Jüdische, christliche und islamische Apokalyptik. Eine vergleichende Darstellung


Hausarbeit, 1999

26 Seiten, Note: 1


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INHALTSVERZEICHNIS

I. EINLEITUNG

II. Apokalypse - Apokalyptik - Eschatologie: eine Begriffsklärung
II.1. Die Apokalypse als Ereignis
II.2. Die Apokalypse als literarische Gattung

III. Die jüdische Apokalyptik und ihr Schrifttum
III.1. Die Entstehung der jüdischen Apokalyptik III.2. Stoff und Motivik jüdischer Apokalyptik

IV. Die christliche Apokalyptik bis zur Reformation im Überblick
IV.1. Die Evangelisten und die Johannesapokalypse als Urkunden christlicher Apokalyptik
IV.2. Apokalyptik in der alten Kirche und im Mittelalter

V. Die Apokalyptik des Islam
V.1. Apokalyptik im Koran
V.2. Eine islamische Apokalypse aus der Kreuzzugszeit

VI. ZUSAMMENFASSENDE ERWÄGUNGEN

I. Einleitung

Die vorliegende Arbeit ist aus dem Seminar ,,Angst vor dem Ende - Apokalyptische Bewegungen an der Jahrtausendwende" erwachsen. Während im Seminar jedoch vor allem Gruppierungen und Bewegungen zu beleuchten waren, die den kommenden Jahrtausendwechsel im Zeichen apokalyptischer Wehen erwarten, soll es mir um ein grundsätzliches Thema gehen. Zu Beginn des Seminars fand eine elementare Auseinandersetzung mit dem Thema ,,Apokalypse" statt. Hier wurden die Wurzeln christlicher Apokalyptik im Judentum betrachtet und ihre Entwicklung in Literatur und Kunst bis in die Gegenwart hinein verfolgt. Die Frage nach der Rolle der Apokalyptik in anderen Religionen konnte nur ansatzweise behandelt werden. Diese Lücke beabsichtigt die Arbeit im Hinblick auf den Islam zu schließen.

Ziel der Arbeit soll es sein, zum einen aus den gemeinsamen Quellen von Islam und Christentum zu schöpfen, nämlich dem Judentum. Über den Weg der jüdischen Apokalyptik, die beide Religionen rezipiert haben, lassen sich vielleicht wertvolle Hinweise und Wege der Verständigung finden, wie sie die Fragen der Christologie, wie Trinität oder Gottessohnschaft Christi, nicht ermöglichen. Zum anderen soll uns unter dem Aspekt des fruchtbaren Austausches, der im Mittelalter zwischen dem Islam und dem Christentum sowie dem Islam und dem Judentum in allen Bereichen der Kunst, der Literatur und der Wissenschaften stattgefunden hat, der religiöse Austausch speziell im Hinblick auf apokalyptische Elemente interessieren. Die Rezeption der überaus reich entwickelten Apokalyptik des mittelalterlichen Christentums im Islam darf als Exempel für den regen Kulturtransfer des Mittelalters gelten (den es natürlich auch in umgekehrter Richtung gab).

Welchen Stellenwert Begriffe wie ,,Jüngstes Gericht", ,,Jüngster Tag", ,,Weltende" etc.

jeweils in Judentum, Christentum und Islam hatten, wird ebenso zu behandeln sein wie die Frage, was das für die jeweiligen Theologien bedeuten könnte. Wenn es gelänge, an den damit erarbeiteten Grundzügen einer ,,apokalyptischen Theologie" der drei Religionen (wie eine solche aussehen könnte, wird sich hoffentlich im Laufe der Arbeit erweisen) ein klares Profil dieser Weltreligionen herauszumeisseln, an dem Differenzen und Gemeinsamkeiten erkennbar werden, dann wäre das Ziel dieser Arbeit erreicht.

II. Apokalypse - Apokalyptik - Eschatologie:Eine Begriffsklärung

Es erscheint angebracht, der eigentlichen Beschäftigung mit dem Thema ,,Apokalyptik" die Klärung der Begrifflichkeiten voranzustellen, mit denen hier operiert wird. Es ist zu unterscheiden zwischen dem Begriff der Apokalypse als literarischer Gattung und als Ereignis. Religionsgeschichtlich spielt beides ,,in allen denjenigen Religionen" eine bedeutsame Rolle, ,,in denen sich eine Eschatologie entwickelt hat"1: Zu nennen sind hier neben der jüdischen und der christlichen Religion diejenigen des Vorderen Orients, Mesopotamiens und Indiens; auch die ägyptische und sogar indianische Religionsformen wissen von apokalyptischen Wehen am Ende der Zeiten zu berichten. Religionsgeschichtlich haben wir es also mit einem bedeutsamen Phänomen zu tun. Wenden wir uns zuerst dem Ereignischarakter der Apokalypse zu, bevor wir auf die literarische Gattung zu sprechen kommen.

II.1. Die Apokalypse als Ereignis

Allen Religionen, die ihre Wurzeln im Mittelmeerraum haben, liegen im Bereich ihrer Eschatologie2iranische und indische Apokalypsevorstellungen zugrunde. Die indische Spekulation geht ebenso wie die auf ihr basierenden iranischen Mythen von einer Aufteilung der Geschichte in drei bzw. vier ,,Weltzeitalter" aus. Jeweils von unterschiedlicher Dauer, verschlechtern sich irdische Zustände bei Natur und Mensch zusehends. Während die indische Apokalyptik die Verschlechterung der Weltzustände noch mit pantheistischen Vorstellungen verknüpft (das All altert), kennt der Iran mit der Figur des Zarathustra eine Erlösungsgestalt, die am Ende der Zeiten die Scheidung von Gut und Böse in Gang setzt.3Hier tauchen auch die ersten literarischen Apokalypsen auf.

Ob die iranische Apokalyptik selbst die jüdische Apokalyptik beeinflußt hat, oder ob dies durch Vermittlung parsitischer Apokalypsevorstellungen geschah, ist in der Forschung umstritten4. ,,Für die christliche Theologie besitzt die Apokalyptik des Parsismus" jedenfalls ,,vorrangige Bedeutung"5. In ihr tauchen erstmals auch die uns bekannten Vorstellungen eines Weltgerichtes, der Totenauferstehung, einer messianischen Gestalt (im Persischen der Saoshyant) und schließlich einer Läuterungszeremonie (der endzeitlichen Scheidung der guten Menschen von den bösen) auf. Diese Läuterungszeremonie wird eingeleitet durch den Einschlag eines riesigen Meteors, durch den die Berge zerstört werden und ein See flüssigen Metalls entsteht.

Damit haben wir auch schon die wesentlichen Elemente des Ereignisses ,,Apokalypse" zusammengetragen, die sich mehr oder weniger stark ausgeprägt in all den eingangs genannten Religionen finden. Ich fasse zusammen:

1) Der Weltenlauf ist in verschiedene Perioden aufgeteilt, in denen eine zunehmende Verschlechterung der Zustände zu beobachten ist (soziale Verwerfungen, Unruhen etc.). Am Ende dieses Prozesses kommt es zur endzeitlichen Katastrophe6.

2) Der notwendige Läuterungsprozeß wird durch eine messianische Gestalt in Gang gesetzt.

3) Der Läuterungsprozeß beginnt mit einer allgemeinen Totenauferstehung.

4) Mit dem Läuterungsprozeß der Menschheit einher geht die Läuterung der Natur/ der Welt durch kosmische Katastrophen (Weltenbrand, Erdbeben, Meteoriteneinschlag etc.). Dabei spielt das Feuer als reinigende Kraft eine herausragende Rolle.

5) Die Menschheit wird in Gute und Böse getrennt. Dabei pflegen die ,,Guten" die Läuterung durchs Feuer unbeschadet zu überstehen, während die ,,Bösen" den Feuertod sterben. Diesem religionsgeschichtlichen Erbe werden wir an späterer Stelle wiederbegegnen, wenn von jüdisch-christlicher Apokalyptik die Rede sein wird.

