Klonen. Eine Gewissensfrage?


Referat / Aufsatz (Schule), 2001

3 Seiten, Note: 14 Punkte


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Klonen

Es ist jetzt sicher schon über eine Milliarde Jahre her, als zwei, die Ursuppe bewohnende, primitive Lebensformen ihr Erbgut vermischten und die Natur auf diesem Wege den Sex erfand. Seither wird die Erde von zwei Geschlechtern bevölkert, die ihre Erbanlagen vermischen und auf diese Art und Weise ständig neue Variationen des Lebens entstehen lassen. In einer unendlichen Vielfalt begegnet man, unabhängig von Rasse oder Lebensumfeld, ständig anderen Gesichtern, Charakteren und Persönlichkeiten. Die Natur sucht nach ihren Kriterien aus und mischt die Karten für jede Generation neu. Ein Sachverhalt, dem sich der Mensch unterordnete. Dem er es zu verdanken hatte, dass er mit Intelligenz, der wirksamsten aller Waffen, gesegnet wurde. Doch gerade diese Intelligenz, schlägt jetzt zurück. Denn seit dem 23. Februar 1997 geben wir uns nicht mehr damit zufrieden, die beiden stärksten Tiere für Nachwuchs in unseren Ställen sorgen zu lassen. Von diesem Tag an wusste die Menschheit, es gibt auch noch einen anderen Weg der Zucht. Das Klonen! Das für einen Wendepunkt in der Geschichte des Lebens sorgen soll. Ein neues Mittel zur Fortpflanzung von Säugetieren, entwickelt von Menschenhand. Am besagten Wintertag im Jahre 1997, legte eine Gruppe von Wissenschaftlern der Menschheit ein Lämmchen zu Füßen, das aus den Euterzellen seiner Mutter entstanden war und mit ihr identische Gene besaß. Der Vorzeigeklon hatte das Licht der Welt entdeckt und schrieb unter dem Namen „Dolly“ Geschichte. Ihr folgten noch weitere Klone der verschiedensten Rassen, denn nach dem Andrang der Presse und den wachen Augen der Bevölkerung, hatten eine Anzahl Forscher Blut geleckt. Praktische Experimente an Lebewesen begannen und es entstanden ständig neue und verbesserte Methoden des Klonens. Keine davon wurde jemals wirklich perfekt, aber das Streben nach Macht und Kontrolle über den Lauf des Lebens motivierte die Menschen. Gedanken von einem Stall voller perfekter Schlachttiere und Kühen die den höchstmöglichen Fettanteil in der Milch lieferten, machten die Runde. Denn ob die Tiere das gleiche Erbgut in sich trugen interessiert am Mittagstisch keinen mehr.

Ich sehe diese Entwicklung und Gefühle verschiedenster Art machen sich breit. Denn trotz Medien und Biologieunterricht, bleibt jedem die Aufgabe sich eine eigene Meinung zu bilden und den Manipulationen von individuellen Meinungen zu entgehen. Allerdings wird es nun, da der erste geklonte Mensch fast schon an Dollys Stelle tritt, um ihr die Prominenz streitig zu machen, höchste Zeit sich mit der Problematik auseinander zu setzen.

Ich habe das getan und bin zu folgenden Ergebnissen gekommen:

Ein unumstößlicher Fakt ist, dass diese Art der Fortpflanzung nicht naturgegeben ist und eine genetische Weiterentwicklung verhindert. In der Natur war es bis jetzt immer so, dass von jeder Rasse ein Überschuss an Nachfolgern geboren wurde, die in sich, bedingt durch Mutation, verschieden waren. Aus diesem Sachverhalt heraus, hatten einige Lebewesen Vorteile in der Natur zu existieren und paarten sich demzufolge öfter um ihre Anlagen weiterzugeben. Auf diesem Weg entstand, sich ständig anpassendes, Leben. Auch wir, die Menschen, mussten diesen Prozess durchlaufen und wurden vom Affen zu einem höherentwickelten, intelligenten Lebewesen, das irgendwann begonnen hat nicht sich seiner Umwelt, sondern umgedreht, die Umwelt sich anzupassen. Besonders in den Industrieländern leiden oder sterben heutzutage relativ wenig Menschen an unvorteilhaftem Erbgut, da die von der Natur als „schwach“ eingestuften in unserer von Moral beherrschten Welt Unterstützung bekommen. Das heißt, die natürliche Auslese der Natur hat der Mensch schon vor geraumer Zeit durchbrochen. Was man aber nicht so verstehen darf, dass keine Weiterentwicklung existiert. Durch ständigen Zuwachs von Wissen verändern sich Mentalität und Lebenseinstellung vor Generation zu Generation unaufhörlich. Nur der Unterschied zwischen einzelnen Menschen wird größer, Differenzen zwischen Intelligenz und Körperbau klaffen immer weiter auseinander. Eine solche Entwicklung hätten die Naturgesetze nie zugelassen, aber der Mensch wird für sich selbst immer mehr zum Schöpfer. Jetzt da es eine Methode gibt bei der man Leben züchten kann ohne es in Käfige zu sperren, ist eine andere Art der Auslese, meiner Meinung nach, nicht mehr zu stoppen. Man darf dabei aber nicht aus den Augen verlieren, dass auch das menschliche Wesen, mit seiner Selbstbestimmtheit, Grenzen aufweißt. Es hat den Lauf und das Gleichgewicht der Natur durchbrochen, aber ist es auch fähig sich ein eigenes zu bauen?

