Goethe, Johann Wolfgang von - Schwager Kronos - Gedichtvergleich mit Peter Huchel - Die Kreatur


Referat / Aufsatz (Schule), 2001

7 Seiten, Note: 3+


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Klasse 11b Erster Hausaufsatz aus dem Deutschen Abgabetermin 05.04.01 Vergleich zweier Gedichte

Sebastian Rüger:

Die zwei zu analysierenden Gedichte drehen sich beide um die Worte „Lebensgefühl" und „Lebenslauf". Johann Wolfgang von Goethe, der am 28. August 1749 in Frankfurt am Main als Sohn Johann Goethes und dessen Frau Katharina Goethe geboren wurde. Eine der wichtigsten lyrischen Epochen Goethes, ist sicherlich die des Sturm und Drang ( 1771- 1775 ). Außer des kritisch diskutierten Romans „die Leiden des jungen Werthers" schrieb er in dieser Zeit seine sogenannten Hymnen, „Ganymed" und „Prometheus". Weiterhin brachte er in dieser Epoche die Hymne „Schwager Kronos" zustande. Johann Wolfgang von Goethe schrieb dieses Gedicht am 10. Oktober 1774 in der Postkutsche, als er nach Abschied Klopstocks allein zurückfuhr. Er verwechselt Kronos mit Chronos. Es ist also der Gott der Zeit, von dem das lyrische Ich im ersten Vers verlangt, er solle sich sputen. Chronos sitzt als Schwager auf dem Bock und ärgert den Reisenden, weil er zu langsam fährt. Die Bilder der Landschaft sollen nicht eines nach dem anderen im Fenster erscheinen und so daran erinnern, dass immer altes vergeht, wenn neues kommt. Das Gedicht beschreibt eine Art der Geburt „rasch ins Leben hinein" (V.8) die Geburt scheint sich etwas schwierig zu gestalten, da man beim Lesen automatisch durch sprachliche Mittel ins stolpern gerät, genau wie Goethe die Fahrt der Kutsche beschreibt. Das Leben beginnt mit einem mühsamen Anstieg „mühsam Berg hinauf" (V.11). In der zweiten Strophe wird außerdem der Leser angesprochen „Auf denn, nicht träge denn!" . Dies könnte bedeuten das man sein Leben selbst in der Hand hat und, wenn man versucht etwas aus sich zu machen, es auch schaffen kann. Dies bestätigt das „strebend und hoffend"(V.13) am Ende der zweiten Strophe. Das Kutschfahrt plätschert nun so dahin von „Gebürg zu Gebürg"(V.16) so auch die Fahrt des Lebens, es gibt viele Höhen und Tiefen. In der vierten Strophe wird die Fahrt unterbrochen. Der Reisende scheint eine Rast einzulegen. Er ist auf dem Berge angekommen, was den Höhepunkt des Lebens darstellt und außerhalb, „seitwärts"(V.19) des Weges liegt. „Überdachs Schatten"(V.19) und „auf der Schwelle"(V.22), lassen das Bild eines Gasthofs erscheinen. Es ist die Rede von einem „Mädchen" (V.23), einer Kellnerin, welche das lyrische Ich mit „schäumenden Trunk" und „freundlichen Gesundheitsblick" verwöhnen soll. Diese Kraft könnte die Liebe sein, die den Reisenden Energie schenkt und ihn eben von seinem Weg abkommen lässt und ihm so etwas Ruhe und Geborgenheit in seinem Leben bietet. Mit neu gewonnener Kraft geht die Fahrt anschließend weiter. „Ab dann, frischer hinab!" (V.26). Doch die lange Fahrt hat schon ihre Spuren hinterlassen. Es ist die Rede von „Greisen" und „entzahnten" also kranken und vor allem alten „Kiefern"(V.29-30) welche den zustand des lyrischen Ichs wiederspieglen. Weiterhin kündigt „schlockerndes Gebein" den Einbruch der Nacht, und im übertragenen Sinne des Lebensabends an. Die Sonne von der in der sechsten Strophe gesprochen wird scheint den Verfall des Reisenden nur zu verzögern und etwas zu Bremsen. Auch der Tod des lyrischen Ichs wird durch die sinkende Sonne dargestellt. Der Reisende, wohlwissend, dass sein Leben sich dem Ende zuneigt, sieht der Sonne weinend, das heißt mit „schäumenden Aug (V.34) nach und als „Geblendeten" und „Taumelden" reißt sie ihn dann aber doch letztendlich in „der Hölle nächtliches Tor"(V.36). Doch diese Situation scheint ihm dennoch nicht allzu sehr zu stören, im Gegenteil, er lässt den Vater Zeus, den Gott der Götter, stattdessen seine Ankunft verkünden. Er solle doch mit dem „Horn" „Töne[n]" und die Ankunft eines „Fürsten"(V.39) verkünden, zusätzlich verlangt er von den Göttern der Unterwelt „de[m] Orkus" (V.39) sich „von ihren Sitzen" zu „lüften" (V. 40-41) so als sei schon lange kein so wichtiger Gast mehr in die Hölle gekommen. Der Reisende ist sehr selbstbewusst, fast schon arrogant und sogar respektlos. Das