Schweitzer, Albert - Leben und Werk


Referat / Aufsatz (Schule), 2000

22 Seiten, Note: 15


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Fach: Religion

Hausarbeit, GK 12/I

Autor: Daniela Schwarz

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Albert Schweitzer - Leben und Werk

Gliederung:

I. Lebenslauf

II. Arbeit und Wirken

(1) Lambaréné

(2) Kulturphilosophie

(3) Ehrfurcht vor dem Leben

(4) Mystik des Apostel Paulus

(5) Schweitzer über den Faschismus und die Atombombe

III. Wesentliche Merkmale seiner Lehre

I. Lebenslauf

Albert Schweitzer wurde am 14. Januar 1875 in der kleinen Stadt Kaysersberg im Oberelsass geboren. Er war das zweite Kind des Pfarrverwesers Ludwig Schweitzer, welcher der kleinen evangelischen Diasporagemeinde vorstand, und dessen Frau Adele. Zusammen mit seiner älteren und den drei jüngeren Schwestern (wobei Emma sehr früh verstarb) sowie dem jüngeren Bruder verlebte er nach eigenen Aussagen eine schöne Kindheit. Zunächst war es nicht die Kirche selbst, die ihn fesselte, sondern vielmehr die Orgel, deren Klänge er bewunderte. Ihm wurde eine sorgfältige musikalische Ausbildung zuteil, die die Grundlage für sein späteres hervorragendes Orgelspiel und für seine Kenntnisse im Orgelbau bildeten.

Zudem war er ein eher stilles Kind und vertiefte sich in französische sowie deutsche Literatur, wobei er wenig Sinn für Sprache und Stil als vielmehr für den reinen Inhalt zeigte. Am 1. März 1902 hielt er seine Antrittsvorlesung als Privatdozent für Theologie an der Universität Straßburg, nachdem er am 29. Juli 1899 an eben dieser Universität die Würde eines Dr. phil. zuerkannt erhielt. (Seine Studien der Theologie und Philosophie betrieb er in Deutschland sowie Frankreich.)

In der Zeit des Umgangs mit Studenten musste er erkennen, dass viele Fragen - besonders bezüglich der Leben-Jesu-Forschung - unbeantwortet blieben. Diese Tatsache sowie das Fehlen zusammenhängender Aufzeichnung zu der seit hundertfünfzig Jahren bestehenden Leben-Jesu-Forschung brachten es mit sich, dass Schweitzer begann alles zusammenzutragen, was man bisher über das Leben Jesu erforscht hatte. Diese Arbeit zog sich über Jahre hin. Sein Ziel war es nicht etwa, das gesammelte Material chronologisch darzustellen, sondern durch Analyse und Interpretation zu eigenen Erkenntnissen zu gelangen. Sein Vater Ludwig äußerte sich bezüglich dieses Vorhabens gegenüber seinem Sohn mit den Worten: ,,Mein Sohn, ich bedaure dich. Niemals wird jemand ein Wort von deinen Arbeiten verstehen." Doch Schweitzer führte seine Arbeit fort und schloss sie schließlich am 22. Februar 1906 ab. 1903 wurde Albert Schweitzer durch die Kirchenbehörde zum Direktor des Thomasstiftes ernannt. Diese Funktion hatte er zuvor schon einmal provisorisch über vier Monate inne gehabt, nämlich nach dem Tod Direktor Erichsons 1901.

Es sei erwähnt, dass Schweitzer neben der Vielzahl seiner Verpflichtungen noch Zeit fand, ein Buch über Johann Sebastian Bach zu verfassen. Dies geschah während der Zeit, als er die sich mit der Leben-Jesu-Forschung beschäftigte, eine Stellung als Dozent inne hatte, die Amtsverantwortung des Stiftdirektors zu St. Thomas übernahm, die Aufgaben im Bachchor zu St. Wilhelm bewältigte sowie philosophisch-literarische Vorträge in Paris hielt (u.a.Verpflichtungen wie Orgelkonzerten). Erschienen ist das Buch 1905 unter dem Titel ,,J. S.

Bach, le musicien-poète". Gewissermaßen gleichzeitig (im Herbst 1905) schloss Schweitzer seine Studie über den Orgelbau ab. Diese Arbeit erschien 1906 unter dem Titel ,,Deutsche und französische Orgelbaukunst und Orgelkunst"" Obwohl er den geistigen Zustand der Gesellschaft seiner Zeit und zusätzlich den des 19. Jahrhunderts einer Kritik unterzog, sei gesagt, dass er sich trotz seiner philosophischen Erkenntnis und humanistischer Ideale nicht an den sozialen und politischen Auseinandersetzungen um die Jahrhundertwende beteilte. Es genügte ihm - zumindest bis zu seinem dreißigsten Geburtstag - alles in sich aufzunehmen und sein Weltbild zu komplettieren, um schließlich zur praktischen Tat zu schreiten.

Die siebenjährige Studienzeit in Straßburg und Paris erschien ihm für seine kommende Lebensaufgabe nicht auszureichen. Es war das aufkommende neue Jahrhundert, das auch in dem jungen Gelehrten leuchtend aufdämmerte; nicht nur der eigene Horizont des Zeitgeistes, sondern auch jener der übrigen, benachbarten Welt erweiterte sich unaufhaltsam - bedingt durch den Kolonialismus auch gewaltsam. In Schwarzafrika - so wurde bekannt - mangelt es an medizinischer Versorgung. Namen wie Kongo, Ogowe, Lambaréné und eine Vielzahl schwerwiegender Mangel- bzw. Tropenkrankheiten tauchten vor seinem geistigen Auge auf. Seine von Theologie und Philosophie geprägt humanistische Weltanschauung, welche die ,,Ehrfurcht vor dem Leben" als oberstes Gebot ansieht, setzte sich nunmehr mit dem Entschluss auch noch Arzt zu werden, schrankenlos durch.

Nachdem er im Herbst 1904 den Artikel ,,Les besoins de la Mission du Congo" (Was der Kongomission not tut" im monatlich erscheinenden Heft der Pariser Missionsgesellschaft gelesen hatte, schrieb er am 13. Oktober 1905 in einem Brief an seine Eltern, dass er sich nach reichlicher Überlegung dazu entschlossen hatte ein Medizinstudium aufzunehmen und nach Ablauf dessen nach Französisch-Äquatorialafrika zu gehen, denn aus eben diesem Artikel ging hervor, dass dringend ein Arzt für die dortige Missionsstation gesucht werde. Folglich nahm er erneut Platz in Hörsälen der Universitäten von Straßburg und Berlin, bis er auch in dieser Fakultät zum Doktor der Medizin promovieren konnte. Auch während dieser Zeit gab er seine ,,Nebentätigkeiten" nicht auf - lediglich das Amt der Direktion des Thomasstiftes, welches er bisher zur Finanzsicherung nicht niedergelegt hatte, fiel nun weg, doch wurde dieser Zeitgewinn durch die zunehmende Zahl von Konzerten mehr als ausgeglichen. Diese künstlerische Tätigkeit brachte ihm nicht nur große Zufriedenheit, sondern ließ seine Popularität wachsen.

Sobald er die Leben-Jesu-Forschung abgeschlossen hatte, stellte sich für ihn die Frage, ob er die gleiche Arbeit nicht auch bezüglich des Apostels Paulus aufnehmen sollte; deshalb begann er wieder damit Material zusammenzutragen. Mit der ,,Geschichte der paulinischen Forschung" war er einige Jahre fast bis zum Ende des Medizinstudiums beschäftigt; das Buch erscheint 1911.

