Religionsunterricht in Schulen. Wie kann er zukunftsorientiert gestaltet sein?


Essay, 2021

13 Seiten, Note: 2,3

Anonym


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Hauptteil
2.1 Verschiedene Modelle des Religionsunterrichts
2.2 Wie beliebt ist der Religionsunterricht an deutschen Schulen?
2.3 Änderungen des Religionsunterrichts

3. Schluss

4. Quellenangaben
4.1 Literaturquellen
4.2 Internetquellen

1. Einleitung

Die Beliebtheit des Religionsunterricht scheint in Deutschland seit vielen Jahren immer weiter zu sinken. Immer mehr Schüler*innen wählen in der Oberstufe dieses Fach ab und wollen lieber die Fächer Ethik oder Philosophie als Ersatz belegen.

Diese Aussagen sind allgemein bekannt, treffen diese denn auch wirklich zu? In Deutschland gibt es nicht nur den klassisch konfessionellen Religionsunterricht, sondern auch noch andere Modelle. Viele Menschen wissen dies allerdings nicht, macht dies denn einen Unterschied? Woran liegt denn die scheinend allgemein bekannte Unzufriedenheit eigentlich? Daraus ergibt sich die Frage, ob der Religionsunterricht in den Schulen denn noch zeitgemäß ist oder sollte man diesen umgestalten?

Meine Leitfrage für diesen Aufsatz habe ich mir daher wie folgt überlegt: „Wie kann Religionsunterricht zukunftsorientiert gestaltet sein?".

Die oben genannten Meinungen und sich daraus ergebenden Fragen möchte ich im Laufe meiner Arbeit beantworten. Dafür werde ich zuerst einmal die verschiedenen Modelle des deutschen Religionsunterrichts vorstellen. Danach werde ich mich aber auf das klassische Modell des konfessionellen Unterrichtes beziehen und Studien darstellen, diese legen dar, was Schüler*innen und Lehrer*innen über den aktuell gestalteten Unterricht denken. Darauf folgend möchte ich die möglichen Änderungen des Unterrichts nennen, die aus den zuvor dargestellten Studien folgen. Hinzu nehmen werde ich noch weitere Vorschläge von Theologen, wie der Religionsunterricht auch in Zukunft sinnvoll erhalten bleibt, genauso wie Wünsche von Schüler*innen und Lehrenden.

2. Hauptteil

2.1 Verschiedene Modelle des Religionsunterrichts

In Deutschland gibt es vier verschiedene Arten von Religionsunterricht in den weiterführenden Schulen. Der Regelfall, den die meisten kennen, ist der konfessionelle Religionsunterricht. In dieser Art des Unterrichts geht es darum, dass Kenntnisse und Fähigkeiten dieser Konfession erlernt und beherrscht werden1. Dazu gehört dann auch, sich eine eigene begründete Meinung, manchmal auch in Beziehung mit dem christlichen Glauben bilden zu können und die Werteerziehung in Form von den zehn Geboten oder mit den verschiedenen Modellen der Urteilsbildung in der Ethik2. Dieses Modell des Religionsunterrichtes werde ich in meiner Arbeit behandeln, die anderen drei Ausnahmefälle werde ich dennoch jetzt noch vorstellen, da ich auf diese im Laufe meiner Arbeit immer wieder zurück greifen werde.

In Berlin wird das Fach „Lebensgestaltung - Ethik - Religionskunde" unterrichtet, im Gegensatz zum herkömmlichen Religionsunterricht werden dort Kenntnisse von religiösen Traditionen und Weltanschauungen vermittelt3. Die Schüler*innen sollen des Weiteren auch lernen sich in einer pluralistischen Welt zu orientieren4, auf die pluralistische Welt werde ich im Laufe meiner Arbeit noch als Kriterium für einen zukunftsorientierten Religionsunterricht noch eingehen.

Der „Dialogische Religionsunterricht" wird in Hamburg unterrichtet, dort werden die verschiedenen Traditionen von Religionen berücksichtigt und es ist kein Vorwissen und keine Erfahrungen von zu Hause notwendig5.

In Bremen gibt es ein ähnliches Modell wie in Hamburg, hier wird „Religionskunde" unterrichtet6. Der Unterschied zu Hamburg ist, dass hier über Religion unterrichtet wird und in Hamburg in Religion7. Außerdem wird der Unterricht hier aus einer bekenntnisneutralen Perspektive unterrichtet und in Hamburg von einer Religionsgemeinschaft für alle8, insgesamt ist der Unterricht in oder über Religion sich sehr ähnlich.

