Kunst in der Oberstufe. Schriftgestaltung zu einem designten Produkt

Planung und Ausarbeitung einer Unterrichtseinheit mit Arbeitsblättern und Lösungen


Unterrichtsentwurf, 2020

12 Seiten, Note: 1,0

K. Vell (Autor:in)


Leseprobe

Bezug zu den Fachanforderungen und zu anderen curricularen Vorgaben

Die Fachanforderungen schreiben für den Kunstunterricht in der Sek. II ein ausgewoge­nes Verhältnis von künstlerischen Strategien und anwendungsorientierten Arbeitsfeldern vor, sodass die Einheit zum Arbeitsfeld Produktdesign die zweite Halbjahreseinheit zu künstlerischen Strategien in zeitgenössischen Installationen ergänzt.1 Zudem wird eine „Auseinandersetzung mit den Kernproblemen des gesellschaftlichen Lebens“ gefordert, worunter die ökologische Nachhaltigkeit fällt.2 Das Kursthema nimmt diesen Schwer­punkt für das Biologieprofil auf und schafft somit in verschiedenen Momenten fächerver­bindende Anknüpfungsmomente zum profilgebenden Fach.

Hauptintention der Stunde

Indem die SuS Kriterien für gelungene Schriftdesigns formulieren, ausgehend von ihrem designten Produkt eine Schrift gestalten und die Ergebnisse anhand der Kriterien beur­teilen, schulen sie sich in der Reflexion von eigenen und fremden Schriftgestaltungen.

Einbindung in die laufende Unterrichtseinheit

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Angestrebte und besonders zu fördernde Kompetenzen

Gestalten: Kommunikationsdesign entwerfen und gestalten3 ; Herstellen: Techniken des Kommunikationsdesigns anwenden (Typografie)4 ; Beurteilen und Reflektieren

Angaben zur Lerngruppe, unterrichtliche Voraussetzungen

Die Eb ist das Biologieprofil, das seit Beginn des Schuljahres von mir im ersten und drit­ten (aktuellen) Quartal zwei- und im zweiten sowie im vierten Quartal einstündig (60 Mi­nuten) in Kunst unterrichtet wird. Beeinflusst durch das Kernfach und die politischen De­batten über die „Fridays for Future“-Bewegung ist ein Interesse an ökologischer Nach­haltigkeit und dem Verhältnis vom Menschen zur Natur vorhanden. Die SuS lernen im Laufe des Schuljahres die Rolle der Kunst im komplexen Themenfeld der Nachhaltigkeit kennen und erhalten einen Überblick über vielfältige künstlerische Perspektiven und Strategien. Im Laufe des Jahres ist die Lerngruppe zunehmend offenerfür künstlerische Explorationen geworden und zeigt Neugier für Unbekanntes, was anfänglich zum Teil noch zu Unmut führte. Sie zeigen sich vor allem bei individuellen Projekten in Kleingrup­pen engagiert und vorausschauend in ihren Konzeptplanungen. Die Lerngruppe setzt sich aus 25 SuS zusammen: acht Jungen und 17 Mädchen. Insgesamt tritt die Klasse ruhig, bedacht und ihren eigenen Produktionen gegenüber sehr selbstkritisch auf. Eine Gruppe von vier SuS besticht durch sehr gut durchdachte und weiterbringende Ge­sprächsbeteiligungen. Auf der anderen Seite fallen zwei leistungsschwache Mädchen auf, die Aufgaben sehr langsam beginnen, wenig Motivation in allen Aufgabenformaten zeigen und sich auch bei Mitschülerinnen keinen Rat suchen. Daher wird es unterstüt­zendes Material geben, das durch die Erarbeitung leitet.ln Hospitationsstunden zeigte sich die Lerngruppe im Vergleich zum normalen Unterricht bislang unruhiger. Metho­disch soll mit einer offenen Erarbeitungsphase darauf reagiert werden, in der sich die SuS austauschen können und in Phasen von Unterrichtsgesprächen werde ich darauf achten, eine angemessen konzentrierte Gesprächsatmosphäre zu schaffen.

