Analyse verschiedener Formen von Abkürzungen und Kurzwörtern in WhatsApp-Nachrichten und ihre Funktion


Hausarbeit, 2021

16 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1 Einleitung

2 Merkmale von WhatsApp-Kommunikation
2.1 Konzeptionelle Mündlichkeit

3 Kurzwörter und Abkürzungen in WhatsApp-Nachrichten
3.1 Syntaktische Ebene
3.2 Lexikalische Ebene
3.3 Pragmatische Ebene

4 Zusammenfassung der Funktionen von Kurzwörtern und Abkürzungen

6 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Die digitale Kommunikation ist aus der heutigen Zeit nicht mehr wegzudenken und wird von einem Großteil der Bevölkerung täglich genutzt. Vor allem die Kommunikationsplattform WhatsApp steht dabei im Fokus. Sie gehörte bereits im April 2012 zu den meistverkauften Apps in fast 100 Ländern und dieser Trend hält weiter an (vgl. Meili 2016: 1). Damit hat WhatsApp die davor meistgenutzte SMS-Kommunikation bereits im Jahr 2013 weitestgehend abgelöst und begleitet viele Menschen in ihrem Alltag. Dabei werden in den Chats zumeist Informationen übermittelt, spontane Verabredungen getroffen, virtueller “Smalltalk” betrieben oder es dient einfach nur zur Vertreibung von Langeweile und zur Unterhaltung.

Das führt allerdings auch zu einer Veränderung im Kommunikationsverhalten und zu spezifischen sprachlichen Merkmalen im digitalen Schreiben wie die Verwendung von Kurzwörtern und Abkürzungen, die sprachwissenschaftlich untersucht werden können. Bereits 1952, noch vor der Verwendung von Kürzungen in der digitalen Kommunikation, führte Bergstrom-Nielsen eine Definition für den Begriff “Kurzwort” ein, der bis heute von fast allen Autoren übernommen wird:

“Wir nennen Abkürzungen ‘Kurzwort’, wenn die Aussprache der Schreibung folgt. Der Unterschied zwischen Abkürzung und Kurzwort liegt also in der Aussprache: eine Abkürzung wird ausgesprochen wie der voll ausgeschriebene Ausdruck, aus dem sie entstanden ist [...]; ein Kurzwort wird gelesen, wie es man es schreibt [...].” (Bergstrem-Nielsen 1952: 2, zit. nach Balnat 2011: 15)

In der vorliegenden Hausarbeit wird die Fragestellung untersucht, welche besonderen Formen von Kurzwörtern und Abkürzungen sich in WhatsApp-Nachrichten finden lassen und welche Funktion diese erfüllen. Dafür werden in Kapitel 2 zunächst die Merkmale von digitaler Kommunikation über den Messenger-Dienst WhatsApp genauer beschrieben. Es wird auf den aktuellen Forschungsstand bezüglich der Nutzung der Kommunikationsplattform sowie die Besonderheiten der digitalen Kommunikation über WhatsApp eingegangen. Zu diesem Zweck wird auch das Kommunikationsmodell von Koch und Oesterreicher zur Beschreibung der konzeptionellen Mündlichkeit in digitalen Kommunikationen näher erläutert.

In Kapitel 3 wird anschließend auf einige spezifische Merkmale eingegangen, die sich in der schriftlichen Alltagskommunikation über WhatsApp finden lassen. Dabei beschränkt sich die Untersuchung auf stilistische Merkmale des digitalen Schreibens, genauer auf Kurzschreibungen und Abkürzungen auf der Wort- und Satzebene. Dafür werden die Kurzschreibungen nochmals unterteilt in die Kategorien der • syntaktischen

- lexikalischen und
- pragmatischen Ebene.

Zur Veranschaulichung werden Daten, aus dem im Seminar gesammelten Datensatz, als Beispiele genutzt.

Abschließend werden in Kapitel 4 die Funktionen der verschiedenen Arten von Abkürzungen und Kurzschreibungen in WhatsApp-Mitteilungen in der digitalen Schreibung zusammengefasst.

