Prävention und Gesundheitsförderung für Kinder und Jugendliche


Hausarbeit (Hauptseminar), 2000
35 Seiten, Note: 1,0

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Inhalt

1. Einleitung
1.1.Von der Gesundheitserziehung zur Gesundheitsförderung: Die Ottawa-Charta der Weltgesundheitsorganisation

2. Zur Situation von Kindern und Jugendlichen
2.1. Belastende Faktoren.. “
2.2. Zum Gesundheitsstatus von Kindern und Jugendlichen
2.3. Einstellung zur Gesundheit und Gesundheitsverhalten

3. Gesundheitsförderndes und präventives Handeln
3.1. Zum Begriff Prävention. “
3.2. Zum Begriff Gesundheitsförderung
3.3. Abgrenzung der Begriffe voneinander “

4. Ansatzpunkte für Maßnahmen der Prävention und Gesundheitsförderung
4.1. Einfluss gesundheitsbezogener Kognitionen auf das Verhalten
4.2. Verbesserung der Rahmenbedingungen
4.2.1. Gesunde Schule?

5. Evaluation von präventiven und gesundheitsfördernden Maßnahmen

6. Ein Beispiel: Beschreibung der „Materialien und Medien zur Sucht- und Drogenvorbeugung in der Schule“
6.1. Ergebnisse der Evaluation

7. Zusammenfassung und Ausblick.. “

8. Literatur

1. Einleitung

„Vorbeugen ist besser als heilen“

Es erscheint sinnvoll, dem Verhindern von Erkrankungen den Vorzug gegenüber jeder medizinischen Therapie zu geben, denn so können nicht nur Kosten gespart, sondern vor allem Leidenswege wenn nicht verhindert so doch begrenzt und ein Beitrag zu vermehrter Lebensqualität für den einzelnen geleistet werden.

Die fatalistische Vorstellung von einer Gesundheit, die von der Zufälligkeit der Gene bestimmt und wenig beeinflussbar ist, weicht zunehmend einem Verständnis von Gesundheit, dass zum einen die Wichtigkeit des eigenen Handelns, aber auch psychosoziale und ökologische Determinanten wie Schichtzugehörigkeit, soziale Unterstützung und das Wohnumfeld in den Mittelpunkt rückt. Chronische Erkrankungen, allen voran die Herz- Kreislauferkrankungen, die den größten Teil des Krankheitsspektrums ausmachen sind - zumindest teilweise - durch den Lebensstil bedingt. Hier kann Gesundheitsförderung und Prävention ansetzen. Dabei scheint es günstig zu sein, möglichst früh mit gesundheitsfördernden Maßnahmen zu beginnen, da im frühen Kindesalter noch keine Risikoverhaltensweisen wie der Konsum von Alkohol, Zigaretten und Drogen gezeigt werden. Die damit verbundene Hoffnung, dass diese Kinder sich dann auch im Jugendalter nicht riskant verhalten scheint aber illusorisch. Vielmehr sollte es ein Ziel sein, dass sich Risikoverhaltensweisen Jugendlicher nicht stabilisieren und verfestigen (vgl. Schwarzer, 1996).

Prävention und Gesundheitsförderung sind wichtige und aktuelle Themen. Dies zeigte sich bereits bei der Literaturrecherche. Neben zahlreichen Büchern, deren Autoren sich zum Teil ausschließlich mit Themen der Prävention und Gesundheitsförderung im Kindes- und Jugendalter befassen, fand sich auch eine große Anzahl aktueller Artikel aus psychologischen, medizinsoziologischen, pädagogischen, medizinischen und sportwissenschaftlichen Fachzeitschriften.

Dies gibt zugleich einen Hinweis darauf, welche wissenschaftlichen Disziplinen sich mit Gesundheitsförderung und Prävention beschäftigen: In der Psychologie hat sich bereits ein eigenständiger Bereich der Gesundheitspsychologie herausgebildet. Ein Forschungsbereich, zu dem in den letzten Jahren umfangreiche Lehrbücher veröffentlicht wurden und der sich neben der Prävention von Erkrankungen vor allem auch mit Gesundheitsverhalten und Krankheitsbewältigung befasst (vgl. Schwarzer, 1997). In medizinsoziologischen Studien konnte eine Reihe psychosozialer Einflussfaktoren auf die Entstehung von Krankheiten dokumentiert werden. Diese negativen Einflussfaktoren wie z.B. Distress (im Gegensatz zum positiv wirkenden Eustress) sind präventiven Maßnahmen zugänglich. Die Durchführung von gesundheitsfördernden Maßnahmen und vor allem die Gesundheitsberatung fallen in den pädagogischen Kompetenzbereich. Wenn es darum geht, Gesundheit durch sportliche Aktivität zu fördern ist es die Sportwissenschaft, die im Rahmen des Gesundheitssports für unterschiedliche Zielgruppen Maßnahmen erarbeitet. Ernährungswissenschaftler widmen sich neben Essstörungen auch der Prävention ernährungsbedingter Erkrankungen. Im medizinischen Bereich liefert vor allem die Rehabilitation relevante Beiträge.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Gesundheitsförderung und Prävention als multidisziplinäre Tätigkeitsfelder