2.2 Wie beliebt ist der Religionsunterricht an deutschen Schulen?

Um die Frage meiner Arbeit nach einem zukunftsorientierten Religionsunterricht an deutschen Schulen später beantworten zu können, muss ich zuerst einmal den jetzigen Unterricht an deutschen Schulen betrachten. Was läuft denn nach der Meinung der Schüler*innen im Religionsunterricht falsch? Und was wünschen diese sich für den Unterricht? Eine Studie zeigt, dass der Religionsunterricht von 44,1% der befragten Schüler*innen gerne besucht wird und von 25,9% sogar sehr gerne9. So sind es 70% der Schülerschaft, die den Religionsunterricht zumindest gerne besuchen. Somit ist die Behauptung, dass der Religionsunterricht an deutschen Schulen unbeliebt ist, widerlegt. Der Religionsunterricht wurde sogar von 11,7% der Befragten als Lieblingsfach angegeben10 und ist in den letzten Jahren an Beliebtheit noch gestiegen11.

Trotz seiner Beliebtheit sehen die Jugendlichen den Unterricht als altmodisch an12, gegen diese Sichtweise sollte die Kirche direkt handeln, damit der Unterricht nicht an Beliebtheit direkt wieder verliert.

Obwohl die Beliebtheit gestiegen ist und im allgemeinen der Religionsunterricht als beliebt gilt, sollte dieser immer im Auge behalten werden und der Zeit angepasst werden. Immer weniger Kinder werden getauft, etwas weniger als die Hälfte aller Neugeborenen werden nach

Angaben einer Diözese noch getauft13. Durch die fehlende katholische Erziehung fehlt das nötige Grundwissen für den aktuellen katholischen Religionsunterricht, um die gleichen Voraussetzungen für alle Schüler*innen zu schaffen, muss der Unterricht erneuert werden. Des Weiteren kommt noch hinzu, dass seit einigen Jahren immer mehr andersgläubige in Deutschland leben. Diese Schüler*innen nehmen alle am Religionsunterricht teil, nicht für jede Religion kann aus Lehrermangel ein eigener Religionsunterricht stattfinden. Zum Beispiel in dem Stadtteil HöVi in Köln liegt der Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund bei 51,4%14. Mit einem so großen Anteil von unwissenden, was den Katholizismus angeht, ist ein konfessioneller Religionsunterricht schwer zu halten, so wie er zur Zeit nach den deutschen Bischöfen beschlossen ist15.

Ein weiteres Hindernis für den Religionsunterricht ist, dass der Glaube der Menschen immer individueller wird16. Wenn man nach Clauß Peter Sajak geht, gibt es sieben verschiedene Arten von Glauben bei den Jugendlichen17, auf diese kann nicht immer gleichermaßen eingegangen werden.

2.3 Änderungen des Religionsunterrichts

Aus den eben genannten Problemen des Religionsunterrichts haben Lehrende und Lernende auch wünsche für mehr Attraktivität im Unterricht formuliert. Ebenfalls äußerten auch Theologen Ihre Meinung zu einem zukunftsorientierten Religionsunterricht in den Schulen. Bevor etwas an dem aktuellen Unterricht verändert werden, müsse überlegt werden, ob und in wie weit Religion in der Schule noch gelehrt werden kann, darf und soll18. Im weiteren Verlauf des Buches, werden nach den Gestaltungsmöglichkeiten des Religionsunterrichtes gefragt19, auf diese möchte ich später in diesem Kapitel noch eingehen. Clauß Peter Sajak sieht den Religionsunterricht als berechtigt und nötig in den Schulen. Er begründet seine Meinung mit dem Modell der „vier Modi der der Welterschließung" von Jürgen Baumert20. Nach diesem Modell benötigt der Mensch die Religion um sich die Welt mit der Religion erschließen zu können. Jeder Mensch sollte die Möglichkeit haben sich seinen Weg der Welterschließung selbst aussuchen zu können, dazu gehört auch der Weg durch die Religion.

Nachdem die Frage ob Religion in die Schule gehört beantwortet ist, möchte ich nun fortfahren mit den Überlegungen für einen zukunftsorientierten Religionsunterricht.

