Die Organisation of Petroleum Exporting Countries (OPEC). Geschichte, Aufbau und Ziele


Facharbeit (Schule), 2001
22 Seiten

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Die OPEC

Organisation of Petroleum Exporting Countries

1 Daten und Fakten der OPEC

Die 1960 gegründete Organisation der Erdöl exportierenden Staaten mit Sitz in Wien besteht zur Zeit aus 11 Mitgliedsstaaten: Algerien, Gabun, Indonesien, Irak, Iran, Katar, Kuwait, Libyen, Nigeria, Saudi-Arabien, Venezuela sowie den Vereinigten Arabischen Emiraten1. Darüber hinaus ist die Organisation für jedes Land zugänglich, das eine wesentliche Netto- Ausfuhr an Öl aufweisen kann und das den Idealen der OPEC entspricht. Für jedes der Mitglieder gilt:
- Sie werden als Entwicklungsländer gesehen
- Sie besitzen weitreichende fossile Rohstoffreserven
- Der Netto-Erdölexport macht einen Großteil ihrer Gesamtausfuhren aus · Das Erdöl ist ihre Haupteinnahmequelle

,,Da die Staatseinnahmen aus dem Erdöl für diese Nationen von vitaler Bedeutung für das Wirtschaftswachstum sind, streben die Mitgliedsländer Stabilität und Harmonie auf dem Ölmarkt an. Zu diesem Zweck stimmen sie die Ölproduktion auf die jeweiligen Marktbedingungen ab um die Balance zwischen Angebot und Nachfrage aufrechtzuerhalten. Zumindest zweimal im Jahr tagen die Öl- und Energieminister der OPEC-Mitgliedsstaaten um über die Höhe des akkordierten Erdöloutputs der Organisation zu entscheiden. Außerdem beraten die jeweiligen Delegationen über eventuelle Anpassungen der Produktion an die jüngsten Entwicklungen am internationalen Ölmarkt."

Von den Ende 1999 bekannten Erdölreserven (1.042 Millionen Barrel) besitzen die OPECMitglieder 811 Mio. Barrel oder 77,8%. Gegenwärtig bewerkstelligen diese Staaten 40% des globalen Öloutputs, wobei zu beachten ist, dass die Organisation erstmals zu Beginn der 80er Jahre weniger als die Hälfte des am Markt vorhandenen Öls förderte.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: OPEC Annual Statistical Bulletin 1999

1.1 Die Bedeutung des Erdöls für die Welt(wirtschaft)

Die Palette der Produkte, die aus Rohöl hergestellt werden, ist lang. Bekannt sind viele Arten von Brennstoffen, wie etwa Benzin und Diesel, Naphtha, Kerosin etc. Dazu kommen Schmier- und Heizöle sowie Rohstoffe für die chemische Industrie (Medikamente, Kunststoffe, Chemikalien,...). Summa summarum kann davon ausgegangen werden, dass unser heutiger Lebensstandard ohne Erdöl und dessen Nebenprodukte unvorstellbar wäre.

Jedoch ist die Verwendung von Erdöl limitiert; nach OPEC-Schätzungen reichen die Reserven der Mitgliedsstaaten bei Beibehaltung des globalen Verbrauchs an Erölprodukten für mindestens 80 Jahren. Zusammen mit den nicht assoziierten Staaten ist das Ende der Ressource Erdöl innerhalb der nächsten 100 Jahre absehbar. Die Szenarien dazu divergieren allerdings, da manche Faktoren von den Instituten unterschiedlich bewertet werden. Auf jeden Fall bleibt das Öl auf absehbare Zeit eine der wichtigsten und dabei gleichzeitig kostengünstigsten Energiequellen.

Anteile an der Weltenergiegewinnung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: OWEM Scenarios Report, März 2000

1.2 Aufbau der OPEC

Die Konferenz der Ölminister ist das höchste Organ der OPEC und setzt sich aus den jeweiligen Ölministern der OPEC-Staaten zusammen. Die Konferenz, die zweimal im Jahr abgehalten wir, ist verantwortlich für die Festlegung und Formulierung der Politik. Jedes Vollmitglied besitzt eine Stimme bei der Konferenz. Die Resolutionen der Ölminister werden nach dem Prinzip der Einstimmigkeit verabschiedet und besitzen lediglich Empfehlungscharakter. Um Angelegenheiten, angefangen von der Umwelt bis hin zu Problemen des eingeschränkten Ölexportes, zu besprechen werden Gemeinschaftstreffen zwischen den OPEC und den IPEC-Staaten (Independent Petroleum Exporting Countries) organisiert.

Der Rat der Gouverneure besteht aus je einem Gouverneur pro Mitgliedsland und beschließt mit einfacher Mehrheit. Zu dessen Aufgabenbereich zählt unter anderem das Management der Angelegenheiten der Organisation, die Ausführung der Konferenzbeschlüsse, die Unterbreitung von Berichten und Empfehlungen an die Konferenz oder die Ausarbeitung der Budgets der OPEC.

Das Sekretariat der OPEC führt die Exekutivfunktion der Organisation unter der Leitung des Rates der Gouverneure aus. Weiters ist das Sekretariat für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig, es betreibt Forschungen und stellt statistisches Material her. Der Generalsekretär ist der höchste Beamte und der juristisch bevollmächtigte Repräsentant der Organisation.

Innerhalb des Sekretariats nimmt die Wirtschaftskommission eine wichtige Rolle ein. Sie befasst sich mit Fragen der Öl- und Energieindustrie, untersucht Entwicklungen der internationalen Wirtschafts- und Finanzlage und legt ihre Erkenntnisse über Preis- und Wirtschaftsfragen der Konferenz vor.

Der OPEC-Fond für Internationale Entwicklung wurde als Möglichkeit der finanziellen Zusammenarbeit zwischen den OPEC-Staaten und anderen Entwicklungsländern gegründet. Die Aufgabe des Fonds ist es den letztgenannten finanzielle Unterstützung zu gewähren, um sie in ihrer wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung zu fördern.