An einigen Universitäten in Deutschland existieren bereits Fakultäten für Gesundheitswissenschaften, die auch Public Health-Studiengänge genannt werden. Hier werden Forschung und Ergebnisse der zuvor genannten Disziplinen - und weiterer - mit dem Ziel einer interdisziplinären Bearbeitung von Bevölkerungsaspekten von Gesundheit und Krankheit zusammengeführt (vgl. Siegrist, 1995).

Diese Arbeit soll unter Anwendung des Wissens aus verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen zeigen, was Gesundheitsförderung und Prävention im Kindes- und Jugendalter bedeuten. Eine wichtige Voraussetzung besteht darin, sich darüber zu informieren, wie sich die Gesundheitssituation von Kindern und Jugendlichen aktuell darstellt, welche Lebenssituation sie vorfinden und welche Gedanken ihre Einstellung zu Gesundheit und Krankheit prägen. Im Anschluss daran werden die Begriffe Prävention und Gesundheitsförderung detailliert erklärt und unterschiedliche Ansatzpunkte für Maßnahmen aufgezeigt. Die Rolle der Institution Schule wird in Ansätzen erörtert. Auf ein kurzes Kapitel zur Evaluation folgt die Schilderung einer schulischen Gesundheitsförderungsmaßnahme. Zusammenfassende Bemerkungen und Gedanken zur Frage, was Projekte in der Gesundheitsförderung besonders effektiv macht, beschließen die Arbeit. Zunächst geht es um die Rolle der Weltgesundheitsorganisation im Rahmen der Gesundheitsförderung.

1.1. Von der Gesundheitserziehung zur Gesundheitsförderung: Die Ottawa-Charta der Weltgesundheitsorganisation

Die Ottawa-Charta zur Gesundheitsförderung wurde 1986 von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) unter Mitarbeit von mehr als 200 internationalen Expertinnen und Experten verfasst und verabschiedet. Die WHO hat seit ihrer Gründung im Jahre 1948 u.a. das Ziel, Krankheiten zu bekämpfen und Gesundheit zu fördern. Dabei entwirft die WHO ein Bild von Gesundheit, das sich durch den Einklang von körperlichem, psychischem und sozialem Wohlbefinden auszeichnet. Diese Definition macht die gesellschaftliche Dimension von Gesundheit deutlich und distanziert sich damit von der biomedizinischen Sichtweise, die Gesundheit in erster Linie als das Freisein von Krankheit definiert.

Die Art und Weise, wie Gesundheit bzw. Krankheit definiert werden sind keinesfalls unwichtig, bestimmen sie doch in hohem Maße Herangehensweise, Planung und Durchführung präventiver Maßnahmen.

Am biomedizinischen Modell orientierte Maßnahmen bezeichnet man mit dem Begriff ‘ Gesundheitserziehung ’. Gesundheitserziehung basiert nicht auf einer gesellschaftlichen, sondern auf einer individualistischen Sichtweise von Gesundheit und Krankheit (vgl. Dahme 1998), die sich wiederum am Risikofaktoren-Modell orientiert. Risikofaktoren können als Indikatoren individuellen Fehlverhaltens (z.B. zu fettreiche Ernährung, Bewegungsmangel etc.) verstanden werden, die die Entstehung von Erkrankungen begünstigen. Gesundheitsriskantes Verhalten wird als individuelles Fehlverhalten verstanden. Und genau hier setzt die Gesundheitserziehung, die bis weit in die 80er Jahre eine große Rolle gespielt hat, jetzt aber nur noch in Teilbereichen Anwendung findet, an. Ziel der Gesundheitserziehung ist es, über die Vermittlung von Informationen über den menschlichen Körper und über Lebensvorgänge die Bereitschaft des einzelnen zur Gesunderhaltung zu wecken. Dazu gehören auch Vorträge in Schulen und Kindergärten. Extreme Formen konnte die Gesundheitserziehung annehmen, wenn Kindern in einem Film über das Rauchen die Amputation eines ‘Raucher-Beins’ gezeigt wurde. Zielgruppe der Gesundheitserziehung war jeder einzelne Bürger, jedes Kind und jeder Erwachsener. Aus dem Wissen sollte das Wollen, also der freiwillige Schritt zum Handeln entstehen (vgl. Doorduijn et al., 1995).

