Strukturalismus. Saussures Sprachbetrachtung anhand seines Werkes: "Grundfragen der allgemeinen Sprachwissenschaft" und die Unterschiede zum Programm seiner Vorgänger


Hausarbeit, 2001

15 Seiten, Note: sehr gut


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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Sprachwissenschaft vor Ferdinand de Saussure :
Die Junggrammatiker

3. Die Anfänge des Strukturalismus.

4. Ferdinand de Saussure
4.1. Einleitende Bemerkungen und der „Cours“
4.2. Saussures Auffassung von der Sprache : ihre Definition
4.2.1 Trichotomie der Sprache : Langue – Parole – Langage
4.2.2 Sprache als soziale Institution
4.2.3 Sprache als System von Zeichen
4.2.4 Synchronische und diachronische Sprachbetrachtung
4.3. Zur Erfassung des Saussures Theorie

5. Schluss

1. Einleitung

In der vorliegenden Arbeit soll der Strukturalismus anhand Saussures Sprachbetrachtung genauer dargestellt werden. Um einen tieferen Einblick in seine Vorgehensweise zu erlangen, ist es notwendig, einen historischen Abriss von seinen Vorläufern zu geben.

Hauptsächlich beschäftigt sich diese Arbeit aber mit der von Saussure grundsätzlichen gewonnenen Neuorientierung und seine Stellungnahme zu den Junggrammatikern.

Der vierte Kapitel soll Untersuchung des Sprachsystems darstellen. Abschließend sollen die Ergebnisse zusammen getragen werden.

Da es sich bei dieser Arbeit um Gedanken über die Sprache handeln soll, ist es notwendig, die hier erarbeiteten Ergebnisse mit zahlreichen Zitaten zu fundieren.

2. Die Sprachwissenschaft vor Ferdinand de Saussure.

Um irgendwelche Aussagen über die Sprache geltend zu machen, kann hier auf eine kurze Skizzierung der nichtstrukturellen Sprachwissenschaft unmittelbar vor de Saussure nicht verzichtet werden. Denn, wenn man weiß, von welchen wissenschaftlichen Strömungen Ferdinand de Sausure sich lösen musste, wird man sein Werk besser beurteilen können.

Die Sprachwissenschaft des 19. Jahrhunderts war weitgehend identisch mit der Indogermanistik. Man hat sich bemüht, die Entwicklung der indoeuropäischen Sprachen nachzuzeichnen und eine Grundsprache zu postulieren, von der sich alle indoeuropäischen Sprachen ableiten sollten. Dies macht durchaus auch den Inhalt der wissenschaftlichen Aktivitäten der Junggrammatiker aus, die seit den siebziger Jahren eine linguistische Schule in Leipzig bildeten. Zu dieser Schule gehörten A. Leskien, K. Brugmann, H. Osthoff, H. Paul, und andere. Sie wollten der Sprachwissenschaft den Charakter einer exakten Naturwissenschaft verleihen und damit alle metaphysische Vorstellungen über die Sprache und Sprachentwicklung ausräumen.

Untersuchungsgegenstand des Sprachwissenschaftlers sollte nicht das Sprachsystem, sondern die im einzelnen Individuum lokalisierte und somit beobachtbare Sprache (-Idiolekt) sein.

“ Alle Lautkomplexe, die irgendein Einzelner je gesprochen, gehört oder vorgestellt hat mit den damit assoziierten Vorstellungen, deren Symbole sie gewesen sind, alle die mannigfachen Beziehungen, welche die Sprachelemente in den Seelen der Einzelnen eingegangen sind, fallen in die Sprachgeschichte, müssten eigentlich alle bekannt sein, um ein vollständiges Verständnis der Entwicklung zu ermöglichen“.[1]

Hieraus folgen zwei Positionen, die die strukturelle Linguistik des 20.Jahrhunderts den Junggrammatikern nie vergeben hat.

Die erste Position besagt,dass es überhaupt keine Sprache gibt, die allen Mitgliedern einer bestimmten Gemeinschaft gemeinsam wäre, sondern nur Individualsprachen. Eine Sprache war zu sehen als ein Geflecht von assoziativen Verbindungen, das aus Laut- und Bedeutungsvorstellungen besteht, und zwar aus solchen Vorstellungen, deren Assoziationen nun einmal konkret und relative nur in den Köpfen von Individuen existieren.

Begriffe wie “die deutsche Sprache “ waren nichts anderes als Abstraktionen und Fiktionen. Hier ist nun die Tatsache nicht zu übersehen, dass die einzelnen Individuen einer bestimmter Gemeinschaft sich miteinander verständigen und kommunizieren könnten. Man sprach aber sogenannten “Sprachusus“ (eingeführt von H. Paul). Es besagt, dass aus der Wechselwirkung der Individuen einer Gemeinschaft und gegenseitiger Beeinflussung ein gewisses ausreichendes Minimum an gemeinsamen Vorstellungen, eben der Usus entsteht.