1.3 Die Ziele der OPEC

Die grundsätzlichen Prinzipien der OPEC sind:

- Koordination und Vereinheitlichung des Handels und der Politik der Mitgliedsländer in Sachen Erdöl

- Sicherstellung der Stabilität der Preise am internationalen Ölmarktes bei gleichzeitiger Verhinderung schädlicher und unnötiger Fluktuationen

- Aufsuchen eines Kompromisses zur Sicherung der individuellen und gemeinsamen Interessen

- Effiziente, regelmäßige und ökonomische Erdöllieferungen an die Endverbrauchernationen

- Gerechter Kapitalrückfluss an die Investoren der Erdölindustrie

Das Betreben der OPEC die Stabilität des Erdölmarktes zu garantieren soll imübrigen im Interesse von Produzenten - sowohl OPEC als auch IPEC - und Konsumentenländern geschehen.

Generell zeigen die Entwicklungen der Preispolitik der Organisation mehrere Ziele auf:

1. die weitgehende Nationalisierung der Erdölgesellschaften

2. die Steigerung der Erdöleinnahmen

3. die Regulierung der Produktion

4. die Wandlung des Erdölmarktes vom Käufer- zum Verkäufermarkt, und die

frappanten Preiserhöhungen seit der ersten sowie der zweiten Ölkrise als Ergebnis der

OPEC-Preispolitik

Außerdem hat sich die Organisation zum Ziel gesetzt, die Lücke zwischen armen und reichen Nationen zu schließen. In der sogenannten ,,Feierliche Deklaration" wurde festgesetzt, dass die OPEC in Kooperation mit Nicht-OPEC-Staaten die Gründung einer neuen internationalen und volkswirtschaftlichen Ordnung ermöglichen soll. Unbestritten ist jedenfalls, dass viele Entwicklungsländer die OPEC als einen Vorreiter für ihre Belange hält.

Die Organisation musste und muss sich noch immer mit dem Vorurteil konfrontieren lassen, dass sie als alleinige preisbestimmende Macht den internationalen Ölmarkt beliebig beherrschen kann. Aufgrund dessen startete die Organisation in den 80er Jahren PR-Projekte, um für die Interessen der erdölproduzierenden Staaten und die Stabilisierung des Ölpreises zu wehren.

Im Gegenzug begab man sich 1991 auch in Verhandlungen mit außerhalb der Organisation stehenden Produzenten, der Europäischen Union, der Internationalen Energie Agentur etc. Dabei stimmten alle Parteien überein, dass der Austausch von Energieinformationen, der Gebrauch und die Studie der Marktmechanismen, industrielle Kooperation, die Transparenz des Erdölmarktes und der Schutz der Umwelt primäre Ziele seien.

2 Geschichte der Organisation

Um die Überlegungen, die zur Gründung der OPEC führten, zu verstehen, muss man die Geschichte der Preisbildung und der Marktsituation vor deren Gründung kennen. Dadurch wird einem auch bewusst, dass die OPEC nicht das erste oder einzige Erdölkartell in der Geschichte dessen Förderung ist. Vor allem muss man bedenken, dass sich die Ölindustrie erst in den Nachkriegsjahren international in großem Umfang entwickelte.

,,Obwohl Erdöl als Ware hauptsächlich von privaten Gesellschaften angeboten wurde, stellte es die primäre und oft einzige Ressource in den Ländern dar, in denen es gefördert wurde, und die wichtigste Energieform in den Ölverbraucherstaaten. Somit befanden sich die privaten Unternehmen im Spannungsfeld staatlicher Interessen2"

Von Anfang an stand dabei der Ölpreis im Mittelpunkt der Überlegungen. Der Preis bestimmte das Ausmaß der Gewinne der Ölgesellschaften und, über den Umweg der Steuereinnahmen, das staatliche Einkommen der Förderländer.

2.1 Der status quo ante

Zu Beginn der Erschließung des Erdöls sprach man von ,,posted prices"(=Listenpreise). Dies waren die angeschlagenen Preise zu denen die jeweilige Gesellschaft bereit war, ihr Öl zu verkaufen. Dieser Preis sollte später ausschlaggebend für die Aufstellungen der Konzessionen der Länder an die Ölkonzerne und die auf dieser Basis berechneten Steuern sein. Der wahre Marktpreis konnte aber durchaus vomposted priceabweichen, im Endeffekt institutionalisierte sich der Listenpreis eher als Mindestverkaufspreis unter dem das Unternehmen keinen Nettogewinn machen konnte.

Vor der Gründung der OPEC war die Festsetzung des Ölpreises einzig die Angelegenheit der Ölkonzerne, was ihnen auch im Zuge der Konzessionsverträge rechtlich zuerkannt wurde. Die Preise waren weitgehend von den tatsächlichen Marktgegebenheiten isoliert und es herrschte ein regelrechter Preiskampf, bis im Jahre 1928 das Achnacarra-Abkommen zwischen den Granden der Ölindustrie für geregelte Verhältnisse sorgte und damit das Fundament für das später vorherrschende Kartell der ,,sieben Schwestern" lieferte.

Diese Deklaration prangerte den ruinösen Kampf um Marktanteile an und legte 7 grundlegend Richtlinien fest:

1. Die Ölgesellschaften sollten die gegenwärtigen Marktanteile akzeptieren

1. Die Zusammenarbeit (u.a. bei nicht ausgelasteten Förderanlagen) sollte forciert werden

2. Sofern keine Nachfrageerhöhung feststellbar ist, sollten keine Aufstockung der Anlagen erfolgen

3. Jedem Produktionsgebiet sollten die finanziellen Vorteile aufgrund seiner geographischen Lage zugestanden werden

4. Die Öllieferungen sollten aus dem nächstgelegenen Fördergebiet kommen

5. Ein Zuteilungssystem zwischen den Konzernen wurde installiert

6. Die Ölgesellschaften sollten kostenerhöhende Maßnahmen vermeiden Somit war die Basis für die spätere Politik der Ölgesellschaften gelegt und der Preiskampf Mitte der 30er Jahre erfolgreich eingedämmt worden. Darüber hinaus wurde das ,,US Gulf Plus System" eingeführt. Dieses besagte, dass der Ölpreis in jedem Verschiffungshafen der Welt derselbe sein sollte wie der der amerikanischen Häfen an der Golfküste. Der Endpreis dagegen schwankte je nach Entfernung des Bestimmungsortes vom Golf. Jedoch waren die Ölförderkosten z.B. der arabischen Ölfelder geringer als die der amerikanischen (geringeres Lohnniveau, günstige Vorkommen,...) und auch die Frachtkosten waren in Wahrheit geringer als fakturiert. Dies ließ den Ölgesellschaften bis zum Ende der Regelung eine gewaltige Gewinnspanne Als während des 2. Weltkrieges die britische Flotte ihre Öllieferungen nach Indien umdirigierte, sah sie sich plötzlich Phantom-Frachtkosten gegenübergestellt. Die darauffolgende Intervention führte zu einem Kompromiss zwischen London und den Ölgesellschaften, nämlich ein neues Verrechnungssystem - das ,,Dual Basing Points System". Demzufolge wurde der Persische Golf als zweiter gleichberechtigter f.o.b.- Berechnungspunkt3gesehen, was eine Verbesserung für den europäischen Verbraucher mit sich führte.

