Der verzauberte Held - Märchen aus esoterischer Sicht


Seminararbeit, 1998
35 Seiten, Note: 1

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INHALTSVERZEICHNIS

1 EINLEITUNG
1.1 Einführung in die Thematik
1.2 Ziel meiner Arbeit

2 DEFINITION UND INHALTE DER ,,ESOTERIK"
2.1 Der Begriff ,,Esoterik" allgemein
2.2 Detaillierte Definition
2.2.1 ,,Esoterik" als herkömmlicher/traditioneller Begriff
2.2.2 ,,Esoterik" als Modewort
2.3 Zusammenfassende Definition
2.4 Problematik des Themas dieser Arbeit

3 ENTSTEHUNGSGESCHICHTE DER MÄRCHEN AUS ESOTERISCHER SICHT
3.1 Zur Entstehungsgeschichte allgemein
3.2 Entstehungshypothesen aus esoterischer Sicht
3.2.1 Steinzeit: Märchen als Einweihungsgeschichten?
3.2.2 Antike (ca. 2500 v.Chr. - ca. 100 n.Chr.)
3.2.3 Frühes Christentum - Die Bedeutung des Schweigens
3.2.3.1 Blütezeit der Gnosis (2.-3. Jahrhundert)
3.2.3.2 Verfolgung ,,heidnischen" Gedankenguts durch die Christen
3.2.4 Traüme als Ursprung der Märchen

4 SINNSUCHE, SELBSTERKENNTNIS UND GEISTIGE ENTWICKLUNG ALS ZIEL DER ESOTERIK UND MÄRCHEN
4.1 Märchen sowie Esoterik als Weg
4.2 Aufbau der Märchen
4.2.1 Das Ziel im Märchen
4.2.2 Der dreigliedrige Aufbau von Märchen
4.2.3 Aufbau am Beispiel von Frau Holle (vergl. Anhang)
4.3 In Märchen verankerte Gesetze, an denen sich die Esoterik orientiert
4.3.1 ,,Wie innen, so außen"
4.3.2 Überwindung der Polaritäten - am Beispiel von Gut und Böse
4.3.2.1 Das Umschlagen ins Gegenteil
4.3.2.2 Das (esoterische) Polaritätengesetz - Der Weg zur Einheit
4.4 Märchenpraxis

5 DER MÄRCHENHELD UND SEINE HELFER IM SPIEGEL ESOTERI- SCHER LEHREN
5.1 Typisierung der Märchenfiguren
5.2 Der Märchenheld
5.2.1 Der Sinnsucher und Pragmatiker
5.2.2 Verzauberung des Helden - Analogie zur Astrologie
5.2.3 Isolation und Allverbundenheit
5.2.4 Furchtlosigkeit
5.2.5 Die Hezzentriertheit
5.3 Die Helfer des Märchenhelden

6 SCHLUßBEMERKUNGEN
6.1 Zusammenfassung
6.2 Abschließende Bemerkung

7 LITERATURVERZEICHNIS

8 ANHANG

,,Der tiefe Sinn unseres Daseins liegt in alten M ä rchen

verborgen. Sie haben die kosmische Botschaft vom Weg und Ziel der Seele, den universellen Sch ö pfungsplan zur neuen Menschwerdung, als einen k ö niglichen Schatz f ü r uns bewahrt." 1

1 Einleitung

1.1 Einführung in die Thematik

Das Interesse für ,,Esoterik" steigt stetig an, denn Jahr für Jahr nimmt die Anzahl verkaufter Bücher mit sog. ,,esoterischen" Inhalten zu.2 Darüber hinaus wird der Begriff ,,Esoterik" nicht nur für verschiedene individuelle Lebensansichten- und philosophien verwendet, sondern auch für andere zahlreiche Publikationen (insbesondere für sog. esoterisch-spirituelle Zeitschriften), Veranstaltungen (esoterische Handelsmessen, Seminare usw.), sportliche sowie musikalische Aktivitäten als auch für öffentliche Einrichtungen und Angebote wie z.B. für alternative Therapiezentren- und angebote sowie für Buchhandlungen.3

Die Esoterik boomt, sie ist jedoch nicht lediglich eine Modeerscheinung des ausgehenden 20. Jahrhunderts; vielmehr fasziniert das gesamte Gebiet dessen, was wir als ,,übersinnlich" bezeichnen, die Menschheit seit Jahrtausenden. So gibt es esoterische Bewegungen verschiedenster Formen seit sehr langer Zeit, mindestens ebenso lange, wie es Märchen gibt.4

Märchen wurden in der Forschung unter diversen Fragestellungen betrachtet: so gibt es neben tiefenpsychologischen, soziologischen, kulturgeschichtlichen, religionsethnologischen, naturmythologischen und volkskundlichen Deutungen sowie literaturwissenschaftlichen und struktualistischen Analysen5 auch esoterische Betrachtungsweisen von Märchen.

1.2 Ziel meiner Arbeit

Diese Arbeit hat zum Ziel, den Zusammenhang zwischen Märchen - insbesondere den Zauber- und Königsmärchen - und ihrer esoterischen Bedeutung herauszustellen. Sie wird daher durch folgende Kernthesen geleitet:

- Die alten geheimen (sog. esoterischen) Lehren und Weisheiten wurden in Märchen - vorrangig in den Zauber- und Königsmärchen - verschlüsselt.

- Diese Märchen entsprechen in ihrem Aufbau, ihrer Intention und ihrem Inhalt den wesentlichen Kernaussagen esoterischer Lehren.

- Märchen eröffnen ihren Konsumenten Erkenntnisse, die etablierte Wissenschaften und Lehren nicht liefern. Märchen sollen aus esoterischer Sicht beim Menschen das im Laufe der Zeit verlorengegangene Wissen6 um solche Erkenntnisse aufrechterhalten.

Diese Thesen werden insbesondere anhand der Zauber- bzw. Königsmärchen untersucht, da sie zum einen in der märchendeutenden und -analysierenden Literatur am häufigsten als Beispiele herangezogen und zum anderen von vielen Märchenforschern als ,,vollste und reinste Form des Volksmärchens"7 betrachtet werden. Daher erscheinen sie für das dieser Arbeit zugrundeliegende Thema besonders untersuchenswert.

2 Definition und Inhalte der ,,Esoterik"

2.1 Der Begriff ,,Esoterik" allgemein

In jüngster Zeit werden immer mehr Angebote der sog. ,,Esoterik" zugeordnet (vergl. 1.1.). Dies erschwert eine präzise Definition, daher wird im folgenden der Versuch unternommen, ,,Esoterik" zu definieren, indem die gemeinsamen Inhalte sog. ,,esoterischer" Lehren, Ansichten und Praktiken zusammengefaßt werden.

Meyers Enzyklopädisches Lexikon definiert den Begriff ,,esoterisch" wie folgt: ,,[grch.] innerlich, geheim; nur für einen ausgesuchten Kreis besonders Begabter oder Würdiger bestimmt; ursprünglich für streng schulmäßige, nicht literarisch fixierte Philosophie (z.B. einige Lehren und Schriften Platons); in der griech. Philosophie auch religiöse Riten und Gebräuche, nur nach vorheriger Schulung durch Eingeweihte verständlich; bereits in der Antike im Anschluß an Mysterienkulte und die pythagoreische Tradition erweitert auf bewußte Geheimhaltung bestimmter Lehren. Analog wurde esoterisch auf neuzeitliche Literatur übertragen im Sinne von bewußter oder faktischer Geheimhaltung."8 Diese Definition erfaßt bei weitem nicht das gesamte Phänomen der Esoterik, deutet jedoch an, daß man in der Neuzeit den Begriff ,,esoterisch" erweiternd definiert. Nach intensiver Auseinandersetzung mit sog. ,,esoterischer" Literatur erkennt man, daß das Wort ,,Esoterik" auf zwei verschiedenen Ebenen definiert werden muß, indem zwischen ,,Esoterik" als herkömmlichem Begriff und ,,Esoterik" als Modewort unterschieden wird.

2.2 Detaillierte Definition

2.2.1 ,,Esoterik" als herk ö mmlicher/traditioneller Begriff

Esoterik wird von dem griechischen Wort ,,esoterikos" abgeleitet und bedeutet ,,zum inneren Kreis gehörig". So unterschied Platon z.B. seine Lehren in ,,Logioi exoterika" und ,,Logioi esoterika". Die ersten sind die bekannten platonischen Schriften, die für die Öffentlichkeit bestimmt waren; die letzeren sind die geheimen oder ungeschriebenen Lehren, die er nur einem engen Schülerkreis mitteilte und die uns heute nur lückenhaft bekannt sind.9 Esoterik wurde als ,,Arkandisziplin" (lat. ,,arcanus": geheim, geheimnisvoll) verstanden. Deswegen steht die Esoterik auch in Verbindung mit den Begriffen ,,Mystik"/ ,,Mysterienkulten" (lat. ,,mysticus": geheim) sowie dem Wort Okkultismus (lat. ,,occultus": geheimgehalten,verborgen). Zusammenfassend kann der Begriff ,,Esoterik" im traditionellen Sinne als Geheimlehre verstanden werden.10

2.2.2 ,,Esoterik" als Modewort

Der traditionelle Begriff von Esoterik deckt sich nur teilweise mit dem heutigen Modewort ,,Esoterik", denn zum einen ist dieses ,,geheime Wissen" zu einem großen Teil durch die modernen Medien jedem Menschen zugänglich und wird für eine breite Öffentlichkeit publiziert; zum anderen liegt vieles, das sich ,,esoterisch" nennt, zur Zeit im Trend, so daß der Begriff viel häufiger verwendet (und vermarktet) wird als dies ursprünglich der Fall war. Der Mensch von heute kann aus einer Fülle von sogenannten esoterischen Angeboten auswählen: von Astrologie über Kartenlegen bis Yoga und ,,Zen-Praktiken", um nur einige von vielen Möglichkeiten zu nennen.11

2.3 Zusammenfassende Definition

Folgende Gemeinsamkeiten und zentrale Anliegen verbinden jedoch seit jeher alle esoterischen Bewegungen und Richtungen (vergl. auch Kapitel 4):

- die Suche nach dem Sinn, dem Ursprung, dem Göttlichen und dem Ganzen

- das Ziel der individuellen Selbstverwirklichung im Sinne von ,,Erkenne dich selbst"12

- die schrittweise Entwicklung bzw. der Weg des Menschen mit dem Ziel der Vollkommenheit bzw. Ganzheit des Menschen und der Überwindung der Polaritäten (vergl 4.4.2) zum Ganzen (zur `Ein-heit')

