Angesichts der Erfolge in der Biogenetik stellt sich für Wissenschaftler und die Wissenschaft immer häufiger die Frage nach dem Dürfen. Ist es ethisch vertretbar, einen Menschen zu klonen? An lebenden Föten zu forschen, um unfruchtbaren Eltern einen Kinderwunsch zu erfüllen? Oder in unsere DNA einzugreifen, um Krankheiten zu eliminieren? Im Hinblick auf diese ethischen Fragestellungen beschäftigt sich diese Arbeit mit der Frage nach ethischen Grenzen, ihrem Effekt auf die Forschung und der damit einhergehenden Verantwortung für Wissenschaft, Wissenschaftler und die Gesellschaft.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Grenzen des Wissens
3. Zum Bedarf einer Wissenschaftsethik
4. Wissenschaftsethik und ihre Begrenzungen des Wissens
5. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit untersucht die ethischen Grenzen des wissenschaftlichen Wissenszuwachses, analysiert die Notwendigkeit einer spezifischen Wissenschaftsethik und beleuchtet die damit einhergehende Verantwortung von Wissenschaftlern und Gesellschaft im Kontext einer sich rasch verändernden technischen Kultur.
- Die philosophische Auseinandersetzung mit den Grenzen des menschlichen Wissens.
- Die Analyse der Verantwortung von Wissenschaft und Technik in der Wissensgesellschaft.
- Die Bewertung von Lösungsansätzen für ethische Dilemmata in der Forschung.
- Die Rolle der Mitverantwortung und moralischer Prioritätsregeln.
- Die Abgrenzung von Wissenschaftsethik und allgemeiner Bürgerethik.
Auszug aus dem Buch
2. Grenzen des Wissens
Schon Aristoteles merkte an, dass alle Menschen von Natur aus nach Wissen streben und ihnen eine gewisse Neugierde angeboren ist. Dabei stellt diese Neugierde, in der sich in erster Linie das Streben nach Wissen artikuliert, nicht nur eine wissenschaftliche, sondern auch eine alltägliche Neugierde dar. Der Verstand ist jedoch begrenzt, was die Aufnahme von Wissen anbelangt, und schränkt dadurch das Wissen ein, welches wir uns in einem Leben aneignen können. Neben der menschlichen Kapazität begrenzt sich das Wissen noch auf eine andere Weise selbst. Eine Grenze des Wissens könnte auch Vollendung sein. Das Wissen wäre an irgendeinem Punkt vollständig erreicht; wir Menschen würden alles mit dem menschlichen Verstand Erkennbares wissen. Diese Grenze erscheint für viele negativ, da sie ein Ende des größten Strebens der Menschheit bedeuten könnte. Andererseits würde die Vollendbarkeit des Wissens auch einen „Triumph über die Natur“ darstellen, ein Ausdruck unserer kognitiven Leistungen.
Daneben gibt es die Vorstellung, dass das Wissen unendlich ist und sich immer weiter ausdehnt. Hierzu soll im Folgenden die Metapher der Wissenskugel des Philosophen und Mathematikers Blaise Pascal kurz erläutert werden. In dieser Metapher formuliert er das Bild einer Kugel des Wissens, die in einem „All des Nichtwissens“ schwebt und mit der Zeit immer größer wird. Mit dem Anwachsen unseres Wissens über die Welt wächst die Oberfläche der Kugel und somit die Berührungspunkte mit dem Nichtwissen. Ein Jeder, der sich mit wissenschaftlichen Problemen auseinandersetzt, kennt das Phänomen, das mit der Lösung eines Problems neue Probleme und Fragen auftauchen. Nun lässt sich dieses Bild auf zwei Arten deuten. In der negativen Deutung, „wächst das Nichtwissen schneller als das Wissen“, da sich mit dem Anwachsen der Oberfläche der Kugel, die Berührungspunkte und somit die wissenschaftlichen Probleme vermehren. In der zweiten Deutung, der positiven, besteht die Analogie zwischen dem Volumen der Kugel und dem Wissen, welches immer größer wird und gegenüber dem Nichtwissen schneller wächst. Die Grenze des Wissens besteht hierbei in der dauerhaften Berührung mit dem Nichtwissen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die ethische Problematik der modernen Biogenetik und Forschung ein und formuliert die zentrale Fragestellung nach der Verantwortung von Wissenschaft und Gesellschaft.
