"Ist es besser Unrecht zu erleiden oder Unrecht zu tun?" ist eines der Kernprobleme in Platons Werk "Gorgias" und Kernfrage dieser Arbeit. Im zweiten Teil des Werkes von Platon wird diese Thematik in dem Gespräch zwischen Sokrates und Polos behandelt.
Aus den vorangehenden Gesprächsteilen ist zu entnehmen, dass Sokrates anders als Polos die Rhetorik für eine Schattenkunst hält, da sie die Seele schädige, durch ihre schmeichelnden Überzeugungen, die zu falschen Ergebnissen führen würden. Durch Anführung von vier Künsten und ihren Schmeichelkünsten, sowie ihre jeweiligen Auswirkungen auf Leib und Seele versucht er Polos seine Auffassung zu erklären und ihn von dieser zu überzeugen. Daraus ergibt sich für Polos die Frage, wie es sich dann mit der Macht verhalten würde, die er den Rhetorikern zu spricht, wenn Sokrates die Redekunst für etwas Schlechtes hielte. Die sich darauf anschließende Diskussion über das Mächtigsein ist der Ausgangspunkt für die zentrale Debatte über das Verhältnis von Unrecht tun und Unrecht leiden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Diskussion über das Unrecht tun und Unrecht leiden
2.1 Sokrates' Ansicht zur Rhetorik und den Künsten
2.2 Der Disput über das größte Übel
2.2.1 Das erste Teilgespräch: Positionen und Macht
2.2.2 Das zweite Teilgespräch: Sokrates' Überzeugungsarbeit
2.3 Die Rolle der Seele und ihre Heilung durch Strafe
3. Kritische Reflexion und Einordnung
3.1 Gegenüberstellung von Moral und Eigeninteresse
3.2 Historische Bezüge zu Sokrates und Platon
4. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die zentrale philosophische Fragestellung aus Platons 'Gorgias', ob es für den Menschen besser ist, Unrecht zu erleiden oder Unrecht zu tun, und beleuchtet dabei das Verhältnis zwischen Gerechtigkeit, Glückseligkeit und der Verfassung der menschlichen Seele.
- Die Analyse der sokratischen Argumentation im Dialog mit Polos.
- Die Untersuchung des Begriffs der Rhetorik als bloße Schattenkunst.
- Die Bedeutung der Strafe als notwendiges Heilmittel für eine kranke Seele.
- Die Gegenüberstellung von moralischem Handeln und individuellem Eigeninteresse.
- Der historische Kontext durch Anlehnung an das Leben und Wirken des Sokrates.
Auszug aus dem Buch
‘Unrecht leiden ist besser, als Unrecht tun‘
‘Ist es besser Unrecht zu erleiden oder Unrecht zu tun?‘ ist eines der Kernprobleme in Platons Werk ‘Gorgias‘. Im zweiten Teil des Werkes wird diese Thematik in dem Gespräch zwischen Sokrates und Polos behandelt. Aus den vorangehenden Gesprächsteilen ist zu entnehmen, dass Sokrates anders als Polos die Rhetorik für eine Schattenkunst hält, da sie die Seele schädige, durch ihre schmeichelnden Überzeugungen, die zu falschen Ergebnissen führen würden. Durch Anführung von vier Künsten und ihren Schmeichelkünsten, sowie ihre jeweiligen Auswirkungen auf Leib und Seele versucht er Polos seine Auffassung zu erklären und ihn von dieser zu überzeugen.
Daraus ergibt sich für Polos die Frage, wie es sich dann mit der Macht verhalten würde, die er den Rhetorikern zu spricht, wenn Sokrates die Redekunst für etwas Schlechtes hielte. Die sich darauf anschließende Diskussion über das Mächtigsein ist der Ausgangspunkt für die zentrale Debatte über das Verhältnis von Unrecht tun und Unrecht leiden. Anhand der Erörterung der Verhältnisse zwischen Schönheit und Gutem, Hässlichkeit/Schändlichkeit und Schlechtem, sowie zwischen gerecht und schön, ungerecht und schändlich/hässlich, erklärt Sokrates seine Auffassung, dass Unrecht tun das schlimmere sei. Dabei spielt vor allem Sokrates, bzw. Platons Verständnis des höchsten Zieles eines Menschen, das Glück, eine große Rolle. Was denn nun das Bessere der beiden – Unrecht leiden oder Unrecht tun – in Platons Augen sei und wie es sich mit dieser Haltung verhält, wird im Folgenden erörtert.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die zentrale Fragestellung des 'Gorgias' ein und erläutert die Bedeutung der moralischen Position des Sokrates gegenüber Polos.
