Westworld ist in vielerlei Hinsicht eine sehr außergewöhnliche Serie. Auf den ersten Blick bedient sie sich an klassischen Storytelling-Techniken, was jedoch irreführend ist. In erster Linie soll die erste Staffel näher betrachtet werden, da hier die erwähnten Techniken am deutlichsten erkennbar sind. Dabei nutzt sie das Motiv des Storytellings selbst, um ihre Geschichte zu erzählen. Außerdem nutzt sie Erzählweisen eines fremden Mediums, dem Videospiel und lässt dabei auf verschiedenen Ebenen die Grenzen zwischen Realität und Fiktion verschwimmen. Am auffälligsten ist die Komplexe Zeitstruktur der Serie, mit der alle Zeitebenen verbunden werden. Trotzdem basiert diese kompliziert anmutende Struktur auf klassischen Storytelling-Elementen, wie der Heldenreise und den Archetypen.
Gerade der Einsatz der Zeitsprünge ist in der ersten Staffel besonders interessant, in der folgenden jedoch mindestens so eindrucksvoll, daher soll dieser Aspekt der Ausarbeitung die zweite Staffel teilweise miteinbeziehen. Darüber hinaus weist die Serie ebenfalls Besonderheiten in der musikalischen Gestaltung auf, was zusätzlich in der Ausarbeitung aufgegriffen werden soll. Auf sich widerholende Techniken kann nur bedingt eingegangen werden, obgleich die Wiederholung selbst eine besondere Bedeutung im Storytelling der Serie einnimmt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Einordnung der Serie
3. Klassisches Storytelling in der Serie
3.1 Storytelling als wichtiges Element der Handlung
3.2. Zeit als besonderes Werkzeug des Storytellings
3.3 Außergewöhnliche Storytelling Techniken der Serie
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Erzählstrukturen der HBO-Serie „Westworld“, wobei der Fokus auf dem komplexen Zusammenspiel von klassischen Erzählmustern und innovativen, medienübergreifenden Storytelling-Methoden liegt, um aufzuzeigen, wie die Serie gängige Konventionen bewusst unterläuft.
- Analyse der klassischen Heldenreise nach Campbell/Vogler im Kontext der Serie.
- Untersuchung der nicht-linearen Zeitstruktur als zentrales erzählerisches Werkzeug.
- Darstellung der Serie als narratives System, das sich an Videospielstrukturen orientiert.
- Dekonstruktion von Charakterrollen und Grenzverschiebungen zwischen Realität und Fiktion.
- Bedeutung von musikalischen und visuellen Symbolen für das narrative Gesamtkonzept.
Auszug aus dem Buch
3. Klassisches Storytelling in der Serie
Obwohl die Serie auf den ersten Blick ein sehr unübersichtliches Storytelling betreibt, bedient sie sich immer wieder an klassischen Elementen des Storytellings. Häufig geschieht dies um diese ad Absurdum zu führen. Um eine Geschichte ins Rollen zu bringen gibt es verschiedene Techniken. Ein Charakter möchte z.B. etwas Bestimmtes erreichen oder einen Gegenstand in seinen Besitz bringen und muss dafür einige Hindernisse überwinden: „Somebody wants something badly and is having difficulty getting it“2 Dieses „Etwas“ scheint es in Westworld zunächst nicht zu geben. Die Hosts folgen täglich den immer gleichen Handlungsschleifen und verfolgen daher immer nur kurzfristige Ziele. So gibt es z.B. einen Bankraub, der nie erfolgreich zu Ende gebracht wird und jede Menge andere Konflikte. Die Hosts sind innerhalb dieser Storylines zwar von bestimmten Motiven getrieben und verfolgen Ziele oder wollen tatsächlich physische Gegenstände an sich bringen, doch aufgrund der Tatsache, dass dieses Verhalten lediglich auf einer Programmierung fußt, könnte man diese Motive, als hinfällig betrachten. Anders verhält sich die Sache bei den Gästen, den so genannten „Newcomern“. Diese verfolgen häufig das Ziel der Erholung oder suchen ein sicheres Abenteuer in dem Park. Ebenso ist es Ihnen möglich, jegliche Verhaltensweisen auszuleben, ohne Konsequenzen fürchten zu müssen. Unter den Gästen gibt es allerdings auch von Anfang an die Figur des „Man in Black“, die bereits in den ersten Folgen auftaucht. Direkt ist offensichtlich, dass der Man in Black weitreichendere Ziele verfolgt und auf der Suche nach etwas Bestimmten ist. Der Zusammenhang ist für den Zuschauer jedoch nicht erkennbar. Dieser Effekt wird noch durch die Tatsache verstärkt, dass sich die Zeitlinie des Man in Black teilweise drastisch (ca. 30 Jahre) von der, der gezeigten Hosts unterscheidet.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Komplexität narrativer Strukturen bei Serien ein und stellt „Westworld“ als Fallbeispiel vor, das Storytelling als Handlungselement nutzt.