2. Grenzen des Wissens: Dieses Kapitel erläutert die verschiedenen Dimensionen von Wissensgrenzen, wie die kognitive Kapazität des Menschen, ökonomische Restriktionen und die philosophische Metapher der Wissenskugel.
3. Zum Bedarf einer Wissenschaftsethik: Hier wird der Bedarf an einer ethischen Einordnung des wissenschaftlichen Fortschritts in einer modernen Wissensgesellschaft diskutiert und die untrennbare Verbindung von Forschung und politischem Leben thematisiert.
4. Wissenschaftsethik und ihre Begrenzungen des Wissens: Dieses Kapitel erörtert die Rolle des wissenschaftsinternen und -externen Ethos sowie notwendige Prioritätsregeln zur Lösung von Rollen- und Verantwortungskonflikten.
5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass anstelle einer isolierten Wissenschaftsethik eine ganzheitliche Neustrukturierung der Ethik erforderlich ist, um den globalen Herausforderungen der Wissensgesellschaft gerecht zu werden.
Schlüsselwörter
Wissenschaftsethik, Grenzen des Wissens, Verantwortung, Wissensgesellschaft, Forschungsethik, Hans Lenk, Jürgen Mittelstraß, Technikfolgenabschätzung, moralische Verantwortung, Gruppenethik, Wissenschaftsfreiheit, Bürgerethik, Handlungsverantwortung, Wissenswachstum, Bioethik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der ethischen Einordnung des wissenschaftlichen Fortschritts und den damit verbundenen Grenzen des Wissens sowie der daraus resultierenden Verantwortung für Wissenschaftler und die Gesellschaft.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die Philosophie der Wissensgrenzen, der Bedarf an einer Wissenschaftsethik, die Abwägung von Forschungsfreiheit gegenüber gesellschaftlicher Verantwortung sowie die Rolle des Einzelnen in einer technisierten Wissenskultur.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die ethischen Grenzen des Forschens zu bestimmen und zu untersuchen, wie eine verantwortungsbewusste Wissenschaftsethik die Folgenabschätzung von wissenschaftlichen Errungenschaften steuern kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine wissenschaftsphilosophische Analyse. Sie stützt sich primär auf die Positionen von Philosophen wie Jürgen Mittelstraß, Hans Lenk und Hans Jonas, um theoretische Konzepte der Verantwortung und des Wissens kritisch zu reflektieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die physischen, ökonomischen und normativen Grenzen des Wissens, diskutiert das Bedürfnis nach einer Ethik der Wissenschaften und entwickelt Konzepte zur Lösung von Verantwortungskonflikten durch Prioritätsregeln.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Wissenschaftsethik, Verantwortung, Wissensgesellschaft, Forschungsfreiheit, Folgenabschätzung und Mitverantwortung charakterisiert.
Was versteht man unter der Metapher der "Wissenskugel" nach Pascal?
Die Wissenskugel veranschaulicht, dass mit zunehmendem Wissen auch die Kontaktfläche zum Nichtwissen wächst, was bedeutet, dass der Zuwachs an Wissen zwangsläufig auch den Zuwachs an neuen, unbekannten Fragestellungen mit sich bringt.
Welchen Stellenwert nimmt die "Mitverantwortung" im Text ein?
Mitverantwortung wird als essentielles Problem der heutigen Gesellschaft identifiziert, da es schwierig ist, in einer globalen Wissensgesellschaft die Verantwortung des Einzelnen innerhalb kollektiver Strukturen (Gruppenverantwortung) präzise zu definieren und einzufordern.
Warum wird laut der Autorin keine "spezielle" Wissenschaftsethik benötigt?
Es wird argumentiert, dass eine spezielle Wissenschaftsethik nicht ausreicht, da Ethik allgemein für alle Lebensbereiche gilt; stattdessen ist eine umfassende Neustrukturierung unserer ethischen Werte notwendig, die den Anforderungen der Wissensgesellschaft gerecht wird.
Was besagt Hans Lenks "Principii obsta"?
Das Prinzip "Principii obsta" plädiert für eine erhöhte Sensibilisierung des Verantwortungsbewusstseins bei allen Beteiligten, um moralische Risiken frühzeitig zu erkennen und die Ausbildungsfähigkeit von Pflichtgefühl innerhalb wissenschaftlicher Kontexte zu stärken.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2020, Ethische Grenzen des Wissens. Wissenschaftsethik, ihre Grenzen und Verantwortung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1020396