Ueber die Entstehung der Schillerschen Aesthetik


Hausarbeit, 2000

28 Seiten


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INHALTSVERZEICHNIS

1 Einleitung

2 Politik und Gesellschaft zur Zeit der Entstehung

3 Schillers biographische Situation zur Zeit der Entstehung
3.1 Sozialisation Schillers
3.1.1 Die Jugendjahre
3.1.2 Sachsen, Weimar und Jena
3.1.3 Die Freundschaft mit Goethe
3.1.4 Letzte Jahre in Weimar
3.2 Einflussparameter
3.2.1 Einflüsse Kants
3.2.2 Einflüsse Goethes
3.2.3 Einflüsse der Französischen Revolution

4 Ästhetik
4.1 Definitionen von Ästhetik
4.1.1 Ursprung der Ästhetik
4.1.2 Baumgartens Ästhetikbegriff
4.1.3 Kants Ästhetikbegriff
4.2 Schillers Verständnis von Ästhetik

5 Ausblick

Zeittafel

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Der Grund, einen Textüber dieästhetische Erziehung des Menschen von Friedrich Schiller zu schreiben ist nicht von gleich klar, gibt es doch bereits eine Vielzahl verschiedener Diskurse, die Betrachtungen von Problemstellungen liefern. In der Literatur finden sich weit mehr als 7 Perspektiven auf die Ästhetik Schillers, so gibt es Texte die, die Ästhetik in den Vordergrund stellen, Texte, die sich lesen lassen als, Anthropologie, Staats- bzw. Gesellschaftstheorie, Erziehungsmodell, Geschichts- Natur- oder Moralphilosophie.

In dieser Arbeit werden die Ausdifferenzierungen dieser Richtungen nur angerissen. Die Perspektive dieser Arbeit ist eine phänomenologische (?). Der phänomenologische Charakter hat seinen Ursprung im Ziel dieser Arbeit, sie will einen Überblicküber die Ideen und Erfahrungen geben, die in Briefe eingegangen sind, sie möchte den Gedanken Schillers einen Weg in unsere Zeit ebnen.

Die einfachsten und zugleich schwierigsten Fragen des ,,warum" und ,,wofür" sollen behandelt werden. Warum hat Schiller diese Arbeit geschrieben. Und welchem Zweck soll sie dienen. Die Arbeit versucht Antworten zu finden, warum es sinnvoll und nützlich sein könnte, sich heute mit Fragen der Ästhetik und Kunst auseinander zusetzen. Mir ist es wichtig, zu betonen, dass ich im Rahmen diese Arbeit nur eine Skizze anfertige, von dem was mir im Kontext der Entstehung der Briefe als wichtig erscheint.

Diese Arbeit ist in 5 Teile gegliedert. In Teil 1 befinden wir uns jetzt, Teil 2 gibt einen kurzen Überblicküber die politische und gesellschaftliche Situation zur Zeit der Entstehung. Teil 3 behandelt die Biographie Schillers und soll den Leser mit Schillers Sozialisation vertraut machen. Es ist der Versuch den Leser in die Perspektive Schillers einzuführen, die er entwickelt hat aus den Erfahrungen seines Lebens und somit indirekt auf die Ideen seiner Briefe wirken. Daran anschließend gehe ich näher auf die Parameter ein, die Schiller beim Verfassen seiner Briefe direkt beeinflusst haben. Teil 4 gibt einen Einblick in die klassischen Schulen der Ästhetik, die für Schiller Bedeutung hatten und zeigt ihr thematisches Feld auf, um abschließend Schillers Ästhetikverständnis einzuführen. Teil 5) versucht aus den dargelegten Aspekten zur Ästhetik die Relevanzästhetischer Erfahrung und Erziehung für die heutige Zeit darzustellen.

Das Ergebnis meiner Auseinandersetzung ist, These dassästhetisches Denken heute in besonderer Weise zum Begreifen unserer Wirklichkeit fähig ist.

Ästhetisches Denken ist von Grund auf wahrnehmungsverbunden und daher wie zugeschnitten auf unsere durch Wahrnehmungsformen konstituierte Wirklichkeit. So stellt die Erfahrung moderner Kunst, als Modellästhetischen Denkens, eine mustergültige Einübung zur Erfassung der gegenwärtigen Wirklichkeit von Pluralität dar. Denn moderne Kunst ist auch das Nebeneinander hochgradig differenter Gestaltungen. Wer sich in diese Pluralität der Kunst eingelassen hat und der Wahrnehmung in seinem Denken Raum gibt, der ist gerüstet sich auch auf die verschiedensten Wirklichkeiten einzulassen und die Gestaltungslogiken des oder der anderen nicht nur wahrzunehmen, sondern auch zu akzeptieren. Er begreift die Spezifität und Begrenztheit aller Konzepte und lockert letztendlich die Sperren eingefahrener Wirklichkeitsauffassungen.

2 Politik und Gesellschaft zur Zeit der Entstehung

Die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts ist geprägt von der gedanklichen Durchdringung aller Lebensbereiche. Der tonangebende Philosoph in Deutschland, Immanuel Kant, formulierte die Aufklärung als Befreiung des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Fragen der Erkenntnistheorie, der Ethik, der Gesellschaftsordnung, aber auch der Ästhetik waren die Themen der gebildeten Kreisen. Im deutschen Kulturleben sind es unter anderem Herder, Lessing und Kant, die neben Goethe und Schiller das geistige Klima prägten, in der französischen Kultur, die stark auf die deutsche wirkte sind es Voltaire, Rousseau und Montesquieu; letzterer entwickelte die theoretischen Grundlagen der modernen Demokratie. In England verfasste Adam Smith den ersten Entwurf einer modernen Wirtschaftstheorie. Die Aufklärungszeit entfaltete ein Idealbild des Menschen. Der Glaube an die Autorität der Kirche musste der Herrschaft der Vernunft weichen; der Mensch sei von seiner Natur her zur Freiheit bestimmt. Der Erziehungs- und Bildungsgedanke lebte demzufolge ebenfalls stark und zeigte sich in Werken wie Lessings Erziehung des Menschengeschlechts, Rousseaus Erziehungsroman Emile und Goethes Wilhelm Meister. Dementsprechend dachte man sich eine Gesellschaftsform, in der Toleranz, Freiheit und Menschenwürde herrschten. Als 1789 die französische Revolution ausbrach, die eben diese Ideale - Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit - auf ihre Fahnen schrieb, ergriff zunächst eine große Begeisterung weite Kreise. Als aber bald ganz andere, instinktive Kräfte die Oberhand gewannen und sämtliche Humanitätsideale hinwegfegten, wurden der fortschrittsgläubige Optimismus und die Umsturzbegeisterung gedämpft. Es zeigte sich wie schwach die Ideale gegenüber der zerstörenden Triebnatur des Menschen ausgeprägt waren, wenn sie sich im politischen Handeln bewähren sollten.

Schiller, der diese Vorgänge mit größter Anteilnahme verfolgte, erkannte in der Entwicklung und Bildung des Individuums die notwendige Voraussetzung für eine neue Gesellschaftsordnung.

3 Schillers biographische Situation zur Zeit der Entstehung

Die biographische Situation, in der die Briefe Über dieästhetische Erziehung des Menschen entstanden sind, datiert das Ende von Schillers Sturm- und Drangzeit. Mit dem Don Carlos hat er die Gruppe seiner frühen Dramen abgeschlossen. Mit der Wallenstein- Triologie hebt ein ganz neues dramatisches Schaffen an, das im Zeichen der Freundschaft mit Goethe steht und die Weimarer Klassik einleitet. Genau zwischen diesen beiden Schaffensperioden verfasste er die Briefe, schon ganz von dem bewundernden Blick auf Goethes Genie inspiriert.

Die Originalbriefe verfasste er im Laufe des Jahres 1793, als Dank sandte Schiller sie an seinen Wohltäter den Erbprinzen von Augustenburg, der ihn durch eine dreijährige Zuwendung von seinen materiellen Zwängen befreite. Diese Originale sind einem Brand im Kopenhagener Schloss zum Opfer gefallen. Nach seiner Bekanntschaft mit Goethe und seiner Auseinandersetzung mit Kant bearbeite Schiller seine Briefe neu um sie in seiner Zeitung Die Horen zu veröffentlichen. Die ursprüngliche Briefform behielt er bei.

3.1 Sozialisation Schillers

Der folgende biographische Teil der Arbeit, setzt sich mit der Person Friedrich Schiller auseinander und soll einen Überblicküber seinen Lebensweg geben. Mein Ziel ist es, dem Leser den Menschen Friedrich Schiller näher zu bringen, um das Verstehen seiner Ideen und Begriffe zu erleichtern. Konkret heißt das, eine Beziehung aufzubauen zwischen dem Menschen und seinen Schriften. Denn Schiller schreibt in denästhetischen Briefen natürlich nur in seinen Formen. Seine Ideen entstammen dem Kontext seiner Sozialisation, da diese für ihn die Realität in geeigneter Weise erschließen. So ist es sinnvoll die Kontexte zu kennen, die ihn geprägt haben. Wobei die Auswahl natürlich wiederum individuell durch mich geprägt ist.