Während des Krieges blieben die Preise aufgrund von Absprachen unter den Gesellschaften oder aufgrund von Regierungsverordnungen konstant; erst nach Kriegsende schnellten die Rohölpreise, infolge der gestiegenen Nachfrage in den USA und Europa sowie durch Lockerungen der amerikanischen Preiskontrolle in die Höhe. In der Folge vergrößerte sich die Differenz zwischen den f.o.b.-Preisen am Golf von Mexiko und den am Persischen Golf dramatisch, sodass sich der ursprünglicheequalization pointvon Southampton gen New York verschob.

2.2 Die ersten Jahre der OPEC

Am 14. September 1960 führte eine Versammlung von Regierungsvertretern in Bagdad zur Gründung der OPEC. Die Repräsentanten von Iran, Irak, Kuwait, Saudi-Arabien und Venezuela setzten diesen Schritt aus Protest gegen die Dominanz der wichtigsten internationalen Ölfirmen, den sogenannten ,,sieben Schwestern" (Exxon, Texaco, Royal Dutch/Shell, Mobil, Gulf, British Petroleum und Standard Oil).

In der ersten Resolution der OPEC heißt es:
- Die Mitgliedsländer werden nicht tatenlos zusehen, wie die Erdölgesellschaften die Preise einseitig festsetzen
- Sie fordern die Erdölgesellschaften auf die Preise aufrechtzuerhalten und sie vor Fluktuationen zu schützen
- Sie werden alles in ihrer Macht stehende unternehmen um das Preisniveau wieder auf den Stand vor dem Verfall zu bringen
- Sie verlangen Konsultationen der Gesellschaften, sollten die Marktbedingungen eine neue Preissetzung erfordern Darauf folgte die Ausarbeitung eines Produktionsplanes zum Abbau von Angebots

Überschüssen und den damit verbundenen Preissenkungen. Ferner befürchteten die Länder, die Gesellschaften könnten die Fördermengen der einzelnen Staaten bestimmen. Dazu kam Erwartung einer verstärkten Verhandlungsposition gegenüber den Konzernen, die Hoffnung auf eine Erweiterung des Marktes für die nationalen Ölgesellschaften und die Möglichkeit einer Basis zur Koordinierung der Ölpolitik der Mitgliedsländer.

Um den niedrigen Preisen Einhalt zu gebieten und gleichzeitig ein Ansteigen der

Förderkapazitäten ihrer eigenen Fördermengen zu verhindern, ergriff die OPEC folgende 3 Maßnahmen:
- Veränderung der Art der Steuererhebungen von den Ölfirmen · Kontrolle der Ölförderung
- Verstaatlichung des Öls

Dadurch kam es langsam zur Übergabe von erdölhältigem Terrain der Firmen an den Staat. Außerdem konnte die Veränderung der Art der Steuererhebung dem Einkommensverlust der Erdöl fördernden Länder Einhalt gebieten. Der damalige größte Produzent des Verbundes, Venezuela, bestand zusätzlich noch auf eine gemeinsame Förderbeschränkung, die die Nationen des Nahen Ostens nicht akzeptierten. Die größte Forderung aber war eine Veränderung der Verrechnung des Förderzinses (Royalty4), der die Haupteinnahmequelle der Förderländer ausmachte.

2.3 Die OPEC auf dem Höhepunkt ihrer Macht

Nach der libyschen Revolution 1969 übernahm Tripolis die Führung der OPEC und setzte sich vehement für eine Erhöhung der Listenpreise ein. Libyen forderte nicht nur eine sofortige Anhebung des Ölpreises, sondern auch rückwirkende Zahlungen der Ölfirmen. Der Erfolg Gaddhafis veranlasste die anderen Mitglieder ihrerseits vehementer gegenüber den Gesellschaften aufzutreten und sie beschlossen gemeinsam Druck auf die Ölfirmen auszuüben.

Durch weitere Verhandlungserfolge in Tripolis und Teheran waren die Ölpreises der Konzerne zum ersten Mal in Übereinkunft erhöht worden. Dies bedeutete eine Abkehr von der bis dahin vertretenen Ansicht, dass Preisfestsetzungen einzig die Sache der Ölfirmen wären. Noch bedeutender für den Fortgang der Geschichte waren die Veränderungen der Eigentumsrechte innerhalb der OPEC-Länder. Waren die Regierungen zuvor lediglich stille Partner der Konzerne, so veränderten sich, im Fahrwasser der Verstaatlichung der irakischen Ölgesellschaft, die Verhältnisse und Strukturen zugunsten der Regierungen.

Die OPEC hatte plötzlich, aufgrund der gesteigerten Nachfrage nach Öl und aufgrund der Tatsache, dass alternative Energiequellen nicht auf die erwartete Resonanz gestoßen waren, Rückenwind. Dazu kamen andere politische und wirtschaftliche Faktoren, die die Organisation zum Fundament für eine aggressivere Erdölpolitik nahm5. Der neue Reichtum der Mitgliedsstaaten verhalf ihnen auch zu politischer Macht und ließ jedes einzelne Ölland sein eigenes Programm zur Verbesserung des Lebensstandards entwickeln. Außerdem erkannten die Verbraucherländer ultimativ ihre Abhängigkeit von den Staaten des Kartells.

