, der in der Tradition der Theorie des autoritären Charakters von Theodor W. Adorno steht, sprich Autoritarismusforschung, widerlegen. Die hier ebenfalls vorgestellten psychologischen Begründungsfaktoren bleiben gleichfalls ohne Berücksichtigung sozialer oder gesellschaftlicher Zusammenhänge, wie weiter gezeigt wird, monokausal, deutlicher gesagt unzulänglich.

Die zentrale These der Arbeit lautet also: Die im sozialen Erklärungsansatz von Wilhelm Heitmeyer vorhandenen Mängel lassen sich unter Hinzuziehung psychologischer und psychoanalytischer Begründungsfaktoren beseitigen und umgekehrt. Dadurch entsteht ein aus sozialen und psychologischen Zusammenhängen integriertes Erklärungskonzept, welches im Hinblick auf die Komplexität der Ursachen fremdenfeindlicher Gewalt aussagekräftiger ist, als monokausale Erklärungsansätze.

Im Anschluß daran werden, um einen Praxisbezug herzustellen und die Erziehungswissenschaften hinsichtlich der angesprochenen Problematik nicht außer acht zu lassen, Möglichkeiten und Grenzen der Pädagogik bei der Bekämpfung jugendlicher Gewalt gegen Fremde skizziert. Die dabei konkret erwähnten pädagogischen Interventions- und Präventionskonzepte stehen natürlich in direkter Verbindung mit dem die sozialen sowie psychologischen Faktoren berücksichtigenden Erklärungsmodell.

Jugendlichen“ in: Hennig, Claudia: „Jugend und Gewalt: sozialwissenschaftliche Diskussion und Handlungsansätze; eine Dokumentation“, S. 19; Bonn 1995

2. Zum „individualisierungstheoretischen“ Erklärungsansatz von Wilhelm Heitmeyer

Das vorliegende Kapitel stellt die Kernaussagen des von Wilhelm Heitmeyer im Rahmen der Bielefelder Rechtsextremismusstudie (1992) entwickelten „individualisierungstheoretischen“ Erklärungsansatzes vor.

Heitmeyer geht es um ein soziolgisches Verständnis des jugendlichen Rechtsextremismus. In Anschluß an Ulrich Beck (1986) versucht er jugendliche Gewalt gegen Fremde aus den Folgen von Individualisierungsschüben zu erklären, die sich aus der Modernisierung hochindustrialisierter Gesellschaften ergeben. Die Grundlage des Erklärungsmodells bildet ein sozialisationstheoretisches Konzept, welches eine sozial-strukturelle, eine sozial-interaktive sowie eine individuelle Ebene unterscheidet.5 Auf sozial-struktureller Ebene fungiert der Arbeitsmarkt als Motor einer Individualisierung von Lebenslagen. Damit verbunden ist eine Ausweitung von „Konkurrenzbeziehungen“ bzw. eine „Monetarisierung sozialer Beziehungen“.6 In der modernen Gesellschaft stehen den universalistischen Lebensinhalten der Ausbildung individuell zu bewältigende Selektionsprozesse gegenüber. Auf dem zunehmend flexibilisierten Arbeitsmarkt muß sich der einzelne als Akteur eines eigenen, nicht mit einer Gruppe zusammenfallenden Lebensweges sehen. Kollektive Handlungs- und Durchsetzungsformen sowie stabile Solidaritätsbekundungen verlieren so an Bedeutung oder werden unerreichbar. Als Konsequenz dieser sozial-strukturellen Veränderungen geht die „Lebensbewältigung“ durch stützende und stabilisierende „Milieus“ drastisch zurück, wobei Heitmeyer die milieutheoretischen Überlegungen auf der sozial-interaktiven Ebene ansiedelt.

Individualisierung und Vereinzelung sind somit die beiden Seiten der Medaille des Individualisierungsprozesses. Oder anders: Da infolge der Freisetzung aus den sozialmoralischen Milieus der Klasse und Schicht und der Entzauberung traditionaler Glaubensgewißheiten der spätere soziale Status ganz entscheidend von der eigenen Bildung und beruflichen Qualifikation abhängig wird, stellt die Individualisierung von Lebenslagen sowie die Pluralisierung von Lebensstilen nicht nur eine Chance zur Individuation dar, sondern bringt auch neue Risiken hervor.7

In diesem durch die Zersetzung stabilisierender Milieus entstandenen Vakuum entsteht nun einerseits der Wunsch nach „synthetischen Gemeinschaften“, „Milieusurrogaten“, andererseits entwickelt sich Selbstdurchsetzung und damit verbunden Instrumentalisierung der anderen als „systemaffine Form der Identität“, also um die Identität zu wahren, den jeweiligen Status zu sichern, Aufstieg zu realisieren oder zumindest „irgendwie“ Anschluß zu finden. Bewältigungsprobleme im Zusammenhang unsicher gewordener „beruflicher Normalbiographien“, Ohnmachtsgefühle bei der Realisierung der eigenen Lebensplanung und insbesondere die Verarbeitung der Vereinzelungserfahrung können somit einerseits in Form von (relativ) unpolitischen „synthetischen Gemeinschaften“ (Fan-Clubs, Cliquen, die bestimmten Modetrends folgen etc.), andererseits aber in Gestalt politischer Ideologien, Überzeugungen und Gruppierungen überwunden werden. Mit anderen Worten, wo Jugendlichen der Zugang zur ökonomischen Selbständigkeit versagt wird, da stellen sich Heitmeyer zufolge „Identitätsprobleme“ ein, die häufig durch den Rückgriff auf „vormoderne“, einfache und überschaubare „Gewißheiten“ gemeistert werden. Hier sind Tacheles gesprochen vor allem rechtsradikale Ideologien oder Gruppierungen mit ihren Versuchen gemeint, durch die Abwertung von Minderheiten (insbesondere von Ausländern) und das Zugehörigkeitsgefühl als „Deutscher“, Sicherheit und Orientierung, sprich „Gewißheit“, zu vermitteln. Ähnlich können andere „Naturkategorien“ wie Rasse, Hautfarbe oder Geschlecht aufgrund ihrer zeitlichen Konstanz, ihrer direkten Wahrnehmbarkeit und ihrer Widersprüchlichkeit zum Leistungsprinzip als Mittel einer (fiktiven) Überwindung der Vereinzelung eingesetzt werden. Heitmeyer kennzeichnet seine Überlegungen als Instrumentalisierungsthese und gelangt am Schluß seiner Untersuchung zu folgenden zentralen Behauptungen:

1.) Instrumentalisierung als „Mittel der Verfügung über andere“ ist der Ausdruck „ambivalenter Individualisierungsbedingungen“ in hochindustrialisierten Gesellschaften und zugleich Grundlage eines „materiellen Nationalismus“.
2.) Subjektive Sinnhaftigkeit oder eine stabilere Identität kann durch Ideologien der Ungleichheit hergestellt werden; diese dienen Zugleich als Legitimation von Gewalt.

2.1 Das Heitmeyersche Erklärungsmodell im Spiegel der Kritik

Der folgende Abschnitt skizziert Mängel und Schwachstellen des individualisierungstheoretischen Erklärungsansatzes. Besondere Berücksichtigung genießen dabei gerade diejenigen kritischen Sozialisationstheorie aufgrund einer tiefenhermeneutischen Sekundäranalyse“, S. 279, in: König, Hans-Dieter: s.o.

Aspekte, welche im weiteren Verlauf der Ausarbeitung von psychologischer und psychoanalytischer Seite aufgegriffen werden.

In Heitmeyers Rechtsextremismusstudie geht es hauptsächlich um die Beantwortung der Frage, ob die spezifische Problembelastung der sozialen Ausgrenzung vom Arbeitsmarkt, „sei es als eigene latente Bedrohung oder als manifeste Erfahrung“, anfällig macht für rechtsextremistisch akzentuierte Problemlösungen.8 In diesem Zusammenhang ist die Einschränkung wichtig, daß nicht allein die Integration in die berufliche Normalbiographie vor Rechtsextremismus schützt. Damit versucht Heitmeyer die Ergebnisse einer früheren Studie (1987) aufzugreifen und weiterzuentwickeln, in der er irritiert feststellt, daß nicht nur sozial-desintegrierte, also arbeitslose Jugendliche zu rechtsextremistischen Orientierungen neigen, sondern ebenfalls über eine Normalbiographie verfügende Jugendliche.

