Bilanzierung immaterieller Vermögenswerte nach IAS 38

Eine kritische Würdigung


Seminararbeit, 2021

22 Seiten, Note: 1,0

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Immaterieller Vermögenswert nach IAS 38
2.1 Definition und Ansatzkriterien
2.2 Erst- und Folgebewertung
2.3 Auswirkung des IAS 38 auf die Bilanzierung immaterieller Vermögenswerte

3 Beurteilung möglicher Folgen der Bilanzierung nach IAS 38
3.1 Folgen hinsichtlich der Relevanz der Rechnungslegungsinformationen
3.2 Folgen hinsichtlich des Marktwerts des Unternehmens
3.3 Folgen hinsichtlich der Ressourcenverteilung am Kapitalmarkt
3.4 Folgen hinsichtlich der Investitionsentscheidung der Unternehmen

4 Freiwillige Berichterstattung als Lösung möglicher Nachteile

5 Fazit

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Anteil der immateriellen Vermögenswerte am Gesamtvermögen

Abbildung 2: Aktivierung von selbst erstellten immateriellen Vermögenswerten

Abbildung 3: Größte Unternehmen weltweit nach ihrem Marktwert 2020

Abbildung 4: Ausgaben für Forschung und Entwicklung in Deutschland von 1998-2018

1 Einleitung

Immaterielle Vermögenswerte (VW), wie Software, Lizenzen und Cloud Computing, sind relevante Werttreiber und Erfolgsfaktoren vieler Unternehmen weltweit. Aus diesem Grund stellen sie seit Jah­ren einen zunehmenden Anteil am Gesamtvermögen vieler Unternehmen dar.1 Die Abb. 1 verdeut­licht diese Entwicklung anhand der Aufteilung des Marktwertes der Unternehmen des Aktienindex S&P 500 (Standard & Poor's 500) in materielle und immaterielle VW von 1975-2015. Während der Anteil immaterieller VW am Gesamtvermögen 1975 nur 17 % betrug, lag dieser 2015 bei 84 %. Dies entspricht einem Wachstum von 67 % innerhalb von 40 Jahren.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Anteil der immateriellen Vermögenswerte am Gesamtvermögen

(Quelle: entnommen aus Ocean Tomo, LLC (2015), https://www.oceantomo.com/insights/ocean-tomo-releases-2015- annual-study-of-intangible-asset-market-value/)

Auch in der Zukunft ist aufgrund der voranschreitenden Digitalisierung, die im Zuge der aktuellen Corona-Krise noch stärker an Bedeutung gewinnt, eine weiterhin steigende Tendenz und wachsende Bedeutung der immateriellen VW zu erwarten.2 Allein die deutsche Wirtschaft steigerte die internen Investitionen in Forschung und Entwicklung (F&E) im Zeitraum von 2008 bis 2018 um 56 %.3 Dieser Anstieg führt aber nicht gleichermaßen zu einer steigenden Beachtung dieser in der Bilanzierung. Bereits 1999 benannte Lev (1999) dieses Problem: „In the past several decades, there has been a dramatic shift, a transformation, in what economists call the production functions of companies - the major assets that create value and growth. ... At the same time, there has been complete stagnation in our measurement and reporting systems.“4

Dies ist grundsätzlich auf die Komplexität immaterieller VW5 zurückzuführen, weshalb auch Moxter (1979) diese als Sorgenkinder des Bilanzrechts betitelte.6 Aufgrund dessen schreiben die Rechnungs­legungsvorschriften einen vergleichsweise vorsichtigen Umgang, Accounting Conservatism genannt, hinsichtlich des Ansatzes und der Bewertung immaterieller VW vor.7 Dazu gehören auch die Inter­national Financial Accounting Standards (IFRS), auf die sich diese Arbeit beschränkt. Insbesondere selbst erstellte immaterielle VW können aufgrund der Ansatzkriterien des International Accounting Standards (IAS) 38 nur unter bestimmten Voraussetzungen aktiviert werden.8

Daher ist fraglich, ob der IAS 38 die Bilanzierung von immateriellen VW determiniert und dadurch insbesondere bei Unternehmen mit einem hohen Vorkommen dieser Differenzen zwischen der Be­richterstattung und der Realität auftreten. Diese Frage und die weiteren Folgen, die aus dieser Un­gleichheit resultieren, werden im Folgenden kritisch betrachtet und beurteilt. Anhand der gewonne­nen Erkenntnisse soll weitergehend kritisch analysiert werden, inwiefern freiwillige Berichterstattung eine mögliche Lösung dieser Folgen sein kann.