Ein zukunftsorientierter Religionsunterricht muss sich nach Heinrich Spanuth die Frage stellen „Wie kann das alte Evangelium seine Kräfte entfalten in einer veränderten Welt- und Naturerkenntnis?"21 und seine Antwort auf diese Frage ist die Lehrer*innenausbildung. Seiner Meinung nach, muss sich die Lehrer*innenausbildung für einen besseren Religionsunterricht ändern22. Was bringt uns ein zukunftsorientierter Religionsunterricht, wenn die Lehrerkräfte nicht im Stande sind die zentralen Themen des katholischen Glaubens verständlich den Lernenden wiederzugeben? Fritz Oser ist ebenfalls dieser Meinung, für ihn sollte die Lehrerausbildung in den Theologischen Fächern dualer gestaltet sein, dass heißt, die Studierenden sollten vor einer Vorlesung schon einmal in einer Schulklasse gewesen sein23. Wenn dies geschehe, dann wissen die Lehramtskandidaten schon was in der Schule wieder von den Schüler*innen erwartet wird und können besser auf die wichtigen Aspekte der Vorlesung achten und somit gezielt für den späteren Beruf lernen.

Nachdem die Lehrer*innen ihr Studium beendet haben und sich gezielt Wissen angeeignet haben, sollten diese in der Schule nun auf die folgenden Aspekte eines zukunftsorientierten Religionsunterrichts achten.

[...]


1 Vgl.: Parlamentarischer Rat: Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland Art 7. Online unter: https://www.gesetze-im-internet.de/gg/art_7.html (Stand: 15.01.2021)

2 Vgl.: Ebd.

3 Vgl.: Kramer, Jens: Lebensgestaltung - Ethik - Religionskunde. Online unter: https://www.bibelwissenschaft.de/fileadmin/buh_bibelmodul/media/wirelex/pdf/Lebensgestaltung_Ethik_Reli gionskunde__2018-09-20_06_20.pdf (Stand: 15.01.2021)

4 Vgl.: Ebd.

5 Vgl.: Knauth, Thorsten: Dialogischer Religionsunterricht. Der Hamburger Weg eines Religionsunterrichts für alle. Online unter: https://www.bibelwissenschaft.de/fileadmin/buh_bibelmodul/media/wirelex/pdf/Dialogischer_Religionsunter richt_Der_Hamburger_Weg_eines_Religionsunterrichts_f%C3%BCr_alle_ 2018-09-20_06_20.pdf (Stand: 15.01.2021)

6 Vgl.: Sajak, Clauß Peter: Religion unterrichten. Voraussetzungen, Prinzipien, Kompetenzen. Seelze 2013, 24

7 Vgl.: Ebd.

8 Vgl.: Ebd.

9 Vgl.: Bucher, Anton A./ Nikolasch, Franz/ Reiterer, Friedrich (Hg.): Salzburger Theologische Studien, Bd. 3: Religionsunterricht: Besser als sein Ruf? Empirische Einblicke in ein umstrittenes Fach. Innsbruck - Wien 1996, 39

10 Vgl.: Ebd., 40

11 Vgl.: Ebd., 84

12 Vgl.: Ebd., 42

13 Vgl.: Linder, Konstantin/ Naurath, Elisabeth/ Schambeck, Mirjam/ Simojoki, Henrik (Hg.): Zukunftsfähiger Religionsunterricht. Konfessionell - kooperativ - kontextuell. Freiburg im Breisgau 2017, 28

14 Vgl.: Meurer, Franz/ Otten, Peter: Wenn nicht hier, wo sonst? Kirche gründlich anders. Gütersloh 2011, 14

15 Vgl.: Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz(Hg.): Die deutschen Bischöfe, Bd. 78: Kirchliche Richtlinien zu Bildungsstandards für den katholischen Religionsunterricht in den Jahrgangsstufen 5 -10/ Sekundarstufe I (Mittlerer Schulabschluss). Bonn4 2010

16 Vgl.: Lindner/ Naurath/ Schambeck/ Simojoki: Religionsunterricht, 29

17 Vgl.: Sajak: Religion, 55

18 Vgl.: Schweitzer, Friedrich/ Simojoki, Henrik: Religionspädagogik in pluraler Gesellschaft, Bd. 5: Moderne Religionspädagogik. Ihre Entwicklung und Identität. Freiburg im Breisgau 2005, 33

19 Vgl.: Ebd., 238

20 Vgl.: Sajak: Religion, 17

21 Schweitzer/ Simojoki: Religionspädagogik, 30

22 Vgl.: Ebd.

23 Vgl.: Bucher/ Nikolasch/ Reiterer: Studien, 87

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Religionsunterricht in Schulen. Wie kann er zukunftsorientiert gestaltet sein?
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Note
2,3
Jahr
2021
Seiten
13
Katalognummer
V1019898
ISBN (eBook)
9783346413222
ISBN (Buch)
9783346413239
Sprache
Deutsch
Schlagworte
religionsunterricht, schulen, unterricht, moderne, zukunft, zukunftsorientiert
Arbeit zitieren
Anonym, 2021, Religionsunterricht in Schulen. Wie kann er zukunftsorientiert gestaltet sein?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1019898

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