1909 lernte Schweitzer Helene Bresslau, die Tochter eines Strassburger Historikers, kennen. Drei Jahre später, am 18. Juni 1912, heirateten beide. Im selben Jahr gab er die theologische Lehrtätigkeit an der Universität sowie das Predigeramt zu St. Nikolai auf und betrieb zusammen mit seiner Frau eifrig Reisepläne für Afrika. Am Abend des 26. März 1913 betraten Albert und Helene Schweitzer in Pauillac bei Bordeaux das Schiff, das beide nach Afrika bringen sollte. Im Laufe seines Lebens unternahm er die Reise von Europa nach Lambaréné dreizehnmal. Am 14. April erreichte das Schiff Kap Lopez an der Ogowemündung. Dort stiegen sie - ohne der in 70 Kisten verpackten Ausrüstung - auf den Flußdamper ,,Alembe" um, welcher sie die 300km flussaufwärts nach Lambaréné bringen sollte. Die Ausrüstung konnte erst nach zwei Wochen mit dem nächsten Dampfer nachgeliefert werden. Nachdem Schweitzer erkennen musste, dass die Station keine Ausgangsposition für ein Hospital bot, denn die versprochene Wellblechbaracke war noch nicht aufgebaut worden, da es an Arbeitskräften mangelte. Diese hatten sich dem florierenden Holzhandel verschrieben. Als das Hospital aufgebaut war, arbeite Schweitzer bis 1914 in Lambaréné; am 5. August traf die Nachricht vom Krieg in Europa ein und am Abend erscheint ein Gendarmerieposten mit einem Kommando schwarzer Soldaten auf der Missionsstation. Schweitzer, als Elsässer deutscher Staatsbürger und zudem Reservist der deutschen Armee, wird gefangengesetzt. Weder er noch seine Frau dürfen das Wohnhaus verlassen; Spital und Missionsstation dürfen nicht betreten werden. Nach mehr als vier Jahren Aufenthalt in Afrika (bereits nach zwei Jahren wäre eine Europareise notwendig gewesen), kehrte das Ehepaar Schweitzer [unter Bewachung] zurück. Man brachte sie schließlich in das Internierungslager Garaison in den Pyrenäen, einstmals ein Kloster, welches sich nun seit Jahrzehnten im Verfall befand. Auch dort behandelte Schweitzer die Kranken.

Nach einigen Austäuschen gelangte das Ehepaar am 15. Juli 1918 zurück nach Strassburg, von dessen Anblick sie - trotz der Dunkelheit, denn man versuchte die Stadt vor Fliegerangriffen zu schützen - erschüttert waren.

Zurück im Elsass nahm er die Vikarstelle zu St. Nikolai wieder an. Zu dieser Zeit war kaum an Orgelkonzerte zu denken; zudem beanspruchten ihn sowohl die Arzttätigkeit als auch sein Predigeramt. Um mit der Bachschen Musik in Kontakt zu bleiben, beschäftigte er sich mit den Choralvorspielen Bachs. Er wartete ungeduldig darauf, dass man ihm aus Afrika das Manuskript der Kulturphilosophie senden würde. [s. III. S.6] Als Vorlesungsthema benutzt, wiederholt redigiert und überarbeitet, wurde sie 1924 unter dem Titel ,,Das Christentum und die Weltreligionen" veröffentlicht.

Inmitten des betrüblichen Nachkriegsalltags stellte die Geburt ihrer Tochter Rhena am 14. Januar 1919 [dem 44. Geburtstag Alberts] für die Schweitzers eine besondere Freude dar. In den Predigten am 16. Und 23. Februar zu St. Nikolai sprach er zum erstenmal den Gedanken der ,,Ehrfurcht vor dem Leben" [s. III, S.4] öffentlich aus. Es ist nicht bekannt, ob diese Predigten bei den Zuhörern seiner Gemeinde besondere Wirkung auslösten oder gar Anstöße zu neuem Denken vermittelten. Für ihn selbst aber war eines bedeutungsvoll: er fühlte sich verstanden.

Obwohl er in der bisherigen Zeit nach dem Krieg nicht von der Strassburger Universität in irgendeiner Weise gewürdigt worden war, erhielt er im Oktober 1919 doch die Bestätigung, nicht vergessen worden zu sein: Es erreichte ihn die Einladung zu einem Orgelkonzert nach Barcelona.

Eine weitere Einladung erhielt er für Ostern 1920: Erzbischof Nathan Söderblom aus Schweden lud ihn ein, religionsphilosophische Vorlesungen für die Olaus-Petri-Stiftung an der Universität Upsala zu halten. Nachdem der Erzbischof Empfehlungen an verschiedene Städte Schwedens geschickt hatte, bereitete Schweitzer eine ausgiebige Konzert- und Vortragstournee vor. Mitte Juli 1920 verließ das Ehepaar Schweitzer Schweden wieder. In der Zeit, die er im Norden verbrachte, hatte er den Beschluss gefasst, sein durch den Krieg unterbrochenes Hilfswerk in Afrika fortzusetzen; jedoch machte er diese Entscheidung noch nicht bekannt. Zunächst verfasste er seine Afrikaerinnerungen.

Bald verbrachte Schweitzer einen Großteil seiner Zeit wieder mit Vorträgen und Konzerten. Am 14. Februar 1924 verabschiedete sich Schweitzer von seiner Familie und seinen Freunden in Strassburg und machte sich zum zweiten Mal auf die Reise nach Afrika; seine rechte Hand wurde Emmy Martin. Am 19. April 1924 erreichten sie Lambaréné. Nachdem Schweitzer erkannt hatte, dass das Hospital zwar dringend erweitert werden musste, da der Platz nicht mehr ausrreichte für die Kranken, die nicht selten lange Wege auf dem Ogowe zurückgelegt hatten, doch dass dies in der Senke, in der die bisherige Station erbaut worden war, nicht möglich gewesen wäre, fasste man den Beschluss, ein zweites Spital zu bauen. Wiederum ergab sich das Problem mangelnder Arbeitskräfte bzw. Koordination, so dass man die Angehörigen der Erkrankten überreden musste, am Aufbau mitzuwirken. Die Bauleitung übernahm Schweitzer selbst; abends assistierte er bei Operationen in der alten Station.

Der Aufbau des neuen Spitals war so weit vorangeschritten, dass man am 21. Januar mit dem Umzug beginnen konnte. Mit diesem neuen Hospital begann Lambaréné zum Weltbegriff zu werden. Journalisten, Wissenschaftler der verschiedensten Gebiete, Künstler, vor allem namhafte Schriftsteller, aber auch Politiker begannen sich für den Mann zu interessieren, der alle Karrieren, die ihm die zivilisierte Welt bot, ausschlug, um als Arzt in den Urwald zu gehen. Die Berichte, die aus dem fernen Afrika kamen, dass ein Philosoph, Orgelspieler und Arzt, dem eigenen Gewissen folgend, armen Kranken half, rührten das herz Hunderttausender einfacher Menschen. Die ersten Wellen der Sympathie erreichten Lambaréné. Begann das Beispiel, das Schweitzer den Gutwilligen geben wollte, zu wirken? Ehrfurcht vor dem Leben! Fand diese Gesinnung - im Urwald so eindrucksvoll demonstriert - Einlass in das Denken der Menschheit?

Am 21. Juli 1927 trat er - nach erneutem 3 ¼-jährigen Aufenthalt in Afrika - die Rückreise nach Europa an.