II.2. Die Apokalypse als literarische Gattung

Die Entstehung apokalyptischen Schrifttums hängt natürlich eng mit dem Ereignis ,,Apokalypse" zusammen, ist begrifflich jedoch deutlich von ihr zu trennen. Apokalyptische Literatur ist mehr als die bloße Schau zukünftiger Ereignisse - hier zeigt sich lediglich ihr Ursprung aus der prophetischen Literatur -, sie ist bereits Reflexion der Apokalypse unter eschatologischen, theologischen, sozialen ... Gesichtspunkten. In ihr findet die Verarbeitung angesagter und geschauter Zukunft unter den Bedingungen der jeweiligen sozialen, gesellschaftlichen oder politischen Wirklichkeit statt7. Auch die Wege, auf denen solche Offenbarung geschieht, ähneln sich: ,,Himmelsreisen; Traumvisionen; visionäre Ekstase im wachen Zustand"8.

Gegenstand dieser Untersuchung wird vor allem die prophetisch beeinflußte apokalyptische Literatur sein. Wir werden die konkreten politisch-sozialen Bezüge, in denen solche apokalyptische Schau passiert, deshalb nicht außer acht lassen dürfen, wenn wir nach den Differenzen und Gemeinsamkeiten zwischen jüdischer, christlicher und islamischer Apokalyptik fragen. Apokalyptiker sind im Judentum ebenso wie im Christentum zugleich auch Interpreten ihrer eigenen Zeit - versehen mit der Gabe, diese im Horizont der Endzeit einzuordnen und zu interpretieren.9

Nachdem ich nun die Begriffe ,,Apokalypse" und ,,Apokalyptik" bzw. ,,apokalyptisches Schrifttum" voneinander unterschieden und vom Begriff der Eschatologie differenziert habe, möchte ich im nächsten Schritt den Blickwinkel auf die jüdische Apokalyptik richten.

III. Die jüdische Apokalyptik und ihr Schrifttum

Der Wert einer solchen begrifflichen Differenzierung wird deutlich, wenn wir nun einen Blick auf die Geschichte und die Formen jüdischer Apokalyptik und apokalyptischer Literatur werfen.10

III.1. Die Entstehung der jüdischen Apokalyptik

In der Forschung geht man davon aus, daß die eigentliche Entstehung der jüdischen Apokalyptik mit dem Niedergang des Prophetentums in Israel einsetzt.11Dabei kommt es zwischen Prophetie und einsetzender Apokalyptik zu einem regen Austausch12. Durch den vielfältigen Kulturtransfer, der schon während der Exilszeit und danach mit Babylonien und dem Iran einsetzte, dürften die Juden Palästinas (die als die Hauptträger apokalyptischen Denkens und apokalyptischer Literatur gelten können) mit der indisch beeinflußten Eschatologie des Irans in Berührung gekommen sein.

Als erstes schriftliches Zeugnis jüdisch-apokalyptischer Literatur liegt uns das Danielbuch vor, dessen Entstehung in die Zeit der Glaubensverfolgungen durch Antiochus IV. Epiphanes fällt (um 167 v.Chr.). Ihm folgen bis weit ins 4. nachchristliche Jahrhundert hinein viele weitere Apokalypsen und Visionsberichte. Ihnen allen ist gemein, daß sie anonym bzw. unter einem Pseudonym verfaßt sind, sich in der Autorenschaft aber auf die prophetischen Größen der israelitischen Geschichte berufen. So sind uns - vor allem durch christliche Überlieferung 13- eine Reihe von jüdischen Apokalypsen erhalten geblieben.

Man kann die Entstehung und Verbreitung der jüdischen apokalyptischen Literatur grob in drei Phasen unterteilen:

1) Eine erste Phase in vorchristlicher Zeit; ihr entstammen neben dem bereits erwähnten Danielbuch das äthiopische Henochbuch (in seinen Grundzügen vor 167 v.Chr.), die Kriegsrolle von Qumran oder die Testamente der 12 Patriarchen (130-64 v.Chr.).

2) Ein zweiter Abschnitt, der den Zeitraum bis etwa 70 n.Chr. umfaßt; in diesen Bereich fällt die Entstehung der Himmelfahrt Moses (nach dem Tode Herodes d.Gr. abgefaßt, also um die Zeitenwende) und des Jesajamartyriums (ebenfalls vor 70, wahrscheinlich zur Zeit der syrischen Religionsverfolgung abgefaßt und im 2./3. Jahrhundert durch christliche Hand ergänzt).

3) Eine dritte Phase nach 70 n.Chr., deren apokalyptische Literatur uns jedoch fast nur noch in christlicher Redaktion erhalten ist: die Baruchapokalypsen (Anf. 2.Jh.), die Abraham- Apokalypse (um 100 n.Chr.), das Abraham-Testament (auf einer vorchristlichen jüdischen Erzählung basierend) u.a.

III.2. Stoff und Motivik jüdischer Apokalyptik

Es empfiehlt sich an dieser Stelle, die Basis, von der ausgehend dann die christliche und die islamische Apokalyptik näher beleuchtet werden sollen, etwas auszubauen. Deshalb möchte ich an dieser Stelle etwas ausführlicher auf die Stoffe und Motive der jüdischen Apokalypse zu sprechen kommen. Wir werden sehen, daß sich diese Formen in Islam und Christentum wiederholen.

Das bekannteste Beispiel jüdischer Apokalyptik wurde bereits genannt: Es handelt sich um das in der Makkabäerzeit entstandene Buch Daniel. Es ist auch für die christliche Eschatologie von herausragender Bedeutung; hier finden wir wichtige Eckpfeiler jüdischchristlicher Apokalyptik beieinander genannt, die uns zum Teil auch schon aus der Religionsgeschichte bekannt sind:

1) Die Weltzeit ist in Äonen aufgeteilt14; im letzten Äon, das von apokalyptischen Wehen eingeleitet wird15, kommt es zum Kampf zwischen Gut und Böse. In diesem Endkampf unterliegt das Böse (repräsentiert durch ein wildes Tier) und wird vernichtet16.

2) Die Vision eines Endgerichtes vor dem göttlichen Richter, der nach den in Büchern aufgeschriebenen Taten der Menschen richtet17. Hier taucht bei Dan auch erstmals der Gedanke an eine Auferstehung der Toten zum Gericht auf.

3) Eine messianische Gestalt erscheint, der die Macht nach dem Endkampf übertragen wird. Mit ihr herrschen die Gerechten und die Heiligen.

In Ergänzung der dargelegten Befunde, die man schon an dieser Stelle als gemeinsames christlich-jüdisches Gut bezeichnen darf, wähle ich zusätzlich als Quelle eine uns überlieferte außerkanonische Apokalypse: Das sogenannte ,,Apokryphon Ezechiel", eine uns nur noch fragmentarisch erhaltene apokalyptische Vision aus der zweiten Epoche (vor 70 n.Chr.) Diese soll dann als nur bei den Kirchenvätern indirekt überlieferte apokalyptische Vision in die Behandlung der christlichen Apokalyptik hinüberführen.

Beim ApoEz handelt es sich um eine uns nur noch in vier Fragmenten erhaltene, in Zitaten der Kirchenväter überlieferte Apokalypse jüdischen Ursprungs18. Als Verfasser gilt nach Flavius Josephus der Prophet Ezechiel.19Als Entstehungszeit darf man wohl die Zeit vor 70 n.Chr. annehmen; das ApoEz fällt also in die vorhin erwähnte zweite Epoche der jüdischen Apokalyptik.

Das erste Fragment, bei Epiphanius überliefert20, erzählt das Gleichnis vom Lahmen und vom Blinden. Beide verbünden sich, als sie nicht auf ein königliches Fest eingeladen werden, gegen den König (indem der Blinde den Lahmen auf den Rücken nimmt) und verwüsten dessen Park. Der König aber kommt hinter die List der beiden, für die er nur beide gleichzeitig verantwortlich machen kann, da der einzelne die böse Tat nicht hätte ausführen können. Dieses Gleichnis wird in Bezug auf das Endgericht gedeutet:

So ist der Leib an die Seele und die Seele an den Leib gebunden zur Überführung gemeinsamen Tuns. Und das volkommene Gericht ergeht über beide, über den Leib und über die Seele, über die geschehenen Taten, seien sie nun gut oder böse.21

Interessant ist hier, daß die Trennung von Leib und Seele im Gericht hier noch strikt abgelehnt wird. Der Mensch in seiner Existenz aus Leib und Seele ist verantwortlich für sein Tun (Betonung auch des Tun-Ergehenszusammenhanges!). Eine Trennung im Gericht ist noch nicht im Blick, ganz im Gegensatz zu späterer christlicher Apokalyptik. Auch das zweite Fragment verweist uns auf die Eigenverantwortlichkeit des Menschen für seine Taten im Gericht:

In dem (Zustand, in dem) ich dich finde, in dem werde ich dich auch richten, sagt Gott.22

Gott als Richter im Endgericht - dieser Vorstellung begegnen wir auch im Alten Testament häufig; das Richteramt Gottes ist vom Erscheinen der messianischen Gestalt, die nicht richtet, sondern erlöst und befreit, hier noch getrennt. Christliche Apokalyptik hat in der Gestalt Jesu Christi beide Ämter miteinander verbunden.