3.1.1 Die Jugendjahre

Am 13. Januar 1782 gingen Die Räuber zum erstenmalüber die Bretter des Mannheimer Nationaltheaters. Das Stück, ein Jahr zuvor im Druck erschienen, war berüchtigt und so kamen die Besucher von nah und fern. Andreas Streicher, Schillers Jugendfreund berichtet über die Wirkung des Stückes auf die Premierenbesucher folgendes: "Das Theater glich einem Irrenhaus, rollende Augen, geballte Fäuste, heisere Aufschreie im Zuschauerraum.

Fremde Menschen fielen einander schluchzend in die Arme, Frauen wankten einer Ohmacht nahe, zur Türe. Es war eine allgemeine Auflösung wie im Chaos, aus dessen Nebel eine neue Schöpfung hervorbricht."

Dem damaligen Intendant des Nationaltheaters Freiherr Heribert von Dahlberg lagen Schillers höchst unbürgerliche, ja revolutionäre Räuber nicht wirklich. Trotzdem entschloss er sich, das Trauerspiel aufzuführen, jedoch nicht ohne Eingriffe. So wurde die Handlung - gegen die Meinung des Ensemble-Ausschusses - aus der kaum verflossenen Gegenwart, der Mitte des 18. Jahrhunderts, zurückverlegt in das Jahr 1495, als Kaiser Maximilian den ewigen Landfrieden für Deutschland stiftete.

Schiller war zur Uraufführung nach Mannheim gekommen, ohne Urlaub bei seinem Regimentschef zu nehmen, und als er in einer Zeitung angegriffen wurde, weil in den Räubern das Graubündnerland das "Athen der heutigen Gauner" genannt wird, verbot ihm Herzog Karl Eugen von Würtemberg jede nichtmedizinische Schriftstellerei und jegliche Verbindung zum "Ausland", zu dem damals alles gehörte, was nicht Würtemberg war.

Schiller war vom Herzog abhängig. Geboren am 10. November 1759 in Marbach am Neckar, war er als Vierzehnjähriger zum Studium in die herzogliche Militärakademie eingezogen worden. Die herzogliche Willkür hatte den Jungen zum Studium der Juriprudenz bestimmt. Später war es Schiller möglich an die neugegründete Fakultät für Medizin zu wechseln. Auch sein Vater stand, als Offizier im herzoglichen Dienst in dessen Abhängigkeit.

Die Räuber beendete Schiller 1780 im gleichen Jahr nach seiner Entlassung aus der Akademie wurde er "Regimentsmedikus".

Nach der Uraufführung der Räuber 1782 war er noch ein zweites Mal ohne Urlaub in Mannheim und wurde dafür vom Herzog in Arrest genommen. In tiefer Niedergeschlagenheit arbeitete Schiller am Fiesco, und hoffte auf Dahlberg, der ihm in Aussicht gestellt hatte, ihn nach Mannheim zu holen.

Am Abend des 22. September 1782 fuhren Schiller und sein Freund Streicher unter den Namen Dr. Ritter und Dr. Wolf, durch das Eßlinger Tor aus Stuttgart hinaus. Sie flüchteten. Im Fluchtgepäck waren Shakespeare und der nicht ganz vollendete Fiesco. In Mannheim angekommen, las Schiller das Stück, auf das er alle Hoffnungen zur Gründung einer neuen Existenz gesetzt hatte, dem Regisseur Meyer, und einigen Schauspielern vor, dies wurde zur Katastrophe. Meyer zu Streicher: " Weil der Fiesco das allerschlechteste ist, was ich je in meinem Leben gehört, und weil es unmöglich ist, dass derselbe Schiller, der Die Räuber geschrieben, etwas so Gemeines, Elendes sollte gemacht haben."

Meyer nahm das Manuskript mit und hielt es am nächsten Morgen für ein Meisterwerk: " Aber wissen Sie auch, was Schuld daran ist, dass ich und alle Zuhörer es für das allerelendste Machwerk hielten? Schillers schwäbische Aussprache und die verwünschte Art, wie er alles deklamiert." Dennoch brachte der Fiesco Schiller kein Glück. Seine Versuche, von seinem Herzog die Erlaubnis zur Rückkehr und zum ungehinderten Schreiben zu erhalten, scheiterten, und Dahlberg zahlte keinen Vorschuss, bevor der Fiesco nach seinen Wünschen umgearbeitet und vollendet war.

Aus der katastrophalen finanziellen und psychischen Lage rettete ihn Karoline Freifrau von Wolzogen, die Mutter eines Stuttgarter Akademiekameraden und späteren Schwagers Wilhelm Freiherr von Wolzogen . Frau von Wolzogen hatte Schiller schon seit langem für den Notfall eine Zuflucht in Bauerbach, einem Dorf im Thüringischen, angeboten, wo sie ein kleines nur gelegentlich benutztes Gutshaus besaß.

In der Idylle von Bauerbach, schrieb Schiller das genialste und aufwühlendste Werk seiner Jugendperiode. Das bürgerliche Trauerspiel Luise Millerin, das unter dem nicht von ihm stammendem Titel Kabale und Liebe unsterblich geworden ist.

Schon während der Arbeit an der Luise Millerin verfolgte Schiller neue dramatische Pläne. Don Carlos und Maria Stuart. In der ländlichen Zuflucht von Bauerbach zeigt sich die Ungeduld des dramatischen Dichters, der sich selten mit der Arbeit, die er gerade unter der Hand hat begnügt.

Ende Juli 1783 kehrte Schiller nach Mannheim zurück, wo er am 1. September für ein Jahr von Dahlberg als Theaterdichter angestellt wurde.

Schiller, der mit Geld nicht umzugehen verstand, konnte das kostspielige Leben in Mannheim nicht bestreiten. Er hatte alte und machte neue Schulden. Und auch am Theater wurde er seines Lebens nicht froh. Sein offenes und kühnes Wesen, der revolutionäre Ton seiner Dichtung, stießen in der Mannheimer Gesellschaft auf Ablehnung und Anfeindungen. So lief denn auch sein Vertrag mit dem Nationaltheater Anfang 1784 aus, ohne ein Wort der Erklärung oder des Bedauerns. Sein Gläubiger stürzten sich umso wütender auf ihn.

Der Dichter erlebte Tröstung von unerwarteter Seite. Vier unbekannte Personen aus Leipzig - der Konsistorialrat Körner, der Lektor Huber und die zwei Schwestern Minna und Doro, deren Verlobten - hatten ihm einen langen Brief mit Worten der schwärmerischsten und dankbarsten Verehrung geschrieben, begleitet von einer Einladung nach Leipzig. Endlich sieben Monate nach Erhalt des Briefes, der ihn tief bewegt hatte, folgte er der Einladung im April 1785.

3.1.2 Sachsen, Weimar und Jena

In Körner gewann Schiller einen kunstverständigen und selbstlosen Freund, der in Anlage und Bildung dazu geschaffen war, Schillers geistige Entwicklung ebenso nachdrücklich wie entscheidend zu fördern.

Schiller verbrachte eineinhalb Jahre bei seinen neuen Freunden in Leipzig und Dresden. In dieser Zeit vollendetet er die zwei letzten Akte des Don Carlos. Aus der ursprünglich geplanten Familientragödie, war inzwischen ein Ideendrama geworden, bei dessen Ausarbeitung der Dichter Lessings Nathan der Weise vor Augen hatte. Aus dieser Zeit stammt auch das Gedicht, das Schillers Nameüber die Erde getragen hat, der Hymnus An die Freude.

So sehr er die Gesellschaft der Freunde schätze, so unvermeidlich führte doch die unselbstständige Gastexistenz zu allmählicher Stockung seiner produktiven Kräfte. Am 20.7.1787 verließ er Dresden in Richtung Weimar. Zwei Jahre nach der Trennung von seinen Freunden bemerkte Schiller zu Körner: "Hätte ich nicht die Degeneration meines Geistes so tief gefühlt, ich hätte euch nie verlassen oder hätte mich bald wieder zu euch gefunden. Aber es ist traurig, dass die Glückseeligkeit, die unser ruhiges Zusammenleben mir verschaffte, mit der einzigen Angelegenheit, die ich der Freundschaft nicht zum Opfer bringen kann, mit dem inneren Leben meines Geistes, unverträglich war."

An seinem ersten Abend in Weimar traf er sich mit Charlotte von Kalb, die er aus Mannheim kannte. Sie führte ihn in das gesellschaftliche Leben der Stadt ein.