- die Auffassung, daß es mehr zwischen Himmel und Erde gibt, als wir sehen, hören, fühlen und uns vorstellen können13

2.4 Problematik des Themas dieser Arbeit

Trotz einiger charakteristischer Gemeinsamkeiten, ist die Definitionsvielfalt des Begriffes ,,Esoterik" deutlich geworden. Aus dieser Tatsache heraus möchte ich auf die Problematik des Themas meiner Arbeit aufmerksam machen: ,,Märchen aus esoterischer Sicht" können nur auf dem Hintergrund bearbeitet werden, daß es keine einheitliche Definition und Vorstellung von Esoterik gibt, sondern eine Vielzahl von verschiedenen Richtungen, die als ,,esoterisch" gelten bzw. sich als solche definieren. Ebenso ist es schwierig, die Esoterik gegen andere Disziplinen abzugrenzen, denn sie steht in mehr oder weniger enger Verbindung vor allem zur Philosophie, Psychologie, Psychotherapie und Religion.14 Aus diesem Grund werden Elemente dieser Wissenschaften ebenso in diese Arbeit einfließen. Schließlich wird das wissenschaftliche Arbeiten durch die Tatsache erschwert, daß Esoterik keine etablierte Wissenschaft ist. Im Gegensatz zu den herkömmlichen Wissenschaften arbeitet die Esoterik weniger empirisch. Sie fragt nicht in erster Linie nach dem ,,Wie" der Wirklichkeit, sondern vor allem nach dem ,,Warum"15 , baut also weniger auf geschultem Verstand und beweisbaren Erkenntnissen auf, sondern geht von der Überzeugung aus, daß es ,,mehr Dinge zwischen Himmel und Erde gibt, als wir es uns mit unserer Schulweisheit träumen lassen."16

Die Parapsychologie ist die einzig staatlich anerkannte Wissenschaft, die gleichzeitig eine explizite Disziplin der Esoterik ist und sich mit bisher unerklärlichen Phänomenen ,,zwischen Himmel und Erde" beschäftigt. So gibt es unter anderem an der Universität Freiburg einen Lehrstuhl für Parapsychologie.17 Ein Zitat aus der ,,Zeitschrift für Parapsychologie und Grenzgebiete der Psychologie" soll in das nächste Kapitel überleiten, das die Verbindung von Märchen und Esoterik herstellt:

,,In den Märchen tragen sich unglaubliche Dinge zu. Sie führen uns in eine Welt, in der ganz andere Gesetze zu gelten scheinen als in der uns gewohnten. Seltsame Geschöpfe treiben da ihr Wesen oder Unwesen, magische Gegenstände verleihen übernatürliche Fähigkeiten, und alles kann sich in alles verwandeln, wenn das richtige Wort, die richtige Formel dafür gefunden wird. Angesichts des Wunderbaren, das im Märchen geschieht, liegt die Vermutung nahe, daß auch jene seltsamen Phänomene, mit denen sich die Parapsychologie beschäftigt, zu seinem Repertoire gehören."18

3 Entstehungsgeschichte der Märchen aus esoterischer Sicht

3.1 Zur Entstehungsgeschichte allgemein

Die Entstehungsgeschichte von Märchen bietet ausreichend Platz für Spekulationen, Hypothesen und Vermutungen, da es bislang keine eindeutig belegbaren Beweise gibt, wann Märchen entstanden und wo konkret ursprüngliche Wurzeln zu suchen sind. In seinen einleitenden Worten zu ,,Das europäische Volksmärchen" schreibt der Märchenforscher Max Lüthi:

,,Die Frage nach ihrem Ursprung [des Märchens, Anm. d. Verf.] wird immer neu gestellt. Zentrale Probleme sind noch ungelöst, Hypothesen stehen gegen Hypothesen."19 An späterer Stelle stellt er fest:

,,Über die Ursprünge des Volksmärchens weiß man wenig. Alle Theorien darüber sind umstritten. Während die einen Forscher Grund zu haben glauben, die Entstehung der Gattung Märchen in die jüngere Steinzeit zu legen, sehen andere erst im späten Mittelalter den Nährboden, der das eigentliche Märchen wachsen ließ. Die einen denken an priesterliche Weisheitsdichtung, die dem Volke in Urzeiten dargereicht worden sei, andere nehmen an, ritterliche Epen seien ins Volk gedrungen und von ihm in charakteristischer Weise umgeformt, umgeschliffen worden."20

Erwähnenswert für das Thema dieser Arbeit ist die Tatsache, daß Lüthi behauptet, daß für viele Elemente des Märchens ein ,,magischer Ursprung" nachweisbar ist.21

Auch die Gebrüder Grimm spekulierten lediglich über die Entstehung der Märchen, vermuteten jedoch, daß sich ,,aus der rezenten Überlieferung auf eine vorzeitliche Glaubenswelt schließen lasse".22

In Anbetracht der Fülle von Entstehungshypothesen werde ich im folgenden vorrangig die Entstehungsgeschichte von Märchen im Spiegel esoterischen Gedankenguts beleuchten.

3.2 Entstehungshypothesen aus esoterischer Sicht

3.2.1 Steinzeit: Märchen als Einweihungsgeschichten?

Einweihung bzw. Initiation spielt in allen esoterischen Lehren eine herausragende Rolle. Bei aller Verschiedenheit der esoterischen Praktiken gibt es im esoterischen Denken etwas Verbindendes: die Erkenntnis, daß der Grund der Welt und das Ziel des Lebens ein Geheimnis ist. Esoteriker gehen davon aus, daß es seit jeher einige wenige Menschen - sog. Eingeweihte - gab, die von diesen Geheimnissen des Lebens wußten und dieses Wissen im Laufe der Generationen durch Einweihung bestimmter auserwählter Menschen weitertransportierten. Insbesondere in alten Kulturen mußten Menschen, die in diese Geheimnisse eingeweiht werden sollten, den ,,Initiationsweg der Selbstverwandlung" gehen,23 der mit bestimmten Ritualen einherging. Diese Rituale - teilweise ,,Übergangsriten" genannt - kennzeichneten den Schritt des eingeweihten Menschen in einen neuen Reifezustand.24 Diese von dem Ethnologen G. van Gennep (1873-1959) als ,,Rites de passage" bezeichneten ,,Durchgangsriten" waren oft mit schmerzvollen Prozeduren verbunden (Durchbohren der Nasenscheidewand, der Ohrläppchen oder Lippen, Blutopfer, Beschneidung usw.) und werden nach Ansicht des Forschers Hans Biedermann im Märchen symbolisch dargestellt: durch den Gang durch die Hölle oder durch alle anderen Beschwerden oder Grausamkeiten, die der Märchenheld auf dem Weg zum Ziel auf sich nehmen muß.25

Die Einweihungsrituale fanden oftmals in tiefen Höhlen statt, d.h. man mußte hinabsteigen, um im übetragenen Sinne ,,aufzusteigen". So ist das Symbolbild der unterirdischen Welt, durch die der Mensch gehen mußte, um den Aufstieg zu erringen, in die Märchen eingegangen (z.B. ,,Frau Holle", vergl. Anhang sowie 4.2.3). Es gibt Funde von alten Höhlengemälden aus frühzeitlichen Kulturen, die diese Einweihungsrituale darstellen. Aus diesem Grund gibt es die Vermutung vieler Esoteriker, daß die Einweihungsrituale nicht nur malerisch, sondern auch in Form von Geschichten tradiert wurden. Um die Geheimnisse der Einweihung nicht öffentlich zu machen, wurden diese Geschichten in symbolhaltiger Form weitergegeben und könnten somit - wie auch von Max Lüthi in seinen Märchenforschungen zur Diskussion gestellt26 - Vorläufer der Gattungsform Märchen darstellen. In dem Märchen ,,Frau Holle" - ,,Holle" etymologisch verwandt mit ,,Hölle" sowie mythologisch ableitbar durch die germanische Unterweltherrin ,,Hel" oder der Göttin ,,Holda" - könnte beispielsweise das Reich der Frau Holle einen Einweihungsort beschreiben, in dem die Glücksmarie ihre Einweihungsprüfungen erfolgreich besteht.27

,,Ideen dieser Art haben offensichtlich die Einweihungsriten von der Altsteinzeit bis in die Gegenwart dramatisiert und in den Brennpunkt esoterischen Gedankengutes gestellt. In den Märchen lassen sich vielfach Anklänge an diese Geisteswelt nachweisen [...] Reich und voll von vielsagenden Bildern ist nur noch das Reich der Märchen greifbar, in dem die Grundlinien der Einweihung schattenhaft erkennbar sind. Wer in ihnen zu lesen gelernt hat, dem vermitteln sie einen fernen Nachklang einstiger Spiritualität."28

Mit einer der Entstehungsthesen Max Lüthis deckt sich die Hypothese vieler Esoteriker, daß die Märchen nicht dem einfachen Volke entspringen - wie etwa die Sage - sondern ihre Entstehung bei sogenannten Eingeweihten zu suchen ist.29 Auch der von Lüthi häufig zitierte Religionsforscher Mircea Eliade vertritt die Meinung, daß die Zaubermärchen ihren Ursprung in nicht mehr verstandenen Schilderungen von Initiationsriten hätten.30 Oskar Ruf bezeichnet Märchen sogar als ,,Einweihungsgeschichten".31

3.2.2 Antike (ca. 2500 v.Chr. - ca. 100 n.Chr.)

Eine Reihe von Märchenforschern sehen den Ursprung der Märchen in den Mythen, Götter- und Heldensagen sowie den Legenden der Antike. Insbesondere Esoteriker vertreten die Ansicht, daß solche Erzählgattungen aus dem Bedürfnis des Menschen entstanden, seiner eigenen Existenz, der Natur um ihn herum und dem Tod Sinn zu geben. Die Entstehung der Welt, der Menschheit und des eigenen Volkes kann ihrer Ansicht nach durch Sagen, Mythen, Legenden und Märchen gleichermaßen vermittelt werden.32 Die Anthroposophen33 meinen, daß die Menschen bis zur Antike noch über ein ganzheitliches Hellsehen verfügten, so daß sie überrationale Zusammenhänge erfassen konnten und die daraus gewonnenen Lebenserkenntnisse in stark symbolhaltiger Form in Märchen bzw. in den Märchen verwandten Erzählgattungen festhielten.34 Die Erkenntnisse wurden in den Märchen verschlüsselt, da man auch in jener Zeit nach wie vor der Überzeugung war, daß das ,,Arkanum" (das Geheimnis) der Lebenserkenntnis gegen die Profanierung und Verfolgung durch die ungläubige Masse geschützt werden sollte35 (vergl. 3.2.3.2). Dies wird auch in den für die Esoterik bedeutsamen ,,Hermetischen Schriften"36 deutlich:

,,Bewahret die göttlichen Geheimnisse in der Verborgenheit eures Herzens und bedeckt sie mit Schweigen."37

Auch der zeitgenössische Autor Thorwald-Dethlevsen vertritt die Ansicht, daß die ,,wahre Esoterik" im Verborgenen wirkt und mehr Mühen unternimmt, ,,die eigene Existenz zu verschleiern, als auf Mitgliederjagd zu gehen." Er folgert daraus, daß es deshalb schon immer wichtig war, das Wissen der Esoterik zu verschlüsseln, damit es von ,,dem Unwissenden" nicht erkannt und nur demjenigen zugänglich wird, der um die ,,höhere Erkenntnis" bemüht ist.38

Als Beweis für die Entstehung der Märchen in der Antike wird außerdem von Kürthy die Tatsache angeführt, daß das Märchen mit für die Antike bedeutsamen Symbolen ausgestattet ist: Der Apfel, z.B., der in vielen Märchen symbolisch für Liebe (auch für Sexualität, insbesondere der weiblichen), Nächstenliebe, Selbstüberwindung oder Mutprobe steht (z.B. bei ,,Frau Holle", ,,Schneewittchen"), kann auf die germanische Göttin der Liebe und Fruchtbarkeit ,,Freya" zurückgeführt werden, welche die den Göttern Kräfte verleihende Äpfel hütet.39 Auch das Märchen ,,Das Erdkühlein" erfährt einen neuen Sinn, wenn man es auf dem Hintergrund betrachtet, daß die Kuh in der alten Mythologie ein Symbol der Fruchtbarkeit, des Urbeginns, der Mutter Erde (Terra mater) war.40

3.2.3 Frühes Christentum - Die Bedeutung des Schweigens

3.2.3.1 Bl ü tezeit der Gnosis (2.-3. Jahrhundert)

Nach Meinung vieler Esoteriker haben einige Märchen auch noch später im Frühen Christentum während der Blütezeit der gnostischen Lehren [Gnosis: grch., Erkenntnis, Bez. für Geheimlehre]41 im 2.-3. Jh.. n. Chr. ihren Ursprung. Die Gnosis hat ihr Geheimwissen - ihre Einsichten bzw. Erkenntnisse - in Märchen bzw. märchenhaften Bildern versteckt, damit ihre Erkenntnisse der Welt bzw. den ,,Eingeweihten" in der Welt nicht verloren gingen. Auch hier war es wichtig, diese Erkenntnisse zu vebergen, damit nur Eingeweihte Zugang zu ihnen finden würden.42 Das Schweigen über die Erkenntnisse war eine wichtige Tugend bei den Gnostikern, aber auch den meisten anderen alten esoterischen Geheim- oder Mysterienbünden (vergl. 3.2.2). So mußten auch die Eingeweihten in der Zeit der ,,Rites de passages" (vergl. 3.2.1) auf ihr Leben schwören, niemandem zu erzählen, was sie während der Einweihungsprüfungen und -rituale gesehen, erlebt und erkannt haben.43 Das Brechen des Schweigens galt schlimmer als der Tod.44 So ist auch das Thema ,,Schweigen" bzw. ,,Fähigkeit zur Wahrung eines Geheimnis", das Lüthi unter anderem als Symbol des Willens und der Kraft zum Durchhalten interpretiert,45 ein zentrales Motiv in einigen Märchen,46 wie z.B. in ,,Marienkind" oder in ,,Das Mädchen des Schmieds, das zu schweigen verstand".47 Die Einweihungsprüfungen, die im Märchen symbolisch durch zu bestehende Gefahren und Prüfungen des Märchenhelden dargestellt werden, berichten aus diesem Grunde auch nicht konkret, wie das Leben der Helden nach glücklich überstandenen Prüfungen (analog: nach würdig überstandenen Einweihungsprüfungen) aussieht, es werden lediglich allgemeine Ausdrücke eines erfüllten Lebens benutzt: ,,So lebten sie glücklich bis an das (selige) Ende".48

3.2.3.2 Verfolgung ,,heidnischen" Gedankenguts durch die Christen

Das Schweigen war zu späterer Zeit vor allem aus pragmatischen Gründen notwendig, da mit der Entstehung des Christentums auch die Verfolgung sog. ,,heidnischen" Gedankengutes entstand. Bestimmte Weisheiten und Lehren mußten verschlüsselt werden, damit diese die Zeiten der Verfolgung überleben würden. Das Märchen sah man als geeignetste Form, Wissen aus der alten Zeit zu tradieren. ,,Märchen also eine Art Untergrundliteratur der Verfolgten?"49 Oskar Ruf stellt besonders gut heraus, warum gerade die Gattungsform Märchen dazu geeignet war, verfolgtes Gedankengut bzw. Geheimwissen zu verschlüsseln: ,,Ja, es drängt sich die Frage auf, ob denn nicht die naive und unverfängliche Form des Märchens besonders dafür geeignet sein könnte, eine `hehre Botschaft' durch die Zeiten zu tragen und jenen zugänglich zu machen, die dafür empfänglich sind."50 Ruf kommt zu der Erkenntnis, daß in Trivialität verkleidete Weisheit gut geschützt und sicher verwahrt die Zeiten überdauert.

3.2.4 Tra ü me als Ursprung der Märchen

Viele Esoteriker gehen davon aus, daß die Tiefe, aus der Märchen entstanden, nicht die der Ratio, sondern die der menschlichen Seele war. Sie interpretieren die Bilderwelt als Schlüssel zur menschlichen Seele und nehmen an, daß der Ursprung der Märchen in den Träumen zu finden sei. Träume stammen ihrer Ansicht nach aus Seelenschichten, die sehr irrational und magisch sind und oftmals in die archaische Zeit der Menschheit zurückreichen. Diese haben sich schließlich in Träumen manifestiert und die Entstehung von Märchen mitgeprägt.51 Auch C.G. Jung sieht in Märchen wie in Träumen uralte archaische Kräfte wirken, die seiner Meinung nach mit kulturspezifischen oder persönlichen Ereignissen angereichert wurden.52 Die daraus gefolgerte These, daß die Märchenfiguren Ab- bzw. Vorbilder seelischer Tiefe sind, steht im Widerspruch zu Max Lüthis Märchenforschungen, der den Märchenfiguren eine Gefühlswelt sowie seelische Tiefe abspricht und sie als ,,oberflächlich" charakterisiert.53

Dieser Widerspruch macht schließlich deutlich, daß Fragen zur Entstehung von Märchen noch längst nicht in ausreichendem Maße beantwortet sind und stets einer erneuten Infragestellung und Ergänzung bedürfen.

4 Sinnsuche, Selbsterkenntnis und geistige Entwicklung als Ziel der Esoterik und Märchen

Nachdem ich bereits in Kapitel 2 die Anliegen der Esoterik skizziert habe, werde ich diese im folgenden analog zu Aufbau und Inhalt der Märchen beleuchten.

4.1 Märchen sowie Esoterik als Weg

Die Esoterik umfaßt Lehren, die dem Menschen helfen sollen, sein Wesen zu erkennen. Sie geht dabei von dem Bedürfnis des Menschen aus, nicht nur nach Bewährung im Alltag zu streben, sondern auch nach Erkenntnis, nach Sinn und Zweck seines Tuns und nach dem ,,Warum" zu fragen. Die Esoterik will dem Menschen deshalb neue Freiräume und Möglichkeiten für die Bewältigung seines bisherigen und den Aufbau eines völlig anderen Lebens aufzeigen.54 Die Esoterik kann also als ein Weg oder Pfad verstanden werden, der zu einem Ziel hinführt:

,,Den Weg gehen, heißt, alle, auch noch so kleine Erkenntnisse sofort in die Wirklichkeit umsetzen, heißt, ständig sein eigenes Leben und Erleben, sein Verhalten zu ändern, immer anders werden, immer neu sein, kurzum, Esoterik heißt Entwicklung."55 An dieser Stelle spannt Oskar Ruf, der Esoterik als ,,eine Lehre und einen Weg"56 versteht, den Bogen zum Märchen, indem er die alternativen Bezeichnungen ,,Entwicklungs-" und ,,Reifungsmärchen" für den Begriff ,,Zauber- und Königsmärchen" aufführt. Seiner Meinung nach wollen Märchen ,,uns auf den Weg bringen" und ,,wollen den Weg darstellen, den der Mensch gehen muß".57 Max Lüthi spricht vom ,,Schicksalsweg"58 . Auch aus der Sicht der Anthroposophie, die nach Kürthis Ansicht ,,sehr viel zum Verständnis der Märchen beigetragen hat",59 zeigt sich im Märchen die Entwicklung des Einzelwesens Mensch und darüber hinaus die Entwicklung der Menschheit insgesamt.60 Die Anthroposophie betrachtet die Selbstfindung des Menschen - eines der grundlegenden Inhalte der Anthroposophie und Esoterik (vergl. Kapitel 2) - als zentrales Anliegen aller Märchen. Sie sieht in vielen Märchen Bilder, die zeigen, daß der Mensch sein Schicksal selbst gestaltet und hebt dadurch die Selbstverantwortlichkeit des einzelnen hervor. Die Anthroposophen ziehen aus dieser Erkenntnis Konsequenzen im realen Leben, indem sie beispielsweise in den (Rudolf-Steiner-) Waldorfschulen das Ziel setzen, in besonderem Maße die Selbtsverantwortlichkeit der Schüler und Schülerinnen zu fördern61 (vergl. 4.4 ,,Märchenpraxis"). Ob die Behauptung, daß Märchen den Entwicklungsweg der Selbstfindung beschreiben und somit der Bezeichnung Rufs als ,,Entwicklungs"- und ,,Reifungsmärchen" gerecht werden, soll im folgenden untersucht werden.