Totenreich soll sich endlich mal wieder in Bewegung setzen. Der Reisende ist nun am Ziel angekommen, welches zweifellos der Tod ist. Viele Enjambements lassen die Granzen zwischen den Versen verschwimmen, was ausdrückt,dass das Leben dennoch ein einziger Fluss und keine einzelnen Abschnitte ist . Das Gedicht verfügt, typisch für die Sturm und Drang Zeit, über keinerlei Metrum und Reimschema, die Dichter wollen sich von den gewöhnten Regeln und literarischen Grenzen absetzen und Neues erschaffen. Dafür sprechen auch die vielen Wortneuschaffungen wie z.B. die Personifikationen „eratmender Schritt" (V.10) und „freundlicher Gesundheitsblick" (V.25) und die ständigen, gefühlsbetonenden Ausrufe, wie z.B. „Spude dich Kronos" (V.1) und „ab dann, frischer hinab"(V.26). Goethe beschreibt in dem Gedicht einen kompletten Lebenslauf samt der positiven und negativen Ereignisse bis in den Tod hinein. Anders als bei dem Gedicht „die Kreatur" von Peter Huchel der am 3. April 1903 in Berlin geboren wurde. Huchel verbrachte seine ganze Kindheit auf dem Bauernhof seines Vaters. Dies zeigte sich schon als er als Chefredakteur der bekannten Zeitschrift „Sinn und Form" viele Naturgedichte verfasste. Auch in diesem Gedicht zeigt sich Huchels Verbundenheit mit der Natur. Dieser beschreibt in dem, auch absolut reimlosen und mit keinem Metrum ausgestatteten Gedicht nur einen Teil des Lebens. Das Gedicht besteht aus fünf Strophen die alle unterschiedlich viele Verse haben, welche auch in ihrer Länge variieren. Die erste Strophe, bestehend aus 3 Versen beginnt mit der Metapher „dünnes Eises"(V.1) welche die Gefahr darstellt in der sich die Kreatur befindet, dass gerade dieses Eis „den Stand der Sonne anzeigt"(V.3) lässt sich so verstehen, dass je länger und höher die Sonne am Himmel steht, desto schmaler und dünner das Eis wird, auf dem sich die Kreatur befindet. Der Mann bewegt sich auf dem Hof „in müdem Kreis" das zeugt von der Unruhe die er dabei empfindet das Tier, eine „Maultierstute"(V.7) in die , „Abdeckerei" (V.23) zu bringen. Das Tier scheint nicht glücklich über sein Vorhaben zu sein, denn er muss sie „hinter sich her (V.7) zieh[en](V.5). Der miserable Zustand der Stute wird in der zweiten und dritten Strophe beschrieben. Ihr Fell ist „vom Kummet wundgestoßen" (V.8) was darauf schließen lässt, dass sie ein hartes und arbeitsreiches Leben hinter sich hat. Ein Stein unter [dem] linken Hinterhuf[s] (V. 11-12) erschwert ihr das Gehen. Der Besitzer scheint außerdem mit der Stute stark verbunden zu sein , denn er möchte ihr den schon schwierigen Gang etwas erleichtern indem er ihr die Flanke mit Stroh abreibt [siehe V13-14] und dabei verwirrt mit „leerem Gesicht" (V.15-16) in „die Berge"(V.16) starrt. Ihm scheint die Trennung von seiner offensichtlich alten Stute zu denken zu geben und zu beschäftigen. Er erkennt aber das es keinen Sinn hat die Stute dennoch zu behalten da er den „von Pilzen befallenen" (V.19) Hafer liegen sieht und erkennt, dass die Stute ein „schlechte(s) Gebiss" (V.20) hat. Daraus schließt er, dass die Stute schon längere Zeit nichts mehr gegessen hat und die Beobachtung ihres eingefallenes Rückens bestätigt ihn in dem Entschluss sie aufzugeben, da sie ja nur noch eine „Hungergrube in den Wolken" (V.21) sei. „Die Sonne neigt sich zur Unterwelt"(V.24), soll heißen, dass die Zeit für die Stute gekommen sei und sich nicht nur der Tag dem Ende zuneigt, sondern auch das Leben der Stute ihren Abschluss findet. Der parataktische Satzbau und die vielen Zeilensprünge lassen einem das Gedicht flüssig und fast als Kurzgeschichte lesen. Das zeig den Ablauf eines Abschnitts des „fließenden" Lebens, was in diesem Fall der letzte Tag der Maultierstute war. Auch Huchel zeigt Merkmal der Vergangenen Sturm und Drang Epoche die aber auch in der Moderne verankert sind, nämlich die Formlosigkeit und das Loslösen von alten überlieferten Regeln zur Gedichtserstellung. Dieses, wie auch Goethes Gedicht, haben deutlich mit dem Tod zu tun. In Goethes Gedicht wird aber ein komplettes Leben bis hin zum Tod und einem alternden lyrischem Ich geschildert im Gegensatz zu Huchels Werk, in dem nur ein Tag und zwar der letzte aus einem Leben dargestellt wird. Die emotionsreich geschriebenen