Zu Schillers Enttäuschung befand sich Goethe in Italien. Dafür wurde er gleich an den ersten Tagen von den zwei anderen "weimarischen Riesen", von Wieland1 und Herder2, empfangen.

In Weimar beschäftigte er sich fast ausschließlich mit historischen Studien, deren erste Frucht die Geschichte des Abfalls der vereinigten Niederlande von der spanischen Regierung war. Schiller hoffte, durch eine gefällige und lebendige Darstellung interessanter historischer Stoffe endlich einmal genügend Geld für eine sorgenfreie Existenz zu verdienen. Und tatsächlich war der Erfolg der Geschichte des Abfalls der Niederlande groß und unmittelbar undänderte sein Leben früher, als er es für möglich gehalten hatte. Der Lehrstuhl für Geschichte an der Universität Jena war frei und Schiller folgte dem Ruf nach Jena. Die Professur war allerdings ohne Besoldung.

Im Mai siedelte Schiller nach Jena um. In seiner Antrittsrede Was heißt und zu welchem Ende studiert man Universalgeschichte brach - in dem Schwung seiner Sprache - der Dramatiker durch, den er auch hier nicht verleugnen konnte. Das Auditorium war begeistert. Die Freudeüber den Erfolg der ersten Vorlesungen legte sich schon bald. Er schreibt an Charlotte von Lengefeld :"Hier ist auch gar kein Mensch, an den ich mich als Freund anschließen könnte. Ich bin wie einer, der an eine fremde Küste verschlagen worden und die Sprache des Landes nicht versteht. Meinem Herzen fehlt es ganz und gar an Nahrung, an einer beseelenden Berührung und, durch keinen Gegenstand um mich hergeübt, der mir teuer wäre, verzehrt sich mein Gefühl an wesenlosen Idealen."

Schon 1787 hatte Schiller während eines Aufenthaltes in Rudolstadt Luise von Lengenfeld und ihre Töchter Karoline und Charlotte kennen gelernt. Charlotte, die um drei Jahre jüngere Schwester, war eine Patin der Frau von Stein, der langjährigen Freundin Goethes. Von Anfang an fühlte sich Schiller zu den beiden Schwestern hingezogen. Ein längerer Besuch im Sommer und Herbst 1788 hatte die Verbindung vertieft. Schiller war nicht so feurig verliebt, wie er es früheröfter gewesen war. Doch Charlotte von Lengenfeld hatte während des Sommers sein Herz erobert.

Goethe, der zu dieser Zeit aus Italien zurückgekehrt war, kam auf dem Rückweg nach Rudolstadt. Es kam zu der ersten Begegnung zwischen den beiden Dichtern. Das entscheidende Kapitel in Schillers Leben, sein Kampf und Werben um Goethes Anerkennung beginnt.

Der Herzog Karl August, gewährte Schiller um die Heirat mit Charlotte von Lengefeld zu ermöglichen, bei einer Audienz eine jährliche Pension. Durch den Meininger Herzog ließ er ihm zusätzlich einen Titel verleihen, den Rang eines Hofrats. Schiller bemerkte dazu : "Ich bin seit einigen Tagen um eine Silbe gewachsen."

Am 21. Februar 1790 fand die Hochzeit statt. Ein Jahr später erkrankte Schiller, der immer schon eine schwache Gesundheit gehabt hatte und in dessen Art es nicht lag, seine Kräfte zu schonen, an einer lebensgefährlichen Krankheit. Vermutlich handelte es sich um eine Lungenentzündung verbunden mit einer Rippenfellentzündung.

Erst zwei Monate später konnte er wieder zur Feder greifen. Doch von nun an stand er unter dem Schatten des Todes. Das nicht abzuschüttelnder Gefühl der kurzen Frist, spornten ihn zu den "Riesenleistungen des Geistes" an, wie Goethe später einmal bemerkte. Doch zunächst hatte die Krankheit ihn 1400 Taler gekostet und er machte sich schwere Sorgen um seine Zukunft und die seiner Frau.

Die entscheidende Hilfe, die Erlösung aus aller wirtschaftlichen Not, kamüberraschend und von weit her. Ein Jahr zuvor hatte Schiller den Besuch des jungen dänischen Dichters Jens Baggesen erhalten. In Dänemark wurde der begeisterungsfähige Mann zum Apostel Schillers. Zu den Jüngern, die er gewann, gehörte der Finanzminister Graf Schimmelmann und der dänische Erbprinz Friedrich Christian von Holstein-Sonderburg-Augustenburg. Der Prinz hatte sich während einer deutschen Reise nach den Umständen des Dichters erkundigt und empört nach Hause geschrieben: "DasÜbermaßvon Arbeit hat ihn geschwächt, und dieseübermäß ige Arbeit ist notwendig, damit er das Leben seiner Familie bestreiten kann."

Im Einvernehmen mit dem Finanzminister, bot der Prinz Schiller auf drei Jahre eine Ehrengabe von jährlich 1000 Talern an. Als Dankesbezeugung sandte Schiller seinem Wohltäter in der folgenden Schaffensperiode die Reihe von Briefen, in denen er seine Gedanken zur Bedeutung der Schönheit in Kunst und Leben auseinandersetzt Kurze Zeit später bestellte sich Schiller in in Leipzig Kants Kritik der Reinen Vernunft. Etwas mehr als drei Jahre zog sich die Auseinandersetzung mit der kantischen Philosophie hin. Im Winter 1792/93 nahm er seine Vorlesungen wieder auf, diesmal ausschließlichüber die ihm aus der Kritik der Urteilskraft entstandenenästhetischen Fragen.

Anfang September 1792 verlieh ihm das französische Nationalkonvent wegen seiner Verdienste um die Sache der Freiheit den Ehrentitel eines "citoyen francais".

3.1.3 Die Freundschaft mit Goethe

1994 lud Schiller Goethe zur Mitarbeit an der Redaktion der Horen ein. Es sollte eine repräsentative Zeitschrift des deutschen Geistes sein, mit dem Ziel der Beförderung einer wahren Humanität. Schiller hatte zuvor schon Fichte3 und Humboldt4 für die Redaktion gewinnen können. Und Goethes Zusage ließ nur wenige Tage auf sich warten, in der es heißt: "Ich werde mit Freude und von ganzem Herzen mit von der Gesellschaft sein."

Aus einem Streitgesprächüber die Urpflanze, einen Monat später nach der Tagung der "Naturforschenden Gesellschaft" in Jena, entwickelte sich ihr Bund.

Goethe betrachtete die Urpflanze als eine Erfahrung, Schiller aber als eine Idee. Die Frage, ob die lebendige Erfahrung oder die abstrakte Idee den Vorrang habe, trennte sie ihrem Wesen und ihrem Talent nach im Innersten, und die Klärung dieser Trennung machte sie fähig, sich zu verbünden. "Wenn er das für eine Idee hielt, was ich als Erfahrung aussprach", schrieb Goethe später, "so musste doch zwischen beiden irgend etwas Vermittelndes, Bezügliches obwalten! ...und so besiegelten wir, durch den größ ten, vielleicht nie ganz zu schlichtenden Wettkampf zwischen Objekt und Subjekt einen Bund, der ununterbrochen gedauert und für uns und andere manches Gute gewirkt hat."

Diesem Gespräch folgte ein ebenso werbender, wie klug charakterisierender Brief Schillers zu Goethes Geburtstag. In seiner Antwort schreibt Goethe "Ich darf nunmehr Anspruch machen, durch sie selbst mit dem Gang ihres Geistes, besonders in den letzten Jahren, bekannt zu werden. Haben wir uns wechselseitig die Punkte klar gemacht, wohin wir gegenwärtig gelangt sind, so werden wir desto ununterbrochener gemeinschaftlich arbeiten können."

Es folgte ein Besuch Schillers bei Goethe in Weimar. Nach seiner Rückkehr aus Weimar, machte sich Schiller sogleich an eine für die ersten Hefte der Horen bestimmte Arbeit: Die an den Prinzen von Augustenburg gerichteten Originalbriefeüber dieästhetische Erziehung des Menschen, die er veröffentlichen wollte, waren durch einen Brand im Kopenhagener Schloss vernichtet worden. Abschriften eines Teils dieser Briefe und Schillers ursprüngliche Entwürfe waren zwar erhalten, aber er war mit ihnen nicht mehr zufrieden. Seine Sturm- und Drangzeit gehört der Vergangenheit an. Die Gruppe seiner frühen Dramen ist abgeschlossen. Genau zwischen diesen beiden Schaffensperiodenüberarbeitete er dieästhetischen Briefe, schon ganz von dem bewundernden Blick auf Goethes Genie inspiriert.