Zu Beginn dieser Arbeit werden im zweiten Kapitel einleitend die Grundlagen eines immateriellen VW nach IAS 38 betrachtet. Dazu wird die Definition eines immateriellen VW gemäß (gem.) IAS 38 beleuchtet und dessen Ansatzkriterien erläutert. Im anschließenden Unterkapitel wird die Erst- und Folgebewertung immaterieller VW beschrieben. Darauf aufbauend stehen die möglichen Auswirkun­gen des IAS 38 auf die Bilanzierung immaterieller VW im Fokus des letzten Unterkapitels. Hierbei wird auch eine mögliche Benachteiligung bestimmter Branchen analysiert.

Das dritte Kapitel stellt die möglichen Folgen der Bilanzierung nach IAS 38 heraus und beurteilt diese kritisch unter Einbezug der vorhandenen Literatur. Im Rahmen dessen werden zuerst die Folgen hin­sichtlich der Relevanz der Rechnungslegungsinformationen erörtert und bewertet. Das daran anknüp­fende Unterkapitel befasst sich gleichermaßen mit den Folgen auf den Marktwert des Unternehmens. Im Fokus des dritten Unterkapitels steht die Beurteilung der Folgen hinsichtlich der Ressourcenver­teilung am Kapitalmarkt. Abschließend wird die Frage beleuchtet, inwiefern die Bilanzierung nach IAS 38 die Investitionsentscheidungen hinsichtlich materieller und immaterieller VW der Unterneh­men selbst beeinflusst.

Daran anschließend wird im vierten Kapitels erörtert, ob freiwillige Berichterstattung als mögliche Lösung der eben genannten Folgen dienen könnte. Ein Fazit schließt die Arbeit zusammenfassend ab und gibt einen kurzen Ausblick, ob und welcher Intensität die in dieser Arbeit untersuchten Folgen auch bei anderen Rechnungslegungswerken, wie dem Handelsgesetzbuch (HGB) und den United Sta­tes Generally Accepted Accounting Principles (US-GAAP) auftreten könnten.

2 Immaterieller Vermögenswert nach IAS 38

2.1 Definition und Ansatzkriterien

Der IAS 38.8 definiert einen immateriellen VW als einen identifizierbaren VW ohne physische Sub­stanz. Hiervon ausgenommen sind laut IAS 38.8 die monetären VW. Die weiteren Definitionskrite­rien eines immateriellen VW sind gem. IAS 38.10 die Verfügungsmacht des Unternehmens und der durch den VW einhergehende zukünftig zu erwartende Nutzen. Typische Beispiele für immaterielle VW sind Patente, Lizenzen und Emissionsrechte.9 Immaterielle VW lassen sich grundsätzlich in er­worbene und selbst geschaffene immaterielle VW unterteilen. Von der Betrachtung weiterer Sonder­fälle, wie z.B. bei Unternehmenszusammenschluss oder bei Zugang durch Tausch, wird in dieser Arbeit aufgrund des Umfangs abgesehen.

