Jeden, den ich fragen würde, ob Kinder auf elterlichen Streit reagieren, würde ein klares „Ja“ antworten. Aber niemand wäre fähig zu erläutern, wie er darauf kommt und wie die Reaktionen der Kinder in einer solchen Streitsituation oder nach einer Streitsituation sind. Es ist schwierig zu sagen, wie Kinder im allgemeinen auf Streit reagieren, denn schließlich sind sie individuell und haben daher unterschiedliche Mechanismen und Verhaltensweisen, mit bestimmten Situationen umzugehen. Dennoch läßt sich nach Meinung des Ehepaares Cummings, die auf diesem Gebiet verschiedene Untersuchungen unternommen haben, sagen, daß gemeinsame Reaktionen in bezug auf elternähnlichen Streit bei den Kindern beobachtet werden können.
Im folgenden werde ich zwei Beobachtungsstudien des Ehepaares Cummings erläutern, um einen Einblick in die Möglichkeiten von Studien dieser Art zu geben und zu belegen, daß die Folgen auf Streit zwischen Eltern bei den Kindern tatsächlich einen negativen Einfluss hinterlassen.
Da Kinder aus Scheidungsfamilien in großem Umfang von Streit jeder Art direkt umgeben sind, werde ich weiterhin versuchen einen Einblick in diese Problematik zu geben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Beobachtungsstudie von Jennifer S. Cummings
2.1. Der Versuchsablauf und seine Perioden
2.2. Ergebnisse der Beobachtungsstudie
3. Studie von Mark E. Cummings
3.1. Der Versuchsablauf und die drei Schritt Sequenz
3.2. Ergebnisse der Studie
4. Die Scheidungsfolgen bei Kindern
4.1. Symptome bei Scheidungskindern
4.2. Altersbedingte Symptomatik bei Scheidungskindern
4.3. Geschlechtsspezifische Untersuchungen der Symptomatik von Scheidungskindern
4.4. Scheidungsstatistik von Otto R. Gaier
4.5. Schulleistungsabfall bei unterschiedlichem elterlichen Umgang
5. Resümee
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Einfluss von elterlichen Konflikten und Scheidungssituationen auf die sozio-emotionale Entwicklung von Kindern und analysiert dabei die kindlichen Reaktionsmuster auf verschiedene Formen der Streitführung und Konfliktlösung.
- Beobachtungsstudien zum Verhalten von Vorschulkindern bei elterlichem Streit
- Untersuchung von Reaktionen älterer Kinder auf Konfliktverläufe
- Symptomatologie und psychische Folgen von Scheidungserfahrungen
- Statistische Zusammenhänge zwischen elterlichem Umgang und schulischer Leistungsfähigkeit
Auszug aus dem Buch
2. Beobachtungsstudie von Jennifer S. Cummings
Veröffentlicht wurde die Studie von Jennifer S. Cummings 1989 in der Zeitschrift „Child Development“. Mit dieser Beobachtungsstudie sollte u.a. bewiesen werden, daß das Elternverhalten direkten Einfluß auf die emotionale Entwicklung der Kinder nimmt.
Untersucht wurden Kinder im Alter von zwei bis fünf Jahren, wichtig waren dabei das Verhalten und die Reaktionen der Kinder. Die Untersuchung wurde mit 48 Vorschulkindern und deren Müttern durchgeführt, unter ihnen waren 24 Jungen und 24 Mädchen. Alle Kinder kamen aus „intakten Mittelstandsfamilien" (intact homes), sie wurden als „normal“ (also nicht psychisch krank etc.) auch als „nicht auffällig“ beurteilt. Von den Elternteilen wurden im Vorfeld Fragebögen zur Beantwortung der Ehezufriedenheit ausgefullt, einschließlich der Fragen nach physischer Gewalt in der Partnerschaft. Die Mutter wurde über den Verlauf des Versuchs aufgeklärt, und ihr wurde mitgeteilt, wie sie sich im Versuch zu verhalten hat. Die Kinder wurden per Video aufgezeichnet, um später die Verhaltensweisen und Reaktionen zu beurteilen und zu kategorisieren.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Problematik kindlicher Reaktionen auf elterliche Konflikte und Zielsetzung der Arbeit.
2. Beobachtungsstudie von Jennifer S. Cummings: Analyse einer Studie zur emotionalen Reaktion von zwei- bis fünfjährigen Kindern auf inszenierte elterliche Streitsequenzen.
3. Studie von Mark E. Cummings: Untersuchung der Reaktionen von älteren Kindern und Jugendlichen auf unterschiedliche Konfliktverläufe mittels Videosequenzen.
4. Die Scheidungsfolgen bei Kindern: Darstellung der psychischen Symptome, altersabhängiger Verhaltensweisen und statistischer Auswirkungen von Scheidungen auf Kinder.
5. Resümee: Zusammenführende Betrachtung der Bedeutung von Kommunikation und elterlicher Verantwortung für die emotionale Gesundheit der Kinder.
Schlüsselwörter
Sozio-emotionale Entwicklung, Elternstreit, Scheidungsfolgen, Kinderpsychologie, Konfliktverlauf, Verhaltensauffälligkeiten, Triangulation, emotionale Belastung, Symptomatik, Schulischer Leistungsabfall, Kommunikation, kindliche Reaktionen, Erziehung, Psychosomatik, Familienkonflikte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den Auswirkungen von elterlichen Konflikten und Trennungserfahrungen auf die emotionale Entwicklung und das Verhalten von Kindern.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die Beobachtung kindlicher Reaktionen bei Streit, die geschlechts- und altersbedingte Symptomatik bei Scheidungskindern sowie statistische Auswirkungen auf Schulleistungen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, den negativen Einfluss elterlicher Konflikte zu belegen und zu verdeutlichen, wie wichtig ein verantwortungsbewusster Umgang der Eltern mit Konflikten für die Zukunft ihrer Kinder ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es werden zwei spezifische Beobachtungsstudien des Ehepaars Cummings ausgewertet sowie statistisches Material und Fachliteratur zur Scheidungsproblematik analysiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil beleuchtet detailliert den Versuchsaufbau und die Ergebnisse der Studien von J. und M. Cummings sowie verschiedene Symptome, die bei Scheidungskindern auftreten können.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Sozio-emotionale Entwicklung, Elternstreit, Scheidungsfolgen, Konfliktverlauf und Verhaltensauffälligkeiten.
Warum zeigen ältere Kinder bei Streit öfter "Triangulation"?
Ältere Kinder besitzen ein höheres kognitives Verständnis für komplexe Beziehungsgeflechte und neigen daher eher dazu, aktiv Partei für einen Elternteil zu ergreifen.
Wie beeinflusst die "Art der Konfliktlösung" das Kind?
Eine harmonische Auflösung des Streits signalisiert dem Kind, dass die elterliche Beziehung sicher ist, während eine feindliche Beendigung oft Angst, Traurigkeit und ein Gefühl von Hilflosigkeit auslöst.
- Quote paper
- Ramona Rieck (Author), 2001, Kindliche Reaktionen auf Streit zwischen Erwachsenen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/10179