Auch wenn die Vermittlung gesundheitsrelevanter Informationen ein wichtiger Aspekt ist, geriet diese Form der Intervention, die im noch gültigen Gesetz von 1934 als „gesundheitliche Volksbelehrung“ und in der ehemaligen DDR als „Gesundheitspropaganda“ bezeichnet wurde, in den 80er Jahren zunehmend in die Kritik (vgl. Trojan, 1992). Die erhoffte Wirkung gesundheitserzieherischer Maßnahmen blieb aus. Informationen wurden entweder nicht zur Kenntnis genommen oder führten trotz Kenntnisnahme nicht zum gewünschten Verhalten.

Dies liegt nicht zuletzt daran, dass die Verfechter der Gesundheitserziehung nicht berücksichtigten, dass Krankheiten durch eine Reihe unterschiedlicher Faktoren bedingt sind. Gesundheit und Krankheit werden beeinflusst von physischen, ökonomischen, kulturellen, verhaltens- und kognitionsbezogenen Faktoren. Simples kausales Denken wie z.B. „wer raucht bekommt einen Herzinfarkt“ kann dies nicht leisten. Während Erwachsene sich mit dem Begriff ‘Gesundheits erziehung ’ nicht anfreunden konnten waren die Maßnahmen für Kinder und Jugendliche zu wenig gegenwartsbezogen.

Das biomedizinisch orientierte Konzept der Gesundheitserziehung wurde in den 80er Jahren zunehmend vom eher sozialwissenschaftlich orientierten Konzept der Gesundheitsförderung abgelöst. Dies bedeutet allerdings nicht, dass gesundheitserzieherische Maßnahmen völlig von der Bildfläche verschwanden. Sie wurden als eine Interventionsmöglichkeit in das Gesamtkonzept der Gesundheitsförderung integriert.

In der Ottawa-Charta zur Gesundheitsförderung drückt sich ein umfassendes Verständnis von Gesundheit und Krankheit aus. Dieses Konzept folgt der Idee, dass nicht nur das individuelle Verhalten, sondern ebenso die Verhältnisse, also Umwelt, Wohnbedingungen, Erziehung, Bildung etc. die Gesundheit beeinflussen. Folgerichtig kann es nicht ausschließlich die Medizin sein, die eine positive Beeinflussung der Gesundheit erreicht. Es geht um eine stärkere Berücksichtigung der sozialen Dimension und um politischen Maßnahmen zur Veränderung von Rahmenbedingungen. Ziel der Gesundheitsförderung soll es ebenso sein, persönliche Kompetenzen zu fördern, um damit mehr Selbstbestimmung über die eigene Gesundheit zu ermöglichen.

Die Ottawa-Charta ist ein Dokument, das einen Idealzustand entwirft. Auch wenn der Charta häufig die fehlende Praxisbezogenheit vorgeworfen wurde, hat sie doch den Anstoß dazu gegeben, Gesundheit als gesellschaftliches Thema zu betrachten, das eines interdisziplinären Zugangs bedarf. Von der WHO selbst wurden zur Umsetzung dieser Ideen 1987 das „Gesunde Städte“-Projekt und 1990 das Projekt „Gesundheitsförderung im Krankenhaus“ gestartet.

Ob gesundheitsfördernde Maßnahmen im Sinne der Ottawa-Charta mehr zu verbesserter Gesundheit beitragen, als die ursprünglichen gesundheitserzieherischen Maßnahmen ist aufgrund zahlreicher methodischer Probleme noch nicht in ausreichendem Maße evaluiert worden (vgl. Brösskamp-Stone et al., 1998). Forschungsergebnisse und Fallstudien weisen allerdings eindeutig darauf hin, dass Gesundheitsförderung wirksam ist (vgl. Rieländer u. Brücher-Albers, 1999). Im Rahmen der 4. Internationalen Konferenz zur Gesundheitsförderung, die 1997, also 11 Jahre nach der Konferenz von Ottawa, in Jakarta stattfand, wurden die Fortschritte und Kenntnisse im Bereich der Gesundheitsförderung aufgezeigt. Als Prioritäten der Gesundheitsförderung im 21 Jahrhundert wurde u.a. der Ausbau der Investitionen in die Gesundheitsentwicklung und die Sicherstellung einer Infrastruktur für die Gesundheitsförderung beschrieben.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Auszug aus der Ottawa-Charta zur Gesundheitsförderung von 1996