4.2 Aufbau der Märchen

4.2.1 Das Ziel im Märchen

Der Aufbau der Märchen ist niemals gleich, jedoch ähneln sich viele Märchen in ihrer Struktur und Handlungslinie:

,,Nichts Lebendiges ist schematisch, und doch strebt alles Lebendige nach einer bestimmten Gestalt [...] Volksmärchen streben trotz aller Freiheiten immer wieder einer bestimmten Form zu [...]"62

Dem Aufbau sämtlicher Märchen ist gemein, daß sie immer auf ein Ziel gerichtet sind. Das Ziel ist die Befreiung, die Erlösung, das Glück des Helden, nachdem er den ,,Weg zwischen Verzauberung und Entzauberung gegangen ist"63 (vergl. 5.2.2 ,,Verzauberung des Helden"). Entscheidend ist, daß das Ziel nicht das Wesentliche ist, sondern die Suche nach dem Ziel, der Entwicklungsweg des Helden. Das Ziel wird also lediglich am Ende benannt, es wird im Märchen jedoch nicht geschildert. So ist zum Beispiel die Ehe nie Gegenstand selbst, sondern Ziel des Märchens bzw. ,,nur der Schlußpunkt einer abenteuerlichen Handlungslinie".64 Der Märchenheld ist also ein ,,Wanderer", der in Bewegung ist, er ist symbolisch gesehen auf dem (Entwicklungs)-,,Weg" vom Schweinehirten zum König, ,,zum Einssein mit seinem `höheren Selbst'".65 Das Märchen umfaßt ,,das ganze Muster des menschlichen Entwicklungsweges".66

4.2.2 Der dreigliedrige Aufbau von Märchen

Sehr viele Zauber- und Königsmärchen sind in etwa wie folgt aufgebaut:

1) Der Beginn des Märchens spielt im alltäglichen, profanen - teilweise im familiären -

Bereich. Es folgt der Aufbruch der Heldenfigur von zuhause, sie macht sich auf den Weg - analog zu esoterischen Lehren - auf den ,,Entwicklungsweg".

,,Der Märchenheld zeigt uns einen anderen Weg. Er verkörpert die `Weg-Bewegung' von der Welt, denn diese Wegbewegung ist der Grund dafür, daß er nicht scheitert."67 Der Ausbruch aus dem Alltag - die Suchwanderung - beginnt:

,,[...] daß jemand seine heimatliche Welt verläßt, um in der Fremde sein Glück zu machen, ist kaum mit realer Emigration in Zusammenhang zu bringen, sondern eher mit einem rituellen `Aufbruch zu neuen Ufern', der mit dem religiösen Überlieferungsgut alter Gesellschaftsformen zusammenhängt."68 2) Auf dem Wege der Suchwanderung begegnet der Held/die Heldin den magisch- mythischen Welten; der Prozeß des Erwachsenwerdens wird auf dieser Suchwan- derung beschrieben.

,,Wirkliches Erwachsenwerden ist auch das Anliegen der Esoterik. Die Zauber- und Königsmär- chen handeln genau von diesem Gegenstand und stellen das Gelingen des Erwachsenwerdens dar."69

Dabei ist es auch typisch für die Helden, daß sie Umwege gehen. Sie machen Ex- peditionen in den gefährlichen Wald und müssen sich Aufgaben und Prüfungen stellen (symbolisch: Der Weg durch noch nicht gelebte Bilder und Befreiung von ihnen - gemäß der ,,Selbstbefreiungs"-Forderung der Esoterik).70 Diese Umwege erweisen sich im Laufe dieses Handlungsabschnittes als notwendige Entwicklungs- schritte.71

3) Oft endet das Märchen mit einer Hochzeit (Symbol für vollendete Vereinigung der Polaritäten und für die ,,psychische Ganzheit"72 ); teilweise kehren die Helden ins Alltagsleben zurück (oftmals zum ,,Auftragsgeber" (Lüthi))73 . Dabei findet die Rückkehr auf einer höheren Stufe statt (,,Neugeburt in ein gesteigertes Leben".)74 In vielen Märchen wird der Held/die Heldin König(in) (,,König" steht dabei als Symbol für eine hohe Entwicklungsstufe bzw. für die Mitte der Persönlichkeit).75

Viele Esoteriker sehen diesen Aufbau des Märchens analog zu den Einweihungsriten alter Geheim- und Mysterienbünde (Vergl. 3.2.1). Die Grundlinien der Einweihung sind ihrer Meinung nach in den Märchen schattenhaft erkennbar. Wie auch von Max Lüthi in seinen Märchenforschungen diskutiert,76 gleichen jene individuellen Riten, die der Aufnahme in diese Bünde dienten, dem Aufbau der Märchen:

1) Absonderung vom Alltagsleben, d.h. Prüfling trennt sich von seiner gewohnten Umgebung und setzt sich dem Umfeld der Prüfungs- und Einweihungsrituale aus

2) Das Erlebnis des Schmerzes, des Schreckens, des Grausamen und der Gefahr durch die Prüfungsprozeduren (vergl. 3.2.1)

3) Aufstieg auf die Stufe der Neugeburt. Der Eingeweihte soll jetzt die Weltordnung innerlich erfahren und erkannt haben77

4.2.3 Aufbau am Beispiel von Frau Holle (vergl. Anhang)

1) Zunächst befindet sich die Glücksmarie zuhause bei ihrer Mutter und Schwester in einer alltäglichen Situation: sie spinnt an einer Spule. Das Weggehen von zuhause beginnt mit dem Fall der Goldmarie in den Brunnen.

2) Der Brunnen symbolisiert dabei den Beginn des Weges in den magischen Bereich, ,,in den Bereich der unbekannten Gefahren und Schätze, in denen die Einweihung stattfinden soll".78 Analog zu der esoterischen Grundeinstellung, daß die dem Menschen sich stellenden individuellen Lebensaufgaben den Sinn haben, an ihnen zu reifen, sich durch sie zu entwickeln (vergl. 4.1), begegnet nun auch die Glücksmarie auf ihrem Weg den in Symbolen versteckten Lebensaufgaben (dem Backofen helfen [Backofen als Symbol des Erwachsenwerdens[79]- auch heute benutzt man für das Erwachsenwerden junger Menschen noch Bezeichnungen wie ,,ungebacken", ,,Backfisch" usw.], Äpfel schütteln [Apfel als Symbol der geschlechtlichen Reife], Frau Holle bei der Arbeit unterstützen [Konfrontation mit der Unterwelt, vergl. 4.4.2.1]), an denen man sich bewähren (Glücksmarie), aber auch scheitern kann (Pechmarie). Das Tor, durch das die Glücksmarie bzw. auch die Pechmarie schließlich gehen und dort mit Gold bzw. Pech überschüttet werden, symbolisiert das Endes des Weges in den magischen Bereich.

3) Rückkehr ins Alltagsleben, aber auf höherer Stufe. Das Gold an ihrem Körper symbolisiert den persönlichen Wertzuwachs der Glücksmarie bzw. die ,,Neugeburt in ein gesteigertes Leben".

Insgesamt muß zum Aufbau von Märchen ergänzend erwähnt werden, daß Esoteriker argumentieren, daß der stark ähnelnde Aufbau von zahlreichen Zauber- und Königsmärchen mit ähnlichen Grundmotiven ein Beweis dafür sei, daß es im Märchen nicht um ein ,,willkürliches Gaukelwerk freier Assoziationen"80 ginge, sondern um ein geregeltes Spiel aus fernen Zeiten, das uns noch heute den optimalen Entwicklungsweg aufzeigen soll.

4.3 In Märchen verankerte Gesetze, an denen sich die Esoterik orientiert

4.3.1 ,,Wie innen, so au ß en"

Das Prinzip, inneres Geschehen in äußeren Bildern darzustellen, durchzieht die gesamte Märchenwelt.81

,,Wo das Märchen nur immer kann, ersetzt es Inneres durch Äußeres, seelische Triebkräfte durch äußere Anstöße."82

So werden die innerseelischen Vorgänge des Helden/der Heldin- oder wie C.G. Jung es ausdrückt: die Archetypen, die Urbilder der Seele83 - in Symbolen dargestellt (vergl. 3.2.3.3).

Analog zum (esoterischen) Hermetischen Prinzip: ,,Wie innen so außen", richtet sich die Aktivität der Märchenhelden nicht nach innen, sondern nach außen. Alle Emotionen und seelischen Vorgänge, die sie haben, werden nach außen durch Taten in Bewegung gesetzt, so wie auch bei Kindern das Innenleben nach außen umgeformt wird.

4.3.2 Ü berwindung der Polaritäten - am Beispiel von Gut und B ö se

4.3.2.1 Das Umschlagen ins Gegenteil

Gut und Böse sind im Märchen nicht so klar voneinander getrennt, wie es zunächst erscheinen mag, sondern vielmehr verstricken sich Gut und Böse, Böses wird zu Gutem und umgekehrt, so daß diese Polaritäten entsprechend dem Polaritätengesetz der Esoterik84 (wie in 4.4.2.2 erläutert) überwunden werden. Max Lüthi: ,,[...] es ist als ob ein inneres Gesetz die Dinge in ihr Gegenteil umschlagen ließe"85

Das Thema des ,,Umschlagen ins Gegenteil" ist eines der großen Themen im Märchen. Damit sind nach Ruf Märchen Quelle der Einsicht in völlig andere Lebenszusammenhänge und Gesetzmäßigkeiten, als sie vielleicht von ihrer äußeren Form her suggerieren. Ein Beispiel für das Umschlagen ins Gegenteil bzw. für das in den Märchen immer wiederkehrende Motiv des ,,Böses führt zu Gutem" ist das Märchen ,,Der Teufel mit den drei goldenen Haaren" (vergl. Anhang): Der Held gerät in die Hände der eigentlich gefährlichen und lebensbedrohlichen Räuber, diese aber wenden sich ihm von der guten Seite zu und verhindern schließlich sein Todesurteil durch den König. Max Lüthi nimmt Stellung dazu:

,,Das Märchen glaubt daran, daß es die Bestimmung der Gefahr, des Dunkels, des Übels sei, den Menschen emporzuführen ins Licht"86

Typisch für den Handlungsverlauf des Märchens ist, daß der Held mit den dunklen bzw.

bösen Seiten des Lebens konfrontiert wird. Sehr deutlich wird dies in dem eben erwähnten Märchen ,,Der Teufel mit den drei goldenen Haaren". Den Helden führt sein Weg hinab in die Hölle zum Teufel, dem Herrn der Unterwelt, dem ,,Herrn über unsere nichtintegrierte Seite und unsere ungelebten Bilder sowie über unseren abgespaltenen Teil"87 , den wir laut Rufs Auslegung esoterischer Lehren zu unserer Vollständigkeit brauchen.