Denn insbesondere junge Leute, die aufgrund einer „instrumentalistischen Orientierung“ die Arbeit als „notwendiges Übel der Existenzsicherung“ betrachten, leiden darunter, „daß keine dauerhaft tragfähige Sinnhaftigkeit von beruflicher Tätigkeit mehr präsent ist“. Wenn aber nun Arbeiten „inhaltsleer“ werden, dann ist die Gefahr groß, daß die aufgrund des Instrumentalismus entstehenden „Leerräume“ durch den Rückgriff auf rechtsextremistische Orientierungen „aufgefüllt“ werden. Erst ein „sachlich-inhaltliches Interesse“ an der eigenen Berufstätigkeit, aufgrund deren Jugendliche die Arbeit als sinnstiftend erleben, garantiert Heitmeyer zufolge Schutz vor gewaltakzeptierenden Orientierungen und fremdenfeindlichen Anleihen. Ob Heitmeyer instrumentelle oder sachlichinhaltliche Arbeitsorientierungen untersucht, er will die „Eigenlogik der Subjekte“ analysieren, welche die Realität immer schon auf eine „produktive“ Weise „verarbeiten“.9

Eben diesen Anspruch einer expliziten Betrachtung aller die Identitätsbildung beeinflussenden Faktoren, also auch der familialen Interaktionen sowie der intrasubjektiven oder psychologisch relevanten Prozesse, vermag Heitmeyer nicht einzulösen: Obwohl er danach fragt, wie Jugendliche Arbeitslosigkeit oder sinnentleerte Arbeit subjektiv verarbeiten, richtet er seinen Blick lediglich auf die Auseinandersetzung der Jugendlichen mit der aktuellen sozialen und ökonomischen Krisensituation, und bleibt damit auf einer makrosozialen Ebene hängen. Es entgeht ihm, daß die innere Verarbeitung der äußeren Realität von der im Verlaufe einer Lebensgeschichte entfalteten Identität abhängt, deren basale Strukturen in familiären Sozialisationsprozessen hergestellt werden und in der Adoleszenz reorganisiert werden. Zwar betont Heitmeyer die Kategorie der Identität - er verortet sein Identitäts-Konzept auf der individuellen Ebene - , die Differenziertheit biographischer Verläufe von Jugendlichen in rechtsextremistischen Gruppen sowie die Bedeutung sozialisierender Milieus, dennoch bleiben seine Ausführungen bzgl. des Familien-Milieus respektive der familialen Sozialisation und damit verbunden der Persönlichkeitsentwicklung unzureichend. Darüber hinaus vernachlässigt Heitmeyer psychologische Fragestellungen, genauer die mit dem Begriff der „autoritären Persönlichkeit“ verbundene Forschungsperspektive, fast vollständig. Man darf eben bei den Entstehungsbedingungen jugendlicher Gewalt gegen Fremde nicht nur die äußere Biographie (Familien-, Wohn- und Arbeitssituation) nachzeichnen, sondern muß auch nach den dem Bewußtsein nicht zugänglichen Motiven fragen. Eine derartige Betrachtung der inneren Realität oder inneren Biographie eines Subjekts bleibt bei Heitmeyer außen vor. Die nachfolgenden Ausführungen versuchen die hier skizzierte Kritik bzw. die Mängel des Heitmeyerschen Erklärungsansatzes mit Hilfe psychologischer, mithin psychoanalytischer Erklärungsmuster zu relativieren. Auf diese Weise soll gleichsam die Basis für ein sowohl die sozialen als auch die psychologischen Faktoren berücksichtigendes, letztlich integrierendes Erklärungsmodell geschaffen werden.

3. Eine psychologische Interpretation fremdenfeindlicher Tendenzen bei Jugendlichen

In den unterschiedlichen Versuchen, die Zunahme rechtsextremistischer Gewalttätigkeit zu erklären, spielen Überlegungen zur Biographie und zu den Sozialisationsbedingungen rechtsextremer Jugendlicher eine eher untergeordnete Rolle. Wie im ersten Kapitel gezeigt, darüber hinaus im Bekanntheitsgrad von Heitmeyers Theorie bestätigt, genießen in der Öffentlichkeit vielmehr Konzepte sowie theoretische Überlegungen Priorität, welche von der individuellen Geschichte abstrahieren und die Genese rechtsextremer Orientierung und Handlungsbereitschaft auf gesamtgesellschaftlicher Ebene verorten. Biographische sowie familienbezogene Deutungen fremdenfeindlicher Orientierungen gelten dagegen häufig als wissenschaftlich überholt oder einfach zu „psychologisch“. Die Konzentration auf Prozesse individueller Entwicklung würde zu einer Individualisierung von Schuldvorwürfen beitragen. Unsere Gesellschaft bzw. deren zentrale Institutionen und Machteliten würden dann aus ihrer Verantwortung für die Herausbildung rechtsextremer Potentiale entlassen, so der Vorwurf mancher Kritiker.10 Jenes Kapitel beschreibt nun dennoch einen psychologischen Ansatz zur Erklärung rechtsextremer Tendenzen, und zwar aufgrund folgender Überlegungen: Bei der Diskussion von Individualisierungsprozessen hat Heitmeyer in seiner Bielefelder Studie die Gesichtspunkte der Selbstbehauptung, Durchsetzungsbereitschaft und der instrumentellen Orientierung in den Vordergrund gestellt. Es erscheint allerdings aus psychologischer Sicht nicht angemessen, direkte Schlüsse von Individualisierungsprozessen auf gesellschaftlicher Ebene auf soziale, von instrumentellem Denken bestimmte Orientierungen zu ziehen. Denn Heitmeyer bleibt die Erklärung schuldig, warum Jugendliche, die von ihren äußeren Bedingungen her gesehen in derselben Situation von Konkurrenz, Leistungsdruck und sozialer Isolierung sind, hierauf unter dem Gesichtspunkt instrumenteller Orientierung und unter politischen Gesichtspunkten so unterschiedlich reagieren, wie man das vielfach beobachten kann. Es sind daher ganz offenkundig - über Faktoren der sozialen Lage, des Bildungsstandes und der Herkunft hinausgehend - weitere Überlegungen und Theorien erforderlich, wenn es um die Erklärung fremdenfeindlicher Orientierungen geht. Dabei sind sowohl Überlegungen zur politischen und kulturellen Sozialisation im Elternhaus, in der Schule, in politischen Organisationen oder in Gleichaltrigengruppen wichtig als auch, und hier explizit behandelt, Überlegungen zu den sozial-emotionalen Aspekten von Sozialisationsprozessen bzw. den innerfamilialen Sozialisations- und Beziehungserfahrungen sowie ihren Auswirkungen auf die Persönlichkeitsentwicklung.11 Zudem dürfen bei diesen hauptsächlich auf Adornos „Theorie der autoritären Persönlichkeit“ zurückgehenden Darlegungen gesamtgesellschaftliche Ebenen oder soziale Faktoren nicht außen vor bleiben. Wie implizit schon erwähnt, spielen die von Heitmeyer angesprochenen sozial-strukturellen Veränderungen oder makrosozialen Bedingungen eben auch dann eine wichtige Rolle, wenn es um die Biographie von Menschen, ihren Familienhintergrund, die ökonomische Situation ihrer Herkunftsfamilie oder ihre frühen Erfahrungen in Kinderkrippen, Kindergärten sowie Schulen u.ä. geht. Die vorhin angeführte Kritik bezüglich psychologischer oder familienbezogener Deutungen erscheint somit unbegründet, oder anders ausgedrückt: Eine psychologische Interpretation rechtsextremer Tendenzen bleibt ohne Berücksichtigung gesellschaftlicher Faktoren mangelhaft. Um die Ursachen jugendlicher Gewalt gegen Fremde wissenschaftlich fundiert zu erfassen, muß zumindest der Zusammenhang sozialer und psychologischer Ebenen herausgearbeitet werden.