Ich bin mir sicher, dass der Mensch, egal auf welcher Ebene, Perfektion anstrebt. Eine von mir aufgestellt Utopie wäre, dass das Klonen in späteren Zeiten nur noch einer bestimmten Gruppe von „Elitemenschen“ vorbehalten ist, die mit ihrer genetisch bestimmten Intelligenz weitere Wissenschaften ausüben oder fähig sind auf anderen Gebieten Heldentaten zu vollbringen. Mit der Einführung solcher oder ähnlicher Regelungen entsteht auch immer die Gefahr von Diskriminierung bestimmter Gruppen. Wenn öffentlich abgeschätzt wird wie viel ein Mensch wert ist, ergeben sich unweigerlich Konflikte. Auf der anderen Seite, macht sich jeder etwas vor, der die Ansicht vertritt, dass es solche Probleme heute nicht gibt. Vollkommene Gleichberechtigung und Gerechtigkeit wird man niemals erreichen, weil dazu der Unterschied zwischen den Menschen viel zu groß ist und die Natur, von der wir letztendlich doch alle abstammen, so etwas nie vorgesehen hatte. Meine Hoffnung liegt in der Tatsache, dass das Leben der Menschheit zu einem großen Te il von Moral und Verantwortungsgefühl bestimmt wird, denn auch die tragen wir in uns. Das unterschiedet uns von den Tieren und ist letztendlich die Ursache für die Unzufriedenheit mit den Gesetzen der Natur.

Jetzt stehen wir also vor einer neuen Epoche, einem neuen Zeitabschnitt, in dem sich „die Krone der Schöpfung“ selbstständig macht und selbst zum Schöpfer werden will und beginnt mit sich selbst zu experimentieren, etwas, was es in der Geschichte in diesem Maße zuvor nie gegeben hat. Wie nah wir dem sind, zeigt ein „Spiegel“ Artikel, in dem sich der italienische Frauenarzt Dr. Antinori zu seinem Projekt äußert, das ermöglichen soll, dass schon im Sommer 2002 der erste menschliche Klon das Licht der Welt erblickt. So weit sind wir also schon und nach dem Lesen des Berichtes zwingt sich unweigerlich die Frage auf „Sind wir schon so weit? Haben wir schon genug Wissen um Experimente mit Menschen durchzuführen?“.

