Die Vorstellung der Menschen zum Tod. Ein historisch-theoretischer Überblick


Hausarbeit, 2018

12 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2 Der Umgang mit dem Tod im historischen Verlauf
2.1 Der Homo neanderthalensis
2.2 Heute: Die vier Umgangsformen
2.2.1 Der gezähmte Tod
2.2.2 Der eigene Tod
2.2.3 Der Tod des Anderen
2.2.4 Der ins Gegenteil verkehrte Tod

3. Vier Theorien zum Leben nach dem Tod
3.1 Das Paradies und die Hölle
3.2 Die Wiedergeburt
3.3 Der Biozentrismus
3.4 Das Nichts

4 Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In der vorliegenden Hausarbeit für das Seminar „Allgemeine Grundschulpädagogik“ (122087) werden Vorstellungen der Menschen über den Tod, in historischer und theoretischer Sicht, in den Mittelpunkt der Betrachtung gerückt. Der Tod wird mit den Jahren für eine Person aufgrund von Nachrichten (z. B. über Kriege, Anschläge, Morde usw.) und/oder Todesfällen im Umfeld (z. B. den Tod von Verwandten durch Altersschwäche oder einen Unfall) immer realer, da er ein unvermeidbares Ereignis ist. Man wird irgendwann im Leben dazu „gezwungen“, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Während ein Teil der Gesellschaft dem Tod gegenüber offen ist und diesen als etwas Positives oder Neutrales ansieht, versucht der andere Teil, jegliche Gedanken und Gespräche über den Tod, aus Furcht und Verleugnung zu vermeiden.

Die unterschiedlichen Verhaltensweisen und die verschiedenen Umgangsformen bezüglich des Todes werden aus diesem Grund in der nachfolgenden Untersuchung näher analysiert. Dies erfolgt zunächst durch eine historische Betrachtung, im Rahmen derer die ersten Funde zum Umgang mit dem Tod, die Gefühle, die damit verbunden sind, der Glaube an eine Weiterexistenz nach dem physischen Ableben und die vier Umgangsformen, die im Laufe der Menschheitsgeschichte entstanden sind, erläutert werden. Infolgedessen sollen vier Theorien zum Leben nach dem Tod wiedergegeben werden, wobei im Anschluss daran ein Fazit gezogen wird. In diesem soll ebenfalls kurz aufgegriffen werden, wie der Umgang mit Grundschulkindern im Hinblick auf das Thema des Todes ausgestaltet sein sollte, was mithilfe der oben genannten Themenpunkte auseinandergesetzt wird.

2 Der Umgang mit dem Tod im historischen Verlauf

Setzt man sich mit dem Tod sowie dem Umgang und Verhalten diesbezüglich tiefer auseinander und analysiert diese Thematik, so stellt sich einem irgendwann die Frage, wann der Mensch oder dessen Vorfahren zum ersten Mal den Tod wahrnahmen und etwas dabei empfanden. Wie, wo und bei wem dies geschah und wie sich dieses Erleben mit der Zeit veränderte, rücken dabei ebenfalls in den Blickpunkt des Interesses.

2.1 Der Homo neanderthalensis

Es ist so gut wie unmöglich nachzuweisen, dass die prähistorischen Menschen den Tod wahrnehmen konnten, Trauer, Wut und Furcht empfanden oder auch an ein Jenseits glaubten. Denn wenn die Menschen der Vorzeit zu diesen Erlebnissen und der damit verbundenen Praxis neigten, so fanden diese in ihren Gedanken, verbal und nonverbal, statt, wofür es jedoch keine Beweise oder schriftliche Quellen gibt. Es können höchstens, anhand von archäologischen Artefakten, Vermutungen und Interpretationen hinsichtlich dieses Phänomens aufgestellt werden.1