Zentraler Gegenstand der 1950 erschienenen Untersuchungen zur „autoritären Persönlichkeit“ war der latente Rechtsextremismus bzw. die Bereitschaft zur Unterstützung faschistischer Bewegungen. Es ging um das „potentiell faschistische Individuum“, das von seiner psychischen Struktur her durch faschistische Propaganda besonders leicht zu beeinflussen ist, und nicht primär um Menschen, die bereits Mitglied faschistischer Organisationen waren oder sich explizit zum Faschismus bekannten. Bedeutend für das Verständnis des potentiell faschistischen Individuums ist nach den Thesen Theodor W. Adornos / Else Frenkel-Brunswiks u.a. nun seine „autoritäre“ Persönlichkeitsstruktur, welche selbst wiederum als Ergebnis der Bedingungen, unter denen er/sie aufgewachsen ist, verstanden wird. Zu den Merkmalen des Autoritarismuskonzeptes respektive autoritärer Strukturen gehören unter anderem: autoritäre Unterordnung, autoritäre Aggression und Konventionalismus. Bei der Interpretation der innerfamilialen Voraussetzungen autoritärer Entwicklungen wird auf den Aspekt der Vater-Dominanz, der Erziehungsstile und der generell eher nicht kindgerechten Atmosphäre in den Familien der Autoritären verwiesen.12

Christel Hopf und andere haben nun die Erkenntnisse der Theorie der autoritären Persönlichkeit auf die gegenwärtige Situation zu übertragen versucht. In diesem Zusammenhang stellen sie fest, daß heutige Rechtsextreme eher nur durch Teilaspekte des autoritären Syndroms, und zwar ausgeprägter durch die autoritäre Aggression, das Treten auf Schwächere, und weniger ausgeprägt durch die autoritäre Unterordnung, angemessen zu beschreiben sind. Nach Hopf vernachlässigen Adorno, Frenkel-Brunswik u.a. die besondere Bedeutung der Mutter-Kind-Beziehung und unterschiedlicher, jeweils spezifischer Beziehungskonstellation zwischen primären Bezugspersonen und heranwachsenden Kindern. Zudem neigen sie dazu, die Frage nach Qualität und Charakter innerfamilialer Sozialbeziehungen zugunsten der eingeschränkteren Frage nach Erziehungsstilen sowie Disziplinierungstechniken an den Rand zu drängen. Empirische Studien aus ganz unterschiedlichen Kontexten zeigen aber inzwischen, daß die emotionale Qualität der Beziehungen zwischen Eltern und Kindern und die Sicherheit, die diese Beziehungen dem heranwachsenden Kind vermitteln, im Zusammenhang mit den Phänomenen Autoritarismus und Rechtsextremismus von einiger Bedeutung sind. Für eine Weiterentwicklung bzw. Aktualisierung der Theorie Adornos ist dieser Aspekt von hoher Relevanz. John Bowlby und Mary Ainsworth verweisen in ihren Arbeiten auf die Bedeutung früher Beziehungs- und Bindungserfahrungen für die Persönlichkeitsentwicklung. Dabei richtet sich die Aufmerksamkeit insbesondere auf die ersten Lebensjahre und die Herausbildung der Beziehungen zwischen dem heranwachsenden Kind und der Mutter bzw. allgemeiner: der Person, die für die Versorgung sowie Betreuung des Kindes primär zuständig ist und auf die sich die Bindungswünsche des Säuglings und Kleinkindes zunächst beziehen. Diese Beziehungen können Sicherheit in unterschiedlichem Maße vermitteln oder nicht vermitteln. - An dieser Stelle sei auf das nachfolgende Kapitel verwiesen, in dem die Ursachen jugendlicher Fremdenfeindlichkeit auf mißlingende Anerkennungsbeziehungen in den intimisierten und affektiven kindlich-elterlichen Liebesverhältnissen zurückgeführt werden, also ein eher psychoanalytischer Erklärungsversuch. - Unter der Gegebenheit weiterer Voraussetzungen (z.B. in den Erziehungsstilen der Eltern oder im schulischen Kontext) neigen nun vor allem diejenigen zur Herausbildung autoritärer sowie rechtsextremer Dispositionen, welche in ihrer Kindheit zu keiner der für sie primär verantwortlichen Bezugspersonen eine sichere Bindung aufbauen konnten. Die Gruppe der unsicher-vermeidenden Kinder ist hierbei von ganz besonderem Interesse. Solche Kinder haben vor dem Hintergrund ihrer durch Zurückweisungs- und Trennungserlebnisse geprägten kindlichen Sozialerfahrungen ein Muster der „Verarbeitung“ entwickelt, das sich als vermeidend bezeichnen läßt. Sie kapseln sich innerlich ab, so daß Zurückweisungs- und Frustrationserfahrungen sie nicht mehr treffen können. Wie weitere Untersuchungen verdeutlichen, neigen die als unsicher-vermeidend klassifizierten Kinder in ihren Beziehungen zu Gleichaltrigen zu Dominanz und Drangsalierung der schwächeren Partner, ordnen sich in Konstellationen, in denen sie die Schwächeren sind, unter, sind aggressiver als andere und verfügen in besonders geringem Maße über die Fähigkeit zur Perspektivenübernahme und Empathie.13 Sie gelten somit als psychisch prädestiniert für fremdenfeindliche Tendenzen respektive gewalttätiges Handeln.

3.1 Zur Relativierung der Mängel am Erklärungskonzept von Wilhelm Heitmeyer mit Hilfe psychoanalytischer Begründungsfaktoren

Heitmeyer selbst stellt in seinem Erklärungskonzept entgegen eigenen Vermutungen fest, daß nicht nur Jugendliche mit offensichtlicher Desintegration und einem negativen Bild des eigenen Selbst zu fremdenfeindlichen oder gewaltorientierten Einstellungen neigen, sondern auch relativ integrierte, durch ein positives Selbstkonzept gekennzeichnete Jugendliche. Zwar betont Heitmeyer in seiner Bielefelder Langzeitstudie die hohe Relevanz der Familienbeziehungen und Familienentwicklungen, dennoch kann er dieses für ihn irritierende Ergebnis auch dort theoretisch nicht integrieren. So stößt er beispielsweise in seiner neueren Untersuchung auf einen Widerspruch, da die Fremdenfeindlichkeit eines Jugendlichen anhält, obwohl dieser ein großes sachlich-inhaltliches Arbeitsinteresse zeigt, welches ja laut Heitmeyer gerade fremdenfeindliche Orientierungen verhindern müßte.14 Der für die jugendliche Identitätsbildung so wichtige familiäre oder biographische Einfluß wird bei Heitmeyer völlig unterschätzt. Er differenziert verschiedene Milieus, und kann damit allgemeine Zuordnungen von Milieu, Arbeitsorientierungen und Verlaufslinien der politischen Orientierungen benennen. Diese sind sicher unter soziologischen Aspekten von Relevanz, erfassen jedoch nicht die inter-individuellen Differenzen im selben Milieu. Jene sind aber bei der Frage unerläßlich, warum Tausende anderer Jugendlicher in den von Heitmeyer ausdrücklich für fremdenfeindliche Tendenzen anfällig erklärten Situationen eben nicht gewaltbereit/-tätig sind.15

Psychoanalytisch, beziehungsweise im Rahmen einer Theorie der Grundlegung von Selbstkrisen, lassen sich nun jene Widersprüche und Irritationen als Ergebnis mißlingender Anerkennungsbeziehungen auflösen. Die Grundlage für eine entfaltete Achtung vor anderen wird nämlich in den frühkindlichen Prozessen der Anerkennung gelegt, in denen das Selbst erst gebildet und vom anderen abgegrenzt wird. Somit wurzelt die Möglichkeit der Anerkennung aber auch der Ablehnung fremder Anderer in den intimisierten, diffusen und affektiven kindlich-elterlichen Liebesverhältnissen.16

In der Psychoanalyse wird die Entstehung des Selbst als Ergebnis der verläßlichen und spiegelnden Anwesenheit von Selbst-Objekten, den signifikanten Anderen (Eltern, nahe Verwandte oder Freunde) der frühen Kindheit begriffen. Diese Selbst-Objekte ersetzen zu Beginn das noch nicht existente Selbst des Kindes, welches erst in rudimentären Formen entsteht. Für den allmählichen Aufbau eines gesicherten Kern-Selbst des Kindes müssen nun die sogenannten Selbst-Objekte konsistent verfügbar sein. Ein bedeutender Schritt ist dabei die Auftrennung der frühen SelbstSelbstobjekt-Verschmelzung. In dieser Auftrennungsproblematik, in der Selbst und andere für das Kind erst entstehen, ist es entscheidend, wie die nahen und in der Auftrennung zugleich „fremden“ Anderen mit dem Kind interagieren. Die Eltern als mögliche Selbst-Objekte müssen im Prozeß der Interaktion die ersten Spuren kindlicher Autonomie und das in dieser Phase hoch verletzliche Selbst des Kindes ausreichend stützen sowie Anerkennung gewähren.