Doch den Zweiundfünfzigjährigen lässt die selbstgestellte Aufgabe keine Ruhe finden. Er fühlt sich der ,,Bruderschaft der vom Schmerz Gezeichneten" verpflichtet. Auch in Europa im Kreise der Familie gibt es kein Ausruhen.,,In meinem eigenen Dasein sind mir Sorge, Not und Traurigkeit zuzeiten so reichlich beschieden gewesen, dass ich mit weniger starken Nerven darunter zusammengebrochen wäre. Schwer trage ich an der Last von Müdigkeit und Verantwortung, die seit Jahren ständig auf mir liegt. Von meinem Leben habe ich nicht viel für mich selber, nicht einmal die Stunden, die ich Frau und Kind widmen möchte. Als Gutes ist mir zuteil geworden, dass ich im Dienste der Barmherzigkeit stehen darf, dass mein Wirken Erfolg hat, dass ich viel Liebe und Güte von Menschen erfahre, dass ich treue Helfer habe, die mein Tun zu dem ihren machen, dass ichüber eine Gesundheit verfüge, die mir angestrengtes Arbeiten erlaubt."Paul Herbert Freyer ,,Ein Lebensbild" Am 28. August 1928 wurde ihm als zweiten, nach Stefan George 1927, der Goethepreis der Stadt Frankfurt am Main verliehen. Das war die öffentliche Würdigung für Schweitzer in Deutschland. Nachdem die Presse in vielen Ländern wiederholt von dem ,,Urwaldarzt" in Lambaréné berichtet hatte, begann man nun auch in Deutschland Interesse zu zeigen. Natürlich wurde in der bürgerlichen Presse besonders darauf verwiesen, dass Schweitzer Elsässer deutscher Nationalität sei.

Neben den Honoraren flossen natürlich auch nach wie vor mancherlei Spenden in die Spitalkasse. Ursprünglich hatte Schweitzer nicht die Absicht, den Europaaufenthalt so lange auszudehnen. Aber das große Interesse der Öffentlichkeit an seinem Afrikawerk, an seiner Kunst und auch an seinen Vorlesungen steigerte sich derart, dass er den Termin für die Rückreise immer wieder hinausschob.

Albert Einstein war nicht nur an Schweitzers Orgelspiel interessiert, sondern führte mit ihm so manche Diskussion über den Weltzustand. Ebenso ein herzlicher Freund war Stefan Zweig, der seine Verehrung für den Humanisten in poesievollen Traktaten ausdrückte. Auch mit dem langjährigen Freund Romain Rolland gab es Begegnungen. Von ihm erfuhr Schweitzer von den Entwicklungen in der jungen Sowjetunion. Rolland, der Literatur-Nobelpreisträger von 1915, unternahm gemeinsam mit Oskar kraus in den Jahren 1930 bis 1932 einige Anstrengungen, Schweitzer für den Nobelpreis vorzuschlagen. Auch mit Sir Winston Churchill machte Schweitzer Bekanntschaft. Während der Zeit des spanischen Bürgerkriegs war es für Schweitzer selbstverständlich, an der Seite des spanischen Volkes zu stehen, an der Seite von Picasso und Pablo Casals.

In den Jahren 1928 bis 1929 hielt sich Schweitzer wiederholt in Günsbach auf, wo er ein Haus erstand, dass als ,,europäisches Hauptquartier" galt und von dem aus Emmy Martin den Nachschub an Personal und Material für Lambaréné organisierte.

Das Krankendorf selbst - wie Schweitzer es vorzugsweise zu nennen pflegte - war auch Symbol der selbstlosen Hilfe in Schwarzafrika geworden. Die Presse, die sich immer mehr für den ,,Negerdoktor" und ,,seine Urwaldklinik" interessierte, trug dazu bei, dass sich Ärzte und Krankenschwestern in ausreichender Zahl, meist junge Leute, zur Verfügung stellten. (Ungleich also der Situation, aus der heraus Albert Schweitzer zu Beginn beschlossen hatte Medizin zu studieren.) Dem Menschen zu dienen, hatte dereinst der zwanzigjährige Student geschworen. Es ist einer der mannigfachen Fälle, dass ein Mensch Entbehrungen und Enttäuschungen auf sich nahm, so wie er es sich vorgenommen hatte, um anderen ein Leben lang zu helfen, obwohl die Gesellschaft bereit war, seinen Talenten erfolgreiche Karrieren zu bieten. Es ist aber auch einer der seltenen Fälle, die weltweite Beachtung fanden. Am 22. März 1932, dem 100. Todestag Goethes, hielt er eine Gedenkrede, um die ihn die Stadt Frankfurt am Main geboten hatte. [Auszug aus der Rede: Anlage VIII ] Gerade durch die künstlerische Meisterschaft seines Orgelspiels schuf bei den vielen Bewunderern das Bild der Vollkommenheit eines aufrichtigen Humanisten. Viele Künstler und Wissenschaftler suchten seine Nähe. Aber auch die Politiker wurden auf den Mann aufmerksam, dem überall zugejubelt wurde.

Am 9. Julie 1932 hielt er einen Goethe-Vortrag in Ulm. Wiederum zeigte er sich besorgt ob der Lage der Kultur. Schweitzer sah das Unheil, das über Deutschland heraufzog, sehr deutlich; er machte aus seiner ablehnenden Haltung gegenüber dem Faschismus keinen Hehl. Zwar nahm er nicht an politischen Auseinandersetzungen des Alltags nicht teil, so verhielt er sich jedoch auch nicht gleichgültig. Die Entwicklungen, die sich sowohl in der Weimarer Republik als auch Europa zeigten, schienen seine Analyse des Kulturzerfalls immer deutlicher bestätigt erscheinen.

Seine Rückreise nach Afrika fand im März 1933 statt. Während der Zeit des Faschismus hatte er deutschen Boden nicht betreten. [Einstellung zum Faschismus: Anlage ] Auch Helene Schweitzer hatte auf die veränderte Situation reagiert, das Haus im Schwarzwald verlassen und in Lausanne eine kleine Wohnung gemietet, in der sie zusammen mit ihrer Tochter Rhena von 1933 bis 1937 lebte. Den Sommer 1934 verbrachte die Familie Schweitzer gemeinsam in Günsbach.

Jedoch schon nach einjährigem Aufenthalt in Lambaréné kehrte Schweitzer zurück. Er hatte nun, trotz seiner ärztlichen Tätigkeit, mehr und mehr Zeit für Orgelspiel und Denkarbeit, so dass er sich mit den indischen Denkern befasste. Die Darstellung und Deutung des Brahmanismus, der Lehre der Upanishds, wie auch der Sãmkhya-Lehre und vor allem der Lebensgeschichte Buddhas und seiner Lehre sind ein hervorragender Beitrag zur Geschichte der Weltkultur.

Aus verschiedenen Städten der Vereinigten Staaten kamen Einladungen. Da Helene Schweitzer das äquatoriale Klima nicht vertrug, übernahm sie zur Unterstützung ihres Mannes und letztlich auch als Publicity für das Hilfswerk die Aufgabe dieser Vortragsreise durch Amerika.

In Lambaréné erreichte Schweitzer am 1. September 1939 die Nachricht, dass in Europa der Krieg ausgebrochen war. Für Schweitzer kam diese Nachricht nicht überraschend, da er von dieser Gefahr ausgegangen war. Dennoch sorgte er sich um Familie und Freunde. Auch die Nachricht vom Kriegsende erhielt der Humanist in Afrika, am 7. Mai 1945. Das beinahe zehnjährige Leben im Urwald war für Schweitzer und seine Helfer sehr entbehrungsreich gewesen, und im Oktober 1948 kehrte er schließlich nach Europa zurück. Dort erwartete ihn die Gewissheit, dass viele seine Freunde nicht mehr anzutreffen waren.[,,Romain Rolland war 1944 gestorben. Stefan Zweig hatte der Faschismus verjagt, er war 1942 in Brasilien aus dem Leben geschieden. Sein Prager Freund Oskar Kraus war in England an den Folgen der Folterung gestorben, die er im Konzentrationslager erlitten hatte. Es waren viele Bekannte und Freunde, die der Krieg und der Faschismus verschlungen hatten, auch mehrere Angehörige der Verwandtschaft seiner Frau.", Paul Herbert Freyer ,,Ein Lebensbild", S.215 ] Völlig überraschend traf ihn das Angebot der Universität Chicago, die Festrede zum 200. Geburtstag Goethes am 9. Juli 1949 in Aspen (Colorado) zu halten. Dieses Angebot nahm er nur ob der dafür gebotenen $6100 an, welche die beträchtlich erschöpfte Spitalkasse sanieren sollten.