4.3.2.2 Das (esoterische) Polaritätengesetz - Der Weg zur Einheit

Mit der eben erwähnten Interpretation Rufs ist gemeint, daß der Held die Ganzheit der Welt nur erkennen kann, wenn er nicht nur die gute, sondern auch die böse Seite des Lebens erlebt, entsprechend zu Th. Dethlevsen esoterischer Anschauung:

,,Alle Polaritäten sind gleich gut und gleich böse, da sie Teile der Einheit sind und deshalb ihre Existenzberechtigung besitzen, denn ohne sie wäre die Ganzheit nicht ganz."88 Märchen vermitteln seiner Ansicht nach diese ,,Ein - sicht", da sie diese fundamentalen Gesetzmäßigkeiten in ,,gültige sprachliche" Form gebracht haben:89

,,Wer den Weg durch die Dunkelheit nicht scheut, wird schließlich ein echter Heilsbringer, ein Erlöser. Alle mythischen und märchenhaften Helden mußten sich deshalb mit Ungeheuern, Drachen und der Hölle selbst auseinandersetzen, wollten sie heil und vollkommen sein."90

Dethlevsen meint, daß gerade Märchen das Polaritätengesetz (daß Gut und Böse zwei Aspekte ein und derselben Einheit sind) besonders gut verdeutlichen, da die Ursprünge der Märchen noch nicht von der Einstellung zu Gut und Böse durch das Christentum in unserer Gesellschaft beeinflußt wurden. Die christliche Philosophie spricht vom Gegensatz zwischen Gott und Teufel. Die Märchen hingegen ,,spielen in einer anderen Welt",91 in der dieser Dualismus überwunden wird, indem der Held (der Gute) in der ,,anderen Welt" Mitspieler hat (z.B. beim ,,Teufel mit den drei goldenen Haaren" holt sich der Held Hilfe vom Teufel, um sich selbst sowie seine Umwelt positiv fortzuentwickeln). Die Märchenhelden gehen auf ihrem Weg durch die Gegensätze Gut und Böse gleichermaßen hindurch, bis sie alles gelernt und integriert haben, um wieder ,,vollkommen zu werden, wie der Vater im Himmel vollkommen ist".92 Auch Max Lüthi spricht von der Polaritätenüberwindung im Märchen: ,,Schließlich vereinigt das Märchen auch als Form die entscheidenden Pole des Seins: Enge und Weite, Ruhe und Bewegung, Gesetz und Freiheit, Einheit und Vielheit."93 Die Esoteriker betonen die Furchtlosigkeit, mit der der Held des Märchens den dunklen Gestalten oder denen der Hölle gegenübertritt (vergl. 5.2.4). Dethlevsen faßt die entsprechenden Ansichten vieler Esoteriker zusammen:

,,Der Weg zur Einheit (analog: der Märchenheld auf dem Weg zum Ziel, Anm. d. Verf.) verlangt mehr als bloße Flucht. Er verlangt von uns, auch vor dem Bösen nicht zurückzuschrecken, um fähig zu werden, die Gegensätze zu einen. Nicht meiden, sondern erlösen durch Erleben heißt die Forderung [...] Es bedarf des Mutes, bewußt und unerschrocken den Herausforderungen des Lebens zu begegnen. [...] Die Gegensätze einen sich nicht von selbst, man muß sie handelnd erleben, um sie überhaupt erst einmal zu unserem Besitz zu machen (Abstieg in die Hölle oder Hilfe bei Frau Holle z.B., Anm. d. Verf.). Hat man beide Pole integriert, ist es erst möglich, die Mitte zu finden."94

Insbesondere das ,,Märchen von einem der ausging, um das Fürchten zu lernen" (vergl. Anhang) macht deutlich, wie furchtlos der Held den Stellvertretern des Bösen gegenübertritt.

Insgesamt ist das Gesetz der Polarität (Gegenpole bilden Einheit) für Esoteriker also von großer Bedeutung. Ruf zeigt am Beispiel des Märchens ,,Der Froschkönig" (vergl. Anhang) deutlich die Darstellung des Polaritätengesetzes. Seiner Meinung nach geht es in diesem Märchen um ,,die Integration des Gegenpols, um die Vereinigung von Feuer (goldene Kugel, mit der die Prinzessin spielt = Symbol für heiße, feurige Sonne) und Wasser (symbolisiert durch den Brunnen), von feuriger Tagesseite und wäßriger Nachtseite des Lebens, von Sonne und Mond, von männlich und weiblich, von yin und yang."95

4.4 Märchenpraxis

Das Märchen soll also nach Meinung der Esoteriker zum einen Hilfestellung bei der persönlichen Entwicklung sein - Max Lüthi spricht von Märchen als ,,Lebenshilfe"96 - und zum anderen den Menschen zu der Beantwortung einiger Fragen der Sinnsuche hinführen97 (vergl. 4.1). Märchen werden deshalb auch für psychotherapeutische Arbeit verwendet, da die Psychotherapie - in diesem Punkt entsprechend der Esoterik - die Autonomie und Selbstverantwortlichkeit des Menschen zum Ziel hat und das Märchen eben gerade diese Tugenden besonders deutlich und konstruktiv hervorhebt.

Verena Kast beschreibt in ihrem Buch ,,Märchen als Therapie" prägnant die therapeutischen Möglichkeiten durch Märchen;98 auch andere Psychotherapeuten bestätigen, daß der Weg in die Tiefe der Seele eines Menschen über die Identifizierung mit dem Märchenhelden leichter zu gehen ist.99

Schließlich sei zu dem Thema ,,Märchenpraxis" erwähnt, daß Biedermannn ein eigenes Kapitel mit selbigem Titel in seinen Ausführungen über ,,Die verborgene Weisheit im Märchen" versieht und aufzeigt, wie erwachsene Menschen Märchen nutzen können, um das Spektrum ihrer Gefühle zu erweitern,100 und um somit entsprechend den Forderungen der Esoterik, sich weiterzuentwickeln.101

5 Der Märchenheld und seine Helfer im Spiegel esoterischer Lehren

5.1 Typisierung der Märchenfiguren

Die Figuren, die im Märchen mitwirken, lassen sich in drei Gruppen typisieren:

1) der Held/die Heldin als Hauptfigur des Märchens

2) die ,,Helfer" des Helden /der Heldin

3) übrige Figuren wie Ehepartner(in), Eltern, Geschwister oder jene Rollen im Mär- chen, die als sog. ,,Antihelden" eine Gegenposition einnehmen Diese Figuren stellen in der Ezählungsgattung Märchen jedoch keine Individualitäten dar, sondern sind eher Schemata von verschiedenen Menschenrollen.102 Im folgenden soll lediglich auf die ersten beiden Typen eingegangen werden, da diese das Wesentliche des Märchen ausmachen.

5.2 Der Märchenheld

5.2.1 Der Sinnsucher und Pragmatiker

In 4.2.2 (,,Der dreigliedrige Aufbau des Märchen") ist bereits deutlich geworden, daß das Märchen aus esoterischer Sicht ein Entwicklungswegweiser ist, den der Märchenheld aufzeigt. Dem Helden genügt die schlichte Bewährung im Alltag, in dem er sich zunächst befindet, nicht.

,,Auch der Märchenheld geht mit nachtwandlerischer Sicherheit seinen Weg, die magische Suchwanderung führt ihn zum Ziel."103

Auf diesem Weg ist der Märchenheld Sinnsucher und Pragmatiker zugleich, oder wie Kürthy es ausdrückt, ,,Homo magicus" und ,,Homo faber" in einem.104

Der Held im Märchen will in die Welt ziehen, um diese zu erkennen, will sich in ihr behaupten , sein Auskommen und den Sinn seines Daseins finden (,,Homo magicus"). Dabei setzt der Held alle theoretischen Erkenntnisse in die Praxis um, d.h er ist den Aufgaben des Lebens keineswegs abgewandt, sondern packt sie an, ,,der Märchenheld handelt"105 (Lüthi) und zeigt sich somit als Pragmatiker (,,Homo faber").106

Viele Esoteriker vergleichen den Märchenhelden mit der Karte 0 ,,Der Narr" im TarotSpiel.107 /108 In Kartenbefragungen sagt ,,Der Narr" etwas über:

,,Mut, Optimismus und anspornenden Glauben an uns selbst und an das Leben, [...] erinnert uns der Narr daran, daß unser inneres Selbst uns am besten sagen kann, was wir zu tun haben."109 Die ,,Narr-Karte" kennzeichnet sich also nicht etwa durch dümmlich-naive, sondern vielmehr durch unbelastete, ursprüngliche Attribute; sie ist metaphorisch das mythologische Bild des Parzifal, der im Narrengewand auszog und am Ende seiner langen Suche Gralskönig wurde. ,,Der Narr" im Tarot steht also ebenso wie der Märchenheld symbolisch für Mut, Optimismus, den Glauben an das Leben und seinen Sinn sowie für den mutigen Absprung in eine neue Lebensphase, der mit weiser Erkenntnis und Glück belohnt wird (vergl. 4.2.2).110

5.2.2 Verzauberung des Helden - Analogie zur Astrologie

Ruf stellt fest, daß der Held im Zauber- oder Königsmärchen in eine bestimmte Erleidensoder Erlebnisform hineinverzaubert oder -verwunschen ist. Ganz deutlich wird dies z.B. bei den Märchen ,,Der Froschkönig" oder ,,Zwerg Nase". Im Laufe dieser Märchen geht es darum, daß der Held bestimmte Aufgaben zu erfüllen hat, um erlöst (entzaubert) zu werden. Am Schluß ist der Held also von der Verzauberung befreit und lebt das, was er wirklich ist (der ,,häßliche" Frosch z.B. wird zum ,,schönen" Prinzen).111

An dieser Stelle versucht Döbereiner eine Verbindung zwischen Märchenpsychologie und Astrologie herzustellen. Die Astrologie - eine häufig von Esoterikern angewandte Disziplin - geht davon aus, daß jeder Mensch mit seiner Geburt durch sein Karma112 individuelle genau festgelegte Eigenschaften und Lebensaufgaben ,,mitbringt", die mit Hilfe des Geburtshoroskops (auch Grund-oder Radixhoroskop113 genannt) dargestellt werden.114 Döbereiner vergleicht den Menschen, der seine Anlage - gemäß der Astrologie - mit der Geburt erhält, mit einem Vezauberten oder Verwunschenen, der sich im Laufe des Lebens von dieser ,,Verzauberung" befreien muß, um erlöst (d.h. im übertragenen Sinne ,,vollkommen/glücklich") zu werden. Das Märchen führt nach Döbereiner diesen - von astrologisch-orientierten Menschen angestrebten - ,,Entzauberungsprozeß" vor.115 Ruf betont, daß es für die esoterische Betrachtung des Märchens wichtig ist, festzustellen, daß Eigenschaften des Helden lediglich die des noch verzauberten Ichs sind und keine ,,besonderen", auf die viele an Esoterik interessierte Menschen gierig sind wie z.B. Hellsicht, Wahrsagen oder Händeauflegen.116 Damit will er deutlich machen, daß jeder den ,,esoterischen" Weg gehen kann, ohne besondere Fähigkeiten auf dem boomenden Esoterikmarkt zu erwerben.117