2 Merkmale von WhatsApp-Kommunikation

Der Name WhatsApp leitet sich aus dem englischen Sprachspiel “What’s up?” (“na, wie geht’s?”) ab. Die App soll vor allem zum schnellen und kostenlosen Austausch von Alltagsnachrichten dienen. Sie ist durch ihre intuitive Bedienung und den Verzicht von Werbung auf dem Programm sehr beliebt. Als anderen Erfolgsfaktor nennt Dürenscheid zudem den Nachahme-Effekt: “Je mehr Menschen eine spezifische Kommunikationsform nutzen, umso attraktiver wird sie.” (Dürscheid/Frick 2014: 162). Welchen hohen Stellenwert die digitale Kommunikation für Jugendliche hat, zeigt eine Umfrage der JIM-Studie (JIM= Jugend, Information, Multimedia) aus dem Jahr 2015. Daraus geht hervor das 94% der Jugendlichen täglich oder mehrmals pro Woche einen Messengerdienst nutzen, davon nutzen wiederum 92% der Mädchen und 80% der Jungen vorrangig die Applikation WhatsApp (vgl. Dürscheid/Frick 2016: 22 ff.).

WhatsApp gehört folglich zu den am stärksten genutzten digitalen Kommunikationsformen. Dabei wird die App von Dürscheid und Frick nicht nur als ‘Kommunikationsform’ oder ‘Kommunikationsmedium’ beschrieben, sondern vielmehr als eine ‘Kommunikationsplattform’ klassifiziert (vgl. Dürscheid/Frick 2016: 60). Diese Beschreibung verwenden sie vor allem aus dem Grund, da WhatsApp viele verschiedene Kommunikationsformen und -möglichkeiten in sich vereint.

Bei Frick findet sich dafür eine sehr treffende Definition:

“WhatsApp [...] ist ein plattformübergreifender Nachrichtendienst, der in Form eine Applikation auf dem Mobiltelefon installiert wird und der den kostenlosen Versand von Nachrichten, Bildern, Audio- und Videodateien und Standortangaben erlaubt und seit neustem sogar mit einer Telefonfunktion ausgestattet ist.” (Frick 2015: 226)

Eine weitere Funktion ist die Bildung von Gruppenchats mit der mittlerweile bis zu 256 Personen gleichzeitig chatten können. Somit besteht bei WhatsApp nicht nur die Möglichkeit einer Eins-zu-Eins-Konstellation, sondern es können große Chatgruppen entstehen, die in Echtzeit miteinander kommunizieren. Dadurch entsteht eine neuartige Form der Kommunikation zwischen vielen Menschen, auch über weit entfernte Strecken und verschiedene Zeitzonen hinweg (vgl. Dürscheid/Frick 2014: 173).

Einen weiterer Gegensatz zum klassischen Chat über SMS zeigt sich in der Nachrichtenlänge. Während eine SMS auf 160 Zeichen beschränkt ist und immer als eigenständige Nachricht versendet wird, gibt es bei WhatsApp keine Zeichenbegrenzung und der Chat ist jederzeit als dialogischer Austausch sichtbar (vgl. Dürscheid/Frick 2014: 164 f.). Das hat allerdings nicht direkt zur Folge, dass WhatsApp Nachrichten länger werden. Sie bestehen in der Regel aus durchschnittlich 5 Wörter pro Nachricht. Im Gegenteil, ermöglicht die Ko-Präsenz der Kommunikationspartner und der offene Kommunikationskanal ein schnelles Hin und Her der Nachrichten und damit einen quasi-synchronen Chat. Der hohe Interaktivitätsgrad schlägt sich in kurzen Texten nieder und kann zum Teil auch zu Überlappungen in der Kommunikation führen (vgl. Dürscheid/Frick 2014: 170).

Diese kurzen und meist sehr schnell getippten Texte führen zu einem weiteren Merkmal der WhatsApp-Kommunikation, der Sparschreibung. Trotz des unendlichen und kostenlosen Zeichenangebots lassen sich in der digitalen Schreibung viele (Zeichen-)Einsparungen finden. Durch das relativ schnelle Kommunikationstempo im Chat werden die Nachrichten meist sehr schnell und mit wenig Sorgfalt geschrieben. Das führt zu einer hohen Anzahl an Tipp- und Flüchtigkeitsfehlern. Auch bei der Interpunktion und der Groß- und Kleinschreibung lassen sich viele Normabweichungen beobachten (vgl. Dürscheid/Frick 2014: 171). Vor allem kommt es aber auch zu der häufigen Nutzung von Kurzwörtern und Abkürzungen, sowohl bei einzelnen Worten als auch im ganzen Satz. Genau auf diese stilistische Besonderheit wird in Kapitel 3 mit konkreten Beispielen von WhatsApp Chats genauer eingegangen.

