In der vorliegenden Arbeit wird genauer auf das professionelle Handeln im Umgang mit Heterogenität im frühkindlichen Bereich eingegangen. Zuerst wird ein kurzer Einblick in die Bildungssituation und in die Problematik der Bildungsbenachteiligung von Migrantenkinder in Deutschland gegeben. Danach wird über interpersonelle Erfahrungen im Primar- und Elementarbereich im heterogenen Kontext reflektiert. Des Weiteren werden die Begriffe der Ethnizität, der Nationalität, der Kultur, der sozialen Identität und der Transkulturalität erläutert. Zum Schluss wird auf die Möglichkeiten der Prävention von Fremdenfeindlichkeit im Primar- und Elementarbereich eingegangen.
In einer solchen interkulturellen Gesellschaft wie heutzutage in Deutschland spielt der pädagogisch sinnvolle Umgang mit kultureller Pluralität eine besondere Rolle, da der Anteil der unter 10-järigen Kinder mit Migrationshintergrund in manchen Bundesländern (Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfallen, Hamburg, Bremen, Berlin) schon im Jahr 2010 40% oder mehr erreicht hat. Im Jahr 2016 hatte deutlich mehr als jedes dritte Kind unter 5 Jahren in Deutschland einen Migrationshintergrund. Die dadurch entstandene Heterogenität der Gesellschaft bringt nicht nur neue Entwicklungen mit sich, sondern auch die Notwendigkeit, die gesellschaftlichen Strukturen zu verändern. Dies betrifft vor allem die sozialen Bereiche und das Bildungswesen. Die Zusammensetzung der Gesellschaft verändert sich dabei schneller, als die seit Jahrzehnten etablierten Bildungsstrukturen, die gesellschaftlichen Normen, Werte und Einstellungen, die auf eine homogene Gesellschaft ausgerichtet waren. Die gesellschaftlichen Probleme, die dadurch entstehen, werden neben anderen durch die Analyse der Chancengleichheit in dem Bildungssystem sichtbar.
Inhaltsverzeichnis
1 Einführung
2 Die Bildungssituation von Migrantenkindern in Deutschland
3 Interpersonelle Erfahrungen in Primar‐ und Elementarbereich in einem heterogenen Kontext
4 Begriffe der Ethnizität, Nationalität und Kultur
5 Soziale Identität und die Transkulturalität
6 Möglichkeiten der Prävention von Fremdenfeindlichkeit im Elementar‐ und Primarbereich
7 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den pädagogisch sinnvollen Umgang mit Heterogenität in Kindertageseinrichtungen und Schulen. Das Ziel ist es, professionelle Handlungsmöglichkeiten für Fachkräfte aufzuzeigen, um Bildungsbenachteiligungen zu reduzieren und ein positives, integratives Umfeld zu schaffen, ohne die kulturelle Identität der Kinder durch Kategorisierungen zu instrumentalisieren.
- Professionelles Handeln im Umgang mit gesellschaftlicher Vielfalt
- Die Problematik der Bildungsbenachteiligung von Kindern mit Migrationshintergrund
- Soziale Identitätstheorie im pädagogischen Kontext
- Das Konzept der Transkulturalität als pädagogischer Ansatz
- Prävention von Fremdenfeindlichkeit und Diskriminierung im Kita- und Schulalltag
Auszug aus dem Buch
5 Soziale Identität und die Transkulturalität
Die soziale Identitätstheorie beschreibt die Zugehörigkeit einer Person zu einer bestimmten sozialen Gruppe. Diese soziale Gruppe hat dabei eine Bedeutung, die emotional beladen ist. Die Entwicklung der sozialen Identitätstheorie ist mit dem Namen des polnischen Soziologen Henry Tajfels verbunden. Die Theorie von Henry Tajfel besagt, dass das soziale Bewusstsein eines Menschen auf der Identifikation mit einer sozialen Kategorie basiert. Diese Identifikation erfolgt schrittweise, und die Menschen ordnen sich durch das Urteil der anderen und durch die Feststellung von Ähnlichkeiten einer Kategorie zu. Danach erfolgt die Identifizierung mit der zugeordneten sozialen Kategorie und der Vergleich von der eigenen Kategorie mit den anderen sozialen Kategorien. Dies führt meistens zu dem Ergebnis, dass die eigene soziale Gruppe sich von den anderen sozialen Gruppen unterscheidet und im Endeffekt diesen überlegen ist. 20
Dadurch entsteht ein Wir-Gefühl, das auch das eigene Selbstwertgefühl erhöht. Es ist das natürliche Bedürfnis eines Menschen, die Anerkennung und Wertschätzung der eigenen Persönlichkeit zu erleben. Die Schwierigkeiten im Umgang mit sozialer Identifizierung bestehen in schulischen und vorschulischen Einrichtungen dann, wenn im Umgang mit anderen sozialen Gruppen die Herabwürdigung der anderen dazu missbraucht wird, um den Eindruck der eigenen Überlegenheit zu erwerben.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einführung: Die Einleitung beleuchtet die zunehmende kulturelle Heterogenität in Deutschland und deren Herausforderungen für das Bildungssystem sowie die Notwendigkeit für pädagogische Fachkräfte, ihren professionellen Umgang mit Differenz zu reflektieren.