Das dritte Fragment behandelt die Frage der Buße angesichts des kommenden Gerichtes:

Tut Buße, Haus Israel, von euerer Gesetzlosigkeit. Ich habe zu den Söhnen meines Volkes gesagt: Wenn eure Sünden von der Erde bis an den Himmel reichten, wenn sie röter wären als Scharlachbeeren oder schwärzer als ein Sack, ihr euch aber bekehrtet von ganzem Herzen und sagtet: ,,Vater!", so würde ich euch erhören als ein heiliges Volk.23

Die Nennung des Vaternamens als Zeichen der Umkehr und der Buße verweist eindeutig auf die christliche Überarbeitung des Fragmentes24. Das zeigt uns deutlich, daß das Judentum keineswegs nur die engen ,,gesetzlichen" Grenzen des Tun-Ergehenszusammenhanges kannte, wie es ihm besonders vom Christentum immer wieder vorgeworfen wurde. Hier wird die Buße - die christliche Interpolation macht das deutlich - abhängig gemacht vom Willen, die Vaterschaft Gottes anzuerkennen und zu ihm umzukehren. Auf dieses Tun hin geschieht die Gnadenzuwendung. In sehr viel drastischerem Ausmaß wird dieses Bußverständnis in der sog. Baruch-Apokalypse deutlich, einer christlich überarbeiteten, dem Baruch zugeschriebenen apokalyptischen Schrift aus dem 2. Jh. n.Chr. Dort heißt es:

Geht und dient den Sündern, bis sie bereuen. Denn wenn sie nicht bereuen, so bringt ihnen furchtbare Krankheit und plötzlichen Tod, Heuschrecken und Raupen, heftigen Regenguß und Donner und Hagel, auch Dämonen und Zerstörung für ihre Städte. Und ihre Kinder erwürgt, weil sie Gott nicht fürchten und sich nicht in der Kirche zum Gebet versammeln, sondern anstelle von Gebeten Flüche darbringen.25

Der paränetische Charakter ist hier unverkennbar, aber es ist doch erstaunlich, wie scharf der Gerichtsgedanke hier ausgedeutet und an das Handeln des Einzelnen gebunden wird. Das vierte Fragment des ApoEz beinhaltet eine Tiervision, wie sie auch aus anderen Zusammenhängen (vgl. Dan) bekannt ist:

Siehe, die Kuh hat geboren, und hat nicht geboren.26

Dieses von den Kirchenvätern auf die Jungfrauengeburt gedeutete Zitat27nimmt ein gebräuchliches apokalyptisches Bild auf: Die Kuh begegnet auch sonst in der apokalyptischen Literatur28, ebenso wie das Bild von der Geburt und den Geburtswehen, welches besonders in die christliche apokalyptische Literatur Eingang gefunden hat.29

Welches Profil läßt sich nun anhand der untersuchten Quellen für die jüdische Apokalyptik aufzeigen? Es ist festzuhalten, daß die apokalyptischen Szenarien des Judentums, Schauplätze, agierende Personen, Stoffe und Motive (Tiere, Thron, Buch des Lebens usf.) von solcher Eindrücklichkeit und Sprachwirksamkeit sind, daß sie die christliche Apokalyptik nachhaltig beeinflußt haben. Profilierend ist die Sicherheit des Kommens des zukünftigen Heils, ,,welches im Zuge der schon im Anbruch begriffenen, katastrophenhaften Beendigung der bisher mißlungenen Geschichte Israels in Bälde durchgesetzt werden wird".30Es ist für die jüdische Apokalyptik (und später auch für die christliche) entscheidend, daß gegenwärtige Zeit immer auch Endzeit ist. Insofern stellt die Verzögerung des definitiven Endes der Geschichte und des Anbruchs der Heilszeit kein Problem dar, welches die Wahrheit des apokalyptischen Denkens in Frage stellen könnte. Solche Konzentration auf das Ziel hin stärkt den Mut der Bedrängten in schwerer Leidenszeit und läßt sie an der eschatologischen Hoffnung gerade auch dann festhalten, wenn aller äußerer Schein dagegen spricht. Das ist das reichhaltige Erbe, daß die Christen vom Judentum übernehmen und mitverwalten dürfen.

IV. Die christliche Apokalyptik bis zur Reformation imÜberblick

Nach diesem etwas ausführlicheren Einblick in die jüdische Apokalyptik wende ich mich jetzt der christlichen Apokalyptik zu. Angesichts des begrenzten Raumes kann ich das nur in groben Zügen tun. Ich habe bereits erwähnt, wie sehr die christliche Apokalyptik eine Fortführung der jüdischen Heilserwartung ist. Das Schwergewicht wird also auf denjenigen Zügen einer christlichen Apokalyptik liegen, wo diese Neues und Originäres entwickelt hat.

IV.1. Die Evangelisten und die Johannesapokalypse als Urkunden christlicher Apokalyptik

,,Man wird das Christentum der Apokalypse als ein schwach christianisiertes Judentum bezeichnen müssen."31Dieser Satz Bultmanns markiert den Beginn eines Prozesses, der vom ,,Christentum der Apokalypse" zu einer selbständigen ,,Apokalyptik des Christentums" führt. Es ist gleichzeitig der Prozeß, in dem sich auch ,,die Eschatologie des Christentums von der des Judentums entfernte".32Dieser Entwicklung wollen wir kurz nachgehen. Die Verkündigung Jesu ist ebenso wie die der Evangelisten von eschatologischer Naherwartung geprägt.33Hier begegnen uns ebenso wie in der paulinischen Verkündigung34religionsgeschichtlich bereits bekannte Motive:

1) Endzeitliche Wehen wie Haß und Verrat, Umsturz der bisherigen Verhältnisse und kosmische Katastrophen, die dem eigentlichen Gericht vorausgehen:

Dann werden viele abfallen und werden sich untereinander verraten und werden sich untereinander hassen [...]. Sogleich aber nach der Bedrängnis jener Zeit wird die Sonne sich verfinstern und der Mond seinen Schein verlieren, und die Sterne werden vom Himmel fallen, und die Kräfte der Himmel werden ins Wanken kommen.35

2) Das Jüngste Gericht (als kosmisches, alle Menschen betreffendes Weltgericht) mit dem Richter auf dem Thron:

Wenn aber der Menschensohn kommen wird in seiner Herrlichkeit, und alle Engel mit ihm, dann wird er sitzen auf dem Thron seiner Herrlichkeit [...].36

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch der Verweis auf die bereits aus Dan 7 bekannte Gestalt des ,,Menschensohns" als Messias der Endzeit.

3) Die endzeitliche Scheidung aller Guten von den Bösen durch den Richter - ewiges Leben für die Guten, ewige Strafe für die Bösen:

Und er wird sie [die Völker] voneinander scheiden, wie ein Hirt die Schafe von den Böcken scheidet [...] und sie werden hingehen: diese zur ewigen Strafe, aber die Gerechten in das ewige Leben.37

Die vielfältigen Bezüge zur bereits erwähnten jüdischen Apokalyptik sind deutlich (z.B. der Verweis auf Dan 7).