2. Zur Situation von Kindern und Jugendlichen

Das Morbiditätsspektrum hat sich in den entwickelten Industrieländern innerhalb der letzten Jahrzehnte stark gewandelt. Dies gilt nicht nur für die Erwachsenenpopulation, sondern ebenso für Kinder und Jugendliche. Waren es in der Vergangenheit vor allem Mangelkrankheiten und die klassischen infektiösen Erkrankungen, an denen Kinder und Jugendliche litten, rücken psychosomatische Störungen, psychische Auffälligkeiten und auch chronische Erkrankungen mehr und mehr in den Vordergrund.

Dabei ist das Zurückweichen der Mangel- und Infektionskrankheiten vor allem auf einen verbesserten Lebensstandard zurückzuführen. Wenn man jedoch bedenkt, dass die Schere zwischen Arm und Reich in Deutschland seit einigen Jahren wieder vermehrt auseinanderklafft und der Anteil der Haushalte, die mit einem monatlichen Nettoeinkommen von unter 2000 DM auskommen müssen, steigt (vgl. Geißler, 1996) kann man davon ausgehen, dass auch diese Erkrankungen weiterhin auftreten werden. In diesem Zusammenhang muss erwähnt werden, dass die Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Schicht nicht nur das Risiko an einer bestimmten Erkrankung zu erkranken determiniert, sondern ebenso das Mortalitätsrisiko von Kindern und Jugendlichen beeinflusst (vgl. Elmen u. Sundh, 1994 und Schlack, 1999).

2.1. Belastende Faktoren

Der Erziehungswissenschaftler Klaus Hurrelmann weist darauf hin, dass Kinder und Jugendliche „ihren Preis für die fortgeschrittene Industrialisierung, Urbanisierung, Kommerzialisierung und Individualisierung des Alltagslebens“ zahlen (vgl. Hurrelmann, 1990, S.1) Einerseits profitiert zwar ein Großteil von ihnen vom materiellen Wohlstand, andererseits bringen die veränderten Bedingungen des Aufwachsens in Schule, Familie und Freizeit auch zahlreiche Probleme mit sich, die sich in gesundheitlichen Störungen niederschlagen können. Zu diesen veränderten Bedingungen gehört zum Beispiel der Rückgang von Kleinfamilien und die zunehmende Instabilität von familialen Verhältnissen. Aus der Trennung der Eltern ergeben sich für Kinder psychische und soziale Belastungen. Vernachlässigung und mangelnde Anregung des Kindes, Überforderung oder Gewalt in der Familie können zu gesundheitlichen Belastungen führen. Aber auch in einer ‘normalen’ Familie hat sich das Aufwachsen von Kindern verändert. Das Zusammenleben von Eltern und Kindern ist heute oftmals durch Partnerschaftlichkeit und nicht durch elterliche Disziplinierungsmaßnahmen gekennzeichnet. Kinder und Jugendliche können mit ihren Eltern Optionen aushandeln, haben viele Freiheiten. Dies kann zu Orientierungsproblemen führen. Ohne Vorgaben und Restriktionen das eigene Leben zu gestalten, kann, vor allem in Verbindung mit instabilen Familienverhältnissen, zu Anforderungen an Kinder und Jugendliche führen, denen sie nur unzureichende Kompetenzen entgegenzusetzen haben (vgl. Palentien et al., 1999).

Den schulischen Bereich betreffend verbringen Kinder und Jugendliche im Vergleich zu früher mehr Zeit in Bildungseinrichtungen. Dabei ist seit längerem ein Trend dahingehend zu beobachten, einen möglichst hohen Schulabschluss zu erreichen, um damit die Chance auf einen gut dotierten Arbeitsplatz zu sichern. In Studien konnte gezeigt werden, dass Jugendlichen bewusst ist, dass sie mit ihren schulischen Leistungen das Fundament für ihre berufliche Laufbahn schaffen (vgl. Engel & Hurrelmann, 1989). Können sie die angestrebten schulischen Leistungen nicht erbringen kann dies zu psychosomatischen Störungen führen. Nachvollziehbar erscheint, dass die Angst vor Arbeitslosigkeit neben globalen Ängsten vor Umweltzerstörung und Kriegen an erster Stelle der zukunftsbezogenen Sorgen von Jugendlichen steht (vgl. Seiffge-Krenke,1994).