Am 24. Oktober 1949 reiste er erneut zusammen mit seiner Frau nach Lambaréné, da er sich um den Zustand seines Krankendorfes sorgte. Angesichts der Tatsache, dass der Krieg zwar inzwischen vorbei war, sich aber kein wirklicher Friede zeigen wollte, verfiel Schweitzer in ein neues Denkverhalten. Er fragte sich, ob es genügte, die eigene Überzeugung nur vorzulegen? ,,Das Beispiel, das er der Menschheit geben wollte, hatte wenig genutzt. Man war darüber hinweggegangen. Ungerechtigkeit in der Welt, Hunger, Not und Elend, Tag um Tag. Zwei verheerende Kriege kurz hintereinander. Stand ein dritter bevor? Ehrfurcht vor dem Leben! War es nicht an der zeit, den ganzen Einfluss aufzubieten und mitzuhelfen, das zu verhindern?

An jenem tragischen 6. August 1945, als die erste Atombombe fiel, begannen für Schweitzer erste Ansätze eines neuen Denken. Die Welt wird das Ungeheuerliche nicht einfach hinnehmen. Er erkannte die Herausforderung. Dem Christen Schweitzer war klar, dass diese von Menschenhand gezeugte Waffe kein Jüngstes Gericht darstellte, um ein für allemal Frieden zu erzwingen, sondern für ihn war sie grausige Geißel. Und ihr rücksichtsloser Einsatz schließlich wäre das Ende aller, ohne Gottes Gnade.", Paul. H. Freyer ,,Ein Lebensbild" Am 20 Oktober 1952 erhielt er die höchste Ehrung, die Frankreich zu vergeben hatte. Er wurde zum ordentlichen Mitglied der ,,Académie Française" gewählt. Im Oktober 1953 wurde ihm der Friedensnobelpreis für 1952 verliehen. Schweitzer konnte den Preis allerdings erst bei seiner nächsten Europareise 1954 entgegennehmen. Der Preis, der mit umgerechnet 220 000Mark [Angaben aus einem Buch von 1978] dotiert war, trug, wie bereits das Honorar für seine letzte Goethe-Rede, wesentlich dazu bei, dass das Lepradorf neben dem Hospital in Lambaréné gebaut werden konnte.

Am 22. Mai 1957 musste Helene Schweitzer eiligst mit dem Flugzeug nach Europa gebracht werden. In einem Züricher Krankenhaus verstarb sie am 1. Juni im Alter von 78 Jahren. Ihrem Wunsche entsprechend wurde ihr Leichnam eingeäschert und die Urne nach Afrika überführt. Am 9. Dezember 1959 nahm Schweitzer das letzte Mal Abschied von Europa. Er wollte konsequent seine letzten Tage dort verbringen, wo er für die Menschlichkeit gearbeitet und gestritten hatte. Am 21. August 1965 erlitt er einen Schwächeanfall, der sofortige Liegeruhe notwendig machte. Am 4. September desselben Jahres starb er. Sein schlichtes Grab befindet sich neben dem seiner Frau.

II. Arbeit und Wirken

Das folgende Kapitel soll einige wenige der Gedanken und Arbeiten Schweitzers aufgreifen, ohne dass an Vollständigkeit gedacht wurde.

Einen Großteil seiner Bemühungen spiegelt allein seine Biographie wider. In Teil IV. soll dann eine Zusammenfassung sein Werk abrunden.

1. Lambaréné

2. Kulturphilosophie

3. Ehrfurcht vor dem Leben

4. Mystik des Apostels Paulus

5. Schweitzer und der Faschismus/die Atombombe

Lambaréné

,,Das Hospital Lambaréné ist in der Welt ein Begriff. Es ist der Begriff des tätigen Humanismus. Im Jahre 1913 ist es noch eine kümmerliche Arztstation im Dschungel des westafrikanischen Regenwaldes. Jahre später, als die Weltöffentlichkeit auf diesen seltsamen ,Urwalddoktor` aufmerksam wird und beginnt, nach seinen Motiven zu fragen, gibt Schweitzer herausfordernd zur Antwort: ,Das Beispiel ist nicht die beste Methode der Überzeugung, sondern die einzige.`"

Paul Herbert Freyer in der Biografie ,,Albert Schweitzer - Ein Lebensbild", 1978 Während ihrer ersten Reise flussaufwärts auf dem Ogowe waren die Schweitzers zum ersten Mal direkt mit den Auswirkungen des Kolonialismus in Kontakt kamen: ,,Der Kapitän macht dem Dorfältesten Vorhaltungen, dass er zuwenig Scheite bereitgehalten habe." (Sie legten während der Fahrt am Ufer an, um Holz zu übernehmen.) ,,Dieser entschuldigt sich mit pathetischen Worten und Gesten. Zuletzt läuft die Auseinandersetzung darauf hinaus, dass er lieber in Schnaps als in Geld bezahlt sein möchte." Bericht Schweitzers während dieser Schifffahrt. Ein mitreisender Kaufmann klärte Schweitzer auf: ,,Das meiste Geld, das durch den Holzhandel ins Land kommt, wird in Schnaps umgesetzt. Ich bin in den Kolonien der verschiedensten Völker herumgekommen. Der Schnaps ist der Feind aller Kulturarbeit." Erfahrungen wie diese brachten Schweitzer dazu, sich über das Wesen der Kolonie zu äußern. In seiner Autobiographie von 1931 ist in bezug darauf zu lesen: ,,Haben wir Weißen ein Recht, primitiven und halbprimitiven Völkern ... unsere Herrschaft aufzudrängen? Nein, wenn wir sie nur beherrschen und materielle Vorteile aus ihrem Lande ziehen wollen. Ja, wenn es uns ernst damit ist, sie zu erziehen und zum Wohlstand gelangen zu lassen."

,,Dass von denjenigen, die die Besitzergreifung der kolonialen Länder in unserem Namen und Auftrag betreiben, viele es an Ungerechtigkeit, Gewalttätigkeit und Grausamkeit den eingeborenen Häuptlingen gleichtaten und damit eine große Schuld auf uns geladen haben, ist nur zu wahr. Auch von dem, was noch heute an den Eingeborenen gesündigt wird, darf nichts verschwiegen und beschönigt werden. Aber den kolonialen primitiven und halbprimitiven Menschen eine Selbständigkeit geben zu wollen die ihnen unabwendbar zur Knechtung durch ihresgleichen werden würde, ist kein Wiedergutmachen unserer Verfehlungen gegen sie. Gangbar ist nur der Weg, dass wir die tatsächlich gegebene Herrschaft zum Wohle der eingeborenen ausüben und sie dadurch zu einer sittlich gerechtfertigten machen." Hier sieht er seine Aufgabe. Sein Beispiel wendet sich an die Gutwilligen.

Es zeigt sich also Schweitzers Standpunkt, dass nur die praktische Nächstenliebe die Leiden der Erniedrigten, Kranken und Armen lindern kann. Dies ist der einzige Weg, einen Teil der Schuld abzutragen.