Die Johannesapokalypse als Bündelung und Urgrund christlicher eschatologischer Hoffnung ist in Aufnahme dieser Motive aber nicht nur Fortführung christlich geprägter jüdischer Apokalyptik im Sinne Bultmanns, sondern markiert den Beginn einer sehr eigenständigen christlichen Apokalyptik. Die um das 95/96 n.Chr., zur Regierungszeit des Kaisers Domitian unter dem Eindruck der Christenverfolgungen entstandene Apokalypse stellt in ihrer Kanonizität gegenüber unzähligen anderen Apokalypsen des 1. und 2. Jhs. (vgl. dazu die Ausführungen zur jüdischen Apokalyptik) eine Ausnahme dar, zumal sie auch formal aus dem Kanon des Neuen Testamentes herauszufallen scheint. Mit visionärer Kraft entfaltet sie eine himmlische Vision vom kommenden Gericht. Auch hier begegnen uns bekannte apokalyptische Motive: der Thron Gottes (Apok 4,2.5 in Anlehnung an Dan 7), das Buch mit den sieben Siegeln als Buch der Taten der Menschen (Apok 5, ebenfalls aus Dan 7 bekannt), kosmische Katastrophen als Vorboten des kommenden Endes (Apok 6,12ff., die sechs Posaunen Apok 8f. u.ö.), der Anbruch des ewigen Friedensreiches nach dem Endkampf mit dem Bösen (Apok 20f.) usf.

Entscheidend neu ist hier aber die Art und Weise, wie das ,,althergebrachte" apokalyptische Material im Hinblick auf die in Jesus Christus geschehene endgültige Offenbarung gedeutet und zur Vollendung gebracht wird. Durch diese Offenbarung ,,werden für Johannes alle Hoffnungsbilder des Alten Testamentes transparent".38Der Tag des Gerichtes und der Tag des Weltendes ist - jedenfalls für die frommen Christen - kein Tag des Schreckens mehr. Vor allem aber sind sie sich gewiß, daß sie an jenem Tag keinem ominösen Richter, keiner supranaturalen Erlösergestalt begegnen werden, sondern dem leibhaftigen Sohn Gottes selbst. Es ist das spezifische Kennzeichen christlicher Apokalyptik - im Gegenüber zur jüdischen Apokalyptik -, daß sie dem Tag am Ende der Welt ein sehr greifbares Gesicht verliehen hat - sie ist sich sicher, daß es der Tag ihres ,,kyrios" sein wird. Greifbar bleibt dieses Gesicht auch angesichts des Ausbleibens des Jüngsten Tages.39Denn die christliche Gemeinde hat das Bild ihres Herrn und Erlösers täglich vor Augen. Die Ungewißheit der Wiederkunft Christi40wird so zur Gewißheit seiner täglichen Anwesenheit.41Der Tag des Gerichtes ist von nun an zugleich Tag der Wiederkunft, der Parusie des Herrn und das eine vom anderen nicht mehr zu trennen. Dieser Zug sollte die weitere Christentumsgeschichte entscheidend mitbestimmen.

IV.2. Apokalyptik in der alten Kirche und im Mittelalter

Nachdem es im 2. Jh. n.Chr. aufgrund der Parusieverzögerung zu einer verstärkten Rezeption jüdischer Apokalypsen gekommen war (besonders durch die Kirchenväter, wie bereits erwähnt), entwickelten sich jüdische und christliche Apokalypsen immer mehr auseinander. Seit ,,dem 4.Jh. wird es zur Regel, daß entweder die Darstellung von Gericht und Weltuntergang oder die Schilderung von Himmel und Hölle im Vordergrund steht"42. Die Funktion der Apokalypse, den ,,Glaubensmut der Frommen in schwerer Zeit" zu stärken43, tritt hinter den paränetischen Charakter derselben zurück, in dem Maße, wie nun nicht mehr das ,,Wann" des Kommens, sondern das ,,Wie" zum Gegenstand des (literarischen und theologischen) Interesses wird. Dies begünstigt die Entstehung einer eigenen christlichen Eschatologie, ja, die Parusieverzögerung macht sie sogar notwendig. Im späten 5.Jh. tauchen dann auch erstmalig künstlerische Darstellungen des Weltgerichtes auf44, die in ihrer Detailtreue, die bisweilen an Detailversessenheit grenzt, immer ausführlicher werden. Dabei bedient sich die christliche Apokalyptik freizügig aus den überkommenen Vorlagen: Das typische Weltgerichtsbild enthält neben dem auf einer Mandorla thronenden Christus iudex, aus dessen Mund Schwert und Lilie kommen, auch Maria und Johannes den Täufer als Fürbitter, die Engel mit den Posaunen, die Folterwerkzeuge (arma Christi), die Darstellung des Himmels und der Erlösten und die Hölle mit den Verdammten. Seit dem 12.Jh. wird dieses Bildprogramm ergänzt durch Einzelheiten der Höllendarstellung wie Teufel, Seelenwaage, Feuerpfuhl, Folterwerkzeuge u.ä. Einen gewichtigen Beitrag zu einer stark jenseitig orientierten Frömmigkeit leistete auch die Entwicklung der Lehre vom Fegfeuer (limbus), einem Vorort der Hölle, und die Lehre vom doppelten Gericht (der Unterscheidung eines persönlichen, nach dem Tode des Einzelnen stattfindenden sog. Individualgerichtes, vom Jüngsten Gericht). Zwar hat man die Jahrtausendwende im Hinblick auf die apokalyptische Wirkung lange Zeit überschätzt45, aber man wird den Eindruck, den die großen Seuchen des Mittelalters, im besonderen die Pest, auf die Menschen und ihre Vorstellung von Apokalypse gemacht haben, nicht unterschätzen dürfen. Davon zeugen nicht zuletzt zahlreiche apokalyptische Bewegungen des Mittelalters.46Immer wieder hat man auch die gegenwärtige Zeit als Endzeit gedeutet, da man mit dem irdischen Wirken Jesu den letzten Äon bereits angebrochen und die Parusie jederzeit zu erwarten sah. Verschiedene Kaiser und Päpste des Mittelalters fungierten in dieser Geschichtsdeutung in der Rolle des Antichristen47, Naturkatastrophen, Kriege und Seuchen waren jeweils die Wehen des bevorstehenden Jüngsten Tages.

Die Zeit der Kreuzzüge war in besonderem Maße von dieser apokalyptischen Geschichtsdeutung gekennzeichnet. Um nun die Wirkung zu skizzieren, die die christliche Apokalyptik auf die Entwicklung der islamischen hatte, wähle ich im folgenden letzten Hauptpunkt meiner Arbeit als Quelle eine islamische Apokalypse aus der Kreuzzugszeit.

V. Die Apokalyptik des Islam

,,An Konstantinopel und Rom gemessen, war der Islam der Emporkömmling. Er besaß keine Vergangenheit, keine historische Tradition. Und darum, so fühlt man sich zu sagen versucht, nahm der Islam die Geschichtswelt der Römer, der Perser und der biblischen Überlieferung an sich."48

In nur hundert Jahren, vom Tode des Propheten im Jahre 632 bis zur Schlacht von Tours und Poitiers 733, bei der der islamische Vorstoß nach Westeuropa gestoppt werden konnte, gelang es dem Islam, seinen Herrschaftsbereich zu konsolidieren und ein eigenes geschichtliches und religiöses Bewußtsein zu entwickeln.49

Dies gilt auch für den Bereich der Apokalyptik. Wie später zu zeigen sein wird, kennt der Koran den Glauben an ein Jüngstes Gericht, doch weist Mohammed selbst darauf hin, daß der Zeitpunkt und der Ablauf dieses Gerichts unbekannt sind und sein sollen. ,,Nur war ihm und seinen Zeitgenossen eigentlich selbstverständlich, daß sie [die große Stunde des Gerichts, Anm.d.Verf.] bald eintreten werde."50Die Enttäuschung darüber, daß der erhoffte Tag nicht eintraf, wurde durch die rasche Ausbreitung des Islam aber wieder ausgeglichen. Schon bald entwickelten die Schiiten, eine der vielen Abspaltungen des Islam aus der Zeit nach dem Tode des Propheten, eine von geheimen Offenbarungen des Weltenlaufs und inspirierter Frömmigkeit geprägte Apokalyptik, die stark die Einflüsse iranischer und christlich-jüdischer Apokalyptik trägt. Bevor ich anhand einer islamischen Apokalypse auf einzelne Elemente dieser Apokalyptik eingehe, möchte ich den Spuren der Apokalyptik in der heiligen Schrift des Islam nachgehen, die wie im Christentum den Grundstock für eine weitergehende Ausprägung der Apokalyptik bildet.