5.2.3 Isolation und Allverbundenheit

Max Lüthi stellt in seinen Ausführungen zum Thema ,,Isolation und Allverbundenheit" zunächst fest, daß die Isolierung des Märchenhelden das beherrschende Merkmal des Märchens ist.118

Der Märchenheld ist ein Isolierter, d.h. konkret, er ist oft einziges oder jüngstes Kind (z.B.: ,,Marienkind" als das einzige Kind der Eltern), Stiefkind (z.B.: ,,Aschenputtel") oder durch eine Extremposition oder soziale Randstellung gekennzeichnet (z.B.: ,,Hänsel und Gretel" aus sehr armen Hause). Bereits in der Jesusgeschichte sowie in anderen biblischen Geschichten ist die Isolation des Helden ein wichtiges Thema. Es ist von daher wichtig, daß der Märchenheld isoliert ist, da er dadurch sozial leichter ablösbar ist, d.h. es hält ihn nicht viel an seinem gesellschaftlichen Umkreis, so daß das ,,Weg-gehen" des Helden - ein Schlüsselmotiv des Märchens (vergl. 4.2.2) - die logische Konsequenz ist.119 Lüthi: ,,Tausend Gründe findet das Märchen, seine Helden auswandern zu lassen".120

Hinsichtlich der Verbindung von Isolation zu Allverbundenheit vertritt Max Lüthi die Ansicht, daß sich Isolation und Allverbundenheit gegenseitig bedingen. Er spricht von der ,,sichtbaren Isolation" und der ,,unsichtbaren Allverbundenheit".121

Zur Allverbundenheit gehört, daß alles ineinander- und zusammenpaßt, entsprechend also auch die Ereignisse im Märchen präzise ablaufen und ineinander passen. Gemeint ist damit, daß zum Beispiel der richtige Bräutigam genau an dem Tage wieder auftritt, an dem die Prinzessin mit dem falschen verheiratet werden soll.122 Allverbundenheit heißt also, daß die Märchenhelden mit allem verbunden sind, d.h. sie sind in der Lage, mit allen Wesen, die ihnen begegnen, in Verbindung zu treten, seien es Menschen, Tiere, Pflanzen, über- und unterirdische Wesen oder die Natur in Form von Wind, Feuer, Wasser etc.. Lüthis Erklärung in diesem Zusammenhang ähnelt der Argumentationsweise und dem Sprachgebrauch der Esoteriker:

,,Es ist als ob der Held in unsichtbarem Kontakt stünde mit den geheimen Kräften und Mächten oder Mechanismen, welche Welt und Schicksal gestalten. Wie von einem Magnet geführt, geht er, der Isolierte, seinen sicheren Gang und zieht genau die Linie, die der Zusammenhang des Weltganzen von ihm fordert. Also: Ohne es zu wissen, handelt er nach zwingenden Gesetzen. Daher ist die Gabe, welche der Held empfängt, Trägerin seiner Verbindung mit dem Jenseitigen und Diesseitigen [...] ist Ausdruck der Allverbundenheit."123 Lüthi spricht von der Fähigkeit des Helden, Kontakt zu Fernwelten aufzunehmen. Ruf bringt Lüthis Analysen durch folgende Aussage in einen esoterischen Zusammenhang: ,,Mühelos findet der Märchenheld Kontakt zu Fernwelten, Überwelten und Unterwelten.

Dieser Kontakt ist in Wahrheit magischer Art. Magie ist ein Thema der Esoterik, sie hat nichts mit Zauberei zu tun. Die tiefe Bedeutung der Esoterik erfüllt sich darin, solchen Kontakt herstellen zu können. Leben im esoterischen Sinne heißt, in und mit solchem Kontakt zu leben."124

Entsprechend dem esoterischen Denken - symbolisiert der Märchenheld den Menschen, der seine wichtigste Aufgabe erfüllt hat, die Polaritäten überwunden zu haben, einszusein mit sich selbst und somit mit ,,allem, was ist" (s.u.). Einsseins besteht also nicht in einer subjektiven Verfallenheit an sich selbst, sondern das Einsseins mit sich selber hat zur Folge, daß man eine völlige Offenheit richtet an ,,all das, was ist":125

,,Das innere Gesetz eines jeden Menschen ist die Verpflichtung, sein eigenes Selbst zu finden und zu verwirklichen, d.h. eins zu werden mit allem, was ist."126

Das ,,Einsswerden" wird in vielen Märchen durch die als Endziel angestrebte Vermählung symbolisiert, die die Aufhebung der Polaritäten zur Einheit darstellt.127

5.2.4 Furchtlosigkeit

Es fällt bei den meisten Zauber- und Königsmärchen auf, wie furchtlos der Märchenheld von Anfang an dargestellt wird (insbesonders deutlich wird dies im ,,Märchen von dem, der ausging, um das Fürchten zu lernen").

So - wie das Märchen für Max Lüthi (literarisch gesehen) eine Endform darstellt128 - stellt sich für Esoteriker in dem Held oder der Heldin des Märchens eine Endform des Menschen dar, nämlich die des furchtlosen und des ,,versöhnten" Menschen.129 Nach Ruf fallen die Eigenschaften ,,furchtlos" und ,,versöhnt" zusammen, da nur der Versöhnte furchtlos sein kann, d.h. jeder, der kein Feindbild mehr in sich trägt. So sei an dieser Stelle noch einmal die Bedeutung der Begegnung des Helden mit dem Bösen erwähnt (vergl. 4.4.2.1-2). Das Böse bzw. die Höllenfahrt als Symbol für den Abstieg in die Seelentiefe ist für den Helden wichtig, um ,,die Wurzeln dessen zu entdecken, was im Sichtbaren falsch oder gar nicht wächst",130 und um sich schließlich mit dem Bösen zu versöhnen.

5.2.5 Die Hezzentriertheit

Schließlich ist anzumerken, daß der Märchenheld weder aus Intellekt noch aus Vernunft, nicht aus dem Kopf oder dem Hirn handelt, sondern aus dem Herzen. Das erkennt man daran, daß der Märchenheld nie lange überlegt, philosophiert oder das Für und Wider von Entscheidungen abwägt, sondern intuitiv zu handeln beginnt.131 So handelt der Märchenheld auch esoterischen Ansichten entsprechend:

,,Es lehren uns die esoterisch Wissenden, daß die allererste Entscheidung auf dem initiatischen Wege darin bestehe, das Ich-Empfinden in die Region des Herzen zu übertragen."132

5.3 Die Helfer des Märchenhelden

,,Hilfe ist eine der wichtigsten Inhalte und eine der entscheidensten Botschaften im Märchen [...] Der Helfer gehört als zentrale Figur zum Märchenhelden oder zur Märchenheldin."133 Dem Helden kommen die Kräfte der Natur Wasser, Feuer, Luft und Erde - oft symbolisiert durch ihnen nahestehende Wesen - zu Hilfe. Entscheidend ist, daß die Helden im Märchen zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Helfer finden. Lüthi meint dazu: ,,Es ist, als ob der Held in unsichtbarem Kontakt stünde mit den geheimen Kräften und Mächten oder Mechanismen, welche Welt und Schicksal gestalten."134 Auch an dieser Stelle wird deutlich, daß der Held mit dem All verbunden - also allverbunden - ist. Der Antiheld, bei dem dies nicht der Fall ist, der nur an seinen eigenen Nutzen denkt, dem versagen sich die Naturkräfte oder wenden sich sogar gegen ihn.135 Max Lüthi: ,,Wenn das Märchen seine Helden so gerne durch Hilfe zum Ziele gelangen läßt, so ist dies [...] auch Bild der Allverbundenheit."136

Die Esoterik geht davon aus, daß der Mensch durch sein Wirken und seine Erkenntnisse bereits im jetzigen Leben das Schicksal für sein kommendes konstruiert: Je nach persönlichem Lebensschicksal tritt der Mensch mit Sitauationen und insbesondere Personen in Verbindung, die ihm auf seinem Lebensweg helfen, sich weiterzuentwickeln und zu reifen.137 Diese Sichtweise - und für Esoteriker alte Weisheit - wird nach ihrer Ansicht durch die Helfer im Märchen symbolisiert, die dem Helden in Situationen begegnen, in denen er gerade diese Helfer auf seinem Wege zum Ziel benötigt.

Schließlich aber stehen die Helfer nur begrenzt zur Verfügung. Die Erlösung des Helden geschieht durch ihn selber. Dies entspricht der alten esoterischen Weisheit, die sagt, es gebe nur die Erlösung durch sich selber, niemals durch einen anderen; es gibt jedoch - wie die Märchen deutlich zeigen - Helfer auf diesem Weg, die den Selbstfindungsprozeß des Menschen vorantreiben.

Schließlich ist das Ziel aller Esoterik, ,,sich mit dem eigenen transzendentalen Helfer zu vermählen".138 Dies geschieht im Märchen symbolisch durch die Ehe (vergl 5.2.3), die sehr oft Ziel der Erzählung ist.

6 Schlußbemerkungen

6.1 Zusammenfassung

In dieser Arbeit wurden zunächst einige Grundbegriffe esoterischen Wissens erläutert und dadurch den Lesenden die Möglichkeit gegeben, wesentliche Kernpunkte dieses Wissens in den Märchen wiederzufinden; denn durch die Lektüre der Märchen allein würde man ohne entsprechende Vorkenntnisse nicht auf die Esoterik stoßen.

Anschließend habe ich deutlich gemacht, daß es eine Vielzahl von Entstehungshypothesen von Märchen gibt und habe dabei vor allem solche beleuchtet, die mit esoterischen Inhalten in Verbindung stehen. Es hat sich gezeigt, daß Gebräuche und Praktiken alter esoterischer Geheim- und Mysterienbünde mit der Entstehung von Märchen einhergingen.

Ferner habe ich die Analyse des Aufbaus von Märchen dazu genutzt, herauszustellen, welche Gemeinsamkeiten Esoterik und Märchen in ihren Inhalten verbinden und welche esoterischen Gesetze in Märchen wiederzufinden sind. Mit Hilfe differenzierter Analysen und detaillierter Betrachtungsweisen ist vor allem sichtbar geworden, daß nicht das Ziel selbst, sondern der Weg zum Ziel eines der wesentlichsten Bestandteile der Esoterik sowie der Märchen ist.