Erfolgen Mißachtung, mangelnde Unterstützung oder auch ein zu starker Bindungswunsch von seiten der Eltern bereits in den frühkindlichen Loslösungsschritten, so entstehen narzißtische Wunden oder frühe Krisen bzw. Traumatisierungen des Selbst.17

Sobald das Kind sein Getrenntsein sowie erste Formen der Autonomie wahrnimmt, muß diese gegenüber dem Anderen, dem „Objekt“ verteidigt und bestätigt werden. Hierbei muß nicht nur das Selbst bewahrt, sondern das „Objekt“, der Andere auch als getrenntes, eigenständiges, aber geliebtes Objekt erzeugt und erhalten werden. Weist der Andere nun aber die aggressive kindliche Selbstbehauptung zurück, zerbricht er die kindlichen Willensäußerungen und Wünsche danach, sich zu behaupten und etwas alleine zu tun, so kommt es zu einer Überwältigung des Selbst durch den Anderen. Beugt sich der Andere jedoch dem kindlichen Versuch sein Selbst zu setzen zu sehr, so wird das „Objekt“ als eigenständiges negiert und die gegenseitige Anerkennung schlägt fehl. Mit anderen Worten, destruktive Regungen wie Haß, Wut, Rache und Gewalt finden hier ihren Ursprung. Sie dienen zur Sicherung eines desintegrierten, unsicheren Selbst oder einer fragilen Identität, weil dadurch die grundlegenden Ängste, weil Leere, Entwertung sowie Mißachtung ausgelöscht sind. Jene destruktiven Regungen ermöglichen quasi eine Restitution des Selbst.18

Die psychische Disposition zur Gewalt läßt sich demnach als Ausdruck scheiternder gegenseitiger Anerkennung in den intimisierten Selbst-Selbstobjekt-Beziehungen verstehen. Entscheidend für gewaltsames Ausagieren aber ist die psychische Verarbeitung: Kommt es zu einem Aufgeben des eigenen Selbst, wird die von außen erfolgende Entwertung und Mißachtung in das eigene Selbst aufgenommen, etwa im Sinne starker Scham- und Schuldgefühle, sowie einer ständigen Selbstentwertung durch harte Über-Ich und Ichidealbewertungen, so wird eher eine masochistische Position eingenommen: Gewalt wird hier nicht offensiv nach außen, sondern selbstdestruktiv nach innen gerichtet. Wird das egozentrische Omnipotenz- und Grandiositätsstreben des kleinen Kindes dagegen nur unzureichend durch die Grenzziehung des anderen relativiert, dann verbleibt psychisch das Streben nach Dominanz und Herrschaft und damit eine Nähe zur Ausübung von Gewalt, um diese Dominanz zu sichern. Auch dann, wenn reaktiv gegen Entwertungen und Traumatisierungen durch die Selbstobjekte ein grandioses Selbst oder eine Suche nach Omnipotenzobjekten vorherrscht, bleibt eine umso deutlichere Affinität zu Herrschaft und Gewalt, indem darin die gegen das eigene Selbst gerichteten frühen destruktiven Regungen nach außen ausagiert und darin Wut, Haß und „Rache“ stellvertretend für den frühen signifikanten Anderen an Ersatz-„Objekten“ ausgelebt werden können.

An dieser Stelle kann ein Blick auf das irritierende Ergebnis von Heitmeyer zurückgeworfen werden, daß sowohl selbstsichere wie unsichere Jugendliche fremdenfeindliche und gewaltsame Züge zeigen.

Daß Jugendliche mit geringem Selbstwertgefühl und Selbstbewußtsein zu Gewalt neigen können, versteht sich aus den Verletzungen, Mißachtungen, dem fehlgeschlagenen Kampf um Anerkennung: In der Gewalt agieren sie zum einen die damit einhergehenden Gefühle von Ohnmacht, Hilflosigkeit, Wut und Haß aus und bringen sich damit zugleich dem mißachtenden Anderen wieder zur Kenntnis. Jedoch können Verletzungen und Entwertungen hier auch im Sinne einer masochistisch-depressiven Verarbeitung als „angemessene“ Bestrafung des Selbst verstanden werden.

Daß „selbstbewußte“ Jugendliche eine Nähe zur Gewalt besitzen, kann zum einen als Ausdruck eines ungebrochenen frühkindlichen Omnipotenz- und Stärkewunsches verstanden werden, als Fixierung an Macht und Herrschaft, der sich als eine demonstrative, die Anerkennung des Anderen negierende Selbstdurchsetzung und -behauptung um jeden Preis äußern kann. Selbstbewußtsein kann aber auch als die manifeste Verkehrung eines latenten desintegrierten, entwerteten Selbst begriffen werden: Das eigene Selbst und Selbstwertgefühl wäre dann äußerst brüchig und unsicher etabliert, würde aber über gewaltsame, Andere mißachtende Haltungen und eine demonstrativ zur Schau gestellte Souveränität und Selbstbewußtheit gestützt. Dies kann ebenfalls, je nach psychischer Verarbeitung, von manifesten sowie latenten Grandiositäts- und Gewaltphantasien bis hin zum ungeregelten Ausagieren von Wut und Haß reichen.19

Beispielsweise werden die unsinnigen Gewaltausbrüche vieler Jugendlicher häufig in den Zusammenhang des Erlebens von Monotonie, Leere und Langeweile gestellt, zumal von den Tätern selbst. Langeweile, Leere und Monotonie aber stehen sowohl für fehlende Resonanz, für mangelnde Zuwendung sowie Anerkennung von seiten der Selbstobjekte, wie auch für ein brüchiges, entleertes Selbst. Monotonie und Langeweile des jugendlichen Alltages sowie die damit einhergehende Leere des jugendlichen Selbst könnte, praktisch analog zu frühkindlichen Phänomenen eines Ausfallens der Selbstobjekte, als mangelnde Resonanz und Anerkennung durch die soziale Objektwelt dieser Jugendlichen begriffen werden. Gewaltsame Ausbrüche aber beenden genau diese unerträglichen Selbstzustände und zwingen zur Resonanz anderer, denn die gewaltsamen Handlungen sind nicht zu ignorieren.

Ergo lassen sich nur durch die Einbeziehung der von Heitmeyer ausgeblendeten (frühen) Kindheit die hier und im vorherigen Kapitel beschriebenen innerfamilialen Konflikte der Identitätsbildung rekonstruieren, welche dann von den Jugendlichen im Rahmen ihrer adoleszenten Identitätskrise wiederbelebt werden. Denn die Jugendlichen sind in ihren Verarbeitungen der bedrohlichen und rasanten Veränderungen im adoleszenten Entwicklungsprozeß und in ihren daraus gespeisten Zukunftsentwürfen immer auch mit der teils bewußten, teils unbewußten Interpretation der eigenen Vergangenheit befaßt.20

Abschließend bleibt aber zu erwähnen, daß die Herausbildung der eben skizzierten affektiven Anerkennung in den intimisierten Familienbeziehungen, welche als Grundlage erweiterter Selbst- und Fremdachtung respektive psychoanalytisch als eine Ursache jugendlicher Fremdenfeindlichkeit begriffen werden kann, sozial konstituiert ist. Unbestreitbar wirken sich nämlich soziale Einflüsse wie Desintegrationsprozesse, Abstufungen, Verlust von Sozialmilieus und Arbeitspositionen auf das elterliche Selbst und damit auch auf die Möglichkeiten gelingender Anerkennungsbeziehungen im privatisierten, intimisierten familialen Binnenraum aus. Allerdings darf keineswegs davon ausgegangen werden, daß z.B. makrostrukturelle oder sozial erzeugte Belastungen (z.B. häufige Umzüge und Beziehungsnetzwechsel durch erzwungene Mobilität, Arbeitslosigkeit, der Zerfall gewachsener Siedlungsstrukturen etc.) unmittelbar zu Desintegrationen auf der Ebene des kindlichen oder jugendlichen Selbst führen. Klar erscheint dennoch, daß soziale Desintegrations- und Auflösungsprozesse, sowie Destabilisierungen der kulturellen Einbindungen und Stützungen die Integrität des Erwachsenenselbst unter Druck setzen und zumindest eine desintegrative Tendenz eröffnen, deren Ausmaß und Konsequenz allerdings je nach sozialem Ort, sozialer Familienbiographie, Stützungsressourcen und lebensgeschichtlichen Selbstschicksalen der Eltern sehr unterschiedlich sein kann. Will heißen, die hier beschriebenen psychoanalytischen Begründungsfaktoren für die Entstehung jugendlicher Gewalt gegen Fremde relativieren die Mängel an Heitmeyers sozialem Erklärungsansatz, bleiben aber wiederum ohne Berücksichtigung sozialer Faktoren monokausal. Um eine aussagekräftigere Erklärung abzuliefern, müssen letztlich und wie hier geschehen, sowohl psychoanalytische als auch soziale Faktoren zusammenhängend betrachtet werden.