Didaktische und Methodische Überlegungen und Entscheidungen

Vor der Einheit zum Produktdesign haben sich die SuS - wie in den Fachanforderungen an­gegeben - komplementär dazu mit einem Bereich der freien Kunst beschäftigt, mit zeitge­nössischen (Wand-)lnstallationen. In der an die kunsthistorische Rezeption anschließenden produktiven Aufgabe haben die SuS vorerst Konzepte für eigene Installationen geschrieben, die nach Ostern umgesetzt werden sollen. Diese Konzepte zeigten Impulse der SuS, die Überschriften in besonders gestaltender Weise hervorzuheben. Dieses beobachtbare Inter­esse der SuS an der Gestaltung von Schrift nimmt die Stunde in der Einheit des Produktde­signs auf, um einen ersten theoretisch-fachlichen Einblick in Typografie, Kunsttypografie und im Vergleich dazu die Wirkung von Handschriften in Vorbereitung für das zukünftige Thema von Plakatgestaltung zu besprechen.5

Da die heutigen Schriftgestaltung Teil einer Produktdesigneinheit ist, werden zum Verständ­nis grundlegende Entscheidungen dargelegt: Nach der rezeptiven Bildanalyse sollte in einer praktischen Phase das Verständnis für Produktdesign, demnach ein neuer Blick für alle uns umgebenden Alltagsgegenstände, vertieft werden. Die Aufgabe lautete, ein selbst gewähl­tes Objekt mit einem formalen Bezug zu Naturvorbildern für eine ausgewählte Zielgruppe zu entwickeln. Im Vergleich zu der ersten Einheit des Jahres, in der die SuS ausgehend vom Biologieunterricht ein gegebenes Thema in einem Erklärfilm zeichnen sollten, kontrastiert diese Offenheit die zuvor an Fakten geknüpfte Aufgabe. Doch sowohl einen Erklärfilm als auch ein Produkt zu gestalten sind dem angewandten Bereich der Kunst zuzuordnen. Auch eine Aufgabe im Produktdesign könnte durch „Auftragsbedingungen“, die bei der Gestaltung berücksichtigt werden müssen (Designpuzzle), eingeschränkt werden. Um jedoch am Ende mit den SuS die Chancen und Herausforderungen beider Strategien und die Bandbreite des Vorgehens im Bereich der angewandten Kunst zu reflektieren, erhalten sie in diesem Fall die Möglichkeit, vom eigenen Interesse oder von inhaltlichen Schwerpunkten auszugehen und sich aus unendlichen Möglichkeiten bewusst und begründet nur an selbst gesetzte Vor­gaben zu halten: Auf der einen Seite demnach das bestmögliche Nutzen von Gestaltungs­möglichkeiten unter gesetzten Vorgaben als Reaktion auf Bedingungen (Erklärfilm) und auf der anderen Seite ein stark eigeninitiierter Antrieb, bei dem der Rahmen durch die eigene Bereitschaft und Vorstellung gelenkt wird (Produktdesign).

Die SuS haben ein Moodboard, eine Zielgruppenanalyse, eine Produktzeichnung und eine Umsetzung in ein Tonmodell angefertigt, um ihre Idee zeichnend zu entwickeln (siehe Fachanforderungen: Zeichnung als Schwerpunkt in E) und im Dreidimensionalen die Allan- sichtigkeit und Oberflächenbeschaffenheit zu konkretisieren (zeitlicher Einschnitt durch die Corona-Schulschließung) - auf dieser Grundlage baut die Schriftgestaltung auf.