1795 wandte er sich wieder der Dichtung zu. Es entstanden Schillers formal vollendete und gedankenreiche Lehrgedichte. Nach einigen Versuchen hatte Schiller die gesuchte Meisterschaft der Form und der Ausdrucksmittel gefunden, die sich schon in einigen Stellen derästhetischen Briefe ankündigten. Er schreibtüber das Gedicht Das Ideal und das Leben an seinen Freund Körner : "Es ist gewiss, dass die Bestimmtheit der Begriffe dem Geschäft der Einbildungskraft und endlich vorteilhaft ist. Hätte ich nicht den sauren Weg durch meine Ästhetik geendigt, so würde dieses Gedicht nimmermehr zu der Klarheit und Leichtigkeit in einer so diffizilen Materie gelangt sein, die es wirklich hat."

Mit der Zeit mehrten sich Goethes Besuche bei Schiller in Jena. Er blieb dann Wochen und Monate.

Ende 1796 und Anfang 1797 entstanden in der ersten Zusammenarbeit zwischen Schiller und Goethe die Xenien, eine Sammlung kurzer Epigramme in Ditichenform nach dem Muster des römischen Satirikers Martial. Es war eine gemeinsame Kriegserklärung gegen die Halbheit und Charakterlosigkeit in der zeitgenösischen Literatur.

Mitten in der lustigen Xenienarbeit war der Plan zum Wallenstein in Schiller aufgetaucht. 1799 war das dramatische Gedicht in einem Vorspiel und zwei Teilen beendet. Mit der Wallenstein -Triologie hebt ein ganz neues dramatisches Schaffen an, das im Zeichen der Freundschaft mit Goethe steht und die Weimarer Klassik einleitet.

Am 10. April 1799 war Schiller in Weimar, und einige Tage später wurde die ganze Triologie an drei kurz aufeinanderfolgenden Abenden zum ersten Mal aufgeführt. Goethe berichtete Humboldtüber den großen Erfolg, der auch die wenigen kritischen Stimmen, die sich bei den ersten Stücken geregt hatten, zum Verstummen brachte: "Wallenstein hat zuletzt alle Stimmen vereinigt, indem er aus den vorbereiteten Kelchblättern wie eine Wunderblume unversehens hervorstieg und alle Erwartungenübertraf."

Von dem intensiven geistigen Austausch, dem Höchstmaß an einander ergänzender und korrigirender künstlerischer Produktivität zeugt der Briefwechsel5 der folgenden Jahre.

3.1.4 Letzte Jahre in Weimar

Nachdem Schiller bereits 1791 wegen seines Gesundheitszustandes sein Lehramt aufgegeben hatte, siedelte er im Dezember 1799 nach Weimarüber, um Goethe und besonders dem Theater näher zu sein. Von nun an war sein Leben, soweit es ihm seine schwindenden Kräfte erlaubten, ganz seiner Arbeit und der Weimarer Bühne gewidmet. Da der Wallenstein beendet war, ging er an die Ausführung der Maria Stuart, derer er schon vor siebzehn Jahre in der Bauerbacher Idylle gedacht hatte.

Den vereinten Bemühungen Goethes und Schillers ist es in dieser Zeit gelungen, aus dem bescheidenen Weimarer Theater, für einen beschränkten Zeitraum, eine der bedeutetsten deutsche Bühnen zu machen. Dazu gehörte für Schiller neben seiner dramaturgischen Tätigkeit auch die Verbesserung und Erweiterung des Spielplans. So entstanden in Weimar eine Bearbeitung des Macbeth, der erste ernsthafte Versuch von Schiller, Shakespeare für die deutsche Bühne zu gewinnen, dann das Märchenspiel Turandot nach dem Italienischen des Grafen Gozzi6 und schließlich eine Übertragung von Racines7 Meisterwerk Phaedra, statt der Alexandriner in Jamben.

Ende Juli 1801 begann Schiller mit den Vorarbeiten zur Jungfrau von Orleans, die er schon im Frühjahr 1801 beenden konnte. Das Manuskript war kaum aus seinen Händen, als ihn wieder die Ungeduld packte. Doch diesmal verging fast ein halbes Jahr, bis er sein nächstes Drama beginnen konnte. Im Winter erkrankten seine Frau und seine Kinder an den Masern, er selber and er Cholera, verbunden mit heftigen Fieberanfällen. Er hatte gerade noch Kraft genug, die Nebenarbeit des Turandot abzuschließen.

Schließlich entschied er sich 1802 zur Bearbeitung eines Stoffes,über den er seit langem nachgedacht hatte und der, im Gegensatz zu seiner sonstigen Praxis, frei von ihm erfunden war: zur Braut von Messina. Die Arbeit ging ihm leicht von der Hand. Am 1. Februar 1803 konnte er in seinem Kalender vermerken: "Heute habe ich die Braut vollendet."

Alle seine späten Dramen, ihrer Anlage nach künstlerische Experimente, nähern sich dem ihm vorschwebenden dramatischen Ideal von höchst unterschiedlicher Seite. Soüberrascht es nicht, dass er von der hochstilisierten Braut von Messina überging zu dem volkstümlichen Freiheitsstück Wilhelm Tell.

Der Tell ist das letzte Stück, das er vollenden konnte. Es brachte ihm den größten Erfolg seines Lebens.

Im Juli 1804 hatte er sich bei der Ausfahrt eine Erkältung zugezogen, die sogleich zu schweren Kolikanfällen führte. Er schien sich wieder zu erholen und begann mit der Arbeit am Demetrius. Im Januar des neues Jahres ,1805, brachte er noch die Übertragung der Phaedra von Racine zustande. Dann ereilten ihn die schweren Fieberanfälle wieder. Anfang März wagte er sich wieder aus dem Haus und besuchte den ebenfalls erkrankten Goethe. Ein paar Tage später, am 29. April sahen sich die Freunde ein letztes Mal. Schiller war im Begriff mit seiner Schwägerin ins Theater zu gehen, Goethe war nicht in der Stimmung sie zu begleiten und sie schieden vor Schillers Haustür. Nach Schluss der Vorstellung plagte ihn wieder das Fieber von dem er sich nicht mehr erholte. Johann Christoph Friedrich Schiller starb am 9. Mai 1805.

In seinem Nachlaß fanden sich Dramenlisten mit mehr als dreißig Titeln: Stoffe aus der antiken und modernen Geschichte, Verschwörungen, große Verbrechen und große Gestalten. Neben diesen Listen lagen in seinem Schreibtisch Studienhefte, Skizzenbücher und Hunderte von losen Blättern, vollbeschrieben mit mehr oder minder ausführlichen Notizen, mit ganzen Szenarien und teilweise ausgeführten einzelnen Szenen. Die Fülle und Buntheit dieser Pläne und Entwürfe, die einen ganzen Band seines Nachlasses ausmachen, zeigen einen Schiller, der noch vielerüberraschender Entwicklungen fähig gewesen wäre.

3.2.1 Kant

Der strengen Kantschen Pflichtforderung stellte Schiller folgendes Epigramm gegenüber: Gewissensskrupel

Gerne dien ´ ich den Freunden, doch tu ´ ich es leider mit Neigung,

Und so wurmt es mir oft, dass ich nicht tugendhaft bin.

Entscheidung

Da ist kein anderer Rat, du musst suchen sie zu verachten, Und mit Abscheu alsdann tun, wie die Pflicht dir gebeut.

Auch Schiller geht von einem ursprünglichen Gegensatz zwischen Sinnlichkeit und Vernunft aus, kritisiert aber die systematische Degradierung alles Sinnlichen, die den Kern der moralphilosophischen Konzeption des freien Willens bei Kant ausmacht. Die praktische Vernunft zeigt nach Kant ihre moralische Freiheit in ihrem negativen Verhältnis zu allen Neigungen8. Bei Kant ist demnach die Abwesenheit von bzw. Unterdrückung der Neigungen eine Bedingung der Moralität des menschlichen freien Willens. Nur wer die rein geistige Stimme der Pflicht in sich sprechen lässt, kann tugendhaft sein. Die Vernunft verlangt die reine Orientierung des Willens am Gesetz.

An der moralischen Forderung nach Unterdrückung der Sinnlichkeit stört Schiller die Gewalt, die dabei der sinnlichen Natur des Menschen angetan wird. Da auch diese Bestandteil des Menschen ist, erscheint Schiller ihre rigerose Unterdrückung als unwürdige Verletzung der menschlichen Natur. Er löst sein Missfallen nicht darin auf, dass er die Inpflichtnahme der Freiheit durch die Moral verwirft, sondern er sucht danach, wie die Triebe des Menschen so veredelt werden könnten, dass sie aus sich selbst heraus das Pflichtmäßige, das Sittliche tun. Er sucht den Zustand im Menschen, in dem beide Triebe, der sinnliche und der geistige in Harmonie stehen. Wo der Mensch nicht Spielball seiner Begierden, seines sinnlichen Triebes und nicht Sklave seiner unerbittlichen Logik, seines kategorischen Imperativs ist. Er findet diese Harmonie in dem Zustand, in dem das Schöne geschaffen und genossen wird. Weil der Mensch durch die Schönheit weder ein Sklave seiner Sinnlichkeit noch seiner Vernunft ist, sondern durch sie beide zusammen in seiner Seele wirken, vergleicht Schiller den Trieb zur Schönheit demjenigen des Kindes, das in seinem Spiel seinen Geist nicht Vernunftgesetzten unterwirft, sondern ihn frei seiner Neigung nach gebraucht. Er nennt diesen Trieb zur Schönheit daher Spieltrieb9.