Der Erdölschock des Jahres 1973 beunruhigte die großen Industriestaaten sehr und so unterzeichneten die OECD-Länder 1974 ein internationales Energieprogramm und gründeten die Internationale Energieagentur (IEA). Deren Ziel war und ist die rationelle Nutzung der Energieressourcen und die Verminderung der Interdependenz vom Erdöl, sowie die Erarbeitung von Programmen zur Energieeinsparung und zur Entwicklung von alternativen Energiequellen.

Als jedoch vor allem die bevölkerungsreichsten OPEC-Länder gegen Ende der 70er Jahre feststellen mussten, dass ihnen nicht mehr genügend Mittel zur Weiterfinanzierung ihrer Aufbauprogramme zur Verfügung stehen wird, war dies der erste Hinweis auf einen zweiten Erdölschock. Die Preise waren zwar seit 1973 leicht angestiegen, wurden aber durch die großen Inflationsraten wieder zunichte gemacht. Die zweite Erdölkrise 1979/80 war wieder einmal von der Intention der assoziierten Staaten, ihr Erdöl als Waffe gegen die Aggressoren allerdings waren diesmal die Auswirkungen durch die Arbeit der IEA nicht annähernd so dramatisch, wie noch 6 Jahre davor.

2.4 Der Verfall der Macht

Durch die Rezession nach der zweiten Erdölkrise wurden die teilweise immensen Mehreinnahmen der OPEC-Staaten wieder aufgefressen. Symptomatisch für den daraus resultierenden Verlust an Wettbewerbsfähigkeit war die Tatsache, dass die Organisation Mitte 1982 erstmals ihre Stellung als größter Produzent außerhalb des Ostblocks verlor. Ferner trübte der damals akute Golfkrieg zwischen dem Irak und dem Iran das Klima in der Konferenz schwer. Ende 1982 schließlich versuchten die einzelnen Länder ihre Marktanteile wiederum zu vergrößern, indem sie höhere Preisnachlässe gewährten und dadurch die Preise am Spotmarkt6sanken.

Nachdem die Nicht-OPEC-Staaten ihrerseits aber ihren Marktanteil bei gleichbleibender Nachfrage stetig ausweiteten, kam es zu einem enormen Überangebot. Als Saudi-Arabien die Rolle des Swing-Producers, ergo des Ausgleichsproduzenten, aufgab, eskalierte die Situation und kulminierte in einem mächtigen Preisverfall an den Rohstoff- bzw. Erdölmärkten im Jahr 1986. Zu diesem Zeitpunkt war der OPEC bewusst geworden, dass ihre Rückgewinnungstaktik gescheitert war; der Ölpreis stagnierte schließlich auf dem niedrigsten Niveau seit Anfang der 70er Jahre.

Schließlich einigte man sich wieder auf die Politik eines festen Richtpreises und einer festgesetzten Förderquote. Trotz der regelmäßigen Überschreitungen einzelner Mitgliedsländer konnte der Richtpreis mehr oder weniger gehalten werden. Stärkere Schwankungen quittiert der Markt sowieso mit einem Ausweichen auf den Spotmarkt, was den Einfluss der Organisation weiter unterminiert. Die regelmäßigen Fluktuationen am Ölmarkt, die Aufgeregt- und Unkoordiniertheiten innerhalb der OPEC und die stärkere Einbindung etwa Mexikos und Norwegens in die innergemeinschaftliche Strategie zeigen deutlich, dass die Organisation keineswegs mehr die Macht eines Kartells hat.

3 Modelle und Überlegungen zur Bildung des Ölpreises

Voraussagen über Marktmechanismen sind generell schwierig bis unmöglich, da oft auch nicht rationelle Gesichtspunkte Einfluss auf das Geschehen haben können. Im Folgenden wird trotzdem versucht gewisse grundlegende Faktoren, die auf den Ölpreis einwirken, darzustellen. Einige Überlegungen der OPEC-Staaten, die für das gegenwärtige Ölangebot bestimmen sind:

1. Die Ölvorräte

2. Die größtmögliche Wertsteigerung der verschiedenen Jahre

3. Die Sicherstellung der Vermögensquellen zur wirtschaftlichen Entwicklung

4. Die Sicherung der Devisen für die täglichen Ausgaben

5. Das Zufriedenstellen der Industrieländer

6. Die Tadelung der Nicht-OPEC-Förderländer

7. Einige OPEC-Länder unter Druck setzen

Neben diesen OPEC internen Entscheidungsgründen, die das Erdölangebot am internationalen Markt bestimmen, kommt auch noch die Rolle der IPEC-Staaten hinzu. Diese verfügen über genügend Kapazitäten um das Menge des zur Verfügung stehenden Öls zu verändern. Die unabhängigen Staaten, unter ihnen die ehemalige Sowjetunion, China, Norwegen, Mexiko oder Großbritannien, versuchen tendenziell den Output zu maximieren, da sie auch nicht über die notwendigen Erdölreserven verfügen, um längerfristig zu wirtschaften.

Zur Steigerung der Förderung dienen die Inbetriebnahme neuer Kapazitäten, Förderausweitungen, höhere Ernten aufgrund von Rationalisierungen. Auf das Angebot haben außerdem mangelnde Elastizität bei Preisschwankungen eine große Wirkung. Kann das Land aus verschiedensten Gründen ihren Ausstoß nicht verringern bzw. vergrößern, wird die Balance am Markt gestört. Von besonderer Bedeutung ist z.B. ein eventueller Devisenmangel der Anbieterländer mit weicher Währung, der aus volkswirtschaftlichen Überlegungen heraus eine Verminderung des Outputs verhindert; oder aber der Produzent ist von den natürlichen Bedingungen, den Förderbedingungen abhängig.

Auf der anderen Seite wird die Nachfrage von der Konjunktur bzw. von der Rezession des betreffenden Abnehmerlandes bestimmt. Wie auch das Angebot, ist der Bedarf von politischen Ereignissen abhängig (etwa während der Golfkriege). Ebenso kann auch Devisenmangel in den Verbraucherländern mit weicher Währung zu Nachfragereduktionen führen. Ferner kann durch Einführung neuer Techniken, etwa Energiesparprogrammen, neue Motoren u. ä. die Nachfrage abnehmen. Um Preisentwicklungen abzudämpfen, bzw. Engpässe zu vermeiden. Wird - auf beiden Seiten - Vorratshaltung betrieben. Zum Schluss bleiben Naturkatastrophen, Witterungsbedingungen, Streiks u. a., die auch Wirkung auf die Nachfrage zeigen können.

