Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Texte veröffentlichen, Rundum-Service genießen
Zur Shop-Startseite › Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Rainer Maria Rilkes "Sonette an Orpheus" von 1922. Ausgewählte Verwandlungen

Titel: Rainer Maria Rilkes "Sonette an Orpheus" von 1922. Ausgewählte Verwandlungen

Hausarbeit , 2021 , 16 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Isabell Horn (Autor:in)

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

In dieser Arbeit soll nach einer eingehenden Betrachtung der Forschungsergebnisse von Judith Ryan, Britta Maché und Manfred Engel primär der Frage nachgegangen werden, wie die Verwandlungen in "Sonette an Orpheus" funktionieren und an welchen Stellen sie in den Gedichten stattfinden. Unter dieser Frage sollen verschiedene Aspekte oder auch Arten der Verwandlungen betrachtet werden. Als Erstes wird die Verwandlung durch Dichtung beziehungsweise Sprache näher beleuchtet. Weiterhin soll ein Augenmerk auf Verwandlungen in der Natur, insbesondere die der Rose, gelegt werden. Die letzten zu betrachtenden Verwandlungen sind jene, die Orpheus und auch seine Umwelt aufgrund seines Todes erfahren.

Außerdem muss festgehalten werden, dass der Umfang der Arbeit eine Betrachtung aller Sonette nicht zulässt, weshalb lediglich anhand ausgewählter Beispiele aufgezeigt werden soll, wie Verwandlung unter den oben erläuterten Gesichtspunkten funktioniert. Zunächst werden noch einige einleitende Bemerkungen zur Entstehung und dem Umfang der Sonette an Orpheus geäußert, die zwar nicht für den weiteren Verlauf der Arbeit notwendig, jedoch hilfreich für das bessere Verständnis des Gesamtgefüges sind.

Der Mythos der Orpheus-Figur, wie er in den Metamorphosen von Ovid vorgestellt worden ist, wurde bis heute vielfach in den bildenden Künsten, in der Musik, aber selbstverständlich auch in der Literatur rezipiert. Er handelt von Orpheus, dem begnadeten Sänger und Leierspieler, der seine Frau Eurydike aus den Fängen der Unterwelt befreien möchte und daran letztendlich scheiterte. Auf diese Weise entwickelte er sich zum Sinnbild eines christlichen Heilands, zu einer Sagengestalt, um die sich zahlreiche Mythen ranken, und zum mustergültigen Inbegriff des Gesangs und auch der Dichtung.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Sonette an Orpheus

3. Forschungsstand zu Verwandlungen bei Rilke

4. Ausgewählte Verwandlungen in den Sonetten an Orpheus

4.1. Verwandlung durch Gesang/Dichtung bzw. Sprache

4.2. Verwandlung von Blumen

4.3. Verwandlung durch Tod

5. Fazit

Zielsetzung & Themen

Diese wissenschaftliche Arbeit untersucht die unterschiedlichen Ausprägungen und Funktionen des Verwandlungsmotivs in Rainer Maria Rilkes Gedichtzyklus „Sonette an Orpheus“. Dabei liegt der Fokus auf der Analyse, wie durch orphischen Gesang, Sprache und Tod die Grenzen des konkreten Daseins überschritten werden, um eine höhere Existenzebene zu erreichen.

  • Die Rolle des orphischen Gesangs als treibende Kraft für Verwandlungsprozesse.
  • Die sprachliche Gestaltung und Wirkung innerhalb der Sonette.
  • Transformationen von Naturphänomenen wie Bäumen, Blumen und dem Einhorn.
  • Die Bedeutung von Tod und Vergänglichkeit als Moment der Transzendenz.
  • Eine werkimmanente Analyse unter Einbeziehung zentraler Forschungspositionen.

Auszug aus dem Buch

4. Ausgewählte Verwandlungen in den Sonetten an Orpheus

Um die Wirkung des orphischen Gesangs zu verdeutlichen, wird zunächst auf das Eröffnungssonett I.1 (S. 675) eingegangen. In den ersten beiden Zeilen wird zunächst das Steigen des Baumes, anschließend Orpheus‘ Gesang angesprochen, die letztendlich bei dem „hohen Baum im Ohr“ (V. 2) miteinander verbunden werden. Auffallend sind in diesem Fall die drei aufeinanderfolgenden Ausrufe, die mit der Interjektion „O“ (V. 1 und 2) eingeleitet werden, wodurch dem Gesang eine besonders drastische Wirkung zugesprochen wird. Die Verwendung des Präsens („singt“, V .2) im Gegensatz zum sonst vorherrschenden Präteritum verdeutlicht, dass das zeitliche Verhältnis nicht eindeutig einzuordnen ist und unterstreicht zugleich die Omnipräsenz des Gesangs. Mithilfe dessen wächst der Baum, der sinnbildlich für das Leben stehen kann und erfährt eine Wandlung, da er letztendlich selber zum Gesang im Ohr wird.