Schließlich stand der Märchenheld im Fokus meiner Ausführungen, wodurch die Erkenntnis gewonnen wurde, daß der Märchenheld mit Hilfe der Helfer und Helferinnen in den Märchenerzählungen genau den Weg zurücklegt, den die Esoterik als Idealweg menschlicher Entwicklung betrachtet.

6.2 Abschließende Bemerkung

Die Arbeit hat gezeigt, wie umfassend die Interpretationsmöglichkeiten des Märchens sind. Neben traditionellen Märchenanalysen - wie tiefenpsychologischen, religiösen, soziologischen usw. - tragen auch alternative Deutungen - wie parapsychologische, anthroposophische bzw. esoterische - zum Verständnis von Märchen bei. Für sich genommen, kann jedoch kein Deutungsmodell dem Reichtum der Märchen gerecht werden. Das Phänomen der Märchen bleibt erschöpfenden Erklärungen verborgen.

7 Literaturverzeichnis

- Banzhaf, Hajo: Das Arbeitsbuch zum Tarot, München, 1983

- Bertelsmann Lexikon Verlag (Hrsg.): Das Neue Taschenlexikon in 20 Bänden, Gütersloh, 1992

- Biedermann, Hans: Sagaheim - Verborgene Weisheit in alten Märchen, München, 1990 · Bohnke, Ben-Alexander: Esoterik - Die Welt des Geheimen, Düsseldorf, 1991 · Dethlefsen, Thorwald: Schicksal als Chance - Das Urwissen zur Vollkommenheit des Menschen, München, 1979

- Dethlevsen, Thorwald / Dahlke, Rüdiger: Krankheit als Weg, München, 1983

- Döbereiner, Wolfgang: Astrologisch-homöopathische Erfahrungsbilder zur Diagnose und Therapie von Erkrankungen in 2 Bänden, München, 1986

- Enzyklopädie des Märchens, Berlin, 1979

- Evola, Julius: Magie als Wissenschaft vom Ich, Praktische Grundüberlegung der Initiation, Interlaken, 1985

- Grimm, Brüder: Kinder- und Hausmärchen, Winkler Verlag München, 1984 · Jung, C.G: Mensch und Seele, Freiburg i. Br., 1971

- Karlinger, Felix: Grundzüg einer Geschichte des Märchens im deutschen Sprachraum, Darmstadt, 1983

- Kast, Verena Der Teufel mit den drei goldenen Haaren - Vom Vertrauen in das eigene Schicksal, Zürich, 1984

- Kast, Verena: Märchen als Therapie, München, 6. Auflage, 1996

- Kinder, Hermann / Hilgemann, Werner (Hrsg.): dtv-Atlas zur Weltgeschichte in 2 Bänden, Bielefeld, 30. Auflage, 1996

- Kölner Stadtanzeiger vom 8. Oktober 1997 ,,Esoterik-Messe in Mülheim", Köln, 1997 · Kürthy, Tamas: Dornröschens zweites Erwachen - Die Wirklichkeit in Mythen und Märchen, Hamburg 1985

- Leyen, F.v.d: Zur Entstehung des Märchens; in Karlinger, F.: Wege der Märchenforschung, Darmstadt, 1973, S. 23 ff.

- Luczyn, David (Hrsg.): Esoterik-Führer Köln/Düsseldorf/Ruhrgebiet - Ein aktueller Leitfaden durch das Esoterik-Labyrinth, Niedertaufkirchen, 1993

- Luczyn, David (Hrsg.): Esoterik-Führer Köln/Düsseldorf/Ruhrgebiet, Niedertaufkirchen, 1993

- Lüthi, Max: Das europäische Volksmärchen, München, 7. Auflage, 1981

- Lüthi, Max: So leben sie noch heute - Betrachtungen zum Volksmärchen, Göttingen, 3.

Auflage, 1989

- Maynard, Edwin (Hrsg.): Leben in Findhorn, Freiburg im Breisgau, 1981

- Meyers Enzyklopädisches Lexikon in 25 Bänden, Mannheim/Wien/Zürich, 1980

- Pollack, Rachel: Tarot - 78 Stufen der Weisheit, München, 1989

- Poser, Therese: Das Volksmärchen - Theorie, Analyse und Didaktik, München, 1980

- Riedel, Ingrid: Tabu im Märchen - Die Rache der eingesperrten Natur, Freiburg im Breisgau,

2. Auflage, 1987

- Ruf, Oskar: Die esoterische Bedeutung der Märchen, München, 1992

- Schult, Arthur: Mysterienweisheit im deutschen Volksmärchen, Augsburg, 1980 · Siegert, Christa: Geheime Botschaft im Märchen, Bremen, 1991

- Waldrich, Hans-Peter: Esoterik für Einsteiger - Ein Wegweiser durch westliche und östliche Traditionen, München, 1990

- Werner, Helmut (Hrsg.): Lexikon der Esoterik, Wiesbaden, 1991

8 Anhang

Im Anhang befinden sich folgende Märchen:

- Frau Holle

- Marienkind

- Märchen von einem, der ausging, das Fürchten zu lernen · Der Froschkönig

- entnommen aus: Winkler Verlag München: Kinder- und Hausmärchen, gesammelt durch die Brüder Grimm, Müchen, 1984:

- Das Mädchen des Schmieds, das zu schweigen verstand · Das Mädchen des Schmieds, das zu schweigen verstand

- entnommen aus: Kürthy, Tamas: Dornröschens zweites Erwachen, Hamburg, 1985

[...]


1 Siegert, Christa: Geheime Botschaft im Märchen, Bremen, 1991

2 Kölner Stadtanzeiger: ,,Esoterik-Messe in Mülheim", Köln,8.10.1997, S.3

3 Luczyn, David (Hrsg.): Esoterik-Führer Köln/Düsseldorf/Ruhrgebiet, Niedertaufkirchen, 1993, S. 33-172

4 Werner, Helmut (Hrsg.): Lexikon der Esoterik, Wiesbaden, 1991, S.194 ff.

5 Poser, Therese: Das Volksmärchen, München, 1980, S. 42-74 sowie Lüthi, Max: Das europäische Volksmärchen, München, 7. Auflage, 1981, S. 76

6 Ruf, Oskar: Die esoterische Bedeutung der Märchen, München, 1992, S. 187

7 Mackensen, Lutz: Das Deutsche Volksmärchen, Potsdam, 1938; zit. nach Lüthi, Max: Das europäische Volksmärchen, München, 7. Auflage, 1981, S. 5

8 Meyers Enzyklopädisches Lexikon in 25 Bänden, Mannheim/Wien/Zürich, 1980, Bd. 8, S. 193

9 Werner, Helmut (Hrsg.): Lexikon der Esoterik, Wiesbaden, 1991, S. 195

10 Bohnke, Ben-Alexander: Esoterik - Die Welt des Geheimen, Düsseldorf,1991, S.12

11 Werner, Helmut (Hrsg.): s.o., S.195

12 Luczyn, David (Hrsg.): Esoterik-Führer Köln/Düsseldorf/Ruhrgebiet, Niedertaufkirchen, 1993, S. 16

13 Dethlefsen, Thorwald: Schicksal als Chance, München, 1979, S.24

14 Bohnke, Ben-Alexander: Esoterik - Die Welt des Geheimen, Düsseldorf,1991, S.12

15 Dethlefsen, Thorwald: Schicksal als Chance, München, 1979 , S.19

16 Bohnke, Ben-Alexander: s.o., S.14

17 Luczyn, David (Hrsg.): Esoterik-Führer Köln/Düsseldorf/Ruhrgebiet, Niedertaufkirchen, 1993, S. 20

18 Zeitschrift für Parapsychologie und Grenzgebiete der Psychologie; zit. nach Ruf, Oskar: Die esoterische Bedeutung der Märchen, München,1992, S.179

19 Lüthi, Max: Das europäische Volksmärchen, München, 7. Auflage, 1981, S. 5

20 Lüthi, Max: So leben sie noch heute - Betrachtungen zum Volksmärchen, Göttingen, 3. Auflage, 1989, S.21

21 Lüthi, Max: Das europäische Volksmärchen, München, 7. Auflage, 1981, S. 63

22 Enzyklopädie des Märchens, Berlin, 1979 Bd. 2, Spalte 523

23 Waldrich, Hans-Peter: Esoterik für Einsteiger - Ein Wegweiser durch westliche und östliche Traditionen, München, 1990, S. 58

24 Lüthi, Max: So leben sie noch heute - Betrachtungen zum Volksmärchen, Göttingen, 3. Auflage, 1989, S. 53 sowie Biedermann, Hans: Sagaheim, München, 1990, S. 41

25 Biedermann, Hans: Sagaheim, München, 1990, S. 44 ff.

26 Lüthi, Max: Das europäische Volksmärchen, München, 7. Auflage, 1981, S. 105 ff.

27 Biedermann, Hans: Sagaheim, München, 1990, S. 89 ff.

28 ebd.: S.50 -51

29 Ruf, Oskar: Die esoterische Bedeutung der Märchen, München, 1992, S.51 ff.

30 Mircea Eliade zit. nach Ruf, Oskar: s.o., S.123 sowie Lüthi, Max: s.o., S.105 ff.

31 Ruf, Oskar: s.o., S.243

32 Kürthy, Tamas: Dornröschens zweites Erwachen, Hamburg1985, S.27

33 Anthroposophie: die von Rudolf Steiner (1861-1925) begründetete Weltanschauungslehre, nach der der Mensch höhere seelische Fähigkeiten entwickeln und dadurch übersinnliche Erkenntnisse erlangen kann. Das Gedankengut der Anthroposophen bewegt sich innerhalb des breiten inhaltlichen Spektrums der Esoterik (vergl. Kapitel2 ). Steiners grundlegende Werke sind: ,,Wie erlangt man die Erkenntnis der höheren Welten?", ,,Theosophie" und ,,Die Geheimwissenschaft" (Quelle: Werner, Helmut (Hrsg.): Lexikon der Esoterik, Wiesbaden, 1991, S. 641)

34 Kürthy, Tamas: s.o., S.42

35 Waldrich, Hans-Peter: Esoterik für Einsteiger - Ein Wegweiser durch westliche und östliche Traditionen, München, 1990, S. 59

36 Hermetische Schriften/Philosophie: Zahlreiche Esoteriker berufen sich auf Hermes Trismegitos, dessen Mumie - so berichtet die Legende - von Alexander dem Großen - in einer großen ägyptischen Grabkammer gefunden wurde, die eine Tafel in der Hand hielt, auf der die Grundgesetze des Kosmos eingraviert waren: die sog. esoterische Lehre der ,,Hermetischen Philosophie" (Quelle: Dethlefsen, Thorwald: Schicksal als Chance, München,1979, S.27 ff.)