Allerdings hat ein steigender Ölpreis nicht sofort Einfluss auf die Nachfrage der Konsumenten, längerfristig aber wird ein hoher Erdölpreis zu einer Veränderung, sei es durch Energiesparen, Erschließung von bis dato unrentablen Lagerstätten oder Ausweichen auf alternative Energieträger kommen. Bezüglich der IPEC-Nationen kann man also sagen, dass eine Preissteigerung sich für mindestens drei weitere Jahre auf eine gesteigerte Produktion auswirkt. Daraus folgt, dass sich der ,,erwartete Preis" auf der Basis des jetzigen Preises und des Preises der letzten drei Jahre ergibt.

Von besonderer Wichtigkeit sind also politische Kalkulationen, weil es sich beim Erdöl um eine strategische Ware handelt. Aus der Betrachtung des innenpolitischen Klimas und der außenpolitischen Verflechtungen der Produzentenländer kann man etwaige Preisveränderungen schon im Voraus erkennen. Grundsätzlich bestimmt das Erdöl die wirtschaftliche Potenz der OPEC-Mitglieder, da z.B. Erdöl bis zu 90% der Exporte ausmachen kann. Die Wirtschaftskraft, die die Voraussetzung für politische Stabilität ist, setzt sich aus drei Faktoren zusammen:

1. die vorhandenen Technologien

2. der Marktanteil

3. die Rohstoffreserven

Da also die Mehrung des Wohlstandes und die Verbesserung der wirtschaftlichen Situation Grundintentionen der OPEC-Staaten sind, ist es logisch, dass sie die Ressource Erdöl zum sofortigen Aufbau des Landes Verwenden. Sie können dabei nicht, aufgrund des großen Bevölkerungs-wachstums, der rasch steigenden Preisen der Importartikel oder des immer größer werdenden Abstandes zwischen den Industrieländern und den Ländern der Dritten Welt, das Öl als ruhende Reserve betrachten. Um aber ihre Abhängigkeit von diesem Rohstoff zu vermindern, bedienen sie sich des Erdöls um eine Alternativwirtschaft, unabhängig vom Rohstoffmarkt aufzubauen.

NachRicardos Rententheoriewird der Preis durch die zunehmende Verknappung beeinflusst. Laut ihm werden die profitabelsten Felder zuerst ausgebeutet, wodurch der Preis stetig steigen wird müssen. Dieser These gegenüber steht allerdings die Tatsache, dass hohe Förderkosten aufgrund von politischen oder strategischen Kalkülen in Kauf genommen werden und die Ausbeutung teurer Lagerstätten forciert wird (siehe Alaskaöl).

Das Marktmodell der OPEC geht hingegen davon aus, dass es einen gewissen Preiszyklus am Ölmarkt gibt. Als wesentliche Einflussfaktoren gilt hier zwar auch die absehbare Angebotsverknappung, jedoch schließt diese Überlegung auch die Veränderung des früher oligopolistischen Marktstruktur (zuerst Dominanz der sieben Schwestern, dann das OPEC- Kartell in den 70er Jahren), dabei insbesondere die Ausbildung der Spotmärkte mit ein. Vor allem wenn sich der Ölmarkt wieder zu einem Käufermarkt entwickelt, weichen die

Konsumenten eher auf New York oder Rotterdam aus, als die unflexibleren Verträge mit den

Lieferländern weiter aufrechtzuerhalten.

Angebotsverknappung

(Oktober 1973)

Preisanstieg

(Dezember 1973)

Bedarfsrückgang durch Beschränkung des Ölverbrauches (1974-1977)

Stimulierung des Ölbedarfs (1978)

Verknappung (Beginn 1979)

Beginn eines neuen Preiszyklus

Beispiel eines Zyklus, Quelle: Abdolreza Rahbari, Wien 1997

Ohne Zweifel kann die OPEC nicht mehr als alleinige preisbestimmende Macht gesehen werden, da die starke Konkurrenz der IPEC, aber auch die Uneinigkeiten innerhalb der Organisation, sowie der hohe Autonomiegrad der Mitgliedsländer einen akkordierten Alleingang samt endgültiger Preissetzung verhindert. Als Konsument darf man aber nicht außer Acht lassen, dass der Marktpreis pro Barrel nur einen Bruchteil des Endverbraucherpreises ausmacht. In der EU machen etwa alle Arten von Steuern 68% des tatsächlich an der Tankstelle bezahlten Preises aus, je 16% erhalten die Raffinerie bzw. der Verkäufer und der Ölexporteur.

,,Das Ergebnis der effektiven Faktoren bei der Nachfrage und dem Angebot der OPECLänder und Nicht OPEC-Länder ergeben den gemäßigten Ölpreis."

4 Die Preispolitik der OPEC

4.1 Das Machtgefüge innerhalb der Organisation

Die Rolle des Führers innerhalb der Position wechselte seit Gründung der OPEC mehrmals; war es zu Beginn Venezuela, das den Vorsitz übernahm, so ist es jetzt Saudi Arabien, das nebenbei auch der größte Produzent der Welt ist. Allerdings zieht sich durch die OPEC ein Graben zwischen den Gemäßigten mit Saudi-Arabien an der Spitze und den Radikalen unter Regie Teherans. Beide Lager haben andere Ausgangsbedingungen punkto Erdölförderung und verfolgen daher unterschiedliche Ziele, was sowohl eine gemeinsame Politik verhindert aber auch Abweichungen vom Konsens zur folge hat. Dazu kommt auch noch der ewige Kampf mit den Gesellschaften und den nationalen Interessenvertretern die noch niedrigere Preise fordern.

Das herrschende Überangebot einiger OPEC-Länder basiert darauf, dass sie auf andere Länder Druck ausüben wollen und im Interesse der Industriestaaten versuchen den Ölpreis niedrig zu halten. Allen voran Riad, das etwa 1990 durch drastische Erhöhung der Förderquoten, den Ausfall Kuwaits und des Iraks kompensieren konnte. Außerdem kann Saudi-Arabien aufgrund seiner hohen Flexibilität, seine hohe Produktionskraft als wichtigstes Mittel zur Preiskontrolle einsetzen. Diesem Lager, das aus langfristigem Nutzen heraus einen niedrigen Ölpreis zu halten trachtet, gehören auch Kuwait, die Vereinigten Arabischen Emirate und Katar an.