V.1. Apokalyptik im Koran

In der eigentlichen Urkunde des Islam, dem Koran, begegnen uns im Vergleich zur Bibel und auch zur späteren apokalyptischen Literatur des Islam selbst relativ spärliche Zeugnisse einer durchdachten Eschatologie. Fest stand allerdings schon für Mohammed, daß es ein Jüngstes Gericht ebenso gibt wie das Paradies und die Hölle. Daß er dabei, wie auch in anderen Fragen, reichlich aus der christlich-jüdischen Tradition schöpfte, wurde inzwischen immer wieder nachgewiesen.51

Schon in der zweitältesten Sure 74 ,,Der Bedeckte" heißt es (41-48):

Jede Seele ist für das, was sie geschafft, verpfändet [...] in Gärten werden sie einander befragen nach den Sündern. ,,Was hat euch ins Höllenfeuer getrieben?" Sie werden sprechen: ,,Wir waren nicht unter den Betenden, und wir speisten nicht die Armen, und wir schwatzten mit den Schwatzenden, und wir erklärten als Lüge den Tag des Gerichts, bis zu uns kam die Gewißheit."

Der Tun-Ergehenszusammenhang wird hier ebenso betont wie die Gewißheit des kommenden Gerichts. Auffallend ist hier der Zusammenhang mit Mt 25,31ff., der Weltgerichtsperikope, in der es um die Werke der Barmherzigkeit geht.52

Auch Sure 13 ,,Der Donner" sagt von denen, die Gottes Wort ablehnen, daß sie des Feuers Gefährten sein und ewig darinnen verweilen (6.) werden. Diejenigen aber, die Gott fürchten, die ,,Guten", kommen als Belohnung in Edens Gärten, in die sie eintreten sollen nebst den Rechtschaffenen von ihren Vätern, ihren Frauen und ihrer Nachkommenschaft; und die Engel sollen eintreten zu ihnen von allen Toren (und sprechen.) Frieden sei auf euch, darum daß ihr standhaft bliebet! (23.24)

Die Schönheit des Paradieses ist auch das Thema von Sure 55 ,,Der Erbarmer" (46-60) Für den aber, der seines Herrn Rang gefürchtet, sind der Gärten zwei [...] In ihnen sind keuschblickende (Mädchen), die weder Mensch noch Dschann zuvor berührte. [...] Soll der Lohn des Guten anders als Gutes sein?

Den Glaube an das Kommen eines Jüngsten Tages hat Mohammed auch in Art eines ,,islamischen Glaubensbekenntnisses"53in Sure 4 ,,Die Frauen" niedergelegt (135):

O ihr, die ihr glaubt, glaubet an Allah und seinen Gesandten und an das Buch, daß er auf seinen Gesandten herabgesandt hat, und die Schrift, die er zuvor herabkommen ließ. Wer nicht glaubt an Allah und seine Engel und die Schriften und seine Gesandten und an den Jüngsten Tag, der ist weit abgeirrt.

Auch der Koran kennt die Engel als Boten Gottes, die am Jüngsten Tag als Zeugen für oder gegen die Menschen auftreten und die Höllentore hüten. Ihnen stehen die Teufel entgegen, deren oberster Anführer ein gefallener Engel ist54. Hier sind die Parallelen zum Christentum mehr als deutlich, ebenso wie im Szenario des Jüngsten Tages: ,,Da wird dann die Trompete geblasen, die Himmel werden bersten, die Berge werden zu Staub zermahlen, die Gräber werden sich öffnen. Der Schutzengel eines jeden Menschen wird Zeugnis ablegen für seine Vergangenheit. Die Taten des Menschen werden auf der Waage gewogen, und das Buch wird in seine Hand gelegt, in die rechte Hand beim Gesegneten, in die linke Hand bei dem Verdammten."55

Soweit einige Eindrücke aus dem Koran. Nachfolgend soll es nun um die konkrete Umsetzung dieser Vorstellungen in einer literarischen Apokalypse des Islam gehen.

V.2. Eine islamische Apokalypse aus der Kreuzzugszeit

Die dargelegten Befunde machen deutlich, daß der Urgrund islamischer Theologie sich auf dem Boden dessen bewegt, was uns aus der iranischen und der jüdisch-christlichen Eschatologie bekannt ist, allerdings in recht knapper Form. Der Grund für die Weiterentwicklung und den Ausbau apokalyptischer Vorstellungen liegt, wie auch in den anderen genannten Religionen, in der Verzögerung der unmittelbar naherwarteten Ereignisse am Ende der Zeiten. Mohammed rechnete noch zu seinen Lebzeiten mit dem Anbruch des Jüngsten Tages, wie das auch für Jesus angenommen wird. Als der Religionsstifter starb, ohne daß das eschatologische Gottesgericht angebrochen war, entwickelte sich, wie auch im Judentum und im Christentum, die Selbstverortung in der Endzeit: Man glaubte immer wieder eine Verschlechterung der Zustände, eine ,,Zunahme der apokalyptischen Wehen" beobachten zu können, und in besonderen Zeiten der Bedrängnis erwartete man quasi täglich das Endgericht.

Davon zeugen zahlreiche kleinere apokalyptische Schriften meist dunklen und visionären Inhalts. Diese sogenannten ,,Hadit" sind kurze, poetische Sinnsprüche, die meist mündlich im Umlauf waren und den Weltenlauf bzw. die Ereignisse am Ende der Zeit zum Thema hatten. Es gibt mehrere Sammlungen solcher ,,Hadit", als die bekannteste und umfangreichste gilt die ,,Kitab al-Fitan" des 843 gestorbenen Nu'aim ibn Hammad. Apokalypsen größeren Umfangs sind selten; eine davon ist die vorliegende apokalyptische Schrift aus der Zeit der Kreuzzüge56. Sie wurde um 1180 von einem unbekannten, wahrscheinlich aus Ägypten stammenden Autor verfaßt. In ihr finden wir die für den Islam und seine Geschichte ganz charakteristische Verbindung politischen und religiösen Erlebens; fällt ihre Entstehung doch in die Zeit der Kreuzzüge, speziell in die Zeit, da Ägypten von den Syrern unter Saladin und den Franken unter König Amalrich hart umkämpft wurde. Jede Macht wollte sich die Vorherrschaft in diesem Lande sichern, und es kam zu gewaltigen Zerstörungen, Bränden und Ermordungen. Der Verfasser der vorliegenden Schrift muß seine Zeit also wahrhaftig als ,,apokalyptisch" empfunden haben.

So hat denn die aus 23 Einzelsprüchen bestehende Apokalypse den endzeitlichen Krieg verschiedener Völker zum Thema, der sich im gesamten vorderasiatischen Raum abspielt. Beim Zusammentreffen bestimmter kosmischer Konstellationen (die Astrologie spielt hier eine bedeutende Rolle bei der zeitlichen Einordnung der apokalyptischen Ereignisse) kommt es zum Krieg zwischen dem König des Ostens und dem Herrn des Westens, in den schließlich auch die Römer und die Griechen eingreifen. Es kommt zu Hungersnöten, Ermordungen, Versklavung von Ägyptern, Kairo brennt dreimal ab. Jerusalem wird eingenommen und viele Menschen sterben. Nach mehreren schlimmen Schlachten tritt schließlich der Mahdi, eine endzeitliche Erlösergestalt, auf, unter dem eine Zeit des Friedens beginnt. Nach Ablauf dieser Zeit kommt es zum Endkampf mit dem Daggal, dem Antichristen, der von Jesus getötet wird. Gog und Magog schließen Jesus auf einer Burg auf dem Berg Tabor ein; dort muß er so lange bleiben, bis Gog und Magog gestorben sind. Danach wird Jesus befreit werden, heiraten und Kinder zeugen, bis er stirbt und in Medina neben dem Propheten begraben wird. Die Apokalypse endet mit der Aussicht auf Rettung für alle Frommen, die Gott - ungewöhnlicherweise - sterben läßt und damit zu sich holt. Die Schlechten verbleiben auf der Erde: ,,über sie wird die Stunde hereinbrechen".

Soweit im Groben der Inhalt dieser Apokalypse. Obwohl wir hier klassische Motive der Apokalyptik wiederfinden können, gibt es doch auch einige Besonderheiten, die uns bisher noch nicht begegnet sind. Betrachten wir einzelne Züge etwas genauer.

