Franz Kafka. Person, Leben, Edition seiner Werke und editorische Probleme


Hausarbeit, 2021

15 Seiten, Note: 2,3

Anonym


Leseprobe

Gliederung

Einleitung

1 Zur Person von Franz Kafka
1.1 Das Leben Franz Kafkas
1.2 Editionen zu Lebzeiten

2 Postume Editionen
2.1 Der Einfluss von Max Brod auf die Kafka-Edition
2.2 Kritische Kafka Ausgabe (KKA)
2.2.1 Ziele der Ausgabe
2.2.2 Probleme und Grenzen der Ausgabe
2.3 Frankfurter Kafka Ausgabe (FKA)
2.3.1 Ziele der Ausgabe
2.3.2 Probleme und Grenzen der Ausgabe

Fazit

Literaturverzeichnis

Anhang

Einleitung

Kafkas Texte sind Texte der europäischen Moderne, welche schwere editorische Probleme aufwerfen, die nicht nur den Verlag betreffen, sondern auch die Herausgeber und Leser.

Die vorliegende Hausarbeit setzt sich mit der Frage auseinander, wie die Werke von Franz Kafka ediert werden und welche editorischen Probleme der Edition auftreten können.

Die wissenschaftliche Arbeit besteht aus zwei großen Teilen.

Der erste Teil widmet sich der Darstellung der Person, des Lebens und der Editionen zu Lebzeiten Franz Kafkas, damit die nachfolgenden postumen Ausgaben verständlicher werden.

Im Fokus des zweiten Teils stehen die postumen Editionen zum einen die kritische Kafka-Ausgabe und zum anderen die Frankfurter Kafka-Ausgabe.

- Editionen als Retter der Texte und als deren Vermittler an den Leser (S.522 HB) Anmerkungen:

Man weiß über die Werke Kafkas nur so viel oder so wenig wie die erhaltenen Schriften aussagen. (Vgl. Engel, Manfred/Bernd Auerochs: Kafka-Handbuch: Leben - Werk - Wirkung, 1. Aufl., Stuttgart, Deutschland: J.B. Metzler, 2010)

Der größte Teil von Kafkas Nachlass liegt in der Bodleian Library in Oxford. Eine zweite wichtige Sammlung - die unter anderem das 1988 angekaufte Prozess­Manuskript enthält - lagert im Deutschen Literaturarchiv Marbach. (Vgl. Engel/Auerochs, 2010 S.517)

Die für diese Arbeit gewählte männliche Form bezieht sich immer zugleich auf weibliche und männliche Personen.

„Man behandelt mich mit Achtung, versteht meine Lebensweise nicht, aber nimmt sie mir nicht übel [...] (Vgl. Kafka, Franz: Forschungen eines Hundes, South Carolina, USA: CreateSpace Independent Publishing Platform, 2014, S. 4)

„Immer mehr in letzter Zeit überdenke ich mein Leben, suche den entscheidenden alles verschuldenden Fehler, den ich vielleicht begangen habe und kann ihn nicht finden.“ (Kafka, 2014, Forschungen eines Hundes, S.9)

1 Zur Person von Franz Kafka

Das nachfolgende Kapitel versucht einen Überblick über das Leben Franz Kafkas zu geben und schildert dann die Editionen, welche zu Lebzeiten Kafkas erschienen sind.

1.1 Das Leben Franz Kafkas

»Wie sich mein Leben verändert hat und wie es sich doch nicht verändert hat im Grunde!«

schreibt der Schriftsteller Kafka autobiografisch grundierten Erzählung „Forschungen eines Hundes“ .(Vgl. Kafka, Forschungen eines Hundes, 2014, S. 3.) Die Vita des Dichters scheint von außen betrachtet zunächst wenig spektakulär. (Vgl. Engel/Auerochs, 2010, S.1)

Am 3. Juli 1883 kommt Franz Kafka in Prag als erstgeborener Sohn von Hermann und Julie, geborene Löwy. (Vgl. Kafka, Forschungen eines Hundes 2014, S. 36.)

Franz wurde als Ältester von sechs Kindern geboren; zwei vor drei Schwestern geborene Brüder starben in frühkindlichem Alter. (Vgl. Dietz L. 1990, Der Nachlass und Max Brod. In: Franz Kafka. Sammlung Metzler. J.B. Metzler, Stuttgart, S.32)

Die Eltern besaßen ein Galanteriewarengeschäft in Prag. (Vgl. Dietz 1990, S.32)

Zwischen 1889 und 1893 besucht Kafka die Deutsche Volks- und Bürgerschule am Fleischmarkt in Prag. (Vgl. Kafka, Forschungen eines Hundes 2014, S. 36.)