Neben den Definitionskriterien müssen die Ansatzkriterien der Paragrafen 21-23 des IAS 38 für den Ansatz eines immateriellen VW erfüllt sein. Die allgemeinen Ansatzkriterien gem. IAS 38.21 stellen die Wahrscheinlichkeit des zukünftigen Nutzens und verlässlich messbare Anschaffungs- und Her­stellungskosten (AHK) dar. Für den Ansatz eines selbst erstellten immateriellen VW gelten ferner zusätzliche Vorschriften, die in den Paragrafen 52-67 des IAS 38 geregelt sind. Bei selbst geschaffe­nen immateriellen VW ist die Trennung der F&E-Phase gem. IAS 38.52 entscheidend. Während For­schung laut IAS 38.8 die eigenständige und planmäßige Suche nach neuen Erkenntnissen darstellt, ist Entwicklung die Anwendung der aus der Forschung erlangten Ergebnisse auf einen Plan oder Entwurf zur Produktion eines immateriellen VW. Ist es einem Unternehmen nicht möglich, die F&E- Phase eines Projektes eindeutig voneinander zu trennen, so ist ein Ansatz des immateriellen VW gem. IAS 38.53 nicht erlaubt. Ist eine Unterscheidung realisierbar, so sind laut IAS 38.57 weiterhin fol­gende spezielle Ansatzkriterien kumulativ zu erfüllen: die technische Durchführbarkeit, die Absicht der Fertigstellung, die Fähigkeit zur Nutzung und/oder zum Verkauf, die Möglichkeit der voraussichtlichen Erzielung eines zukünftigen wirtschaftlichen Nutzens, ausreichend verfügbare Res­sourcen und die verlässliche Bewertung der zurechenbaren Ausgaben.10

Erfüllt ein immaterieller VW die Definitions- und Ansatzkriterien nicht, so werden die entstandenen Kosten gem. IAS 38.10 direkt als Aufwand der jeweiligen Periode erfasst und es erfolgt kein Ansatz dieser in der Bilanz. Weiterhin gilt, dass ein selbst geschaffener Geschäfts- oder Firmenwert (GoF) gem. IAS 38.48 nicht aktiviert werden darf. Gleiches schreibt IAS 38.63 für selbst geschaffene Mar­ken, Drucktitel, Verlagsrechte und Kundenlisten vor.

Sind alle Definitions- und Ansatzkriterien kumulativ erfüllt, so ist ein Ansatz des immateriellen VW gem. IAS 38.21 zwingend (Bilanzierungsgebot). Zu welchem Wert dieser Ansatz zu erfolgen hat und wie die Folgebewertung vorzunehmen ist, wird aufbauend im folgenden Unterkapitel beleuchtet.

2.2 Erst- und Folgebewertung

Ist der Ansatz eines immateriellen VW gem. IAS 38 möglich, so ist dieser bei der Erstbewertung gem. IAS 38.24 mit seinen AHK11 anzusetzen. Bei immateriellen VW ist, wie Abb. 2 zeigt, darauf zu achten, dass lediglich die Kosten der Entwicklung gem. der Paragrafen 54 und 57 des IAS 38 aktiviert werden dürfen, da das International Accounting Standards Board (IASB) annimmt, dass in der Forschungsphase das Kriterium des zukünftigen wirtschaftlichen Nutzenzuflusses gem. IAS 38.55 noch nicht als erfüllt gilt. Die Abb. 2 verdeutlicht ferner, dass zusätzlich gem. IAS 38.65 nur die Kosten ab dem Zeitpunkt der Erfüllung aller Ansatz- und Definitionskriterien aktiviert werden dürfen. Eine Nachaktivierung der vorher entstandenen Kosten ist gem. IAS 38.71 verboten.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Aktivierung von selbst erstellten immateriellen Vermögenswerten

(Quelle: eigene Darstellung auf Basis des IAS 38)