3.2.2 Goethe

Schiller geht zwar von Kant aus, steht aber bei der Umarbeitung der Briefe unter dem Einfluss Goethes und dessen Weltanschauung.

Als Schiller einen Monat nach seinem ersten Besuch bei Goethe, seine umgearbeiteten Briefeüber dieästhetische Erziehung an Goethe schickt, schreibt er folgenden Kommentar dazu:

"Sie werden in diesen Briefen Ihr Porträt finden, worunter ich gern ihren Namen geschrieben hätte, wenn ich es nicht hasste, dem Gefühl denkender Leser vorzugreifen."

Das Idealbild der schönen Seele, das in den erstenästhetischen Briefen vorherrscht, weicht dem durch Goethes Erscheinung lebendig gewordenen Begriff der Totalität, dem in sich selbst vollendeten, Natur und Geist harmonisch verbindenden Ganzen der Person. Schon Goethe hatte nach ihrem ersten Gesprächüber Urpflanze, Idee und Erfahrung empfunden, dass zwischen ihren beiden Standpunkten, "irgendetwas Vermittelndes, Bezügliches obwalten" müsste. Indem Goethe die Natur symbolisch sieht, also in Schillers Begriff nach Weise des Künstlers, erfährt er das Urbild der Dinge, welches für den Philosophen Schiller die Idee ist, die niemals mit einer Erfahrung zusammenfallen, sondern allenfalls im Kunstwerk bedeutet werden kann. So vermitteln sich Goethes und Schillers Standpunkteüber die Urpflanze, als Idee und Erfahrung in einem universalen Gebiet: die Kunst mit ihrer Aufgabe der symbolischen Darstellung des Allgemeinen (das dann auch Idee genannt werden kann) durch das Individuelle (das dann auch Erfahrung genannt werden kann).

Auch hier sieht Schiller das Vermittlungsglied im Spieltrieb, als der souveränsten Form der Freiheit, das schwebende, heitere Verhalten, das dem Stoff seine Schwere, dem Geist seinen Ernst nimmt und sie beide in einer höheren Einheit aufhebt.

3.2.3 Französische Revolution

Schillers Projekt einerästhetischen Erziehung des Menschen muss auch als Lösungsbeitrag zur Problemlage des späten 18. Jahrhunderts gewertet werden

Der Ausbruch der französischen Revolution, die große politische Bewegung mit der Hinorientierung aufäußere Umwälzungen, hatte Schiller mit höchster Begeisterung und den größten Hoffnungen erfüllt. Er glaubte, dass in Paris ,,das große Schicksal der Menschheit verhandelt" und der von Kant geforderte Vernunftstaat vorbereitet werde. Bald aber meldeten sich Bedenken. Schiller sah, dass die französische Republik so schnell wieder enden werde, wie sie entstanden sei, dass die republikanische Verfassung in Anarchieübergehen werde und früher oder später ein Mann erscheinen werde, der die Mengen beschwören und sich nicht nur zum Herrüber Frankreich, sondern auch vielleicht von einem großen Teil Europas machen werde.

So wurde er der Sache der Freiheit nicht untreu als er ,,dem jugendlichen Kitzel, den Menschen das Bessere aufzudringen", entsagte , " weil unvorbereitete Köpfe auch das Beste und Reinste nicht zu gebrauchen wissen".

Auf die französische Revolution bezogen, vermag dieser Satz dann sowohl ihre Entstehung - der berechtigte Durst des mündig gewordenen Volkes nach Freiheit wird tätig - als auch ihr Scheitern - das noch nicht mündige Volk ist den Folgeproblemen einer politischen Umwälzung nicht gewachsen - zu erklären.

Als er bald darauf in den Briefen an den Erbprinzen von Augustenburg die Resultate seiner philosophischen unsästhetischen Studien niederlegte, sah er sich gezwungen, seine grundsätzliche Stellung zur Politik so scharf wie möglich zu präzisieren. So schreibt er in den Briefen an den Erbprinzen : ,, Politische und bürgerliche Freiheit bleibt immer und ewig das heiligste aller Güter, das würdigste Ziel aller Anstrengungen und das große Zentrum aller Kultur - aber man wird diesen herrlichen Bau nur auf dem festen Grund eines veredelten Charakters aufführen, man wird damit anfangen müssen, für die Verfassung Bürger zu erschaffen, ehe man den Bürgern eine Verfassung geben kann." Dieser Satz ist später zum Hauptargument der Reaktionäre geworden, die jede politische oder soziale Reform mit dieser Begründung ablehnten.

Bei Schiller ist offenbar die Staatsform selbst abhängig vom historischen Zustand des Menschen. Diese wechselseitige Bedingtheit macht Schiller aber keineswegs zu einem konservativen Bewahrer der alten Ordnung. Ganz im Gegenteil: Nur entspricht nach Schiller die konkrete Realisierungsform des Staates den inneren Verhältnissen des geschichtlichen Menschen und infolgedessen muss sich seine Verfassung historisch zusammen mit den in ihm lebenden Menschenändern. Schiller hält so paradoxerweise die Ablösung des Notstaats10 in seiner Zeit gleichzeitig für notwendig und unmöglich: Sie ist notwendig, weil der Mensch in Schillers Zeit sich der Gewalt bewusst geworden ist, mit der der Notstaat ihn auf unwürdige Weise unterdrückt11. Und sie ist unmöglich wegen des Zustands der gleichen zeitgenössischen Menschheit: Mit der Formel der ,, Totalität des Charakters" 12, die das Volk braucht, aber noch nicht erlangt hat, wird denselben Menschen, deren Bewusstseinszustand die politischen Umwälzungen rechtfertigt, die Fähigkeit genau dazu abgesprochen.

Und so entsteht Schillers Frage, was der Mensch an sich selbst tun muss, um zu einem wahrhaft freien Wesen zu werden, um Freiheit leben zu können. Seine Antwort darauf ist dieästhetische Erziehung, einen Weg, den er schon vor Jahren in seinem Gedicht Die Künstler andeutete:

,,Nur durch das Morgenthor des Schönen, drangst du in der Erkenntnis Land".

4.1 Definitionen von Ästhetik

Das Wort Ästhetik stammt von dem griechischen Wort aisthánesthai ab und bedeutet soviel wie wahrnehmen, durch die Sinne wahrnehmen.

Das Wort Ästhetik kann definiert werden, als die philosophische Schule, die sich mit den Künsten und dem Schönen in der Allgemeinheit befasst.

Im Folgenden sollen nur der antike Ästhetikbegriff und die Ästhetikbegriffe Baumgartens und Kants aufgegriffen werden, da Schiller in der Entwicklung seiner Ästhetik auf sie zurückgreift.

4.1.1 Ursprung

Ursprünglich wurden die Fragen der Schönheit nicht im Zusammenhang mit den Fragen von Kunstwerken gedacht. Schönheit wurde von Platon unter den Aspekten von Gutheit und Richtigkeit behandelt, die Kunstwerke dagegen unter moralischen Aspekten. Die von Aristoteles geforderte Zweckfreiheit der Kunst begründete erst eine lehr- und lernbare Theorie einer Ästhetik, als einer theoretischen und kritischen Rezeption der Kunst als sinnvolle mussetätigkeit Erst Baumgarten hebt das bislang nur am Rande behandelte Thema der Ästhetik in den Rang einer eigenständigen Disziplin der Philosophie.

4.1.2 Baumgarten

Baumgarten nimmt in seinem 1750 erschienen Werk ,,Aesthetica" mit der Ästhetik, die nicht mehr auf Logik reduzierbare sinnliche Erkenntnis in das System der Philosophie hinein. Damit verliert bei Baumgarten die Logik und die auf sie gegründete rationale Erkenntnis ihr Monopol. Er hält jedoch daran fest, dass Empfinden und Fühlen der Leitung durch Vernunft und Verstand unterstehen.13 Im Mittelpunkt der Aesthetica stehen der angeborene schöne Geist, der ,,felix aestheticus" und die von ihm im schönen Denken hervorgebrachte Dichtung und Kunst. Empfinden und Fühlen werden in der Form des Kunstwerks zu einerästhetischen Repräsentation der Welt. Die Kunstübernimmt damitästhetisch die Vergegenwärtigung der sonst metaphysisch begriffenen Welt.