2. Einordnung der Serie: Dieses Kapitel liefert den kontextuellen Rahmen der Serie, einschließlich ihrer Ursprünge, der Produktionsdaten und der grundlegenden Prämisse des futuristischen Freizeitparks.
3. Klassisches Storytelling in der Serie: Hier wird analysiert, wie klassische Erzählmodelle wie die Heldenreise in der Serie angewendet werden, um sie anschließend dekonstruieren oder verfremden zu können.
3.1 Storytelling als wichtiges Element der Handlung: Dieses Kapitel verdeutlicht die funktionale Bedeutung der Handlungsschleifen (Loops) und zeigt, wie fiktionale Hintergrundgeschichten die Realität der Figuren beeinflussen.
3.2. Zeit als besonderes Werkzeug des Storytellings: Es wird erörtert, wie nicht-lineare Zeitlinien und Zeitebenen zur Spannungserzeugung und zur bewussten Irreführung des Zuschauers eingesetzt werden.
3.3 Außergewöhnliche Storytelling Techniken der Serie: Das Kapitel beleuchtet, wie die Serie durch den Bruch mit Erzählkonventionen und die Integration von Videospiel-Elementen eine neue Form des Erzählens etabliert.
4. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass „Westworld“ trotz seiner komplizierten Struktur ein innovatives Meisterwerk ist, das bekannte Muster nutzt, um die Grenzen zwischen Realität, Fiktion und Zeit aufzuheben.
Schlüsselwörter
Westworld, Storytelling, Heldenreise, Zeitstruktur, Loops, Künstliche Intelligenz, Narrativ, Videospielstruktur, Kausalität, Charakterentwicklung, HBO, Dramaturgie, Bewusstsein, Fiktion, Realität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit befasst sich mit der Analyse der Erzähltechniken in der Serie „Westworld“ und untersucht, wie die Serie klassische Storytelling-Elemente einsetzt und gleichzeitig durch komplexe Zeitstrukturen und medienfremde Erzählweisen neu definiert.
Welche zentralen Themenfelder werden beleuchtet?
Zu den Schwerpunkten zählen die Heldenreise, die Funktion von Handlungsschleifen (Loops), die Bedeutung von Zeit als Erzählinstrument sowie der Vergleich zwischen narrativen Strukturen von Filmen, Serien und Videospielen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie „Westworld“ durch die gezielte Umkehrung klassischer Erzählmuster eine vielschichtige und teils irreführende narrative Ebene schafft, die den Zuschauer aktiv herausfordert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer filmwissenschaftlichen Analyse, die narratologische Konzepte wie die Heldenreise nach Christopher Vogler auf das Material der Serie anwendet und durch medientheoretische Ansätze ergänzt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung klassischer Storytelling-Elemente, die Analyse der nicht-linearen Zeitstruktur als Werkzeug zur Zuschauerführung sowie die Betrachtung der Rolle des Parks als interaktives narratives System.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Storytelling, Heldenreise, Zeitstruktur, Loops, Künstliche Intelligenz, Narrativ und Dekonstruktion charakterisiert.
Wie spielt die Serie mit dem Konzept der Zeit?
„Westworld“ nutzt Zeitsprünge und eine nicht-lineare Erzählweise, um den Zuschauer gezielt auf falsche Fährten zu führen und die Kausalität der Ereignisse bewusst zu verschleiern.
Welche Rolle spielt die Musik in der narrativen Gestaltung?
Die Musik von Ramin Djawadi fungiert als Brücke zwischen der futuristischen Welt und dem Western-Setting, wobei bekannte Popsongs in einem neuen Kontext die Verbindung von Zukunft und Vergangenheit symbolisieren.
Warum wird der Park mit einem Videospiel verglichen?
Die Struktur der Handlungsschleifen, die den Hosts vorgegeben ist und von Besuchern wie in einem Spiel genutzt werden kann, weist eine starke Analogie zu interaktiven Videospielmechaniken auf.
- Arbeit zitieren
- Miriam Schmidt (Autor:in), 2020, Storytelling in der Serie "Westworld", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1021343