37 zit. nach Waldrich, Hans-Peter: s.o., S.59

38 Dethlefsen, Thorwald: Schicksal als Chance, München, 1979, S. 20 ff.

39 Kürthy, Tamas: Dornröschens zweites Erwachen, Hamburg 1985, S. 54

40 ebd.: S.114

41 Bertelsmann Lexikon Verlag (Hrsg.): Das Neue Taschenlexikon in 20 Bänden, Gütersloh, 1992, Bd. 5, S.173

42 Kürthy, Tamas: s.o., S.143

43 Biedermann, Hans: Sagaheim, München, 1990, S. 46 ff.

44 Kürthy, Tamas: s.o., S.153

45 Lüthi, Max: So leben sie noch heute - Betrachtungen zum Volksmärchen, Göttingen, 3. Auflage, 1989, S. 45

46 vergl. Riedel, Ingrid: Tabu im Märchen - Die Rache der eingesperrten Natur, Freiburg im Breisgau, 2. Auflage, 1987

47 Kürthy, Tamas: s.o., S.145

48 Biedermann, Hans: s.o., S.47

49 Kürthy, Tamas: Dornröschens zweites Erwachen, Hamburg1985, , S.99

50 Ruf, Oskar: Die esoterische Bedeutung der Märchen, München, 1992, S. 14

51 Leyen, F.v.d: Zur Entstehung des Märchens; in Karlinger, F.: Wege der Märchenforschung, Darmstadt, 1973, S. 23 ff.

52 Jung, C.G: Mensch und Seele, Freiburg i. Br., 1971; zit. nach Kürthy, Tamas: Dornröschens zweites

Erwachen, Hamburg1985, S.127 )

53 Lüthi, Max: Das europäische Volksmärchen, München, 7. Auflage, 1981, S.15

54 Werner, Helmut (Hrsg.): Lexikon der Esoterik, Wiesbaden, 1991, S. 195

55 Dethlefsen, Thorwald: Schicksal als Chance, München, 1979, S.23

56 Ruf, Oskar: Die esoterische Bedeutung der Märchen, München, 1992, S.18

57 ebd.: S.189, S.336

58 Lüthi, Max: Das europäische Volksmärchen, München, 7. Auflage, 1981, S. 61

59 Kürthy, Tamas: Dornröschens zweites Erwachen, Hamburg 1985, S. 159

60 ebd.: S.79 ff.

61 ebd.: S.170

62 Lüthi, Max: Das europäische Volksmärchen, München, 7. Auflage, 1981, S. 99

63 Ruf, Oskar: Die esoterische Bedeutung der Märchen, München, 1992, S.190

64 Lüthi, Max: s.o., S.18,53

65 Ruf, Oskar: Die esoterische Bedeutung der Märchen, München,1992, S.370

66 ebd.: S.12

67 ebd.: S.169

68 Biedermann, Hans: Sagaheim, München,1990, S.39

69 Ruf, Oskar: s.o., S.80

70 Ruf, Oskar: Die esoterische Bedeutung der Märchen, München,1992, S.350 und Biedermann, Hans: Sagaheim, München,1990, S.370

71 ebd.: S.80

72 Biedermann, Hans: Sagaheim, München, 1990, S. 39

73 Lüthi, Max: Das europäische Volksmärchen, München, 7. Auflage, 1981, S. 72

74 Biedermann, Hans: s.o., S.123

75 ebd.: S.24

76 Lüthi, Max: s.o., S.105

77 Biedermann, Hans: s.o.: S.50 ff.

78 ebd.: S.94

79 Kürthy, Tamas: Dornröschens zweites Erwachen, Hamburg 1985, S. 54

80 Biedermann, Hans: Sagaheim, München, 1990, S. 226

81 Kürthy, Tamas: s.o., S.77

82 Lüthi, Max: Das europäische Volksmärchen, München, 7. Auflage, 1981, S. 17

83 Werner, Helmut (Hrsg.): Lexikon der Esoterik, Wiesbaden,1991, S.326

84 Dethlevsen, Thorwald / Dahlke, Rüdiger: Krankheit als Weg, München, 1983, S. 27 ff, S. 65 ff.

85 zit. nach Ruf, Oskar: Die esoterische Bedeutung der Märchen, München, 1992, S. 35, vergl auch Lüthi, Max: Das europäische Volksmärchen, München, 7. Auflage, 1981, S. 61 sowie Lüthi, Max: So leben sie noch heute - Betrachtungen zum Volksmärchen, Göttingen, 3. Auflage, 1989, S.11

86 Lüthi, Max zit. nach Ruf, Oskar: s.o., S.37

87 Ruf, Oskar: s.o., S.47

88 Dethlevsen, Thorwald / Dahlke, Rüdiger: Krankheit als Weg, München, 1983, S.51

89 ebd.: S.54

90 ebd.: S.61

91 Ruf, Oskar: Die esoterische Bedeutung der Märchen, München, 1992, S.46

92 zit. nach Dethlevsen, Thorwald / Dahlke, Rüdiger: Krankheit als Weg, München, 1983, S.69

93 Lüthi, Max: Das europäische Volksmärchen, München, 7. Auflage, 1981, S.73

94 Dethlevsen, Thorwald / Dahlke, Rüdiger: Krankheit als Weg, München, 1983, S. 77 ff.

95 Ruf, Oskar: s.o., S.273

96 Lüthi, Max: s.o., S.80

97 Kürthy, Tamas: Dornröschens zweites Erwachen, Hamburg1985, S.29

98 Vergl. Kast, Verena: Märchen als Therapie,6. Auflage, München,1996

99 Kürthy, Tamas: s.o., S.134

100 Biedermann, Hans: Sagaheim, München, 1990, S. 231 ff.

101 Kürthy, Tamas: s.o., S.191

102 Ruf, Oskar: Die esoterische Bedeutung der Märchen, München, 1992, S. 190 ff.

103 Kürthy, Tamas: Dornröschens zweites Erwachen, Hamburg1985, S.22

104 ebd., S.20

105 Lüthi, Max: Das europäische Volksmärchen, München, 7. Auflage, 1981, S. 10

106 Kürthy, Tamas: s.o., S.20 ff.

107 / Tarot: Das Tarot-Kartenspiel ist eine esoterische Praxis, die dem Praktizierendem durch die symbolträchtigen Bilder der Karten einen Orientierungsweg in seiner derzeitigen Lebenssituation liefern soll. Das Tarot-Spiel von Arthur Edward Waite ist das weitverbreiteste.

108 Pollack, Rachel: Tarot - 78 Stufen der Weisheit, München, 1989, S. 35

109 ebd.: S.43

110 Banzhaf, Hajo: Das Arbeitsbuch zum Tarot, München, 1983, S. 18

111 Ruf, Oskar: Die esoterische Bedeutung der Märchen, München, 1992, S. 195

112 Karma: Kernbegriff des Buddhismus. Das Karma beruht auf dem Gesetz von Ursache und Wirkung und geht davon aus, daß die

Erfahrungen und Aktivitäten aus früheren Leben eines Menschen die folgenden Leben konstruieren und sich im Geburtshoroskop verankern (Quelle: Werner, Helmut: Lexikon der Esoterik, Wiesbaden,1991 )

113 Radixhoroskop: Das individuelle Radixhoroskop eines Menschen wird mit Hilfe von Daten der Geburt des einzelnen Menschen (Tag, Zeit und Ort) nach mathematischen Formeln errechnet (Quelle: Detlevsen:

Schicksal als Chance, S.89 ff.)

114 Dethlefsen, Thorwald: Schicksal als Chance, München, 1979, S. 89 ff.

115 Döbereiner, Wolfgang: Astrologisch-homöopathische Erfahrungsbilder zur Diagnose und Therapie von Erkrankungen in 2 Bänden, Bd.1 , München 1986, S. 375 ff

116 Ruf, Oskar: Die esoterische Bedeutung der Märchen, München,1992, S.194

117 vergl. Kölner Stadtanzeiger vom8. Oktober1997,,Esoterik-Messe in Mülheim", Köln,1997

118 Lüthi, Max: Das europäische Volksmärchen, München, 7. Auflage, 1981, S. 37 ff.

119 Ruf, Oskar: s.o., S.194

120 Lüthi, Max: s.o., S.18

121 ebd.: S.49

122 Ruf, Oskar: s.o., S.250

123 Lüthi, Max: Das europäische Volksmärchen, München,7. Auflage,1981, S.54

124 124 Ruf, Oskar: Die esoterische Bedeutung der Märchen, München,1992, S.306 ff.

125 ebd.: S.84 ff.

126 Dethlevsen, Thorwald / Dahlke, Rüdiger: Krankheit als Weg, München, 1983, S. 78

127 Ruf, Oskar: s.o., S.370

128 Lüthi, Max: s.o., S.89

129 Ruf, Oskar: s.o., S.77

130 ebd.: S.78

131 Ruf, Oskar: Die esoterische Bedeutung der Märchen, München,1992, S.308

132 Evola, Julius: Magie als Wissenschaft vom Ich, Praktische Grundüberlegung der Initiation, Interlaken, 1985

133 Ruf, Oskar: s.o., S.41 und316

134 Lüthi, Max: Das europäische Volksmärchen, München, 7. Auflage, 1981, S. 54

135 Kürthy, Tamas: Dornröschens zweites Erwachen, Hamburg 1985, S. 21

136 Lüthi, Max: s.o., S.54

137 Dethlefsen, Thorwald: Schicksal als Chance, München, 1979, S. 129 ff. 138 Ruf, Oskar: s.o., S.327

35 von 35 Seiten

Details

Titel
Der verzauberte Held - Märchen aus esoterischer Sicht
Hochschule
Universität zu Köln
Veranstaltung
Märchen
Note
1
Autor
Jahr
1998
Seiten
35
Katalognummer
V101833
Dateigröße
552 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Gibt Infos zu Märchen als Literazurgattung allgemeine und über seine esoterische Bedeutung im besonderen. Die Märchen sind im Anhang allerdings nicht dabei.
Schlagworte
Held, Märchen, Sicht
Arbeit zitieren
Oliver Leppin (Autor), 1998, Der verzauberte Held - Märchen aus esoterischer Sicht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/101833

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