Er konnte nur hoffen, dass auch die Einheimischen seine Mission verstanden. In ersten Berichten Schweitzers wandte er sich besänftigend an die Skeptiker seiner Unternehmung und ließ sie wissen: ,,Gleich von den ersten Tagen an, ehe ich noch Zeit gefunden hatte, die Medikamente und Instrumente auszupacken, war ich von Kranken umlagert." Später bekannte er jedoch Freunden gegenüber, dass die kranken einheimischen zunächst noch zögernd kamen. Es war ja auch unvorstellbar und, seit man den ,,Weißen" kannte, noch niemals vorgekommen, dass da einer zu ihnen kam, um kostenlos ihre Leiden zu lindern und zu heilen.

Vorerst arbeiten Schweitzer, seine Frau und die anderen Missionare noch unter schlechten Verhältnissen. Ein Grund dafür war die Tatsache, dass man noch keine freiwilligen Arbeiter gefunden hatte, die eine Baracke aufgestellt hätten, wie man es eigentlich vorgehabt hätte. Die meisten Einheimischen hatten sich dem Holzhandel angeschlossen, der zwar einerseits dazu führte, dass beispielsweise der Anbau von Nahrungsmitteln gröblichst vernachlässigt worden ist, auf der anderen Seite aber die ertragreichste Arbeit darstellte, die für die Afrikaner gegeben war. Dieser Mangel an Arbeitskräften hatte zur Folge, dass man erst gegen Ende des Jahres 1913 mit aller Bescheidenheit von einem Urwaldspital bei Lambaréné sprechen konnte, nachdem man einige Einheimische zur Mithilfe an der Aufstellung recht notdürftiger Hütten überredet hatte.

Zeitlebens hatte sich Schweitzer für Ausbau und Fortbestand des Krankendorfes eingesetzt. Während seinen Europareisen wurde es Gang und Gebe, dass er sich auf Konzerttourneen begab oder Vorträge in aller Welt hielt, nicht nur um persönlichen Ruhm zu ernten, sondern auch um Spenden und Unterstützung für sein Hilfswerk zu sammeln. Nur aus diesem Grund nahm er einige seiner Aufträge an; besonders als nach dem Krieg die Kasse Lambarénés arg erschöpft war. Mit dem Geld des Friedensnobelpreises unterstützte er das Lepradorf, welches er unweit des Hospitals errichtete. Dort wurden ständig ca. 150 Lepröse sowie deren Angehörige untergebracht.

Kulturphilosophie

Schweitzer schrieb die Kulturphilosophie ursprünglich für sich selbst, um sich über seine eigenen Motive klar zu werden.

Um zu einer Beweisführung des Verfalls der Kultur, in der es zwangsläufig zu einer gewaltigen Katastrophe wie dem Weltkrieg kommen konnte, untersucht er zunächst die überkommenen Philosophien vom Altertum bis zur Gegenwart auf ihren ethischen Gehalt. Wichtig ist es zunächst, Schweitzers Definition vonKulturzu kennen: ,,Kultur definiere ich ganz allgemein als geistigen und materiellen Fortschritt auf allen Gebieten, mit dem eine ethische Entwicklung der Menschen und der Menschheit einhergeht."

,,Als mir die Arbeit im Spital verboten wurde, wollte ich zuerst an die Fertigstellung des Werkesüber Paulus gehen. Aber alsbald drängte sich mir ein anderer Stoff auf, den ich seit Jahren mit mir herumgetragen hatte und der nun durch die Tatsache des Krieges aktuell geworden war: das Problem unserer Kultur. Am zweiten Tag meiner Internierung, noch ganz erstaunt darüber, mich, wie in meiner vormedizinischen Zeit, bereits morgens and den Schreibtisch setzen zu können, nahm ich dieKulturphilosophiein Angriff."

Bald erkannte Schweitzer, dass das geistige Leben der zivilisierten Welt und somit die in der Gesellschaft vorherrschenden Auffassungen mehr von Nachahmerei als von vorwärtsdrängender Schöpferkraft bestimmt waren.

,,Schon seit meinen ersten Universitätsjahren hatte ich angefangen, der Meinung, dass die Menschen in einer sicheren Entwicklung zum Fortschritt begriffen sei, mit Bedenken begegnen. Ich hatte den Eindruck, dass das Feuer der Ideale herunterbrannte, ohne dass man es bemerkte oder sich Sorgen darüber machte. Bei soundso vielen Gelegenheiten musste ich feststellen, dass dieöffentliche Meinungöffentlich kundgegebene Inhumanitätsgedanken nicht mit Entrüstung ablehnte, sondern hinnahm und inhumanes Vorgehen der Staaten und Völker als opportun guthieß. Auch für das Gerechte und Zweckmäßige schien mir nur noch ein lauer Eifer vorhanden zu sein. Aus soundso viel Anzeichen musste ich auf eine eigentümliche geistige und seelische Müdigkeit des arbeitsstolzen Geschlechts schließen. Es kam mir vor, als hörte ich, wie es sich einredete, dass die bisherigen Hoffnungen für die Zukunft der Menschheit zu hoch eingestellt seien und man dazu kommen müsse, sich auf das Erstreben desErreichbaren zu beschränken. Die für alle Gebiete ausgegebene Parole ,,Realpolitik" bedeutete die Gutheißung eines kurzsichtigen Nationalismus und das Paktieren mit Mächten und Tendenzen, die man bisher als fortschrittsfeindlich bekämpft hatte."

Die Ursachen dieser Skepsis waren bereits in den Kindheits- und Jugenderlebnissen angelegt, mit dem Entdecken der Ungerechtigkeit und der sozialen Unterschiede. Der Krieg gab diesen Gedanken nun neuen Auftrieb.

Der kaum fünfundzwanzigjährige Schweitzer hatte sine Umwelt bereits sehr aufmerksam beobachtet:

,,Als man gegen Ende des Jahrhunderts auf allen Gebieten Rückschau und Umschau hielt, um seine Errungenschaften festzustellen und zu bewerten, geschah dies mit einem mir unfasslichen Optimismus.Überall schien man anzunehmen, dass wir nicht nur in Erfindungenund im Wissen vorangekommen seien, sondern uns auch im Geistigen und im Ethischen auf einer nie zuvor erreichten und nie mehr zu verlierbaren Höhe bewegten. Mir aber wollte esvorkommen, als ob wir im geistigen Leben vergangener Generationen nicht nur nichtüberholthätten, sondern vielfach nur von ihren Errungenschaften zehrten... und dass gar mancherlei von diesem Besitz uns unter den Händen zu zerrinnen begönne."

Dieses Unbehagen und die Skepsis gegenüber dem inhaltslos gewordenen bürgerlichen Kulturbegriff fanden für Schweitzer angesichts des Krieges bittere Bestätigung:

,,Jetzt wütet der Krieg als das Ergebnis des Niederganges der Kultur."

,,Die Ideale der wahren Kultur waren kraftlos geworden, weil die idealistische Weltanschauung, in der sie wurzeln, uns nach und nach abhanden gekommen war."

,,Der einzig mögliche Ausweg aus dem Chaos ist, dass wir wieder durch eine Kulturweltanschauung unter die Herrschaft der in ihr gegebenen Ideale der wahren Kultur kommen."

Ehrfurcht vor dem Leben ,,Die Weltanschauung der Ehrfurcht vor dem Leben hat also religiösen Charakter. Der Mensch, der sich zu ihr bekennt und sie betätigt, ist in elementarer Wiese fromm."

Diese Erkenntnis Albert Schweitzers zieht sich durch jedes seiner Werke und ist in seinem Handeln leicht nachzuvollziehen.

Rein aus dieser Überzeugung heraus widmete er sein Leben den armen Kranken in Gabun und hielt Vorlesungen, um nicht nur durch sein lebendes Beispiel sondern auch gleichzeitig durch Worte seinen Weg zu erklären und bei seinen Mitmenschen Denkanstöße zu geben.