Die frühsten Funde von Vorfahren der Menschen, in Bezug zum Umgang mit dem Tod, entstammen den Neandertalern. Eine Begründung dafür sind Spuren von Pollen in vereinzelten Gräbern, anhand derer man davon ausgeht, dass die Toten mit Blumen bedeckt oder auf diese gelegt wurden. Ebenso wurden Knochen entdeckt, die mit Ocker bemalt waren. Dies bedeutet, dass nach der Verwesung die Toten ausgegraben wurden und eine zweite Bestattung stattfand. Auch wenn man davon ausgeht, dass dies einen Zweck bzw. einen Grund haben musste, werden zum Grund für diese vorzeitliche Praxis jedoch keine weiteren Vermutungen formuliert. Des Weiteren ist zu sehen, dass die Toten in einer fötalen Haltung begraben wurden, wodurch vermutet wird, dass der Homo neanderthalensis an eine Wiedergeburt geglaubt haben musste.

Dies sind einige von mehreren Gründen, die zu der Annahme führen, dass die Neandertaler ein Bewusstsein vom Tod und Vorstellungen von einem Jenseits haben mussten. Wenn dies zutrifft, so würden die Neandertaler über ein Zeitbewusstsein verfügen, da der Tod ein Übergang von einem Zustand zum anderen ist, was den Beginn der Imagination darstellt. Mit der Imagination beginnt ebenso die Kunst in Form von Fels- und Höhlenbildern (z. B. imaginäre Repräsentationen von Tieren), die gefunden werden konnten. All dies sollte, wie angenommen wird, zur Verarbeitung des durch den Tod entstandenen Schocks und der damit zusammenhängenden Verlusterfahrung dienen. Dies wäre dementsprechend ein wichtiger Bestandteil zur Entwicklung der Individualität des Homo neanderthalensis, da diese Menschen die Sterblichkeit aus zwei Blickwinkeln betrachteten:

Zum einen verspürten sie Angst und begriffen auf sachlicher Ebene, was der Tod mit sich bringt, zum anderen aber glaubten sie an Mythen und fanden demzufolge auch einen Trost in den Geschichten, die sie sich erzählten.2

2.2 Heute: Die vier Umgangsformen

Das Handeln, die Vorstellungen und das Denken der Menschen bezüglich des Todes unterliegen einem dauernden Wandel. Der Umgang mit dem Tod lässt beim Blick auf die europäische Geschichte vier Umgangsformen erkennen, die Philippe Ariès vom frühen Mittelalter bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts erforschte.3

2.2.1 Der gezähmte Tod

Im frühen Mittelalter ist der gezähmte Tod typisch und weit verbreitet. Die Voraussetzung für diese Umgangsform besteht darin, dass der Tod für den Sterbenden vorhersehbar ist (z. B. in Form einer tödlichen Krankheit oder Verletzung) und dieser ein Teil der christlichen Gemeinschaft ist. Die sterbende Person erzeugt mit dem bevorstehenden Tod Schrecken und Schmerz in der Gemeinschaft der Lebenden. Durch die aktive Rolle des Sterbenden wird dieser mit Hilfe von Ritualen (z. B. durch Aufstellen von Kerzen und die Versammlung einer Gemeinschaft, bestehend aus Familie, Freunden, aber auch Fremden, um die sterbende Person herum usw.) und Zeremonien (z. B. Rückenlage und gekreuzte Hände, Sprechen eines Glaubensbekenntnisses und einer Beichte usw.) aufgefangen und gezähmt.4

Der Tod wird hierbei mit der Hoffnung auf ein Erwachen, eine Auferstehung und ein ewiges Leben im Jenseits verbunden, was mit religiösen Vorstellungen zusammenhängt.

2.2.2 Der eigene Tod

Der „eigene Tod“ war zwischen dem Hochmittelalter und dem 18. Jahrhundert eine bekannte Form, um mit der Tatsache des Ablebens umgehen zu müssen, und wurde zunächst nur von Mönchen, Kanonikern, Wohlhabenden und Mächtigen praktiziert.