Werke drücken eines der großen Themen der Literatur aus: Das Leben, dessen Emotionen und Eindrücke und der Tod.

A. Schreibplan

1. Einleitung: „Schwager Kronos“ von Johann Wolfgang von Goethe, aus der Sturm und Drang Zeit (1774)

2. Thema: Der Neubeginn (Geburt) und die Vergänglichkeit (bis hin zum Tod)

3. Aufbau und Sprache:
a. Strophen: 7 Strophen; zweite, dritte, sechste und siebte Strophe mit jeweils 5 Versen, Die erste Strophe mit 8, die vierte mit 7 und die fünfte mit 6 (deutlicher Längenunterschied)
b. Reim: Es besteht kein festes Reimschema
c. Metrum: Es gibt kein festes Metrum
d. Satzbau: Enjambement lässt die Grenzen zwischen den Versen verschwimmen
e. Stilmittel: Alliterationen, Zeilensprung, Personifikationen, Ellipsen, Wiederholungen, Metaphern, Hyperbeln

4. Aussage und Deutung:

Die Zeit als Kutscher des Lebens, die von der Geburt bis zum Tode über uns herrscht und unser Leben bestimmt

B.

1. Einleitung: „Die Kreatur“ von Peter Huchel, ein Modernes Gedicht (1972)

2. Thema: Ein Abschnitt des Lebens wird emotionsreich geschildert

3. Aufbau und Sprache:
a. Strophen: 5 Strophen; erste und letzte mit jeweils 3 Versen, zweiter mit 5 Versen, die dritte mit 4 und die vierte Strophe mit 9 Versen (deutlicher Längenunterschied)
b. Reim: Es gibt kein festes Reimschema; Reimlos
c. Metrum: freier Rhythmus und unregelmäßige Hebungen
d. Satzbau: Hypotaktisch
e. Stilmittel: Zeilensprung, Vergleich, Personifikation,

4. Aussage und Deutung:

5. Ein Abschnitt des Lebens wird innerhalb des Gedichtes beschrieben; Es scheint das Ende eines Lebens voller Ärgernissen, Problemen und Armut zu sein

C.

In beiden Gedichten sehen sich die lyrischen Abbilder mit dem Tod konfrontiert und versuchen dieses Erlebnis zu schildern. Deutliche Gemeinsamkeiten lassen sich auch darin ausmachen, das in beiden Gedichten die Rede von Tod und Vergänglichkeit die Rede ist. Außerdem scheinen beide lyrischen Ich’s im Laufe des Gedichts zu altern. Ich persönlich bevorzuge das Gedicht von J.W.v. Goethe, da es ein mehr oder weniger spontanes Gedicht war, Goethe schrieb es innerhalb von 2 Stunden und die halbe Welt beschäftigt es Jahre lang. Außerdem lässt sich bei näherem betrachten deutlich mehr Tiefe und Emotion heraus spüren die ein Moderner Dichter nicht so hinbekommt wie ein Goethe !

7 von 7 Seiten

Details

Titel
Goethe, Johann Wolfgang von - Schwager Kronos - Gedichtvergleich mit Peter Huchel - Die Kreatur
Note
3+
Autor
Jahr
2001
Seiten
7
Katalognummer
V101978
Dateigröße
340 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
hmm war ne lange Arbeit und ich dachte, ich schick sie mal ein, dass sich die Leute infos holen können... ich weiss er ist nicht gut .. aber ein paar infos gibts dennoch.. ,)
Schlagworte
Goehte; Gedichtvergleich; Huchel; Kronos; Die Kreatur
Arbeit zitieren
-=[RNx]=- Hiob (Autor), 2001, Goethe, Johann Wolfgang von - Schwager Kronos - Gedichtvergleich mit Peter Huchel - Die Kreatur, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/101978

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