Wird auf eine gesamte Herstellungskette im Produktdesign geblickt, ist von der Zeichnung über einen Prototyp auch Werbung inbegriffen.6 Ab der Vermarktung spielt die Sprache und Beschreibung des Produktes eine noch zentralere Rolle als bei der Planung: vom Titel bin hin zu einem Werbeslogan. Sobald die mündliche Bezeichnung für andere aufgeschrieben wird, liegt ein Schriftbild vor, das einer Gestaltung unterliegt.7 Hier eignet sich das Zitat von Kurt Schwitters als Einstiegsimpuls, das die Schrift als Zwischenbereich von Bild und Spra­che zuordnet und Schrift als ein zu gestaltendes Bild beschreibt. Die SuS erklären diesen Zusammenhang und berücksichtigen die Eigenschaften von Bild und Sprache.8 In der Stunde gestalten die SuS ausgehend von ihrem Designobjekt eine eigene Schrift für ihren Produkttitel, sodass eine zweite Übertragungsleistung stattfindet: das zuvor genutzte Charakteristikum einer Naturform für das Objekt wird erneut abstrahiert - auf eine Zweidi- mensionalität (und ggf. eine Formreduktion) in der Übertragung auf die Schrift. Damit sich die SuS nicht in kleinsten Details verlieren, arbeiten sie auf großen Papierbahnen. Dabei entsteht die handgeschriebene Schrift aus einer körperlichen Bewegung heraus und ermög­licht eine bewusste Wahrnehmung von Schrift - die gemeinhin primär der Archivierung von Informationen dient, rückt somit auch physisch in die Aufmerksamkeit und wird als zu ge­staltende Form wahrgenommen. Der Vorteil, in das Thema mit der handgeschriebene Schrift im Vergleich zur Computerschrift einzusteigen, liegt neben dem individuellen und persönlichen Ausdruck der Handschrift auch in der Analogie der organisch und natürlich wir­kenden Formen von Schriftschriften zu Naturformen. Diese Analogie ermöglicht einen er­weiterten Blick auf die Gestaltung der handgeschriebenen Schrift und bereitet eine mögliche Vertiefung zur Typografie vor.9 Zusätzlich sollen die SuS aufgrund ihrer persönlichen Schreib-Schrift-Erfahrungen zum ersten Mal dazu angeregt werden, ausgehend von der Aufgabe selbst Kriterien zu formulieren, wodurch sie lernen, zentrale Kategorien aus den Vorgaben heraus inhaltlich sinnvoll selbst zu formulieren und diese als Richtschnur für die eigene Arbeit zu nutzen. Als didaktische Reserve sind dem Anhang Negativimpulse ange­hängt, anhand derer positiv formulierte Kriterien abgeleitet werden können.

In der Reflexion geht es um die Wirkung der jeweiligen Schrift und ob diese in Bezug zum Produkt stimmig ist. Der Erarbeitungsprozess verläuft individuell, experimentell und ergeb­nisoffen. Diese Offenheit kann sich im abschließenden Reflexionsgespräch zeigen. Nach ei­ner Sichtung der Ergebnisse werden die SuS aufgefordert, für sie besonders interessante und überraschende Lösungen zu nennen. Ausgehend von diesen Beispielen soll zunächst frei über die Wirkung assoziiert und danach der Bezug zur Naturform über das Tonmodell analysiert werden. Die SuS beurteilen zudem nach den eigenen Kriterien die Schrift und ge­ben eine Rückmeldung, was sie als besonders gelungen beurteilen oder geben konstruktive Vorschläge. Neben dieser Auswahl können auch SuS um eine Gesprächsrunde bitten, die noch unschlüssig über die Ansätze sind oder Rat benötigen, sodass ein konstruktives Ar­beitsgespräch darüber stattfinden kann, in welche Richtung anhand der Kriterien weiterge­arbeitet werden könnte. Der Impuls, die Betrachter nach besonders interessanten Schriften zu fragen, soll den Fokus weg vom für die SuS unangenehmen Präsentieren hin zum Fokus auf das Entstandene lenken. Dadurch können auch Ergebnisse besprochen werden, deren Urheber sie nicht zeigen würden. Durch konstruktive Rückmeldungen können sie an Zuver­sicht gewinnen, um zukünftig den eigenen Impuls für eine Vorstellung zu bekommen.