Manfred Engel erläutert in Zusammenhang mit dem orphischen Gesang, dass die „Übersteigung“ (V. 1) des Baumes als „rein“ (V. 1) beschrieben wird, weil die dinglich-materielle Existenz transzendiert wird, jedoch die Immanenz, die irdische Umgebung, nicht verlassen wird. Dies entspricht genau der Vorstellung, dass der Baum demnach seine konkrete Daseinsform überschreitet und auf eine höhere Existenzebene gehoben wird. Sein Zusatz betont allerdings, dass der Baum auf der Erde nach wie vor existiert. Zugleich ist dieser Vorgang ein sehr gutes Beispiel, um von der „Verinnerlichung“ nach Manfred Engel, die sich von etwas Sichtbarem zu etwas Unsichtbarem entwickelt, zu sprechen. So entsteht aus dem steigenden Baum letztendlich ein „Tempel im Gehör“ (V. 12). Der hörbare Gesang entwickelt sich anschließend zu einer kompletten Stille und „Verschweigung“ (V. 3), in der aus Nichts „neuer Anfang, Wink und Wandlung“ (V. 4) hervorgeht. Diese Stelle markiert einen Moment der Verwandlung, denn nur durch den orphischen Gesang sind die Schaffensprozesse erst möglich. Demnach hat einzig der Gesang bzw. die Dichtung und somit die Sprache die Macht, die Verwandlung des Baumes und auch die Verwandlung, die die Natur und die dort ansässigen Lebewesen erfahren, gar hervorzubringen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in den Orpheus-Mythos bei Rilke und Definition des methodischen Rahmens zur Untersuchung von Verwandlungsprozessen.

2. Sonette an Orpheus: Kurzer Abriss zur Entstehungsgeschichte des Gedichtzyklus im Februar 1922 am Château de Muzot.

3. Forschungsstand zu Verwandlungen bei Rilke: Diskussion wesentlicher Theorien von Judith Ryan, Britta Maché und Manfred Engel zum „Umschlagsprozess“ und zur „Verinnerlichung“.

4. Ausgewählte Verwandlungen in den Sonetten an Orpheus: Detaillierte Analyse anhand von Beispielen wie dem Baum, dem Einhorn, Anemonen, der Rose und dem Tod des Orpheus.

5. Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der Ergebnisse, wonach Rilke durch Dichtung und Gesang eine Transzendenz des Alltäglichen in eine höhere geistige Ebene ermöglicht.

Schlüsselwörter

Rainer Maria Rilke, Sonette an Orpheus, Verwandlung, Orpheus-Mythos, Umschlagsprozess, Transzendenz, Dichtung, Sprachmagie, Vergänglichkeit, Naturlyrik, Einhorn, Anemone, Rose, Verinnerlichung, Existenzebene.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?

Die Arbeit analysiert die literarische Darstellung von Verwandlungsprozessen in Rilkes „Sonetten an Orpheus“ und untersucht, wie Gegenstände und Lebewesen in den Gedichten ihren Daseinszustand transzendieren.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die zentralen Themen umfassen die Rolle des orphischen Gesangs, die Kraft der Sprache, die Transformation der Natur sowie die existenzielle Bedeutung von Tod und Vergänglichkeit.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie Rilke durch den orphischen Gesang und die Dichtung eine höhere, überzeitliche Existenzebene für die dargestellten Objekte und Figuren schafft.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine werkimmanente Textanalyse durchgeführt, die durch die Auseinandersetzung mit zentralen Forschungspositionen (u.a. von Judith Ryan und Manfred Engel) fundiert wird.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in drei Analysebereiche: die Verwandlung durch Gesang/Sprache, die Verwandlung von Naturmotiven (Blumen/Einhorn) und die Verwandlung durch den Tod.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?

Wichtige Begriffe sind Verwandlung, Transzendenz, Umschlagsprozess, orphischer Gesang, Dichtung, Existenzebene und Verinnerlichung.

Warum spielt das Einhorn eine besondere Rolle in der Argumentation?

Das Einhorn dient als Beispiel dafür, wie Dichtung eine Wirklichkeit aus der „Möglichkeit“ und Vorstellungskraft erschafft, die außerhalb des rein physisch Existierenden liegt.

Welche Bedeutung kommt dem Tod des Orpheus im letzten Analysekapitel zu?

Der Tod markiert den Moment, in dem Orpheus sein begrenztes Dasein verliert und durch die Verteilung seiner Teile in der Natur eine Omnipräsenz erlangt, die ihn unendlich macht.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Rainer Maria Rilkes "Sonette an Orpheus" von 1922. Ausgewählte Verwandlungen
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Note
1,3
Autor
Isabell Horn (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2021
Seiten
16
Katalognummer
V1020345
ISBN (eBook)
9783346413260
ISBN (Buch)
9783346413277
Sprache
Deutsch
Schlagworte
rainer maria rilke sonetten orpheus ausgewählte verwandlungen
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Isabell Horn (Autor:in), 2021, Rainer Maria Rilkes "Sonette an Orpheus" von 1922. Ausgewählte Verwandlungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1020345
Blick ins Buch
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
Leseprobe aus  16  Seiten
Grin logo
  • Grin.com
  • Versand
  • Kontakt
  • Datenschutz
  • AGB
  • Impressum