Auf der anderen Seite steht der Iran samt Gesinnungsgenossen, die einen höheren Preis fordern. Dies geschieht zum Großteil aus geopolitischen Überlegungen heraus, und während die Verbündeten der Industriestaaten bei Anzeichen einer Teuerung ihre Produktionskapazitäten erhöhen, können diese Staaten im Extremfall ihr Erdöl als taktische Waffe benutzen. Allerdings muss dazu gesagt werden, dass diese Länder auch eine relativ große Bevölkerung, d.h. eine große Absorptionsfähigkeit und einen gesteigerten Devisenbedarf haben. Die Geschichte der Organisation zeigt, dass meist, vor allem in letzter Zeit, ein Kompromiss gegangen wird, einzelne Länder aber durchaus ausscheren können (vgl. Iraks Weigerung nach 1986 als einziger Staat der OPEC die Produktion nicht zu drosseln). Die Konkurrenz zwischen den Erdölländern der OPEC betreffend der Rohölpreise hat verschieden Formen angenommen. So bieten einzelne Mitglieder den Käufern verschieden Anreize um ihre Marktanteile zu erhöhen:
- Langfristige Kredite für den Kunden
- Netback Preissetzungen7
- Unseriöse Geschäfte unter der Hand
- Verkauf von Rohöl basierend auf der Übernahme der Frachtkosten durch den Verkäufer

Anhand der signifikanten Jahre 1973, 1978 und 1986 soll ein kurzer Überblick über Aktion und Reaktion der Produzenten und Konsumenten aufgezeigt werden um somit gewisse typische Entwicklungen und Szenarien aufzuzeigen:

4.2 Die erste Ölkrise 1973

Voraussetzungen für die Kostenexplosion für Erdöl waren folgende:

- Der Erdölbedarf nahm stetig zu, andere Energiequellen waren nicht so recht angelaufen (Kohle, Kernenergie,...), eine Verknappung des Erdöls war die Folge
- Der Ölmarkt wandelte sich von einem Käufer- zu einem Verkäufermarkt
- Der rasant steigende Verbrauch der Vereinigten Staaten und die daraus resultierende Aufhebung der Importbeschränkungen in die USA
- Die Käufer mussten durch das Prinzip der Partizipation ihre Verträge mit den Regierungen der Förderländer abschließen
- Das Sinken des Dollarkurses ließ die OPEC-Staaten die Kompromissvereinbarungen von Teheran frühzeitig aufheben

Im Laufe des Jahres 1973 kam es zu einer allmählichen Divergenz zwischen den für Steuerzwecke verwendeten posted price und den tatsächlich am Markt herrschenden Preisen. Zusammen mit den hohen Inflationsraten der Industriestaaten war dies Grund genug die Abkommen von Tripolis und Teheran neu zu verhandeln. Auf der OPEC-Konferenz im Juni 1973 erklärten die OPEC-Staaten, dass solange sie keine substantiellen Verbesserungen ihres realen Austauschverhältnisses erlangen könnten, könnten sie den Ölimportländern auch nicht den Zugang zu den Ölquellen der Organisation garantieren.

Der Ausbruch des Jom-Kippur-Krieges zwei Tage vor der nächsten Konferenz gab den Forderungen der OPEC nun auch eine politische Perspektive. Während der Oktoberkonferenz machten die Golfanrainerstaaten klar, dass sie im Falle einer Nichteinigung mit den Ölkonzernen im Alleingang Preiserhöhungen durchführen würden. So kam es auch, und am 16. Oktober verkündeten die Ölminister der arabischen Golfanrainerstaaten eine einseitige Erhöhung des Listenpreises um 70%.

Schließlich einigten sich die Minister, zusammen mit Syrien, Ägypten und dem Bahrain, ihr Öl als Druckmittel zur Unterstützung der arabischen Kriegs-teilnehmer zu benutzen und kündigten bis zum Abzug Israels aus den besetzten Gebieten eine Reihe von Produktionskürzungen an. Darüber hinaus selektierte man die Ölverbraucherländer in freundlich gesinnte Nationen (England, Frankreich, Ostblockstaaten,...) die weiterhin Anspruch auf die Mengen Erdöl hatten, die sie vor dem Krieg bezogen hatten. Die neutralen Staaten wurden zwar auch weiterhin mit Öl versorgt, allerdings erst nachdem die bevorzugten Staaten ihre Lieferungen erhalten hatten. Zuletzt kamen die feindlich gesinnten Staaten (die USA, Holland, Südafrika,...) denen ein vollständiges Embargo auferlegt wurde.

Da der Großteil der Ölmultis US-Konzerne waren, wurde die Produktion innerhalb weniger Wochen um 30% gesenkt. Washington erhoffte sich einerseits dadurch eine Schwächung der Bündnispartner, die sie zu ihrem Vorteil ummünzen konnte, andererseits verhießen Preiserhöhungen größere Profite für die US-Unternehmen und daher höhere Steuerleistungen eben dieser. 1974 war es noch einmal Saudi Arabien, dass den Steuersatz zu seinen Gunsten änderte und somit für einen neuerlichen Anstieg des Ölpreises verantwortlich war. Im selben Jahr jedoch wurde der arabische Boykott eingestellt und auch die Produktionskürzungen sukzessive rückgängig gemacht.