2.1 Konzeptionelle Mündlichkeit

Durch die Nutzung von WhatsApp für den Zweck der Alltagskommunikation hat sich auch die Schrift verändert. Die Nachrichten, die über Chats ausgetauscht werden, müssen dabei vor allem schnell, ökonomisch und interaktiv sein. Dabei wechseln die Kommunikationspartner ständig zwischen den verschiedenen Rollen des Empfängers und des Senders. In dieser Hinsicht verhalten sich die getippten Dialoge ähnlich wie mündliche Gesprächssituationen im Alltag. So ist es auch nicht verwunderlich, dass beim interaktionsorientierten Schreiben über WhatsApp besondere Versprachlichungsstrategien angewendet werden (vgl. Beißwenger 2015: 6 ff.).

Dazu zählt auch das Merkmal der konzeptionellen Mündlichkeit, bei dem sich die schriftliche Sprachverwendung im Chat an informellen, mündlichen Gesprächen orientiert. In der Forschung wird häufig von einer “Hybridität” in der Chatkommunikation gesprochen, da sie zum einen Merkmale einer synchronen Kommunikationsform wie in gesprochener Sprache aufweist, zum anderen aber über asynchrone oder quasi-synchrone Medien in geschriebener Form realisiert wird (vgl. Balnat 2011: 210 f). Daher wird in medienlinguistischen Publikationen gerne das Nähe-Distanz-Kontinuum von Koch/Oesterreicher von 1985 genutzt, um die “vermündlichte Schriftlichkeit” in Chats besser einordnen und differenzieren zu können.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.: Nähe-Distanz-Kontinuum (Dürscheid 2016: 362): a = familiäres Gespräch, b = Telefongespräch, c = Privatbrief, d = Vorstellungsgespräch, e = Zeitungsinterview, f = Predigt, g = wissenschaftlicher Vortrag, h = Leitartikel, i = Gesetzestext.

Meist wird der Ansatz von Koch/Oesterreicher in der Sekundärliteratur als ‘Modell’ beschrieben, was nach Dürscheid vermutlich an der Grafik zur Veranschaulichung des Nähe-Distanz-Kontinuums liegt (vgl. Dürscheid 2016: 359). Wichtig ist allerdings nicht die Bezeichnung, sondern vielmehr der Nutzen des Modells. Zwischen den beiden Polen der “konzeptionellen Schriftlichkeit” (“Sprache der Distanz”) und der “konzeptionellen Mündlichkeit” (“Sprache der Nähe”) lassen sich durch bestimmte Parameter die Kommunikationssituationen einordnen. Dabei soll das Modell nicht die exakte Einordnungen jeder denkbaren Äußerungsform leisten, sondern mehr eine Möglichkeit der Erklärung bieten, wie sich verschiedene Äußerungsformen im Vergleich zueinander verhalten. Wenn eine Kommunikationssituation beispielsweise viele Merkmale auf Seiten des Distanzpols aufweist, ist die gewählte Versprachlichungsstrategie eher konzeptionell schriftlich geprägt. Wenn die Kommunikationssituationen dagegen mehr Merkmale auf Seiten des Nähepols aufweist, ist die Versprachlichungsstrategie eher konzeptionell mündlich geprägt. Die Chat-Kommunikation über WhatsApp lässt sich durch bestimmte Parameter wie die zeitliche Nähe, die Vertrautheit und Privatheit zwischen den Chatpartnern, die dialogische Struktur und den Bezug auf situative Rahmenbedingungen dem Pol der konzeptionellen Mündlichkeit zuordnen, im oben dargestellten Modell wäre es daher bei c = Privatbrief zu verorten (vgl. Beißwenger 2015: 27f.).

Auch Koch/Oesterreicher selber nehmen zur Verortung der neuen Kommunikationsformen wie dem Chat in ihrem Modell Stellung. In einem Beitrag von 2007 schreiben sie zum Chat:

“Der Chat ist sogar eines der schönsten Beispiele dafür, daß im graphischen Medium eine relative, natürlich immer limitierte Annäherung an dialogische, spontane Nähesprachlichkeit möglich ist. Was die innovativen, rein graphischen Verfahren, also Abkürzungen und Emoticons wie z.B. hdl oder :-) angeht, so sind diese konzeptionell allenfalls im Blick auf die spontanitätsfördernde Schreibgeschwindigkeit von Belang.” (Koch/Oesterreicher 2007: 390, zit. nach Dürscheid 2016: 380)

So tragen, wie Koch/Oesterreicher es auch selber formulieren, Abkürzungen und Kurzformen im Chat zu einer kommunikativen Nähe und somit zu einer konzeptionellen Mündlichkeit bei.