Mit der Entwicklung der Individualität der Einzelnen entfernte sich diese Form von der Gesellschaft, die sich im Vergleich zum gezähmten Tod, der eine enge Beziehung mit der Gesellschaft aufweist, verändert hat. Ein Beispiel diesbezüglich ist das Testament, das ein Zeichen der Bedeutungszunahme der Individualität darstellen soll. Neben dem Testament entstanden weitere Zeremonien, z. B. die Begleitung der Trauerfeier durch kirchliche Prozessionen und Gottesdiente sowie die Verhüllung des Verstorbenen mit Hilfe von Leichentüchern oder Särgen. Die gelassene Akzeptanz, den Leichnam zu sehen, wird nun, aus Furcht vor dem Anblick eines Verschiedenen, abgelehnt.

Die bis heute übliche Verhüllung des Leichnams und der lange gültig gebliebene Brauch des Testaments sind auf die Umgangsform des eigenen Todes zurückzuführen.5

2.2.3 Der Tod des Anderen

Vom 18. bis ins 20. Jahrhundert breitete sich ein neues Modell mit dem „Tod des Anderen“ aus. In den Mittelpunkt rückte der Tod eines Nahestehenden, eines vertrauten Menschen, zu dem man in einer persönlichen Beziehung stand und dessen Verlust schwer zu verkraften war.6 Somit traten infolge dieser Entwicklung der eigene Tod und der gezähmte Tod in den Hintergrund: „So steht die privacy sowohl im Gegensatz zum Individualismus als auch zum Gemeinschaftssinn und ist Ausdruck einer ganz eigenständigen und originären Relation.“7 Während die Rituale im Sterbezimmer beim gezähmten Tod dazu dienten, Gefühlsausbrüche zu vermeiden und die Trauer zu kontrollieren, wird beim Tod des Anderen der Schmerz und die Frustration des Verlustes eines geliebten Menschen zum Vorschein gebracht.

Der Tod selbst wird hierbei jedoch nicht als Schrecken, sondern vielmehr als etwas Schönes angesehen, da die Hoffnung auf eine Wiedervereinigung mit der verstorbenen Person im Jenseits besteht.8

2.2.4 Der ins Gegenteil verkehrte Tod

Diese Umgangsform ist seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts bis heute am weitesten verbreitet. Der Umgang mit den Toten und Sterbenden hat sich, vor allem in industrialisierten Ländern, deutlich verändert. Zum einen wendete sich die Gesellschaft komplett vom Thema des Todes ab und versucht in der heutigen Zeit, jeglichen Kontakt oder Gedanken daran zu meiden, so als existiere der Tod gar nicht; zum anderen sind die Rituale zum Tod und Trauerphasen so kurz wie nur möglich und mit wenigen Emotionen gefüllt.9 Kommt man mit einer sterbenden Person in Kontakt, so wird der gesundheitliche Zustand verleugnet oder darüber gelogen, während der/die Sterbende die Qualen für sich behält. Die Person verabschiedet sich im Verborgenen und nicht in der Gemeinschaft, da sie ihren Angehörigen das Leiden ersparen und ihnen nicht zur Last fallen will.

Des Weiteren ist dies der Beginn der Medikalisierung – der Wert der Medikamente zur Erleichterung von Schmerzen nimmt zu.10 Als Fazit zu dieser Umgangsform lässt sich Folgendes sagen: „Weder das Individuum noch die Gemeinschaft sind stark und stabil genug, den Tod anzuerkennen.“11

3. Vier Theorien zum Leben nach dem Tod

Während das Sterben den Übergang vom Leben in den Tod beschreibt, steht der Begriff des Todes für den Zustand, der nach dem Sterbeprozess eintritt, wenn alle Lebensfunktionen erloschen sind. Jedoch gibt es keine einheitliche Vorstellung darüber, wie der Zustand des Tot-Seins ist oder wann genau eine Person für tot erklärt werden kann. Die Vorstellungen diesbezüglich weichen je nach Kultur und Religion ab.12 Im Folgenden werden aus einer vielfältigen Menge an Vorstellungen vier Theorien bzw. Glaubensvorstellungen herausgegriffen und analysiert, um die Annahmen zum Tod zu erläutern.