4.3 Die zweite Ölkrise

Nach den starken Preissteigerungen 1973/74 lagen die Preissteigerungen unter den Inflationsraten. Da das Öl aber ein Produkt ist, dessen Nachfrage Preis-unelastisch ist, wirkte sich die Vervierfachung des Preises erst längerfristig aus. So antworteten die Industrienationen mit der Gründung der IEA, die sie zu neuen energiesparenden Technologien und zur Erschließung neuer Technologien zwang. Außerdem begannen nun auch Nicht- OPEC-Staaten mit der Erschließung vormals unrentabler Erdölvorkommen. Da sich die Abläufe zwischen Erforschung und Produktion über einen längeren Zeitrahmen erstreckten hatte die Reaktion dieser Nationen keine kurzfristigen Auswirkungen auf den hohen Ölpreis. Die Ausgangssituation ähnelte in gewissen Belangen der von 1973:

- Der politische Aufruhr im Iran sorgte dafür, dass die Spotmarktpreise stiegen · Der Dollar verlor innerhalb von 18 Monaten 17% an Wert
- Die meisten OPEC-Staaten wiesen ein Handelsbilanzdefizit auf
- Das Camp David Agreement zwischen Ägypten und Israel fand keine Zustimmung in Riad

Um die durch diese Faktoren erlittenen Verluste wieder wettzumachen, beschloss die OPEC bis Oktober 1978 eine Anpassung der Preise. Doch die Spotpreise im Februar lagen im Februar 1979 bereits 4$ über dem offiziellen Niveau. Man versuchte daher immer wieder den Listenpreis anzupassen, schließlich einigte man sich im Juni 1980 auf einen Höchstpreis von 32$/Barrel, da manche Länder eine Schwächung infolge gesonderter Preissetzung der OPEC befürchteten.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Veränderung des Rohölpreises für das Referenzöl Arabian Light, Quelle: Abdolreza Rahbari, Wien 1997

Trotz der zum Teil beachtlichen Erfolge der IEA waren die Auswirkungen des zweiten

Erdölschocks wieder enorm. Die Wirtschaftstätigkeit der OECD-Volkswirtschaften 1980/81 kann etwa zu einem großen Teil direkt oder indirekt aus dem außergewöhnli-chen Preisanstieg abgeleitet werden. Ferner kam zum Wachstumsverlust auch noch ein Rückgang des Ölverbrauchs etwa in den Marktwirtschaften um 12,8% zurück. Reaktionen der Konsumenten, technische Erfolge, größere als erwartete Konservierungserfolge und zuletzt die Rezession führten zu diesem Nachfrageeinbruch.

Durch die weltweite Rezession nach 1979 sank der Ölbedarf stark ab, was die OPEC durch den Produktionszuwachs außerhalb der Organisation noch härter traf. Die Mitglieder mussten einen dramatischen Exportrückgang verkraften und die Wettbewerbsfähigkeit des OPEC-Öls

begann weiter zu sinken. Somit hatte die OPEC im ersten Quartal 1982 erstmals ihre Stellung als größter Produzent außerhalb des Ostblocks verloren.

4.4 1986 - das Jahr des Preiseinbruches

Die Gründe für die außerordentliche Talfahrt des Ölpreises bis 1986 waren:

- der Golfkrieg zwischen dem Irak und dem Iran belasteten das Klima in den Konferenzen schwer und verhinderte durchschlagende Einigungen
- die anderen Länder versuchten die brach liegenden Marktanteile der beiden Nationen einzunehmen
- die OPEC wollte auch generell im Vorfeld verloren gegangene Marktanteile durch immer höhere Preisnachlässe zurückerobern
- die Verbraucherstaaten zeigten Sparwillen und die forcierte Substitution des Erdöls zeigte Wirkung auf die weltweite Nachfrage

Die OPEC versuchte zunächst die Nachfrage durch Preissenkungen der wichtigsten Referenzsorten zu stimulieren. Allerdings bewies der Markt wieder einmal, dass er Preis unelastisch ist und reagierte kaum. Da allerdings die IPEC-Staaten ihrerseits keine Produktionsverminderung durchführten verlegte sich das Erdölgeschäft aufgrund des Überangebots von den vorherrschenden langfristigen Verträgen auf den flexibleren Spot- Markt.

Daraufhin erkannten die Ölminister des Kartells, dass sie den Preis nur mehr noch über die Fördermenge bestimmen konnten. Sie beschlossen also im März 1983 die Einführung eines Quotensystems, wobei Saudi Arabien als einziges Land keine fixe Quote zugewiesen bekam, sondern fortan als Swing-Producer fungierte. Obwohl die Konferenz in London erstmals eine Senkung des Preises für das Referenzöl Arabian Light hervorbrachte, nahm die Nachfrage in den folgenden zweieinhalb Jahren noch stärker als erwartet ab. Der innenpolitische Druck auf Riad, dass nur mehr noch weniger als 1/5 seiner Kapazitäten ausnutzen durfte nahm ständig zu und ließ die Saudis nach einem Ausweg suchen.

Zuerst versuchten sie durch das Angebot von Netback-Verträgen ihren Marktanteil wiederzugewinnen. Da die anderen Staaten aber schnell die saudi-arabische Strategie abkupferten, konnte Riad seine finanzielle Lage nicht verbessern und beschloss die Rolle als Swing-Producers aufzugeben und von diesem Zeitpunkt an für die Ausweitung seines Marktanteils zu kämpfen. Fortan wurde also OPEC-intern der stabile Ölpreis als sekundär angesehen und der Markt mit einem neuen Überangebot an Öl überschwemmt. Die Märkte kamen unter Druck und reagierten unheimlich drastisch.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Spotpreise für das OPEC-Referenzöl des Jahres 1986, Quelle: Abdolreza Rahbari, Wien 1997

Einer der Hauptgründe für diesen Verfall war, dass die OPEC die bisher üblichen, abgestimmten Förderobergrenzen und fixe offizielle Verkaufspreise aufgegeben hatte. Nach dem Beschluss der Augustkonferenz die Fördermengen neu zu vereinbaren, spätestens aber im Dezember 1986, als die Teilnehmer wieder zum System der offiziellen Verkaufspreise zurückkehrten, stieg und festigte sich der Preis wieder. In der Zeit danach konnten auch die unabhängigen Förderländer dazu bewegt werden ihre Outputs zu drosseln.

Die OPEC versichert aber, dass es nie wieder zu einer ähnlichen Krise wie 1973 oder 1979 kommen wird. In einem offiziellen Statement heißt es:

,,Die Ölkrise der 1970er Jahre war eine komplexe Angelegenheit, die spezielle Begebungen dieser Zeit widerspiegelte. Eine Wiederholung dieses Szenarios ist unwahrscheinlich. In der Tat haben wir alle sehr viel aus dieser Erfahrung gelernt. Wir wissen nun, dass sowohl eine Über- als auch eine Unterbewertung des Ölpreises, sowohl für die Konsumenten als auch für die Produzenten auf kurzfristig und langfristig schädlich ist."