2.2. Zum Gesundheitsstatus von Kindern und Jugendlichen

Empirische Studien zeigen, dass bei Kindern und Jugendlichen heute zunehmend chronische Erkrankungen, psychosomatische Beschwerden und psychische Auffälligkeiten zu beobachten sind. Von chronischen Erkrankungen sind etwa 10% betroffen (vgl. Petermann, 1994). Es handelt sich um Krankheiten wie Allergien, Bronchitis, angeborene Herzfehler, Epilepsie, Diabetes und Krebs.

Weitere Studien kommen zu dem Ergebnis, dass etwa 10-12% der Kinder im Grundschulalter an psychischen Störungen in Leistungs-, Wahrnehmungs- und Gefühlsbereichen leiden.

Zu berücksichtigen ist, dass infolge einer unzureichenden Gesundheitsberichterstattung keine umfangreichen Daten über den Gesundheitsstatus von Kindern und Jugendlichen vorliegen. Hinweise geben einzelne Studien oder aber die Schuleingangsuntersuchungen. Außerdem ist davon auszugehen, dass Kinder mit weniger schweren bzw. weniger auffälligen Störungen nicht in Beratungsstellen, psychologischen oder ärztlichen Praxen diagnostiziert werden.

Ohne die Möglichkeit, die Zahl der Erkrankungsraten immer genau anzugeben sollen im folgenden dennoch einige Erkrankungen und Störungen erwähnt werden:

Im Bereich der psychosomatischen Erkrankungen leiden Kinder an Neurodermitis, Asthma Bronchiale, Anorexia Nervosa, Bulimie, Adipositas und Magen-Darm-Störungen. Es handelt sich um Erkrankungen mit einer körperlichen Symptomatik, deren Ursache jedoch in psychischen Faktoren zu finden ist Zu den psychosozialen Auffälligkeiten, die Schätzungen zufolge 10-12% der Kinder im Grundschulalter aufweisen, zählen die Lese-Rechtschreibschwäche, sensomotorische Störungen, hyperkinetische Störungen, Konzentrationsstörungen, Auffälligkeiten im affektiven Bereich wie Ängste, Depressionen und Suizidalität, Aggressionen und Störungen im sozialen Verhaltensbereich (vgl., Hurrelmann 1990).

Mersmann (1999) berichtet in einer aktuellen Studie zur Gesundheit von Schulanfängern in Köln, dass 6,6% der 9.225 untersuchten Kinder so sehr in ihrer Entwicklung verzögert waren, dass die Einschulung zurückgestellt wurde. Ein Anteil von 14,2% (!) der Kinder wies grobmotorisch-koordinative Störungen auf, 11,4% Sprachstörungen, 8,6% fein- /visumotorische Schwächen, 8,4% Verhaltensauffälligkeiten und 5,6 %der Kinder litten an Adipositas. Bei 2,3% der Kinder konnte bereits eine Skoliose, also eine Verformung der Wirbelsäule, häufig in Folge von Bewegungsmangel und Fehlhaltung, festgestellt werden.

35 von 35 Seiten

Details

Titel
Prävention und Gesundheitsförderung für Kinder und Jugendliche
Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Veranstaltung
Entwicklungs- und Verhaltensstörungen im Kindes- und Jugendalter
Note
1,0
Autor
Jahr
2000
Seiten
35
Katalognummer
V102145
Dateigröße
456 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Arbeit grenzt zunächst den Begriff der Gesundheitsförderung vom Begriff der Gesundheitserziehung ab. Neben der Schilderung von Ansatzpunkten für Maßnahmen der Gesundheitsförderung wird auch die gesundheitliche Situation von Kindern und ihre Einstellung zu Gesundheit beschrieben. Ein kurzes Kapitel zur Evaluation gesundheits- fördernder Maßnahmen und ein Beispiel zur Drogenvorbeugung in der Schule- wohlgemerkt ohne erhobenen Zeigefinger - schließen die Arbeit ab. Ausführliche Literaturangaben.
Schlagworte
Prävention, Gesundheitsförderung, Kinder, Jugendliche, Entwicklungs-, Verhaltensstörungen, Kindes-, Jugendalter
Arbeit zitieren
Anja Meurer (Autor), 2000, Prävention und Gesundheitsförderung für Kinder und Jugendliche, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/102145

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