Der Erste Weltkrieg setzte Albert Schweitzers Schaffen in Lambaréné plötzlich ein Ende. Da das Elsass damals zu Deutschland gehörte, galt Schweitzer in der französischen Kolonie Gabun als feindlicher Ausländer. Zunächst noch durfte er seiner Arbeit unter Bewachung nachgehen, später wurde ihm jede Tätigkeit verboten.

Im Bewusstsein, dass es nicht weiterführt, über den Niedergang der Kultur zu klagen, suchte Schweitzer nach neuen Wegen, die einen Aufbau der Kultur ermöglichen. Dabei wurde ihm klar, dass Kultur aufs engste mit der Lebensauffassung zusammenhängt. Nur wer Ja sagt zum Leben und zur Welt, in der er lebt, ist auch fähig, Kultur zu schaffen. Die Bejahung des Lebens und der Welt aber beschließt ethisches, d.h. richtiges, verantwortliches Handeln in sich. Ethik ist das Streben nach dem Ideal des Guten.

,,Nun begann ich nach den Erkenntnissen undÜberzeugungen zu suchen, auf die der Wille zur Kultur und das Vermögen, sie zu verwirklichen, zurückgehen. Ich erkannte, dass die Katastrophe der Kultur auf eine Katastrophe der Weltanschauung zurückging. Eines der deutlichsten Anzeichen des Niederganges war mir, dass der bisher geächtete Aberglaube wieder gesellschaftsfähig wurde." - ,,Was aber ist Kultur? Als das Wesentliche der Kultur ist die ethische Vollendung der einzelnen wie der Gesellschaft anzusehen. Der Wille zur Kultur ist also universeller Fortschrittswille, der sich des Ethischen als des höchsten Wertes bewusst ist." - ,,Welcher Art aber ist die Weltanschauung, in de der universelle und der ethische Fortschrittswille miteinander begründet und miteinander verbunden sind? Sie besteht in ethischer Welt- und Lebensbejahung."

Vergeblich suchte Albert Schweitzer während Monaten eine Antwort auf die Frage, wie der Mensch dazu kommen kann, sich selbst und die Welt zu bejahen. Da musste er im September 1915 eine längere Fahrt auf dem Fluss unternehmen. Am Abend des dritten Tages stand urplötzlich der Ausdruck ,,Ehrfurcht vor dem Leben" vor ihm. Wer über die Welt und sich selber nachdenkt, merkt, dass alles, was ihn umgibt, Pflanzen, Tiere, Mitmenschen, genau gleich am Leben hängt wie er selber. Wer das begriffen hat, muss ihnen allen mit Liebe begegnen. Aus Achtung vor Gott, der jedem Wesen das leben schenkt, damit es seine Aufgabe erfüllen kann, gilt es, jedem Achtung entgegenzubringen und ihm zu seiner Erfüllung zu verhelfen. Das ist das dem Menschen schöpfungsgemäß angemessene richtige Verhalten. Wer das tut, handelt gut.

,,Was ist Ehrfurcht vor dem leben, und wie entsteht sie in uns? Die unmittelbarste Tatsache des Bewusstseins des Menschen lautet: ,Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das Leben will.` Alsüber sich selbst undüber die Welt um sich herum nachdenkt." - ,,Zugleich erlebt der denkend gewordene Mensch die Nötigung, allem Willen zum Leben die gleiche Ehrfurcht vor dem Leben entgegenbringen wie dem eigenen. Er erlebt das andere Leben in dem seinen. Als gut gilt ihm: Leben erhalten, Leben fördern, entwickelbares Leben auf seinen höchsten Wert bringen; als böse: Leben vernichten, Leben schädigen, entwickelbares Leben niederhalten." - ,,Dies ist das denknotwendige, absolute Grundprinzip des Sittlichen." - ,,Ethisch ist der Mensch nur, wenn ihm das Leben als solches, das der Pflanze und des Tiere wie das des Menschen, heilig ist und er sich dem Leben, das in Not ist, helfend hingibt. Nur die universelle Ethik des Erlebens der ins Grenzenlose erweiterten Verantwortung gegen alles, was lebt, lässt sich im Denken begründen." - ,,Die Ethik der Ehrfurcht vor dem Leben begreift also alles in sich, was als Liebe, Hingabe, Mitleiden, Mitfreude und Mitstreben, bezeichnet werden kann."

Mystik des Apostels Paulus

In der wenigen freien Zeit, die Schweitzer während des Europaaufenthaltes blieb, arbeitete er an der ,,Mystik des Apostels Paulus". Seine Hartnäckigkeit half ihm auch diesmal, das einmal Vorgenommene zu Ende zu führen, nachdem er das unvollendete Manuskript bereits zweimal umsonst mit nach Afrika genommen hatte. Das letzte Kapitel schrieb er auf dem Schiff während der Rückreise nach Afrika. Als Buch erschien es 1930 als zweiter Band der Geschichte der Apostel-Paulus-Forschung, deren ersten Schweitzer bereits 1911 veröffentlicht hatte. Diese beiden Bände bilden eine eigensinnige religionsgeschichtliche Darstellung des Apostels Paulus. Die ,,offizielle" Theologie fand an Schweitzers Auslegung keinen sonderlichen Gefallen. Er unterlegte dem Apostel Paulus Gedanken, die mit dem Dogma nicht im Einklang stehen.

,,Pauli Mystik des Seins in Christo erklärt sich aus der Vorstellung, die er vom Kommen des messianischen Reiches und des Weltendes hat. Auf Grund von Anschauungen, die er, wie auch die anderen Gläubigen jener ersten Zeit, aus dem Judentumübernommen hat, nimmt er an, dass diejenigen, die an Jesum als den kommenden Messias glauben, mit ihm in überirdischer Seinsweise im messianischen Reiche leben werden, während ihre ungläubigen Zeitgenossen und die Menschen der früheren Generation seit Anbeginn der Welt vorerst noch im Grabe ruhen müssen. Erst am Ende des messianischen Reiches, das als etwas Überirdisches, aber dennoch als etwas Vorübergehendes gedacht ist, findet, nach der spätjüdischen Anschauung, die allgemeine Totenauferstehung zum Weltgericht statt. Mit dieser erst bricht die Zeit der Ewigkeit an, in der Gott ,Alles in Allem ist`, das heißt, in der alle Dinge in Gott zurückkehren... In der Mystik des ,Seins in Christo` und des ,Gestorbenen- und Auferstandenseins mit Christo` liegt also eineÜberspannung der eschatologischen Erwartung vor. Den Glauben an das unmittelbar bevorstehende Anbrechen des Reiches denkt Paulus in die Erkenntnis aus, dass mit dem Tode und der Auferstehung Jesu die Verwandlung des Irdischen in dasÜberirdische tatsächlich schon in Gang gekommen sei. Es handelt sich also um eine Mystik, die sich aus der Annahme eines kosmischen Geschehens ergibt."

Schweitzer und der Faschismus/die Atombombe Wie schon in II. erwähnt, war es nicht in Schweitzers Sinne, seine Meinung bezüglich des Faschismus in irgendeiner Weise zurückzuhalten. Im Gegenteil, er bekannte sich öffentlich zu seiner abgewandten Haltung: ,,Die Saat des Skeptizismus ist aufgegangen. Tatsächlich besitzt der moderne Mensch kein geistiges Selbstvertrauen mehr. Hinter einem selbstsicheren Auftreten verbirgt er eine große geistige Unsicherheit. Trotz seiner großen materiellen Leistungsfähigkeit ist er ein in Verkümmerung begriffener Mensch, weil er von seiner Fähigkeit zu denken keinen Gebrauch macht. Es wird unbegreiflich bleiben, dass unser durch Errungenschaften des Wissens und Könnens so großdastehendes Geschlecht geistig so herunterkommen konnte, auf das Denken zu verzichten. Der Geist der zeit lässt ihn nicht zu sich selber kommen. Wie durch die Lichtreklamen, die in den Straßen der Großstadt aufflammen, eine Gesellschaft, die kapitalkräftig genug ist, um sich durchzusetzen, auf Schritt und Tritt Zwang auf ihn ausübt, dass er sich für ihre Schuhwichse oder Suppenwürfel entscheide, so werden ihm fort und fort Überzeugungen aufgedrängt."