Als Beispiel für eine moderate Ölpolitik kann der Golfkrieg von 1990 hergezogen werden. Trotz der Lieferengpässe ob der Involvierung Kuwaits und des Iraks, einigte sich die Organisation unter Führung Saudi-Arabiens auf eine Erhöhung der Förderquoten um den Trend eines übermäßigen Ansteigens des Rohölpreises entgegenzuwirken.

5 Die Auswirkungen des Ölpreises

5.1 Was verursacht einen niedrigen Ölpreis?

Grundsätzlich hängt ein niedriger Ölpreis mit einem Überangebot an Öl im Vergleich zu einer geringen Nachfrage zusammen. Für die OPEC, die sich als Stabilitätsgaranten sieht ist die Produktion der IPEC-Länder von eminenter Bedeutung. Da diese Länder eher dazu tendieren zu viel Öl zu fördern, kommen die Mitgliedsstaaten oft in die Bredouille zwischen wirtschaftlichen Eigeninteressen und der, global gesehenen, ökonomischen Verantwortung.

Aus diesem Zwecke wird auch die Kooperation zwischen unabhängigen und assoziierten Förderländern verstärkt um Entwicklungen auf dem Ölmarkt besser begegnen zu können. Prinzipiell verlieren bei einem Preisverfall zuerst die Produzenten und die Händler, mittelfristig könnten aber die Konsumenten auch darunter leiden, als ein niedriger Preis Investoren davon abschreckt in die Ölindustrie anzulegen.

5.2 Was verursacht einen hohen Ölpreis?

Ebenso entscheidend für ein Steigen des Preises ist die Balance zwischen Angebot und Nachfrage. Neben dem Endkonsumenten, wie etwa der Autofahrer, kann sich ein höherer Preis auch auf die Besteuerung von Erdölprodukten in den einzelnen Verbraucherländern auswirken. Der Rohölpreis reagiert kurzfristig auf die Marktsituation, längerfristig aber wird er auch von der Investitionsrate beeinflusst. Wenn nicht früh genug und vorausschauend, investiert wird, können die Lieferungen zurückgehen und so zu Preiserhöhungen führen.

Ebenfalls von Bedeutung ist eine Art von ,,Vorahnung". Sobald die Händler des Ölmarktes etwa einen Mangel befürchten gehen die Preise schon vor dem tatsächlichen Engpass in die Höhe. Bedeutend sind auch Umstände wie Unfälle, schlechtes Wetter - das entweder den Bedarf steigert, oder den Transport behindert -, Streiks oder Unterbrechungen der Produktion z.B. durch Kriege oder Naturkatastrophen. Eine Veränderung in der Besteuerung von Erdölprodukten hat natürlich gleichfalls Einfluss auf den Endverbraucherpreis.

5.3 Die Auswirkungen des Ölpreises/der OPEC

Nachdem Erdölprodukte aus unserem täglichen Leben nicht mehr wegzudenken sind, hat jede Fluktuation direkte oder indirekte Folgen für uns selbst. Der Transportpreis, die Kosten für Waren und Dienstleistungen, die Verfügbarkeit vieler Erzeugnisse, wie etwa im Bereich der Nahrungsmittel oder des Wohnbaus, absorbieren Veränderungen des Ölpreises. Eine Erhöhung hätte außerdem eine Intensivierung der Suche und eine Zunahme des Einsatzes von alternativen Energieformen zur Folge, da diese dann wettbewerbsfähiger sind. Auf der anderen Seite würde ein zu geringer Ölpreis die Bevölkerung in den Industriestaaten dazu animieren mit dieser nicht erneuerbaren Energiequelle nicht sorgsam genug umzugehen. Die Investitionen in die Ölindustrie gingen zurück und Entwicklungsländer mit Förderungsaktivitäten und Exportüber-schüssen würden besonders leiden. Das Angebot würde aus ökonomischen Überlegungen heraus zurückgehen und schließlich könnte sich aus all diesen Umständen ein neuer Erdölschock entwickeln was wiederum die Inflationsraten in die Höhe treibt.

Die OPEC ist sich ihrer Macht gegenüber den Importländern bewusst, bestimmt sie doch den Preis für eines der wichtigsten Produkte überhaupt. Diese Kosten entscheiden zum Teil auch über Konjunktur und Rezession mancher Staaten. Die Organisation beruft sich jedoch auf ihre Statuten, die einen ausgeglichenen und vertretbaren Erdölpreis zusammen mit garantierten Lieferungen vorsieht. Die Kompetenz und Zuständigkeit der OPEC ist aber begrenzt und hört bei der nationalen Besteuerung oder bei erdölspezifischen Umständen außerhalb der Organisation auf.

Die OPEC ist längst kein alleinig preisbestimmendes Kartell. Sie trägt aber trotz allem immer noch eine gehörige Verantwortung gegenüber der Weltkonjunktur.

[...]


1 Ecuador schied 1992, Gabun 1996 aus der Organisation aus.

2 Pschernig Michaela, ,,Der Rohölpreis", Wien 1991

3 f.o.b.: free on board

4 Royalty: Abgabe, die eine ausländische Erdölgesellschaft dem Land zahlt, in dem das Erdöl gewonnen wird

5 Auf die erste und zweite ,,Erdölkrise" sowie auf das Schicksalsjahr 1986 wird später genauer eingegangen.

6 Sp tmarkt [engl.], Handelsplatz, an dem nicht vertraglich gebundene Mengen von Rohöl oder Mineralölprodukten an den Meistbietenden verkauft werden; bekannte S. sind u. a. New York und Rotterdam.

7 Netback-Verträge: die Rohölpreise werden vom Preis der erzeugten Produkte abzüglich der Kosten für Transport und Verarbeitung berechnet.

22 von 22 Seiten

Details

Titel
Die Organisation of Petroleum Exporting Countries (OPEC). Geschichte, Aufbau und Ziele
Autor
Jahr
2001
Seiten
22
Katalognummer
V101954
Dateigröße
517 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
OPEC Ölpreis Ölkrise Erdöl Kartell
Arbeit zitieren
Johannes Naimer (Autor), 2001, Die Organisation of Petroleum Exporting Countries (OPEC). Geschichte, Aufbau und Ziele, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/101954

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