Bei der Folgebewertung besteht das Wahlrecht, zwischen dem Anschaffungskostenmodell gem. IAS 38.74 oder dem Neubewertungsmodell gem. IAS 38.75 zu wählen. Bei beiden Methoden wird der immaterielle VW nach den Vorschriften des IAS 38.97 innerhalb seiner Nutzungsdauer planmäßig abgeschrieben. Die Nutzungsdauer wird gem. IAS 38.88 durch den Unternehmer bestimmt. Innerhalb eines jeden Geschäftsjahres ist die festgelegte Nutzungsdauer gem. IAS 38.104 zu überprüfen. Als Abschreibungsmethode können gem. IAS 38.98 die lineare, die degressive oder die leistungsabhän­gige Abschreibung angewandt werden, aus denen diejenige zu wählen ist, die den erwarteten Ver­brauch am besten abbildet. Liegt nach Einschätzung des Unternehmers eine unbegrenzte Nutzungs­dauer vor, so sind gem. IAS 38.107 keine planmäßigen Abschreibungen vorzunehmen, sondern gem. IAS 38.108 jährlich und bei Vorliegen von bestimmten Indikatoren, sogenannten triggering events, ein Wertminderungstest durchzuführen.

Im folgenden Unterkapitel werden aufbauend die Auswirkungen des IAS 38 auf die Bilanzierung der immateriellen VW in der Praxis betrachtet.

2.3 Auswirkung des IAS 38 auf die Bilanzierung immaterieller Vermögenswerte

Die restriktiven Vorschriften des IAS 38 haben zur Folge, dass nur wenige immaterielle VW bilan­ziert werden können. Dabei ist hervorzuheben, dass hiervon überwiegend die selbst erstellten imma­teriellen VW betroffen sind und diese somit den Hauptauslöser der im Folgenden zu untersuchenden, möglichen Folgen darstellen.12 Dies ist darauf zurückzuführen, dass die Ansatzkriterien des IAS 38.57, speziell das der technischen Durchführbarkeit und das der verlässlichen Bewertung, hohe An­forderungen darstellen und somit Kosten für selbst erstellte immaterielle VW oftmals direkt als Auf­wand erfasst werden.13 Die Ansatzkriterien eines erworbenen immateriellen VW sind hingegen durch IAS 38.25 leichter zu erfüllen, nach dem die Tatsache der Anschaffung selbst das Kriterium des zu­künftig zu erwartenden Nutzens bereits bestätige. Somit ist eine Aktivierung dieser weniger proble­matisch.

Ferner lassen sich laut Fuchs (2011) Branchenunterschiede hinsichtlich der Aktivierung immaterieller VW erkennen. Für die Pharmaindustrie ist es beispielsweise deutlich beschwerlicher als für die Au­tomobilindustrie selbst erstellte immaterielle VW zu aktivieren, da die Entwicklungskosten erst nach Zulassung des Medikaments, z.B. des Corona-Impfstoffes, aktiviert werden dürfen.14 Der Großteil der Entwicklungskosten entsteht allerdings bereits vor Zulassung, sodass insgesamt nur ein geringer Anteil dieser aktiviert werden kann, da eine Nachaktivierung untersagt ist.15 In der Automobilbranche, in der im Regelfall bereits zu Beginn der Entwicklung einer neuen Modellreihe von einem zukünftigen wirtschaftlichen Nutzen ausgegangen werden kann (aufgrund der Erfahrung aus vorherigen Modellen), ist hingegen die Aktivierung eines Großteils der Entwicklungskosten mög­lich.16

Insgesamt führt die fehlende Aktivierung von immateriellen VW zu Differenzen zwischen dem Buch­wert und dem tatsächlichen Wert eines Unternehmens. Das Ausmaß dieser Differenz wird durch fol­gendes empirisches Ergebnis von Lev/Daum (2004) unterstrichen: Der Buchwert der S&P 500-Un- ternehmen ist im Zeitraum von 1982 bis 1992 durchschnittlich von 62 % auf 38 % gesunken, während der Marktwert sich im gleichen Zeitraum mit identischen Werten genau gegensätzlich entwickelte.17 Diese Verzerrung führt laut Aboody/Lev(2000) zu Informationsasymmetrien, denn Unternehmens­externe könnten durch reine Bilanzanalyse einen falschen Eindruck über den Unternehmenswert er­halten, während Unternehmensinterne ihr Insiderwissen am Aktienmarkt ausnutzen könnten. Dies hat ein besonderes Ausmaß bei Unternehmen, die einen hohen Anteil an selbst erstellten immateriellen VW aufweisen.18 Aus dieser Differenz zwischen Buchwert und realem Wert entstehen weitere Fol­gen, die im nachfolgenden Kapitel näher erläutert und kritisch bewertetet werden.