2. Die Diskussion über das Unrecht tun und Unrecht leiden: In diesem Kapitel wird der argumentative Verlauf des Dialogs zwischen Sokrates und Polos nachgezeichnet, insbesondere die sokratische Methode der Begriffsbestimmung.
2.1 Sokrates' Ansicht zur Rhetorik und den Künsten: Dieses Unterkapitel beleuchtet die Kritik des Sokrates an der Redekunst und deren Einstufung als bloße Schmeichelei.
2.2 Der Disput über das größte Übel: Hier wird der argumentative Kern des Dialogs dargestellt, in dem die gegensätzlichen Positionen zum Unrecht tun und erleiden aufeinanderprallen.
2.2.1 Das erste Teilgespräch: Positionen und Macht: Dieses Kapitel analysiert das Anfangsstadium des Disputs, in dem Polos versucht, durch das Beispiel des Tyrannen Archelaos seine Sicht auf Macht zu verteidigen.
2.2.2 Das zweite Teilgespräch: Sokrates' Überzeugungsarbeit: Dieses Kapitel fokussiert auf die Anwendung der sokratischen Methode, durch die Polos schrittweise von den Argumenten des Sokrates überzeugt wird.
2.3 Die Rolle der Seele und ihre Heilung durch Strafe: Hier wird das Konzept der Seele als Patientin der Ungerechtigkeit beschrieben, die durch Strafe gereinigt werden muss.
3. Kritische Reflexion und Einordnung: In diesem Teil wird die Argumentation auf ihre Lebensnähe geprüft und in den philosophischen Kontext eingeordnet.
3.1 Gegenüberstellung von Moral und Eigeninteresse: Dieses Kapitel untersucht den Konflikt zwischen dem idealistischen Handeln des Sokrates und dem menschlichen Streben nach Eigennutz.
3.2 Historische Bezüge zu Sokrates und Platon: Hier werden die im Dialog verhandelten Thesen mit den realen Handlungen und dem Lebensende des historischen Sokrates verknüpft.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die zeitlose Relevanz der platonischen Thesen.
Schlüsselwörter
Platon, Gorgias, Sokrates, Unrecht, Gerechtigkeit, Rhetorik, Moral, Glückseligkeit, Seele, Strafe, Tugend, Macht, Polos, Ethik, Philosophie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem zentralen ethischen Dilemma aus Platons Dialog 'Gorgias': Ist es besser, selbst Unrecht zu erleiden, oder durch das Tun von Unrecht Macht und vermeintlichen Nutzen zu erlangen?
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die thematischen Schwerpunkte liegen auf der Natur der Rhetorik, dem Begriff der Gerechtigkeit, der moralischen Verfassung der Seele und der philosophischen Begründung von Glück.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die sokratische Argumentation zu rekonstruieren und zu prüfen, inwieweit die Behauptung, dass Unrecht tun ein größeres Übel darstellt als Unrecht leiden, logisch und moralisch nachvollziehbar ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die hermeneutische Textanalyse, um den Dialogverlauf zwischen Sokrates und Polos zu interpretieren und in den Kontext von Platons Gesamtphilosophie sowie historischer Fakten zu setzen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil wird der argumentative Disput detailliert analysiert, insbesondere die methodische Umdeutung von Begriffen wie 'schön', 'gut' und 'nützlich' durch Sokrates sowie das Konzept der Strafe als Heilmittel für die Seele.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am stärksten?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Unrechttun, Unrechtleiden, Seele, Läuterung, Moral, Glückseligkeit und Gerechtigkeit geprägt.
Wie bewertet der Autor das Konzept der Strafe im Text?
Der Autor arbeitet heraus, dass Sokrates Strafe nicht als Übel, sondern als notwendigen und heilsamen Prozess betrachtet, um die durch Ungerechtigkeit "kranke" Seele wieder gesund zu machen.
Welche Bedeutung kommt dem historischen Kontext zu?
Der Autor argumentiert, dass Platons starke Ablehnung der Tyrannis und sein Fokus auf moralische Standhaftigkeit durch seine eigenen schlechten Erfahrungen sowie durch das vorbildhafte Verhalten des Sokrates vor seinem Tod motiviert sind.
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- Anonym (Author), 2020, "Unrecht leiden ist besser, als Unrecht tun." Vom Verhältnis zwischen Gerechtigkeit und Glück bei Platon, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1020370