Aus diesem Bekenntnis geht deutlich hervor, dass Schweitzer die Menschen an sich nicht dafür verurteilt, einer Ideologie wie dem Faschismus zugetan zu sein, sondern er klagt sie der Tatsache an, dass sie ihren Verstand nicht mehr benutzen. Sie lassen sich Meinungen vorgeben, als seien es Fakten, an denen es nichts mehr zu rütteln gebe. Auf diesen Wege wurden sie alle Anhänger einer Sache, für die sie sich im Grunde niemals begeistert hätten, wären sie auf die Idee gekommen, das zu hinterfragen, was sich hinter dem Wort bzw. dem Zustand des Faschismus verbirgt. Für Schweitzer steht fest, dass es einen derartigen Trend nicht geben würde, wenn die Menschen sich der Gabe bedienen würden, die sie von anderen Lebewesen abgrenzt: dem eigenständigen Denken.

Auf dieses Problem ging er auch ein, als er die Gedenkrede zum 100. Todestag Goethes in Frankfurt (M.) hielt. [s. Anlage ]

Als man im faschistischen Deutschland erkannt hatte, welches Prestige Schweitzer genoss und wie medienwirksam allein schon seine Person war, beschloss man, ihn für eigene Zwecke auszunutzen; ungeachtet der Tatsache, dass seine Frau Jüdin war. Zu diesem Zwecke verfasste man einen Brief, der nach Lambaréné geschickt wurde. Obwohl der Postberg schon immer ein Problem dargestellt hatte, da Schweitzer allein nicht in der Lage war, ihn zu bewältigen, weswegen seine Helfer ihm tatkräftig zur Seite standen und gern Auskunft über die Arbeit in der Station gaben, behielt Albert Schweitzer sich die Beantwortung dieses Briefes selbst vor. Goebbels hatte ihn als Gast der Reichsregierung nach Berlin eingeladen und ,,mit deutschem Gruß" unterzeichnet. Daraufhin verfasste Schweitzer eine Absage, die er kurz und bündig unterschrieb: ,,Mit äquatorialafrikanischem Gruß."

Diese Handlung zeugt von einer Menge Courage und verdeutlicht wiederum, dass Schweitzer nicht nur von der Kanzel predigte, sondern sich genau an das hielt, was er auch von anderen Menschen verlangte.

Zum ersten Mal äußerte Albert Schweitzer seine Besorgnis über den Gebrauch von Atombomben in einem Brief, der am 14. April 1954 im ,,Daily Herald" in London erschien. In seiner Rede anlässlich der Übergabe des Friedensnobelpreises vom 4. November 1954 in Oslo äußerte sich Schweitzer ein weiteres Mal zur Gefahr der Atombomben. Von vielen Freunden und bekannten Wissenschaftlern, darunter dem am 18. April 1955 verstorbenen Albert Einstein, wurde Schweitzer immer mehr gedrängt, öffentlich gegen die Atombomben und die Tests zu protestieren. Er selbst fühlte sich nicht berufen, denn er bezweifelte seine Kompetenz sowie seinen Einfluss hinsichtlich dieses Problems. Zudem weigerte er sich, zu politischen Problemen Stellung zu nehmen und für einzelne Seiten Partei zu ergreifen. Doch seit Beginn der ersten Wasserstoffbombentests 1954 begann sich Schweitzer intensiv mit den wissenschaftlichen und politischen Aspekten der atomaren Tests und Bewaffnung auseinanderzusetzen.

Später schrieb er einen Brief an Dwight Eisenhower:

,,..Wir teilen beide dieÜberzeugung, dass die Menschheit einen Weg finden muss, um die Waffen zu kontrollieren, die das Leben auf der Welt bedrohenich hoffe, dass es uns beiden vergönnt sein wird, den Tag zu erleben, an dem die Leute auf der Welt erkennen werden, dass das Schicksal der ganzen Menschheit aufs Spiel gesetzt wird und dass es dringend notwendig ist, eine klare Entscheidung zu treffen, welche angemessen mit der quälenden Situation umgehen kann, in der die Welt sich zur Zeit selber befindet."

Schweitzer suchte immer mehr Material über die Atomwaffen zusammen und korrespondierte mit bekannten Wissenschaftlern und Freunden wie Bertrand Russel, Pablo Casals und Norman Cousins.

Am 14. Januar 1958, dem 83. Geburtstag Schweitzers, übergab der Chemiker und Nobelpreisträger Linus Pauling der UNO in New York eine von 9236 Wissenschaftlern, darunter auch von Schweitzer, unterschriebene Resolution, mit der Forderung, einen Atomteststopp-Vertrag zu veranlassen. In der Zwischenzeit hatte Schweitzer drei weitere Appelle vorbereitet, deren Manuskripte von Gunnar Jahr, dem Präsidenten des norwegischen Nobelpreiskomitees, vorgelesen wurden. Die Radioausstrahlungen fanden am 28., 29. Und 30. April 1958 über Radio Oslo statt und fanden weltweit ein großes Echo.

,,Verzicht auf Versuchsexplosionen" ,,Die Gefahr eines Atomkrieges" ,,Verhandlungen auf höchster Ebene" Schweitzer wurde von vielen Zeitungen, Regierungen aber auch Freunden aufs schärfste angegriffen. Die ,,Neue Zürcher Zeitung" schrieb am 10. September 1958 unter dem Titel ,,Seltsamer Albert Schweitzer":,,Der verehrte Name Albert Schweitzer darf nicht davon abhalten, festzustellen, dass dieses Dokument politisch und philosophisch, militärisch und theologisch wertlos ist. Das Wagnis, das er dem Westen zumutet, ist an sich schon ungeheuerlich. Das Urteilüber Amerika und Sowjetunion andererseits macht es vollend unmöglich, Albert Schweitzers Rat ernsthaft in Erwägung zu ziehen." Am 20. April 1962 schrieb Schweitzer Präsident Kennedy einen Brief als,,einem, der sich selber während langer Zeit mit dem Problem der Atomwaffen und dem Problem des Friedens auseinandergesetzt habe". Er vertrat die Meinung,,,dass Abrüstung unter einer wirkungsvollen internationalen Kontrolle"das wichtigste Ziel und die dahingehenden Bemühungen nicht,,...abhängig von unnötigen Appellen zu internationalenÜberprüfungen der Nichtweiterführung der Tests"gemacht werden sollen. Dann hatte er den Mut, den Präsidenten auf etwas aufmerksam zu machen,,,das auch Sie selber betrifft", die Auswirkungen der radioaktiven Strahlung auf das menschliche Erbgut. Er schloss den Brief mit dem Satz:,,Es war für mich nicht leicht, Ihre Aufmerksamkeit auf die große Verantwortung zu ziehen, die Sie gegenüber künftigen Generationen haben. Bitte, vergeben Sie mir; Ich konnte nicht anders handeln, nicht nur der Menschheit zuliebe, sondern auch ausÜberlegungen Ihnen gegenüber."