3 Beurteilung möglicher Folgen der Bilanzierung nach IAS 38

3.1 Folgen hinsichtlich der Relevanz der Rechnungslegungsinformationen

Grundsätzlich ist es die Hauptaufgabe der IFRS, die tatsächliche Vermögens-, Finanz- und Ertrags­lage eines Unternehmens für Dritte angemessen darzustellen (Value Relevance)19 Aufbauend auf die im vorangegangenen Kapitel erläuterten Asymmetrien zwischen Realität und Bilanz könnten sich somit Folgen für die Relevanz der Rechnungslegungsinformationen ergeben. Es stellt sich die Frage, wie aussagekräftig und relevant die Jahresabschlussinformationen für Dritte sind, wenn relevante Werttreiber des Unternehmens in der Bilanz keine Beachtung finden. Weitergehend führt die Erfas­sung der Kosten immaterieller VW als Aufwand20 zu einer Gewinnminderung in dem jeweiligen Ge­schäftsjahr, während die Erträge, die durch sie erwirtschaftet werden, erst in späteren Jahren erfasst werden.21 Lev/Sarath/Sougiannis (2005) stellen weitergehend fest, dass durch Erfassen des Aufwands in den jeweiligen Jahren vorsichtig bilanziert wird. Werden allerdings die Einkünfte durch den im­materiellen VW erfasst, wird aggressiv bilanziert, da diesen Erträgen keine Aufwendungen mehr gegenüber stehen, wie es bei einer Aktivierung durch Abschreibungen der Fall wäre.22 Lev (2003) bewertet diese fehlerhafte Zuordnung von Aufwendungen und Erträgen als Grund der sinkenden In­formationsrelevanz von Rechnungslegungsinformationen.23 Auch Eierle/Kreß/Ther (2019) stimmen der abnehmenden Informationsrelevanz zu und benennen als weiteren Grund die Differenz zwischen Buch- und Marktwert, die zeigt, dass nur ein geringer Teil des Marktwertes durch den Buchwert abgebildet wird.24

Lev/Zarowin (1999) bewerten in einer empirischen Studie den Informationsgehalt durch Analyse des Zusammenhangs zwischen Jahresabschlussveröffentlichung und der anschließenden Änderung der Aktienkurse. Als Ergebnis wurde eine konstante Abnahme der Relevanz der Abschlussinformationen bei Investitionsentscheidungen am Kapitalmarkt verzeichnet, insbesondere bei Unternehmen mit ei­nem großen Anteil an F&E-Aufwendungen.25 Sie weisen weitergehend darauf hin, dass diese Ab­nahme nicht in Zusammenhang mit einer möglichen Zunahme von nichtfinanzieller Berichterstattung steht.26

Auch das Resultat einer empirischen Untersuchung der Relevanz von Finanzberichten im Bereich der drahtlosen Kommunikation27 von Amir/Lev (1996) zeigt, dass diese alleinstehend keine Relevanz mehr für Investoren haben.28 Eine weitere Untersuchung aus Portugal von Oliveira/Rodrigues/Craig (2010) kam zu dem Ergebnis, dass die Relevanz der Rechnungslegungsinformationen bei Unterneh­men, die 2005 von den portugiesischen Rechnungslegungsvorschriften auf IAS/IFRS umgestiegen sind, abgenommen hat. Dies begründen sie u.a. in der unterschiedlichen Behandlung von immateri­ellen VW in den beiden Rechnungslegungswerken.29

Zu einem gegenteiligen Ergebnis kam die empirische Untersuchung von Francis/Shipper (1999) im Zeitraum von 1952-1994, in der ein Anstieg der Relevanz der Rechnungslegungsinformation ver­zeichnet wurde.30 Auch Ely/Waymire (1999) kamen in einer Studie zu dem Ergebnis, dass sich die Relevanz der Rechnungslegungsinformation von 1927-1993 erhöht hat. Allerdings ist bei dieser zu beachten, dass hier keine nach IFRS bilanzierenden Unternehmen betrachtet werden.31

[...]