Baumgarten führt den Begriff ,,Schön" einmal von der Seite der sinnlichen Wahrnehmbarkeit ein. Damit ist ,,Schön" die Kennzeichnung der Fähigkeit, empfindend und fühlend von dem was ist, angerührt zu werden. Der Schönheitsbegriff wird aber auch angewendet für die Fähigkeit Rührung und Empfindung des Herzens hervorzurufen. Schönheit, begriffen als Vollkommenheit14 sensitiver Erkenntnisse, wird zum Ziel der Ästhetik erhoben.

Kant

Immanuel Kant greift in seiner ,,Kritik der Urteilskraft" Baumgartens Ästhetikbegriff auf und wendet sich dabei gegen den subjektivistischen orientierten Ansatz, dass Schönheit die Empfindung der eigenen Lust bei der Betrachtung eines Gegenstandes sei. Zugleich setzt er sich auch gegen die klassizistische Rationalisierung15 der Kunst zur Wehr. Das Schöne definiert Kant als Zweckmäßigkeit der Dinge ohne Zweck, damit beruht die Freude am Schönen nicht auf irgendeinem Interesse, ist also eine von allen subjektiven Bestimmungsgründen freies Wohlgefallen16. Dieästhetische Urteilskraftübernimmt im Schönen die Vermittlung des Übersinnlichen, vermittelt aber keinen Begriff und keine Erkenntnis. Das Schöne als subjektiver Begriff führt ein ,,Gefühl der Beförderung des Lebens". mit sich.

4.2 Schillers Verständnis von Ästhetik

Schiller entwirft in seinen ästhetischen Briefen nicht eine Kunsttheorie, als eineästhetische Bestimmung der Kunst, sondern es geht ihm um einen Idealentwurf, der den ganzen Menschen und seine Gesellschaftsformen umfasst. Es ist der Versuch zu begründen, was Ästhetik in sich und für sich im Verhältnis zum psychischen Zusammenhang der Individuen und zur Gesellschaft ist.

Anfang und Schluss des Werkes handeln von dem Menschen innerhalb der Gesellschaft und Schiller erhebt die Frage nach einer adäquaten Staatsform. Eine erste Gesellschaftsordnung rechnet notwendigerweise mit dem Menschen als einem Naturwesen; die wahre Menschennatur aber ist durch die Vernunftbegabung bestimmt und verlangt daher nach freier Selbstbestimmung. Da Staat und Individuum nach Schiller in einem Entsprechungsverhältnis stehen, muss der Staat der vernünftigen Natur des Menschen gerecht werden. In der Konsequenz ergibt sich daraus die Forderung nach einem Formwandel des Staates vom Notstaat17 zum freien Vernunftstaat18. Jedoch ist der historisch notwendige Formwandel, auch nach den Erfahrungen der französischen Revolution nicht möglich, weil Staat und Individuum in einem wechselseitigen Bedingungsverhältnis zueinander stehen, das die große innermenschliche Relation zwischen Vernunft und Sinnlichkeit wiederholt. So kann der Staat sein Verhältnis zu den Individuen nichtändern, ohne dass zuvor das Individuum sich selbst geändert hat. Umgekehrt gilt aber dasselbe für das Individuum.

Eine Staatsform, die sich nach dem Vernunftprinzip orientierte, stützte sich auf ein Ideal, das erst in einer späteren Zeit zu verwirklichen wäre. Deshalb braucht es eine Zwischenform, die weder bloß auf das rein Naturhafte des Menschen, seine Sinnestriebe und seinen Egoismus, baut, noch sich andererseits auf ein Zukünftiges stützt, das erst als Ideal vorhanden ist. In diesem Zusammenhang wird die Gesellschaft eingeführt als Stütze, die den notwendigen Formwandel des Staats dadurch ermöglichen soll, dass sie beim Aufbrechen des wechselseitigen Bedingungsverhältnisses von Staat und Individuum den Bestand des Staates sichert. Die Gesellschaft soll auftreten als Garant des sozialen Lebens. In ihr wiederholen sich jedoch die Probleme des Staates. Die Gesellschaft braucht für den Formwandel des Staates ihrerseits eine Stütze. . ,,Es käme also darauf an, von dem physischen Charakter die Willkür und dem moralischen die Freiheit abzusondern...um einen dritten Charakter zu erzeugen."

Schiller sieht damit die zweite Stütze im Charakter des Menschen undüberträgt damit die Differenz von Ideal und Wirklichkeit auf den einzelnen Menschen.

Der Hauptteil derästhetischen Briefe ist dem Wesen und den Entwicklungsbedingungen des Individuums gewidmet und schließt an die Frage an, welchen Beitrag der Kunstgenuss zur Lösung des Problems individueller Identität leisten soll. Der Hauptteil gipfelt in einem Freiheitsbegriff, der der Auseinandersetzung mit Kant errungen ist. Während Kant, wie schon beschrieben, die Erfüllung der von außen gegebenen Pflicht als die höchste Tugend erkennt und damit den sinnlichen Gefühlen und Trieben gegenüberstellt.

Schillers Fortschritt gegenüber Kants moralischem Rigorismus besteht darin, dass er die Sinnlichkeit als menschliche Instanz mit in die Verpflichtung des Willens einbezieht: Die Sinnlichkeit selbst kann und muss moralisch - die Neigung muss zur Pflicht - werden. Die Instrumentalisierung der Sinnlichkeit für die Moralität bietet dann den Ansatzpunkt für die harmoniestiftendeästhetische Wirkung.

In derästhetische Erziehung gilt es die zwei Grundtriebe des Menschen zu einem dritten zu steigern. Auf der Naturseite findet sich der sinnliche Trieb oder Stofftrieb. Durch ihn wird der Menschüber die Sinneswahrnehmung von außen bestimmt. Dem steht der Formtrieb gegenüber, der der Vernunft entspringt, er wirkt von innen nach außen und strebt nach Einheit und Dauer. Doch beide Triebe unterwerfen den Menschen einem Zwang: der Stofftrieb demjenigen der Naturnotwendigkeit, der Formtrieb dem der logischen Gesetze. Über diesen zweien aber eröffnet ein dritter den menschliche Freiheitsraum. Es ist der Spieltrieb, der sich den beiden polaren Gebieten verbindet, ohne in deren Abhängigkeit zu geraten. ,,Der sinnliche Trieb will bestimmt werden, er will sein Objekt empfangen; der Formtrieb will selbst bestimmen, er will sein Objekt hervorbringen; der Spieltrieb wird also bestrebt sein, so zu empfangen, wie er selbst hervorgebracht hätte, und so hervorzubringen, wie der Sinn zu empfangen trachtet." 19 Dies ist nach Schiller allein im Bereich des Schönen möglich. In der Kunstproduktion und im Kunstgenuss im weitesten Sinne ist der Mensch frei. In diesem Bereich entfaltet sich sein Spieltrieb. Die Schönheit ist ein Gleichgewicht, das in einem aktiven Prozess zu gewinnen ist, eine Mitte zwischen Sinnlichkeit und Vernunft. Auf die Entwicklung des Menschenübertragen heißt das, dass der Weg derästhetischen Erziehung von einem sinnenbezogenen Wesen durch die Kultivierung der Sinne und der Sinnlichkeit zu einem verantwortlich Handelnden führt. Allerdings fungiert die Schönheit nicht direkt als Instrument politischer Veränderung, vielmehr wird sie imästhetischen Staat selbst zum Ziel ohne jedoch ihren aufklärerischen Anspruch zu verlieren: ,,was wir als Schönheit hier empfunden, wird einst als Wahrheit uns entgegen gehen." 20

5 Ausblick

Im Zentrum der folgenden Überlegungen steht die Relevanz und die veränderte gesellschaftliche Funktionästhetischer Reflexion. Es besteht die Vermutung, dassästhetisches Denken heute in besonderer Weise zum Begreifen unserer Wirklichkeit fähig ist. Das moderne Denken bewegt sich zunehmend auf die Einsicht zu, dass die Grundlagen dessen was wir Wirklichkeit nennen, fiktionaler Natur sind. Wirklichkeit erweist sich immer mehr als nicht realistisch, sondernästhetisch konstituiert. Wo diese Einsicht durchdringt, kann die Ästhetik zum Verstehensmedium für Wirklichkeit werden. Ästhetisches Denken ist von Grund auf wahrnehmungsverbunden und daher wie zugeschnitten auf unsere durch Wahrnehmungsformen konstituierte, fiktional verfasste Wirklichkeit.