Durch die Einordnung ins Modell lassen sich vor allem sprachliche Auffälligkeiten in privaten WhatsApp-Kommunikationen leichter einordnen, da in einem Chat nicht die Normen der Schriftlichkeit im Vordergrund stehen, sondern mehr die Normen der informellen, gesprochene Sprache. So sind die Orientierung an der gesprochenen Umgangssprache, die Nutzung von Abkürzungen, Kurzwörtern und Schnellschreibphänomene als Anpassung an den Nähepol in der schriftlichen Kommunikation zu beschreiben (vgl. Beißwenger 2016: 36 f.).

3 Kurzwörter und Abkürzungen in WhatsApp-Nachrichten

Abkürzungen und Kurzwörter gibt es nicht erst seit Beginn der digitalen Kommunikation. Schon im 16. Jhd. wurden im antiken Rom Reduktionsformen in beispielsweise pompeianischen Wandinschriften verwendet etwa bei Personennamen, Wochentagen oder ganzen Sätzen. Später fanden sich Abkürzungen in Briefen oder auf Postkarten des 18. und 19. Jhd wie in Abschiedsformeln Herzlichen Gruß/ D[ein] D[ich] l[iebender] C... (vgl. Siever 2014: 207). Im späteren Funkverkehr um 1912 wurde der sogenannte Q-Code eingeführt, um die Kommunikation zu beschleunigen. Es lässt sich also festhalten:

“Situative Kommunikationsbedingungen inklusive technischer Vorgaben haben sich schon immer auf die Sprache ausgewirkt, präziser: die Sprache wurde diesen angepasst und Kontextinformationen eingezogen [...].” (Siever 2014: 208)

Im folgenden werden Abkürzungen und Kurzwörter in WhatsApp-Nachrichten analysiert. In Kapitel 2.1 wurde ausführlich beschrieben, wie sich die Orientierung an der alltäglichen Umgangssprache in WhatsApp-Chats erklären und im Gegensatz zu anderen Kommunikationsformen einordnen lassen. In diesem Abschnitt wird nun näher auf die spezifischen Formen von Abkürzungen und Kurzwörtern eingegangen. Dafür werden beispielhafte WhatsApp-Chats aus der Datensammlung des Seminars vorgestellt und anhand dieser die verschiedenen Formen verdeutlicht.

3.1 Syntaktische Ebene

Auf der syntaktischen Ebene lassen sich in der schriftlichen Alltagskommunikation im Internet viele Kürzungen innerhalb von Wörtern oder auch von Wörtern in ganzen Sätzen finden. Diese Abkürzungen oder Auslassungen werden sprachwissenschaftlich als Ellipsen definiert. Darunter sind grammatische Auslassungen zu verstehen, die aus dem Kontext rekonstruiert werden können (vgl. Dürscheid/Frick 2016: 80).

Im folgenden Beispiel eines WhatsApp-Chat lassen sich verschiedene Ellipsen verdeutlichen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(entnommen aus: Datensammlung Stand 30.11.2020, Broens_Whatsapp_Chat.pdf) Die erste elliptische Form, die sich anhand dieses Chatauszugs zeigen lässt, ist die Subjektellipse. In Zeile 5 heißt es:

(1) _Muss doch erst Geschenk für Lisa kaufen [...]

Hier wird das Subjektpronomen ich im Vorfeld des Satzes getilgt. Diese Tilgung tritt in Sätzen bei denen Subjektpronomen wie ich, du, er/sie/es, wir/ihr/sie in Erstposition stehen besonders häufig auf, jedoch nicht ausschließlich. Ein Beispiel für eine Tilgung, bei der das Subjektpronomen nicht im Vorfeld positioniert ist, wäre:

[...]

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Analyse verschiedener Formen von Abkürzungen und Kurzwörtern in WhatsApp-Nachrichten und ihre Funktion
Hochschule
Universität Osnabrück
Note
1,7
Autor
Jahr
2021
Seiten
16
Katalognummer
V1019595
ISBN (eBook)
9783346412492
ISBN (Buch)
9783346412508
Sprache
Deutsch
Schlagworte
analyse, formen, abkürzungen, kurzwörtern, whatsapp-nachrichten, funktion
Arbeit zitieren
Viktoria Engmann (Autor), 2021, Analyse verschiedener Formen von Abkürzungen und Kurzwörtern in WhatsApp-Nachrichten und ihre Funktion, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1019595

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