3.1 Das Paradies und die Hölle

Die Paradies- und Höllenvorstellung existiert in mehreren Glaubensrichtungen, wie in den zwei größten Weltreligionen, dem Islam mit über 1,5 Milliarden Gläubigen13 und dem Christentum mit über 2,2 Milliarden Gläubigen14, deren Jenseitsvorstellungen vergleichend einander gegenübergestellt werden sollen. Die Anhänger dieser zwei größten Religionsgemeinschaften glauben an einen allgegenwärtigen, allwissenden und einzigen Schöpfer der Welt, bekannt als „Gott“15, im Islam wird er als der gütige, barmherzige und unvergleichliche „Allah“ bezeichnet.16

Nachdem ein Mensch verstorben ist und beerdigt wurde, hängt es von den Taten zu Lebzeiten ab, ob diese Person mit einem ewigen Leben im Paradies, dem Ort der Freude und des Friedens, belohnt oder in der Hölle, dem Ort der Qual und Strafe, für die begangenen Sünden bestraft wird.17 Diese Entscheidung wird von Gott, der in diesem Moment einem Richter gleicht, in gerechter Weise getroffen. Die Propheten werden als Zeugen gegen ihre Völker, z. B. Jesus als Zeuge für die Christen und Juden, auftreten.18 Die Beurteilung der Menschen findet neben ihren Taten im Leben auch anhand ihres Glaubens und der dazugehörigen Pflichten statt. Neben den Geboten wie der Gottes- und Nächstenliebe19 sind im Christentum die Sakramente, z. B. die Taufe, Firmung und Buße, die Pflichten, denen die Gläubigen nachkommen müssen.20 Im Islam gehören zu den Pflichten die fünf Säulen. Diese bestehen aus dem Glaubenszeugnis, der Pilgerfahrt, dem täglichen Gebet, dem Fasten und den Abgaben an Bedürftige.21

[...]


1 Vgl. Schiefenhövel, Wulf; Vogel, Christian; Vollmer, Gerhard; Opolka, Uwe 1994, S. 122f.

2 Vgl. Böhm, Winfried 2000, S. 328f.

3 Ariès, Philippe 1980.

4 Vgl. ebd., S. 14–30.

5 Vgl. Ariès, Philippe 1980, S. 777-781.

6 Vgl. ebd., S. 782f.

7 Vgl. ebd.

8 Vgl. Ariès, Philippe 1980, S. 783ff.

9 Vgl. ebd., S. 715ff.

10 Vgl. ebd., S. 720-723.

11 Ebd., S. 788.

12 Vgl. Frey, Dieter 2018, S. 122.

13 Vgl. Fischer, Anke 2004, S. 76.

14 Vgl. ebd., S. 44.

15 Vgl. ebd., S. 47.

16 Vgl. ebd., S. 79.

17 Vgl. Meier, Klaus; Heinzmann, Michael; Von Denffer, Ahmad; Ceming, Katharina 2003, S. 169.

18 Vgl. Khoury, Adel-Theodor 2005, S. 100ff.

19 Vgl. Meier, Klaus; Heinzmann, Michael; Von Denffer, Ahmad; Ceming, Katharina 2003, S. 78.

20 Vgl. Fischer, Anke 2004, S. 60.

21 Vgl. ebd., S. 89-92.

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Die Vorstellung der Menschen zum Tod. Ein historisch-theoretischer Überblick
Hochschule
Freie Universität Berlin
Note
1,7
Autor
Jahr
2018
Seiten
12
Katalognummer
V1020325
ISBN (eBook)
9783346413024
ISBN (Buch)
9783346413031
Sprache
Deutsch
Schlagworte
vorstellung, menschen, überblick
Arbeit zitieren
Rojda Bas (Autor:in), 2018, Die Vorstellung der Menschen zum Tod. Ein historisch-theoretischer Überblick, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1020325

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