1 Vgl. hierzu auch IDW (Institut der Wirtschaftsprüfer) (2017), S. 11-12.

2 Zustimmend hierzu IDW (2017), S. 12.

3 Vgl. Bundesministerium für Bildung und Forschung (2020), S. 20.

4 Vgl. Lev (1999), https://www.fastcompany.com/38859/new-math-new-economy.

5 Hiermit ist die Komplexität ihrer Beschaffenheit (Identifizierbar, künftiger Nutzen) gemeint.

6 Vgl. Moxter (1979), S. 1102.

7 Vgl. hierzu Fülbier/Honold/Klar (2000), S. 833.

8 Vgl. IAS 38, vom 29.11.2019.

9 Vgl. IAS 38.9.

10 Zur weiteren Ausführung dieser Kriterien wird auf IAS 38.60- IAS 38.62 verwiesen.

11 Zur weiteren Ausführung der Bestandteile der Herstellungskosten wird verwiesen auf den IAS 38.66 - IAS 38.67.

12 Vgl. Upton (2001), S. 73-76; Zéghal/Maaloul (2011), S. 263-265.

13 Vgl. Zéghal/Maaloul (2011), S. 264.

14 Laut IASB kann erst ab diesem Zeitpunkt von einem zukünftigen wirtschaftlichen Nutzen ausgegangen werden.

15 Vgl. Fuchs (2011), S. 1004.

16 Vgl. hierzu Leibfried/Pfanzelt (2004), S. 497.

17 Vgl. Lev/Daum (2004), S. 6.

18 Diese Aussage unterstützend Aboody/Lev (2000), S. 2765. Zur weiteren Ausführung des Ausnutzen von Insiderwissen wird auf Aboody/Lev (2000), S. 2747-2766 verwiesen.

19 Vgl. IAS 1.15.

20 im Falle einer Nicht-Aktivierung.

21 Vgl. Lev/Zarowin (1999), S. 366.

22 Vgl. Lev/Sarath/Sougiannis (2005), S. 1018-1019.

23 Vgl. Lev (2003), S. 19.

24 Vgl. Eierle/Kreß/Ther (2019), S. 430.

25 Vgl. Lev/Zarowin (1999), S. 354-358. Auch Dantoh, Radhakrishnan und Ronen (2004) kommen bei einer ähnlichen Untersuchung im Zeitraum von 1983-2000 zum gleichen Ergebnis.

26 Vgl. Lev/Zarowin (1999), S. 357-358.

27 Hierzu zählen z.B. Smartphone-Hersteller, also eine Branche mit einem hohen Anteil an immateriellen VW.

28 Vgl. Amir/Lev (1996), S. 12-17.

29 Vgl. Oliveira/Rodrigues/Craig (2010), S. 241, 250. In den portugiesischen Rechnungslegungswerken durften immate­rielle VW, wie Anlaufkosten und Forschungsaufwendungen aktiviert werden.

30 Vgl. Francis/Shipper (1999), S. 349-350.

31 Vgl. Ely/Waymire (1999), S. 312-315.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Bilanzierung immaterieller Vermögenswerte nach IAS 38
Untertitel
Eine kritische Würdigung
Hochschule
Universität Bremen
Note
1,0
Jahr
2021
Seiten
22
Katalognummer
V1021418
ISBN (eBook)
9783346414380
ISBN (Buch)
9783346414397
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Immaterielle Vermögenswerte, Forschung- und Entwicklungsausgaben, IAS 38, IFRS, Rechnungslegungsstandards, Beachtung von immateriellen Vermögenswerten, Patente, Forschung und Entwicklung, Rechnungslegung, Würdigung der Rechnungslegungsstandards
Arbeit zitieren
Anonym, 2021, Bilanzierung immaterieller Vermögenswerte nach IAS 38, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1021418

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