4. Plädoyer für ein mehrdimensionales respektive integrierendes Erklärungsmodell

Trotz der vorhin beschriebenen Kritik an der Heitmeyerschen Analyse kann nicht bestritten werden, daß Heitmeyer eine mögliche Ursachendimension der aktuellen Fremdenfeindlichkeit oder des Rechtsradikalismus, insbesondere bei Jugendlichen, modellhaft dargelegt hat. Der Zusammenhang zwischen den mit gesellschaftlichen Modernisierungsprozessen verbundenen individuellen Risiken einerseits, und fremdenfeindlichen Orientierungen bei jungen Menschen andererseits, erscheint plausibel.21 Die Erklärungsdefizite, Mängel oder Widersprüche im Konzept von Wilhelm Heitmeyer sind auf dessen Vernachlässigung der familialen Sozialisation und Persönlichkeitsentwicklung bzw. Ausschließung der (frühen) Kindheit sowie den damit verknüpften unbewußten Motiven, mithin einer psychodynamischen Dimension, zurückzuführen. Im Kern verweilt Heitmeyers Bielefelder Langzeitstudie, trotz aller Aussagen bzgl. der Relevanz biographischer und innerfamilialer, somit persönlichkeitstheoretischer Bedingungen bei der Genese jugendlicher Gewalt gegen Fremde, ausschließlich auf einer makrosozialen Ebene. Die in der vorliegenden Arbeit aufgeführten psychologischen und psychoanalytischen Erklärungsmuster lösen die Widersprüche im Heitmeyerschen Ansatz auf, bleiben umgekehrt aber ohne Einbeziehung makrosozialer Bedingungen unzureichend. Um treffende und fundierte Aussagen über die Ursachen jugendlicher Fremdenfeindlichkeit zu ermöglichen, müssen somit die sozialen sowie psychologischen Faktoren verknüpft oder zusammenhängend betrachtet werden. Die Möglichkeit, ja sogar Notwendigkeit dieser Verknüpfung wurde in den vorherigen Abschnitten erörtert. Durch die Ergänzung eines rein soziologischen oder makrosozialen Ansatzes mit wichtigen biographischen und psychologischen Betrachtungsebenen wurde praktisch die Grundlage für ein integrierendes oder mehrdimensionales,schließlich aussagekräftigeres Erklärungsmodell geschaffen. Die aus defizitären Sozialisationsprozessen resultierenden bewußten und unbewußten sowie für Gewalt prädestinierenden Einstellungsmuster, lassen sich nämlich nur unter Hinzuziehung biographischer Verläufe verdeutlichen, bleiben demzufolge einer rein soziologischen Betrachtung nur teilweise zugänglich.22 Fremdenfeindlichkeit kann weder ausschließlich aus Persönlichkeitsstrukturen, noch ausschließlich mit sozialen, ökonomischen oder politischen Bedingungen erklärt werden.

5. Möglichkeiten und Grenzen der Pädagogik bei der Bekämpfung jugendlicher Fremden- feindlichkeit

Der Anstieg fremdenfeindlicher Gewalttaten unter Jugendlichen, insbesondere in den letzten Jahren, hat zu einer erneuten öffentlichen und wissenschaftlichen Debatte über pädagogische Handlungsmöglichkeiten geführt. Im Zentrum der Diskussion steht dabei die Jugendarbeit, welche ein wesentlicher Bestandteil der gesellschaftlichen und pädagogischen Interventions- und Rechtsextremismus“; Frankfurt/M. 1998 Präventionsstrategie für „Jugend als Problem“ bzw. „Probleme von Jugendlichen war und ist.23 Für Jugendpädagogik im allgemeinen und Jugendarbeit im besonderen lassen sich verschiedene (ganzheitliche) Leitkategorien sowie Reflexionsebenen benennen, die gerade bei der Frage nach dem professionellen Verständnis in diesem Feld nicht unwesentlich sind.24 Berücksichtigt man die in der Ausarbeitung vorgestellten makrosozialen und psychologischen Erklärungsmuster bei der Entstehung jugendlicher Fremdenfeindlichkeit, müssen hier vornehmlich die Kategorien der Selbstwert- und Kompetenzerfahrung sowie der Biographieentwicklung und Entwicklungsbegleitung Erwähnung finden. Die affektive Dimension der Selbstwert- und Kompetenzerfahrung verweist auf Verlust- und Ohnmachsterfahrungen in einer für viele Jugendliche kaum durchschaubaren sowie steuerbaren Gesellschaft. Damit wird indirekt auf die von Heitmeyer angesprochenen Risiken des gesellschaftlichen Modernisierungsprozesses verwiesen. Die Wünsche nach Anerkennung und sozialer Wertschätzung, nach Wert- und Selbstbewußtsein, nach Selbstwirksamkeit und eigener Zukunftsgewißheit müssen von Jugendlichen im Rahmen ihres alltäglichen Lebens erfahren werden und einlösbar sein. Werden dagegen Erfahrungen wie Mißachtung, Abwertung, Ausgrenzung und Desinteresse gemacht, sind hier Anknüpfungspunkte für regressive, einfache, autoritäre (auch gewaltförmige und rechtsextreme) Orientierungen und Lösungen zu sehen. Nun kann die Jugendarbeit mit ihren Arbeits- und Lernformen (insbesondere im Rahmen von bewegungs- und erlebnispädagogischen Angeboten) einen Beitrag dazu leisten, daß Jugendliche oftmals erste bzw. neue Erfahrungen machen, gebraucht, ernst- bzw. wahrgenommen zu werden, daß Selbstwertstärkung, Kompetenz- und Körpererfahrungen ermöglicht werden, die das Ziel haben, aggressive und gewaltförmige Körperpraxen überflüssig zu machen.