Im September 1893 bis Juli 1901 besucht er daraufhin das Altstädter Deutsche Gymnasium im Kinsky-Palais. Dies ist eines der strengsten Prager Gymnasien mit einer Abbrecherquote von 72%. (Vgl. Engel/Auerochs, 2010, S.5)

Im Mai 1901 legt er in Prag die schriftlichen Maturaprüfungen (Abitur) ab. (Vgl. Engel/Auerochs, 2010, S.5)

Kafka wird dabei als ängstlicher, introvertierter, isolierter unauffälliger Schüler wahrgenommen, der zurückhaltend auf seine Mitschüler wirkt. Er ist ein unsicherer, gehemmter Jugendlicher, welcher »Angst vor Schule und Autoritäten« hat. (Vgl. Engel/Auerochs, 2010, S.3-4)

Literarische Inspirationen holt sich Kafka zunächst außerhalb der Schule etwa durch Theaterbesuche. Im Alter von etwa 14 Jahren unternimmt Kafka seine ersten dichterischen Versuche, welche erste Problemkonstellationen seines Schreibens andeuten. Diese ersten Schriften vernichtet er jedoch später, weil diese später seinen literarischen Ansprüchen nicht mehr genügen. (Vgl. Engel/Auerochs, 2010, S.4)

Die früheste erhaltene literarische Eintragung stammt aus dem Jahr 1897 und findet sich im Freundschaftsbuch Hugo Bergmanns (1883-1975):

»Es gibt ein Kommen und ein Gehn/ Ein Scheiden und oft kein - Wiedersehn« (NSF I, 7) (Engel/Auerochs, 2010, S.4)

Im Oktober1901 trägt er sich an der Deutschen Carl-Ferdinand-Universität in Prag für ein Chemie-Studium ein, wechselt dann aber zu Jura. Im Sommersemester 1902 besucht der Autor statt Jura Vorlesungen Germanistik und Kunstgeschichte. Im Wintersemester setzt er jedoch sein Jura Studium fort, welches er 1906 mit dem Staatsexamen abschließt. (Vgl. Engel/Auerochs, 2010, S. 4-7)

Im Jahre 1902 findet auch Kafkas erste Begegnung mit Max Brod statt, auf den im weiteren Verlauf noch eingegangen wird. (Vgl. Kafka, Forschungen eines Hundes 2014, S. 36.)

Im Sommer 1903 legt er eine Staatsprüfung in Rechtgeschichte ab und hält sich anschließend in einem Sanatorium zunächst bei Dresden und dann in Südböhmen auf. (Vgl. Kafka, Forschungen eines Hundes 2014, S. 36.) Im Jahr darauf beginnt er eine Arbeit an seinem Werk Beschreibung eines Kampfes. (Vgl. Kafka, Forschungen eines Hundes 2014, S. 36) 1905 besucht er ein Sanatorium in Zuckmantel und ab Winter trifft er regelmäßig mit seinen Freunden Max Brod, Oskar Baum und Felix Weltsch zusammen. Im April bis September 1906 macht er ein Praktikum als Advocatursconcipient und promoviert am 18. Juni. 1906 zum Dr. juris. Ab dem 1.10.1906 beginnt Kafka ein Gerichtsjahr beim Prager Landes bzw. Strafgericht. (Vgl. Engel/Auerochs, 2010, S.7)

Zu dieser Zeit arbeitet Kafka an Entwürfen zu Hochzeitsvorbereitungen auf dem Lande und schließt die erste Fassung seiner Beschreibung eines Kampfes ab. (Vgl. Engel/Auerochs, 2010, S.7)

Ab Herbst 1907 hilft Kafka aushilfsweise bei der Triester Versicherungsgesellschaft Assicurazioni Generali in Prag. (Vgl. Kafka, Forschungen eines Hundes 2014, S. 36­37)

Die Arbeit als Versicherungsbeamter schafft ihm zwar keine finanzielle Verbesserung aber zeitlich mehr Freiräume. In dem Rahmen seiner Arbeit wird Kafka auch gelegentlich als Festredner oder Gebrauchsschriftsteller eingesetzt.

