Vergleich von Goethes "Dichtung und Wahrheit" mit Stillings "Heinrich Stillings Jugend, Jünglingsjahre, Wanderschaft und häusliches Leben"


Referat / Aufsatz (Schule), 2000

2 Seiten, Note: 1-


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Vergleich zwischen Goethe und Stilling (Autobiographien)

Die zur Analyse vorliegende Textpassage ist ein Ausschnitt aus dem 9. Buch des zweiten teils der Autobiographie ,,Dichtung und Wahrheit" von Johann Wolfgang von Goethe. Die dazu im Vergleich vorliegenden Textstellen sind der Autobiographie ,,Heinrich Stillings Jugend, Jünglingsjahre, Wanderschaft und häusliches Leben" von J. H. Jung-Stilling entnommen. Die Passagen beschäftigen sich inhaltlich mit dem gegenseitigen Kennenlernen, der Freundschaft untereinander und verschiedenen Situationen, die sie zusammen erlebt haben. Der Autobiograph J. W. v. Goethe beschreibt Stilling eingehend und charakterisiert ihn. Da er objektiv und mit großer Distanz auf sein Leben blickt und somit seine Wertungen, Beurteilungen und Reflexionen in den Text einfließen lässt, kann sich der Rezipient ein genaues Bild von Stilling und den damit verbundenen Begebenheiten machen (S. 370 Z.14: ,,Seine Stimme war sanft, ohne weich und schwach zu sein, ja sie wurde wohltönend und stark, sobald er in Eifer geriet, welches sehr leicht geschah."). Obwohl er über Stilling in diesen Anfängen ihrer Freundschaft üblicherweise noch nicht in dieser Weise hätte urteilen können, bewirkt Goethe, durch seine Reflexionen und Wertungen, dass der Rezipient den Bezug zum Text findet. Stilling hingegen hat einerseits durch die Verwendung des erlebenden Ichs und durch seinen wenig wertenden Schreibstil kaum Bezug zum Leser und verhindert somit die Identifikation mit den im Text dargestellten Persönlichkeiten. Goethe beweist durch seine Vergleiche (S. 371 Z. 31/32: ,,Weil er aber in seiner Art sich zu äußern einem Nachtwandler glich [...]"), dass er sich eingehend mit Stilling als Person beschäftigt hat. Dass er sich auch mit dem Charakter und den Einstellungen Stillings auseinandergesetzt hat, wird durch die Wiedergabe desselben deutlich (S. 370 Z. 24 bis 35: ,,Das Element seiner Energie [...] von einem Vierteljahre zum anderen rechnen konnte.", S. 371 Z. 36/37: ,,Sein Glaube duldete keinen Zweifel und seine Überzeugung keinen Spott."). Diese Elemente der Charakterisierung fehlen in der Autobiographie Stillings in Bezug auf Goethe ganz. Er deutet kurz seine Assoziazionen, die das Aussehen Goethes bei ihm auslösen, an (S. 274: ,, ...doch glaubte er, dass beide viel Verdruß von ihm haben würden, weil er ihn für einen wilden Kameraden ansah.") und versichert dem Rezipienten, wie groß ihre Freundschaft sei und wie sehr er ihn schätze (S. 277: ,,Schade. Dass so wenige diesen vortrefflichen Mann seinem Herzen nach kennen!").

Goethes Intention ist es, den Bezug zu seinen Rezipienten zu finden und der Nachwelt eine deutliche Anschauung der Personen, Situationen und Gegebenheiten aus seinem Leben zu bieten. Er macht sich Gedanken über Thematik und Motivik und setzt diese mit Hilfe des erzählenden Ichs so um, dass ihm dieses auch gelingt.

Wenn man die Überschriften der beiden Autobiographien miteinander vergleicht, werden schon von vornherein die o.g. Aspekte verdeutlicht und auf einen Punkt gebracht. Stillings Überschrift ,,Heinrich Stillings Jugend, Jünglingsjahre, Wanderschaft und häusliches Leben" spiegelt direkt den Inhalt der Autobiographie wieder: ein ,,nüchterner Text ohne Wertungen, Beurteilungen, Distanzierungen und Reflexionen. Goethes Überschrift hingegen - ,,Dichtung und Wahrheit" - regt den Rezipienten einerseits zum nachdenken an, zeigt aber andererseits auch schon den Stil des Autors. Wahrheit - weil Goethe hier mit umfassenden Blick ein Geschichtsbild seiner Zeit liefert, Dichtung - weil er nicht einfach berichtet, sondern die Ereignisse und Erlebnisse gestaltet und ausdeutet. Goethe sieht nicht nur allein die Momente, die er mit seinem Freund Stilling verbringt (siehe Stilling im Bezug auf Goethe), sondern er deutet sein leben aus. Beispielsweise beschäftigt er sich eingehend mit dessen Naivität und dessen Einstellung zu Gott. Er denkt über diese ,,Art des Lebens" nach, zieht seine Schlüsse, stellt Vergleiche an und philosophiert darüber (S. 370 Z. 24 bis S. 371 Z. 30). Auch diese Gedanken versucht er dem Rezipienten zu vermitteln, z.B. mit Hilfe einer Klimax (S. 372 Z. 15 bis 17: ,, ...die sich darüber nicht gern mit Empfindungen, die sich leicht ins Trübe, und Schwärmerei, die sich bald ins Dunkle hätten führen können..."), eines Vergleiches (S. 371 Z. 31/32: ,,Weil er aber in seiner Art sich zu äußern einem Nachtwandler gleicht") und verschiedenen Ausdrücken wie ,,Natürlichkeit und Naivität". Die differierenden Intentionen und Wirkungen werden gerade in diesen Textpassagen sehr deutlich. Der bei Goethe eindeutig vorhandene und bei Stilling meist fehlende Bezug wird deutlich, besonders durch das Einsetzen verschiedener sprachlicher Mittel, wie z.B. dem erzählenden und erlebenden Ich, den rhetorischen Mitteln und den allgemeinen Ausführungen.

Die große Distanz Goethes zum eigenen Erleben steht in starkem Kontrast zu den direkten Erzählungen Stillings. Es scheint, als wolle Stilling nur über sich und sein leben informieren. Bei Goethe hingegen macht es den Eindruck, als hätte er das Ziel eine beispielhafte Darstellung des Menschenlebens überhaupt zu dieser Zeit abzugeben, was er auch erreicht. Obwohl beide Autobiographen oft die gleichen Themen, Erfahrungen und teilweise auch Einstallungen zum Inhalt haben, zeigt sich doch deutlich der große Unterschied zwischen den beiden.

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Details

Titel
Vergleich von Goethes "Dichtung und Wahrheit" mit Stillings "Heinrich Stillings Jugend, Jünglingsjahre, Wanderschaft und häusliches Leben"
Note
1-
Autor
Jahr
2000
Seiten
2
Katalognummer
V101848
Dateigröße
385 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Sehr kurzes Referat, 2 Seiten.
Schlagworte
Goethe, Johann, Wolfgang, Dichtung, Wahrheit, Heinrich, Stillings, Jugend, Jünglingsjahre, Wanderschaft, Leben, Vergleich, Autobiographien, Stillings, Goethes
Arbeit zitieren
Anna Neuburger (Autor), 2000, Vergleich von Goethes "Dichtung und Wahrheit" mit Stillings "Heinrich Stillings Jugend, Jünglingsjahre, Wanderschaft und häusliches Leben", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/101848

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