Mit Biographieentwicklung und Entwicklungsbegleitung ist die veränderte, lange und hochgradig ambivalente Jugendphase und deren „Bewältigung“ (die gelingen und mißlingen kann) sowie die Biographisierung der Lebensverhältnisse/-verläufe thematisiert. Jugendarbeit versucht „normale“ und benachteiligte, d.h. von Ausgrenzung bedrohte Jugendliche mit den Zielen „Aneignung von Geschlechtsidentität“ und „Zukunftsentwurf des Erwachsenseins“ institutionell und professionell sowie fördernd und vermittelnd zu begleiten. In diesem Zusammenhang ist der Blick in die Vergangenheit oder Lebensgeschichte der Jugendlichen unerläßlich, womit die psychologischen und psychoanalytischen Erklärungsmuster für die Genese jugendlicher Fremdenfeindlichkeit angesprochen sind. Denn eine (methodische) Rekonstruktion der Biographie dieser jungen Menschen, einschließlich ihrer Anerkennungserfahrungen (äußere Realität) sowie deren Verarbeitungen (innere Realität) kann bei der Erklärung helfen, warum Jugendliche so geworden sind, wie sie sind und woher deren Einschätzungen, (Vor)urteile und Abneigungen kommen.25 Dennoch ist die Sozialisation zur Gewalt, also die Ausbildung destruktiver psychischer Strukturen im Rahmen sozialisatorischer Interaktion, welche sich sowohl gegen das Selbst als auch gegen andere richten können, durch pädagogisches Handeln oder eine pädagogische Nachsozialisation nur begrenzt revidierbar. Durch die Stützung lebensweltlicher Zusammenhänge und die Verhinderung biographischer Problemzuspitzungen können die äußeren Bedingungen zumindest so beeinflußt werden, daß gewaltsame Handlungen unwahrscheinlicher werden. Eine Veränderung der Subjektstrukturen ist damit aber noch nicht erzielt. Für weiterreichende Veränderungen der Subjektstrukturen bedarf es vielmehr therapeutischer „Settings“, die sich auf das Durcharbeiten der lebensgeschichtlichen Trieb-, Selbst- und Objektbeziehungsschicksale konzentrieren.26 Zugespitzt formuliert: Die Grenze der Pädagogik und speziell pädagogischer Projekte beruht darin, daß sie im besten Fall die Wahrscheinlichkeit gewaltsamer Konflikt- und Problemlösungen durch entlastendere Außenbedingungen tendenziell vermindern. Die Subjektstrukturen, welche gewaltsame und fremdenfeindliche Handlungsformen erzeugen, werden damit allerdings nicht erreicht. Insofern sind in der Praxis, gerade vor dem Hintergrund eines die psychologischen Faktoren integrierenden oder mehrdimensionalen Erklärungsmodells, die Möglichkeiten ausschließlich pädagogischer Handlungsweisen eingeschränkt. Darüber hinaus dürfen bei der Wirksamkeit pädagogischer Interventionsmöglichkeiten strukturelle und gesellschaftliche Bedingungen nicht unbeachtet bleiben. Die Erfolgsaussichten der Pädagogik erschöpfen sich dort, wo soziale Probleme im komplexen Interdependenzgeflecht ökonomischer, sozialer und politischer Destabilisierungen, Ungleichheiten und Machtstrukturen konstituiert und in lebensgeschichtlichen und lebensweltlichen Sozialisationsprozessen subjektkonstituierend werden. Solange politische, soziale und ökonomische Institutionen diese problemerzeugenden Strukturen nicht durch politisches, soziales sowie ökonomisches Handeln verändern, kann pädagogisches Handeln lediglich die Folgeerscheinungen dieser Problemerzeugung bearbeiten.27 Die Lösungen liegen letztlich in gesellschaftlichen Reformperspektiven: „Soll die erzieherische Reaktion auf soziale Probleme nicht zynisch sein, so braucht die Pädagogik oder die sich sozialpädagogisch verstehende Jugendarbeit notwendigerweise den gesellschaftspolitischen Kontext von sozialer Reform.“28

Im folgenden Abschnitt wird das Konzept der akzeptierenden Jugendarbeit vorgestellt, welches zunächst als Königsweg der pädagogischen Praxis angeboten wurde.29 Dieses Konzept arbeitet hauptsächlich mit rechtsextremen oder fremdenfeindlichen Cliquen, wobei mindestens drei weitere Adressatengruppen zu unterscheiden sind, welche jeweils spezifische Zugänge erfordern.30 Es gilt als praktische Konsequenz aus der Theorie Wilhelm Heitmeyers, die in gewaltbereiten Jugendlichen weniger Täter als Opfer der „Risikogesellschaft“ zu sehen glaubt.31

5.1 Das jugendpädagogische Konzept der akzeptierenden Jugendarbeit

Fremdenfeindlichkeit und Gewalt unter Jugendlichen sind Produkt gesellschaftlicher und sozialer Alltagserfahrungen. Sie sind kein Jugendproblem, sondern gesellschaftliche Probleme, welche ebenfalls jugendtypische Ausformungen erfahren. Das Konzept der akzeptierenden Jugendarbeit möchte die Probleme der Jugendlichen in den Mittelpunkt stellen und nicht die Probleme, die junge Menschen machen. Jugendliche sollen darin unterstützt werden, mit ihrem Leben und ihrer Lebensbewältigung besser zurechtzukommen.32 Der Ansatz stellt die Beziehungsarbeit, die auf Akzeptanz und gegenseitigem Vertrauen basiert, in den Vordergrund. Im persönlichen Umgang miteinander sollen die Lebenssituationen gewaltbereiter Jugendlicher geordnet, nicht deren Schlußfolgerungen aus solchen Schwierigkeiten durch politisches Handeln bekämpft werden. Jugendliche werden in subjekt-zentrierter Perspektive in den Mittelpunkt pädagogischer Bemühungen gestellt und im Kontext von Gewalt und Fremdenfeindlichkeit zu erreichen und zu beeinflussen versucht. Aus den mit Beziehungsarbeit verbundenen Prozessen des einander Zuhörens, Verstehens sowie Ernstnehmens können und sollen also Veränderungen erwachsen, die mit praktischer Absicht“, in: Breyvogel, Wilfried (Hg.): „Lust auf Randale-Jugendl. Gewalt gegen Fremde“, S. 237; Bonn 1993

Aufklärung, Belehrung oder umgekehrt auch mit Bestrafung nicht zu erreichen wären. Für die pädagogische Arbeit sind diesbezüglich vor allem folgende Handlungsebenen zentral:33 n eine beziehungs- und erfahrungsorientierte (statt z.B. eine belehrungs- oder aktivitätenorientierte) Arbeit,

- eine soziale Bezugssysteme unterstützende und entfaltende Arbeit, vor allem hinsichtlich von gleichaltrigen Jugendcliquen und Jugendszenen,
- eine soziale Räume schaffende und absichernde Arbeit,
- eine Arbeit, die formelle und informelle demokratische Beteiligungsmöglichkeiten ausbaut, n eine infrastrukturelle sowie vernetzende Arbeit.

Das Konzept der akzeptierenden Jugendarbeit ist nicht in der Lage, kurzfristig Meinungen, Einstellungen und Verhaltensweisen von Jugendlichen zu verändern. Es ist auf langwierige Prozesse der Auseinandersetzung verwiesen, in denen es gelingen kann - aber nicht muß -, junge Menschen vom Sinn demokratischer Prinzipien und gewaltarmer Formen der Konfliktbewältigung zu überzeugen.34

5.2 Zur Kritik an der akzeptierenden Jugendarbeit

Das von der akzeptierenden Jugendarbeit proklamierte Verständnis für die von Identitäts- und Orientierungsproblemen heimgesuchten Jugendlichen hilft zwar einerseits, mit diesen ins Gespräch zu kommen, sie kennenzulernen und ihnen neue Handlungschancen zu eröffnen, andere Erfahrungen zu machen sowie gewaltfreie Lösungen für manche Konflikte zu finden. Andererseits dürfen dabei Verständigungs- und Verständnisbereitschaft freilich nicht bis zur Komplizenschaft oder Kumpanei reichen. Das im ersten Moment plausible Argument, die BetreuerInnen gewaltbereiter Jugendlicher dürften sich ideologisch nicht weit von diesen entfernen, überzeugt letztendlich nicht. Zwar wäre es sicher falsch, auf jede Annäherung organisierter Rechter sofort mit dem Abbruch eines Projekts zu reagieren, aber selbst wenn akzeptierende Jugendarbeit nicht alles akzeptiert, sondern nur einzelne Personen ernst nimmt, ohne die von ihnen vertretenen Positionen zu unterstützen, kann sie schnell zum Einfallstor für fremdenfeindliche Ideologeme werden.35 Zuwendung, Beziehungsarbeit und persönliche Wärme sind schwerlich geeignet, die rechte Gewalt zu unterbinden. Vielmehr läuft die akzeptierende Jugendarbeit aufgrund ihrer Täterfixierung und ihrer Konzentration auf die Beziehungsebene leicht Gefahr, mit dem prekären Selbstwertgefühl von (potentiellen) Gewalttätern auch deren politische Überzeugungen zu stabilisieren. Ein weiterer Kritikpunkt ist die Vernachlässigung psychologischer oder psychoanalytischer Ebenen, wobei jedoch zu fragen ist und auch schon angesprochen wurde, ob pädagogische Konzepte allein dies leisten können. So fällt die vorläufige Bilanz der akzeptierenden Jugendarbeit ernüchternd aus: Zwar wurden Verhaltensänderungen u.a. bei Skinheadszenen erreicht, es gelang jedoch nur selten, die rechte Weltanschauung bei den Jugendlichen zu überwinden. Die theoretischen Ambivalenzen und fehlenden empirischen Befunde zeigen mittlerweile die Fragwürdigkeit und Alternativlosigkeit des Konzeptes der akzeptierenden Jugendarbeit.36