Am 30.07.1908 beginnt er als Aushilfsbeamter bei der Arbeiter-Unfall-Versicherungs- Anstalt für das Königreich Böhmen in Prag (AUVA) zu arbeiten. (Vgl. Engel/Auerochs, 2010, S.10)

Zudem publiziert er acht Prosastücke in der von Franz Blei herausgegebenen Zeitschrift „Hyperion“ (Vgl. Kafka, Forschungen eines Hundes 2014, S. 36-37)

Von 1909 bis 1911 hat Kafka einige größere ausgedehnte Reisen durch Europa unternommen, durch die er neue Schreibimpulse erfährt. (Vgl. Engel/Auerochs, 2010, S.11) Außerdem nimmt er das Prager Kulturleben in Anspruch (besucht beispielsweise Kinos, Theateraufführungen oder Cafés). Dadurch sammelt er vielfältige Eindrücke. (Vgl. Engel/Auerochs, 2010, S.10-12) Die Flucht in die Natur in der ländlichen Umgebung Prags bietet eine Grundlage für literarische Inspiration. (Vgl. Engel/Auerochs, 2010, S.10) Außerdem besucht er in dieser Zeit viele sozialistisch politische Veranstaltungen, beschäftigt sich mit dem Judentum und wird stiller Teilhaber der Asbestfabrik seines Schwagers. (Vgl. Kafka, Forschungen eines Hundes 2014, S. 36.) Im August 1912 lernt Kafka Felice Bauer kennen. Des Weiteren versucht seine Familie, ihn zur Beaufsichtigung der ihm verhassten Fabrik seines Schwagers zu zwingen.

In dieser Zeit arbeitet Kafka an der ersten Verfassung von Der Verschollene und schreibt das Urteil (September) sowie Die Verwandlung (November/Dezember). Zudem erscheint sein Werk Betrachtung. Schwagers. (Vgl. Kafka, Forschungen eines Hundes 2014, S. 36) Im Jahr 1913 wird er zum „Vizesekretär“ der AUVA. Das Werk Der Heizer und Das Urteil erscheint. Im Jahr darauf unternimmt er einige Besuche bei Felice Bauer in Berlin, mit der er sich im Juni verlobt und im Juli wieder entlobt. Die Arbeit an der Prozess beginnt und in der Strafkolonie entsteht im Oktober. 1915 steht er wieder in Kontakt mit Felice Bauer und bekommt den Fontane-Preis verliehen. Außerdem erscheint die Verwandlung. 1916 erscheint die Buchausgabe von das Urteil, Kafka hält eine öffentliche Lesung seines Werkes In der Strafkolonie in München. Des Weiteren arbeitet er an Erzählungen von Ein Landarzt.

Im Juli 1917 kommt es zu einer zweiten Verlobung zwischen Felice Bauer und Franz Kafka, die im Dezember wieder aufgelöst wurde. In diesem Jahr erscheint auch Ein Bericht für eine Akademie. 1918 nimmt er die Tätigkeit in der Versicherungsanstalt kurzfristig wieder auf und wird 1920 zum Anstaltssekretär und 1922 zum Obersekretär befördert wird. (Vgl. Engel/Auerochs, 2010, S.10, Vgl. Kafka, Forschungen eines Hundes 2014, S. 36-38) 1919 lernt Kafka in Schelesen Julie Wohryzek bei einer Erholungsreise kennen, mit der er sich noch in dem Jahr verlobt. Zudem schreibt er den Brief an den Vater. 1920 schreibt er mehrere Erzählungen und Ein Landarzt und kleine Erzählungen erscheint. Im Jahr darauf hält er sich in einem Sanatorium in Matliary auf und übergibt Milena Jesenskâ seine Tagebücher. 1922 beginnt er die Arbeit an Das Schloss und schreibt Ein Hungerkünstler. Im Jahre 1923 beschäftigt sich Kafka mit Hebräischstudien und denkt über eine Übersiedlung nach Palästina nach. Eine kleine Frau und der Bau entstehen. Er macht Bekanntschaft mit Dora Diamant zu der er nach Berlin übersiedelt. Seit April des Jahres hält er sich im Senatorium in Kierling bei Klosterneuburg auf. (Vgl. Kafka, Forschungen eines Hundes 2014, S. 36-38) Am 03. Am 3. Juni atmet Kafka so schwer, dass er Klopstock um Morphium bittet.

Am 03.06.1924 stirbt Franz Kafka und wird dem jüdischen Friedhof in Prag Straschnitz beigesetzt.