Die Aufgabe besteht nunmehr in einer Transformation von Kunstformen in Lebensformen. Genau dies war auch der Sinn den Schiller bei der Ausbildung seiner Ästhetik verfolgte. Und es ist wie mir scheint ein unabgegoltenes Projekt. Es geht nicht bloß um diese oder jene Wahrnehmung zusätzlich zu den gewohnten, sondern um prinzipielle Anerkennung des Einsichtscharakters und der Orientierungsrelevanz von Wahrnehmungen.

So stellt die Kunsterfahrung, als Modellästhetischen Denkens, eine mustergültige Einübung zur Erfassung der gegenwärtigen Wirklichkeit von Pluralität dar. Denn die moderne Kunst ist das Nebeneinander hochgradig differenter Gestaltungen geworden. Wer für diese Kunst ein Sensorium hat, dem wird an ihr exemplarisch dreierlei klar: Man muss für jedes einen spezifischen Ansatz entdecken, man muss die eigentümliche Gestaltungslogik des betreffenden Kunsttypus erfassen, von da aus ist man gefeit gegen die Bemessung des einen Typus am Maß des anderen. Eben daher magästhetisches Denken für ein experimentelles Einlassen in Pluraliät, vorbildlich und inspirierend sein. So bildet sich die Aufmerksamkeit für das Einzelne, die Beachtung der Eigenlogik eines jeden als ein Sensorium gegen Monopolisierungen, das Potpourri, das plural tut, während es in Wahrheit alles in eine Einheitssauce verwandelt.

Wer durch die Schule der Kunst gegangen ist und in seinem Denken der Wahrnehmung Raum gibt, der weiß nicht nur abstrakt um die Spezifität und Begrenztheit aller Konzepte - auch seines eigenen -, sondern rechnet mit ihr und handelt demgemäss. Er lockert die Sperren eingefahrener Wirklichkeitsauffassungen zugunsten der Potentialität des Wirklichen und entdeckt Alternativen und Öffnungen ins Unbekannte.

Zeitafel

1749 22.Juli. Der Wundarzt und spätere Offizier Johann Kasper Schiller (geb. 1723) heiratet in Marbach am Neckar Elisabeth Dorothea Kodweiß (geb. 1732), Tochter des Löwenwirts in Marbach.

1759 10. November. Als 2. Kind (Christophine geb. 1757) wird Johann Christoph Friedrich Schiller geboren.

1760 Rückkehr des Vaters aus dem Krieg. In den nächsten Jahren wechselnde Aufenthalte.

1764-1766 Die Familie Schiller in Lorch. Elemetarunterricht des Sohnes bei Pfarrer Moser.

1766 Rückkehr in die Garnison Ludwigsburg.

1767 Schillers Eintritt in die Lateinschule der Stadt.

1772 Konfirmation: Die ersten - verlorengegangenen - Trauerspielversuche: Die Christen und Absalom.

1773-1780 Schiller in der militärischen Pflanzschule des Herzogs (der späteren Hohen Karlsschule), zunächst auf der Solitude, 1775 Verlegung der Akademie nach Stuttgart. Am 16. Januar 1773 Eintritt auf Geheiß des Herzogs Karl Eugen.

1773 Enge Freundschaft mit F. Scharffenstein und F.W von Hoven.

1774 Übergang zum Studium der Medizin

1775 Angeregt durch seinen Lehrer Abel, vertieft sich Schiller in die Lektüre Shakespeares.

1776 Die ersten Szenen der Räuber entsehen.

1777 Lateinische Dissertation Philosophie der Physiologie bleibt ungedruckt. Schiller wird Gezwungen eine zweite Arbeit zu schreiben. 14. Dezember. Karl August von Sachsen-Weimar und Goethe wohnen Feierlichkeiten am Stiftungstage bei.

1778 Ausarbeitung der Räuber November. Druck der zweiten Dissertation. 14. Dezember. Preisverteilung und Entlassung aus der Karlsschule. Schiller wird Regimentsmedikus beim Grenadierregiment Augé in Stuttgart.

1781-1782 Schiller lebt als Militärarzt und Poet in Stuttgart.

1779 Laura-Oden entstehen. - Die Räuber erscheinen im Selbstverlag.

Umarbeitung der Räuber für die Bühne.

1780 13. Januar. Die Räuber werden in Mannheim mit großem Erfolg gespielt. Schiller wohnt der Erstaufführung ohne Urlaub bei.

Frühjahr. Schillers Gedichtsammlung Anthologie auf das Jahr 1782 erscheint. - Arbeit am Fiesco. - Mitherausgabe des Wirtembergischen Repertoriums der Literatur. Juli. 14 Tage Arrest wegen erneuter unerlaubter Reise nach Mannheim. August. Der Herzog verbietet Schiller das ,,Komödienschreiben". 22. September. Schillers Flucht mir seinem Freunde Andreas Streicher. Oktober - Anfang Dezember. Nach kurzen Aufenthalten in Mannheim und Frankfurt quartieren sich die beiden Flüchtlinge im Gasthof zu Oggersheim incognito ein.

1782-1783 7. Dezember - 24. Juli. Schiller auf Einladung seiner Gönnerin, Henriette von Wolzogen, in Bauerbach (Thüringen).

Verkehr mit W.F.H. Reinwald, Bibliothekar in Meiningen.

1782 Kabale und Liebe (Luise Millerin) beendet. - Arbeit am Don Carlos. - Unglückliche Leidenschaft zu Charlotte von Wolzogen, der Tochter des Hauses.

24. Juli. Überraschender Aufbruch nach Mannheim.

1783-1784 1. September - 31. August. Kontakt mit Dahlbergüber eine Verpflichtung als Theaterdichter. Schwere Erkrankung.

1784 Fiesco und Kabale und Liebe, letzteres mit großem Erfolg aufgeführt. - Vorbereitung der Rheinischen Thalia.

Bekanntschaft mit Charlotte von Kalb führt zu neuen seelischen Verstrickungen. 27. Dezember. Karl August verleiht Schiller den Titel eines Rates.

1785-1787 April - Juli 1787. Schiller als Gast Schristian Gottfried Körners in Leipzig und Dresden. Freundschaft mit dem Körnerschen Hause: Körner, Ludwig Ferdinand Huber, Dora und Minna Stock.

1783 September. Schiller bezieht das Weinberghaus Körners bei Loschwitz an der Elbe. Fortsetzung der Thalia. - An die Freude. - Arbeit am Don Carlos und an Prosaerzählungen.

1785 Leidenschaft zu Henriette von Arnim. Don Carlos erscheint bei Göschen in Leipzig. 1787-1788 Juli - Mai. Aufenthalt Schillers in Weimar. Verkehr mit Charlotte von Kalb , Wieland, Herder, Knebel, Corona Schröter.

August. Kurzer Aufenthalt in Jena.

Dezember. Besuche in Meiningen bei Henriette von Wolzogen und seiner Schwester Christophine, die mit Reinwald verheiratet ist. In Rudolstadt Einkehr bei der Familie von Lengefeld: erste Bekanntschaft mit den Töchtern Caroline und Charlotte.

1787 Fortgesetzte Arbeit an der Geschichte des Abfalls der vereinigten Niederlande von der spanischen Regierung, die im herbst erscheint. - Die Götter Griechenlands in Wielands Teutschem Merkur.

Mai - August. Schiller in Volkstädt in der Nähe von Rudolstadt. Tägliche Besuche bei der Familie von Lengefeld.

August - November. Quartier in Rudolstadt selbst. Fortführung historischer Studien. Beendigung der Geschichte des Abfalls der Niederlande.

7. September. Erste Begegnung mit Goethe.

15. Dezember. Berufung als a. o. Professor für Geschichte nach Jena.

1788 Mai. Schiller siedelt nach Jenaüber.

26. Mai. Die erste, berühmt gewordene Vorlesung: Was heißt und zu welchem Ende studiert man Universalgeschichte?

August. Aufenthalt in Leipzig. - Verlobung mit Charlotte von Lengefeld.

September - Oktober. Vorübergehender Aufenthalt in Rudolstadt und Volkstädt. Dezember. Freundschaft mit Wilhelm von Humboldt geschlossen.

1789 Januar. Schiller erhält den Hofratstitel.

22. Februar. Trauung in der Dorfkirche zu Wenigenjena.

September. Geschichte des Dreißigjährigen Krieges beginnt zu erscheinen.

1790 Ernste Erkrankung Schillers, von der er sich nicht wieder erholen soll. - Beginn des Kant-Studiums.

Juli. Kur in Karlsbad.

Dezember. Friedrich Christian von Augustenburg und Graf Ernst Schimmelmann bieten dem Dichter eine dreijährige Pension auf Veranlassung des Dichters Jens Baggesen an.

1791 Fortsetzung des Kant-Studiums. Kränklichkeit.

1792 Früchte derästhetischen Studien: Anmut und Würde; Über das Erhabene. Dankbriefe an den Herzoog Friedrich Christian. Über dieästhetische Erziehung des Menschen. 1793-1794 August - Mai. Schiller in Schwaben.

