Ausgehend von einer Übungsklausur im Seminar „Einführung in die Literaturdidaktik“ am 20. Mai 1999 und ihrer schriftlichen Überarbeitung ist diese Ausarbeitung entstanden.
Ich werde bei dieser Ausarbeitung auf die im Seminar verwendete Literatur von Karl Schuster(1) Bezug nehmen.
Im Teil I dieser Ausarbeitung werde ich die einzelnen Epochen des Literaturunterrichts von 1945 bis zur Gegenwart darstellen, indem ich sie anfangs aufzähle und später weitere Informationen dazu gebe.
Im Teil II werde ich zu jeder Epoche drei von mir rekonstruierte Fragen vorstellen, die für die jeweiligen Epochen des Literaturunterrichts typisch gewesen sind.
Grundlage für die Teile III und IV sind sieben Fragen, die im Verlauf des Seminars zur Erschließung des Gedichts „Abendlied“ von Matthias Claudius von mir entwickelt worden sind. Ich werde diese Fragen den sechs Epochen zuordnen und am Beispiel des Gedichts „Abendlied“ von Matthias Claudius aus jeder Epoche eine Frage beantworten.
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(1) Schuster, Karl: Einführung in die Fachdidaktik Deutsch. Hohengehren 7. Aufl. 1998
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Epochen und Positionen des Literaturunterrichts von 1945 bis zur Gegenwart
III. Fragen an die Literatur, welche für den Deutschunterricht der einzelnen Epochen/ Positionen besonders charakteristisch waren
IV. Zur Geschichtlichkeit der eigenen Fragen an die Literatur -am Beispiel von Claudius` „Abendlied“
V. Claudius` „Abendlied“ im Spiegel der Geschichte des Literaturunterrichts
VI. Literatur
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die historische Entwicklung und die gegenwärtige Praxis des Literaturunterrichts in Deutschland von 1945 bis heute. Das primäre Ziel ist es, die didaktischen Epochen und die jeweils für sie typischen Fragestellungen an literarische Texte zu identifizieren und diese anhand von Matthias Claudius' „Abendlied“ exemplarisch auf ihre Anwendung und Relevanz zu prüfen.
- Historische Einordnung der sechs zentralen Epochen der Literaturdidaktik seit 1945.
- Rekonstruktion epochenspezifischer Fragestellungen zur Texterschließung.
- Analyse der Geschichtlichkeit didaktischer Fragen am Beispiel eines konkreten Gedichts.
- Methodische Reflexion über die Wirkung und Rezeption literarischer Texte im Unterricht.
- Untersuchung der Bedeutung handlungs- und produktionsorientierter Ansätze.
Auszug aus dem Buch
3. Wie beschreibt Claudius den Menschen? Welche Schwächen des Menschen spricht er an?
In der vierten Strophe kritisiert Claudius den Menschen und seine Lebensführung. Für Claudius ist der Mensch stolz, eitel und unwissend (Z. 19-21). Claudius nimmt sich bei dieser kritischen Darstellung nicht aus, da er sich in der ersten Person Plural (Z. 19-24) kritisch zu den Eigenschaft des Menschen äußert. Er erkennt diese negativen Eigenschaften des Menschen und bittet Gott um Hilfe, da er davon ausgeht, der Mensch erkennt seine schlechten Eigenschaften nicht rechtzeitig und kann nicht anders handeln. Claudius, der sehr gläubig war, vertraut auf die Hilfe Gottes und bittet für alle Menschen (Z. 25-36), ohne Rücksicht, ob sie auch gläubig sind. Er bittet für alle, die in Not sind, so auch für den kranken Nachbarn (Z. 42).
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Die Arbeit erläutert den Entstehungskontext aus einem Seminar heraus und legt die methodische Vorgehensweise sowie den Bezug zur Fachliteratur fest.
II. Epochen und Positionen des Literaturunterrichts von 1945 bis zur Gegenwart: Es werden die sechs wesentlichen didaktischen Strömungen seit 1945, von der Lebenshilfe-Didaktik bis hin zum handlungs- und produktionsorientierten Unterricht, systematisch dargestellt.
III. Fragen an die Literatur, welche für den Deutschunterricht der einzelnen Epochen/ Positionen besonders charakteristisch waren: Dieses Kapitel rekonstruiert spezifische Fragestellungen, die den didaktischen Charakter jeder der zuvor genannten Epochen prägnant verdeutlichen.
IV. Zur Geschichtlichkeit der eigenen Fragen an die Literatur -am Beispiel von Claudius` „Abendlied“: Die Autorin entwickelt sieben eigene Fragen zum „Abendlied“ und ordnet diese den jeweiligen didaktischen Epochen zu, um die historische Bedingtheit von Interpretationsfragen aufzuzeigen.
V. Claudius` „Abendlied“ im Spiegel der Geschichte des Literaturunterrichts: In diesem praktischen Teil werden konkrete Fragen aus verschiedenen Epochen am Beispiel des Gedichts beantwortet, um die unterschiedlichen Zugangsweisen zur Literatur zu illustrieren.
VI. Literatur: Auflistung der im Rahmen der Arbeit verwendeten Fachliteratur und Quellen.
Schlüsselwörter
Literaturunterricht, Literaturdidaktik, Lebenshilfe-Didaktik, Ideologiekritik, handlungsorientierter Unterricht, produktionsorientierter Unterricht, Matthias Claudius, Abendlied, werkimmanente Interpretation, Methodenpluralismus, Leseerziehung, Texterschließung, Leerstellen, Fachdidaktik Deutsch.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die didaktische Entwicklung des Literaturunterrichts in Deutschland von 1945 bis zur Gegenwart und untersucht, wie sich die Art der Fragestellung an literarische Texte in dieser Zeit gewandelt hat.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die sechs Hauptströmungen der Literaturdidaktik, die Rolle des Lehrers und der Schüler sowie die methodische Umsetzung der Texterschließung im Laufe der Jahrzehnte.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die "Geschichtlichkeit" von Fragen an die Literatur aufzuzeigen und nachzuweisen, dass jede Epoche ihre eigenen, spezifischen Anforderungen an die Lektüre und Interpretation von Texten stellt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturdidaktische Analyse, die auf Fachliteratur (u.a. von Karl Schuster und Robert Ulshöfer) basiert und diese durch eine exemplarische Anwendung am Gedicht „Abendlied“ von Matthias Claudius konkretisiert.
Was steht im Hauptteil der Arbeit im Vordergrund?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Darstellung der sechs Epochen, die theoretische Ableitung typischer Fragen für diese Epochen sowie die praktische Anwendung dieser Fragen auf ein konkretes Beispielgedicht.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Epochen der Literaturdidaktik, Ideologiekritik, handlungs- und produktionsorientierter Unterricht sowie die methodische Vorgehensweise bei der Interpretation.
Warum wurde gerade das „Abendlied“ von Matthias Claudius für die Analyse gewählt?
Das Gedicht dient als konstantes Analyseobjekt, an dem die verschiedenen didaktischen Ansätze und Fragestellungen über die Jahrzehnte hinweg direkt vergleichbar gemacht werden können.
Welche Rolle spielen die "Leerstellen" im Kontext des handlungs- und produktionsorientierten Unterrichts?
Leerstellen fungieren als aktivierendes Element, das die Schüler dazu anregt, den Text mit eigenen Gedanken, Vorstellungen und kreativen Ansätzen zu füllen, wodurch ein tieferes Textverständnis erreicht werden soll.
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- Bettina Anders (Author), 2000, Geschichte und Gegenwart des Literaturunterricht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/10169