Dass man den Fortschritt nicht aufhalten kann, möchte ich gar nicht bezweifeln, im Gegenteil, davon bin ich persönlich überzeugt. Das heißt aber nicht, dass man, ohne intensiv über die Folgen nachzudenken, Versuche starten und im Namen der Wissenschaft die Achtung vor der eigenen Rasse verlieren darf. Ein Klon ist nichts alltägliches, er ist eine Neuheit, ein herausragendes Produkt wissenschaftlicher Forschung. Aber trotz all dem immer noch ein Mensch, in dessen Natur es liegt sich Gedanken zu machen und zu verzweifeln, wenn er so abweichend ist, dass er sich nicht in die Gesellschaft eingliedern kann. Wenn sich unsere Existenz bis hier hin auf Moral aufgebaut hat, kann man sie jetzt nicht einfach abschütteln, weil sie lästig wird. Meiner Meinung nach benötigt die Geburt eines Klons, eine gewisse psychische Vorbereitung bei den späteren Eltern und der Gesellschaft, um auszuschließen, dass dieser Mensch irgendwann zu einer anderen „Art“ gehört. Allerdings antwortet Dr. Antinori auf die Frage nach der Psyche der Paare, die sich ein Klonkind wünschen ausschließlich mit dem Satz „Die Menschen sind moralisch betrachtet kerngesund.“ Kann das überzeugen? Der Doktor beantwortet eine der Hauptfragen mit sechs Worten und erzählt im Verlauf des Gespräches, dass sich aber ausschließlich Männer klonen lassen und auch er selbst der Ansicht ist, dass in dieser Richtung eine Diskriminierung vorherrscht. In meinen Augen stellt das einen gewaltigen Widerspruch dar. Beweist sich dieser Wissenschaftler nicht selbst, dass seine „Patienten“ nicht psychisch vorbereitet sind, wenn sich in 100% der Fälle der Mann klonen lässt? Ich denke schon, denn das bringt zum Ausdruck, dass die Frage der Gleichberechtigung in den Partnerschafen nicht geklärt ist. Und solche Ehen scheitern nachweislich viel öfter, nämlich dann wenn die Frau dem Strom folgt und sich emanzipiert.

Das heißt, dass sich ein weiterer Fakt im Leben des geklonten Kindes anbahnt, der es aus der, besonders in seinem Fall wichtigen, Normalität und Geborgenheit reißt. Dass der Doktor das vermeiden will, zeigt der Sachverhalt, dass er Kinder für lesbische Paare nie klonen würde, da er der Meinung ist, dass jedes Kind ein Recht auf Mutter und Vater hat. Sicher eine gutgemeinte Einstellung, für mich aber nicht ganz nachvollziehbar. Denn den aktuellen Erkenntnissen zufolge ist eine liebevolle Beziehung zu und zwischen den Eltern weitaus wichtiger, als die traditionelle Erziehung.

Ich möchte mit meiner Kritik nicht andeuten, dass es jemals eine optimale, psychische Ausgangsbedingung für die ersten Klone geben kann. Sie werden es schwer haben und ohne Zweifel auch leiden. Aber dieses Leid sollte auf das Möglichste verringert werden und das schafft dieser Arzt nicht. Für ihn steht der wissenschaftliche Durchbruch im Vordergrund, wobei man durch den Artikel eher den Eindruck gewinnt, dass gerade auf diesem Gebiet eher Vermutungen als Wissen vorherrschend sind. „Wir kennen das Risiko noch nicht genau.“ ist für mich ein wichtiger Schlüsselsatz. Dass man das Klonen von Menschen nicht genau abschätzen kann, bevor man es nicht praktiziert hat, ist mir klar. Aber auch in den vorhergehenden Fragen, die sich speziell auf die bereits erworbenen Kenntnisse beziehen, weicht der Doktor immer wieder aus. Das bestehende Risiko kann, denke ich, noch weiter abgesenkt werden, wenn diese Wissenschaftler nicht Hals über Kopf anfangen würden am Menschen zu experimentieren. Und auch das führe ich in erster Linie darauf zurück, dass sie Angst haben es kommt ihnen einer zuvor und der Ruhm fällt auf einen anderen. Aber ist es wirklich nur Ruhm den man ernten kann? Ich bezweifle, dass sich dieses Team ernsthafte Gedanken gemacht hat, was passiert, wenn die ganze Sache schief geht. Die Verantwortung, die in den Händen dieser Menschen liegt, wird von ihnen selbst unterschätzt.

Im Großen und Ganzen bin ich nicht davon überzeugt, dass wir im Moment ausreichend Erfahrung haben um unsere eigene Art zu klonen und dabei mit unserem Gewissen im Reinen zu bleiben. Denn wir handeln immer noch typisch für unsere Rasse, die probiert und dann erst richtig nachdenkt.

3 von 3 Seiten

Details

Titel
Klonen. Eine Gewissensfrage?
Note
14 Punkte
Autor
Jahr
2001
Seiten
3
Katalognummer
V102099
Dateigröße
352 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Ist das Klonen von Menschen vertretbar? Machbar ist es! Vielleicht gibt mein Aufsatz einen kleinen Anreiz :-)
Schlagworte
Klonen
Arbeit zitieren
Maria Köhler (Autor), 2001, Klonen. Eine Gewissensfrage?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/102099

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