1) Die Verschlechterung der Zustände; ,,apokalyptische Wehen":

Klassisch finden wir auch hier den Verweis auf die Verschlechterung der irdischen Zustände:

Es werden furchtbare Dinge geschehen im 3. und 4. Klima durch die Fügung des Erhabenen, Allwissenden [...]. Dazu gehört das Auftreten des Königs des Ostens [...]. Dieser erwähnte König wird sich Ägyptens bemächtigen, es schwächen, ihm den Becher des Todes zu trinken geben, es in Unordnung bringen, seine Hilfskräfte und seine Anhänger vernichten. [...] Der Nil wird nur 7 von 12 sein, so daß der See von Tiberias versickert und die Quellen vertrocknen in allen Klimaten und die Wasser in der Tiefe der Erde versickern und die Nahrung ausgeht und die Länder verlassen werden [...].57

Das Hauptgewicht liegt aber eindeutig nicht auf Naturkatastrophen, sondern auf den zahlreichen kriegerischen Auseinandersetzungen. Sie sind das hauptsächliche Kennzeichen der einsetzenden Endzeit.

2) Das Auftreten einer messianischen Gestalt:

Dann wird der Mahdi erscheinen und den Sufjani schlachten [...]. Er wird die Erde mit Recht und Gerechtigkeit erfüllen.58

,,Die Gestalt des Mahdi (`der Rechtgeleitete') repräsentiert eine spezifisch islam[ische] Vorstellung, unabhängig davon, was sie indirekt den voris[lamischen] Rel[igionen] verdanken mag."59Der Mahdi ist damit die messianische Gestalt des Islam schlechthin. Während weder Mohammed noch der Koran die Gestalt des Mahdi kennen, kam es unter dem Eindruck jüdisch-christlicher Parusieerwartungen und der Glaubensverfolgungen in der Omajjadenzeit in einer bestimmten schiitischen Richtung des Islams (den sog. ,,Zwölfern") zur Verehrung des Mahdi.60Dabei herrscht der Glaube, daß am Ende der Zeiten der als im Jahre 880 verschollen geltende zwölfteimamMuhammad Abu `l-Qasim wiederkehren und eine Periode des Friedens und der Gerechtigkeit einleiten wird, bevor es zum Endkampf zwischen Jesus und dem Antichristen kommt.61

3. Aufnahme spezifisch christlicher und jüdischer Vorstellungen:

Neben den genannten Elementen, die als apokalyptisches Allgemeingut gelten können und die im Islam ihre eigene Prägung erhalten haben, finden wir explizit Aufnahmen aus christlich jüdischen Quellen. Dazu gehört z.B. die Vorstellung, daß der Antichrist am Ende der Tage nach der Friedensherrschaft des Mahdi auftreten wird:

Dann wird der Daggal (der Antichrist) auftreten und wird 40 Tage bleiben, einen Tag wie ein Jahr, einen wie einen Monat, einen wie eine Woche, die übrigen Tage aber wie eure Tage.62

Interessant sind hier die Parallelen zu Apok 20. Während vom ,,Antichrist" in der Johannesoffenbarung nicht direkt geredet wird (was zeigt, daß der Islam aus zeitgenössischen Vorstellungen und nicht aus der biblischen Tradition geschöpft hat), deckt sich die Vorstellung einer Friedensherrschaft des Mahdi, nach deren Ablauf der Antichrist herrschen wird, mit der chiliastischen Vorstellung in Apok 20: Nach Ablauf der 1000 Jahre des messianischen Friedens kommt es zum Auftreten des Satans. Und wie im Christentum ist Jesus in unserer Apokalypse der Überwinder des Antichristen:

Und Isa (Jesus) wird in zwei gelben Gewändern beim weißen Minaret auf der Ostseite von Damaskus63herabsteigen und den Leuten die Asr-Salat64vorbeten und den Daggal aufsuchen und ihn am Tore von Ludd töten.65

Üblicherweise folgt, nachdem der Antichrist getötet ist, die Darstellung einer langen Zeit des Friedens, in der Jesus herrscht, bevor es dann endgültig zum Jüngsten Tag kommt. In unserer Apokalypse ist noch das Auftreten von Gog und Magog, den uns aus Apok 20 bekannten endzeitlichen Völkern, zwischengeschaltet:

Und Gog und Magog werden auftreten [...] Sie werden ihn [Jesus, Anm.d.Verf.] auf dem Tabor einschließen in der Burg [...]. Dort wird er belagert bleiben und um den Untergang von Gog und Magog beten, bis sie wie ein Mann sterben werden am Nasenwurm.66

Nach dem Tod der Völker ist Jesus befreit, heiratet und zeugt Kinder, bis er stirbt. Seine Herrschaft ist eine Heilszeit, in der ,,die Erde [...] ihr Bestes und ihren Segen" hergibt. Nach seinem Tode kommt es irgendwann zum Jüngsten Tage:

Und Gott wird einen sanften Wind unter dem Thron hervorsenden, der wird die Gläubigen unter den Achseln erfassen, so daß sie sterben. Die schlechten Menschen aber werden am Leben bleiben: über sie wird die Stunde hereinbrechen.67

An dieser Stelle findet sich der hinter einer Apokalypse stehende Leidensdruck der Gläubigen deutlich widergespiegelt: Für die Frommen ist es eher eine Erlösung zu sterben als auf der Erde lebenzubleiben. Das Gericht bricht über die hinein, die noch leben.

4. Weitere Besonderheiten:

Auf zwei Besonderheiten dieser Apokalypse möchte ich noch besonders hinweisen. Zum einen auf die für eine Apokalypse eher untypische Begrenzung der endzeitlichen Ereignisse auf den vorderasiatischen Raum: Ägypten und Syrien sind die Hauptschauplätze der geschilderten Visionen. So nimmt der Schreiber zwar apokalyptische Motive auf, aber es scheint ihm weniger um eine Deutung der Weltgeschichte oder um das letzte Äon zu gehen. Auch das Auftreten des Mahdi oder Jesu fällt nicht so sehr ins Gewicht wie die ausführlichen Schilderungen militärischer Bewegungen, die sich in der Endzeit abspielen. In dieser Ausführlichkeit wird deutlich, in welch angespannter Zeit und Lage der Schreiber sich befand. Die Zeit, aus der er schrieb, war die Zeit der Eroberungen und der Kämpfe, der Brandschatzungen und der Ermordung Andersgläubiger. Die Zeit der Kreuzzüge muß dem Schreiber wirklich die Endzeit gewesen sein. Ob dies nun für die ganze Welt so ist, spielt dabei offensichtlich keine Rolle - der Erlebenshorizont Syriens und Ägyptens ist die Welt des Schreibers, und es ist ,,seine" Welt, deren Untergang er heraufziehen sieht. Diese Beobachtung mag dabei helfen, den die Gegenwart deutenden Charakter, den die Apokalyptik mal stärker, mal schwächer haben kann, nachzuvollziehen und zu verstehen. Es ist zum zweiten auf die besondere Rolle zu verweisen, die Astrologie und Zahlenspekulation in der islamischen Apokalyptik haben.68Sie kennt wie auch die jüdische und die christliche Apokalyptik die Bedeutung besonderer Zahlen69, aber von jeglichem magischen oder sonstwie eigenmächtigen Charakter der Zahlen oder Buchstaben und erst recht der Sterne hat man wie auch in der Bibel Abstand genommen:

Es werden furchtbare Dinge geschehen im 3. und 4. Klima durch die Fügung des Erhabenen, Allwissenden, der die Kenntnis davon in den Lauf der Sterne und die Bewegungen der Sphären gelegt hat [...].70

Die Fähigkeit, aus dem Lauf der Sterne die in sie hinien gelegte Erkenntnis über den Lauf der Welt herauszulesen, wird der göttlichen Schöpfungsmacht und Gottes Allwissenheit unterstellt. Hier speist sich der Islam wohl mehr aus den Quellen jüdischer Mystik und Kabbalistik denn von der biblischen Tradition.