Als die Welt während der Kubakrise 1962 verunsichert war, schrieb Schweitzer an Norman Cousins,,,dass die Zeit für diejenigen arbeitet, die die Atomwaffen abschaffen wollen". Als er vernahm, dass die Amerikaner eventuell die Atombomben zur Lösung der Krise einsetzen könnten, verfasste er einen offenen Brief an den amerikanischen Verteidigungsminister McNamara; zudem bat er Cousins, in Amerika eine Zeitung zu suche, welche den Brief veröffentlichen würde. Nachdem die Krise allerdings vorbei war, bezweifelte Cousins, dass öffentliche Kritik an McNamara der richtige Weg sei. Schweitzer jedoch bestand darauf, denn er hatte es in Betracht gezogen Atomwaffen einzusetzen.

Als am 10. Oktober 1963 der Teil Atomteststopp-Vertrag in Kraft trat, schrieb Schweitzer an Kennedy:

,,Ich schreibe Ihnen, um Sie zu beglückwünschen und Ihnen zu danken, dass Sie den Weitblickund Mut besaßen, eine Politik zum Weltfrieden einzuleiten. Endlich wird ein Lichtstrahl in derDunkelheit sichtbar, in der die Menschheit ihren Weg suchte, und gibt uns die Hoffnung, dass die Dunkelheit dem Licht weichen wird.

Der Vertrag zwischen dem Osten und dem Westenüber den Verzicht auf Kernwaffenversuche in der Atmosphäre und unter Wasser ist eines der größten, vielleicht das größte Ereignis in der Weltgeschichte. Es gibt uns die Hoffnung, dass der Krieg mit Atomwaffen zwischen Ost und West vermieden werden kann.

Als ich von dem Moskauer Vertrag höret, dachte ich an meinen Freund Einstein, mit dem ich im Kampf gegen die Atomwaffen verbunden war. Er starb in Princeton in Verzweiflung. Und ich bin in der Lage zu beobachten, dass - dank Ihres Weitblicks und Mutes - die Welt den ersten Schritt auf dem Wege zum Frieden getan hat. Nehmen Sie, Herr Präsident, die Versicherung meiner vorzüglichen Hochachtung an, Ihr ergebener Albert Schweitzer."

III. Wesentliche Merkmale seiner Lehre

,,Je mehr ich Jesum zu verstehen glaube, desto stärker empfand ich es, wie in ihm der Glaube und einfaches natürliches Denken sich durchdrangen. Je mehr ich in die Geschichte des Christentums eindrang, desto mehr wurde mir klar, wieviel Irrungen und Kämpfe darauf zurückgehen, dass man von den ersten Generationen an bis auf den heutigen Tag, immer und immer wieder, den Glauben und die Frömmigkeit gegen die Vernunft ausspielte und einen Zwiespalt in den Menschen hineintrug, wo Gott die Harmonie gesetzt hat." Ausgehend von seiner Tätigkeit im Urwald von Gabun, deren Anstoß ein Artikel in der Zeitung über einen gesuchten Arzt für die Missionsstation sowie die Überzeugung gewesen war, dass man diesen Arzt nicht finden würde, wenn er nicht selbst sich dazu bereit erkläre, kann man den Weg Schweitzers als ein von Grund auf positives Bespiel in Sachen Humanismus kennzeichnen.

An mehreren Stellen seines Lebens hatte er die Möglichkeit bekommen, eine einschlägige Karriere in der zivilisierten Welt zu gehen, doch alles, was er als Teil dieser zivilisierten Welt unternahm, war der Versuch, die Menschen für seine Aktion zu begeistern und sie aufzurütteln, besonders hinsichtlich der beiden Weltkriege, die er mit Schrecken beurteilt hat und die ihn jedes Mal zu einer Arbeit über den Zustand der Gesellschaft hinrissen. Wesentliche Merkmale seiner Lehre sind demnach

- im Bereich der Religion zu finden:

Seine Bemühungen, die Geschichte neu zu interpretieren, finden sich z.B. in der Leben-Jesu-Forschung oder der Mystik des Apostels Paulus. Sämtliche seiner Deutungen rücken den Wert und das Wesen des Menschen in den Mittelpunkt und zielen darauf ab, für Humanität und absolute Nächstenliebe zu werben.

- im Bereich der Kultur:

Schweitzer versuchte die Menschen zu erziehen, in dem er ihnen zeigen wollte, dass sie sich wieder zu eigenen und neuen Erkenntnissen aufraffen müssen, um nicht nur von den Errungenschaften vergangener Generationen und Epochen zu zehren, diese auszunutzen und letztlich auf den Kopf zu stellen, so dass es zu den beiden kurz aufeinander folgenden Weltkriegen kommen konnte.

- im Bereich der Friedenspolitik:

Sein Handeln war stets davon geprägt, Frieden und Übereinkunft unter den Menschen zu erreichen. Es war ihm fern, durch seine Vorlesungen etc. Auseinandersetzungen zu provozieren, die in Gewalt ausufern könnten (beispielsweise seine Haltung zum Faschismus), doch zu einer gedanklichen Auseinandersetzung der Menschen mit den Dingen, die er zu sagen hatte, wollte er dennoch anregen. Wiederholt brachte Schweitzer zum Ausdruck, dass das Afrikahospital nicht das Wichtigste in seinem Leben darstellte; wichtiger war ihm die Lebensauffassung, nach der er freilich in seinem Spital lebte.

Der Entschluss zur menschlichen Hilfsbereitschaft, die Konsequenz der Durchführung und schließlich die Ausdauer trotz Mühe und vieler Enttäuschungen und Rückschläge waren letztlich Beispiel,,nicht als beste, sondern als einzige Methode derÜberzeugung"für viele Zeitgenossen Schweitzers in diesem Jahrhundert.

,,Er hielt die Menschheit an, menschlicher zu sein, und lebte diese Menschlichkeit vor."

,,So war die Figur Schweitzer nur in diesem Zeitalter möglich. Die persönliche Entscheidung und Aktionen des aufrichtigen Christen und Menschenfreundes Schweitzer wurzelten tief in der bildungsbürgerlichen Ideenwelt seiner Zeit. Er erkannte alles Übel und litt darunter. Sein Ethos konnte sich nicht damit abfinden. Er erstrebte eine neue, eine bessere Welt, ein ,Reich des Friedens`, wie es in der christlichen Religion als ,Hoffnung auf das Reich Gottes` vorgegeben war. Sah er am Ende seines Lebens, welche Gefahren die Menschheit durch schreckliche, immer wieder neue, vom menschlichen Geist erdachte Tötungsmittel drohen, so erkannte er auch, dass seine Idee der Ehrfurcht vor dem Leben Eingang fand in eine weltweite Bewegung für Frieden und Völkerverständigung. Es war Schweitzer Genugtuung, Rufer sein zu dürfen und im hohen Alter noch erleben zu können, dass er nicht umsonst gerufen hatte." FREYER

QUELLENVERZEICHNIS

- Paul Herbert Freyer ,,Albert Schweitzer - Ein Lebensbild", © 1978 Union Verlag (VOB) Berlin

3. Auflage, 1982

- Albert Schweitzer ,,Ausgewählte Werke in fünf Bänden", © 1971 Union Verlag (VOB) Berlin

- Albert Schweitzer ,,Aus meinem Leben", © 1988 Union Verlag Berlin ° Internet

22 von 22 Seiten

Details

Titel
Schweitzer, Albert - Leben und Werk
Hochschule
Real Centro Universitario Maria Cristina
Note
15
Autor
Jahr
2000
Seiten
22
Katalognummer
V101946
Dateigröße
480 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Eine ausführliche Ausarbeitung über Albert Schweitzer und sein gesellschaftliches, entwicklungspolitisches Wirken, Ausführungen zu wesentlichen Inhalten seiner Lehre, Albert Schweitzer in der Öffentlichkeit usw.
Schlagworte
Schweitzer, Albert, Leben, Werk
Arbeit zitieren
Daniela Schwarz (Autor), 2000, Schweitzer, Albert - Leben und Werk, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/101946

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