»Töten Sie mich, sonst sind Sie ein Mörder« (Brod, Max: Über Franz Kafka, Frankfurt am Main, Deutschland: Fischer Bücherrei, 1966, S. 185)

Krankheit

Im Laufe seines Lebens leidet Kafka immer wieder an Vitalitäts- und Willensschwäche, Entschlusslosigkeit, Selbstzweifel, Minderwertigkeitsgefühl, Lebensangst und Lebensekel, Einsamkeit aus Beziehungsunfähigkeit bei zugleich tieferSehnsucht nach Kontakten und Beziehungen. (Vgl. Engel/Auerochs, 2010, S.84)

1917 erleidet Kafka einen Blutsturz und bekommt eine Lungentuberkulose diagnostiziert. In diesem Jahr erscheint auch Ein Bericht für eine Akademie.

Er macht außerdem einen Monate dauernde Erholungsaufenthalt im nordböhmischen Zürau. (Vgl. Engel/Auerochs, 2010, S.84)

1.2 Editionen zu Lebzeiten

Kafka hat nur wenige seiner Texte selbst veröffentlicht (Vgl. Engel/Auerochs, 2010, S.513) und rund 90 Prozent aller Schriften Kafkas bleiben zu seinen Lebzeiten unveröffentlicht. (Vgl. Engel/Auerochs, 2010, S.517) Außerdem hat der Autor viele seiner Schriften selbst vernichtet, weshalb dieser Prozentsatz höher einzuschätzen ist. (Vgl. Engel/Auerochs, 2010, S.517)

Zudem ist festzuhalten, dass Kafka selbst erste editorische Arbeit an seinen Werken leistet, indem er nicht nur die Schreiber-, sondern auch die Leserperspektive zum Überarbeiten seiner fertigen Werke einnahm. (Vgl. Steinich, Annette: Kafka-Editionen In: Plachta, Bodo: Editionen zu deutschsprachigen Autoren als Spiegel der Editionsgeschichte (Bausteine zur Geschichte der Edition, Band 2), 1. Aufl., Tübingen, Deutschland: Max Niemeyer Verlag, 2005, S.247)

Die Zweimonatsschrift Hyperion, welche von Franz Blei (1871-1942) herausgegeben wurde, druckte in ihrer ersten Ausgabe im März 1908 (09.03.1908) unter dem Titel Betrachtung acht kurze Prosastücke Kafkas: Die Bäume, Kleider, Die Abweisung, Der Kaufmann, Zerstreutes Hinausschaun, Der Nachhauseweg, Die Vorüberlaufenden und Der Fahrgast. Kafka kannte den Franz Blei über Brod.

Für die Ausgabe vom Mai 1909 steuerte Kafka zwei weitere Stücke bei - Gespräch mit dem Beter und Gespräch mit dem Betrunkenen, welches Ausschnitte aus Beschreibung eines Kampfes sind. (Vgl. Engel/Auerochs, 2010, S.9,10)

Die Zeitschrift Hyperion wurde kurze Zeit eine der ambitioniertesten deutschsprachigen Zeitschriften wurde jedoch nach zwei Jahren wiedereingestellt.

Über den Redakteur der Bohemia, Paul Wiegler (1878-1949), veröffentlicht Kafka einige Rezensionen und weitere Betrachtungen. (Vgl. Engel/Auerochs, 2010, S.10)

Im Frühjahr des Jahres 1912 entstehen Entwürfe wie Der kleine Ruinenbewohner und Die städtische Welt, welche allerdings Fragment bleiben. (Vgl. Engel/Auerochs, 2010, 5.12)

Im Jahre 1912 entsteht eine gemeinsame Reisearbeit von Kafka und Max Brod im Rahmen eines literarischen Wettbewerbs mit dem Romanprojekt Richard und Samuel - eine kleine Reise durch mitteleuropäische Gegenden. (Vgl. Engel/Auerochs, 2010, 5.12)

Das Werk Richard und Samuel kommt jedoch nicht über einige Skizzen hinaus und wird nach Veröffentlichung eines Eingangskapitels (Erste lange Eisenbahnfahrt) in den Herder-Blättern im Mai 1912 unvollendet ad acta gelegt. (Vgl. Engel/Auerochs, 2010, 5.12)

Kafkas erste Buchpublikation, die Sammlung Betrachtung (1912) bei dem Rowohlt­Verlag, erschien um den 10. Dezember 1912.

[...]

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Franz Kafka. Person, Leben, Edition seiner Werke und editorische Probleme
Hochschule
Universität Osnabrück
Note
2,3
Jahr
2021
Seiten
15
Katalognummer
V1019726
ISBN (eBook)
9783346413475
ISBN (Buch)
9783346413482
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Franz Kafka, Edition, Leben, Persönlichkeit, Editiorische Probleme
Arbeit zitieren
Anonym, 2021, Franz Kafka. Person, Leben, Edition seiner Werke und editorische Probleme, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1019726

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