Immer wieder wird eine bestimmte Konstellation der Gestirne als Ursache, Auslöser oder Zeitpunkt eines apokalyptischen Ereignisses genannt: Dazu gehört das Auftreten des Königs des Ostens [...]. Das wird im Beginn der Konjunktion, nämlich der von Saturn und Jupiter, der beiden Hohen, im Zeichen des Steinbocks, und zwar im letzten Drittel davon, sein.71

Wenn dann das zweite Viertel der Konjunktion ist, wird von ihm Zorn ausgehen [...]. Und die Herrschaft wird bei ihren Nachkommen bleiben bis zur Mitte der Konjunktion.72

Dabei darf man freilich nicht vergessen, daß die Astrologie ebenso wie die Astronomie eine in Arabien und in Persien hochgeschätzte Kunst bzw. Wissenschaft darstellte.73

VI. Zusammenfassende Erwägungen

Am Schluß dieser Arbeit möchte ich noch einmal auf den Anfang zurückgreifen. Zwei Wünsche oder Ziele habe ich hauptsächlich formuliert: Zum einen die Suche nach Verbindendem, das Verständigung ermöglicht und die Augen öffnet für gemeinsames Erbe; zum anderen das Unterscheidende, je Profilierende, was man als die individuelle ,,apokalyptische Theologie" einer jeden Religion bezeichnen kann. Ich hoffe, es ist deutlich geworden, wie sehr die Apokalyptik ein die Juden, Christen und Muslime verbindendes Element ist. All diese Religionen berufen sich auf den Gott des Ersten Bundes, und sie erwarten alle das heilsmächtige Eingreifen ihres Gottes am Ende der Zeiten. Alle rechnen damit, daß das Leben mit dem Tod nicht endet, sondern daß das Tor sich öffnet in eine bessere, schönere, ewige Welt. Allen Gläubigen wird in der Apokalypse nicht nur das Dasein Gottes in ferner Zeit, sondern sein Zuspruch und die Ermutigung in der Gegenwart zugesprochen, so bedrückend diese Gegenwart auch sein mag. Das Versprechen, daß Gott am Ende aller Tage und an unserem eigenen Ende da sein wird und die Hoffnung auf diesen gemeinsamen Endpunkt ist, wie ich meine, ein starkes Band.74

Die gemeinsame Hoffnung auf einen endzeitlichen Erlöser ist das Gemeinsame, aber gleichzeitig auch das Profilierende jeder der genannten Religionen. Wir alle erwarten die Parusie, und das Judentum wäre ohne die starke Hoffnung auf den endzeitlichen Messias ebenso kraftlos wie die Christen, wenn sie die Hoffnung auf die baldige Wiederkehr ihres Herrn Jesus Christus fahrenlassen oder vergessen würden. Und die Hoffnung auf das Auftauchen des Mahdi im Islam ist Ausdruck der Sehnsucht nach dem gerechten und friedvollen König, mit dem eine Zeit des Friedens anbricht - eine Sehnsucht, die das Alte wie das Neue Testament gleichermaßen kennen.

Es war nicht das Ziel dieser Arbeit, in erster Linie Unterschiede zwischen den drei Religionen herauszuarbeiten. Diese sind sattsam bekannt, und ich verzichte deshalb auf eine Darstellung. Viele dieser Unterschiede hemmen den Dialog, weil sie weniger als Eigenwert denn als Grenzen der Kommunikation verstanden werden. Um solche Grenzen zu überwinden und das Hemmende hinter sich zu lassen, eignet sich die Eschatologie vielleicht am besten, weil sie an sich außerhalb der Grenzen des menschlich Denkbaren liegt. Was am Jüngsten Tag letztendlich wirklich passieren wird, ist - trotz aller ,,Aufdeckungen" - ein uns Christen mit den Juden und den Muslimen verbindendes Geheimnis.

[...]


1 So Ringgren, Art. Apokalyptik I, Sp.463.

2 Während der Begriff ,,Eschatologie" die grundsätzliche Annahme einer Begrenzung der geschöpflichen Welt in den Religionen zum Inhalt hat, stellen Apokalypsen den Rahmen dar, in dem sich dieses Ende manifestiert. Wir definieren ,,Eschatologie" als einen Sammelbegriff, unter dem das Ereignis ,,Apokalypse" subsumiert wird. Im Rahmen dieses Sammelbegriffes ist dann auch theologische Reflexion möglich und notwendig, die die Apokalypse mit einschließt. Diese Definition wird vorausgesetzt, wenn im folgenden von ,,Apokalypse" und ,,Eschatologie" die Rede ist.

3 So Ringgren, Art. Apokalyptik I, Sp.463.

4 Rudolf Otto plädiert für die Vermittlung durch die persische Religion, Franz König hält dies für eine ,,unbewiesene Hypothese". Lanczkowski, S.190.

5 Ebd.

6 Dabei ist dieser Weltenlauf im allgemeinen linear, d.h. auf einen bestimmten Endpunkt hin zulaufend, verbunden mit der Vorstellung einer endgültigen Zeit des Heiles nach dem Endgericht. Die indische Spekulation dagegen begreift den Prozeß als unendliche Kette der Neugeburt und des Alterns.

7 Mit dieser Trennung zwischen Apokalyptik und apokalyptischer Literatur beabsichtige ich nicht zuletzt der Ansicht entgegenzuwirken, daß es sich bei dieser Art von Literatur lediglich um eine verbrämte Form der Sozialkritik und um Vertröstungen handele (so z.B. von Hellholm, S.591), ein Vorwurf, der auch der Prophetie immer wieder gemacht wird. Die Umstände, unter denen apokalyptische Literatur auftaucht, werden zwar richtig beobachtet, aber auf ihre irdische Dimension verkürzt. Das Visionäre dieser Literaturgattung wird damit oft außer acht gelassen. Es ist natürlich die Frage, ob es legitim ist, der Apokalypse als definitivem Ende der Welt eine eigene, von der apokalyptischen Literatur lediglich beschriebene und interpretierte Wirklichkeit zuzugestehen. Hier fälle ich freilich ein Glaubensurteil, wenn ich die Eigenständigkeit apokalyptischer Wirklichkeit betone, welches die wissenschaftliche Darstellung apokalyptischer Literatur jedoch keineswegs beeinträchtigt, sondern nur die Wirklichkeit der beschriebenen Visionen bejaht.

8 Diese Wege nennt Hellholm, S.590.

9 ,,Apokalyptisches Denken ist also eine mit Hilfe einer bestimmten literarischen Technik vollzogene Deutung der Gegenwartssituation des Verfassers und seiner zeitgenössischen Leser", meint Lebram, S.192, beschreibt damit aber nur einen (literarischen) Aspekt des apokalyptischen Denkens.

10 Eine solche Differenzierung nimmt auch Lohmeyer, Sp.402, für die jüdische Apokalyptik vor: ,,Apokalyptik bezeichnet zunächst die Literaturgattung der `Offenbarungsbücher' und weiterhin die religiöse Haltung und Richtung, der jene Bücher entstammen".

11 So Lohmeyer, Sp.402; Ringgren, Art. Apokalyptik II, Sp.464 u.a. Neuerdings wird auch der nicht unerhebliche Einfluß weisheitlicher und priesterlicher Interessen betont, so bei Dan, Sp.592.

12 Ringgren, Art. Apokalyptik II,Sp.464, nennt u.a. Jer 24-27 und natürlich Ez 37-48 als Beispiele einer Prophetie mit apokalyptischen Zügen und Motiven. In der Tat lassen sich im Judentum prophetische und apokalyptische Literatur nicht so leicht voneinander trennen. ,,Der wichtigste Unterschied liegt darin, daß die Propheten in ihren Ankündigungen aufein kommendes Ereignis weisen, die Apokalyptiker aber einBildder Zukunft entwerfen". Westermann, S. 205.

13 Ringgren, Art. Apokalyptik II, Sp.466.

14 Bei Dan sind das insgesamt vier Äonen, repräsentiert durch vier Tiere. Vgl. dazu Dan 7.

15 Vgl dazu Dan 12,1ff: ,,Denn es wird eine Zeit großer Trübsal sein, wie es nie gewesen ist...".

16 Dan 7,11.

17 Dan 7, 9ff. - Die christliche, in der mittelalterlichen Kunst und Literatur entstandene Vorstellung, daß es sich bei Gottvater um einen bärtigen, weißhaarigen Mann handelt, stammt ebenfalls aus Dan 7,9.