Die zweite Position ist der sog. Historismus, d.h. nur die geschichtliche Betrachtung der Sprache hat Anspruch, wissenschaftlich genannt zu werden.

Die Junggrammatiker waren überzeugt, dass sich die Laute nach bestimmten Gesetzmäßigkeiten verändern, die keine Ausnahmen zulassen. Damit formulierten sie die Lehre von der Ausnahmslosigkeit der Lautgesetze. Die Kernaufgabe der Sprachwissenschaftler war den “Gesetzmäßigkeiten sprachlichen Wandels“ den gleichen wissenschaftlichen Status wie den Gesetzen der positiven Naturwissenschaften zu geben.

Die Unzulässigkeiten und Mängel in der Konzeption der Junggrammatiker wurden früh erkannt. Ihr Programm konnte nicht lange die Allgemeingültigkeit behalten. Die Konzentration auf sprachliche Einzelphänomene führte zu einer Lösung der Sprache vom Menschen. Die Einzelheiten erhielten ihren Platz auch nicht innerhalb des Systems, sondern wurden in ihrer geschichtlichen Entwicklung verfolgt. Die Verengung des Blickwinkels, unter dem man Sprache betrachtet, wurde sehr kritisiert.

Der Genfer Linguist Ferdinand de Saussure hatte seine entscheidende wissenschaftliche Ausbildung auch in den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts in Leipzig erhalten, also mitten im Zentrum der Junggrammatiker. So sind seine ersten publizierten Arbeiten weitgehend klassischen Fragen der Indogermanistik gewidmet. In der Zeit zwischen 1890 und 1900 brach Saussure jedoch mit den junggrammatischen Dogmen und suchte nach einem neuen Rahmen für die Sprachwissenschaft.

Seine Theorie, die später Strukturalismus genannt wurde, ersetzte die Theorie der Junggrammatiker. Die Methodologie der Junggrammatiker hat jedoch einen unvergänglichen Einfluss auf die Entwicklung der linguistischen Forschungen ausgeübt, insbesondere auf die diachronischen; sie ermöglichte die Bestimmung des Gegenstandes der Linguistik als Wissenschaft und schränkte den Subjektivismus in der Arbeit an der Sprache ein.

3. Die Anfänge des Strukturalismus.

“ Wissenschaftsgeschichtliche Sammelbezeichnung für verschiedene, sich auf F. DE SAUSSURE berufende, im einzelnen aber stark voneinander abweichende sprachwiss. Richtungen in der ersten Hälfte des 20. Jh. “[2].

Man kann den Begriff des Strukturalismus unterschiedlich verwenden. Zum einen wird er auf die Phase der Sprachwissenschaft vor Chomskys „ Syntactic structures“ angewendet zum anderen wird er auf alle Sprachtheorien angewendet, die sich auf eine „ isolierte Untersuchung des Sprachsystems“ beziehen. Ursprünglich verstand man unter Strukturalismus eine geisteswissenschaftliche Verfahrensweise, welche den historischen Kontext ihres Forschungsgegenstandes vernachlässigte, um sich der Untersuchung seiner Struktur, also des Beziehungsgefüges seiner Einzelelemente zueinander, zuzuwenden. Damit wird deutlich, dass der Strukturalismus Sprache als System begreift, der aus einer Menge von Einzelelementen zwischen denen Beziehungen stattfinden besteht.

Bei den Anfängen des Strukturalismus handelt es sich jedoch nicht um ein ausschließlich französisches Phänomen, wie man oft behauptet, sondern hinzu kommen auch gesamteuropäische und nordamerikanische Einflüsse.

Eindeutig kann man jedoch sagen, dass die Linguistik bei einer historischen Betrachtungsweise des Strukturalismus in den Mittelpunkt tritt, da hier die strukturalistische Methode ihre ersten Erfolge feierte. Sie wurde zu einer theoretisch fundierten Erfahrungswissenschaft, deren Denk- und Arbeitsweise sich schnell auch in anderen Disziplinen wie der Anthropologie, Poetik und Ästhetik durchsetzte.

Im folgenden soll nun die Theorie Saussures beschrieben werden.

[...]


[1] C. Heeschen, Grundfragen der Linguistik. Stuttgart 1974: 13

[2] H. Bußmann, Lexikon der Sprachwissenschaft. Stuttgart 1990:743

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Details

Titel
Strukturalismus. Saussures Sprachbetrachtung anhand seines Werkes: "Grundfragen der allgemeinen Sprachwissenschaft" und die Unterschiede zum Programm seiner Vorgänger
Note
sehr gut
Autor
Jahr
2001
Seiten
15
Katalognummer
V102057
Dateigröße
371 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Strukturalismus, Saussures, Sprachbetrachtung, Werkes, Grundfragen, Sprachwissenschaft, Unterschiede, Programm, Vorgänger
Arbeit zitieren
Magdalena Henrykowska (Autor), 2001, Strukturalismus. Saussures Sprachbetrachtung anhand seines Werkes: "Grundfragen der allgemeinen Sprachwissenschaft" und die Unterschiede zum Programm seiner Vorgänger, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/102057

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