8. September. Ankunft des Ehepaares in Ludwigsburg.

14. September. Karl, Schillersältester Sohn, geboren.

Verkehr mit Eltern, Geschwistern, Freunden und Lehrern.

Aufenthalte in Stuttgart und Tübingen. Verlagsbeziehungen zu Cotta geknüpft.

15. Mai. Ankunft Schillers in Jena.

Sommer. Gespräch mit Goetheüber die Urpflanze leitet die Freundschaft der Dichter ein. September. Aufenthalt Schillers in Weimar bei Goethe.

1793 Die erste Nummer der Horen erscheint. Enthält Schillers Briefeüber die Ästhetische Erziehung des Menschen. Für die nächsten Hefte aus Schillers Feder: Belagerung von Antwerpen; Über naive und sentimentalische Dichtung.

Berufung nach Tübingen abgelehnt.

1796 Herausgabe des Musenalmanachs (erscheint bis 1800). Schiller und Goethe dichten

Die Xenien, die im Musenalmanach für 1797 erscheinen.

7. September. Schillers Vater gestorben.

Der Wallenstein entsteht.

1997 Balladenjahr. Im Wettstreit mit Goethe entstehen Schillers Balladen (Der Taucher, Der Handschuh, Die Kraniche des Ibykus u.a.), die im Musenalmanach für 1798 Veröffentlicht werden.

Umdichtung des Wallensteins in Jamben.

1798 Weitere Balladen entstehen. - Fortsetzung der Arbeit am Wallenstein. 1799 Wallenstein beendet. - Arbeit an Maria Stuart.

1799-1805 3. Dezember. Die Familie Schiller siedelt nach Weimarüber.

Shakespeares Macbeth für die Bühne bearbeitet.

Juni. Maria Stuart beendet. Schiller beginnt mit der Arbeit an der Jungfrau von Orleans. 1801 Jungfrau von Orleans beendet. - Bearbeitung des Turandot nach Gozzi.

1802 Plan des Wilhelm Tell. - Arbeit an der Braut von Messina.

29. April. Tod von Schillers Mutter.

16. November. Schiller wird geadelt.

1803 Die Braut von Messina beendet. - Intensive Arbeit am Tell.

1804 Zu Beginn des Jahres ist auch der Wilhelm Tell vollendet. - Schiller entschließt sich zur

Bearbeitung des Demetrius-Stoffes.

April - Mai. Schillers Berliner Reise.

November. Huldigung der Künste für den Einzug der Erbprinzessin Maria Pawlowna.

1805 Racines Phaedra für die Bühne bearbeitet. - Fortführung des Demetrius.

29. April. Letzter Theaterbesuch. Fieberanfall.

9. Mai. Schillers Tod.

Literaturverzeichnis

- Aristoles (1982): Poetik 6
- Baecker: Die Adresse der Kunst
- Baumgarten (1936): Aesthetica
- Benjamin (1963): Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit
- Bockemühl (1985): Die Wirklichkeit des Bildes - Bildrezeption als Bildproduktion. Rothko, Newman, Rembrandt, Raphael
- Brockhaus Enzyklopädie (1986)
- Burschel (1998): Schiller
- Englert (1993): Literatur als Reflexionsmedium für Individualität
- Hauskeller (1999): Was ist Kunst ?
- Hegel (1970): Vorlesungenüber die Ästhetik
- Kant ( 1974): Kritik der Urteilskraft
- Kutschera ( 1988): Ästhetik
- Meyers Enzyklopädisches Lexikon (1971)
- Platon ( 1992): Republic
- Schiller (1989): Über dieästhetische Erziehung des Menschen in einer Reihe von Briefen
- Schiller: Gesammelte Werke
- Steiner (1958): Einleitung in Schillers Werke: Veröffentlichungen aus dem literarischen Frühwerk
- Steiner (1955): Schiller und die Gegenwart
- Stöhr ( 1996): Ästhetische Erfahrungen heute
- Störig (1998): Kleine Weltgeschichte der Philosophie
- Ueding (1997): Friedrich Schiller
- Welsch (1995): Ästhetisches Denken

[...]


1 Der Dichter Christoph Martin Wieland, (1733-1772), wird zu den Wegbereitern der deutschen Klassik gezählt. Romane: ,,Agathon", ,,Die Abderiten", romantisches Heldengedicht ,,Oberon";übersetzte 22 Prosastücke von Shakespeare.

2 Der Philosoph und Dichter Johann Gottfried von Herder, (1774-1803) machte sich seinen Namen als Kritiker, Kulturgeschichtsforscher, Vertreter einer umfassenden Humanitätsphilosophie und Theoretiker des ,,Sturm und Drangs". Auch er zählt zu den Wegbereitern der deutschen Klassik und Romantik. Zu seinen Hauptwerken zählen die ,,Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit", die freien Übersetzungen des Romanzenkreis ,,Cid" und die Volksliedersammlung ,,Stimmen der Völker in Liedern"

3 Der Philosoph Johann Gottlieb Fichte (1762-1814) wurde im Jahr 1794 Professor in Jena. 1799 wurde er der Gottlosigkeit angeklagt und abgesetzt, 1805 wurde er Professor in Erlangen und 1810 in Berlin. Fichtes Philosophie ist eine Fortsetzung des Kantischen Kritizismus zu einem rein metaphysischen Idealismus.

4 Der Gelehrte und Staatsmann Freiherr Wilhelm von Humboldt (1767-1835) war sowohl mit Schiller als auch mit Goethe eng befreundet. Als Leiter des preußischen Unterrichtswesens schuf er ab 1809 die Universität Berlin. Er war einer der Führer des Neuhumanismus und zugleich Sprachforscher.

5 Der ,,Briefwechsel" wurde von Goethe zuerst 1828-29 in 6Bänden herausgegeben.

6 Der italienische Dichter Carlo Graf Gozzi (1720-1806) war bekannt für seine Märchenspiele zu denen auch der Turandot gehört.

7 Jean Baptiste Racine (1639-1699) wurde als französischer Bühnendichter bekannt. Seine Dramen zählen als die Höhepunkte der klassischen französischen Bühnendichtung: Britannicus, B é r é nice, Mithridates, Phädra, u.a.

8 In Kant Kritik der praktischen Vernunft heißt es: ,, Das Wesentliche aller Bestimmung des Willens durchs sittliche Gesetz ist: das er als freier Wille, mithin nicht bloß ohne Mitwirkung sinnlicher Antriebe, sondern selbst mit Abweisung aller derselben, und mit Abbruch aller Neigungen, sofern sie jenem gesetzte zuwider sein könnten, bloß durchs Gesetz bestimmt werde."

9

10 fde

11 In der ÄEM, 5. Brief heißt es, ,, der Mensch ist aus seiner langen Indolenz und Selbsttäuschung aufgewacht, und mit nachdrücklicher Stimmenmehrheit fordert er die Wiederherstellung in seine unverlierbaren Rechte".

12

13 In der Aesthetika §74 heißt es: intellectus et ratio...directores omnium pulcre cogitatorum.

14 Vollkommenheit (perfectio) ist in der ,,Metaphysik" Baumgartens der Begriff, durch den in der Fügung des Mannnigfaltigen zu Harmonie und Ordnung Welt als Einheit begriffen wird, in der sie Gottes Vollkommenheit erkennen lässt.

15 Die im 17. Jahrhundert geltende klassizistische Ästhetik, beruhte in ihren Grundsätzen noch auf Aristoteles. Als schön galt das Vernünftige, was sich begrifflich konstruieren und rekonstruieren ließ. Damit reussierte als Künstler, wer bestimmte, genau benennbare Regeln befolgte.

16 Aufgrund dieser Vorraussetzungslosigkeit kann das Geschmacksurteil den Anspruch auf Allgemeingültigkeit erheben.

17 Naturstaat ist nach Schiller ein Begriff, ,,wie jeder politische Körper heißen kann, der seine Einrichtung ursprünglich von Kräften, nicht von Gesetzen ableitet", Schiller ÄEM, 3. Brief

18 Der Vernunftstaat ist der moralische Staat, in dem ,,auf das Sittengesetz als auf eine wirkende Kraft gerechnet und der freie Wille (...) in das Reich der Ursachen gezogen" wird.

19 ÄEM, 14. Brief

20 Aus Schillers Gedicht Die Künstler

28 von 28 Seiten

Details

Titel
Ueber die Entstehung der Schillerschen Aesthetik
Hochschule
Universität Witten/Herdecke
Autor
Jahr
2000
Seiten
28
Katalognummer
V102018
Dateigröße
521 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ueber, Entstehung, Schillerschen, Aesthetik
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Laura Antonia Slevogt (Autor), 2000, Ueber die Entstehung der Schillerschen Aesthetik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/102018

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