18 Eckart, S.47: ,,Vom Inhalt des Buches selbst wissen wir nichts." Die erhaltenen Fragmente sind zwar apokalyptischer Natur, lassen aber sonst keinen Rückschluß auf den Gesamtkontext des Buches zu.

19 Ebd.

20 Ebd., S.52.

21 Epiphanius, Adversus haereses 64,70,6ff., zitiert in deutscher Übersetzung bei: Eckart, S.53.

22 Johannes Climacus VII, zitiert in deutscher Übersetzung bei: Eckart, S.53.

23 1Klem 8,3, zitiert in: ebd., S.53.

24 Vgl. z.B. Röm 8,15; Gal 4,6; Mk 14,36. Eckart, S.53, Fußnote c).

25 ApcBar[slav] XV, zitiert in deutscher Übersetzung bei: Hage, S.41.

26 Gregor von Nyssa, Adversus Judaeos III, zitiert nach: Eckart, S.54.

27 Auch Maria hat geboren (da die Geburt Jesu eine leibliche Geburt war und Maria damit keine Jungfrau mehr) und hat nicht geboren (da sie keinen männlichen Samen empfing).

28 Z.B. Hen(äth) 90,37.

29 Man denke nur an den Ausdruck der ,,apokalyptischen Wehen": Schon in den ältesten iranischen Darstellungen gehen der eschatologischen Friedenszeit, der ,,Neugeburt", Zeiten des Schmerzes und des Leidens voraus (im letzten Äon). Diese Vorstellung wird bei Apok 12; Mk 13,8 par oder 1Thess 5,3 wieder aufgenommen.

30 Müller, S.224.

31 Bultmann, S.518.

32 Schwarte, S.264.

33 Vgl. dazu Jesu Rede über die Endzeit Mt 24f, Mk 13 u.ö. Von großer Wirkmächtigkeit in der Kunst- und Theologiegeschichte war dabei die Schilderung des Weltgerichtes Mt 25,31ff.

34 Z.B. Röm 14,10; 1 Kor 8,8 und auch in den Pastoralbriefen.

35 Mt 24,10.29

36 Mt 25,31

37 Mt 25,32.46.

38 Rissi, S.104.

39 Hier stand die jüdische Apokalyptik vor einem großen Problem, dessen Lösung sie nur vertagen konnte.

40 Mt 24,42: Darum wachet; denn ihr wißt nicht, an welchem Tag euer Herr kommt.

41 ,,Die Gewißheit der Gegenwart und der Zukunft des `gekommenen' Christus überhöhte permanent die endzeitliche Aussage und führte verständlicherweise zu einem neuen Geschichtsbewußtsein, das von der Überzeugung der Gegenwart und der Zukunft des Heils bestimmt sein konnte". Strobel, Art. Apokalyptik IV, S.252.

42 Schwarte, S.264.

43 Ringgren, S.465.

44 In der um 400 erbauten Kirche zu Fundi (Italien) befindet sich das älteste uns bekannte Weltgerichtsbild des Abendlandes; in der byzantinischen Kirche dürfte es sogar noch früher bekannt gewesen sein.

45 So Konrad, S.277.

46 Zu nennen sind hier beispielsweise die Lehren Joachim von Fiores (+1202), der spiritualistische Flügel des Franziskanerordens, z.B. bei Ubertino de Casale, später auch bei den Hussiten, und vielen anderen.

47 Für Angelo von Clareno (+1337), einen Anhänger Joachims, war Papst Bonifatius VIII. das ,,Tier", und noch für Luther war der amtierende Papst Leo X. der Antichrist der Apokalypse.

48 Von Grunebaum, S.13.

49 Mohammed war es gelungen, ,,das Geschichtsbewußtsein der Araber" zu vertiefen, ,,die Erinnerungen seines Volkes nach rückwärts bis zum Schöpfungstag" zu verlängern, ,,und [...] es mit einer geistlich bedeutsamen heiligen Geschichte in Ergänzung seiner schlecht geführten und unaufgezeichnet gebliebenen Nachrichten über Ereignisse von rein örtlicher Wichtigkeit" zu beschenken. Von Grunebaum, S.14.

50 Hartmann, S.105.

51 Z.B. von Günter Lüling, Über den Ur-Qur'an, Erlangen 1974. Schall nennt S.322 auch Beispiele dafür.

52 Schall, S.321.

53 Schall, S.328.

54 Schall, S.331.

55 Ebd.

56 Die Apokalypse ist ein Abschnitt des Kapitels ,,Verwüstung der Erde in der Endzeit" aus einer arabischen Anthologie mit dem Titel ,,Muhadarat al-Abrar wa Musamarat al-Achjar". Zusammengestellt wurde die Anthologie von dem andalusischen Mystiker Muhji ad-Din b.alArabi (+1240). Abgedruckt in: Hartmann, S.89-92.

57 Hartmann, S.90,1.2.3.11.

58 Hartmann, S.92, 18.

59 Cook, S.597.

60 Vgl. dazu Schaeder, Sp.1853. Interessant ist auch hier die Analogie zum Judentum, wo sich die Messiasvorstellung angesichts der Glaubensverfolgungen unter König Antiochus verstärkt ausbreitet.

61 Vgl. dazu auch von Grunebaum, S.249.

62 Hartmann, S.92,19.

63 Wohlgemerkt: Jesus erscheint in Damaskus, nicht - wie es biblischer Überlieferung entspräche - in Jerusalem, denn dort wird die Herrschaft des Mahdi erwartet, nachdem er aus Mekka gekommen ist.

64 Die Asr-Salat ist eine bestimmte Form des rituellen, fünf Mal am Tage ausgeführten Gebetes (salat).

65 Hartmann, S.92,20. In manchen Apokalypsen tritt der Mahdi auch gemeinsam mit Jesus den Kampf gegen den Antichristen an.

66 Hartmann, S.92,21.

67 Hartmann, S.92,23.

68 Ringgren verweist S.463 darauf.

69 Man denke dabei nur an Zahlen wie 666, 40, 7 u.a., die sowohl im christlichen wie im jüdischen Bereich wichtig waren und sind.

70 Hartmann, S.90,1.

71 Ebd., 2. ,,Diese Angaben weisen auf einen allgemein anerkannten Grundsatz der Astrologie zurück, wodurch die Geschicke der Welt bestimmt werden durch Konjunktionen von Saturn und Jupiter, die ungefähr alle 20 Jahre stattfinden." Hartmann, S.97.

72 Ebd., 7.

73 Dies war bereits den frühen Christen bekannt, wie die Geschichte von den ,,weisen" Sterndeutern aus dem Morgenland Mt 2 belegt.

74 Die gemeinsame Gerichtserwartung nennt auch Lähnemann, S.355, als einigendes Band zwischen Christentum und Judentum: ,,In beiden Religionen gibt es die Erwartung des Gerichts, in dem vor Gott über das menschliche Tun Rechenschaft abzulegen ist."

26 von 26 Seiten

Details

Titel
Jüdische, christliche und islamische Apokalyptik. Eine vergleichende Darstellung
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Veranstaltung
Angst vor dem Ende. Apokalyptische Strömungen an der Schwelle zum 2.Jahrtausend.
Note
1
Autor
Jahr
1999
Seiten
26
Katalognummer
V101947
Dateigröße
519 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Arbeit versucht, einen zusammenfassenden Überblick über die Hintergründe der christlichen Apokalyptik und Eschatologie zu geben.
Schlagworte
Jüdische, Apokalyptik, Eine, Darstellung, Angst, Ende, Apokalyptische, Strömungen, Schwelle, Jahrtausend
Arbeit zitieren
Knut Meinel (Autor), 1999, Jüdische, christliche und islamische Apokalyptik. Eine vergleichende Darstellung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/101947

Kommentare

  • Aymar Pirzada am 6.1.2003

    kein tiefes verständnis.

    ich möchte hier nur die abhandlung der punkte die den Islam betreffen ansprechen

    obwohl stellenweise gute zitate verwendet werden, finde ich du hättest dich tiefer mit der materie beschäftigen sollen, stellenweise sind aussagen einfach falsch
    oder bieten nur oberflächlich information

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Titel: Jüdische, christliche und islamische Apokalyptik. Eine vergleichende Darstellung



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