6. Ausblick

Das vorläufige Scheitern der akzeptierenden Jugendarbeit hat gegenwärtig zu einer offenen Diskussion darüber geführt, welche Möglichkeiten, ganz unabhängig von den pädagogischen Maßnahmen, überhaupt zur Verhinderung fremdenfeindlicher Jugendgewalt beitragen. Oder anders ausgedrückt: Es herrscht eine große Unsicherheit, wie denn „angemessen“ auf Gewalt und jugendlichen Rechtsextremismus zu reagieren bzw. dem vorzubeugen wäre.37 Während der letzten Jahre bestand ein wesentliches Defizit der Diskussion über Strategien zur Eindämmung jugendlicher Gewalt gegen Fremde in ihrer Fokussierung auf die pädagogischen Ansätze. Demgegenüber kamen andere gesellschaftliche Bereiche, vor allem die Verantwortung der Politik und ihrer unterschiedlichen Handlungsfelder (angefangen bei der Außen- und Außenwirtschafts- über die Wirtschafts- und Sozial-, Bildungs-, Kultur- und Jugendpolitik bis zur Kommunalpolitik), viel zu kurz.38 Dieser Tatsache sollte zukünftig entgegengewirkt werden. Wie die vorliegende Arbeit zu verdeutlichen versuchte, erlaubt ein mehrdimensionales oder ein aus unterschiedlichen Disziplinen integriertes Erklärungsmodell aussagekräftigere Analysen zu den Ursachen jugendlicher Fremdenfeindlichkeit. Die sich in der Praxis zu bewährenden Konzepte und Projekte der Prävention oder Intervention bilden da keine Ausnahme. Pädagogisches Handeln allein reicht bei der Beseitigung oder Verminderung dieses multifaktoriellen Problems nicht aus. Es geht im Mecklenburg, Jens (Hg.): „Was tun gegen rechts?“, S.108f; Berlin 2000

Grunde genommen darum, unterschiedliche wissenschaftliche Disziplinen sowie politische und ökonomische, somit gesellschaftliche Bereiche zusammenzuführen und ihrer Verantwortung zu erinnern. Nur durch eine nicht an Grenzen gebundene Kooperation der verschiedensten wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Felder können wirksame Konzepte zur Bekämpfung des komplexen Phänomens fremdenfeindlicher Jugendgewalt entwickelt werden.

7. Literaturangaben

- Bosse, Hans; King, Vera: „Die Angst vor dem Fremden und die Sehnsucht nach dem Fremden in der Adoleszenz - Fallstudie einer Gruppe von Spätadoleszenten, interpretiert mit dem Ansatz psychoanalytisch-sozialwissenschaftlicher Hermeneutik und der Ethnohermeneutik“, S. 216 - 257, in: König, Hans-Dieter (Hrsg.): „Sozialpsychologie des Rechtsextremismus“; Frankfurt am Main 1998
- Butterwege, Christoph: „Möglichkeiten und Grenzen sozialpädagogischer Intervention bzw. Gewaltprävention“, S.105 -119, in: Mecklenburg, Jens (Hrsg.): „Was tun gegen rechts?“, Berlin 2000
- Clemenz, Manfred: „Aspekte einer Theorie des aktuellen Rechtsradikalismus in Deutschland. Eine sozialpsychologische Kritik“, S. 126 - 177, in: König, Hans-Dieter (Hrsg.): „Sozialpsychologie des Rechtsextremismus“; Frankfurt am Main 1998
- Hafeneger, Benno: „Jugend, Gewalt und Rechtsextremismus in den neunziger Jahren. Eine Bilanz zum Beitrag von Jugendarbeit“, S. 123 - 165, in: Klose, Christina, u.a.: „Gewalt und Fremdenfeindlichkeit - Jugendpädagogische Auswege“, Opladen 2000
- Hafeneger, Benno: „Pädagogik gegen rechts. Eine kritische Bestandsaufnahme“, S. 206 - 230, in: Schacht, Konrad, u.a. (Hrsg.): „Hilflos gegen Rechtsextremismus? Ursachen-Handlungsfelder- Projekterfahrungen“, Köln 1995
- Heitmeyer, Wilhelm, u.a.: „Die Bielefelder Rechtsextremismus-Studie - Erste Langzeituntersuchung zur politischen Sozialisation männlicher Jugendlicher“, Weinheim und München 1992
- Helsper, Werner: „Zur „Normalität“ jugendlicher Gewalt: Sozialisationstheoretische Reflexionen zum Verhältnis von Anerkennung und Gewalt“, S. 113 - 155 in: Helsper, Werner; Wenzel, Hartmut (Hrsg.): „Pädagogik und Gewalt“, Opladen 1995
- Helsper, Werner: „Sozialpädagogische Programme gegen jugendliche Gewalt. Theoretische Reflexionen in praktischer Absicht“, S. 213 - 251, in: Breyvogel, Wilfried (Hrsg.): „Lust auf Randale -Jugendliche Gewalt gegen Fremde“, Bonn 1993
- Hopf, Christel, u.a.: „Familie und Rechtsextremismus - Familiale Sozialisation und rechtsextreme Orientierungen junger Männer“, Weinheim und München 1995
- Hopf, Christel: „Autoritäres Verhalten - Ansätze zur Interpretation rechtsextremer Tendenzen“, S. 157 - 166, in: Otto, Hans-Uwe; Merten, Roland (Hrsg.): „Rechtsradikale Gewalt im vereinigten Deutschland“, Opladen 1993
- König, Hans -Dieter: „Arbeitslosigkeit, Adoleszenzkrise und Rechtsextremismus - Eine Kritik der Heitmeyerschen Sozialisationstheorie aufgrund einer tiefenhermeneutischen Sekundäranalyse“, S. 279 - 320, in: König, Hans-Dieter (Hrsg.): „Sozialpsychologie des Rechtsextremismus“; Frankfurt am Main 1998
- Krafeld, Franz-Josef: „Aufgaben der Pädagogik im Kampf gegen den Rechtsextremismus“, S. 176 - 206, in: Schacht, Konrad, u.a. (Hrsg.): „Hilflos gegen Rechtsextremismus? UrsachenHandlungsfelder-Projekterfahrungen“, Köln 1995
- Krafeld, Franz-Josef: „Jugendarbeit mit rechten Jugendszenen. Konzeptionelle Grundlagen und praktische Erfahrungen“, S. 310 - 319, in: Otto, Hans-Uwe; Merten, Roland (Hrsg.): „Rechtsradikale Gewalt im vereinigten Deutschland“, Opladen 1993
- Kühnel, Wolfgang: „Die Forschungssituation zu Gewaltphänomenen und Gewaltentstehung bei Jugendlichen“, S. 9 - 43, in: Hennig, Claudia: „Jugend und Gewalt: Sozialwissenschaftliche Diskussion und Handlungsansätze. Eine Dokumentation“, Bonn 1995
- Marx, Rita: „Rechtsradikale Jugendgewalt - Psychoanalytische Frageperspektiven“, S. 166 - 176, in: Otto, Hans-Uwe; Merten, Roland (Hrsg.): „Rechtsradikale Gewalt im vereinigten Deutschland“, Opladen 1993
- Pfahl-Traughber, Armin: „Rechtsextremismus in Deutschland. Bestandsaufnahme und Problemaufriß“, S. 11 - 43, in: Schacht, Konrad, u.a. (Hrsg.): „Hilflos gegen Rechtsextremismus? Ursachen-Handlungsfelder-Projekterfahrungen“, Köln 1995
- Scheer, Albert: „Möglichkeiten und Grenzen der Jugendarbeit mit rechten Jugendlichen“, S. 325
- 334, in: Otto, Hans-Uwe; Merten, Roland (Hrsg.): „Rechtsradikale Gewalt im vereinigten Deutschland“, Opladen 1993
- Schubarth, Wilfried: „Demokratie sollte für Jugendliche im Alltag mehr erlebbar sein - Was tun gegen Rechtsextremismus?“, S. 9, in: Frankfurter Rundschau (Nr. 218) vom 19.09.2000

[...]


