Der Inachos des Sophokles


Referat (Ausarbeitung), 2000
10 Seiten

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Der Inachos des Sophokles Einleitung

In diesem schriftlichen Referat wird das Satyrspiel Inachos des Sophokles vorgestellt. Um über die Präsentation der größeren erhaltenen Fragmente des Originaltextes hinaus ein erweitertes Bild zu vermitteln, sind auch kurze Berichte über den Mythos des Inachos in seinen verschiedenen Überlieferungen, über des Satyrspiel im antiken Griechenland und über Sophokles selbst eingefügt worden.

Das Satyrspiel im antiken Griechenland

Das Satyrspiel des antiken Griechenland wurde immer im Anschluss an eine Tragödien-Trilogie aufgeführt. Die Dramatiker waren dazu verpflichtet ein ”heiter- komisches Nachspiel”[1] im Rahmen der Dionysien zu verfassen. Seinen Namen erhält das Spiel von den Satyrn, die im Satyrspiel immer den Chor bildeten. Lange ging man von der Vorstellung aus, das Griechische Satyrspiel sei mit der römischen Satire identisch. Seidensticker vermutet, dass das an dem geringen Wissen über das Satyrspiel lag. Aber auch die Vorstellung, es sei eine Art Parodie auf die zuvor aufgeführte Tragödie, war lange Zeit verbreitet und ist es noch[2].

Deutlich und abschließend aber widerspricht Pfeiffer dieser Behauptung, indem er argumentiert:

”Die Satyrspiele bieten keine Travestie des heroischen Mythos und parodieren nicht etwa den hohen Stil der Tragödie. Beides gehört ausschließlich zum Wesen der komwdia, die damit noch den unmittelbaren Angriff auf Zeit und Person verbindet. Gerade aus der Art, wie Aristophanes in den Acharnern oder in den Vögeln Wendungen aus dem Inachos nachbildet, kann man den Umschlag in die bewusste Travestie ersehen. Das Satyrdrama selbst aber gestaltet die überlieferten Geschichten von Danae oder von Io zum einfachen, unbeschwerten, problemlosen Spiel.”[3]

Die Idee der Gegenseite kann aber auch verständlich sein, wenn man Inhalt und Aufführungscharakter der Satyrspiele bedenkt: Sind sie bezüglich der Autorschaft, der Schauspieler und des Chores, der Kostüme und Requisiten, der Sprache und Metrik wie auch der Bauformen und der dramatischen Struktur eng mit der Tragödie verwandt[4] , so unterscheiden sie sich ebenso stark von ihr in ”Ton und typischem Handlungsverlauf […], in der präsentierten Lebensphilosophie und in der angestrebten emotionalen Wirkung”[5]. Die Verbindung nun von so intensiver Bezugnahme und krassen Gegensätzen führt verständlicherweise zu einer solchen Annahme.

Die Unwissenheit über das Satyrspiel entstand durch das geringe Interesse, das ihm wohl schon in Athen zuteil wurde. So sind z.B. kaum theoretische Überlegungen über das Satyrspiel in der Antike überliefert. Hinzu kommt, dass

sich nur ein einziges Satyrspiel volständig bis in die Gegenwart erhalten hat: der Kyklops des Euripides. Es "gelangte [auch] nur ein Teil der euripidäischen Satyrspiele in die Bibliothek von Alexandria"[6]. Die Folge, nämlich das Fehlen dieser Aufzeichnungen, wird mitunter dazu geführt haben, dass der Einfluss des

Satyrspiels auf das Theater der Neuzeit keine bedeutende Wirkung hatte. Aber auch in Rom wurde das Satyrspiel – im Gegensatz zur Tragödie und Komödie - nicht übernommen. Man könnte vermuten, dass hierdurch der erste Bruch in der Überlieferung entstanden ist. Jedoch ist schon in Athen der Niedergang der Gattung des Satyrspiels noch zu Lebzeiten seiner großen Vertreter zu erkennen. Als ein Merkmal dafür könnte gelten, dass Euripides, wenn auch nur einmalig, anstatt des Satyrspiels eine vierte Tragödie, in diesem Falle war es die ”Alkestis”, aufführen ließ[7].

Sophokles

Sophokles lebte von 497/6 - 406/5 in Athen. Er bildet gewissermaßen das Verbindungsglied zwischen dem älteren Aischylos und dem jüngeren Euripides. Als Sohn eines wohlhabenden Unternehmers genoss er ausgezeichnete Erziehung und Bildung. Er bekleidete viele politische und kultische Ämter in einer Zeit, die geprägt war durch Perserkriege, Athens Blüte unter Perikles und die Peleponnesischen Kriege.

Angeblich soll Sophokles schon im Alter von 25 Jahren mit dem Triptolemos bei den Dionysien einen Sieg davongetragen haben. Warum er schon so früh Erfolge erzielte – im Gegensatz etwa zu Aischylos -, kann daran gelegen haben, dass seine Erneuerungen - Hinzunehmen eines dritten Schauspielers, Erweiterung des Chores etc. - der Tragödie eine größere Lebendigkeit verliehen und somit ihn von seinen Zeitgenossen und Vorgängern abhob. Andererseits hatte auch Aischylos die Erweiterung zu einem zweiten Schauspieler vorgenommen. Bei Sophokles

kam aber auch noch die Szenenmalerei hinzu. Weiterhin ”verzichtete [er] meist auf die trilog[ische] Komposition”[8], was soviel bedeutet, dass er den einzelnen

[...]


1 Seidensticker, Bernd [Hrsg.], Satyrspiel / hrsg. von Bernd Seidensticker, Darmstadt 1989 , S. 1. Im Folgenden: Seidensticker, 1989.

2 Ebda. S. 10.

3 Rudolf Pfeiffer in Seidensticker, 1989, S. 115 f.

4 Vgl. Seidensticker, 1989 , S. 1

5 Ebda.

6 Seidensticker, 1989 , S.6.

7 Ebda. S. 3.

8 Johannes Irmscher, Lexikon der Antike, Leipzig 1962, S. 518.

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Details

Titel
Der Inachos des Sophokles
Hochschule
Freie Universität Berlin
Autor
Jahr
2000
Seiten
10
Katalognummer
V101671
Dateigröße
354 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Kurze Übersicht über Sophokles, über das antike Satyrspiel und über erhaltene Fragmente des Satyrspiels "Inachos"
Schlagworte
Inachos, Sophokles
Arbeit zitieren
Gustav Pyrhula (Autor), 2000, Der Inachos des Sophokles, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/101671

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