Literaturverzeichnis

Fachanforderungen Kunst, hrsg. v. Ministerium für Schule und Berufsbildung des Lan­des Schleswig-Holstein, Kiel 2015

Fundamente der Kunst2, hrsg. v. Barbara Lutz-Sterzenbach, Berlin 2019, S. 118-128.

Heyl, Thomas; Wörgötter, Michael: Praxis Kunst. Schrift und Typografie, Braunschweig 2012.

Niehoff, Rolf: Bildkompetenz. Begriffsklärung, Diskussionsstand und Probleme, in: Kunstpädagogik im Projekt der allgemeinen Bildung, hrsg. v. Johannes Kirschen­mann, Frank Schulz und Hubert Sowa, München 2006, S. 239-241.

Seelaus, Sonja: Schrift schreiben. Kalligraphie im Kunstunterricht, in: Kunst und Unter­richt. Schrift und Gestaltung, Heft 343.344, 2010, S.54-56.

Stöckl, Hartmut: Werbetypografie - Formen und Funktionen, in: Werbung grenzenlos. Multimediale Werbetexte im interkulturellen Vergleich (Sprache im Kontext, Bd. 31), hrsg. v. Brendel Held, Frankfurt am Main 2008, S. 13-36.

Auf den folgenden Seiten:

- Stundenraster
- Anhang
- Potentielles Tafelbild zum Stundenanfang, Auflistung der erwarteten Kriterien
- Did. Reserve: Skizzen als Impuls (Negativbeispiele) zum Aufstellen der (positiven) Kriterien
- Differenzierungsmaterial
- Arbeitsblatt zur Unterstützung
- exemplarische Musterlösung
- Arbeitsblatt als Zusatzmaterial zur Vertiefung und zum Weiterdenken

Stundenverlauf

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]


1 Vgl. Fachanforderungen Kunst, hrsg. v. Ministerium für Schule und Berufsbildung des Landes Schles­wig-Holstein, Kiel 2015, S. 141.

2 Vgl. Ebd, S. 9.

3 Vgl. Ebd., S. 130-131.

4 Vgl. Ebd., S. 117.

5 Vgl. unterschiedliche Schwerpunkte in der Typografie: https://www.typolexikon.de/typografie/.

6 Vgl. Stöckl, Hartmut: Werbetypografie - Formen und Funktionen, in: Werbung grenzenlos. Multimedia­le Werbetexte im interkulturellen Vergleich (Sprache im Kontext, Bd. 31), hrsg. v. Brendel Held, Frank­furt am Main 2008, S. 13-36.

7 Vgl. Fundamente derKunst2, hrsg. v. Barbara Lutz-Sterzenbach, Berlin 2019, S. 118-128.

8 Vgl. Niehoff, Rolf: Bildkompetenz. Begriffsklärung, Diskussionsstand und Probleme, in: Kunstpädago­gik im Projekt der allgemeinen Bildung, hrsg. v. Johannes Kirschenmann, Frank Schulz und Hubert Sowa, München 2006, S. 239-241.

9 Vgl. Seelaus, Sonja: Schrift schreiben. Kalligraphie im Kunstunterricht, in: Kunst und Unterricht. Schrift und Gestaltung, Heft 343.344, 2010, S.54-56.

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Kunst in der Oberstufe. Schriftgestaltung zu einem designten Produkt
Untertitel
Planung und Ausarbeitung einer Unterrichtseinheit mit Arbeitsblättern und Lösungen
Note
1,0
Autor
Jahr
2020
Seiten
12
Katalognummer
V1021412
ISBN (eBook)
9783346415509
ISBN (Buch)
9783346415516
Sprache
Deutsch
Schlagworte
kunst, oberstufe, schriftgestaltung, produkt, planung, ausarbeitung, unterrichtseinheit, arbeitsblättern, lösungen
Arbeit zitieren
K. Vell (Autor:in), 2020, Kunst in der Oberstufe. Schriftgestaltung zu einem designten Produkt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1021412

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