2 Die Bildungssituation von Migrantenkindern in Deutschland: Dieses Kapitel thematisiert die existierenden Bildungsbenachteiligungen von Kindern mit Migrationshintergrund, insbesondere durch diskriminierende Entscheidungspraktiken und unzureichende Chancengleichheit in Bildungsplänen.
3 Interpersonelle Erfahrungen in Primar‐ und Elementarbereich in einem heterogenen Kontext: Hier wird die Bedeutung von sozialen Gruppenprozessen und Beziehungen zwischen Kindern in Bildungseinrichtungen als zentrales Lernfeld für die emotionale und soziale Entwicklung dargelegt.
4 Begriffe der Ethnizität, Nationalität und Kultur: Dieses Kapitel kritisiert die enge Verwendung von Kultur- und Migrationsbegriffen und schlägt stattdessen einen multidimensionalen Blick auf die Zugehörigkeiten eines Individuums vor.
5 Soziale Identität und die Transkulturalität: Es wird die soziale Identitätstheorie erläutert und das Konzept der Transkulturalität eingeführt, das die innere Pluralität jedes Menschen in den Vordergrund stellt, statt zwischen Einheimischen und Migranten zu trennen.
6 Möglichkeiten der Prävention von Fremdenfeindlichkeit im Elementar‐ und Primarbereich: Das Kapitel stellt ein Vier-Punkte-Programm zur Prävention von Fremdenfeindlichkeit vor, das darauf abzielt, soziale Kategorien zu minimieren und interpersonelle Kompetenzen zu stärken.
7 Fazit: Die Schlussfolgerung betont, dass Pädagogik auf Gemeinsamkeiten fokussieren und die Identität von Kindern schützen sollte, indem sie von starren Kategorisierungen absieht und eine Atmosphäre der Offenheit schafft.
Schlüsselwörter
Heterogenität, frühkindliche Bildung, Migrationshintergrund, Chancengleichheit, soziale Identität, Transkulturalität, Diskriminierung, Pädagogik, Bildungserfolg, Inklusion, kulturelle Pluralität, Interkulturelle Pädagogik, Prävention, Selbstbild, interpersonelle Kompetenz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt den professionellen Umgang pädagogischer Fachkräfte mit der zunehmenden kulturellen Heterogenität in Kindertageseinrichtungen und Grundschulen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind die Bildungsbenachteiligung von Migrantenkindern, die Bedeutung sozialer Identität, das Konzept der Transkulturalität sowie Möglichkeiten zur Prävention von Fremdenfeindlichkeit.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie pädagogisches Handeln so gestaltet werden kann, dass kulturelle Vielfalt anerkannt wird, ohne Kinder durch starre ethnische oder kulturelle Kategorisierungen auszugrenzen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Auseinandersetzung mit erziehungswissenschaftlicher Fachliteratur sowie der Analyse von Bildungsplänen und Theorien sozialer Identität.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Bildungssituation, erläutert Fachbegriffe wie Kultur und Ethnizität, diskutiert das Konzept der Transkulturalität und stellt ein Vier-Punkte-Programm zur Prävention von Diskriminierung vor.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Heterogenität, Transkulturalität, Chancengleichheit, soziale Identität, frühkindliche Bildung und Prävention von Fremdenfeindlichkeit.
Warum wird das Konzept der Transkulturalität als hilfreicher angesehen als traditionelle Modelle?
Transkulturalität ermöglicht es, die Vielfalt jedes Einzelnen anzuerkennen, da sie davon ausgeht, dass jeder Mensch verschiedene kulturelle Elemente in sich trägt, statt Menschen in starre Gruppen wie "Einheimische" oder "Migranten" einzuteilen.
Was besagt die Empfehlung zur "Minimierung der sozialen Kategorienzugehörigkeit"?
Die Empfehlung schlägt vor, im pädagogischen Alltag nicht die ethnische oder nationale Herkunft zu betonen, sondern andere, verbindende soziale Kategorien wie "unsere Klasse" oder gemeinsame Aktivitäten zu nutzen, um Ausgrenzung zu vermeiden.
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- Mariya Kaelberer (Author), 2020, Umgang mit Heterogenität in Kindergarten und Grundschule. Die Bildungssituation von Kindern mit Migrationshintergrund, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1020947