1 Vergl.: Frankfurter Rundschau (Nr. 177) vom 2.08.2000, S. 5

2 Vergl.: Frankfurter Rundschau (Nr. 195) vom 23.08.2000, S. 5

3 Vergl.: Kühnel, Wolfgang: „Die Forschungssituation zu Gewaltphänomenen und Gewaltentstehung bei

4 Vergl.: Pfahl-Traughber, Armin: „Rechtsextremismus in Deutschland. Bestandsaufnahme und Problemaufriß“ in: Schacht, Konrad, u.a. (Hrsg.): „Hilflos gegen Rechtsextremismus? Ursachen- Handlungsfelder- Projekterfahrungen“, darin S. 30; Köln 1995

5 Vergl.: Heitmeyer, Wilhelm; u.a. : „Die Bielefelder Rechtsextremismus-Studie - Erste Langzeituntersuchung zur politischen Sozialisation männlicher Jugendlicher“, S. 15ff; Weinheim und München 1992

6 Vergl.: Clemenz, Manfred: „Aspekte einer Theorie des aktuellen Rechstradikalismus in Deutschland - Eine sozialpsycho- logische Kritik“, S.131ff, in: König, Hans-Dieter (Hrsg.): „Sozialpsychologie des Rechtsextremismus“; Frankfurt/M. 1998

7 Vergl.: König, Hans-Dieter: „Arbeitslosigkeit, Adoleszenzkrise und Rechtsextremismus - Eine Kritik der Heitmeyerschen

8 Vergl.: König, Hans-Dieter: „Arbeitslosigkeit, Adoleszenzkrise und Rechtsextremismus...“, S. 280f; in: ders. s.o.

9 Vergl.: Heitmeyer, Wilhelm; u.a. : s.o., S. 15

10 Vergl.: Hopf, Christel: „Autoritäres Verhalten - Ansätze zur Interpretation rechtsextremer Tendenzen“, in: Otto, Hans- Uwe; Merten, Roland (Hrsg.): „Rechtsradikale Gewalt im vereinigten Deutschland“, S. 157; Opladen 1993

11 Vergl.: Hopf, Christel; u.a.: „Familie und Rechtsextremismus - Familiale Sozialisation und rechtsextreme Orientierungen junger Männer“, S. 18f; Weinheim und München 1995

12 Vergl.: Hopf, Christel: „Autoritäres Verhalten - Ansätze zur Interpretation rechtsextremer Tendenzen“, in: s.o., S. 159

13 Vergl.: Hopf, Christel: „Autoritäres Verhalten - Ansätze zur Interpretation rechtsextremer Tendenzen“, in: s.o., S. 162f

14 Vergl.: König, Hans-Dieter: „Arbeitslosigkeit, Adoleszenzkrise und Rechtsextremismus...“, S. 307ff; in: ders. s.o.

15 Vergl.: Marx, Rita: „Rechtsradikale Jugendgewalt - Psychoanalytische Frageperspektiven“ in: Otto, Hans-Uwe; Merten, Roland (Hrsg.): „Rechtsradikale Gewalt im vereinigten Deutschland“, S. 166; Opladen 1993

16 Vergl.: Helsper, Werner: „Zur „Normalität“ jugendlicher Gewalt: Sozialisationstheoret. Reflexionen zum Verhältnis von Anerkennung und Gewalt“ in: Helsper, Werner; Wenzel, Hartmut (Hrsg.): „Pädagogik und Gewalt“, S. 130; Opladen 1995

17 Ebenda S. 131

18 Ebenda S. 135

19 Ebenda S. 137

20 Vergl.: Bosse, Hans; King, Vera: „Die Angst vor dem Fremden und die Sehnsucht nach dem Fremden in der Adoleszenz - Fallstudie einer Gruppe von Spätadoleszenten, interpretiert mit dem Ansatz psychoanalytisch-sozialwissenschaftlicher Hermeneutik und der Ethnohermeneutik“, S. 220, in: König, Hans-Dieter (Hrsg.): „Sozialpsychologie des

21 Vergl.: Clemenz, Manfred: „Aspekte einer Theorie des aktuellen Rechstradikalismus in Deutschland - Eine sozialpsycho- logische Kritik“, S.136, in: König, Hans-Dieter (Hrsg.): „Sozialpsychologie des Rechtsextremismus“; Frankfurt/M. 1998

22 Ebenda S. 158

23 Vergl.: Hafeneger, Benno: „Jugend, Gewalt und Rechtsextremismus in den neunziger Jahren. Eine Bilanz zum Beitrag von Jugendarbeit“, in: Klose, Christina, u.a.: „Gewalt und Fremdenfeindlichkeit - Jugendpäd. Auswege“, S. 127f; Opladen 2000

24 Ebenda S. 144

25 Ebenda S. 153

26 Vergl.: Helsper, Werner: „Sozialpädagogische Programme gegen jugendliche Gewalt. Theoretische Reflexionen in

praktischer Absicht“, in: Breyvogel, Wilfried (Hg.): „Lust auf Randale-Jugendl. Gewalt gegen Fremde“, S. 241; Bonn 1993

27 Vergl.: Helsper, Werner: „Sozialpädagogische Programme gegen jugendliche Gewalt. Theoretische Reflexionen in

28 Vergl.: Hafeneger, Benno: „Jugend, Gewalt und Rechtsextremismus in den neunziger Jahren. Eine Bilanz zum Beitrag von Jugendarbeit“, in: Klose, Christina, u.a.: „Gewalt und Fremdenfeindlichkeit - Jugendpäd. Auswege“, S. 160; Opladen 2000

29 Vergl.: Hafeneger, Benno: „Pädagogik gegen rechts. Eine kritische Bestandsaufnahme“, in: Schacht, Konrad, u.a. (Hg): „Hilflos gegen Rechtsextremismus? Ursachen-Handlungsfelder-Projekterfahrungen“, S. 221; Köln 1995

30 Vergl.: Schubarth, Wilfried: „ Demokratie sollte für Jugendliche im Alltag mehr erlebbar sein - Was tun gegen Rechtsextre- mismus?“, in: Frankfurter Rundschau (Nr. 218) vom 19.09.2000, S. 9

31 Vergl.: Butterwege, Christoph: „Möglichkeiten und Grenzen sozialpädagogischer Intervention bzw. Gewaltprävention“, in: Mecklenburg, Jens (Hg.): „Was tun gegen rechts?“, S.105; Berlin 2000

32 Vergl.: Krafeld, Franz-Josef: „Jugendarbeit mit rechten Jugendszenen. Konzeptionelle Grundlagen und praktische Erfahrun- gen“, in: Otto, Hans-Uwe; Merten, Roland (Hrsg.): „Rechtsradikale Gewalt im vereinigten Dtl.“, S. 312; Opladen 1993

33 Vergl.: Krafeld, Franz-Josef: „Aufgaben der Pädagogik im Kampf gegen den Rechtsextremismus“, in: Schacht, Konrad, u.a. (Hrsg.): „Hilflos gegen Rechtsextremismus? Ursachen-Handlungsfelder-Projekterfahrungen“, S. 190; Köln 1995

34 Vergl.: Scheer, Albert: „Möglichkeiten und Grenzen der Jugendarbeit mit rechten Jugendlichen“, in: Otto, Hans-Uwe; Merten, Roland (Hrsg.): „Rechtsradikale Gewalt im vereinigten Deutschland“, S. 332; Opladen 1993

35 Vergl.: Butterwege, Christoph: „Möglichkeiten und Grenzen sozialpädagogischer Intervention bzw. Gewaltprävention“, in:

36 Vergl.: Hafeneger, Benno: „Pädagogik gegen rechts. Eine kritische Bestandsaufnahme“, in: Schacht, Konrad, u.a. (Hrsg.): „Hilflos gegen Rechtsextremismus? Ursachen-Handlungsfelder-Projekterfahrungen“, S. 221; Köln 1995

37 Vergl.: Hafeneger, Benno: „Jugend, Gewalt und Rechtsextremismus in den neunziger Jahren. Eine Bilanz zum Beitrag von Jugendarbeit“, in: Klose, Christina, u.a.: „Gewalt und Fremdenfeindlichkeit - Jugendpäd. Auswege“, S. 124; Opladen 2000

38 Vergl.: Butterwege, Christoph, in: s.o. S. 105

23 von 23 Seiten

Details

Titel
Ursachen jugendlicher Gewalt gegen Fremde
Untertitel
Sozialer und psychologischer Erklärungsansatz sowie pädagogische Handlungsmöglichkeiten
Hochschule
Philipps-Universität Marburg
Autor
Jahr
2000
Seiten
23
Katalognummer
V101553
ISBN (Buch)
9783656693802
Dateigröße
402 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ursachen, Gewalt, Fremde, Integration, Erklärungsansatzes, Berücksichtigung, Handlungsmöglichkeiten
Arbeit zitieren
Timo Grund (Autor), 2000, Ursachen jugendlicher Gewalt gegen Fremde, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/101553

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